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00:00Elefanten können mit den Füßen hören, Pottwale verständigen sich mit Klicks und Ziegen warnen sogar vor Vulkanausbrüchen.
00:09Wir können die Tiere abfragen, könnt ihr uns sagen, was der Berg euch sagt?
00:13Wie Tiere sich verständigen und wie Menschen sie bald noch besser verstehen können, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.
00:21Wir forschen in einer Zeit großer Chancen.
00:26Was der hier sagt.
00:29Und wie gut Hunde unsere Sprache sprechen.
00:33Jetzt bei Quarks.
00:41Herzlich willkommen zu Quarks.
00:44Keine Panik, das hier ist nicht ein neues Tool für faule Moderatoren.
00:47Solche Soundboards sollen Hunden beim Kommunizieren helfen.
00:51Mein Hund Bass zum Beispiel, der soll mir damit sagen können, was ihm gerade durch den Kopf geht.
00:56Ist dieser Gesichtsausdruck, ist das Neugier oder bettelt er im Futter?
01:00Meine Kollegin Joana hatte Zweifel, ob das hiermit wirklich besser funktionieren kann.
01:05Die Kommunikation zwischen Hunden und Menschen und hat es ausprobiert.
01:08Aber dann kam alles ganz anders.
01:20Auf Social Media sind diese Hunde berühmt.
01:24Mit Hilfe von solchen Soundboards sollen sie angeblich sprechen können.
01:28Wenn ich solche Videos sehe, da geht mir schon das Herz auf.
01:32Wie schön wäre es, wenn Hunde so mit uns kommunizieren könnten.
01:37Aber ich bin auch ganz schön skeptisch.
01:39Kann das wirklich funktionieren?
01:41Können Hunde sprechen lernen?
01:43Das will ich heute herausfinden.
01:46Hi, hallo, ich bin Joana.
01:48Hallo, Melina.
01:50Dafür habe ich mich mit Hundetrainerin Melina Bönsch verabredet.
01:54Gemeinsam wollen wir die Buzzer mit ihrem Hund Simba testen.
01:58Was erwartest du, wie das heute laufen wird?
02:00Ich glaube, das wird ein spaßiges Thema.
02:03Also ich habe auf jeden Fall Lust, das auszuprobieren und bin auch super gespannt,
02:06wie die Hunde darauf reagieren werden und ob die sich erstmal selbst austesten an den Buzzer.
02:14Können die Hunde mit den Soundboards sprechen lernen?
02:18Wir haben uns die Knöpfe bestellt.
02:21Auf die Buzzer kann man eigene Kommandos aufnehmen.
02:25Was denkst du, welche Kommandos sind so die sinnvollsten?
02:29Hm, also essen wäre, glaube ich, nicht schlecht.
02:33Da wissen die direkt, aha, kommt ein Keks.
02:36Spielen geht auf jeden Fall auch.
02:39Ich teile jetzt diesen Sprechbutton mal gedrückt und dann nehmen wir dein Kommando auf.
02:43Essen.
02:45Mal sehen, ob es geklappt hat.
02:47Mhm.
02:49Ja.
02:50Gut.
02:51Hör mal, wie sie gucken.
02:52Ja.
02:54Aber...
02:54Mhm.
02:59Denkst du denn, die Hunde werden später über die Buttons mit dir kommunizieren?
03:04Also ich glaube nicht, dass sie verbal mit mir kommunizieren können.
03:08Weil wir das ja so trainieren, der Button wird gedrückt, das Wort Essen kommt auf und dann kriegt der Hund
03:15ein Leckerchen.
03:16Das wird der Hund verstehen.
03:18Und daraufhin könnten die das hier mal drücken, weil sie es erlernt haben im Vorfeld.
03:22Die Hundetrainerin ist also kritisch.
03:26Einzelne Begriffe können die Tiere lernen, glaubt sie.
03:28Eigene Sätze bilden?
03:30Nicht.
03:31Was sagen andere Hundebesitzer?
03:33Also mit diesem Drücken und die einzelnen Wörter und sich so einen Satz zusammenzustellen, das kann ich irgendwie nicht glauben.
03:41Ob das nicht vielleicht immer dieselbe Abfolge ist, die der einmal gelernt hat.
03:44Und weil dann das große Lob von dem Frauchen kommt, dass er das dann immer wieder macht.
03:48So denke ich es eher.
03:49Boah, schwierig.
03:50Also irgendwie, man sagt ja immer, Hunde sind schon relativ clever.
03:53Ob man das wirklich so hinkriegt, dass sie diese Verknüpfung herstellen, weiß ich nicht.
03:57Aber ich würde fast vermuten, wenn man das so richtig gut konditioniert und dann auch wirklich der Hund versteht,
04:01was ist jetzt gerade mit welchem Geräusch gemeint, dass das vielleicht schon funktionieren kann.
04:04Ich glaube, das sind vielleicht ein paar Trainingseinheiten, dass da eben auf bestimmte Kommandos oder sowas der Hund auf ein
04:09paar Dinger draufdrückt.
04:11Aber ich bin mir nicht sicher, ob das jetzt wirklich, dass er wirklich das gesprochene Wort da so versteht.
04:16Zurück zu Simba. Er probiert die Knöpfe ganz interessiert aus.
04:19Wie lange wird er brauchen, bis er Knopf und Wort verbinden kann?
04:24Was denkst du, wie lange würde sowas dauern, dass so eine Verknüpfung entsteht?
04:28Ich glaube, das geht recht schnell.
04:29Ich glaube, wenn man etwas mehr Ruhe hat und einen reizarmen Raum, den wir gerade nicht haben,
04:38dann ist das natürlich einfacher für die Hunde.
04:43Oh, super.
04:45Spielen.
04:47Dann Simba.
04:49Ja.
04:52Guck mal hier.
04:54Malia schaut nur zu.
04:57Er lernt ja jetzt das erste Mal, diese Buzzer zu drücken.
05:00Und er macht das ja sofort, jetzt auch bei dem zweiten Wort.
05:03Das finde ich schon ganz schön erstaunlich.
05:05Ja, also sie merken sofort Erfolgserlebnis und dann ist die Verknüpfung einfach super schnell da.
05:11Ich muss was drücken und es passiert was Tolles.
05:14So viel neue Informationen und dann noch ein Kamerateam.
05:18Simba bekommt eine Pause, um alles zu verarbeiten.
05:23Dann überrascht er mich.
05:26Ja, super.
05:33Jetzt hat er auch ganz bewusst mit der Pfote gedrückt.
05:36Ja.
05:36Gar nicht.
05:37Sehr gut.
05:39Er scheint ja sogar verbessert zu haben im Grunde, die das drücken.
05:44Die verarbeiten ja auch noch ein bisschen nach.
05:47Das heißt, in der Ruhepause können Sie noch mal ein bisschen drüber nachdenken.
05:51Ich bin beeindruckt.
05:53Relativ schnell lernt Simba, welcher Button Essen und welcher Spielen bedeutet.
05:57Können Hunde solche Begriffe auch verknüpfen?
06:01Macht Sinn, den Knopf zu drücken, ne?
06:09Manche Tiere können also um die 150 Tasten lernen.
06:13Aber es heißt noch lange nicht, dass sie diese Vokabeln auch verstehen und sinnvoll verknüpfen können.
06:17Ob das wirklich geht, wollte Joana auch rausfinden.
06:19Aber dann ist leider was passiert, mit dem niemand gerechnet hat.
06:24Eigentlich wollten wir an dieser Stelle Videos von Simba zeigen.
06:28Wie er sich so nach einer Woche schlägt, wie er die Buzzer drückt und was er so alles gelernt hat.
06:33Aber dann hat uns eine sehr traurige Nachricht erreicht.
06:35Simba ist leider ein paar Tage nach unserem Besuch verstorben.
06:39Bei ihm wurde ein Tumor festgestellt und es gab keine Hoffnung auf Heilung.
06:43Das tut uns unfassbar leid und wir wünschen Melina alles, alles Gute.
06:46Das heißt, unsere Frage, ob Hunde wirklich lernen können, mit den Buzzern mit uns zu kommunizieren,
06:52die müssen wir leider ohne Simba beantworten.
06:55Bei meiner Recherche bin ich auf eine spannende Studie über die Buzzer gestoßen.
07:00152 Hunde haben dafür fast 200.000 Mal die Knöpfe gedrückt.
07:04Knapp zwei Jahre lang sind die Daten erfasst und analysiert worden.
07:10Jetzt bin ich mit dem Autor verabredet, dem US-Wissenschaftler Federico Rossano.
07:15Ein renommierter Tierkommunikationsforscher.
07:23Glauben Sie, dass Hunde tatsächlich über die Buzzer kommunizieren können?
07:30Ich denke, wir haben genug Beweise, um zu zeigen, dass sie die Buzzer wirklich kommunikativ nutzen.
07:35Sie binden die Besitzer mit ein, zum Beispiel, indem sie um dessen Aufmerksamkeit und Hilfe bitten.
07:40Sie fragen nach Dingen, die wirklich für Hunde relevant sind und drücken nicht einfach nur das, worauf sie trainiert wurden.
07:47Zum Beispiel wird eine Million Mal trainiert, ich liebe dich zu drücken.
07:51Aber der Hund drückt hauptsächlich Futter spielen und Gassi gehen.
07:55Hunde drücken also nicht so oft, ich liebe dich, wie es ihnen eigentlich beigebracht wird.
08:03Die Studie zeigt also, die Hunde verwenden die Knöpfe tatsächlich für das, was sie auch wollen.
08:10Zum Beispiel Futter.
08:12Und sie armen nicht einfach die Besitzer nach.
08:15Menschen drücken zum Beispiel häufiger später.
08:18Hunde aber mehr jetzt.
08:21Außerdem werden bestimmte Kombinationen häufiger gedrückt, als man es durch reinen Zufall erwarten würde.
08:27Das ist besonders interessant.
08:30Warum ist es so revolutionär, wenn Hunde zwei Wörter miteinander kombinieren?
08:37Eine Kernaussage in der Linguistik ist, dass die Syntax und unsere kombinatorischen Fähigkeiten unsere menschliche Sprache ausmachen.
08:44Wenn ich sage, der Hund jagt die Katze, dann denkt man nicht nur Hund-Katze-Rennen, sondern man hat ein
08:51ganz klares Bild von der Szene.
08:53Wenn ich jetzt sage, die Katze jagt den Hund und einfach nur die Reihenfolge der Wörter vertausche, dann ist das
08:59eine völlig andere Bedeutung.
09:02Bisher wusste man nicht, dass Hunde Wörter durch Tastendrücke kombinieren können.
09:06In einer laufenden Studie untersucht Professor Rossano, was noch möglich ist.
09:11Für das Wort Krankenwagen fehlt hier ein Knopf.
09:14Manche Hunde können jetzt aus den vorhandenen Knöpfen zum Beispiel Quietschen und Auto eine ähnliche Bedeutung ableiten.
09:21Ob sich das in der Studie bestätigt, ist noch unklar.
09:26Sobald man ein Repertoire von 100, 150 Wörtern hat und dann anfängt, Kombinationen kreativ zu produzieren, dann wäre das revolutionär.
09:35Das würde darauf hindeuten, dass diese Tiere über kognitive Fähigkeiten verfügen, die eher denen eines Kleinkindes ähneln würden als denen
09:43eines Babys.
09:44You know, a baby would have, a newborn would have.
09:47Bunny ist Teil von Professor Rossanos Studie.
09:50Sie soll die Knöpfe schon kreativ nutzen, um sich besser auszudrücken.
09:56Hier erklärt sie ihrer Besitzerin, dass sie wütend ist.
10:01Bunny sagt, sie hat Schmerzen.
10:05Sie drückt den Knopf für Fremder.
10:12Ein Fremder in ihrer Pfote?
10:17Es zeigt sich, Bunny hat einen Splitter in ihrer Pfote.
10:21Hat sie tatsächlich einen Weg gefunden, sich ohne die richtigen Knöpfe mitzuteilen?
10:26Das können wir nicht prüfen.
10:28Die Frage ist also, können wir einen Weg finden, es den Menschen einfacher zu machen, die Hunde zu verstehen?
10:36Und ich hoffe, dass uns manche dieser Knöpfe helfen können, uns besser um sie zu kümmern.
10:45Die Buttons können also mehr als nur eine Spielerei sein.
10:49Vielleicht sind sie tatsächlich ein Weg, unsere Tiere besser zu verstehen.
10:56Als ich die Videos von den sprechenden Hunden gesehen habe, da war ich sehr skeptisch.
11:00Weil ich mir dachte, ja, vielleicht zeigen die einfach nur die Kombinationen, die Sinn ergeben.
11:05Und der große Rest, der sinnlos ist, der wird einfach nicht gezeigt.
11:08Das war auch für die Autoren der Studie ein Problem.
11:10Und deshalb haben sie stichprobenartig Beobachter zu den Leuten nach Hause geschickt.
11:15Inzwischen haben sie sogar einen Weg gefunden, alle Drücker vollautomatisch aufzuzeichnen.
11:19Ich bin sehr gespannt, was da noch weiter erforscht wird und natürlich auch, wie die Ergebnisse zu bewerten sein werden.
11:24Ein Weg ist, mithilfe von sehr vielen Daten und maschinellem Lernen, Muster in der Tierkommunikation zu erkennen und zu deuten.
11:32Damit könnten irgendwann vielleicht Tierlaute in menschliche Sprache übersetzt werden.
11:37Schon jetzt können Tiere mithilfe von künstlicher Intelligenz besser verstanden werden.
11:41Auch Tiere, deren Verhalten eigentlich schon gut erforscht ist.
11:45Katzen.
11:45Um Gesichtsausdrücke von Katzen zu lesen, haben Forschende eine KI trainiert.
11:51Die Mimik von Katzen ist nämlich so schnell, dass sie mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist.
11:56Damit die KI das kann, wurden bestimmte Bereiche im Katzengesicht markiert.
12:02Das sehen Sie hier.
12:03Dadurch konnte der Computer verfolgen, wie Katzen ihre Gesichter bewegen.
12:07Ein Ergebnis, Katzen ahmen Gesichtsausdrücke voneinander nach.
12:11Zum Beispiel können sie sich so versichern, dass beide wirklich noch spielen wollen, damit es keinen Stress gibt.
12:16Ohne Computerhilfe wären die Forscherinnen und Forscher nie darauf gekommen.
12:20Das zeigt total gut, wie künstliche Intelligenz dazu beiträgt, die Kommunikation von Tieren zu verstehen.
12:27KI-Algorithmen können heute tausende Stunden von Tieraufnahmen verarbeiten, für deren Sichtung Menschen Jahrzehnte brauchen würden.
12:34Erforscht werden dabei auch ganz besondere Tiere, wie zum Beispiel die Nacktmulle.
12:43Dieses freundliche Fiepsen ist der Begrüßungston der Nacktmulle.
12:49Könnte heißen, hallo, hier bin ich.
12:54Das Unglaubliche, eine KI hat das übersetzt.
13:01Und dieses Grunzen heißt sowas wie, lasst uns in Ruhe.
13:05Wie wäre es, wenn wir Menschen irgendwann mit einem Chatbot zurückantworten könnten?
13:16Das wäre mein absoluter Traum.
13:18Ich glaube aber, es wird schwierig, weil wir einfach vieles noch gar nicht wissen.
13:22Ich denke, wir forschen in einer Zeit großartiger Chancen.
13:26Durch die künstliche Intelligenz haben wir viel mehr Möglichkeiten, Daten zu sammeln und zu analysieren.
13:34Allison Barker erforscht die Nacktmulle seit acht Jahren.
13:38Sie hat herausgefunden, dass sie ein ausgeklügeltes Stimmrepertoire haben.
13:43Etwa 25 verschiedene Laute können die Nagetiere von sich geben.
13:50Diese Mikrofone zeichnen sie hier im Labor auf, rund um die Uhr.
13:55Und nicht nur nacktmullisch wollen Forschende verstehen.
13:59Weltweit gibt es Forschungsprojekte, um Tierlaute mithilfe von KI zu analysieren.
14:05In Spanien sind es die Rufe von Krähen.
14:10In Kanada das Zwitschern von Zebrafinken.
14:14Und draußen im Meer werden Walgesänge mit Unterwassermikrofonen aufgenommen.
14:18Ihre Klänge sind bis zu 100 Kilometer weit im Wasser zu hören.
14:23Doch was bedeuten sie?
14:26Tierkommunikation ist geprägt durch Muster.
14:29Tiere haben verschiedene Laute, mit denen sie Informationen sich gegenseitig mitteilen.
14:35Und für die Menschen ist es manchmal schwierig, in dieser großen Menge der Muster die Signifikanten zu finden.
14:43Und da kann KI helfen, weil KI sehr gut ist in der Mustererkennung.
14:48Bevor es KI gab, konnte man nur die Tiergeräusche aufnehmen, aus dem Verhalten der Tiere auf deren Bedeutung schließen und
14:56den Tieren dann Playbacks vorspielen, also bereits aufgenommene Töne, um zu sehen, wie sie darauf reagieren.
15:04Mithilfe von KI soll das nun besser und schneller funktionieren. Und zwar so.
15:10Die KI wird zunächst mit großen Datenmengen, also den Tönen der Nacktmulle, gefüttert.
15:15Wer ist Sender? Wer Empfänger? In welcher Situation treten die Töne auf? Und was bedeuten sie?
15:21Dann kann die KI die Töne einzelnen Individuen zuordnen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen.
15:29Das Ganze passiert nahezu in Echtzeit.
15:32Im Max-Planck-Institut in Frankfurt leben 200 Nacktmulle in verschiedenen Kolonien.
15:37Bis zu 70 Tiere bilden einen Staat. Wie bei Bienen oder Ameisen gibt es nur eine Königin, die den Ton
15:45angibt.
15:48Alison Barker will herausfinden, wie sich die kleinen Nager organisieren und ihre Laute für das Zusammenleben nutzen.
15:59Wir können ihre Geräusche unterscheiden. Sie geben soziale Laute von sich, wenn sie die Gesellschaft eines anderen Tieres als angenehm
16:07empfinden.
16:08Es gibt aber auch negative, aggressive Töne bei Konflikten.
16:13Besonders viel wissen wir über das leise Zirpen. Damit begrüßen sie sich gegenseitig in den Tunneln.
16:21Besonders putzig, sie haben sogar Töne für den Toilettengang.
16:28Wenn die Königin und das Paarungsmännchen einer Kolonie die Toilette nutzen, geben sie eine kurze Sequenz von Zirplauten von sich.
16:35Aber wir wissen noch nicht, warum. Wir haben ein paar Hypothesen, warum sie mitteilen möchten, ich bin auf der Toilette.
16:42Zum Beispiel, dass diese Stelle jetzt speziell für die Königin reserviert ist.
16:48Vielleicht heißt es auch einfach nur, Achtung, jetzt stinkt's.
16:51Bei der Auswertung von 36.000 Nacktmulltönen gab es für Alison Barker und ihr Team aber noch eine weitere Überraschung.
17:02Wir haben entdeckt, dass der Begrüßungston, das leise Zirpen für jede Kolonie spezifisch ist.
17:07Die Tiere können so die Mitglieder der eigenen Kolonie von den anderen unterscheiden.
17:11Hier ein paar Beispiele. Die erste Kolonie klingt so.
17:19Und hier ist eine andere.
17:25Nacktmulle sprechen also Dialekt. Aus gutem Grund, denn sie sind blind und können so offenbar feststellen, zu welcher Kolonie sie
17:32gehören.
17:33Das Earth Species Project, für das auch KI-Experte Felix Effenberger arbeitet, will noch einen Schritt weiter gehen.
17:40Dazu sollen mithilfe von KI gezielt Tierlaute erzeugt werden, um eines Tages vielleicht direkt mit ihnen kommunizieren zu können.
17:48Wenn man KI-Modelle auf menschliche Sprache trainiert, dann übersetzt das Modell Sprache in einen geometrischen Raum.
18:00Und den kann man sich so vorstellen wie eine Galaxie. Und in dieser Galaxie stellt jedes Wort ein Stern dar.
18:08Und was diese KI-Modelle jetzt schaffen, ist, Wortbeziehungen zu übersetzen in geometrische Beziehungen in dieser Galaxie.
18:19Geometrische Beziehungen heißt, ein Wort steht immer mit anderen Wörtern in einer Beziehung.
18:24Da die Beziehungen in vielen Sprachen sehr ähnlich sind, schafft es KI, eine Übersetzung von einer Sprache in eine andere
18:32zu erzeugen.
18:33Und das ohne Wörterbuch.
18:38Die Übersetzung in Tiersprachen ist allerdings noch schwierig.
18:42Denn Tiere kommunizieren nicht nur mit Lautäußerungen, sondern auch nonverbal.
18:47Unter anderem durch Gerüche und Körperkontakt.
18:50Pottwale zum Beispiel kommunizieren über Klickgeräusche.
18:54Forschende vermuten, dass diese ähnlich wie Buchstaben in unserem Alphabet angeordnet werden.
19:02Das Problem ist, dass wir natürlich eine inhärent menschliche Sicht auf die Welt haben.
19:08Und die sich wahrscheinlich fundamental unterscheidet von der Sicht, die andere Tierarten auf die Welt haben.
19:15Und deswegen kann es sein, dass vielleicht auch Tiersprachen gar nicht mit der menschlichen Sprache so vergleichbar sind.
19:23Sondern vielleicht ist eine Analogie zur Musik eine bessere.
19:28Dass also Emotionen übermittelt werden und nicht unbedingt Informationen immer.
19:35Das Earth Species Project experimentiert bereits an ersten Tierarten mit synthetischen Tiergeräuschen.
19:42Wird es also irgendwann möglich sein, auch einem Wal zu antworten?
19:46Eine große Hürde könnte natürlich sein, dass das Tier sofort merkt, dass es nicht mit einem anderen echten Wal aus
19:54Fleisch und Blut kommuniziert.
19:55Und zum Beispiel die Antworten des Modells verzögert kommen oder einfach keinen Sinn ergeben in den Augen des Wals.
20:05Und genau das versuchen wir dann in zukünftigen Experimenten herauszufinden.
20:11Für ein echtes Gespräch braucht es vor allen Dingen den gemeinsamen Wunsch zu sprechen.
20:16Alison jedenfalls hat noch viele Fragen an ihre Nacktmulle.
20:21Ich würde gerne wissen, wie es ist, unter einer Königin zu leben.
20:24Und ja, ich denke, es gibt vieles, was wir von ihrer Sozialstruktur lernen können.
20:29Ich würde sie wirklich gerne fragen, wie sie alles organisieren.
20:33Das wird vielleicht nie möglich sein.
20:35Dennoch, solche Forschungsprojekte helfen uns, die Tiere, mit denen wir diesen Planeten teilen, immer besser zu verstehen.
20:47Das Faszinierende an all dieser Forschung ist ja auch, wir gehen immer davon aus, dass unsere Wahrnehmung der Welt der
20:54objektiven Realität entspricht.
20:55Aber das ist natürlich nicht so, weil auch wir nur einen Teil der Realität überhaupt wahrnehmen können.
21:01Unser Gehör zum Beispiel kann Frequenzen zwischen etwa 20.000 und 20.000 Hertz wahrnehmen.
21:05Wenn es noch gesund und jung ist.
21:07Das ist gar nicht so schlecht, wie man hier erkennen kann.
21:11Tiefe Töne können wir trotzdem nur teilweise hören.
21:13So entgeht uns ein Teil des Gesangs der Blauwale, weil viele Töne für uns einfach zu tief sind.
21:19Es gibt auch Tiere, die wir gar nicht hören können.
21:22Mäuse singen, um sich zu verständigen.
21:25Aber sie singen mit so hohen Tönen, dass wir das nicht wahrnehmen.
21:29Auf einer Frequenz von bis zu 110.000 Hertz.
21:32Und hier kommen noch ein paar andere Formen der Tierkommunikation.
21:41Nummer 1. Elefanten reden mit den Füßen.
21:44Zumindest manchmal.
21:46Denn natürlich findet ihre Kommunikation vor allem über das Tröten, Gesten und andere tiefe Laute statt.
21:51Aber für weite Distanzen von bis zu 10 Kilometern haben sie eine besondere Methode entwickelt.
21:58Infraschall.
21:59Den erzeugen Elefanten tief unten in der Kehle und halten den Rüssel in Bodennähe, um so den Infraschall zu übertragen.
22:06Über Druckrezeptoren an den Füßen spüren auch kilometerweit entfernte Tiere das Signal.
22:11Und erhalten so Botschaften zu Nahrung, Partnersuche oder Gefahren.
22:17Von den ganz Großen zu den ganz Kleinen.
22:21Glühwürmchen flirten mit einer Lightshow.
22:23Bevor wir das weiter besprechen, erstmal Begriffsklärung.
22:27Glühwürmchen sind überhaupt keine Würmer, sondern Käfer.
22:30Und fliegen können auch nur die Männchen.
22:32Besonders gut zu beobachten an warmen Sommerabenden, wenn sie ihren Hinterleib zum Leuchten bringen, um potenzielle Partnerinnen zu verführen.
22:40Die können nämlich nicht fliegen und hocken auf Grashalmen, Ästen oder auf dem Boden.
22:48Bringen die Herren ihre Leuchtorgane zum Glimmen, lassen auch die Damen ihr Hinterteil aufleuchten und lotsen die paarungsfreudigen Käfer zu
22:55sich.
22:56Es gilt, die hellste Lampe hat die besten Chancen.
23:00Und im Verhältnis zur Größe kann deren Leuchtkraft sogar mit einer gewöhnlichen Glühbirne mithalten.
23:07Und jetzt wird's rhythmisch. Honigbienen tanzen ihren Schwestern was vor.
23:12Wo gibt's die beste Futterstelle? Wo den schönsten Nistplatz?
23:15Diese Informationen vermitteln Bienen ihren Kolleginnen im Stock nicht mit Tango oder Hip-Hop, sondern durch Rund- und Schwänzeltänze.
23:24Die Tanzbewegungen variieren dabei in Schnelligkeit, Häufigkeit und Richtung.
23:29Um welche Futterquelle handelt es sich? In welcher Himmelsrichtung liegt sie? Und wie weit ist sie entfernt?
23:35All das übermittelt die Biene in einer regelrechten Tanzchoreografie.
23:39Und zwar für Orte in bis zu zwei Kilometern Distanz.
23:43Anschließend geht's auch für die anderen Honigbienen ab in Richtung Blumenwiese.
23:50Tierkommunikation ist nicht nur deshalb so interessant, weil wir gern wissen möchten, wie Tiere zum Beispiel Informationen austauschen.
23:56Spannend ist die Forschung natürlich auch, weil wir vielleicht in Zukunft etwas über das Gefühlsleben von Tieren erfahren könnten.
24:03Das hilft nicht nur, Lumpi zu Hause zu verstehen.
24:05Es könnte auch bei Nutztieren von großem Vorteil sein, weil wir dann vielleicht rausfinden könnten,
24:10ob die Art und Weise, wie wir diese Tiere halten, die richtige ist.
24:14Ob Tiere Emotionen auf ähnliche Art und Weise erleben wie wir, ist in der Wissenschaft sehr umstritten.
24:20Mit der Forschung zu diesem Thema habe ich mich mal auf meinem YouTube-Kanal Quarks Dimension Ralf beschäftigt.
24:26Kann ein Hund sowas wie Liebe empfinden?
24:31Es sieht so aus, als wäre zumindest die Grundvoraussetzung da.
24:34Es gibt nämlich ein Hormon, Oxytocin.
24:37Das steht im Zusammenhang mit einem Gefühl von gegenseitigem Vertrauen und auch Liebe.
24:42Wenn wir unsere Hunde streicheln, dann wird Oxytocin ausgeschüttelt.
24:46Und zwar sowohl beim Menschen als auch beim Hund.
24:50Und dann gab es diese Schlagzeilen.
24:53Hunde können vor Glück weinen.
24:56Neue Studie aus Japan beweist es.
24:58Ist das Gefühlsleben von Hund und Menschen doch sehr viel ähnlicher?
25:02Ich sag mal so, die Schlagzeilen haben die Ergebnisse ein bisschen überhöht.
25:07Die Studie ist interessant, keine Frage, aber sie stellte nur fest, dass die Menge an Tränenflüssigkeit bei Hunden ansteigt, wenn
25:15sie auf Herrchen oder Frauchen treffen.
25:17Oder wenn man den Hunden Oxytocin gegeben hat.
25:20Das ist ein bisschen was anderes als vor Glück weinen.
25:24Klar ist, es gibt sehr ursprüngliche Gefühle wie Todesangst oder die Bindung zwischen Mutter und Kind, die bei allen Säugetieren,
25:32also auch bei Menschen und Hunden, sehr ähnlich sein dürfte.
25:36Darüber hinaus gibt es Emotionen, die kulturell geprägt sind, wie moderne romantische Liebe.
25:42Kulturell geprägt heißt, wir haben diese Art von Emotion gelernt.
25:46Und weil manche dieser Emotionen sich so heftig und ursprünglich anfühlen, kommen die uns universell vor.
25:53Diese Emotionen sind aber nicht bei allen Menschen gleich.
25:57Wir neigen einfach dazu, von uns auf andere zu schließen.
26:00Und deshalb unterstellen wir auch Hunden diese Gefühle.
26:04Wir interpretieren einfach sehr viel.
26:07Ein gutes Beispiel dafür ist der Hundeblick.
26:11Ihr wisst schon, wenn es so aussieht, als würde so ein Hund die Augenbrauen hochziehen.
26:16Wie Menschen, die was ausgefressen haben.
26:19Oder die einen ganz großen Wunsch haben.
26:22Der guckt so süß.
26:24Das löst bei uns Menschen sehr oft eine positive Reaktion aus.
26:28Wölfe können das übrigens nicht.
26:31Was darauf schließen lässt, dass es eine Art Anpassung an uns Menschen ist.
26:35Etwa weil Hunde, die so guckten, öfter was zu fressen bekamen.
26:40Und das ist ganz klar ein Überlebensvorteil.
26:42Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigt auch, Hunde in Tierheimen werden schneller vermittelt, wenn sie häufiger ihre Augenbrauen einsetzen.
26:51Aber die leitende Forscherin, Juliane Kaminski, sagt, dass es keinen Hinweis gibt, dass die Hunde die Augenbrauen bewusst bewegen.
27:00Oder dass sie sich im Tierheim gegenseitig Tipps geben, wie sie am besten ein neues Zuhause bekommen.
27:05Lustigerweise wird der Hundeblick bei Bass noch verstärkt, weil diese zwei hellen Flecken genauso aussehen wie hochgezogene Augenbrauen.
27:14Und auch wenn ich darauf nicht mehr reinfalle, bemerken Hunde wahrscheinlich sehr genau, wie Menschen auf sie reagieren.
27:21Hunde können Menschen nämlich sehr gut lesen.
27:25Es gibt in der Psychologie den Begriff Theory of Mind.
27:28Der steht dafür, dass wir mentale Zustände als mögliche Ursachen sehen für bestimmte Verhaltensweisen.
27:33Das hilft uns dabei, eigene oder auch fremde Handlungen vorherzusagen oder zu erklären.
27:39Es gibt Hinweise, dass nicht nur Tiere wie Menschenaffen oder Rabenvögel erkennen können, wie es anderen geht oder was sie
27:46wissen.
27:47Immer mehr Experimente deuten darauf hin, dass auch Hunde diese Dinge bei uns Menschen erkennen.
27:52Den eindeutigen Nachweis, dass Hunde unsere Perspektive einnehmen und zu ihrem Vorteil nutzen können,
27:58brachte ein Versuch von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
28:02Der Schau-Hin-Schau-Weg-Versuch war so aufgebaut.
28:06Drei Menschen standen nebeneinander.
28:08Der in der Mitte versteckte Futter in einem von mehreren Näpfen, während die beiden links und rechts von ihm in
28:14dieselbe Richtung schauten.
28:15Das heißt, einer von beiden sah, in welchem Napf das Futter versteckt wurde und der andere nicht.
28:21Der Hund konnte das die ganze Zeit beobachten, sah aber natürlich nicht, in welchem Napf das Futter gelegt wurde.
28:27Und dann sollte der Hund rausfinden, in welchem Napf das Futter war.
28:32Natürlich rochen alle Näpfe nach Fressen.
28:34Die beiden Menschen, die neben den Näpfen standen, zeigten auf die Näpfe.
28:39Der Wissende, weil er gesehen hatte, wo das Fressen versteckt wurde, zeigte auf den richtigen Napf.
28:44Der Nichtwissende, weil er nicht gesehen hatte, wo das Futter war, zeigte auf irgendeinen Napf.
28:51Und der Hund musste jetzt beurteilen, wer von beiden Menschen wissen konnte, wo das Futter war.
28:57Er musste die Perspektive der Menschen einnehmen und ihren Blicken folgen, um zu beurteilen, wer der Wissende Informant ist.
29:05Nur so kam er ans Futter.
29:07Schwierige Aufgabe.
29:09Trotzdem waren die Hunde in knapp 70 Prozent aller Versuche erfolgreich.
29:14Die Studie zeigte, dass Hunde herausfinden können, was Menschen oder Artgenossen sehen oder nicht sehen können.
29:21Indem sie gedanklich die Position des Menschen einnehmen und von dort seiner Blickrichtung folgen, finden sie raus, was der Mensch
29:29sieht.
29:30Und sie wissen dann, wem man trauen kann und wem nicht.
29:33Diese Fähigkeit der Wissenszuschreibung ist ein wichtiger Bestandteil einer Theory of Mind.
29:40Das ist echt eine Leistung.
29:43Tierforschung heißt übrigens nicht nur, dass wir Menschen Tiere beobachten, um deren Verhalten besser zu verstehen.
29:49Tierforschung kann auch heißen, dass die Tiere selbst zu beobachtern werden und dabei uns Menschen helfen, unsere Umwelt besser zu
29:56verstehen.
29:56Das passiert zum Beispiel in der Antarktis.
29:59Da gibt es noch viele weiße Flecken auf der Karte.
30:02Die Antarktis ist für uns Menschen sehr schwer zu erforschen, einfach wegen der Umweltbedingungen da.
30:08Dicke Eisschichten, tiefe Temperaturen.
30:10Für See-Elefanten ist das anders.
30:13Das ist deren Lebensraum.
30:14Deswegen haben Forschungsteams ihnen Sensoren angebracht.
30:18Die Tiere können so Daten über Salzgehalt und Temperatur des Wassers sammeln.
30:22Sie helfen also, die weißen Flecken in den Daten zu schließen.
30:25Dadurch können die Folgen der Erderwärmung auf der ganzen Welt besser eingeschätzt werden.
30:30Es gibt Bestrebungen, noch viel mehr Tierarten mit vergleichbaren Sendern auszustatten, um ähnliche Messungen durchzuführen.
30:37Zum Beispiel können Vögel Daten der Luft beisteuern.
30:40Aber nicht alle Tiere brauchen einen Sensor, um nützliche Informationen zu liefern.
30:46Manche Tiere warnen uns sogar vor schlimmen Katastrophen.
30:52Das hier sind ganz besondere Ziegen.
30:55Sie leben an den Hängen des Vulkans Ätna.
30:58Und das macht sich für die Forschung interessant.
31:01Der Biologe Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut hat ein ehrgeiziges Ziel.
31:07Tiere sollen in Zukunft Menschen vor Vulkanausbrüchen warnen.
31:12Wann und wie stark der nächste Ausbruch sein wird, kann bis heute niemand vorhersagen.
31:17Trotz aufwendiger technischer Überwachung.
31:20Können sie es besser?
31:22Wir haben seit dem Altertum eigentlich immer gedacht, dass Tiere Naturkatastrophen, Naturereignisse vorherahnen können.
31:29Jetzt haben wir aber durch die elektronischen Beobachtungsmethoden zum ersten Mal die Gelegenheit, das wirklich aufzuzeichnen,
31:34wirklich zu verstehen, was macht so ein Tier vor, während und nach einem großen Naturereignis.
31:40Der Ätna ist ideal, weil er immer wieder ausbricht und zwischendrin aber auch Ruhephasen hat.
31:46Das ist für uns eigentlich die Idealsituation.
31:48Wir können die Tiere abfragen, könnt ihr uns sagen, was der Berg euch sagt?
31:53Und zwar mit Hilfe von Sensoren in ihren Halsbändern.
31:57Denn die Forscher vermuten, dass sich die Tiere vor einem Ausbruch anders verhalten als sonst.
32:02Und das protokollieren die Sensoren.
32:05Die Tiere laufen frei am Berg herum.
32:08Zweimal im Jahr werden sie ins Dorf hinuntergetrieben.
32:11Die Forscher lesen dann die in den Halsbändern gespeicherten Informationen aus.
32:18Am Computer rekonstruieren sie die Bewegungen jeder einzelnen Ziege und auch, was sie gemacht hat.
32:25Schlafen, gefressen oder herumgerannt.
32:29Und sie schauen, wie aktiv der Vulkan zur gleichen Zeit war.
32:36Solange sie nur auf die einzelnen Ziegen schauen, können sie keine Zusammenhänge finden.
32:43Aber als sie die Aktivitäten aller Ziegen zusammenfassen, wird es deutlich.
32:49Manchmal ist der Bewegungsdrang der Tiere auffallend hoch.
32:52Wenn alle Ziegen mehr oder weniger gleichzeitig zur bestimmten Nachtzeit aktiv sind und dann auch höhere Aktivität weiterhin zeigen,
33:01dann haben wir ein gutes Zeichen dafür, dass in vier bis sechs Stunden ein Vulkanausbruch ist.
33:06Und das war bei allen acht größeren Vulkanausbrüchen dasselbe.
33:11Noch bevor der Vulkan rummort und unsere Messgeräte ausschlagen, können die Ziegen also schon etwas wahrnehmen.
33:20Möglicherweise bestimmte Gerüche.
33:22Wir glauben, dass so ein tierbasiertes Sensorsystem unglaublich toll wäre für die Menschheit,
33:28weil wir damit eine Möglichkeit hätten, Sachen vorherzusagen, die wir jetzt nicht vorhersagen können.
33:33Wir haben ein verteiltes, intelligentes Sensornetzwerk von Lebewesen, die uns sagen, was in ein paar Stunden in der Erde passiert.
33:41Und das wäre natürlich großartig.
33:43Und das nicht nur vor Vulkanausbrüchen, sondern vielleicht auch vor Erdbeben, wie dem hier in Mittelitalien.
33:54Martin Wiekelski und sein Team sind vor Ort, um herauszufinden, ob Tiere auch nahende Erdbeben frühzeitig erkennen können.
34:07Diesmal wollen sie nicht freilebende Ziegen, sondern verschiedene tierische Bewohner eines Bauernhofs in der Region untersuchen.
34:16Nach dem schweren Erdbeben hatte es weitere kleinere Beben gegeben.
34:20Die Forscher hatten vorher den Hühnern, Hasen, Hunden, Schafen und Kühen ihre Halsbänder umgelegt.
34:30Jetzt sind sie wieder hier, um die Ergebnisse auszuwerten.
34:34Verhalten sich die Tiere vor Erdbeben anders, genauso wie vor Vulkanausbrüchen?
34:40Jetzt müssen wir die Daten auslesen. Steckt da irgendwas drin, was uns die Möglichkeit geben könnte, ein Erdbeben vorherzusagen über
34:47das Verhalten der Tiere?
34:51Die Erdbeben-Serie ist für die Region eine Katastrophe. Für die Forscher aber eine große Chance.
35:03Denn die Bauernhof-Tiere sind Teil einer einmaligen, systematischen Untersuchung.
35:09Da brauchen wir auch noch die ganz genauen Daten von den Erdbeben. Die habe ich aber eigentlich schon hier.
35:17Und dann haben sie endlich die Bestätigung. Die Tiere auf dem Bauernhof verhalten sich tatsächlich deutlich aktiver vor dem Beben.
35:24Je nach Stärke und Entfernung des Epizentrums bis zu 20 Stunden vorher.
35:30Aber wie könnte man das nutzen für eine frühere Warnung?
35:34Martin Wiekelski plant, Bauernhöfe der ganzen Region mit einem Alarmsystem auszustatten.
35:40Wenn alle diese Stationen Warnung geben, das heißt überall sind auf einmal die Tiere nervös,
35:46dann führen wir einen Schwellenwert ein und sagen, wenn die zu nervös sind, dann denken wir, dass da in der
35:52Gegend irgendwas passiert.
35:57Das Alarmsystem soll anschlagen und die Bewohner warnen, wenn die Tiere 45 Minuten lang ungewöhnlich aktiv sind.
36:07Tiere scheinen zu spüren, wenn Katastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche nahen.
36:15So würden die Nutztiere zu Beschützern der Region.
36:22Ich habe gerade eben schon davon erzählt, dass Tiere sich zum Beispiel in ganz anderen Tonhöhen unterhalten als wir Menschen.
36:28Und das Gehör spielt vor allem bei Meerestieren eine wichtige Rolle.
36:32Wale können sich gegenseitig über hunderte Kilometer hören.
36:36Die haben teilweise verschiedene Dialekte, je nachdem, wo sie herkommen.
36:40Und Unterschiede gibt es zum Beispiel auch im Takt, in der Tonhöhe und in der Klangfarbe der Lieder.
36:46Delfine und Pottwale, die nutzen Klicklaute, um sich zu orientieren.
36:50Oder auch um zu jagen. Das ist wie ein Echolot auf einem Schiff.
36:54In den Meeren ist inzwischen aber so viel los, also geräuschemäßig,
36:58dass viele Tiere ihr eigenes Wort nicht mehr verstehen können.
37:05Das ist der natürliche Klang der Meere.
37:13Doch heute klingen sie meist so.
37:22Für die Vereinten Nationen ist Unterwasserlärm eine der größten Gefahren für die Meere.
37:29In Nordnorwegen will die Bioakustikerin Heike Fester deshalb seit über 20 Jahren herausfinden,
37:36warum es in den Meeren immer lauter wird und woher der Lärm genau kommt.
37:42Hier haben wir drei verschiedene Hydrofone.
37:46Und hinten machen wir jetzt das, was wir nachher auch benutzen.
37:50Das ist jetzt auch ein Hydrofon.
37:52Kommt noch eine Kamera, ein Aufnahmegerät.
37:55Und das ist gleich.
37:58Die Meeresbiologin aus Baden-Württemberg hat auf der Inselgruppe der Lofoten ihr Forschungsgebiet gefunden.
38:05Hier oben, als ich das gesehen habe, was hier an Artenreichtum ist und wie viele verschiedene Wales gibt, war klar.
38:13Also eigentlich ist es immer das Gebiet, wo viele Wales sind, wie hier in Nordnorwegen.
38:17Aber wenn man Akustik betreibt, dann sind doch die Tiere, die sozial sind, viel kommunizieren, interessanter.
38:25Es ist der ständige Konflikt zwischen dem Unterwasserleben und den Lärmverursachern, zu denen heute auch leider wir gehören.
38:32Wir fahren direkt Richtung Landegu und dann hängen wir da das Hydrofon rein und dann fahren wir Richtung Gude.
38:41Das zum Beispiel sind sehr lärmende Boote, diese Safari-Boote. Die hören wir nachher bestimmt noch.
38:50Zu Wahl-Safaris und Kreuzfahrttourismus kommen in der Polarregion zunehmend Militärübungen.
38:56Also wir halten jetzt hier an und hängen mal das Hydrofon ins Wasser und lauschen mal, ob hier irgendjemand ist
39:03in der Bucht.
39:03Dann mache ich mal den Motor aus.
39:07Das Unterwassermikrofon zeichnet Schallwellen auf, die sich im Wasser etwa fünfmal schneller ausbreiten als in der Luft.
39:15Wahrscheinlich hören wir das Militärschiff, was da anker liegt im Hintergrund.
39:19So hört sich das an, aber auch eins, das so eher ruhig vor sich hindurch hat.
39:26Und ansonsten hören wir noch eben Wellengeräusch.
39:29Aber auch noch etwas anderes. Der Hauptgrund, warum die Meeresbiologin hier im Westfjord ist.
39:36Ein neugieriger Zwergwahl.
39:43Magst du mal hören, Tom?
39:54Also es gibt ja verschiedene Lärmquellen, wir haben jetzt die Boote gehört, die sind eigentlich immer da.
40:00Aber dazu gibt es natürlich auch den Fischfinder von den Fischerbooten, das ist so ein Sonar.
40:06Dann gibt es Militärsonare, die sehr laut sind, zum Glück nicht so häufig vorkommen.
40:11Und ganz weit weg haben wir dann diese seismischen Untersuchungen nach Bodenschätzen, Öl und das.
40:18Das wären dann diese Luftkanonen.
40:20Und die kann man wirklich über 300 Kilometer hier ganz gut aufnehmen.
40:24Andere Forscher haben festgestellt, dass man die über 1000 oder fast 2000 Kilometer weit hören kann.
40:30Lärm kann Zellstrukturen verändern, Stress verursachen, Kommunikation, Jagd, Orientierung und Fruchtbarkeit beeinflussen.
40:39Betroffen sind alle Meeresbewohner, von wirbellosen bis zu Säugetieren.
40:45Ein Wal, der ja Sound oder Laute produziert, auch um sehen zu können, um sich in dieser dunklen Welt zurechtzufinden,
40:55aber auch um die Beute zu finden, das nennen wir ja Biosonar oder Echoortung.
41:01Und wenn dieser Wal ein geschädigtes Gehör hat, kann er das nicht mehr machen.
41:06Das bedeutet, dass der elendig verhungert und dass er wahrscheinlich Anschluss zu seiner Familie verliert.
41:12Und das bedeutet letztendlich den Tod für den Wal.
41:16Die norwegische Regierung bereitet als eines der ersten Länder überhaupt den Abbau von Rohstoffen vom Meeresboden vor.
41:24Die Unterwasserwelt am Polarkreis wird in Zukunft wohl immer lauter werden.
41:30Hier oben denkt man, die Welt ist in Ordnung, alles ist schön ruhig.
41:34Aber wenn man das Hydrofon reinhört, dann hört man eben, dass wir überall sind.
41:39Unsere Maschinen, die lärmen unter Wasser und mischen sozusagen das ganze Marine-Ökosystem auf.
41:47An einer Zweitstelle der Uni-Bode wollen wir die eingesammelten Töne nun auswerten.
41:52Also Tom, hier schauen wir uns mal an, was wir vorher gesehen haben.
41:55Das ist ein Spektrogramm, oben auch mit der Lautstärke. Ich spiele das mal ab.
42:01Du siehst, hier unten ist fast nur Lärm, also das ist alles rot.
42:06Da würden wir, wenn da jetzt irgendwelche Laute werden von den Walen, würden wir es kaum sehen und ganz schlecht
42:12hören.
42:13Ein stark zunehmendes Problem, denn der Unterwasserlärm verdoppelt sich seit den letzten 40 Jahren in jedem Jahrzehnt, in allen Frequenzbereichen.
42:25Wenn wir in den Wald gehen, Reh sehen, was machen wir dann?
42:28Wir bleiben still, wir halten fast den Atem an, weil wir wissen, wenn wir auch nur ein kleines Geräusch machen,
42:35ist das Reh weg.
42:36Sind wir im Boot und sehen Delfine, was machen wir dann? Wir geben Vollgas und das ist der volle Albtraum
42:43für diese Tiere.
42:44Dieser Impulslärm kann tödlich sein. Belastender für das gesamte Marine-Ökosystem ist jedoch der Dauerlärm.
42:52Sollen alles Gasfähren werden ab nächstes Jahr hier, aber man hat das Thema Lärm nicht mit eingezogen.
42:58Also wir wissen nicht, ob die Gasfähren jetzt weniger Lärm produzieren als diese normalen Dieselfähren und das wäre ja sehr
43:06wichtig.
43:07Aber das ist hier in der Politik noch nicht angekommen, wie in vielen Stellen. Also der Lärm wird oft ignoriert.
43:14Durch den Lärm der Menschen verlieren die Meere immer mehr ihre Vielfalt und ihren ganz besonderen Klang.
43:24Wenn die Artenvielfalt in den Meeren immer weiter abnimmt, dann wird das auch Folgen für uns Menschen haben.
43:29Und nicht nur, wenn es darum geht, welche und wie viele Fische wir essen können.
43:33Deswegen ist es so wichtig, dass wir Menschen lernen, Tiere besser zu verstehen, damit wir sie auch besser schützen können.
43:39Das ist eine Art Umweltschutz und das hilft natürlich auch uns Menschen beim Überleben.
43:44Tja und das war's schon wieder für Quarks für diese Woche.
43:46Schön, dass Sie dabei waren. Bis zum nächsten Mal hier in dieser Sendung.
43:51Ich freue mich drauf. Tschüss.
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