Skip to playerSkip to main content
  • 1 day ago

Category

📺
TV
Transcript
00:11There is a lot of confidence in the World Bank that we will produce 2050 on this planet
00:16more than two-thirds of the world more than now.
00:26Plastik in Form von Mikroplastik wurde bereits in menschlichem Gewebe gefunden,
00:31etwa in menschlichem Blut oder im menschlichen Gehirn oder auch in der Muttermilch.
00:37Die Natur kennt doch gar keine Abfälle. Wir sind das einzige Lebewesen, das Abfall macht.
00:43Wir sind noch sehr weit davon entfernt.
00:47Allein gegen den Rest der Welt, das werden wir nicht schaffen.
00:49Ich glaube, es braucht noch sehr viel, dass wir zu einer Gesellschaft ohne Müll kommen.
01:05Die Welt erstickt im Abfall.
01:09In der Europäischen Union fallen jedes Jahr rund 2,2 Milliarden Tonnen Müll an. Tendenz steigend.
01:21Jeder Mensch in Österreich produziert durchschnittlich 520 Kilo Abfall pro Jahr.
01:33Auch Lebensmittel landen massenhaft im Müll. Etwa 130 Kilo pro Person jedes Jahr.
01:43Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wird achtlos weggeworfen.
01:49Vom Massenprodukt zum Massenproblem.
01:5215 Kilo Textilien wirft jeder Europäer weg. Im Jahr.
01:57Bis 2030 könnte es doppelt so viel sein.
02:02Verpackungen, Becher, Flaschen.
02:04Pro Kopf entsteht 36 Kilo Plastikmüll jährlich.
02:08Und der Plastikverbrauch wird sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln.
02:15Die Prognosen sind alarmierend.
02:19In der Abfallwirtschaft hatte man eigentlich lange Zeit die Hoffnung gehabt,
02:23insbesondere seit den 1980er Jahren, dass so der Gipfel des Müllaufkommens langsam erreicht sei.
02:29Also zum Beispiel in Österreich oder in Westdeutschland steigt die Müllmenge nach dem Zweiten Weltkrieg sehr, sehr stark an.
02:36Der Anstieg flacht dann aber in den 1980er Jahren sehr stark ab.
02:40Dann kauft man eben alle Lebensmittel bereits im Supermarkt, was eben sehr müllintensiv sind.
02:46Danach produzieren Gesellschaften eigentlich nicht mehr wirklich viel mehr Müll.
02:49Das ändert sich dann leider Gottes aber nach 2000 durch den Online- und Versandhandel.
02:55Seitdem sind die Müllmengen wieder sehr stark angestiegen und vor allem eben Verpackungsmaterialien.
03:00Damit haben viele Praktiker in der Abfallwirtschaft eigentlich schon gar nicht mehr gerechnet.
03:03Jetzt sind sie aber eben mit einem neuen Problem konfrontiert.
03:09Noch ist es nicht zu spät.
03:11An vielen Orten in Europa entstehen Initiativen und Innovationen, die dem wachsenden Müllberg den Kampf ansagen.
03:27Kopenhagen im Spätsommer.
03:30Auf den Kanälen nahe der Innenstadt wird gepaddelt.
03:34Diese Touristinnen haben ein Kajak bei der NGO Green Kayak gebucht.
03:39Hier wird sportliches Vergnügen mit einem guten Zweck verbunden.
03:43Zahlen muss man dafür nicht.
03:54Die Idee von Green Kayak ist es, möglichst viele Menschen für saubere Meere zu gewinnen.
04:02Das erreichen wir, indem wir unsere Kajaks kostenlos zur Verfügung stellen.
04:07Es kostet nicht so lange die Menschen Müll aus dem Wasser sammeln und ihre Erlebnisse in Social Media posten.
04:16Arbeit gibt es hier genug für die Paddelnden.
04:19Müll jeder Art ist auch im vermeintlich sauberen Kopenhagen anzutreffen.
04:23Das Angebot wird gut angenommen.
04:28Allein heute haben rund 250 Menschen Müll eingesammelt.
04:32Wir sind auf dem besten Weg, einen neuen Meilenstein zu erreichen.
04:36100.000 Menschen, die unsere Kajaks genutzt haben.
04:40Das ist schon ein Grund zum Feiern.
04:52Seit 2017 haben all diese Leute 150 Tonnen Müll eingesammelt, was eine unglaubliche Menge ist, da es sich ja um
05:00sehr leichte Gegenstände handelt.
05:02Zum Beispiel Plastiktüten oder Bierbecher und solche Dinge.
05:10Diesen Müll würde sonst niemand entsorgen.
05:14Green Kayak hat es geschafft, eine Bewegung ins Leben zu rufen, die messbaren Erfolg hat.
05:21Allein in Kopenhagen werden jede Saison mehrere Tonnen Müll aus dem Wasser entfernt.
05:26Es ist sehr wichtig, dass wir den Müll aus dem Wasser holen.
05:29Denn wenn wir das nicht tun, sinkt er auf den Meeresboden oder schwimmt ins offene Meer und bleibt dann dort
05:35für Tausende von Jahren.
05:38Immer mehr Städte wollen dem Beispiel Kopenhagens folgen.
05:42Green Kayaks gibt es mittlerweile in fünf Ländern.
05:47Wir haben Kayaks in Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und auch Deutschland und arbeiten ständig daran, dieses Netzwerk zu erweitern.
05:56Wir prüfen derzeit den Einsatz in den Niederlanden, in Frankreich und in weiteren europäischen Ländern.
06:01Auch in Ländern außerhalb Europas.
06:09Wir sind nicht diejenigen, die die Ozeane vor der Plastikverschmutzung retten werden.
06:13Aber wir wollen etwas bewirken und Einfluss haben auf die Einstellung der Menschen zum Thema Müll im Wasser.
06:27Jedes Jahr gelangen mehr als 19 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere.
06:32Wird es bald mehr Plastik als Fische geben?
06:36Umweltschützer befürchten das. Und zwar schon für das Jahr 2050.
06:40Zumindest, wenn es nach dem Gewicht geht.
06:45Weltweit sind es pro Minute zwei Lkw-Ladungen Plastik, die im Meer landen.
06:51Wir reden hier also über enorme Mengen.
06:54Beispiel Mittelmeer.
06:56Für viele Strandbesucher ist das Plastikproblem nicht mehr zu übersehen.
07:00Jedes Jahr landet hier mehr als eine halbe Million Tonnen Plastikmüll.
07:04Das entspricht fast 34.000 Plastikflaschen pro Minute.
07:10Expertinnen und Experten vermuten bis zu 150 Millionen Tonnen an Plastik in unseren Meeren.
07:16Das entspricht dem Gewicht von 15.000 Eiffeltürmen oder dem der Hälfte der gesamten Weltbevölkerung.
07:27Diese Flut an Plastik ist weithin sichtbar.
07:31Im Meer haben sich fünf riesige Plastikstrudel gebildet.
07:35Der grösste schwimmt im Pazifik.
07:38Zwischen Hawaii, dem amerikanischen Festland und Asien befindet sich ein Gebiet voller Plastikmüll, das 1,6 Millionen Quadratkilometer gross ist.
07:48Das entspricht der fünffachen Fläche Deutschlands.
07:52Die Initiative The Ocean Cleanup hat dasselbe Ziel wie Green Kayak, nur in viel grösserer Dimension.
07:59Nicht nur aus den Flüssen, sondern auch aus den Ozeanen will die niederländische Non-Profit-Organisation treibenden Plastikmüll holen.
08:08Mit u-förmigen Barrieren wird der schwimmende Müll zusammengetrieben, aufgesammelt und später recycelt.
08:1511.000 Tonnen hat Ocean Cleanup mit dieser Methode schon aus dem Wasser geholt.
08:21Das Projekt will bis 2040 mindestens 90 Prozent des Plastikmülls aus den Ozeanen entfernen können.
08:29Doch es handelt sich nur um die Spitze des Eisberges.
08:32Denn der Großteil des Plastiks befindet sich auf dem Meeresboden oder ist bereits zu Mikroplastik zerfallen.
08:40Plastik in Form von Mikroplastik wurde bereits in menschlichem Gewebe gefunden, etwa in menschlichem Blut oder im menschlichen Gehirn oder
08:47auch in der Muttermilch.
08:48Und wir sehen, dass das führen kann zu Unfruchtbarkeit, zu Entwicklungsstörungen oder aber auch zu Fettleibigkeit.
08:57Sprich, Plastik hat ungeahnte, auch langfristige Folgen, was die menschliche Gesundheit und das Gesundheitssystem insgesamt angeht.
09:06Plastik ist extrem langlebig. Bis es sich zersetzt, wenn überhaupt, können Hunderte von Jahren vergehen.
09:17Hätte beispielsweise Leonardo da Vinci zu seinen Lebzeiten im frühen 16. Jahrhundert solches Plastik verwendet, wäre dieses auch heute noch
09:26immer nicht vollständig abgebaut.
09:38Im Büro von Greenpeace in Hamburg. Eine Ausstellung behandelt auf eindringliche Weise das Thema Müll und Umwelt.
09:51Müll aus Plastik bringt zu viele Probleme mit sich. So gesehen wäre es doch am besten, dieses Material erst gar
09:57nicht herzustellen.
10:00Es ist super wichtig, dass vor allem auch Plastik reduziert wird. Und dass nicht so viel Plastik hergestellt wird, benutzt
10:09wird und entsorgt wird, um mit dem Plastikproblem einen adäquaten Umgang zu finden.
10:18Hamburg will den Gebrauch von Plastik deutlich reduzieren. Die Initiative nennt sich Plastikfreie Stadt Hamburg.
10:25Durch Kampagnen für Mehrwegverpackungen bei Essen und Trinken, Unterstützung von Unverpacktläden und Müllsammelaktionen fördert die Stadt viele Maßnahmen.
10:36Es ist sehr gut möglich, dass eine Stadt wie Hamburg vorangeht und Maßnahmen ergreift, Plastik im öffentlichen Raum und in
10:45der Stadt zu reduzieren.
10:47Etwa indem Einwegverpackungen verboten werden oder es eine Verpackungssteuer gibt.
10:53Und so ein großer Teil des Plastiks, das hier verbraucht wird, schon mal reduziert wird.
10:59Und dann kann man schrittweise weitermachen und so vielleicht Vorreiter werden in Sachen Müll und Plastikmüll auch im öffentlichen Raum.
11:08Rund 35.000 Tonnen an Plastikmüll jährlich bedrohen vor allem durch die direkte Verbindung zum Meer die umliegende Landschaft und
11:16Tierwelt Hamburgs.
11:18Ich finde es auch sehr wichtig, den Blick für Alternativen zu Plastik zu öffnen und sich zu fragen, wie kann
11:25eine Verpackung nachhaltig gestaltet und gedacht werden.
11:29Und da muss man dann genau drauf schauen, wie diese Lösungen dann umwelt- und klimatechnisch und chemikalientechnisch aussehen.
11:36Aber von Plastik aus fossilen Rohstoffen wegzukommen, ist ein Ziel, was dem Klima und der Umwelt und letztendlich auch den
11:45Menschen nützt.
11:49Von Plastik aus fossilen Rohstoffen wegzukommen. Dieses Ziel hat sich das Unternehmen Traceless, auf Deutsch spurlos gesetzt.
12:00Traceless wurde vor fünf Jahren in Hamburg gegründet, als Start-up mit einer ganz großen Vision und zwar eine Welt
12:08ohne Abfall.
12:09Und unsere Mission dabei seit Gründung ist eben Materialien für den biologischen Kreislauf zu entwickeln.
12:21Wir haben einen neuartigen Prozess entwickelt, in dem wir Reststoffe nutzen, die in der Getreideverarbeitung anfallen.
12:29Und die verarbeiten wir zu einem Granulat. Das sind so kleine Kügelchen.
12:33Die sehen aus wie Plastikgranulat, wie Kunststoffgranulat und verhalten sich auch in vielen Anwendungen so.
12:40Aber sie haben eine ganz bestimmte Eigenschaft. Sie sind komplett plastikfrei.
12:46Sie basieren rein auf dem, was die Natur für uns baut.
12:54Unsere Produkte sind komplett in der Umwelt abbaubar, ohne eine Spur zu hinterlassen, innerhalb weniger Wochen, weil sie eben komplett
13:02aus Natur bestehen.
13:05Es landen pro Minute etwa fünf bis zehn Lkw-Ladungen Plastikmüll in der Umwelt.
13:11Und mit unserer nächsten Anlage, die wir bauen, bis ungefähr 2028, wo wir wirklich den großindustriellen Maßstab erreicht haben wollen
13:20mit unserem Prozess,
13:21können wir einen halben Lkw pro Minute an Kunststoffmüll schon ersetzen. Und das sind nur wir.
13:28Plastikfreie Alternativen zu verwenden, das ist auch Ziel europaweiter Gesetze.
13:33Bis 2030 sollen alle Verpackungen recycelbar sein. So wird Druck auf die Unternehmen ausgeübt.
13:40Die Konsequenz? Es entsteht ein Markt für umweltfreundlichere Materialien.
13:46Die Materialien können dann eingesetzt werden in Produkten, die leicht in die Umwelt gelangen können oder einfach nicht gesammelt oder
13:54nicht recycelt werden können.
13:55Wo also wirklich der biologische Kreislauf nötig ist. Das sind beispielsweise Verpackungen.
14:01Kleine Verpackungen, Müsli-Riegel oder die Gummibärchenverpackungen. Die werden einfach nicht recycelt heutzutage. Die sind zu klein.
14:09Im Bereich der Einwegprodukte, zum Beispiel Einwegbesteck, kleine Haken, die Wattestäbchen, all diese Produkte, die man im Alltag relativ kurzzeitig
14:20verbraucht.
14:20Da braucht es eben Materialien, die wirklich biozirkulär sind und wo die Einweganwendung dann auch nicht mehr ein Problem darstellt.
14:30Wir sind ganz am Anfang, kann man sagen, obwohl wir natürlich schon viel geschafft haben.
14:34Aber wenn wir uns anschauen, was alles noch möglich ist, dann sehe ich da eine Vielzahl an Möglichkeiten.
14:39Im Bereich Klebstoffe beispielsweise, Folien, was eben ein ganz, ganz großer Markt ist und auch ein ganz großer Grund für
14:46Umweltverschmutzung können, die angewendet werden.
14:49Zur Vermeidung von Mikroplastik.
14:51Beschichtung von zum Beispiel Saatgut, die heutzutage ausgebracht werden auf Felder, wo jedes einzelne Saatkorn mit Plastik beschichtet ist.
15:00Das ist ein Irrsinn, wo wir überall Kunststoffe einsetzen, die eben in die Umwelt gelangen.
15:05Und da sehen wir uns am Anfang einer langen, langen Reise.
15:14Beim Pionier der Kreislaufwirtschaft, Michael Braungart.
15:18Die ganze Woche schon verzichtet er auf das Tragen seiner Schuhe.
15:22Es ist Barfußwoche.
15:23Damit soll auf ein Problem aufmerksam gemacht werden, an das kaum jemand denkt.
15:28An den Abrieb von Turnschuhen.
15:33Jedes Jahr entstehen 110 Gramm Mikroplastikabrieb allein durch die Schuhe.
15:38Und das ist überraschend, dass jemand Schuhe herstellt, ohne zu fragen, was mit dem Abrieb passiert.
15:42Es ist dann scheinbar weg.
15:44Wir haben viele solche Quellen für Mikroplastik.
15:46Weltweit werden jeden Tag 15 Milliarden Zigarettenkippen weggeworfen.
15:50Das ist Plastik.
15:52Nur 5 Milliarden werden etwa eingesammelt.
15:5410 Milliarden bleiben in der Umwelt, teilweise Jahrhunderte.
15:57Dass unsere Industrie Produkte herstellt, die nach Gebrauch zu Müll werden,
16:02wollte Michael Braungart nicht länger hinnehmen.
16:06Deshalb entwickelte er ein neues Design- und Produktionsprinzip.
16:10Cradle to Cradle.
16:11Auf Deutsch von der Wiege zur Wiege.
16:15Kreislaufwirtschaft bedeutet, dass man Produkte wieder auseinanderbaut.
16:19Und die Materialien wieder einsetzt.
16:23Wenn die Dinge allerdings nicht für Kreisläufe hergestellt werden,
16:26dann schafft man keine Kreislaufwirtschaft, sondern nur ein Downcycling.
16:31Darum müssen Produkte so hergestellt werden, dass sie für Kreisläufe geeignet sind.
16:36Es gibt eine Zertifizierung nach Cradle to Cradle, die natürlich von mir unabhängig sein muss,
16:40sonst würde ich mich ja selber zertifizieren.
16:42Und danach gibt es inzwischen weltweit etwa 70.000 zertifizierte Produkte.
16:47Zum Beispiel essbaren Möbelbezugstoffen.
16:50Man muss sich ja vorstellen, in Europa, wenn ich ein Büromöbel herstelle, ein Sofa,
16:54dann ist der Zuschnitt so giftig, dass er als Sondermüll verbrannt werden muss.
16:58Wir haben eine Eiscreme-Verpackung entwickelt, die ist bei Raumtemperatur eine Flüssigkeit.
17:02Die baut sich in zwei Stunden ab.
17:04Die kann ich wegschmeißen, wo ich gehe und stehe.
17:05Und sie enthält Samen von seltenen Blumen, sodass ich durch das Wegwerfen zur Artenvielfalt beitrage.
17:12Also Bleaseliter sozusagen, nicht vermeiden, sparen, verzichten, reduzieren.
17:17Kein Schuldmanagement.
17:18Denn wir denken, wir sind Schädlinge, also müssen wir unsere Schädlichkeit minimieren.
17:23Wir haben dieses Gefühl von vornherein bekommen.
17:25Darum wollen wir klimaneutral sein, weil ich kann nur klimaneutral sein, wenn ich nicht existiere.
17:30Selbst wenn ich atme, gebe ich 168 Kilogramm CO2 ab, nur im Schlafen.
17:34Und dann gibt es solche, die haben Sport, die geben über eine Tonne Kohlendioxid ab.
17:40Das muss man sehen, das ist faszinierend, weil dadurch leben sie auch noch länger.
17:44Das ist noch schlimmer.
17:45Also ich schütze die Umwelt am meisten, wenn ich tot bin sozusagen.
17:49Und dieses Denken haben wir verinnerlicht.
17:52Ein anderer Ansatz stellt das Prinzip des Besitzens in Frage.
17:57Nicht das Produkt selbst wird verkauft, sondern seine Verwendung, eine Benutzung auf Zeit.
18:04Wenn ich den Menschen keinen Teppichboden verkaufe, sondern nur 10 Jahre Fußbodenverpackungsversicherung,
18:10dann weiß der Kunde, dieser Teppichboden bleibt 10 Jahre schön.
18:13Und der Hersteller weiß, hier ist mein Material wieder, was ich wieder haben kann.
18:17Das heißt, der Kunde lagert mein Material 10 Jahre zwischen.
18:21Und damit kann der Hersteller das beste Material verwenden, nicht den billigsten Dreck, weil er es ja nicht verliert.
18:25Er verkauft nur das Recht auf Verwendung dabei.
18:35Textilien im Wert von 130 Milliarden Euro landen jährlich in der Tonne.
18:43Die EU will das Sammeln und Recyceln deutlich verbessern.
18:48Doch Textilien sollen auch langlebiger und wiederverwendbarer werden.
18:52Die Industrie wird in die Pflicht genommen und muss die Kosten dafür mittragen.
19:00Derzeit landen Altkleidung und ausgemusterte Textilien zum Beispiel aus Überproduktion, meist in Afrika oder Südamerika.
19:10Weil wir heute mit einem eigentlich historisch nie dagewesenen Angebot an Bekleidung konfrontiert sind,
19:19werden Kleidungsabfälle eben immer mehr zu einem Problem.
19:23Es gibt in Chile, in der Atacama-Wüste eine Deponie, die besteht allein aus Altkleidern.
19:29Eines der ganz, ganz wenigen menschlichen Artefakte, die tatsächlich aus dem Weltall gesehen werden können.
19:39Früher hat man pflanzliche, tierische Fasern gehabt, die konnte man eben sehr, sehr gut wiederverwerten.
19:45Mit diesen Mischfasern kann man einfach nichts mehr anfangen, sodass es ökonomisch Sinn macht.
19:49Und dann landen sie eben auf solchen Megadeponien.
19:52Textilien, die vollständig recycelbar sind, könnten das in Zukunft verhindern.
19:58Da ist jede Zutat ausgesucht, dass es komplett perfekt kompostierbar ist.
20:04Das heißt jetzt nicht, dass ich das T-Shirt kompostiere, weil die Baumwolle ist viel zu wertvoll.
20:08Aber der Abrieb ist so gemacht, dass es in biologische Kreisläufe geht.
20:11Und wenn die Baumwolle dann verschlissen ist, kann ich sie immer noch verwenden,
20:15um daraus Dämpfstoffe herzustellen oder andere sinnvolle Materialien.
20:19Jahr für Jahr landen weltweit rund 120 Millionen Tonnen Kleidung im Müll.
20:25Vor allem große Unternehmen, die ihr Personal mit mehreren Garnituren an Dienstkleidung versorgen müssen,
20:31zeigen hier schon Initiative.
20:33Bei den österreichischen Bundesbahnen arbeiten über 45.000 Menschen, wo ein Großteil Dienstkleidung trägt.
20:40Und wenn man sich anschaut, wie viel Kleidung eigentlich so tagtäglich im Müll landet
20:44und dass nur ein Prozent in Europa recycelt werden, haben wir uns gefragt,
20:48was können wir als Unternehmen beitragen, damit hier ein bisschen mehr recycelt wird.
20:53Die naheliegende Idee, recycelfähige Dienstkleidung zu verwenden.
20:59Mit dabei sind auch andere große Unternehmen und Konzerne wie die österreichische Post und die Austrian Airlines.
21:05Bei den ÖBB haben wir uns als Ziel gesetzt, dass wir gerne 30 Tonnen Dienstkleidung pro Jahr recyceln möchten.
21:13Insgesamt wollen wir 50 Tonnen pro Jahr recyceln, also alle Unternehmen zusammen.
21:18Das entspricht etwa 117.000 Hemden.
21:21Aktuell sind wir noch in der Pilotphase.
21:23Die läuft jetzt ein Jahr und dann werden wir schauen, wie viel wir davon geschafft haben.
21:38Auf Deponien landet neben Textilien auch immens viel Bauschutt.
21:43Das Bauwesen im Allgemeinen steht seit Längerem in der Kritik.
21:46Denn der ressourcenintensive Bausektor produziert mehr als die Hälfte allen Abfalls.
21:55Vor allem Beton gilt als einer der größten Klimakiller.
22:00Ihn zu reduzieren und durch umweltverträglichere Materialien zu ersetzen, wird wichtiger werden.
22:14Zurück in Kopenhagen.
22:17Nikola Stuxbury-Ransom vom Büro Lenderger sagt, was man selten von Architekturbüros zu hören bekommt.
22:25Für uns ist es in erster Linie klar, dass wir zu viel bauen.
22:29Wir bauen mit den falschen Materialien und möglicherweise aus den falschen Gründen.
22:40Unser Ansatz besteht darin, das zu nutzen, was bereits da ist.
22:44In jedem Land der Welt, insbesondere aber in Westeuropa, fällt viel Abfall ab.
22:50Wir haben riesige Mengen an Materialien, die deponiert, verbrannt oder anderweitig entsorgt werden.
22:57Wir versuchen, dieses Potenzial zu nutzen und den Abfall als hochwertiges Material zu verwenden und wieder in Architektur zu integrieren.
23:08Das weltweit erste Wohnbauprojekt, in dem Wohnraum aus Bauabfall errichtet wurde.
23:14Die Fassade besteht aus recycelten Ziegeln von Abbruchhäusern.
23:17Das Architekturbüro Lenderger entwickelte dazu eine raffinierte Methode.
23:25Wir hatten eine verrückte Idee.
23:27Warum nicht ganze Teile einer Ziegelwand herausschneiden und so weiterverwenden?
23:32Im Nachhinein betrachtet war das vielleicht ziemlich ambitioniert.
23:35Manche hielten es sogar für nicht möglich.
23:37Aber wie Sie sehen, es hat tatsächlich funktioniert.
23:40Ich würde sagen, eines der Hauptziele dieses Projekts war zu zeigen, dass man Ziegel wiederverwenden kann, auf eine neue Weise.
23:53Zerschneiden war die einzige Möglichkeit.
23:55Denn zwischen den Ziegeln befindet sich kein Kalk, sondern der steinharte Zementmörtel.
24:01Die Ziegel wurden in einmal ein Meter große Module zerschnitten und patchworkartig verbaut.
24:10Wir wissen, dass es ungewöhnlich aussieht. Und das ist absichtlich so.
24:14Man soll sehen, woraus es gemacht ist.
24:17Jede dieser Ziegelflächen hat eine Geschichte.
24:19Und die Leute, die hier eingezogen sind, mögen das sehr.
24:23Zum Beispiel stammen einige Ziegel aus der Karlsbergbrauerei in Kopenhagen, die vor einigen Jahren abgerissen wurde.
24:29Andere kommen aus einer Schule und von anderen Orten.
24:39Schon zuvor zeigten Ländager Architekten, wie aus Abfall innovative Architektur entstehen kann.
24:47Fenster und Scheiben gehören tatsächlich zu den größten CO2-Emittenten in Gebäuden.
24:52Dessen sind wir uns kaum bewusst, weil man sie nicht wirklich sehen kann.
24:55Man sieht ja durch sie hindurch.
24:57Was wäre, wenn wir die alten Fenster recyceln und in ein neues Gebäude einbauen würden?
25:08Hier handelt es sich um 20 bis 25 Jahre alte Fenster, die aus bestehenden Gebäuden in Dänemark ausgebaut wurden.
25:15Die neuen Fensterelemente sehen jeweils anders aus, weil wir für sie verschiedene Fenster verwendet haben.
25:22Daran muss man sich erst gewöhnen. Die Architektur reagiert auf die Verfügbarkeit von Materialien.
25:31Hier haben wir eine enorme Innovation geschaffen. Dadurch werden mehr als 80 Prozent CO2 eingespart.
25:40Auch andere wertvolle Materialien konnten wiederverwendet werden.
25:44Für Böden, Wände und Fassaden wurde Restholz aus der Fussbodenproduktion verwendet, das sonst als Verschnitt direkt in die Verbrennungsanlage käme.
25:56Das Raumklima ist wirklich gut, da keine Ausdünstungen aus Lack, Mörtel oder Füllholz entstanden sind.
26:03Neues Holz dünstet ja stark aus, aber recyceltes Holz tut das nicht.
26:07Das Raumklima ist daher sehr stabil und gut für die Bewohnerinnen und Bewohner.
26:14Die Architektinnen und Architekten suchten auch nach Wegen, Betonabfälle zu retten.
26:201.400 Tonnen davon stammen aus der Kopenhagener U-Bahn.
26:26Das war das erste Mal, dass in Dänemark Beton mit recyceltem Zusatzstoff verwendet wurde.
26:32Da keiner der Hersteller aus der Branche bereit oder in der Lage war, dieses Produkt zu liefern, mussten wir es
26:37selbst herstellen.
26:38Also haben wir für das Projekt von uns selbst gemachten Beton verwendet.
26:49Wer in ein Haus mit einem definierten Nachhaltigkeitsprofil einzieht, kümmert sich mehr um dieses, auch wenn es sich um ein
26:56Mietobjekt handelt.
26:58Der Eigentümer gibt dann weniger Geld für Renovierungen und Instandhaltung aus.
27:03Wenn man wissen will, ob es teurer ist, sollte man eigentlich fragen, im Vergleich wozu.
27:09Die bloße Betrachtung der Baukosten ist dann nur ein Teil der Frage.
27:33In der Abfallwirtschaft unterscheiden wir bei dem Begriff Recycling den sogenannten stoffliches Recycling.
27:41Dass ich wirklich das Material, Glas zum Beispiel, wieder einschmelze, um daraus wieder Glasverpackung zu machen.
27:47Also ich erhalte die Materialstruktur, den Materialwert.
27:51Wir reden auch von thermischem Recycling sehr oft, wenn es um die energetische Nutzung geht.
27:56Also dass ich ein Produkt, ein Abfallmaterial eben einer Müllverbrennungsanlage zuführe, um dort dann die Energie noch rückzugewinnen.
28:07Müll zu verbrennen bringt Energie.
28:11Für Strom und vor allem Fernwärme.
28:14In Wien werden so 50.000 Haushalte beheizt und mit Warmwasser versorgt.
28:22Da in Österreich ein Großteil der Recyclingfähigen Materialien bereits von Haushalten und Betrieben selbst getrennt wird, kann der Restmüll, rund
28:3187 Prozent, direkt verbrannt werden.
28:35Aus den Rückständen der Verbrennung wird anschließend noch Metall zurückgewonnen und dem Recycling zugeführt.
28:46Dieses stabilisierte Abfallmaterial geht dann auf die Deponie.
28:51Ziel ist, dass keine oder kaum mehr Emissionen auf der Deponie entstehen, vor allem Richtung klimarelevante Gasemissionen.
29:01Wenn ich einen Restmüll, so wie wir ihn zu Hause produzieren, wo auch sehr viele Lebensmittelabfälle zum Beispiel drinnen sind,
29:08leider,
29:08wenn ich den direkt auf eine Deponie bringe, was global gesehen noch immer zu 60, 70 Prozent passiert,
29:15dann bilden sich dort sogenannte anaerobe Bedingungen.
29:18Das heißt, da kommt kein Sauerstoff dazu.
29:20Ich habe dort Bakterien drinnen, die diese organischen Materialien zu Methan und CO2 umbauen.
29:29Im Labor des Instituts für Abfall- und Kreislaufwirtschaft wird anhand von Abfallproben erforscht,
29:35wie Methan entsteht und wie es reduziert werden kann.
29:39Methan hat eine wesentlich höhere Treibhauswirksamkeit um die 30-fache Vergleich zu CO2.
29:45Und Deponiegas, 60, 65 Prozent aus Methan bestehend, entweicht aus den Deponien,
29:51vor allem aus den älteren Deponien, wo wir noch unvorbehandelte Abfälle mit einem hohen organischen Abfallgehalt drinnen haben.
29:59Methan lässt sich nicht ganz vermeiden, aber es lässt sich deutlich reduzieren.
30:04Es gibt Mikroorganismen, die Methan zu CO2 und Wasser abbauen können.
30:10Man kann diese Deponien abdecken mit sogenannten Methanoxidationsschichten,
30:13wo man versucht, dieses natürliche Potenzial, diese Mikroorganismen zu forcieren,
30:18technisch zu unterstützen und dadurch eine deutliche Reduktion der Methanemissionen bewirken kann.
30:23Bis zu 80, 90 Prozent.
30:32Jetzt leben Ziegen auf dieser Deponie.
30:35Ein sichtbarer und lebender Beweis der erfolgreichen Entgiftung der Anlage.
30:48Auf einem Schrottplatz im Süden von Wien.
30:56Standardleiter Hubert Lauter ist hier unter anderem für das sachgemäße Verschrotten von Altautos verantwortlich.
31:03Wir befinden uns hier in der Autotrockenlegestation.
31:07Jedes Auto wird zuerst einmal kontrolliert, ob noch was drinnen ist.
31:12Und wir entziehen dem Auto dann die gesamten Flüssigkeiten, die im Verhandel sind.
31:17Und dann können wir erst das Auto schredern.
31:26Wir haben hier im Standort Luxemburg einen wunderbaren Schredder.
31:32Das ist einer der größten Schredder von Österreich.
31:33Mit 2000 PS, 600 Umdrehungen in der Minute, wird das ganze Material zerkleinert.
31:40Ausrangierte Autos sind eine wertvolle Ressource.
31:44Aluminium und Stahl, teure Rohstoffe.
31:47Die Recyclingquote ist beeindruckend.
31:51Grundsätzlich kann bei einem Auto fast alles recycelt werden.
31:54Wir selber holen das Eisen raus, das Aluminium, das Kupfer, das ist alles kein Problem.
32:00Auch Nieroster, das heißt nicht verrostbares Eisen, wird rausgeholt.
32:06Wir sind circa bei 98, 99 Prozent schon angelangt.
32:10Natürlich hat man immer einen Schwund.
32:11Wenn es zu fein wird, greifen wir unsere Absaugungen.
32:14Der Wind verbläst es.
32:16Aber ansonsten sind wir fast bei 100 Prozent Recyclingquote angelangt.
32:20Doch zurzeit besteht ein signifikanter Mangel an Altautos.
32:24Das hat mehrere Gründe.
32:27Die Lebensdauer, die der Bürger jetzt länger das Auto fährt, ist von zwölf Jahren auf 18 Jahren gestiegen.
32:33Man trennt sich schwerer.
32:35Es wird mehr hergerichtet.
32:36Deswegen haben wir jetzt derzeit einen massiven Rückgang bei den Autos.
32:40Wir haben vor der Energiekrise 2022 im Monat circa um die 1500 Stück Autos reinbekommen.
32:48Und sind seitdem maximal bei 500 Stück Autos gelandet.
32:55Circa 210.000 Autos verschwinden derzeit in Österreich über nichtlegale Wege.
33:02Wohin weiß man eh, es geht in Osten bis nach Afrika hinunter wandern die Autos.
33:07Und diese Ressourcen fehlen markant in Österreich.
33:15Woran es aber nicht mangelt, sind Lebensmittel.
33:18Diese haben wir im Überfluss.
33:20So viele davon, dass 59 Millionen Tonnen pro Jahr in der EU im Müll landen.
33:26Das entspricht rund 130 Kilo pro Person.
33:34Gegen diese Verschwendung will auch Too Good To Go etwas tun.
33:38Das Unternehmen wurde 2015 in Kopenhagen gegründet.
33:41Mit der Idee, überschüssige Lebensmittel über eine App günstig weiterzugeben, statt sie wegzuwerfen.
33:50Too Good To Go ermöglicht es Konsumenten, Lebensmittel aus Restaurants, Supermärkten und Bäckereien zu retten, die sonst weggeworfen werden würden.
33:59Als Konsument verwenden sie einfach die App, um zu sehen, welche Lebensmittelgeschäfte in ihrer Nähe noch etwas übrig haben.
34:06Dann reservieren sie das und holen es ab.
34:13Dieses erfolgreiche Modell gibt es bereits in 19 Ländern weltweit.
34:17Es hat über 120 Millionen registrierte Nutzerinnen und Nutzer.
34:26Wir haben inzwischen fast 500 Millionen Mahlzeiten davor bewahrt, vernichtet zu werden.
34:30Wir möchten, dass es Spaß macht, das Richtige zu tun.
34:33Wir möchten auch darauf aufmerksam machen, was zu Hause alles möglich ist, um im Haushalt Lebensmittelabfälle zu reduzieren.
34:47Mehr als die Hälfte aller Lebensmittelabfälle in Europa stammen aus dem Haushalt.
34:51Das sind Lebensmittel, die wir als Verbraucher gekauft haben, um sie dann wegzuwerfen.
34:55Das ist Unsinn.
34:56Für den österreichischen Haushalt sind das im Schnitt 800 Euro pro Jahr, die wir einfach wegwerfen.
35:02Lebensmittel in perfektem Zustand.
35:06Schuld ist das Datum auf dem Produkt.
35:09Das führt immer noch zu Missverständnissen.
35:14Wenn da steht, mindestens haltbar bis, glaubt die Hälfte aller Verbraucher,
35:18dass sie das Produkt nach Ablauf dieses Datums wegwerfen müssen.
35:22In Wirklichkeit bedeutet mindestens haltbar bis, oft auch noch gut danach.
35:27Es besteht kein Gesundheitsrisiko, wenn man danach konsumiert.
35:30Es bedeutet lediglich, dass dies das Datum für eine optimale Qualität ist.
35:35Wir klären Verbraucher darüber auf, dass sie schauen, riechen und schmecken und nicht wegwerfen sollen.
35:40Das machen wir bereits in 14 Ländern für 500 Marken.
35:50Viele Lebensmittel landen schon kurz nach der Ernte oder Produktion im Müll.
35:55Das ist die Folge eines Marktes, in dem sich Angebot und Nachfrage nicht immer exakt steuern lassen.
36:00Oft spielt aber auch unser eigenes Konsumverhalten eine Rolle.
36:06Da würde man schon überlegen müssen, ob man das noch als Klasse 1 oder als Klasse 2 verkaufen könnte.
36:11Hier hat der Apfel zum Beispiel so einen kleinen Sprung.
36:14Der ist entstanden durch den vielen Niederschlag, den wir gehabt haben und durch die vielen Nässtunden und die hohe Luftfeuchtigkeit.
36:21Und sowas da wird auf jeden Fall für die Saftware aussortiert werden.
36:30Im österreichischen Weinviertel.
36:33Die Geschwister Cornelia und Andreas Diesenreiter von Unverschwendet besuchen einen ihrer Lieferanten, den Obstbauern Dominik Schreiber.
36:44Wir versuchen Überschüsse bestmöglich in Verarbeitungsprodukten unterzubringen.
36:49Denn Äpfel, die zum Beispiel Schalenfehler haben, sind geschmacklich nicht beeinträchtigt und sind hervorragend im Aroma.
36:56Aus diesen Äpfeln macht man dann zum Beispiel Saft, Gelee, Chutneys, andere Produkte, bei denen die Optik des Apfels eine
37:05untergeordnete Rolle spielt.
37:09Unverschwendet startete er als Verein und wurde bald ein Unternehmen.
37:13Die Geschäftsidee, Überproduktion aus der Landwirtschaft zu verarbeiten.
37:18Denn gute Lebensmittel wegwerfen, das kam für die Geschwister nicht in Frage.
37:23Es hat angefangen mit Obst und Gemüse.
37:25Also man kennt die Gassiker, die zu krumme Gurke oder die zweibeinige Karotte oder der Apfel, der nicht schön genug
37:31ist oder Macken hat.
37:31Aber mittlerweile rettet man Lebensmittel aller Art, die vom Feld bis zum Zentrallager, vom Handeln anfallen.
37:38Und da gibt es sehr viele Orte, wo Überschüsse anfallen können.
37:41Also nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Lebensmittelproduktion, in der Logistik, in der Lagerung.
37:45Überall kann es sein, dass etwas zu viel ist oder einfach gar nicht passt.
37:51Allein in Österreich werden ja am Beginn der Wertschöpfungskette schon über 288.000 Tonnen pro Jahr weggeworfen.
37:57Und da muss es eine Lösung geben und haben dann vor fast zehn Jahren angefangen, Produkte aus diesen Überschüssen zu
38:04machen.
38:04Sprich, diese wertvollen Lebensmittel und all die Ressourcen, die reingeflossen sind, zu erhalten und machen dann Marmelade, Chutney, Sirup und
38:11Senf daraus.
38:12Und unsere Gläser sind so kleine BotschafterInnen, die die Geschichte erzählen.
38:16Weil ganz viele Menschen wissen noch gar nicht, wie viel in der Landwirtschaft schon wegschmissen wird.
38:21Produkte von Unverschwendet werden online vertrieben, sind aber auch in eigenen Geschäften in Wien erhältlich.
38:43Katharina Lirzer aus Graz versucht Müll zu vermeiden, wo immer es ihr möglich ist.
38:47Bei der Müllvermeidung im Alltag ist es mir total wichtig zu schauen, wo geht es realistisch und wo geht es
38:53gut.
38:54Wir leben ja alle in einer modernen Gesellschaft, wo einfach bestimmter Müll anfällt.
38:59Wir alle müssen essen, wir alle müssen einkaufen. Das heißt, es lässt sich nicht überall vermeiden.
39:03Aber man kann bestimmte Entscheidungen treffen, so individuell verschieden, wo man Ressourcen einsparen kann.
39:10Bei mir ist das zum Beispiel beim Einkaufen am Bauernmarkt. Da kann ich meinen eigenen Korb mitbringen, meinen eigenen Jutebeutel
39:17zum Beispiel.
39:18Und da auf Plastikverpackungen verzichten.
39:27Wichtig ist eben, dass müllfreieres Leben nicht unbedingt Verzicht bedeutet.
39:31Weil dann sind wir wieder ganz schnell an dem Punkt, dass wir sagen, ich fühle mich eingeschränkt und das kann
39:37ich nicht durchhalten.
39:38Das heißt, es muss praktikabel sein.
39:41Und deswegen suche ich so gut wie möglich praktikable Lösungen.
39:44Wenn es jetzt mal sehr stressig ist und ich im Supermarkt einkaufe und da wandern auch verpackte Produkte in den
39:50Einkaufskorb,
39:51dann muss das in Ordnung sein, weil das ist einfach Teil unserer modernen Lebensrealität.
39:56Aber wenn es anders geht, dann versuche ich es anders zu machen und zum Beispiel lose Produkte zu kaufen.
40:03Wenn man sich beginnt mit dem Thema Müllvermeidung auseinanderzusetzen,
40:08bekommen Menschen oft das Gefühl, sie sind als Individuen allein dafür verantwortlich.
40:13Das Müllproblem zu lösen. Und das ist aber nicht so.
40:17Wir können nur dann die richtigen Entscheidungen treffen und Müll vermeiden,
40:21wenn unsere Gesellschaft uns auch die Ressourcen zur Verfügung stellt.
40:25Das heißt, Einkaufsmöglichkeiten, die uns Lebensmittel oder Dinge des täglichen Bedarfes schon so geben,
40:33dass wir dadurch Müll vermeiden können.
40:37Daniela Hinteregger von Zero Waste Austria setzt sich dafür ein, Müll erst gar nicht entstehen zu lassen.
40:46Zero Waste ist ein Lebensstil, kommt aus Amerika, bedeutet aber, dass man jetzt Müll nicht managt,
40:53sondern Müll wirklich auch vermeidet.
40:57In diesem kleinen Geschäft kann man seinen Einkauf selbst abfüllen, in mitgebrachte Behälter.
41:04Das funktioniert in den meisten Fällen wunderbar und oftmals gibt es sogar einen Rabatt, wenn man den Becher mitnimmt.
41:09Oder einen Sack halt immer bereit zu haben oder irgendein Mehrwegglas oder ein Marmeladeglas,
41:14um überschüssiges Essen mitzunehmen oder auch mal zu verschenken, wenn jemand anderes das nicht mit hat.
41:19Also da einfach auch zu schauen, wo fällt bei mir Müll an oder wo brauche ich mehr Ressourcen, als ich
41:26vielleicht benötige.
41:31Die einen bevorzugen halt hauptsächlich diesen unverpackten Einkauf.
41:35Die legen dann halt großen Wert darauf, dass sie Gefäße selber mitbringen und da ist der Einkauf meist sehr gut
41:40vorbereitet.
41:41Und dann gibt es andere Kundengruppen, die halt mehr Wert darauf legen, dass sie nur so wenig kaufen können, wie
41:47sie brauchen.
41:48Das geht ja vom Gemüse übers Obst bei uns, alles stückweise oder in Gramm.
41:55Es sind nicht alle Produkte unverpackt möglich.
41:58Den Kompromiss haben wir sehr schnell mal eingemüssen, wenn wir sagen, okay, wir wollen trotzdem hochwertige Produkte oder nachhaltig produzierte
42:04Produkte und auch regionale Produkte.
42:06Dann geht es nicht immer unverpackt.
42:08Es ist aber durchaus so, dass auch Reinigungsmittel, Waschmittel je nach Hersteller auch unverpackt möglich sind.
42:14Da kauft man sich normalerweise einmal die Originalflasche für den Verbraucher sozusagen und die kann man dann wieder befüllen.
42:22Das geht nicht bei allen Produkten, nicht bei allen Herstellern, aber bei einigen geht es.
42:31Was kann eine Person ausrichten?
42:33Klar, das ist auch mega mühsam, weil allein gegen den Rest der Welt, das werden wir nicht schaffen.
42:39Deswegen ist es wichtig, dass man sich auch austauscht und vielleicht auch einer Community beitritt, aufklärt, Wissen vermittelt und einfach
42:46auch am Ball bleibt.
42:47Aber natürlich braucht es die Politik und die Unternehmen.
42:50Also es ist wirklich ein Zusammenspiel von allen drei Parteien.
42:55Nur immer die Schuld auf andere zu schieben, ist halt auch schwierig.
42:58Und wenn man sich selbst bei der Nase nimmt und versucht, ein Vorbild zu sein, und wir wissen alle, dass
43:02es nicht immer geht, komplett COS zu leben,
43:04das lässt halt auch unser Lebensstil nicht zu in den meisten Fällen.
43:08Aber wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen und das versuchen, dann wird es gut.
43:18Es braucht dann aber auch wirklich Strukturen und Rahmenbedingungen, die das auch ermöglichen und erleichtern.
43:25Das Problem, das wir da haben, ist, dass wenn immer wir auf Freiwilligkeit setzen, dann gibt es halt nur eine
43:31begrenzte Zahl an Freiwilligen, die auch mitmachen.
43:33Wenn wir mit Preissignalen arbeiten, dann hat das zur Folge, dass es eine gewisse Unfairness mit sich bringt.
43:41Es gibt Menschen, die können sich dann das umweltschädliche Verhalten gut leisten und andere, die können sich das nicht so
43:46gut leisten.
43:47Wenn wir aber mit Verboten arbeiten, dann sind die fair, die gelten theoretisch für alle.
43:54Und wir wissen auch aus Befragungen, dass Verbote nicht so unpopulär sind wie angenommen.
44:01Ja, Verbote sind nicht beliebt.
44:03Aber Verbote schneiden im Vergleich zu anderen einschränkenden Maßnahmen, wie zum Beispiel Verteuerungen, oft besser ab.
44:12Warum?
44:13Weil sie fair sind und weil sie für alle gelten.
44:20Der Spielraum zur Müllvermeidung, den wir als Konsumenten, Konsumentinnen haben, liegt ja bei ungefähr 20 Prozent.
44:28So eine Zahl kann schnell zu schlechter Laune führen, weil man denkt, man kann eigentlich gar nichts machen.
44:33Ich würde sagen, 20 Prozent ist schon mal was.
44:35Also es gibt durchaus Spielräume.
44:37Das große Problem ist nur, dass man mit individuellem Verhalten das Problem alleine nicht lösen wird.
44:44Sondern es muss sich was ändern, wie wir Waren produzieren, wie wir Waren verschicken, wie wir Wertschöpfungsketten organisieren.
44:53Da muss man ansetzen, um das Müllvolumen wirklich herunterzubringen.
44:58Gab es schon jemals in der Geschichte eine Gesellschaft ohne Müll?
45:03Wenn man in die Zeit von 1800 guckt, stellt man fest, dass alle Gesellschaften, modern würde man sagen, Zero-Waste
45:11-Gesellschaften gewesen sind.
45:13Oder Recycling-Gesellschaften, weil Lumpen gesammelt wurden, organische Abfälle wurden gesammelt, Knochen wurden gesammelt.
45:21Alles wurde gesammelt, es wurde sehr, sehr viel repariert. Insofern ist Recycling überhaupt nichts Neues.
45:27Das gibt es in der Geschichte eigentlich immer. Es ist aber durch die Geschichte vor allem ein Resultat von Knappheit
45:33gewesen.
45:34Das haben die Menschen im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit nicht gemacht, weil sie uns moralisch überlegen waren,
45:39sondern weil sie einfach arm waren und mit existenziellen Knappheiten konfrontiert waren.
45:48Was man früher aus Mangel getan hat, wird heute wieder bewusst gefördert. Das Reparieren.
45:56In Wien gibt es den Wiener Reparaturboden, wo der Kunde von vornherein einen geringeren Betrag bezahlt
46:03und die Förderung sozusagen wird an den Reparaturbetrieb überwiesen.
46:07Es gibt in Deutschland auch ähnliche Modelle. Also da tut sich einiges in Europa.
46:15Es gibt jetzt auf der EU-Ebene mehrere Gesetzesmaterien, die sich Reparatur vornehmen.
46:20Eine wesentliche ist die Eco-Design-Richtlinie, die zumindest einmal für gewisse Produktgruppen vorschreibt,
46:25dass Ersatzteile für einen gewissen Zeitraum zur Verfügung gestellt werden müssen,
46:31dass auch Reparaturinformationen zur Verfügung gestellt werden müssen zum Beispiel
46:35und dass Produkte in einem gewissen Grad reparierbar sein müssen.
46:39Das heißt, dass sie zerstörungsfrei geöffnet werden können, dass man gewisse Ersatzteile eben raus- und wieder reinnehmen kann.
46:48Warum soll ich die Reparatur bezahlen? Ich möchte drei Tosten Waschgänge haben und keine Waschmaschine.
46:53Dann weiß ich, die hält für drei Tosten Waschgänge.
46:56Und der Hersteller kann die besten Materialien nehmen, nicht den billigsten Dreck, den er irgendwie los wird,
47:01weil er weiß ja, dass diese Materialien wieder zur Verfügung stehen.
47:03Und wenn wir jetzt dafür noch Langlebigkeit fordern, ich meine, es soll eine Waschmaschine so langlebig sein, was für ein
47:11Blödsinn.
47:11Eine Waschmaschine sollte nicht länger als neun Jahre verwendet werden, weil sonst kommt das Neue nie auf den Markt.
47:16Eine Waschmaschine, die 40 Jahre hält, ist die absolute Katastrophe, weil ich kriege das Material nie wieder zurück,
47:21ich kann es nie wieder einsetzen und ich muss 39 Jahre Ersatzteile vorhalten.
47:25Das ist auch Quatsch. Und vor allem, wie gesagt, ist es innovationsfeindlich, es ist wie Riesenradfahren.
47:30Ich hänge mit demselben Mist immer fest. Wir brauchen definierte Nutzungszeit, nicht Langlebigkeit.
47:37In Österreich wird derzeit nur ein Drittel der defekten Elektrogeräte repariert.
47:42Diese Nicht-Reparatur und Entsorgung verursacht mehr als 27.000 Tonnen Elektroschrott pro Jahr.
47:50Die Herstellung neu gekaufter Ersatzgeräte verursacht zudem fast 290.000 Tonnen CO2-Emissionen.
47:58Das entspricht dem jährlichen Ausstoß von rund 160.000 Autos.
48:20Es gibt ja oft die Diskussion, ob Reparatur mit unserem Wirtschaftssystem zusammenpasst.
48:26Sprich, schaffen wir es, unseren Materialverbrauch zu senken und trotzdem kann das Wirtschaftswachstum steigen.
48:34Also da diskutieren die Wirtschaftsprofis, ob das geht oder nicht.
48:38Ich denke mir, man kann das Ganze auch von der anderen Seite sehen.
48:41Also wir sind derzeit eher in einer rezessiven Phase und ich sehe hier Langlebigkeit und Reparatur als Möglichkeit,
48:48in so einer Phase trotzdem ein hohes Niveau an materiellem Wohlstand zu erhalten.
49:02Eine Gesellschaft ohne Müll, das ist die Vision, die uns antreibt, die mich persönlich antreibt.
49:07Wir sind auch sehr weit davon entfernt.
49:09Der Anteil an Materialien, die wir im Kreis führen, liegt bei unter 10 Prozent.
49:13Aber ich glaube, das ist der einzige Weg und am Ende hoffe ich inständig, dass wir bald erkennen,
49:21dass das auch eine wirkliche Wettbewerkschance ist, gerade für Deutschland und Europa
49:26und wirtschaften auch möglich ist, indem man Ressourcen nutzt und wieder nutzt.
49:34Am Ende geht es darum, dass wir unsere Systeme eben auch dem Vorbild der Natur auch modellieren letztendlich.
49:43In der Natur gibt es keinen Müll.
49:46Alles ist in einem Kreislauf.
49:48Und das ist, wenn wir jetzt im Einklang mit einem intakten Planeten und intakten Ökosystemen leben wollen,
49:56dann ist das der einzige Weg.
49:59Wandel ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
50:02Wir müssen uns anschauen, welche Dinge in Richtung einer gerechten, zukunftsfreundlichen Gesellschaft müssen wir vielleicht lassen.
50:10Wo braucht es etwa keine Plastikverpackung mehr und wo braucht es die Politik, die neue Regeln schafft,
50:17etwa Verpackungssteuern oder Verbote schädlicher chemikalischer Verbindungen, die mit Plastik einhergehen oder auch gewisser Verpackungsarten.
50:26Und wo können einzelne Menschen genau diese Veränderungen gut einfordern oder mit gutem Beispiel vorangehen.
50:35Wenn wir sagen, wir haben uns so an unseren Lebensstandard gewöhnt, wir haben uns an unsere Güterversorgung gewöhnt,
50:40wir haben uns an das Handy gewöhnt alle zwei Jahre, dann werden wir vom Müll, glaube ich, nicht wegkommen.
50:48Manchmal kennt man es selber von sich selbst, man kauft sich etwas, wenn man sich selber belohnen will.
50:52Man kann sich auch mit einem Spaziergang im Wald belohnen oder mit ein paar ruhigen Minuten bei einem guten Buch.
51:03Ich glaube, es braucht noch sehr viel, dass wir zu einer Gesellschaft ohne Müll kommen.
51:07Ich glaube, das muss auch überhaupt nicht das Ziel sein, dass wir vollkommen müllfrei leben.
51:12Die Frage geht ja auch weiter zu schauen, was können wir machen.
51:16Wir können so gut wie es geht reduzieren und das, was uns dann übel bleibt, so gut wie es geht
51:20weiterverwerten.
51:21Und das wäre schon einmal ein schöner Ansatz, wenn das gelingt.
51:51Musik
51:53You
Comments

Recommended