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00:00Morning. Morning.
00:04It's not for me. It's like a work.
00:09Do I have to take one?
00:10They fight every day for the need.
00:13And against the limit.
00:14All of the people should be in the Keller.
00:17And the Schlüssel should be in the Mülleimer.
00:19In Berlin live more people without a living.
00:22Mitten under us.
00:23How would you describe your life?
00:25Katastrophal.
00:27Man muss verstehen, dass ich das machen muss,
00:29weil ich nichts habe.
00:31Wie bewältigt man den Alltag, wenn man nichts hat?
00:35Kannst du mir ein Vodum machen?
00:37Und wie kommt man da wieder raus?
00:40Ist schon ein Angebot weg. Auch schon wieder weg.
00:44Drei Menschen und ihre Geschichten.
00:57So, Bülent, was brauchst du denn?
00:59Ein T-Shop.
01:01M, L, X, S.
01:04M, oder?
01:05M.
01:06So.
01:07Ganz zart. Wunderschön.
01:09So, was noch?
01:10Ein paar Soppen.
01:12Dann steht eine Hose.
01:13Bülent ist seit drei Jahren obdachlos.
01:17Die Notunterkunft vom Verein Straßenfeger
01:20ist für ihn ein wichtiger Rückzugsort geworden.
01:22Dann haben wir's.
01:24Das ist mein Zimmer.
01:27Bülent darf aber nur zehn Nächte am Stück hier übernachten.
01:30Dann muss er erst mal wieder raus.
01:33Das ist mein Gut und Habe, was ich habe.
01:36Ein Rutsack und paar Zermappen.
01:40Nicht viel.
01:43Also der ist jetzt gerade 30, ist noch nicht so was.
01:46Aber das ist mein Lieblingspullover.
01:48Weil das, was da draufsteht, einfach, ich find das ammer.
01:52Also ich kann ja nicht so gut ähnlich.
01:55Aber die Übersetzung hat man mir gesagt, ich renne vor mein Problembett.
01:59Machst du das?
02:00Naja, irgendwie rennen ja viele nach ihrem Problembett.
02:05Weil einfach die Probleme so groß sind.
02:08Man sagt das nicht zu überwinden.
02:09Bülent ist 49 und in Berlin aufgewachsen.
02:13Auf die Straße brachten ihn Jugendsünden, Drogen und Probleme, die schon früh anfingen.
02:18Mein Vater war ein Alkoholiker, hat uns ziemlich schlecht behandelt.
02:24Also ziemlich schwierige Kindheit gehabt.
02:30Und mittlerweile habe ich da niemanden.
02:33Ich bin ganz allein.
02:38Beim Verein Straßenfeger hat er eine Aufgabe gefunden.
02:41Die neuen Straßenfeger-Magazine sind da.
02:44Alle zwei Monate erscheint eine neue Ausgabe.
02:47Bülent hilft Sozialarbeiter Steven.
02:50Die aktuelle Ausgabe ist für Bülent etwas ganz Besonderes.
02:55Ich habe ein Interview drin.
02:58Aber Alanna wartet darauf.
03:00Das Heft widmet Bülent eine ganze Seite.
03:03Der inzwischen schon seit zwei Jahren als Verkäufer dabei ist.
03:06Machen wir dahinter.
03:11So.
03:14Der Platz wird knapp.
03:16So.
03:18Perfekt.
03:19Es gibt den Leuten einfach ein gewisses Selbstwertgefühl zurück.
03:22Und was den Leuten ganz wichtig ist, ist halt, dass es eben nicht diese, ich sag jetzt mal, das Betteln
03:28ist.
03:29Sondern, dass sie den Leuten was anbieten können.
03:31Und es gibt so ein bisschen Normalität und Struktur natürlich.
03:34Das ist ganz wichtig.
03:36Ich brauchte 20 Magazine.
03:38Bülent zahlt 50 Cent pro Magazin.
03:41Seine Kunden später 2,50.
03:43Zehn.
03:45Vom Gewinn lebt er.
03:46Ich zählst wieder gegen.
03:48Und dann nochmal 10.
03:50Also ich habe jetzt 20 Schrift gekauft.
03:53Ich hoffe mal, dass ich so gut habe, dass morgen alle weggehen.
03:57Ich meine auch noch.
03:59Ob das da raus was wird, werden wir morgen sehen.
04:02Ist das jetzt sehr ambitioniert?
04:05Ja, weil das höchste, was ich an einem Tag verkauft habe, war, setz mal was hier.
04:10Das ist mein Rekord.
04:12Also setz.
04:13Und wenn ich 20 loswerde, dann überbiete ich ja meinen eigenen Rekord und verziehen es hoch.
04:20Ich versuch's auf jeden Fall.
04:21Er hofft auf sein Interview als Verkaufsargument.
04:37Komm einfach mal rüber.
04:39Ja, ja.
04:41Geh mal ein bisschen in die Sonne, ne?
04:43Der Sonne ist immer gut.
04:46Meine Verehrte, das ist Anur.
04:48Gleich mal vor.
04:54Manuel genannt Manni bei seiner Morgenroutine.
04:58Aufwärmen nach einer Nacht um die 0 Grad.
05:01Ja, das ist ja wie jedem auch noch selbe.
05:04Nur langweilig wird's hier nicht.
05:06Noch ist leer, ja.
05:07Aber die verschiedenen Leute kommen ja erst noch.
05:09Das ist ja früh am Tag.
05:12Erst mal passiert das hier.
05:14Und nicht hauber.
05:15Das weiß man nicht.
05:17Sein Zeltlager hat er hier zum ersten Mal vor etwa sechs Jahren aufgeschlagen.
05:21Er ist 40 Jahre alt und sei im Kiez aufgewachsen, erzählt er.
05:25Wie würdest du dein Leben jetzt beschreiben?
05:28Meins?
05:28Mhm.
05:30Katastrophal eigentlich, ja.
05:32Lass es mir aber nicht anmerken oder heule da jetzt auch nicht rum, weil damit kannst
05:35du auch nichts ändern.
05:36Man muss einfach sehen, wenn es durchkommt und das Beste draußen machen.
05:39Ja.
05:40Schön, dass du auch da bist.
05:44Wie geht's dir?
05:45Heute ein bisschen besser.
05:46Mhm.
05:48Aber siehst du da in so einer Pappkiste?
05:49Da hast du Bier drin.
05:50Kannst du dir noch ein Bier mit drin mitbringen?
05:51Wärst du mal so lieb?
05:53Dankeschön.
05:54Oh, ein langeliebiger, guter Freund.
05:57Nee, nee, da Marcel.
05:58Marcel, Marcel.
06:00Andere Seite.
06:01Marcel, Marcel.
06:04Marcel mit Doppel-L.
06:06Nicht da.
06:07Ich geh da mal selber hin.
06:10Ja.
06:11Das ist einfach.
06:12Filter sowieso nicht.
06:14Orange.
06:16Hahaha.
06:17Hier hast du mit Ihnen.
06:20Richtig.
06:20Weil hier ist alles ein bisschen kontermaniert, muss ich sagen.
06:24Ich muss jetzt mal aufräumen, weil es alles zwischen Winterwitterung ist alles hier
06:28auch ein bisschen mit Ländschaft gezogen worden.
06:32Der Winter war lang und hart und hat seinem Zell zugesetzt.
06:38Da schlafe ich nicht mehr.
06:39Ich schlaf hier.
06:40Genau, neuer Ding.
06:40Ich hab hier mein Kopf gesen.
06:41Also zwischen zwei Schlafdecke.
06:43Was hat das Kopf gesen?
06:44Ist doch.
06:45Ich bin schön weich.
06:46Im Moment nicht mit denen ein.
06:49Und ja, versuche die Nacht zu überleben.
06:51Aber Gott sei Dank ist es ja nicht mehr kalt.
06:53Hier muss ich ein bisschen auf Survival-Modus leben.
06:55So ein paar Pinder und ja, koche, heize, halt mich warm.
07:00Mit der Feuer ist schade halt.
07:02Sie ist hier Multiplayer.
07:03Wo aber sie auch leider viel beschwert wird, wenn sie läuft.
07:05Weil Qualm und so.
07:06Feuer, naja.
07:07Gut.
07:08Immer wieder hat das Ordnungsamt sein Zelt geräumt.
07:11Auch, weil einige Nachbarn sich hier im idyllischen Prenzlauer Berg gestört fühlen.
07:16Dabei würde auch Manni gerne anders leben.
07:18Eine Wohnung.
07:19Eine ganz normale Wohnung.
07:20Muss ja kein Diamantenschloss sein.
07:22Das muss ja was ganz Schlichtes sein, sag ich mal.
07:26Eine Wohnung mit verwenden.
07:27So wie jeder hier wohnt.
07:29Der Badewanne, dein Bettchen, dein Herd.
07:31Du kannst dich waschen, kannst kommen.
07:34Seine Chancen auf dem Wohnungsmarkt sieht er allerdings nüchtern.
07:39Wenn sich jetzt ein Vermieter fragt, wo haben sie letztlich wohnt.
07:41Kannst du nicht sagen, hier einfach Platz 1, Parkbank.
07:44Und ich komme gerade auf der Straße und werde mich mal hier in die Wohnung ran.
07:47Kein Vermieter würde ich nehmen.
07:53Seit Jahren steigt die Zahl der Obdachlosen in Berlin.
07:56Das liegt auch an der dramatischen Lage auf dem Wohnungsmarkt.
08:01Und darauf will Daniel heute aufmerksam machen.
08:07Er hatte Mietschulden und verlor sein Zuhause nach einer Zwangsräumung.
08:13Ja, ich feiere heute, wenn man das sarkastisch sieht.
08:16Man hat ja immer irgendeinen Grund zum Feiern.
08:18Und seit 7 Uhr vor 6 Jahren musste ich meinen Schlüssel abgeben
08:23von einer Wohnung, wo ich 36 Jahre gelebt habe.
08:28Sein Jahrestag ist der Anlass für diese Mahnwache.
08:31Sie soll zeigen, wie hart das Leben ohne Wohnung sein kann.
08:35Und an die erinnern, die auf der Straße gestorben sind.
08:38Hi, komm her. Daniel.
08:40Schön, du bist hier willkommen.
08:44Alles frei für alle Künstler.
08:46Daniel möchte mit den Passanten über seine Geschichte reden.
08:50Vor Augen führen, wie schnell man abstürzen kann.
08:52Entschuldigung, haben Sie schon was gehört von Homeless,
08:55wohnungslose Menschen?
08:58Entschuldigung, haben Sie Interesse,
09:00eventuell wohnungslose Menschen zu unterstützen?
09:03Hallöchen, darf ich euch mal ansprechen?
09:05Ja, gerne.
09:05Ihr guckt so interessiert hier.
09:07Ja, gerne.
09:07Wir haben erst mal heute, das ist der Anlass, Homeless.
09:10Ja.
09:11Eine extreme Form der Wohnungslose, also der Armut, nicht?
09:14Und das kann er eben in jedem treffen.
09:16Ihr seid ja noch relativ jung.
09:18Und wie wisst ihr, die Mieten steigen ja ohne Ende.
09:21Interessiert euch mal ein bisschen Obdach und Wohnungslosigkeit?
09:25Nee.
09:25Warum nicht?
09:26Kann jeden treffen, Eigentumswohnung, oder ihr habt Eigenheim.
09:30Aber er ist ja Berlin.
09:32Seine Erfahrungen haben ihn zum Aktivisten werden lassen.
09:36Auch sechs Jahre nach der Zwangsräumung hat er noch keine neue Wohnung gefunden.
09:40Obwohl er sogar in Teilzeit arbeitet.
09:42Das ist mein Wunsch.
09:43Für mich persönlich, ja.
09:45Irgendwann eben eine Wohnung zu finden, so schnell wie möglich.
09:48Und sonst habe ich keine Wünsche.
09:50Wunsch ist glücklich, ich bin ganz ehrlich.
09:53Kein Schlaf, oder?
09:57Manni bekommt Besuch.
09:59Von zwei Nachbarn.
10:00Ein spätes Frühstück.
10:03Sebastian, gut?
10:05Sebastian ist Heilpraktiker.
10:07Und Laura studiert.
10:09Ja, bitte.
10:11Ich habe Sebastian ein bisschen gegründet.
10:13Jawoll, jawoll.
10:14Beinseitig angehört.
10:16Mit Dino-Eiern.
10:17Mit Dino-Eiern.
10:18Ja, ich hatte keinen Spick.
10:19Guck mal, siehste.
10:21Hast du Hunger schon?
10:23Nein.
10:24Nein.
10:25Nein.
10:27Du weißt, ich brauche immer meine Anwärmephase.
10:29Und dann...
10:31Ja.
10:32Ja, ja, ja.
10:32Aber ein Ketter vielleicht, oder?
10:34Ja, ein bisschen schmuddelig, aber ich auch nicht.
10:37Seit Monaten kommen die beiden regelmäßig.
10:41Haben ihre anfänglichen Berührungsängste inzwischen abgelegt.
10:46Ja, es ist total schön.
10:47Es ist immer was Besonderes.
10:48Es ist immer eine andere Stimmung hier auf dem Platz.
10:51Ähm...
10:51Immer was Neues.
10:52Immer was Neues irgendwie.
10:54Neue Menschen, die man kennenlernt.
10:58Und Manni auch irgendwie von Mal zu Mal irgendwie besser kennenlernt.
11:01Ist auch richtig schön.
11:02Als Freund einfach auch.
11:04Also...
11:05Ich mag's gern zu wissen, wie er sein Spiegelei ist.
11:07Oder...
11:08Keine Ahnung, was sein Lieblingsband ist.
11:09Respekt, ne?
11:11Respekt, ne?
11:14Am Anfang hatte ich das Bedürfnis, mit Mitleid hier ranzugehen.
11:20Habe ich gleich gemerkt, es ist total viel am Platz.
11:23Ne?
11:23Also braucht hier keiner.
11:25Habe ich gemerkt, der Respekt ist viel besser.
11:28Ja, das hat völlig meine Sicht verändert.
11:29So, Prost.
11:34Manni, darf ich dir die Sprühse anmachen?
11:35Na, bitte.
11:36Laura und Sebastian wollen eine Brücke sein.
11:39Zwischen Manni und den Anwohnern.
11:41Sie suchen das Gespräch und vermitteln, wenn es Ärger gibt.
11:44Unser Traum ist eigentlich, dass es keine Fremdkörper mehr sind.
11:48Also, die Obdachlosen für die Anwohner und umgekehrt.
11:52An Manni und seinen Freunden scheiden sich die Geister.
11:57Obdachlose leben schon seit Jahrzehnten auf dem Helmholtzplatz.
12:00Doch der Kiez verändert sich.
12:04Und Obdachlose und Suchtkranke machen Ärger.
12:08Nebenan im Supermarkt hat Manni Hausverbot.
12:12Und im Restaurant gegenüber ist man geteilter Meinung.
12:16Ich meide diesen Bereich eigentlich schon seit längerer Zeit.
12:20Es ist häufig ein aggressives Auseinandersetzen der Männer untereinander.
12:26Ein Gegröle, ein Gezanke.
12:30Vor allem abends, vor allem als Frau, ist es dann doch zum Teil ein bisschen beunruhigender.
12:35Ich glaube auch irgendwo, dass es so ein bisschen Berlin ist.
12:38Also, gerade auf dem Helmholtzplatz.
12:39Ich glaube, wir sind jetzt schon ein bisschen länger da.
12:41Und das sieht eigentlich auch jeden Abend ziemlich romantisch aus, wie sie da mit ihrem Feuer sitzen.
12:44Für mich ganz persönlich waren sie auch ein Teil Normalität, sind es noch.
12:50Solange er kein wildes Feuer macht, hat er auch schon, dass die Feuer wegkommen musste und so.
12:54Und solange er nicht zu viele seiner Kumpels hier noch mit ran holt, ist das alles erträglich, glaube ich.
13:01Und irgendwo müssen diese Leute ja hin.
13:10Bülent startet seinen Rekordversuch. 20 Zeitungen will er an diesem Tag verkaufen.
13:35Seine Schicht fängt gut an. Der Zeitschriftenverkauf ist seine einzige Einnahmequelle.
13:42Naja, betteln ist nichts für mich. Also, ich möchte nicht die Leute belästigen.
13:47Und so denkt es mir, es ist für mich wie eine Arbeit. Einfach freundlich sein, nett sein.
13:54Und wenn einer trotzdem was spendet, sagt es nicht nein, natürlich.
13:59Morgen. Danke dir. Schönen Tag wünsche ich dir.
14:03Möchtest du eins mitnehmen mit Interviewen von mir?
14:06Dankeschön.
14:07Bülent erhält keine Sozialleistungen.
14:09Er ist nicht mal krankenversichert.
14:12Na? Ja, bei dir?
14:14Ich mach das eben mit Lässeln, damit die Leute es rüttlässeln.
14:18Manchmal klappt es.
14:20Manchmal wird es auch ignoriert.
14:21Grüß dich. Na?
14:24Kröpfchen?
14:24Ja, Kröpfchen.
14:26Danke dir.
14:29Ah, wunderbar.
14:35Danke.
14:40Danke, sagt man.
14:41Danke.
14:42Man muss ja nicht unbedingt geben, aber man kann ja wenigstens ein Danke sagen.
14:48Und das haben viele Menschen vergessen, leider das zu sagen. Morgen.
14:53Also, es gibt Leute, die machen kein Unterschied, ob man obdachlos ist oder nicht.
14:56Die handeln einfach wie ein Menschen.
15:00Und dann gibt es noch welche, die gucken an und denken, die haben ein Monster gesehen.
15:04Und drehen gleich wieder den Kopf um.
15:08Der Umrührer ist drinnen.
15:10Alles klar. Ich kannte die, Herr Triss.
15:11Und jetzt noch nicht weiß ich nicht.
15:13Oh.
15:13Ihr wisst ja wie neu aus, da haben meine Interviews drinnen.
15:17Kannst du mal durchlesen.
15:18Alles klar.
15:19Dann sind das hier.
15:21Seine Zeitungen darf er nicht direkt vor der Tür verkaufen.
15:25Das ist noch Privatgeländer.
15:27Auch das Türenöffnen wurde ihm verboten, weil dadurch die Automatiktüren beschädigt würden, so die Hausleitung.
15:34Weil er es dennoch tut, hat er ein Hausverbot bekommen.
15:38Bülent muss hinter der Linie aus Pflasterstein bleiben.
15:41Hast du Geld, hier kriegt man deine Straßenfehler.
15:43Danke dir.
15:45Hast du erzählt, dass ich dir Lotteschein schenke?
15:48Hast du da was gewonnen?
15:49Leider nicht.
15:50Das machen wir öfter mal.
15:52Ich habe immer ganz doll die Daumen gedrückt, dass das mal den richtigen trifft.
15:55Das ist fast wie meine Mama mittlerweile.
15:58Sie hilft mir irgendwie immer.
16:00Wir übertreiben es nicht.
16:02Ich habe auch schon gesagt, du ist Monatsende, jetzt wird es ein bisschen knapp.
16:05Er gar kein Problem, alles gut.
16:08Und er erfährt hier auch teilweise so viel Negatives.
16:12Er wird verjagt.
16:13Er darf hier nicht stehen.
16:14Die schimpfen ihn aus.
16:16Und das finde ich nicht korrekt.
16:17Ich wollte ihm den Tag mal ins Service spendieren, weil er sagen,
16:21die Haare hatte.
16:22Ich habe das bezahlt.
16:24Zum Schluss hat er ihm das Geld vor die Füße geworfen und hat gesagt,
16:27geh deine Haare schneiden, wo du willst.
16:29Es war an dem Tag sehr, sehr traurig.
16:32Ich habe fast geweint.
16:33Also ich stinke nicht.
16:36Ich bin sauber andersrum.
16:39Und ich würde einfach nicht freuen, wenn ich wie ein Mensch behandelt werde.
16:46Na, wie läuft's?
16:47Scheiße.
16:50Hast du was zu dessen?
16:53Willst du was?
16:55Ja?
17:00Hast du eine Schnecke?
17:04Zwei, vier, sechs, acht, neun Stück.
17:11Mein Rekord war ja bis jetzt auf sechs.
17:14Und mein Aufnungsstück zum Schluss, weil ich möchte alle heute loswerden.
17:20Zwei Stunden hat er noch Zeit für seinen Rekordversuch.
17:24Auf dem Helmholtzplatz hat eine Suchaktion begonnen.
17:28Gesucht wird Mannis Steuernummer.
17:31Steuernummer.
17:31Manni.
17:32Ja.
17:35Wo fangen wir an?
17:37Manni bekommt gerade kein Bürgergeld, weil er dafür seit diesem Jahr ein Bankkonto braucht.
17:42Doch ohne Steuernummer?
17:44Kein Konto.
17:46Gab hier so weit hier, guck mal da noch mal.
17:49Ein Brief von der Krankenkasse ist alles, was er findet.
17:53Ja, dann kann ich da doch anrufen, oder nicht?
17:55Ja.
17:56Und dann nach der ID fragen, oder?
17:58Wenn Sie die Auskunft geben, komm, ich werde mal vorne.
18:01Not macht erfinderisch.
18:03Laura will's versuchen.
18:05Okay, wir ziehen das jetzt durch, mach's schnell.
18:08Hallo, guten Tag.
18:09Ich gucke mich für einen Freund an, der sitzt neben mir.
18:11Und wir würden gerne nach seiner Steuer-ID einmal fragen.
18:15Ja, ich gebe Leitung weiter.
18:17Ja, bitte.
18:21Schönen guten Tag, oder, mein Name?
18:23Hier ist alles ein bisschen chaotisch bei mir.
18:25Finde ich gerade nichts und ich wollte mir erhoffen,
18:29weil ja die Postbank das braucht, dass ich mir von euch meine Steuer-ID-Nummer,
18:33die erforderlich ist.
18:37Ja, geil, okay. Also, ein Moment.
18:42Äh, hast du was zu schreiben?
18:43Ja, sag an.
18:45Aber schon langsam und, ja, kann losgehen.
18:507, 6.
18:52Korrekt, ja?
18:53Okay, gut.
18:55Ich hätte mal mit der Runter, die, ja.
18:57Und was lässt sich wegen seiner verlorenen Gesundheitskarte machen?
19:02Ja, und wie eine Kartenbestellung?
19:05Ein Bild.
19:07Äh, gut.
19:09Einen Moment.
19:09Kannst du von mir ein Foto machen?
19:11Von der weißen Leinwand irgendwie?
19:13Muss jetzt nichts Schönes sein.
19:14Ein geometrisches Bild, so ungefähr,
19:16dass du einfach von mir zum Foto schießt
19:17und du es an den rüber schickst.
19:20Geht das?
19:23Vielleicht da, guck mal, ähm, siehst du das Parkplatzschild
19:26und dahinter?
19:28Ja, es ist beige.
19:29Ja, aber beige oder weiß, es ist egal.
19:31Ja.
19:32Wollen wir durchziehen?
19:33Wollen wir eben hinlaufen?
19:34Nein, dann gehen wir mal zu einer weißen Hauswand.
19:36Okay.
19:36Komplett wieder.
19:38Einfach, einfach ein Foto von mir.
19:42Ja, bei der Runruf.
19:45Okay, ja.
19:46Hab ich gemacht.
19:48Ja.
19:49Jetzt greifst du da vorne am Zubladen,
19:51mit meinem Geburtsladen und dann schickst du es ab.
19:53Ja.
19:54Suchaktion erfolgreich beendet.
20:10Daniel leidet noch immer an den Folgen seiner Zwangsräumung.
20:15Ich hab 13 Jahre nicht geraucht.
20:18Durch diese ganze Zwangsräumung und dann eben die Pandemie
20:22und dann die Unterbringung und man hängt nur in diesen Raum rein
20:25und dann hab ich extrem angefangen zu rauchen wieder.
20:30Er lebt seit einem knappen Jahr auf 40 Quadratmetern.
20:33Aber nur provisorisch.
20:35Die Wohnung gehört einem sozialen Träger.
20:37Jo, das ist die kleine, schöne, große Küche.
20:42Oh, eine kleine Honigstille.
20:45Warum nicht?
20:47Ich hab mich auch nicht eingerichtet.
20:49Man sieht's in der Küche, ist alles spuralisch hier mit Plastik und so.
20:54Aber ist tausendmal besser wie in der Unterbringung.
20:56Ich kann hier in die Duschen gehen,
20:58dann kann ich nackig durch die Küche laufen oder ins Bett gleich.
21:02Und dann ist gut, das konnte ich im Wohnheim eben nicht.
21:05Die Wohnung ist nicht auf Dauer, nur eine Übergangslösung,
21:08um ihm erst mal aus der Obdachlosigkeit zu helfen.
21:11Das heißt also, für ein halbes Jahr bin ich immer safe drin.
21:15Und dann muss wieder neu beantragt werden.
21:16Also der Sozialamt muss zustimmen und der Betreuer muss gnädig sein,
21:22in dem Sinne.
21:22Wenn man jetzt natürlich nicht mitspielt in dem, in ihrem System,
21:26und man ist bockig oder eben Depression, man kann nicht,
21:30dann kann der Betreuer sagen, okay, das bringt nichts.
21:33Und dann hat derjenigen Pech und muss aus der Wohnung auch wieder raus
21:35und kommt wieder in Unterbringung rein.
21:38Mit Unterbringung meint er Wohnheime.
21:42Die Angst, dort wieder zu landen, begleitet ihn ständig.
21:47Daniel will endlich Unabhängigkeit.
21:50So, mal kurz gucken, was das...
21:54Ja, jeden Tag gucken.
22:02Wohnungsangebote.
22:03Sag mal, wie viele Bewerbungen glaubst du, hast du jetzt verschickt?
22:07Oh, in meiner gesamten Zeit, jetzt überlege ich jetzt,
22:094,5 Jahre ist es wahrscheinlich,
22:11Pi mal Daumen bin ich über 6000 Wohnungsbewerbungen,
22:16komm ich drauf, mindestens.
22:18Nur 60 Mal sei er zu einer Besichtigung eingeladen worden.
22:22Ich habe jetzt hier ein Angebot, Mietwohnung,
22:24das ist so Tempelhofer Damm.
22:27Das sieht aus, wenn ich mich mal bewerbe.
22:30Daniel arbeitet Teilzeit in einem Sozialhilfeverein
22:33und stockt mit Bürgergeld auf.
22:35Sein Budget für eine Wohnung, 500 Euro monatlich.
22:39Also ich geh mal hier gleich zurück.
22:41Aha, ist schon Angebot weg.
22:44Also das heißt, eine Wohnung, auf der ich mich nicht mehr bewerben kann.
22:47Wann ist die reingekommen? Kann ich mal kurz gucken.
22:50Uhrzeit um 12.49 Uhr.
22:52Also die war also quasi innerhalb von 12 Minuten,
22:55haben sie die gleich wieder vom Markt genommen,
22:57weil sie sich innerhalb von diesen 12 Minuten
22:59höchstwahrscheinlich 2000 Menschen sich beworben haben.
23:03Auch schon wieder weg.
23:05Kein Mensch ist freiwillig obdachlos.
23:07Wenn ein Mensch nicht in ein Wohnheim oder Unterbringung reingehen will,
23:11weil da vier Leute in einem Zimmer leben,
23:12und man kennt die anderen drei nicht.
23:14Der eine ist ein Alkoholiker, der andere vielleicht ein Junkie
23:17oder Heroin-Süchtig, der andere ein Choliriker, was weiß ich,
23:20noch Probleme, und da kommst du jetzt als neue Person rein
23:23und musst dort leben mit den drei zusammen.
23:25Ist Stress.
23:26Und wie ging es deiner Psyche da?
23:28Ich ging, ich muss den Peck machen.
23:32Ja, ich wiederhole mich.
23:36Du überhust dich nicht?
23:37Ich wiederhole mich.
23:38Ich kann, ist tot.
23:40Ich wollte mir das Leben nehmen.
23:42So ging es mir.
23:43Das geht nicht mehr, das ist jetzt Ende.
23:46Boah, ey.
24:11Manni ist bei seiner Abendroutine angekommen.
24:23Das ist ja keine Scheißsache.
24:26Das hat sich nur gebeten, sich hinzusetzen.
24:30Weil Alkohol passiert ist, sowieso auf meine Kappe geht.
24:32Als Gastgeber will er keinen Ärger
24:34und fühlt sich irgendwie verantwortlich für das, was hier passiert.
24:38Alkohol ist keine Lösung, aber Alkohol ist beruhigt und lündert.
24:42Die Probleme sind jetzt nicht weg.
24:44Aber es hemmt.
24:45Und das ist sowieso so besser abbauen.
24:48Wenn jeder besoffen ist, kann sich besser unterhalten,
24:50als wenn du in der Schlag angepuppen bist und ich bin nüchtern.
24:54Ja, naja.
24:55Und wenn, wenn, auf dem gleichen Level oder gar nicht.
24:58Also ja, ja.
25:01Äh, wie lange das geht?
25:03Ja.
25:03Ja.
25:05Und alle Besoffenen sind unfallen.
25:06Nein, Quatsch.
25:21Bülent ist fertig mit seiner Schicht.
25:24Oh, feierend.
25:35Grüße.
25:36Grüße.
25:37Grüße.
25:37Na?
25:38Erzähl.
25:38Ich brauche mal das hier, ne?
25:40Ja, das wollte ich ja grad fragen, weil du hast ja gesagt, Wette und so.
25:43Ja, ich hab halt so 18 Stück losgeworden.
25:46Oh, klar.
25:47Und das ist wegen, ne?
25:49Ja, komm gerne vorbei.
25:50Alrighty.
25:51Okay, machen wir.
25:56Zeit für eine Bilanz.
25:58Das ist mein heutige Einnahme.
26:00Das zählen wir mal erst mal.
26:02Zehn.
26:05Zwanzig.
26:08Was verdienst du sonst so?
26:11Oh, sonst verdienest du 15, 20 Euro am Tag.
26:1830, 35, 40, 45, 50, 70.
26:25Da hab ich schon lange nicht mehr verdient.
26:27Freust du dich?
26:28Ja.
26:29Kann mir mein Flat verlendern von zehn Euro.
26:33Kann mir paar Ideen des heut kaufen.
26:36Und nachher was Schönes essen.
26:39Ich kann's mir wenigstens, wie soll ich sagen, leisten jetzt,
26:43ohne jemanden und wie Sopran, ich brauch das oder das.
26:47Es war eine schöne Tat, gute Tat.
26:58Seine Nachmittage verbringt er oft alleine im Park.
27:02Auch, um Drogen und Alkohol fernzubleiben.
27:07Ich meine, ich hab viele Leute vom Edeka,
27:11aber das ist ja kein Partner, kein Freund.
27:17Familie. Fehlt alles.
27:26Und sowas macht, wenn man darüber nachdenkt, wird man traurig.
27:31So wie ich vor Medita lache, im Privatleben lache ich nie. Selten.
27:38Mein Ziel ist wieder einfach, wie soll ich sagen, das Leben zu führen,
27:45was ich eigentlich führen wollen würde.
27:49Ein Wohnung, vielleicht eine kleine Arbeitsstelle.
27:53Einfach ein normales Leben führen.
27:55Versichert sein, Freunde haben.
28:00Einfach der Bülent sein, der Bülent ist.
28:06Und nicht der Obdachlose Bülent.
28:15Und nicht der Obdachlose Bülent.
28:17Immer leben wir noch.
28:19Wir leben ja noch.
28:21Das ist schön.
28:22Das ist ein Bülent, oder?
28:25Wir leben ja noch, ja.
28:29Wir leben ja noch.
28:30Einfach weitermachen.
28:33Immer bleiben.
28:34Immer bleiben bleiben.
28:35Wie auch gehen.
28:38Wir leben ja noch.
28:40Das ist ein Bülent.
28:45Ich bin ja noch nicht.
28:49Ich bin ja noch nicht.
28:50Ich bin ja noch nicht da.
28:51Aber ich bin ja noch nicht da.
28:51Ich bin ja noch nicht da.
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