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00:02Das ist jetzt die unerfüllten Träume in der rhythmischen Nummer 1, 2, 3, 4, 4, check!
00:08Ein Dachbodenfront. Postkarten, Briefe, Audiotapes und Privatfilme.
00:22Rückblick auf die turbulente Vergangenheit eines Familienoberhaupts.
00:30Wow.
00:34Ach, guck mal, der Papa.
00:40Das ist Udo. Aber wo ist das bloß, bitte?
00:49Ach, meine Güte, noch mal.
00:54Udo Jürgens, einer der einflussreichsten deutschsprachigen Musiker, hatte ein Geheimrezept.
01:01Udo hat etwas, was nur ganz wenige Unterhaltungskomponisten haben.
01:07Man erkennt auch bei dem einfachsten Lied ein Udo-Jürgens-Song an drei Harmonien.
01:17Mit seiner Kunst eroberte er die Herzen seiner Fans.
01:21Doch was ihn antrieb, das behielt er für sich.
01:25Ich weiß nur, dass ich nie begonnen hätte, Musik zu machen.
01:28Und nie begonnen hätte, Texte zu schreiben, wenn ich nicht auch einen entsetzlichen Komplex versucht hätte zu verbinden.
01:38Spurensuche im Leben eines Musikers, der ihm keine Schublade zu passen scheint.
01:43Für mich ist Udo ein eigenes Genre. Udo ist Udo. Und nichts anderes.
01:59Udo Jürgens hatte etwas zu sagen. Und berührte mit seinen Botschaften Millionen Menschen.
02:14Der Papa war durch seinen Erfolg und durch alles rundherum um ihn so ein Alphatier.
02:20Das hast du auch gemerkt, wenn du irgendwo in ein Lokal gekommen bist oder man ist irgendwo hingegangen, alle Augen
02:26auf ihn.
02:27Ich weiß, was ich will, dass es jede Nacht für uns zum Karneval wird.
02:33Doch in seinem Leben blieben viele Fragen offen.
02:36Ich glaube, dass er sehr gerne nach Hause gekommen ist.
02:38Bei diesem wilden und unsteten Leben, das er geführt hat, das sicherlich auch oft von einer großen Einsamkeit geprägt war.
02:46Trotz der ganzen Ausflüchte, die er sich gesucht hat, um das abzudecken.
02:58Der Superstar hatte auch eine verborgene Seite.
03:02Also er war ein totaler Profi, was die Öffentlichkeit angeht. Da wusste er genau, wie er sich zu benehmen kann.
03:09Aber im wirklichen Leben war er ein Autist und war eigentlich sehr einsam. Immer einsam.
03:19Als Solist verkaufte er in sieben Jahrzehnten mehr als 100 Millionen Tonträger.
03:29Zu Hause wurde er vermisst.
03:31Wow.
03:39Udo 70. Die Chronik der 222 Konzerte.
03:46Und 266 waren es dann.
03:50Danke, Udo. Ja, danke, Papa.
03:53Wo warst du? Mal schauen, wo du warst.
04:05Udo war immer und überall.
04:10Rastlos. Immer im Takt der Musikindustrie.
04:15Die Ankunft des Stars war gut organisiert.
04:18Die Bilder gleichen sich.
04:19Auch auf anderen Flughäben.
04:21Rosen, ein Kind, jeweils ein anderes.
04:23Der Luxus-Leihwagen, jeweils der gleiche.
04:25Und in der jeweiligen Stadt, natürlich, Baerbock.
04:29So viel Glück und Freude hast du mir geschenkt.
04:34Doch jetzt muss ich von dir gehen.
04:38In Arnheim, nach Köln, Münster, Bremen, Hamburg, Berlin, Strasbourg.
04:46Wo der überall gespielt hat.
04:4930.000 Kilometer Tournee. Unglaublich.
04:5560 Jahre auf der Bühne und das ist ein Jahr davon.
04:59Wahnsinn.
05:02Dankeschön.
05:04Ich schließe den Reigen unserer Stars.
05:08Udo Jürgens.
05:09Udo Jürgens.
05:10Udo Jürgens.
05:11Udo Jürgens.
05:12Udo Jürgens.
05:12Udo Jürgens.
05:14Mein Freund.
05:15Udo Jürgens.
05:27Er gehörte fest zum Inventar der deutschen Unterhaltungskultur.
05:33Plötzlich tritt er durch die Tür und kommt ins Haus.
05:37Und dann ist nur noch die Frau da und die zwei Kinder und ein Hund.
05:44Auf der Tournee ist man ja anschließend mit den Musikern, ist man noch einen trinken gegangen oder hat was gegessen.
05:51Und dann wurden die Nächte lang, das ist ein ganz anderes Leben.
05:54Da ist er vielleicht erst um drei ins Bett gekommen.
05:56Er hat dann allerdings geschlafen bis elf.
05:59Aber er kommt dann zurück, wo eine ganz normale Familie morgens um acht Uhr frühstückt.
06:08Das war schwierig.
06:15Die privaten Super-8-Aufnahmen zeigen ihnen aller Welt.
06:26Papa war sehr, sehr lebendig, sehr infantil.
06:31Was ich besonders geliebt habe an ihm, ist, glaube ich, diese Fähigkeit, albern zu sein.
06:44Der Papa konnte einfach nicht streng sein.
06:47Er war unheimlich liebevoll, zärtlich.
06:51Wir haben unheimlich viel gekuschelt, von klein auf.
06:54Ein bisschen abwesend hin und wieder.
06:56Das war ja so dieses autistische Abwesende.
06:59Später habe ich dann angefangen, ihn echt anzustupsen, weil er oft weg war.
07:03Er war woanders. Er war in seiner Musik.
07:08Und dort ein Garant für gute Laune.
07:13In diesem Mietshaus wohnen wir seit einem Jahr und sind dir wohl bekannt.
07:21Doch stell dir vor, was ich so eben unter unserer Haustür fand.
07:28Es ist ein Brief von unseren Nachbarn.
07:31Darin steht, wir wissen auch.
07:35Sie meinen, du und ich, wir passen nicht.
07:39Und dieses Ehrenwerte hat.
07:41Udo hat ja im Grunde die Geschichte der Bundesrepublik vertont.
07:53Er hat ja unser aller Leben vertont.
07:57Ihr werdet euch noch wundern, wenn ich ja fremdnah bin.
08:02So weit der Schlitz vorbei ist, da langen die Nämlichen.
08:09Es gibt ja zu jeder Lebenslage ein Lied von Udo.
08:12Ob Liebe oder Leiden oder Wut oder Mut.
08:15Es gibt immer einen Song, der genau passt.
08:17Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.
08:21Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran.
08:24Mit 66 Jahren, da kommt man erst nicht.
08:27Mit 66 ist noch lange nicht.
08:56Seine Geschichte beginnt in Österreich.
09:00Die Familie lässt sich in den 1930er Jahren in Kärnten nieder
09:04und hört auf den Namen Bockelmann.
09:14Der Vertraute seiner Kindheit ist der jüngere Bruder Manfred.
09:19Jetzt ist Udo zehn Jahre tot.
09:23Und ich vermisse ihn so, als wenn er vor der Woche gestört.
09:28Also ich muss wirklich sagen, ich trauere nicht mehr.
09:30Aber ich vermisse ihn unglaublich.
09:33Mein ganzes vorheriges Leben gab es immer Udo.
09:37Er war immer da.
09:41Udo Jürgens wird am 30. September 1934
09:44als Jürgen Udo Bockelmann in Klagenfurt geboren.
09:52Behütet wächst er auf Schloss Ottmannach auf.
10:00Als Sohn wohlhabender Gutsbesitzer, die über Generationen zu Geld gekommen sind
10:06und doch ohne Standesdünkel leben.
10:12Das waren 60 Landarbeiter da.
10:15Und es waren ganz viele Kinder auf dem Hof.
10:17Die haben auch alle da gewohnt.
10:19Es gab keine Kindergärten damals.
10:21Auch Udos Spielplatz war auf dem Hof.
10:23Wir sind mit diesen Kindern groß geworden.
10:25Und mein Vater hat darauf geachtet,
10:27dass wir nicht eine Sonderstellung entwickeln als Kinder.
10:31Wir waren völlig gleichgesteht.
10:35Ich erwähne das gut, nicht so gerne.
10:38Ich sage lieber, ich komme von einem Bauernhof.
10:40Das ist mir sympathischer.
10:42So sind wir groß geworden.
10:43Also das darf man nicht vergessen.
10:46An das, was nach einer glücklichen Kindheit klingt,
10:49erinnert sich Udo anders.
10:52Er war sensibel.
10:54Ich war einfach kein glückliches Kind.
10:56Die Zeit, in der ich gelebt habe,
10:58ich war so in den 40er Jahren in der Schule und so.
11:01Die Art, wie man damals mit Kindern umging,
11:05weniger von den Eltern, von der Gesellschaft, von der Schule,
11:09das waren Dinge, mit denen ich mich nicht abfinden konnte.
11:11Und ich bin eigentlich ein sehr unglückliches Kind gewesen.
11:14Obwohl sich meine Eltern also alle Mühe mit mir gegeben haben.
11:17Ich war ein sehr kränkliches Kind.
11:20In seiner Biografie schreibt er,
11:23Ich hatte empfindliche Ohren.
11:2514 Mal erkrankte ich an Mittelohrentzündung
11:27und immer wieder musste vom Arzt das Trommelfell durchstoßen werden,
11:31um Eiter abfließen zu lassen.
11:33Ich habe mich minderwertig gefühlt.
11:36Wie ein Versager.
11:41Erst wie ich entdeckt habe, wo meine Kraft liegt,
11:44wie ich plötzlich schon als sehr junges Kind,
11:47kurz nach meinem fünften Lebensjahr eigentlich schon,
11:49entdeckt habe, da gibt es so kleine Instrumente.
11:51Das erste war eine Mundharmonika.
11:53Das zweite war ein Akkordeon.
11:54Das dritte war ein Klavier.
11:56Wie ich entdeckte, dass ich auf diesen Instrumenten Möglichkeiten habe,
12:00die die anderen nicht haben, die stärker waren als ich,
12:04in dem Augenblick begann das Leben für mich interessant zu werden.
12:09Der Hochsensible ist auch hochbegabt.
12:12Einen schönen Tag war ich mit Udo in Klagenfurt.
12:15Udo hatte ich so in der Hand, der drückte mit so die Hand zusammen und sagte,
12:18Papi, hörst du das?
12:20Hörst du nicht die Musik da?
12:21Ich habe ihm Papier und Bleistift, da macht er gleich diese Noten,
12:25strich er mit sieben Jahren und schrieb da Noten hinein.
12:31Und wie er das hatte, sagt er so, das nehme ich mit nach Hause, das vergesse ich nicht mehr.
12:40Abends setzte er sich ans Klavier und ohne viel zu proben spielte er einen Visette-Walzer.
12:48Das kann ich gar nicht beschreiben.
12:50Das ist für mich heute noch ein kurzes, irgendwo vielleicht sogar primitives Stück entweder,
12:59aber unglaublich musikalisch.
13:01Das ist meiner Ansicht, man hätte das einen Mozart geschrieben können oder sonst jemanden.
13:06Jedenfalls, wenn er mir einen besonderen Wunsch erfüllen kann, wenn er hier ist,
13:11sage ich ihm immer wieder, Udo spielt auch immer hier so Musik.
13:20Die Kriegszeit geht nicht spurlos an Udo Jürgens vorbei.
13:26Ab 1944 wird Klagenfurt bombardiert. Mehrfach.
13:31Er saß mit meinem Vater in der Wiese und es war in Klagenfurt,
13:35ist entfernt 16 Kilometer von hier, Luftlinie.
13:40Und es kam ein Bombergeschwader, das Klagenfurt bombardiert hat.
13:48Der Papa saß früher als Kind am Klavier und es war oft so, dass man die Flugzeuge gehört hat,
13:54die über die Häuser geflogen sind.
13:58Dieses Donnern in der Luft, diese riesen Maschinen.
14:01Und ist dann ans Klavier gegangen und hat diesen Ton nachgemacht auf den tiefen Tasten.
14:09Er hat dann so gespielt, war so in dieser Welt der Musik und hat das nachgeahmt quasi.
14:17Papa ist ja auch jemand, der eigentlich sehr autobiografisch Musik geschrieben hat
14:20und eigentlich da schon damit angefangen hat irgendwo.
14:22Er hat das, was er gehört hat und erlebt hat, direkt auf die Tasten umgelegt und hat es so verarbeitet.
14:30Das muss ihn derartig erschüttert haben.
14:34Meine Mutter hat erzählt, er ist von da ab jeden Abend ums 11 Uhr, sie hätte die Uhr stellen können,
14:41ist er schreiend im Bett gestanden und nur sie konnte ihn beruhigen.
14:49Er dankt es ihr in einem seiner Lieder.
14:54Vor ein paar alten Fotos sitz ich nun seit Stunden.
15:02Ich habe ein Stückchen Erinnerung gefunden.
15:10So Worte wie ein W brauchte ich nicht zu kennen.
15:15Ich brauchte nur abends nach Hause zu rennen.
15:20Mit zerrissenen Hosen und aufgeschlagenen Knien.
15:27Die Mutter hat geschifft und dann hat sie es verziehen.
15:35Ab 1950 besucht der junge Udo das Musikkonservatorium in Klagenfurt.
15:40Eine Ausbildung von der Pike auf.
15:43Die Eltern hatten natürlich bestimmt am Anfang die Hoffnung,
15:47dass er eine klassische Musikkarriere macht.
15:50Mit Beethoven, Mozart und Liszt und was weiß ich alles.
15:54Aber Udo wollte immer etwas Eigenes machen.
16:05Inspiriert vom Jazz der Zeit beginnt Udo mit der Komposition eigener Songs.
16:13Gründet die Udo Bolan Band.
16:18Schon damals habe er gewusst, er werde mit der Musik entweder auf- oder untergehen.
16:34Die Plattencover von Udo Jürgens tragen oft die Handschrift seines Bruders, der Maler und Fotograf geworden ist.
16:47Eine Leidenschaft, die Udo geweckt hat.
16:51Ich schätze, ich war damals sieben.
16:53Plötzlich sagte er einfach, du musst ein Foto machen von mir, ich brauche ein Foto.
16:58Dann hat er mir den Fotoapparat erklärt und gesagt, schau mal, hier musst du drauf, da guckst du durch.
17:05Und ich werde dir sagen, wann du drauf drückst.
17:09Also pass auf, stell dich da hin.
17:11Dann hat er sich hingesetzt an einen Tisch, hat ein Notenblatt.
17:15Ich bin da gestanden und habe gesagt, ich sehe dich.
17:17Er sagt, jetzt!
17:24Schon früh beginnt der junge Musiker mit der Inszenierung seines Selbstbildmesses.
17:33Udo hatte enorme Angst eigentlich vor diesem Fototermin.
17:38Er hat sich da nie richtig wohl gefühlt.
17:40Er hat aus der Kindheit heraus, glaube ich, gewisse Komplexe gehabt.
17:44Er hat das Gefühl gehabt, man muss ihn richtig fotografieren, sonst sieht er schrecklich aus.
17:48Er hatte ja abstehende Ohren als Kind und da haben sie ihn auch gehänselt und was weiß ich.
17:54Die hat er sich dann relativ bald anlegen lassen.
18:08Seine erste Beziehung wird Schauspielerin Brigitte Köhler, eine Wienerin, drei Jahre älter als er.
18:16In seinen Memoiren schreibt er, sie habe ihm damals Mut gemacht und zu ihm gesagt,
18:23Du bist ein Komponist. Du schreibst interessante Melodien.
18:28Du musst, wenn du singst, nur noch deine eigenen Lieder singen.
18:36Das war eine intelligente, hübsche Frau, das hat ihn natürlich fasziniert.
18:43Udo war nicht unbedingt jemand, der jetzt unentwickelt zuhört, wenn man mit ihm redet.
18:49Aber ich glaube, ihr hat da gerne zugehört.
18:51Wenn die Mädels Probleme hatten oder was, hat er denen geholfen auch.
18:55Der ist nicht zu einer Benutzen und Wegwerfen, das hat er nicht gemacht.
19:00Emotional war er sehr treu.
19:03Aber so körperlich, das hat, das kann das Treue.
19:121957 bereist er die USA, um sich musikalisch weiterzubilden.
19:18Mit Auftritten in Jazzclubs finanziert Udo seinen Aufenthalt.
19:2420 Jahre später wird er diese Reise verarbeiten.
19:28In einem Lied, das sein Verschwinden beschreibt.
19:36Nach dem Abendessen sagte er, lass mich noch eben Zigaretten holen gehen.
19:43Sie rief ihm zu, nimm dir die Schlüssel mit, ich werde inzwischen Nacht der Kleinen sehen.
19:50Er zog die Tür zu, ging stumm hinaus, ins neonhelle Treppenhaus.
19:57Das roch nach Bonawax und Spießigkeit.
20:03Und auf der Treppe dachte er, wie wenn das jetzt ein Aufbruch wäre.
20:11Man müsste einfach gehen für alle Zeit.
20:20Zurück in der Heimat hat sich sein Sound verändert.
20:29Abschiedslieder werden zu seinem Markenzeichen.
20:32Und bin ich alleine, denklich nur an dich.
20:38Die Zeit, mein Baby, fliegt schnell vorbei.
20:45Ich küsse deine Hände und sag dir goodbye.
20:52Es war an einem Dienstag, den 12. Mai 1959.
20:57Und es gab einen ganz angesagten Rock'n'Roll-Club.
21:01Und ich bin dann natürlich immerhin marschiert, weil ich leidenschaftlich gern getanzt habe.
21:06Am Eingang war so ein kleines Tischchen für den Eintritt, das hat zwei Mark gekostet, zwei D-Mark.
21:11Und ich weiß noch genau, ich war drinnen schon und ich sehe, wie der Udo reinkommt.
21:27Und ich sehe diesen schlachsigen jungen Mann vor mir, mit irrsinnig viel Charme.
21:32Wir haben dann getanzt, er hat mich dann auch gar nicht mehr losgelassen.
21:35Oder ich ihn nicht, wir uns beide nicht.
21:37Er hat mich dann nach Hause gebracht und wir haben uns am nächsten Tag wieder, wir haben uns dann jeden
21:42Tag getroffen.
21:44Jeden Tag. Ja.
21:55Wir hatten ja beide nichts. Null.
21:58Ich habe als Barfrau gearbeitet und ich kann mich erinnern, er hat so viel Klavier gespielt, dass er blutige Hände
22:04hatte, blutige Fingernägel.
22:06Gib mir die Antwort.
22:08Ich konnte natürlich nicht ahnen, dass er einmal so eine berühmte Persönlichkeit werden würde.
22:15Aber ich habe gespürt, dass etwas dahinter ist, ein etwas magisches.
22:21Wenn wir essen waren, hat er Klavier gespielt, dann hat er eben auf seinen Schenkeln gespielt.
22:26Oder am Sofa oder unter dem Tisch.
22:29Es war immer Musik in seinem Kopf.
22:361963 heiratet Udo Jürgens seine schwangere Freundin, obwohl er schon damals gewusst haben will, die Ehe würde nicht halten.
22:43Panja, so ihr Kosename, wird Udo zwei Kinder schenken.
22:52Die zweitgeborene Tochter Jenny lebt heute auf Mallorca.
23:22Das ist schon etwas Besonderes, die beiden hier.
23:24Da sind meine Therapeuten wahnsinnig gut für die Seele.
23:27Wenn man manchmal zu narzisstisch mit sich selber beschäftigt ist und wie geht es mir und wie fühle ich mich
23:32gerade oder nervös.
23:35Dann ist man mit den Tieren und das gibt einem so ein ganz tolles Gefühl einfach.
23:44Ich muss sagen, dass wir ja natürlich unglaublich viel getrennt waren. Der Papa war einfach immer weg, also vor allem
23:51als wir klein waren.
23:53Der Vater ist in den USA und komponiert für internationale Stars wie Sammy Davis Junior oder Shirley Bassey.
24:06Es kommen Postkarten aus Übersee. Die Antwort ist voller Sehnsucht.
24:11Gestern haben wir dich im Fernsehen gesehen. Deine Jenny.
24:18Und ich weiß noch, da hat mal jemand angerufen und ich bin ans Telefon gegangen.
24:22Kann ich mal deinen Papa sprechen? Und ich weiß nicht, ich glaube ich war vier.
24:25Dann habe ich gesagt, nein, nein, nein, das geht nicht. Der Papa ist nicht da. Der Papa ist in Schloss
24:31Engeles.
24:32Ich dachte, das wäre ein Riesenschloss mit ganz vielen Engeln und der ist da um zu arbeiten. Schloss Engeles, also
24:37in Los Angeles.
24:52Die Zeiten, als Papa dann zu Hause war, waren einfach unheimlich innig und familiär, haben viel unternommen.
25:01Ein verhältnismäßig normales Familienleben, also natürlich mit jemandem, der so ein Superstar war.
25:08Aber das haben wir nicht so empfunden. Für uns war es immer der Papa, der war arbeiten und dann war
25:13er wieder da.
25:19Sogar in seiner Freizeit beherrscht ihn die Musik. Schon seit er selbst ein Kind war.
25:26Er war vielleicht 14 Jahre alt, wie er mal ankam und sagte, ihr wisst nicht, wie anstrengend es ist, immer
25:35Musik zu hören. Tag und Nacht.
25:40Udos Tagträume bestehen aus Noten. Er verarbeitet alles.
25:45Einen langen Spaziergang durch den Wald haben wir ja gerne gemacht. Und dann hat er gesagt, er dichtet jetzt ein
25:52Lied.
25:52Und wir laufen so. Und dann fing er also an.
25:56Wer hat das schönste Affenköpfchen auf der ganzen Welt?
26:03Das ist die Jenny mit den Zöpfchen, die uns so gut gefällt.
26:11Und dann ging es weiter.
26:12Fallari, fallara.
26:14Jenny, oh Jenny.
26:18Realität und Musikwelt vermischen sich.
26:22Selbst ihren Namen Jenny hat die Tochter seiner Biografie zu verdanken.
26:26Denn eigentlich besang er eine verflossene Liebe.
26:30Ob du noch manchmal lieb, denkst an mir.
26:40Zuerst gab es den Song Jenny. Und der war ein Riesenerfolg. Und dann hat der Papa gesagt, sollte ich jemals
26:46eine Tochter haben, dann wird sie genauso heißen, wie dieses Lied.
26:52Der Erfolg mit Jenny wird in den frühen 60er Jahren zu einem Problem für Udo Jürgens.
26:59Er bekommt das Etikett Schlagersänger verpasst.
27:11Montag bis Freitag, fünf Tage.
27:13Wollen Sie, dass der deutsche Schlager Niveau hat?
27:15Naja, sagen wir mal, nicht alle Lieder.
27:17Samstagabend mit dir, Samstagabend mit dir.
27:21Es muss ein Text sein, damit er sie begeistert. Muss er von Liebe handeln?
27:24Ich meine nicht, dass er gerade über Liebe handeln muss, aber er muss irgendwie, einen gewissen Sinn muss er haben.
27:31Du sollst alle Zeit die Prinzessin meines Lebens sein. Lass mein Flehen nicht vergeben sein.
27:39Wenn man so die alten Filme sieht, wie er da oben steht, der dünne Spargeltarzan an seinem Mikro.
27:45Und wenn man diese Geschichte kennt, weiß man, er fühlt sich nicht so wohl. Er singt, er ist, er singt
27:51nicht seins.
27:53Das bemerkt auch die Plattenfirma Polydor und kündigt seinen Vertrag.
28:00Ich kann mich nur erinnern, dass er irrsinnig gelitten hat, weil Polydor ihm den Vertrag gekündigt hat.
28:07Und es bestand keine Aussicht auf Weitergehen, um ein Weiterschreiten oder andere Firmen.
28:14Ich weiß noch, dass er das dann versucht hat und die haben ihn abgelehnt.
28:20Mit Ablehnung umzugehen, fällt Udo Jürgens schwer. Doch er lernt das Gefühl zu nutzen.
28:27Die Einsamkeit ist ein Nullpunkt, von dem alles wieder zu wachsen beginnt.
28:32Also ich muss die Einsamkeit auch wirklich vollkommen mit mir allein ständig wieder erleben.
28:37Auch manchmal in ihrer Bitterkeit.
28:40In der Zeit, in der er anfing als Musiker, waren die Schlager natürlich noch total harmlos.
28:47Und für ihn war das wirklich entscheidende Moment, dass Bayerlein auf ihn aufmerksam geworden ist.
28:55Der hat ihn sozusagen gerettet davor, einer der normalen Schlagersänger zu werden.
29:02Hans R. Bayerlein ist ein 34-jähriger Musikproduzent, dem das Talent nachgesagt wird, Musiknoten in Geldnoten verwandeln zu können.
29:19Dann ist er angetreten beim Eurovision Song Contest, ist einmal Fünfter geworden, ist einmal Vierter geworden und hat es eigentlich
29:26dabei belassen wollen.
29:27Er hat gesagt, das ist doch schon ein irrer Erfolg.
29:29Man kennt mich in ganz Europa, als Komponist läuft es, die Menschen wollen meine Musik singen und andere wollen das
29:35hören.
29:35Also ist doch alles gut.
29:40Bayerlein war ein sehr frankophiler Produzent.
29:44Musikalisch war er total orientiert am französischen Chanson.
29:50Und er lässt Udo ein drittes Mal für Österreich antreten.
29:54Bonsoir, Mesdames, Bonsoir, Mesdemoiselles, Bonsoir, Messieurs.
29:57Wie ich auf der Bühne war, habe ich gespürt, heute klingt mir alles.
30:00Das Elftdruck lag so runter, ganz ruhig.
30:03Da dachte ich, Mensch, heute klappt es.
30:04Nach vier Jahren.
30:05Merci, merci.
30:08Seine Botschaft, sei nicht traurig, es ist aus.
30:12Für die Stunden, chérie, chérie.
30:17Ein kühner Schritt, jemanden auf die Bühne zu bringen, der Deutsch singt,
30:25aber nicht eine Kopie ist von amerikanischen Erfolgssängern und auch nicht eine Kopie ist von Franzosen oder anderen Europäern.
30:35Er hätte es auch mit keinem anderen machen können als mit Udo.
30:38Udo Jürgens.
30:40Sein Durchbruch.
30:42In derselben Nacht sind noch Angebote von allen Fernsehstationen gekommen.
30:46Es sind Angebote aus Japan gekommen.
30:49Und dann haben mein damaliger Manager Bayerlein und ich uns unterhalten.
30:52Und er hat zu mir ganz eindringlich gesagt,
30:54es gelingt uns nichts, wenn du jetzt glaubst, du hast schon gewonnen und bist ein Star, du bist es nicht.
31:00Und das hat mich doch dann sehr beeindruckt.
31:03Ich wusste, dass die nächsten Lieder das Entscheidende sind.
31:10Es werden alles Trennungslieder sein.
31:13Die Blumen verblühen
31:24Was ich dir sagen will, fällt mir so schwer
31:30Das Blatt Papier vor mir bleibt weiß und leer
31:35Er war ein Arbeiter, ein Getriebener, einer der musste, es musste aus ihm heraus.
31:41Die Lieder, die Texte mit den Textern zusammengeschrieben, die Ideen, sie mussten raus.
31:46Er musste es der Welt erzählen, weil es einfach so sein musste.
31:49Nicht um ein gewisses Ziel zu verfolgen, wie ich brauche mehr Geld, ich will mehr Ruhm und darum ging es
31:53gar nicht.
31:54Geld hat ihn nie beschäftigt.
31:56Was wirklich zählt auf dieser Welt, bekommst du nicht für Geld.
32:10Erfolg ist sexy.
32:12Ja, manchmal war ich schon sauer, ne?
32:14Nicht auf ihn, sondern ich habe das einfach nicht begriffen, dass sich Frauen so an Männer ranschmeißen.
32:21Es war richtig ran geschmissen oder schon oben im Hotelzimmer im Bett gewartet.
32:26Ich weiß nicht, wie sie das geschafft haben mit dem Portier oder was.
32:30Es ist aber auch immer schon so gewesen und ist auch heute noch so.
32:40Udo wird zum Frauenschwamm.
32:56Mit dem Image eines Schürzenjägers kokettiert er nicht nur.
33:02Er lebt es.
33:13Ruhm ist wie Gift für eine Ehe, für eine Familie.
33:17Wenn man da nicht ganz konsequent handelt und sich selber treu bleibt, dann fliegt einem das komplett um die Ohren.
33:28Für einen PR-Film inszeniert sich Udo Jürgens mit Françoise Ardy, eines der größten französischen Musikidole.
33:37Beide spielen sich selbst und landen natürlich im Bett.
33:44Sie verkörpern die sexuelle Revolution und ein Leben nach dem Lustprinzip.
33:56Der Papa war einfach eine verlorene Seele mit sehr vielen Sehnsüchten und Wünschen und meine Mutter auch.
34:03Also im Grunde genommen waren die beide Opfer einer Situation und haben, meine Mutter hat da sicherlich sehr viel Schmerz
34:17mit davongetragen.
34:231966 tritt genau das ein, was er besingt.
34:51Später schreibt er, das Mädchen hatte blondes, schulterlanges Haar.
34:55Über atemberaubenden Beinen.
34:58Ich war als Schürzenjäger verschrien, aber das machte ihr nichts aus.
35:02Sechs Monate später bekam ich einen Brief.
35:04Unser Beisammensein ist nicht folgenlos geblieben.
35:08Ich kann jetzt schlecht sagen, da kann er nichts dafür.
35:12Das kann man schlecht sagen.
35:14Er war halt ein Depp.
35:15Er hat das nicht aufgepasst.
35:17Ganz klar ausgedrückt.
35:19Kann man gar nichts entschuldigen.
35:21Mit dem Vater der 17-Jährigen trifft er ein Arrangement.
35:25Das Mädchen mit dem blonden Haar bekommt das Kind.
35:29Die Ehe mit Panja wird später scheitern, so wie er es besungen hat.
35:34Das alles ist autobiografisch.
35:37Zwei Lieder hat er mir gewidmet.
35:39Wie könnte ich von dir gehen?
35:40Auch das Lied Warum, nur warum, das hat er mir geschenkt.
35:44Ich habe es schriftlich mit dem Noten geschrieben.
35:56Nicht Nein sagen zu können oder zu müssen, dieses Privileg nimmt er sich einfach.
36:02Seine Begründung wirkt heute ein bisschen aus der Zeit gefallen.
36:08Er hat gesagt, es ist leicht treu zu sein, wenn du nicht begehrt bist.
36:16Er war unfassbar begehrt.
36:24Unsere Moralvorstellungen sind entscheidend für das, was wir heute anrichten im zwischenmenschlichen Bereich.
36:31Und er war da ein Urmensch.
36:34Das gibt er auch öffentlich zu.
36:38Ein einziger Gast, Udo Jürgens. Herzlich Willkommen.
36:42Wenn du natürlich in eine Situation kommst, wo plötzlich eine Art Claudia Schiffer neben dir sitzt.
36:48Und die guckt dich an und hat plötzlich Sterne in den Augen.
36:52Da möchte ich mal den Mann sehen, der da vollkommen gleichgültig bleibt.
36:56Da sind wir auch so von unserer Gene programmiert, dass wir anspringen wie ein Motor in diesem Augenblick.
37:01Wobei der eine mehr, der andere weniger.
37:03Der andere mehr. Wahrscheinlich ich mehr.
37:06Du mehr. Ja, ja.
37:07Ja, also.
37:14Diese totale Ohnmacht des Verlassenwerdens, und das hat mich aus der Bahn geschmissen. Völlig.
37:321968 dreht sich der Wind.
37:40Die Jugend begehrt auf.
37:43Auch Udo macht den Zeitgeist mit und besinkt den Frieden auf Englisch.
37:49Wir waren misstrauisch allen Leuten gegenüber, die erwachsen waren.
37:54Die waren ja in der Nazizeit gewesen.
37:57Und wir waren bestimmt auch sehr ungerecht.
37:59Diese Einstellung ging natürlich weit über das Politische hinaus.
38:08Doch der Prominente liebt das Leben eines Lebemannes, der seinen kommerziellen Erfolg genießt.
38:15Kritiker behaupten, er sei eine Märchentante des Kapitalismus.
38:21Der Erfolg von Udo Jürgens ist auf der Unzufriedenheit und dem Unglück seines Publikums aufgebaut.
38:28Wen spricht Udo Jürgens primär an?
38:31Jene, die unter die Räder unserer emotionsarmen, übertechnisierten, rationalen Zeit gekommen sind.
38:38Jene, die sich wieder nach Romantik, Natürlichkeit und Gefühlen sehnen.
38:43Sie lassen sich gerne einschläfern, trösten, sentimental berühren.
38:53Jetzt versucht es Udo mit mehr Tiefgang, komponiert eine politische Ballade.
39:00Lieb Vaterland, du weißt, dass ich dich liebe.
39:09Lieb Vaterland, du hast nach bösen Stunden
39:14Aus dunkler Tiefe einen neuen Weg gefunden
39:20Ich liebe dich, das heißt, ich hab dich gern
39:26Wie einen würdevollen, etwas müden alten Herrn
39:30Dieses Lied bestätigt doch so die Vorurteile einer modischen Intelligenz,
39:36für die es im Augenblick maßlos schick ist, festzustellen, dass man links ist und dass dieses Vaterland, wer immer es
39:43regiert, doch eigentlich uns allen etwas schuldig geblieben ist.
39:47Ich sehe das etwas anders, dass man, das ist ein allgemeines Anliegen, in dem man ja auch nicht umstürzen oder
39:54revolutionieren will, ich meine jetzt in radikaler Form, sondern ist es in irgendeiner Form auch ein Liebesbekenntnis in dem Lied
40:01drin, in erster Linie würde ich sogar sagen.
40:03So sehen Sie das.
40:04Konzerne dürfen maßlos sich entfalten
40:09Im Dunkeln stehen die Schwachen und die Alten
40:13Also Sie sehen an sich gar keinen Unterschied zwischen dem, was Sie vorher gesungen haben und jetzt?
40:19Keinen wesentlichen Unterschied, natürlich ist es ein Unterschied, es ist ein total anderer Themenkreis, aber es ist letztlich doch kein
40:28Unterschied, denn, was ich auch immer singe, es wird immer irgendwo eine Form von einem Liebeslied draus.
40:35Die Jugend wartet auf deine Hand, lieb Vaterland
40:52Zehn Jahre nach der letzten Krise rund um seine Vertragskündigung, warnt sich eine neue an.
41:00Mit Ablehnung kann Udo noch immer nicht umgehen. Und er beginnt zu trinken.
41:08Der hat nur getrunken, wenn er keine Tournee hatte. Da ist alles von ihm abgefallen und er hat das im
41:13Alkohol kompensiert, dieses Burnout oder diese Anstrengung, um das loszuwerden.
41:21Er ist oft nachts, da haben wir noch in einem Bett geschlafen, weinend aufgewacht, weinend.
41:28Er hat so stark geweint, dass ich den Notarzt gerufen habe. Ich habe den Arzt gerufen, der kam dann und
41:35hat ihm wahrscheinlich eine Beruhigungsspritze gegeben.
41:39Es war die Angst vor der Tournee, die Angst, das erfüllen zu müssen, was von ihm erwartet wird.
41:48Und er hat so die Angst gehabt, dass er das nicht kann, dass er das nicht kann.
41:56Der Trinkerei wird er abschwören. Wieder sucht er die Einsamkeit, um seine Kreativität voll auszuleben.
42:06Einer seiner größten Hits steht vor der Schöpfung.
42:09Hinter dieser Geschichte verbirgt sich, dass sie nicht so abgelaufen ist, wie es typisch war für uns.
42:22Er will den Olymp erklimmen.
42:30Und der griechische Gott der Musik ist mit ihm.
42:44Es war schon dunkel, als ich durch Vorstadtstraße einwärts ging.
43:01Da war ein Wirtshaus, aus dem das Licht noch auf den Gestalt schlug.
43:08Griechischer Wein war so eine Nummer. Da hat er das Lied gehabt. Das hat er innerhalb, ich glaube, von einer
43:13halben Stunde oder Stunde geschrieben.
43:20Er kam aus dem Griechenlandurlaub zurück. Das ganze griechische Feeling hat ihn umgetrieben.
43:25Und er hat sich ans Klavier gesetzt und was versucht und relativ schnell ein Lied geschrieben.
43:30Aber er hat zwei Jahre lang keinen Text dazu gehabt.
43:42Da haben schon ein paar Leute versucht, einen Text drauf zu machen.
43:45Versuch du das mal. Aber um Gottes Willen nichts Griechisches.
43:49Ich will nicht Sonne und Urlaub. Wir haben uns in Griechenland getroffen und so ein Scheiß.
43:55Und da habe ich gesagt, nein, ich mache dir was anderes drauf.
43:59Da saßen Männer mit braunen Augen und mit schwarzem Ahm.
44:10Und aus der Jukebox, da klang Musik, die fremd und südlich war.
44:17Als ich Student war, bin ich da an der Kneipe immer vorbeigegangen.
44:21Und da waren Gastarbeiter drin. Da klang manchmal solche Musik raus.
44:25Über die schreiben wir, die sie sind.
44:27Und dann habe ich diesen Text geschrieben, Griechischer Wein.
44:30Habe ihm den Text gegeben und er war total begeistert.
44:34Und er hat es durchgesungen und wir haben kein Wort geändert.
44:40Und er hat es durchgesungen und wir haben kein Problem.
44:50Wenn ich fühle die Sehnsucht wieder in dieser Stein.
44:57Bin ich nie kann nur ein Fremder sein und allein.
45:13That's the Sildan Allure. Udo Jürgens. Udo Jürgens in the Rekordzeit Platon. Udo Jürgens. Udo Jürgens. Udo Jürgens. Udo Jürgens.
45:23Udo Jürgens. Udo Jürgens.
45:38Sie haben ja nicht so getan, als wären sie jetzt das perfekte Ehepaar und hintenrum wurden dann all diese Sachen
45:49gemacht.
45:50Das hätte ich dann nicht gut gefunden. Aber da immer sehr offen damit umgegangen wurde oder auch mit uns Kindern
45:55gesprochen wurde,
45:56wir leben eine offene Beziehung, jeder von uns hat andere Partnerschaften, aber wir sind alle für euch da.
46:10Die Trophäenjagd braucht Udo für die Bestätigung seines Selbstbildnisses.
46:15Diese Bestätigung ist ja gar nicht echt. Er ist der Superstar. Das heißt, es findet ja gar nicht auf Augenhöhe
46:20statt,
46:21sondern er ist der, der bestimmt und die Frau wird immer diejenige sein, die sich anpasst oder ihn anhimmelt.
46:27Das ist natürlich etwas, was er sehr genossen hat. Aber das ist nicht erwachsene Beziehung auf Augenhöhe,
46:34sagen wir mal so.
46:37Doch die Ergebnisse seines unsteten Lebens will Udo nicht länger verheimlichen.
46:43Er macht reinen Tisch.
46:46Der Papa hat sich einen Zeitpunkt ausgewählt, uns von der Existenz unserer Halbschwester Sonja zu erzählen,
46:55der eigentlich ein bisschen kurios war, nämlich seinen 50. Geburtstag.
47:03Er hat es fast zehn Jahre verschwiegen. Wie er das geschafft hat, mir auch schleierhaft.
47:18Am Ende des Tages ist es schon sehr spät. Der Sohn ist 20, die Jenny war 17.
47:23Und wir erfahren von der Existenz eines Menschen, der genau zwischen uns beiden liegt. Zeitlich.
47:29Und es hat auch massive Auswirkungen auf die ganze Familie gehabt. Aber natürlich auch auf die Sonja.
47:37Die bis zu ihrem Teenager-Alter geheim halten musste und so. Da kann ich mir schon vorstellen, wie schwierig das
47:43war.
47:43Nicht sagen zu dürfen, wer ihr Vater ist. Und das war auch sehr egoistisch, fand ich, von meinem Vater.
47:50Mit fortgeschrittenem Alter sucht Udo die Harmonie. Vor allem innerhalb der Familie.
48:02Seiner Liebe Ausdruck verleihen, das gelingt ihm noch immer am besten mit Musik.
48:08Seinem Bruder, dem Maler Manfred Bocklmann, schreibt er eine Hommage.
48:14Manchmal komm ich so klein mir vor, mit meinen großen Tönen, die im kleinsten Wind wie blauer Durst verwehen.
48:31Denn mein Bruder ist ein Maler, ich bin nur ein Musiker.
48:38Der Udo ist ein Autist gewesen, der in sich selber gefangen war.
48:45Also so richtig ran konnte keiner an ihn. Niemand.
48:49Er war in sich geschlossen. Also ich hatte einen Schlüssel, um reinzukommen.
48:56Aber nur eine Zeit lang. Und er war wieder in seinem Reich, wo du nicht eindringen kannst.
49:02Es geht ganz kurz. Eins, zwei, drei, vier. Eins, zwei, drei, vier.
49:07Auch für seine Eltern hat Udo Jürgens eine Überraschung im Repertoire.
49:12Für sie komponiert er ein symphonisches Werk und lockt die Verehrer klassischer Musik unter einem Vorwand in die Philharmonie Berlin.
49:25There were two people in Reihe 8, namely Udos Eltern, Käthe and Rudolf.
49:34Udo had not told them, what it was going on, and on this Sunday morning,
49:38um shortly after 10, it was going on, they were in the Philharmonie and knew not, how it was going
49:43to happen.
49:48I thought, as then this whole orchestra on the stage was, I was like in a dream, it was surreal.
50:01It was for the Eltern a Tränen-Schock.
50:04You must know, Udo Jürgens comes from a very noble family, and he was the black child.
50:10Da geht er irgendwann zu seinem Vater und sagt, du Papa, ich möchte aber Musiker werden.
50:14Und der Vater sagt, naja, wenn es denn sein muss, aber bitte nur klassisch, kein Timmeltang.
50:31Udo Jürgens hat sein Wort gehalten.
50:38Dieser Moment war wohl für die Familie ganz enorm wichtig.
50:43Der Vater kam nach dieser Aufzeichnung zu seinem Sohn und unter Tränen sagte er, du bist ja ein Künstler.
50:50Und ein Traumtänzer, der noch höher hinaus will.
50:55Ich glaube noch an das Gute in uns allen, und darin bin ich unverbesserlich.
51:02Ich glaube, wir lassen alle Waffen fallen, und unsere ganze Welt entrüstet sich.
51:13Udo Jürgens feiert Erfolge in Brasilien und China.
51:22Dann versucht er es im Mekka, der Unterhaltungskunst.
51:28Den USA.
51:32Und er kennt jemand, der ihm helfen kann.
51:52Udo Jürgens hatte immer den Wunsch, ein internationales Album zu machen.
51:57Und was liegt da näher? Das Gateway. Unser Mann in Hollywood war plötzlich ich.
52:08Und da bin ich ihm auch dann wirklich nahe gekommen.
52:10Da war man wirklich, abend wurde abend gegessen, dann hat man noch bis spätnachts am Flügel gesessen,
52:14hat an den Songs gearbeitet.
52:16Da ist er einmal auch da gesessen, hat er dann gesagt, im Studio, als dann die Geigen bei irgendeinem Lied.
52:21Wirklich, also wie Mantovani, also in den höchsten Tönen und Hollywood, sagt er, das ist Hollywood.
52:35Doch in seine Träume schleichen sich Zweifel und Heimweh.
52:42Das Album war kein großer Erfolg.
52:45Er hätte drüben leben müssen, er hätte mit Sack und Pack nach Amerika gehen müssen
52:49und er hätte seine deutsche Fangemeinde hundertprozentig verloren.
52:54Und darum, glaube ich, war es auch zu hundert Prozent richtig, dass er sich gegen Amerika entschieden hat.
53:07Zu Hause macht er dort weiter, wo er aufgehört hat.
53:13Die nächsten 30 Jahre.
53:17Alte Muster wiederholen sich.
53:21Er wird noch einmal heiraten.
53:27Noch einmal untreu werden.
53:30Noch einmal eine uneheliche Tochter zeugen.
53:33Eine zweite.
53:36Aber er steht dazu.
53:40Steht man zu einem Menschen, steht man zu seiner Familie, steht man zu seinen Kindern, ja oder nein.
53:46Und das hat nichts damit zu tun, ob man ausrutscht zwischendurch auf einem Lebensweg.
53:52Ich komme gerade aus Wien und habe mir die Kleine gesehen, die jetzt acht Jahre, also neun Jahre fast ist.
53:58Und habe da einen sehr guten Kontakt, was in dem Fall vielleicht etwas schwieriger ist wie mit meiner Älteren.
54:05Und mir ist es Gott sei Dank geglückt und gelungen, den Kontakt zwischen Johnny und Jenny und der Sonja vollkommen
54:13so herzustellen, dass die heute befreundet miteinander sind.
54:16Da Capo, wenn alles mit ihr geht, bald wird die Bühne abgebaut, noch bleibt uns mein Klavier.
54:28Für sein Publikum spielt er weiter.
54:31Das Echo dieses Abends klingt noch nach dem Meer.
54:35Er hört nicht auf, Jahr für Jahr.
54:38Von einem Jahrzehnt zum nächsten.
54:40Ihr trug mich fort mit euch, im Sturmwind der Gemeinsamkeit.
54:46Ich dank für den Applaus.
55:02Ich glaube, dass diese Momente, wo er auf der Bühne stand und natürlich alle ihm zujubelten, das waren sicherlich die
55:09Momente, wo er am glücklichsten war, wo er sich am meisten gespürt hat.
55:14Nirgendwo sonst hat er sich so gespürt wie da.
55:16Und dann ist das Konzert zu Ende und dann ist da nichts.
55:28Am 21. Dezember 2014 stirbt Udo Jürgens während seiner letzten Tournee.
55:37Seine Botschaften sind bis heute lebendig.
55:41Auch ganz persönliche.
55:45Liebe Freunde, ich bin als Musiker einen gemeinsamen Weg gegangen mit all denen, die ihren Beruf und ihr Leben dem
55:52Wort gewidmet haben.
55:53Es war ein schöner gemeinsamer Weg.
55:55Sie haben Sachen geschrieben, die mir wie Nektar und Honig über den Gaumen flossen.
56:00Dankeschön für jedes Wort.
56:02Der Udo war einer der ganz begnadeten Komponisten in der Musikgeschichte.
56:07Die ganz große Kunst, dass man immer neu ist und doch erkennbar bleibt.
56:13Das hat er geschafft.
56:18Die Party zu verlassen, wenn es am schönsten ist.
56:22In der Inszenierung seines Lebens hat sich Udo Jürgens auch an diese dramaturgische Riegel gehalten.
56:29Ich bin sein letztes Konzert zu ihm in die Garderobe gegangen und ich war ja bei vielen Konzerten.
56:36Ich habe ihn natürlich umarmt, das macht man sowieso automatisch schon aus Dank, man kennt ihn in der Pause.
56:43Und ich habe gesagt, Udo, so gut warst du noch nie.
57:07Ich will ihm einfach nur Danke sagen für die unglaubliche Zeit und Kindheit an mit allen Problemen, die gehören dazu
57:14im Leben, in jeder Familie.
57:15Letztendlich aber die liebevolle Zeit und die warme Hand in meiner und die Umarmung und die Nähe und für die
57:23Zeit, die man miteinander verbracht hat.
57:25Da war so früh, was so verheißungsvoll begann und das dann doch wie Sand durch meine Finger ran.
57:38Papa stand da wie eine Eins.
57:39Das ist das, was Kinder brauchen.
57:42Emotionale Stabilität, Verlässlichkeit, die Familie.
57:46Mein Vater hat für alle bestens gesorgt, das muss man ja sagen.
57:51Und jeder musste dafür in gewisser Weise vielleicht auch einen Preis bezahlen.
57:55Am wenigsten hat vielleicht der Udo den Preis bezahlt, weil der hat ja gemacht, was er wollte.
58:13Die Sehnsucht ist wie eine Rose, die blüht und jeder Betrachter weiß, wie kurz ihr Leben ist.
58:19Und das macht ja die Schönheit umso gewaltiger.
58:22Und die Sehnsucht ist ja deshalb so schön, weil wir genau wissen, in der Sekunde der Erfüllung ist sie tot.
58:29Ich war sie so schön.
58:31Ich war es nicht.
58:32Ja.
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