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00:00We come from Hawaii to Hannover, to Niedersachsen.
00:04We have now five sisters.
00:08And these five sisters have achieved,
00:10with their exemplary engagement for human rights,
00:15to the UN-Vollversammlung to New York.
00:19And this is, and I'm going to read it,
00:21we call it Tuba, Thulin, Tejan, Duesen and Tuna Fekal.
00:38But, that's not all.
00:40How many sisters have you?
00:42We are not only the half.
00:44We are actually 11.
00:45We are a football team.
00:48We are a family,
00:50that is a choice,
00:51and that is a choice.
00:52And this is here today.
00:55But, yes.
00:59Now I, Barbara and I,
01:01we have heard from the show,
01:02we have the impression,
01:03that you are already a very temperamentvolle Truppe.
01:05How do you come to word?
01:09I agree with that word.
01:12So, so, so.
01:14So, so.
01:15So, so.
01:30We are so.
01:32We're doing the same thing.
01:32But we are feeling like,
01:34we are not talking about what is a child
01:37And you are thinking,
01:39if you are now talking about the time.
01:41That's a problem.
01:42Yes, I was the youngest. I'm 34 years old. I'm the youngest one with my twin brother.
01:48What does not mean that I'm not 12, because they always tell me sometimes
01:52that's what I'm talking about and that's what I'm talking about.
01:54But that's not me anymore.
01:56But it's very difficult to get to the word.
01:59You have to be really hard to get there.
02:03And it's nothing to be loud to be, because there's no one to listen to,
02:05but you have to really have a strength to have.
02:08And of course you have to say smart things.
02:10I can't say that, but...
02:11And also slow.
02:13Also loud and slow.
02:14Hast du nicht gerade vorhin erzählt,
02:15dass ihr gerade...
02:16Also komm, ganz schnell auf den Punkt, ansonsten war's da.
02:19Aber Düring hat vorhin erzählt,
02:21Sie waren in einem Radio-Interview und wer hat dann irgendeiner...
02:23Ich war mit Thülin da und auf einmal hat sie Wörter abgekürzt.
02:26Also ich hörte dann nur Identität.
02:28Ich dachte, Identität.
02:30Und dann hab ich gefragt, Thülin, was ist denn los mit dir?
02:32Sie so, ich hab Angst.
02:33Ich so, vor wem?
02:34Sie so, vor dir.
02:35Aber ich mach doch gar nichts.
02:38So ähnlich ist es leider bei uns auch mit dem Essen.
02:41Also weil, ja, wer nicht schnell genug ist, kriegt auch nichts mehr.
02:45Und andererseits bin ich aber total dankbar, weil auch was sozusagen das Sprachvermögen angeht,
02:51ist es schon so, dass unsere Mutter uns so erzogen hat, dass sie gesagt hat Elevator-Speech.
02:54Also ihr redet bitte nur, wenn ihr was zu sagen habt und fasst euch bitte kurz, weil wir sind viele.
02:59Wir reden noch mal über das Essen.
03:00Ina Müller hat mal erzählt, die auch mit vier Schwestern groß geworden ist.
03:03Sie kann beim Essen nicht teilen.
03:05Sie ist nicht imstande zu teilen.
03:06Sie isst immer alles auf und guckt so rechts und links.
03:10Auch wenn es ihr vielleicht gar nicht schmeckt.
03:12Ist das bei euch?
03:12Ist das bei euch?
03:13Das geht auch so.
03:14Vor allem, wenn man wie Düsen essen und sprechen kann gleichzeitig.
03:20Jetzt habt ihr unter euch eine Fußballspielerin.
03:23Ja, jetzt komme ich mal zu Wort.
03:24Da höre ich meine Stimme.
03:25Ja, genau.
03:27Hast du, du hast Fußball gespielt, du hast eine Entscheidung.
03:30Du wolltest, und ich meine Frauenfußball ist mittlerweile, also ich musste auch eine Weile,
03:34ich gebe es mal zu, ich brauchte eine Weile, um das irgendwie gut zu finden und mittlerweile
03:37finde ich es super.
03:39Aber waren deine Eltern oder eure Eltern, waren die gleich dafür, dass du Fußball spielen wolltest?
03:45Natürlich nicht.
03:46Also ich bin, ich habe in den 90er Jahren angefangen Fußball zu spielen mit sechs, sieben Jahren.
03:50Und da gehörte sich das für ein junges, kurdisches Mädchen, nicht mit dreckigen Hosen
03:55nach Hause zu kommen oder mit Schramm an Arm und Beinen.
03:58Und die fanden das erst mal nicht schön und haben es mir tatsächlich auch verboten.
04:04Ich bin dem nicht nachgegangen, ich habe heimlich natürlich Fußball gespielt, weil das meine
04:08größte Leidenschaft war und hatte das große Glück, dass wir eben zu elf waren.
04:13Also ich hatte noch zehn Geschwister, die mich da auch gestärkt haben, die gesagt haben,
04:18endlich hat sie etwas gefunden, wo sie richtig Spaß dran hat.
04:21Weil ich muss zugeben, von all denen hier war ich diejenige, die, also ich war auf der
04:26Hauptschule, ich war nicht besonders gut in der Schule.
04:29Ich habe viel Diskriminierungserfahrung gemacht und habe dann zwischendurch gedacht,
04:32was ist eigentlich meine Rolle, nicht nur in dieser Familienschaft, sondern auch in dieser
04:35Welt.
04:37Und ja, war sehr wütend, war sehr wütend.
04:40Und man muss ja irgendwie schaffen, diese Wut zu kanalisieren, dass sie nicht zur Aggression
04:44wird.
04:44Und mit dem Fußball habe ich es einfach geschafft, diese Wut vernünftig zu kanalisieren und habe
04:51etwas gefunden, wo ich richtig gut drin bin und habe es tatsächlich bis in die Frauenbundesliga
04:56geschafft.
05:04Und HSV auch.
05:06Ich habe für den HSV gespielt und für den 1. FC Köln.
05:10Respekt.
05:11Zunächst mal Respekt.
05:12Jetzt haben wir im Vorgespräch schon gemerkt, dass bei euch auch gelegentlich die Fetzen fliegen.
05:19Richtig.
05:20Und es gibt, glaube ich, eine Schwester, die immer rausrennt, die Opa macht.
05:23Wer ist das von euch?
05:24Das machst du.
05:25Du rennst raus.
05:26Aber ich bin nicht nachtragend, ich komme auch schnell wieder zurück.
05:28Ja, das stimmt.
05:29Du rennst raus, weil du sauer bist?
05:30Nein, wir haben so eine WhatsApp-Gruppe und dann wird immer einer fertig gemacht und man
05:33weiß nie, wen es trifft.
05:34Und ich bin so sensibel, weil da draußen wird man einfach anders behandelt.
05:38Aber bei uns geht es halt schon hart zur Sache.
05:40Und da denke ich dann manchmal, nee, habe ich keinen Bock drauf.
05:42Gehe ich raus und dann denke ich wieder, aber die lästern jetzt über mich.
05:44Also gehe ich wieder rein.
05:47Happe, wirkt diese Vorstellung, mit 13 Familienmitgliedern zusammenzuleben, auf dich eher bedrohlich
05:53oder eher attraktiv?
05:54Ich finde das spannend.
05:56Ich frage mich nur, man sagt doch immer, es gibt das älteste Kind, das mittlere Kind
06:00und das jüngste Kind.
06:01Da gibt es so Einteilungen, wer da welche Rolle hat.
06:04Jetzt frage ich mich, was hat denn das fünfte und das sechste Kind für eine Rolle?
06:08Man ist ja da nicht in der Mitte.
06:10Ja.
06:10Es ist natürlich jeder unterschiedlich, aber warst du ein Nesthäkchen, verwöhnt ohne
06:15Ende?
06:15Ja, also ich war ein Nesthäkchen, würde ich sagen.
06:19Also bin es ja auch.
06:20Also, aber ich war jetzt nicht verwöhnt.
06:22Also was heißt denn verwöhnt?
06:23Also klar sind diese Schwestern und meine Brüder Wege gegangen, die ich nicht gehen
06:27musste und die haben Türen geöffnet, die ich nicht mehr öffnen musste.
06:30Das ist ganz klar.
06:31Aber wie gesagt, also ich musste mir meinen Weg auch und auch erkämpfen und meine Rollen.
06:36Und was habe ich eigentlich zu sagen oder was mache ich, wenn diese grandiosen Frauen
06:41hier neben mir oder meine Brüder, die Unternehmer sind und in der Sportwelt unterwegs waren.
06:45Was ist meine Rolle?
06:46Und das war so ein bisschen mein Kampf eher als Nesthäkchen, dass ich mich ständig
06:51gefragt habe.
06:51Wer bin ich?
06:52Wer bin ich?
06:53Warum?
06:54Und wo will ich eigentlich hin?
06:55Und was kann ich anders machen?
06:56Und wie kann ich auffallen vor allem?
06:58Jetzt kann ich mir vorstellen, also ich bin leider nicht in einer Großfamilie groß geworden.
07:03Bedauere ich irgendwie auch.
07:05Wenn Konflikte sind, dann hat man die beim Essen ausgetragen.
07:09Ja, da kommt man ja zusammen.
07:10Und es gibt die Dolma.
07:13Es gibt Dolma, das ist ein Hefe.
07:15Weil das sind in Weinblätter.
07:16Füllte Zwiebeln, Weinblätter, Auberginen.
07:18Das ist nicht typisch kurdisch.
07:19Das gibt es auch in der türkischen Küche.
07:20In der griechischen gibt es überall.
07:22Haben wir sowas?
07:23Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut.
07:25Wir haben diese Weinblätter natürlich hier.
07:27Und von rechts aus links kommen...
07:29Wow!
07:30Das glaube ich ja gar nicht.
07:33Das wäre doch nicht nötig gewesen.
07:36Dankeschön.
07:37Dankeschön.
07:37Es trifft sich ja sehr gut.
07:40Keine Ahnung.
07:40Ich weiß auch nicht, ob die der NDR jetzt in der Kantine hergestellt hat.
07:44Die sehen sehr lecker aus.
07:46Vielen Dank.
07:47Wunderbar, ich freue mich sehr.
07:48Danke.
07:48Esse gleich.
07:49Das ist ja toll.
07:50Lecker, ne?
07:51Das war ein Fehler.
07:52Aber jetzt reden die nicht mehr.
07:53Sie kann ja beides.
07:54Sie kann beides.
07:55Sie kann beides.
07:56Jetzt mal die Entscheidung eurer Eltern, viele Kinder zu bekommen, ja nicht nur eine individuelle,
08:02persönliche Entscheidung, sondern auch eine, kann man das sagen, die aus eurer Ethnie,
08:07aus eurer religiösen Verankerung resultiert.
08:10Nämlich, ihr seid Jesiden.
08:12Jetzt habe ich mich beschäftigt nochmal mit der Geschichte der Jesiden.
08:14Es gibt glaube ich keine Ethnie, kein Volk, das so verfolgt worden ist, das so gequält worden ist, das so
08:21dem so viel Unrecht angetan wurde.
08:26Insofern gibt es auch den Wunsch, nicht nur viele Kinder zu haben, sondern ihr müsst auch immer und ihr solltet
08:32jemanden zu heiraten, der auch Jeside ist.
08:33Ist denn das wie bei den, also ist der Markt denn gut?
08:37Also ich meine...
08:39Ich sag mal so, wir sind glaube ich nicht die besten Role Models, um das zu beantworten, wenn tatsächlich sind
08:45wir andere Wege gegangen.
08:46Aber du sprichst natürlich einen sehr wichtigen Punkt an, denn auf der einen Seite sind wir eins ziemlich deutsch, vor
08:50allem ziemlich norddeutsch.
08:51Ich meine, wir sind in Hannover geboren und aufgewachsen und waren auch ein Teil der hiesigen Gesellschaft, ein Ergebnis der
08:57Solidargemeinschaft.
08:58Und da war da aber immer auch die andere Seite, das kurdische, das jesidische und das herausfordernde als Minderheiten in
09:04der Minderheit war immer, dass unsere heile Welt von allen Seiten bedroht wurde.
09:08Das heißt einmal marginalisiert aufgrund der Tatsache, dass man Zuwanderungsgeschichte hat.
09:11Aber es war auch so, dass wir in der Schule auch diskutiert haben mit Kindern mit Migrationshintergrund, die zu Hause
09:17gelernt hatten, die haben nicht die richtige Religion, das sind Ungläubige oder die haben kein eigenes Land.
09:25Und das hat uns natürlich sehr, sehr stark gemacht. Also für uns war sehr schnell klar, dass wir vor allem
09:30eins machen müssen, universalistisch uns aufstellen müssen.
09:33Und der Satz meines Vaters, Mensch ist Mensch, der kommt ja sozusagen auch aus dem Türkischen, aber ist bei uns
09:37eben auch sehr beliebt, war etwas, was wir internalisiert haben.
09:41Und deswegen kann ich auch verstehen, dass es für Thulin viel zu viel war, weil unsere Identität war alternativlos, weil
09:46die Verfolgung der Jesiden gibt es, seitdem es Jesiden gibt.
09:49Und viele Menschen wussten gar nicht, dass es uns gibt.
09:52Du hast einen Film gedreht, wenn ich das sagen darf, 2014 und hast vor allen Dingen Havar Help gegründet, eine
09:58Bürgerinitiative, darf ich das sagen?
10:01Ein Hilfsverein gemeinsam.
10:02Ein Hilfsverein? Genau.
10:03Wie hat das dein Blick nochmal verändert auf die Thematik?
10:07Also wie verändert das den Blick, wenn du mitten im 21. Jahrhundert Augenzeugin wirst eines Völkermords, für den sich keiner
10:13interessiert weltweit?
10:14Und das war mein life-changing Moment. Ich habe mein sicheres Deutschland, mein sicheres Hannover damals verlassen, gegen den Willen
10:20meiner Mutter, gegen den Willen von vielen Journalistenkollegen, die gesagt haben, das kannst du nicht machen.
10:24Du kannst nicht in IS-Gebiet 2014, wo jeder da raus will, das ist gefährlich, es geht um dein Leben.
10:29Was viele Menschen aber nicht verstanden haben, war, dass es das ungelebte Leben war und dass sozusagen diese Verfolgung ja
10:35da war, bevor wir geboren sind.
10:37Das heißt, es war auch der Wunsch, und das haben wir gerade von Taser gehört, deiner Mama, dass sozusagen auch
10:41unsere Eltern Wünsche hatten.
10:43Und meine Eltern wollten immer, dass ich Journalistin oder Politikerin werde, damit ich irgendwann mal die Geschichte von Jesiden erzähle,
10:49für die sich keiner interessiert hat.
10:50Und deswegen war das natürlich life-changing, weil ich bin dann mitten in diesem Völkermord auch freiwillig gegangen und als
10:57anderer Mensch zurückgekehrt.
10:59Und der Mensch, der mich dabei begleitet hat, war mein Vater. Und ich glaube, manchmal ist es so im Leben,
11:03um weiterzuleben, muss man auch Entscheidungen treffen, die größer sind als deine Angst.
11:08Und ich bin diesbezüglich sehr, sehr stolz auf mich und auch auf meine Eltern und auf meine Kultur.
11:13Denn obwohl die Menschen immer versucht haben, uns auszulöschen, sind wir immer noch da, sitzen hier und sind nicht nur
11:18am Leid gekoppelt, sondern auch an der Liebe und an der Lebensfreude. Das ist mir auch wichtig.
11:27Aber dieses Engagement von euch allen hat euch bis zur UNO-UN-Vollversammlung geführt. Euch ist eine große Ehre zuteil
11:38geworden.
11:38Eure Arbeit ist eine große Ehre zuteil geworden und den Jesiden ist eine Ehre und eine Aufmerksamkeit zuteil geworden.
11:45Und wir haben, und ihr habt George Clooney getroffen.
11:47Ja, Amal leider nicht. Das konnte nicht.
11:50Also seine Frau, man muss dazu erklären, dass seine Frau eigentlich sich wahnsinnig eingerechnet, also sich als, erzähl mal genau,
12:00was sie gesagt hat.
12:00Genau, also sie ist ja Menschenrechtsanwältin, international anerkannt, die haben wir auch getroffen, allerdings ein paar Jahre vorher.
12:05Und hat, was den Völkermord unserer Religionsgemeinschaft angeht, quasi das Licht und die Schallverstärkung und hat dafür gesorgt, dass Weltaufmerksamkeit
12:12darauf gelenkt wird.
12:13Und dadurch ist ihr Mann überhaupt erst auf unsere Religionsgruppe aufmerksam geworden.
12:16Aber diesen Moment haben wir filmisch festgehalten, wo du leider nicht konntest.
12:20George Clooney trifft auf diese, auf Düsen, auf Düsen, auf Düsen, ohne Düsen.
12:51Wie gesagt, ein so vielschichtiges Erlebnis auch für uns beide.
12:56Dass wir uns geeinigt haben, dass wir das Gespräch teilen.
12:58Aber bevor Barbara die Fragen fortsetzt, noch eine Frage an dich, Thülin.
13:02Du hast als jüngste Schwester, glaube ich, anfangs sehr gefremdelt mit der Arbeit deiner Schwester.
13:08Richtig.
13:08Warum?
13:09Ich fremdele immer noch manchmal, ehrlich gesagt.
13:12Ich glaube, weil ich bin an der Freude angedockt.
13:16Und klar, wir sind geboren und das Erste, was du mitbekommst, ist Resilienz.
13:21Also diese Epigenetik, die wir durch meine Oma und auch die Vorfahren und meine Mutter, da ist viel Schmerz gewesen.
13:28Sehr viel Schmerz, was man irgendwie in die Wiege gelegt bekommt.
13:33Und so wirst du groß.
13:34Und ich habe aber das Gefühl gehabt, das ist mir zu tief, das ist mir zu schmerzhaft.
13:39Und ich will normal sein.
13:40Ich will dazugehören.
13:41Ich will wie meine MitschülerInnen dazugehören.
13:44Ich will deutsch sein.
13:45Und dann wollte ich ganz lange, 2014, als es dann begonnen hat, eigentlich nichts mit denen zu tun haben.
13:51Bis ich dann gemerkt habe, ey, Moment mal, ich kann doch auch was.
13:55Das schließt sich gar nicht aus.
13:56Ja, genau.
13:56Ich bin zwar an der Freude, aber das bedeutet ja nicht, dass man rausgehen muss.
14:02Sondern ich bin dafür geboren, glaube ich, Dinge zusammenzubringen, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören.
14:07Und das ist Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit.
14:09Und eben auch, dass man gleichzeitig Sachen machen darf, die man auf den ersten Blick irgendwie auch nicht zusammengehören.
14:17Und deswegen, also ich bin so diese Rolle, ich bringe auch Mode gerne rein, ich bringe Musik rein.
14:22Das ist eine ganz schicke Hose.
14:24Ja, danke schön.
14:24Ich muss das mal sagen.
14:25Nicht ohne Neid, sagt das Hubertus.
14:27Nicht ohne Neid.
14:28Genau.
14:29Mir ist es einfach wichtig, diese Andersartigkeit, die ich irgendwie auch habe und auch meine Mutter und wir auch alle.
14:35Also ich meine, wir sind nun mal elf Kinder und dann ist es eben auch anders und nicht normal.
14:38Aber das so ein bisschen reinzubringen.
14:40Ja, und diese Freude, die lasse ich mir nicht nehmen.
14:43Diese Leichtigkeit lasse ich mir nicht nehmen.
14:46Aber ich bin mir meiner Verantwortung bewusst.
14:48Ich weiß, was wir zu tun haben.
14:49Ich weiß, was wir bewegen wollen.
14:51Aber man kann es auch mit Leichtigkeit rüberbringen.
14:53Ja, übrigens Epigenetik.
14:54Das erlebt man ja auch, wenn man in Israel ist oder in Tel Aviv, war ich relativ häufig,
14:58dass die Israelis wahnsinnig gerne feiern, um auch ihrer tragischen Geschichte etwas entgegenzusetzen.
15:04Richtig.
15:05Richtig.
15:05Auch kurdische Frauen tanzen ja auch immer gerne.
15:07Also, als wir jetzt in Syrien waren, sind wir auch viele kurdische Frauen getroffen letztes Jahr,
15:13die dann eben auch für die Identität der Kurden dastehen und kämpfen.
15:17Aber die haben auch getanzt.
15:18Und das ist dann auch eine Form oder ein Ausdruck von Widerstand, sage ich mal.
15:23Und dieser Widerstand hat ja auch einen Namen.
15:24Der heißt Jinjian Azadi.
15:25Und das heißt Frau leben Freiheit.
15:27Das kommt aus der kurdischen Freiheitsbewegung.
15:29Das wurde dann übergeleitet beispielsweise in den Iran.
15:32Und wir haben noch ein Mantra, das heißt Widerstand ist Leben.
15:35Und ich finde das sehr, sehr wertvoll.
15:36Und ich habe schon den Eindruck, weil ich will jetzt nicht, dass so getan wird, als wenn wir so die
15:39Trauerklüsse wären und du bist jetzt die Humor-Queen.
15:42Sondern es gehört ja, dann ganz kurz, es gehört ja beides.
15:45Ich habe mich auch persönlich angriffen.
15:47Übrigens, er hat mich gefragt.
15:50Ja, aber es gehört ja beides zusammen.
15:53Also machen wir den Eindruck, als wenn wir keine Freude hätten.
15:56Nein, aber ganz ehrlich, ich musste diesen zurück ins Leben holen.
16:00Hast dir aber gelungen.
16:01Aber ist es vielleicht auch ein bisschen so, dass man, wenn man älter wird, sich der Tradition und der eigenen
16:05Wurzel mehr besinnt?
16:06Also hast du dadurch als, bist du die Älteste von diesen fünf?
16:10Der Runde, ja.
16:11Ja, es gibt natürlich noch viel älterer als du bist, aber die sind heute nicht hier.
16:15Hauptsache, ich werde dich mehr als die Mutter bezeichnen.
16:17Nein, ist doch schon passiert.
16:22Aber was vielleicht auch wichtig ist, also klar, ich bin nach draußen hin, die Humorvolle und das mache ich auch
16:27mit Social Media und so weiter und so fort.
16:29Aber was ich nochmal sagen will, also wir sind alle sehr lustig und vor allem Tuba und aber auch vor
16:34allem Thesier.
16:35Und das zeige ich nicht so oft, weil ich will natürlich dafür stehen.
16:38Ja, du willst eigentlich, ja, ja.
16:39Wo hast du die Sendung?
16:41Aber das sind natürlich auch hier wunderbare, witzige Menschen.
16:45Kein Zweifel, kein Zweifel.
16:49Reist ihr immer als, also gibt es, reist ihr oft als Gruppe zusammen?
16:54Weil ihr reist ja wahnsinnig viel in alle möglichen Länder.
16:56Seid ihr dann immer alle zusammen?
16:58Meistens ja, beziehungsweise Tuba kriegen wir ganz schwer aus Köln raus.
17:02Das ist immer so eine Sache.
17:03Was ist los, Tuba?
17:05Was ist los?
17:05Ich liebe Karneval, ich oute mich.
17:07Ich oute mich sehr gerne.
17:09Und vor dem Karneval ist nach dem Karneval und nach dem Karneval ist vor dem Karneval.
17:12Oder muss ich immer vorbereiten?
17:14Du bist schon wieder in der Vorbereitung deines Kostüms.
17:17Gehst du wieder als Fußball?
17:17Was ich gar nicht wusste, das kennt jedes Lied.
17:19Nein, Gott.
17:20Gehst du wieder als Fußball?
17:21Nee.
17:22Nein, das heil nicht.
17:23Okay.
17:24Also, du hast eine tolle Sendung.
17:29Es war eine Late-Night-Show, lief im WDR und hieß Anders.
17:32Ja, richtig.
17:32Anders ist ja aber auch so ein wunderbarer Titel.
17:35Und wir gucken mal ganz kurz rein.
17:36Edin Hasanovic hat sich beworben um eine leere Stelle in der Familie Tekal und wollte auch Mitglied werden.
17:43Wir gucken mal rein, ob es geklappt hat.
17:46Leila, Leila, hey, hey, hey, hey, hey.
17:50Geil, dass du da bist.
17:51Aber warum das Lied?
17:52Also, warum schleimst du, will ich erstens wissen?
17:54Hä?
17:54Das ist doch der Sinn dieser Sendung.
17:56Ich will zu euch rein.
17:57Ich will ein Tekal werden.
17:58Liebe Familie, ich möchte dich meinem Freund vorstellen.
18:01Ich wollte mich sehr.
18:01Ich würde sie gerne heiraten.
18:04Nur für Sie, bitteschön.
18:06Dankeschön.
18:07Sehr nett.
18:07Sehr, ja, das ist ja.
18:09Aber die entscheiden letztendlich, gehörst du zur Tekal-Familie?
18:12Hat mir sehr gefallen, dir zuzuhören, euch zuzuhören.
18:15Und ich heiße dich sehr herzlich willkommen.
18:16Einfach nur, weil du Angst hast vor deinen Eltern.
18:18Edin Tekal.
18:19Ja, meine Güte.
18:20Nur, weil die Angst hat, Alter.
18:27Wie viel musst du dann überzeugen, dass wirklich die ganze Familie mit dabei ist,
18:32dass auch deine Eltern da sitzen?
18:33Und denen ist es ja wahrscheinlich wirklich etwas fremd, in einer Fernsehshow zu sitzen.
18:36Ja, also da ist die Nesthäkchenrolle natürlich relevant.
18:39Also meine Mutter macht alles für mich, ehrlich gesagt.
18:42Gerade, weil ich die Jüngste bin.
18:43Aber sie macht das auch gern.
18:45Und ganz ehrlich, ich möchte auch was zurückgeben,
18:46weil ich mich auch ganz lange als Jugendliche geschämt habe für meine Mutter.
18:50Und heute schäme ich mich natürlich, dass ich mich geschämt habe,
18:53weil sie einfach anders aussieht, tätowiert ist,
18:55jesidische Tätowierung hat und eben nicht aussah wie eine Mutter von Max und Mark,
18:59die man so kennt, sondern einfach auch anders war.
19:02Und dieses Anderssein, ja, das wollte ich nicht, dass es auf mich abfärbt.
19:06Und deswegen habe ich einiges zurückzugeben, glaube ich.
19:09Und je älter man wird, wie du es gesagt hast,
19:11desto mehr findet man auch zu den Wurzeln zurück.
19:13Und ich bin mir, wie gesagt, auch meiner Verantwortung bewusst.
19:16Aber ich will meiner Mutter und meinen Eltern und mein Vater liebt die Öffentlichkeit.
19:20Ey, ganz ehrlich, wir sind auch öffentlich geboren, habe ich das Gefühl.
19:22Also es war ursprünglich nicht so vorgesehen, aber dann ist es irgendwie so gekommen.
19:27Ich bin immer durch die Straße als kleines Küken und dann heißt es,
19:30sag mal, du bist doch eine Teckerl oder du bist doch die Schwester von
19:32oder bist du nicht die Tochter von.
19:34Also es war immer öffentlich.
19:35Also ich hatte gar keine andere Wahl, als öffentlich zu werden.
19:38War es schon früh, war mal eine kleine Berühmtheit.
19:40Ja, ja, ja, ja, Berühmtheit, ja, mit Sicherheit.
19:43Aber man hatte dann auch Angst, erkannt zu werden und Scheiße zu bauen,
19:46sage ich auch, wie es ist.
19:47Also da muss man natürlich auch aufpassen.
19:48Aber das ist, also, Tuna, vielleicht mal ganz kurz, wenn man eure Eltern sieht,
19:53haben die doch, ist es doch best of all worlds, was sie heute repräsentieren,
19:58weil sie sozusagen ihre Wurzeln so behalten haben und trotzdem auch irgendwie hier angekommen sind
20:03und alles irgendwie immer noch, aber mit ihrem Wertesystem beurteilen,
20:06auf die bestmögliche Art und Weise, oder?
20:07Ja, da haben wir aber auch großes, großes Glück.
20:11Und trotzdem ist es, aber war es ja nicht immer so.
20:14Und wir mussten die auch immer so ein bisschen mitnehmen und auch so dahinerziehen, sage ich mal.
20:18Aber die haben mitgemacht und waren da offen für.
20:22Und mein Papa war sowieso schon immer sehr tolerant und meine Mama war immer ein bisschen strengere.
20:27Die Mutter war konservativer, oder?
20:29Ja, meine Mutter war konservativer, weil sie Wert darauf gelegt hat,
20:32was sagen die anderen, nicht was sagen wir.
20:34Wir sind ja auch sehr kollektivistisch aufgewachsen.
20:37Individuum war eher so verpönt, sondern es ging immer darum,
20:39welche Rolle spielst du im Familienverbund?
20:41Und ich meine, das kennen viele, glaube ich, auch aus unserem Kulturkreis.
20:44Was sollen die anderen Leute sagen?
20:45Und das war nie böse gemeint.
20:47Sondern dieses Traditionsverständnis, wir haben ja gerade auch darüber gesprochen, wo wir herkommen.
20:50Die Angst, die war immer real.
20:52Die Existenz war immer bedroht und die Eltern wünschen sich ein sicheres Leben für die Kinder.
20:56Und eins, wo sie das Gefühl haben, die Töchter sind versorgt.
21:00Dass Töchter selber in der Lage sind, sich zu versorgen, ohne zu heiraten,
21:03das haben wir ihnen dann beigebracht.
21:05Das war mal ein Prozess.
21:06Aber da habt ihr ihnen jetzt mal wirklich die Angst genommen.
21:07Ja, ja, genau.
21:08Also, da muss man jetzt sagen, was waren die, was glaubst du, womit haben sie am meisten zu kämpfen?
21:15Also jetzt im Umgang mit euch.
21:17Was sind die Themen, würdest du sagen, Zuba, wo sie es sich doch ein bisschen anders wünschen würden?
21:22Ja, ich glaube schon, dass trotzdem dieses Thema von, dass sie sich schon wünschen,
21:27dass wir Familien gründen.
21:28Ich meine, ich glaube, das will jede Mama, das will jedes Elternteil,
21:31dass sie sich wünschen, dass wir Familien gründen.
21:34Und nichtsdestotrotz ist es tatsächlich auch so, und das liebe ich an meinen Eltern so,
21:38die Frage war ja immer, gehen wir jetzt den Weg mit unseren Kindern mit oder verlieren wir sie?
21:44Weil das haben wir ihnen angedroht.
21:45Also wir haben gesagt, wenn ihr nicht unseren Weg geht, sozusagen...
21:47Ihr habt schon Druck gemacht.
21:48Ja, mussten wir.
21:49Wir mussten Druck machen für die eigene Freiheit.
21:50Und wir waren ja auch zu elf, wir waren in der Mehrzahl.
21:52Das heißt, wir haben alle eine Sprache gesprochen.
21:55Ja, das war wirklich so.
21:57Und wir haben alle eine Sprache gesprochen, zum Glück.
21:59Und die haben relativ schnell dann eigentlich, und das finde ich voll schön,
22:04dass sie sich haben durch unsere Augen führen lassen.
22:06Mitnehmen lassen.
22:07Mitnehmen lassen.
22:08Und sie haben euch vertraut.
22:08Und das ist nicht selbstverständlich gewesen.
22:10Und deswegen bin ich denen auch sehr dankbar dafür.
22:13Und Teejan, wofür hast du am meisten gekämpft?
22:17Also hast du, weil jeder hat ja so seine Rolle.
22:19Hast du auch irgendwas für dich, für die anderen durchgesetzt?
22:23Ich muss dazu sagen, dass ich, sagen zumindest meine Geschwister,
22:26und ich kann es eigentlich auch bestätigen,
22:28ich war schon so die Verwöhnteste von allen.
22:31Und konnte meinen Willen immer schon ganz gut durchsetzen.
22:34Warum?
22:34Ich weiß nicht, ihr erklärt es mir.
22:35Weil sie hatte so riesengroße Koller auch.
22:38Nein, ich glaube, es war einfach so eine Zeit, als ich geboren wurde,
22:41wo generell einfach auch eine gute Stimmung war.
22:44Ruhe eingekehrt ist.
22:45Und Ressourcen da waren.
22:47Und deswegen war ich zum Beispiel die Einzige, die ein Fahrrad bekommen hat.
22:49Und ein Geburtstagskuchen.
22:52Und da wurde gefeiert.
22:53Und deswegen hatte ich nie so das Gefühl, dass es mir an was fehlt.
22:57Das kam erst viel, viel später in der Pubertät,
23:00als ich dann auch mal nachts in Clubs wollte mit meinen Freundinnen.
23:04Oder auch mal bei Freundinnen übernachten wollte.
23:06Das fand meine Mutter dann eben nicht so gut.
23:08Dafür habe ich auf jeden Fall dann auch gekämpft.
23:10Aber ich würde sagen, ich habe mich so ein bisschen durchgestingelt.
23:12Selbst die Zwillinge konnten mir nicht die Show stehlen.
23:15So, und die Zwillinge, also Tüli macht ja ein wahnsinns Instagram-Account.
23:19Und da habe ich vorhin drauf geguckt.
23:20Das lohnt sich natürlich sehr.
23:21Und da gibt es eine sehr, sehr lustige Reaktion eurer Mutter,
23:27die wir uns einmal ganz kurz angucken.
23:36Ja, das verdoppelt sich ja dann alles noch mal.
23:54Jetzt eine kurze Nachfrage.
23:55Wer von euch Fünfen ist jetzt schon verheiratet?
23:59Ich war.
24:00Du warst? Oh Gott, nein, nein, nein.
24:03Das ist ja noch.
24:05Sie ist getrennt.
24:06Sag mal.
24:07Aber ich finde auch, weil Mama und Papa heute nicht hier sind,
24:09muss ich als älterste Schwester jetzt noch mal eine Lanze brechen.
24:11Ich liebe meine Eltern.
24:12Ich bin so dankbar dafür, dass es sie gibt.
24:14Und meine Mutter ist so eine stolze Frau.
24:17Und wir haben jetzt gemeinsam als Schwestern dieses Buch geschrieben.
24:20Vorgestern war die Premiere in Berlin.
24:22Und meine Mutter hat nie lesen und schreiben gelernt.
24:23Und sie saß in der ersten Reihe so stolz.
24:26Und alles, was uns heute ausmacht, haben wir unserer Mutter und unserem Vater zu verdanken.
24:29Und unserer Gesellschaft.
24:31Ja, auch noch richtig.
24:33Und jetzt noch eine wichtige Sache.
24:38Eine wichtige Sache noch.
24:40In diesem Jahr findet ja die WM in Mexiko und Amerika und so weiter statt.
24:46Und du fährst mit den Scoring Girls ebenfalls dahin.
24:50Richtig.
24:50Ich habe ja ein soziales Projekt für unsere Menschenrechtsorganisation ins Leben gerufen.
24:54Ein Fußballprojekt für junge Mädchen.
24:56Für deutsche und Mädchen mit Zuwanderungsgeschichte, die sich Vereinssport nicht leisten können.
25:01Scoring Girls nennt sich das Ganze.
25:03Und wir jedes Jahr, also vier Wochen, nicht jedes Jahr, alle vier Jahre, vier Wochen vor der eigentlichen Weltmeisterschaft.
25:08Fahrt ihr hin.
25:09Findet eine Street Child World Cup statt.
25:12Cool.
25:12Und Deutschland ist zum ersten Mal dabei.
25:14Über 30 Länder.
25:15Und wir vertreten Deutschland.
25:17Nein.
25:17Wir laufen ein mit der Hymne.
25:18Ich habe es als Spielerin nie geschafft, den Adler auf der Wurst zu tragen.
25:22Aber jetzt an der Seitenlinie mit der Hymne.
25:24Ein Traum geht in.
25:24Nein.
25:25Ach, das ist ja toll.
25:27Also das werden wir verfolgen, die Scoring Girls in Mexiko.
25:31Und die Teckers sitzen heute nahezu vollständig bei uns auf dem extra eingebauten Teckerleck,
25:38was wir jetzt, wir werden das Teckerleck taufen.
25:42Wir mussten extra Platz schaffen, dass ihr alle kommen konntet.
25:44Und das nächste Mal könnt ihr noch mehr mitbringen.
25:46Jetzt sind wir vorbereitet.
25:47Danke, dass ihr da seid.
25:48Vielen Dank.
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