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00:00.
00:19Is there not much snow?
00:21No.
00:22No.
00:22No.
00:22Nein!
00:27Zur einsamen Hütte im Schnee ist hochromantisch, solange es den Schnee hier in Salah noch gibt.
00:37Wenn wir Salah retten, können wir den ganzen Planeten retten.
00:48Am Rande der Arktis, am Polarkreis in Finnland, liegt Salah.
01:09Minus 5 Grad.
01:11Für Timo und die Rentierherde ein ungewöhnlich weites.
01:14Das ist ein warmer Tag Mitte Januar im Wilderness Park.
01:33Was passiert eigentlich, wenn einer der kältesten Orte der Welt langsam sommertauglich wird?
01:38Auf jemanden wie Wallu hat das auf jeden Fall auch Einfluss und vor allen Dingen natürlich auf die Bewohner und
01:43ihr Leben.
01:44Und damit herzlich willkommen zum Ostse Report aus dem finnischen Salah.
01:48Timo ist der Betriebsleiter des Wildparks, Erki der Bürgermeister von Salah mit rund 3000 Einwohnern.
02:00Rentiere sehen zwar süß und kuschelig aus, aber sie sind keine Haustiere.
02:05Wenn man sie anfasst, reagieren sie gestresst.
02:09Darum nicht streicheln.
02:13Deshalb würde mich interessieren, mögen Sie das, einen Schlitten zu ziehen?
02:18Ich kann ein Rentier nicht vor den Schlitten zwingen, selbst wenn ich das wollte.
02:22Es ist mir schon passiert, dass ein Rentier an dieser Stelle entschieden hat, heute gehe ich nicht los.
02:28Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als es zurück ins Gehege zu bringen und ein anderes Rentier zu nehmen.
02:33Sie machen das also freiwillig. Sie haben immer die Wahl.
02:36Wir wollen fair bleiben. Immer nur eine Person pro Schlitten und pro Rentier.
02:46Dann legt man sich entspannt rein und los geht's.
02:58Mit den Schlittenfahrten wollen Timo und Erki Besuchern Salahs wahre Natur zeigen und dabei auf ihre Probleme aufmerksam machen.
03:27Ich fahre hier automatisch.
03:30Entschuldigung?
03:32Will den nicht überholen?
03:3810.000 Rentiere leben in Herden in der Region.
03:42Dreimal so viele wie Menschen.
03:44Ihr Lebensraum kennt keine Zäune, höchstens wetterbedingte Grenzen.
03:48Sie sind Arktis-Spezialisten, abhängig von berechenbaren Wintern, mit tiefem Schnee und stabilen Frostperioden.
03:54Aber genau diese Verlässlichkeit fehlt inzwischen. An einem Tag minus 38 Grad, am nächsten plus drei. Der Klimawandel ist in
04:04Salah längst spürbar.
04:15Ich mach mir große Sorgen, denn der Klimawandel betrifft hier in Salah fast unser ganzes Leben und den Alltag der
04:22Menschen.
04:25Hier in der Arktis geht es drei- bis viermal schneller als in anderen Teilen der Welt.
04:40Ich habe große Angst um unsere Arbeitsplätze, im Tourismus, in der Rentierhaltung, in der Forstwirtschaft.
04:46Früher konnten wir uns im Winter problemlos hier im zugeschneiten Wald bewegen.
04:51Aber wenn Seen und Flüsse nicht mehr zufrieren, ist das für uns ein riesiges Problem.
04:56Es ist ein sehr schlechtes Problem.
04:59Die Antwort der Bewoner 2021 ist eine Klimakampagne.
05:04Herzlich willkommen, Salah.
05:06Zuomen Köln-Mäppäin.
05:08Wir wollen hier Olympialken implementieren.
05:14Lämpö kommt!
05:16Hier kommt Olympiastadion.
05:21Warm heart, we have it.
05:23Warm place, coming soon.
05:26Salahs Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2032 mit Augenzwinkern.
05:43Diese ironische humorvolle Vermarktung passt einfach zu uns und zu den Menschen hier.
05:48Wenn hier jemand halbnackt auf Skiern hinter einem Rentier steht, denken die Leute, Moment mal, was ist da denn los?
05:55Und genau das wollten wir erreichen.
06:03Nach zwei Kilometern erreichen wir das Gehege der weiblichen Tiere.
06:11Jetzt sagen wir Hallo zu den weiblichen Rentieren und zu ihrem Nachwuchs.
06:15Mini-Rentiere. Hallo!
06:18Wir geben ihnen getrocknete Birkenblätter. Das mögen sie besonders gern.
06:26Das ist für Rentiere wie Süßigkeiten. Kleine grüne Leckereien.
06:31Jetzt gibt's die Naschtüte.
06:33Erst wenn Besucher dem Nachwuchs begegnen und die Tiere selbst füttern, hören sie wirklich zu.
06:39Die Rentiere geben Erki und Timo so die Chance, den Besuchern den Klimawandel begreifbar zu machen.
06:53So schließt man in Salah Freundschaften. Man bringt was zu essen mit.
07:04Wie genau wirkt sich der Klimawandel denn auf die Rentiere hier in Salah aus?
07:11Normalerweise finden Rentiere ihr Futter unter dem Schnee.
07:14Sie riechen das Moos und graben mit ihren schaufelartigen Hufen ein Loch.
07:18Was wir aber in den letzten fünf bis zehn Jahren immer häufiger erleben.
07:22Im Dezember oder Januar regnet es und danach wird es plötzlich minus 30 Grad kalt.
07:28Dann entsteht eine harte Eisschicht im Schnee.
07:30Die Rentiere kommen dann nicht mehr bis zum Boden an das Moos heran.
07:40Außerdem überleben zu viele Insekten, die die Rentiere im Sommer stechen,
07:44wenn es keine minus 40 Grad mehr hat, so wie jetzt gerade.
07:53Für uns Deutsche natürlich kaum vorstellbar, weil mir ist trotzdem kalt.
07:58Immerhin hat es Minustemperaturen.
07:59Aber für die Menschen hier in Salah und für die Rentiere ist das warm, minus fünf Grad.
08:06Wir treffen aber auch deutsche Besucher, die nicht so frieren.
08:10Hast du das wahrgenommen die letzten Jahre, dass die Winter milder sind?
08:13Inwiefern?
08:14Also als wir 2017 das erste Mal hier waren, hatten wir standardmäßig im Februar, glaube ich, minus 30 Grad.
08:21Und die ganzen Jahre drauf wurde das immer weniger.
08:23Also es waren dann schon teilweise eher im Schnitt so minus 20, minus 25.
08:28Wie kommt man auf die Idee, an einen der kältesten Orte der Welt zu ziehen?
08:32Indem man vor acht Jahren hier einmal den Hochzeitsurlaub verbracht hat und sich dann einfach in den Ort verliebt hat.
08:37Und einfach dieses Land, die Mentalität, die Natur, die Einsamkeit, ist schön.
08:44Für Timo ist das hier die schönste Landschaft der Welt.
08:47Auch weil die Natur hier noch alle vier Jahreszeiten durchläuft.
08:51Noch.
09:03Ich habe persönlich große Angst davor, dass sich unser Klima weiter so stark erwärmt.
09:08Ich weiß nicht, ob das noch in meinem Leben passiert.
09:11Aber ich habe zwei Kinder und sie werden diese Veränderung sehr wahrscheinlich erleben.
09:16Wer weiß, ob sie in 50 Jahren noch Skilanglauf machen können oder Rentierschlitten fahren, so wie wir heute.
09:36Noch können wir problemlos mit den Rentierschlitten über zugefrorene Seen fahren.
09:4160 Zentimeter Eis tragen uns locker und sind für Januar in Ordnung, erklärt Timo.
09:51In ihrer Kampagne zeichnen sie ein Zukunftsbild mit dünnerem Eis und Badeseen im Winter.
10:07Mit ihrer Botschaft von schmelzendem Eis und Schnee sind sie bis nach China, Indien und auf die Malediven gereist.
10:18Erki, euer Kampagnenvideo hat Millionen Klicks bekommen. Wie waren die Reaktionen weltweit?
10:29Sehr positiv waren die Reaktionen. Ich habe rund 50 Interviews weltweit gegeben.
10:36Fürs Fernsehen, für die Zeitungen. Sala war drei Wochen lang der meistgenannte Ort auf Twitter.
10:47Und das Wichtigste, Menschen auf der ganzen Welt haben angefangen, selbst etwas zu verändern.
10:54Im Kleinen, aber auch im Großen. Das war unsere Idee. Wenn man Sala rettet, kann der ganze Planet gerettet werden.
11:04Von einem verlässlichen Winter hängen viele Jobs in Sala ab. Einer der größten Arbeitgeber, das Ski-Resort.
11:13Bevor die Lifte fahren, muss Anni den Slalom-Parcours für die Kinder abstecken. Es ist ihre erste Saison als Skilehrerin
11:20hier in Sala.
11:27Ich komme von hier und habe schon hier gelebt. Es war schön, an so einen vertrauten Ort zurückzukommen.
11:33Ich habe nach einem Job in meinem Bereich gesucht, aber nichts gefunden.
11:38Und dann habe ich gedacht, das ist doch prima zum Überbrücken. Draußen sein, Neues lernen, Erfahrungen sammeln.
11:50Bis sie als Umweltwissenschaftlerin eine Stelle findet, sind Piste und Skiverlei Annis Arbeitsplatz.
12:11Sollen die so eng sitzen oder eher ein bisschen Bewegung zulassen?
12:17Es ist einfacher, wenn deine Füße nicht rutschen im Schuh.
12:23Wir machen das hier enger.
12:29Und wie aufgeregt seid ihr? Erster Skitag? Überhaupt.
12:34Tatsächlich sehr. Aber ich freue mich auch drauf.
12:37Und er hat große Ambitionen. Von oben runter, der beste Skier werden. Skifahrer.
12:45Den schon, den schon.
12:47Sein neues Hobby hat er gesagt, bevor wir gestartet haben.
12:52Die Freunde nehmen heute ihre erste Skistunde, während ich die Pisten erkunde.
13:00Ab geht die wilde Bergfahrt.
13:08Ein Ski reicht erstmal. Wir gehen jetzt einfach mal ein Stück.
13:21Das ist so gut.
13:27Wir drücken die Fersen nach außen.
13:34Lehnen uns leicht nach vorne.
13:37Und halten die Hände hier.
13:41Gestern minus fünf, heute Unterricht bei minus 15 Grad.
13:48Alles eine Frage der richtigen Kleidung.
13:50Es ist kalt, klar.
13:52Aber mit Anfängern laufen wir viel bergauf. Das hält warm.
14:07Es ist übelst schwer. Meine Füße tun weh, aber es wird sich auf jeden Fall lohnen. Ich hab schon richtig
14:14Lust drauf.
14:19Jetzt gehen wir ein Stück weiter hoch und probieren erste Kurven.
14:36Erst geradeaus. Dann große Pizza. Und kleine Pizza.
14:42Ich hab's schneller erwartet. Deswegen hat sich grad gewundert. Aber jetzt wird's schneller.
14:51Anni ist in Naruska, 40 Kilometer nördlich von Salah aufgewachsen.
15:03Sehr gut. Wenn du dein Gewicht nach hier verlagerst, fährst du da lang.
15:07Als Kleinkind hat ihre Mutter Anni hier auf der Anfängerpiste unterrichtet. Jetzt macht sie selbst den Job.
15:15Man braucht Geduld, eine positive Einstellung und Selbstreflexion.
15:20Man muss wissen, was man falsch gemacht hat und was man besser machen kann.
15:25Und ständig dazulernen.
15:29Anni unterrichtet Skifahrer aus der ganzen Welt.
15:32Heute sind ihre Schüler aus Bayern zum allerersten Mal in Lapland.
15:40Was mir sehr gut gefallen hat, halt die Winterlandschaft.
15:44Ich mein, die letzten Jahre hatten wir's gar nicht so gehabt in Deutschland, auch in Bayern nicht.
15:48Deswegen find ich's halt super. Das macht schon richtig Spaß.
15:51Winter Wonderland trifft's tatsächlich.
16:08Super.
16:10Super.
16:11Super.
16:15Super.
16:19Super.
16:37Die Hauptsaison startet im Februar. Jetzt im Januar sind nur vier Pisten geöffnet.
16:43Sallas Wintersport-Tradition reicht weit zurück.
16:47Der älteste hier gefundene Ski stammt aus der jüngeren Steinzeit.
17:01Cari fährt hier täglich Patrouille. Er leitet das Skiresort seit mehr als 20 Jahren.
17:12Man merkt schon, dass die Winter nicht mehr so kalt sind wie früher.
17:18Zu Beginn der Saison fällt nicht unbedingt weniger Schnee, aber es regnet häufiger, wo früher Schnee gefallen ist.
17:27In diesem Sinne merkt man die Veränderungen. Aber trotzdem haben wir hier noch durchgehend gute Winter.
17:36Rund 30.000 Wintersportler besuchen Salah jährlich. Etwas weniger als noch vor zehn Jahren.
17:43Es gibt nicht genug Betten, sagt Cari. Nur ein Teil von seinen 20 Mitarbeitern kann die ganze Saison über mit
17:49Lift-Reparatur oder Fahrradverleih beschäftigt werden.
17:58Wir suchen jedes Jahr Saisonmitarbeiter. Es gibt eine gewisse Fluktuation, also brauchen wir regelmäßig neue Leute.
18:07Wir brauchen noch ein paar Jahre, aber wir haben auch viele, die hier arbeiten.
18:17Hier sind auch viele, die hier arbeiten.
18:18Anders als im Süden Finnlands bedeutet Winter in Salah Hauptarbeitszeit.
18:23Nicht alle können dauerhaft hier mit ihrer Familie leben, so wie Timo.
18:28Ja, sehr, sehr.
18:49Mit seiner Frau Susanna und ihren Kindern Pitu und Pila beginnt der Tag im Winter morgens um halb sieben.
18:57Im Tourismus bekommt man oft nur Saisonjobs. Das passt für Singles und Paare ohne Kinder.
19:03Mit Familie wünscht man sich aber einen ganzjährigen Job. Und davon gibt es hier nicht viele.
19:09Kinder, die hier aufwachsen, ziehen wieder weg.
19:11Früher waren wir in meinem Jahrgang etwa 60 Kinder. Heute sind es nur noch 10 bis 20.
19:25Als Timo zur Schule ging, lebten noch 6000 Menschen in Salah.
19:30Seine Frau Susanna musste er nicht überreden, mit ihm in seine Heimat zu ziehen.
19:40Ich hatte in Sodankilach auch nicht mehr, deshalb konnten wir gut hierher ziehen.
19:45Für Kinder gibt es viele Freizeitmöglichkeiten und die Natur ist direkt vor der Tür.
19:49Das ist toll. Man lebt hier in Ruhe.
19:51Ich mag, dass wir das Haus auch mit Feuerholz heizen können.
19:56Wir hatten diesen Winter schon einen Stromausfall von über 12 Stunden.
20:00Aber wir konnten so trotzdem heizen und kochen.
20:13Ein Haus bekommt man in Salah schon für 50.000 Euro.
20:17Aber die Mieten sind genauso hoch wie in Helsinki.
20:19Wegen der Heizkosten in den langen Wintern.
20:22Susanna hat zunächst im Wildpark als Bäckerin gearbeitet.
20:26Jetzt studiert sie medizinische Labordiagnostik.
20:28Zum Großteil von zu Hause aus.
20:31Aber heute Abend muss Susanna für drei Tage nach Oulu.
20:35Dann regelt Timo Arbeit und Kinderbetreuung.
20:42Kila und Pitu müssen morgens nicht durch den Schnee bis zu einer Haltestelle stapfen, um in die Schule zu kommen.
20:58Der Schulbus ist in Salah ein Schultaxi und sammelt die Kinder direkt vor der Haustür ein.
21:16Danach beginnt für Timo der Arbeitstag.
21:25Im Winter bin ich kaum zu Hause. Ich arbeite dann lange, oft viele Tage hintereinander.
21:32Dafür ist es im Frühling deutlich ruhiger, da arbeite ich weniger.
21:36Und im Sommer kann ich mir auch mal richtig frei nehmen.
21:42Im Winter hat Timo 50 Mitarbeiter. Er ist nicht nur Betriebsleiter, sondern auch Teilhaber vom Wildparkkonzept mit Rentierfahrten, Husky und
21:52Polarlichtertouren.
21:59Ich mag meine Arbeit sehr. Es ist jeden Tag wie ein Puzzlespiel. Das ist spannend, aber es bedeutet auch viel
22:05Stress und wenig Schlaf.
22:07Gerade im Winter ist man ständig am Umplanen und Probleme lösen.
22:26Direkt hinter dem Rentiergehege liegt mit 100 Quadratkilometern Finnlands jüngster Nationalpark.
22:33Der Kansalis Puisto wurde 2022 eröffnet.
22:45Was bedeutet dir dieser Nationalpark? Ist er schließlich deine Heimat?
22:50Nationalparks sind generell wichtig, um Wälder in ihrem natürlichen Zustand zu erhalten.
22:55Der Sala Nationalpark ist ein Park mit altem Baumbestand.
22:59In Finnland sprechen wir vom Seelenbild, wenn uns etwas viel bedeutet.
23:03Und dieser alte Wald ist für mich mein Seelenbild.
23:06Hier fällt der Stress von mir ab. Ich bin einfach da, ohne an irgendetwas anderes zu denken.
23:18Der Wald ist sein Lieblingsort. Hier ist er aufgewachsen, geht je nach Jahreszeit Fischen, Jagen oder Beeren sammeln.
23:28Puderzucker-Bäume.
23:31Aber gefrorener Puderzucker.
23:34Der hat aber eine bizarre Form.
23:37Diese Bäume nennen wir Kello.
23:40Was bedeutet Kello?
23:41Das sind abgestorbene Kiefern, die trotzdem noch stehen.
23:47Und da liegt ganz schön viel Schnee drauf, ne?
23:51Ja, die Zweige gehen sogar runter. Die größten können bis zu 2 Tonnen Schnee tragen.
23:572.000? Das ist ja mehr als ein Dach tragen, oder?
24:01Ja, und nur die stärksten Bäume, die am besten verwurzelt sind, die überleben.
24:09Überleben der Stärksten?
24:11Absolut. Das liegt auch an der Wachstumszeit. Die ist hier extrem kurz. Nur 3 Monate im Jahr.
24:17Deshalb ist das Holz so dicht und stabil und kann so viel Schneelast tragen.
24:26Wenn du an Frühjahr zurückdenkst, an deine Kindheit, würdest du sagen, dass es heute weniger Schnee gibt?
24:31Ja, auf jeden Fall. Das sieht man schon hier, wenn man einfach mal da hineinspringt.
24:42Aber das ist schon tiefer Schnee.
24:47Ja, klar. Aber früher, als ich klein war, hatten wir hier jeden Winter ein bis anderthalb Meter. Immer.
24:53Heute kommt der Schnee später, schmilzt früher wieder weg und es bleibt insgesamt einfach weniger liegen.
25:04Timo wollte eigentlich Lehrer werden und hat ein halbes Jahr in Helsinki gelebt.
25:10Dann hat er doch Tourismus studiert.
25:27Was ist das?
25:29Das ist Campani, ein typisches Gebäck, das wir zum Kaffee essen.
25:33Gefroren?
25:34Ja, du tunkst es einfach in den Kaffee und lässt es kurz vollsaugen.
25:41Die auftauen.
25:46Salas Motto ist ja mitten im Nirgendwo, oder?
25:49Ja, absolut.
25:50Man könnte denken, das ist ein riesiger Nachteil, aber mit einer Portion Selbstironie haben wir das umgedreht
25:56und genau daraus etwas gemacht, das für uns funktioniert.
26:13Das hier lernen wir schon als Kinder. Das nennt sich Kehinen, ein Anzündspan.
26:21Bei einer Kiefer entfernt man die Rinde, schabt das Holz so auf und damit kann man Feuer machen.
26:27So, dann machst du es so.
26:31Und dann...
26:33Du lernst es so.
26:35Und das ist, wie du ein Feuer lernst.
26:37Ist das einer der Gründe, warum du zurück nach Salah gekommen bist, um hier zu leben?
26:42Ja, es ist einfach eine gute Art zu leben und auch eine gute Art Kinder großzuziehen.
26:50Sie machen hier mehr als nur am Handy oder Tablet zu hängen.
26:54Sie lernen praktische Dinge fürs Leben und wenn es ein Problem gibt, müssen sie nicht sofort mich anrufen.
27:00Sie wissen, sich selbst zu helfen.
27:06Und dann ist da dieser Blick. Nur ein paar Kilometer hinter diesen Bäumen liegt Russland und die führen gerade Krieg.
27:12Die Grenze ist geschlossen. Spürt man das, wenn man so nah dran lebt?
27:21Eigentlich nicht. Im Alltag merkt man davon kaum etwas. Und das ist ganz typisch für Finnland.
27:26Je näher man an der Grenze lebt, desto weniger Sorgen macht man sich darüber.
27:36Wir haben lange überlegt und sind dann doch die 20 Kilometer Richtung Osten gefahren, um mit dem Handy zu filmen.
27:46Denn hinter dieser streng bewachten Sperrzone liegt Russland.
27:51Früher hatte Salah drei Partnerstädte auf der russischen Seite.
27:55250.000 Menschen überquerten jedes Jahr die Grenze. Bis Russland 2014 die Krim annektierte.
28:04Seit Beginn des Ukraine-Krieges ist die Grenze komplett dicht.
28:13Die russischen Tagestouristen und ihre Einkäufe fehlen in den Kassen.
28:19Dafür hört man Italienisch, Spanisch und Chinesisch.
28:22Keine Hotelburgen, keine Bettenburgen. Und trotzdem ist Salah längst international angekommen.
28:32Rund 110.000 Übernachtungen im Jahr. Tendenz steigend.
28:37Läuft alles ideal, dauert die Wintersaison hier von November bis April.
28:42Und selbst jetzt, in der Nebensaison, sind fast alle 1.400 Betten belegt.
28:47Sala wächst, aber leise. Denn während der Tourismus boomt, schrumpft die einheimische Bevölkerung.
28:56Gleichzeitig stellt der Klimawandel die wichtigste Ressource infrage.
29:00Verlässliche Winter. Deshalb wollen sie hier nachhaltigen Tourismus.
29:04Mit Gästen, die wiederkommen. Und mit Arbeit, die das ganze Jahr trägt.
29:08Sommer und Winter.
29:20Anni gibt ihren Skiunterricht oft auf Englisch.
29:24Ihr Highlight? Wenn die Pisten zweimal die Woche länger beleuchtet bleiben
29:27und sie nach Feierabend noch selbst Skifahren kann.
29:35Wow! Das ist mal ein Panorama, oder?
29:40Wenn du an die Zeit zurückdenkst, als du hier Skifahren gelernt hast, was war damals anders?
29:48Also dieses Jahr hatten wir sehr wenig Schnee.
29:51Letzten Frühling war es ungewöhnlich warm. Wir hatten eigentlich gar keinen richtigen Frühling.
29:56Und dieses typische Hunky-Kanto, so nennt man das bei uns, wenn die Schneedecke trägt,
30:02das gab es letztes Jahr kaum.
30:08Was geht dir durch den Kopf, wenn du die Piste runterfährst?
30:12Meistens denke ich an die richtige Technik, weil ich das oft mache und ständig darauf achte.
30:18Aber manchmal genieße ich auch einfach die Freiheit, die Geschwindigkeit und die schöne Landschaft.
30:23Einfach einmal tief die eiskalte Luft ausatmen.
30:32Musik
30:33Musik
31:02Oh my friends, it's
31:03I'm frozen.
31:04Kalt, kalt, kalt, kalt.
31:08When it not only friert, but also schneit,
31:11he needs to go later on.
31:19Hi, Marko.
31:21Hi.
31:22So, we're going to go down the road.
31:29One slope up, the next slope down.
31:32One slope up, the next slope down.
31:35Wird das nie langweilig?
31:37Manchmal.
31:38Echt?
31:39Langweilig?
31:39Ich find das total cool.
31:41Super cool.
31:52Die Schaufel da vorne schiebt den Schnee weg?
31:56Ja, der Teil macht die meiste Arbeit, die Schaufel.
32:01Und hinten ist die Fräse, die macht die Oberfläche glatt,
32:05quasi den Boden bemalen.
32:08Heute bemalt Marko den Schnee zum ersten Mal mit seiner neuen Pistenraupe.
32:13Sie ist größer und breiter als die alte.
32:15Damit er in der Hauptsaison, wenn alle Pisten geöffnet sind,
32:19schneller ist und nicht mehr die ganze Nacht durchfahren muss.
32:27Was ist das Beste an deiner Maschine beim Präparieren?
32:34Das Beste ist, wenn alles perfekt läuft und sie richtig gute Arbeit macht.
32:42Aber manchmal geht auch etwas kaputt.
32:44Und dann kämpft man.
32:48Dann ist es richtig mies, weil du ganz alleine bist.
32:52Ja, wenn die Maschine hier auf der Piste kaputt geht,
32:55muss ich sie allein reparieren.
32:58Also bist du ein Einzelkämpfer?
33:00Muss ich sein.
33:04Einerseits bin ich dadurch ganz frei.
33:09Andererseits aber manchmal auch einsam.
33:13Und dann geht die Fantasie mit mir durch.
33:15Da kommt der Bär, da geht ein Wolf.
33:18Das ist bad.
33:20Da ist der Wolf.
33:27Als kleiner Junge hat Marco die Pistenraupen immer bewundert und gedacht,
33:31das ist der coolste Job der Welt.
33:34Lenkt Marco die Schaufel einen Ticken zu tief,
33:37ist die Piste ruiniert.
33:39Einen Moment zu nah am Tellerlift zerbricht die Scheibe.
33:4310.000 Euro Schaden.
33:49Ein ganzes Jahr hat Marco gebraucht,
33:51bis er das richtige Feingefühl hatte.
33:53Schnee verschieben, Löcher auffüllen,
33:56Kanten begradigen und Buckel abziehen.
34:08Inzwischen beherrscht der 52-Jährige diese Pistenkomposition seit 20 Jahren.
34:23Wie beeinflusst der Schnee deine Arbeit?
34:28Sehr stark.
34:29Wenn es friert, ist der Schnee trocken
34:31und verhält sich völlig anders als bei wärmeren Temperaturen,
34:34wenn er nass ist.
34:37Was musst du dann anders machen?
34:41Ich muss die Maschine jedes Mal neu einstellen.
34:44Wenn es heute weiter schneit,
34:46muss er morgen früh vor dem Start der Lifte noch mal planieren.
34:50Den Westhügel und den Osthügel mit Blick Richtung Grenze.
35:01Wie ist es für dich, so nah an der russischen Grenze zu leben?
35:05Merkst du das bei deiner Arbeit?
35:11Im Dunkeln sieht man sie nicht.
35:13Aber im Hinterkopf ist sie immer da.
35:17Manchmal sieht man Licht da, manchmal nicht.
35:19Während der Arbeit denkt man nicht viel darüber nach.
35:22Aber ja, Russland ist da.
35:26Hast du manchmal das Gefühl, dass sie dich beobachten,
35:29weil du von oben wie ein Militärfahrzeug aussiehst?
35:32Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mir manchmal zuschauen.
35:35Aber ich bin halt nur ein einsamer Typ in einer Pistenraupe.
35:44Überall, wo der Schnee höher liegt, brauchen wir in Salah Schneeschuhe.
35:56Jetzt sind wir hier und gehen hinauf auf den Isopir Tunturi.
36:00Mit der Gruppe aus der Skischule geht es unter lokaler Führung auf 450 Meter bergauf.
36:06Hiking auf den Isopir Tunturi Berg.
36:09Einer in der Gruppe ist ganz aufgeregt und eine weiß noch nichts von ihrem Glück.
36:13Und mehr verrate ich nicht.
36:22Fulia und ihr Mann Yassin besuchen zusammen mit Fulias Bruder Altan
36:28und seiner Freundin Luisa ihre finnische Freundin Milla.
36:33Hui!
36:41Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?
36:45Das ist schon lange her, in den USA, als wir Austauschschülerinnen waren.
36:50War das 2006? Nein, 2007. Wir waren eigentlich die Schwestern.
36:57Und warum habt ihr beschlossen, euch immer wieder zu treffen?
37:03Wir haben uns dort super verstanden und uns danach fast jedes Jahr wiedergesehen.
37:09Fast jedes Jahr, ja.
37:12Und dann sind wir zusammen gereist.
37:16Ich war oft in Nürnberg und wir waren zusammen in Rom, London und auf anderen Reisen.
37:25Milla hat einige Zeit in Bayern gelebt.
37:28Für die deutschen Freunde ist heute der letzte Urlaubstag.
37:32Tschau!
37:34Ein bisschen Pastel haben wir.
37:46Ja.
37:46Sehr romantisch finde ich schon, ja.
37:48Ja, ich habe das Gefühl, dass wir so entspannt sind einfach.
37:52Ja.
37:53Durch den Schnee?
37:54Vielleicht?
37:55Ich würde sagen, schon durch die Farbe.
37:57Ja.
37:57Es ist so ein bisschen schade, dass natürlich sehr schnell dunkel wird.
38:01Aber dementsprechend durch die Lichter und durchs Schnee in der Nacht sieht es halt viel schöner aus und viel einladender.
38:07Ich glaube, es liegt auch einfach daran, dass es hier so friedlich ist.
38:10Ja.
38:10Man hört gar nichts.
38:11Wenn wir draußen unseren Kaffee trinken in der Früh, da ist nix, kein Ton, gar nichts.
38:15Das ist so schön.
38:16Das ist sehr ruhig.
38:16Ja.
38:17Man hat hier richtigen Seelenfrieden einfach.
38:23Sala wirkt mit mehr als 300 Kilometer Wanderwegen.
38:27Klingt nach Weite und Freiheit, ist in Schneeschuhen aber richtig anstrengend.
38:31Auch wenn es in Sala nicht steil bergauf geht.
38:34Die Wege auf die Fjells, die Gipfel mit den runden Kuppen, wollen nicht enden.
38:44Geschafft!
38:49Mit 18 sind Luisa und Altern ein Paar geworden, vor zehn Jahren.
38:58Ich liebe dich und alles.
39:00Ich liebe dich auch.
39:02Dass du dein Leben lang an meiner Seite bleibst.
39:05Und ich hoffe, du bleibst auch nur mit.
39:12Ja!
39:13Ja!
39:27Meine Schwester sieht, by the way, the green's last.
39:30Wie romantisch halt so geht es ja fast nicht, oder Luisa?
39:33Nee, gar nicht.
39:34Ich bin so glücklich.
39:35Mein Traum am Tag wäre auch im Schnee auf jeden Fall, nicht am Strand.
39:38Das wäre mein Traum.
39:40Und ich finde es schön, dass er sich das gemerkt hat.
39:43Der letzte Abend in der blauen Stunde von Sala.
39:50Die Tage hier am Polarkreis sind kurz, maximal viereinhalb Stunden Tageslicht.
39:56Aber das Leben geht auch im Dunkeln weiter.
40:01Aber das Leben geht auch im Dunkeln weiter.
40:12Zweimal die Woche organisiert ein lokaler Verein öffentliche Sauna mit Eisbaden.
40:22Hier erfährt man, was es Neues gibt.
40:34Timo hat angerufen.
40:35Genau jetzt kann man gut Polarlicht da beobachten und deswegen müssen wir schnell los.
40:43Wir fahren drei Kilometer raus Richtung Süden.
40:50An einen Ort mit möglichst wenig Lichtverschmutzung.
40:57Aber die Wolkendecke gibt den Blick noch nicht ganz frei.
41:09Einen kleinen Streifen haben wir schon gesehen.
41:11Aber das reicht uns natürlich noch nicht.
41:14Bei minus 22 Grad warten wir eine halbe Stunde.
41:18Und dann.
41:22Man hat das Gefühl, der Himmel fällt auf einen nieder.
41:26Guck mal, guck mal.
41:32Es tanzt.
41:38Ein geomagnetischer Sturm mit bester Sicht.
41:41Selbst am Polarkreis sind so intensive Polarlichter ein Glücksfall.
41:47Es tanzt.
41:47Guck mal.
42:21In Salah ist nichts gewiss. Weder der Winter, noch der Schnee, noch der Himmel über uns.
42:27Und damit verabschieden wir uns von diesem Oste-Report. Machen Sie es gut!
42:51Sagen wir mal, hast du gerade gerülpst? Das habe ich genau gehört.
42:57Morgen!
42:59Morgen!
43:00Es ist hoch!
43:01Komm her!
43:03So!
43:06So!
43:06So!
43:06So!
43:08So!
43:21So!
43:25So!
43:29So!
43:30So!
43:31So!
43:33So!
43:33So!
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