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00:00Dagi had also very glidden.
00:01She took a mother role,
00:03because I was always the one who was on the end of the day
00:06and told me about how my life is.
00:08And because we had a younger audience,
00:11you couldn't say,
00:13your big idol is sick and sick
00:15and a pretty asshole.
00:17That was an absolute illusion,
00:20because it had nothing to do with our relationship.
00:26Welcome, dear Timo.
00:27Viele kennen dich als LineTV.
00:30Millionen von Followern,
00:32Beziehung mit Dagi Bee,
00:34extremer Erfolg.
00:35Das war so in den 2010ern.
00:37Ganz, ganz doll.
00:39Von außen wirkte das alles wie
00:40das absolute Traumleben.
00:43Ja, es ging.
00:44Wir gucken mal rein.
00:47Tag Kinder,
00:48da bin ich wieder euer WM.
00:51Nö, nö, nö,
00:52nö, weee.
00:54Oh Gott.
00:55Kennt einer von euch noch?
00:56Go Leo?
00:56Verpiss dich!
00:58Timo, mit was für Apps
01:00bearbeitest du deine Selfies?
01:02So, da bin ich zu sehen.
01:04Der nette Timi ist noch ganz unbearbeitet.
01:06Sieht aber eigentlich schon ganz okay aus.
01:08Was sagt ihr?
01:09Aber von der Dagi kann ich ja zum Glück furzen.
01:11Das ist kein Problem.
01:12Furzen sind lecker,
01:14wenn man sich dann mal dran gewöhnt hat.
01:16Wir sind eine Million Würden Kids,
01:18besiegen jeden Bösewicht.
01:21Wir sind eine Million.
01:22Oh, ist das schlecht.
01:23Wir sind eine Million.
01:25Wir sind eine Million.
01:28Timo.
01:32Du warst sehr tapfer gerade.
01:35Wecklich.
01:36Also, was hast du für Emotionen,
01:39wenn du das dir anschaust?
01:40Ich kann mich damit nicht mehr identifizieren,
01:42aber das war halt eine ganz andere Zeit.
01:43Also, wie alt ist das jetzt?
01:45Das waren locker Videos 12, 13, 14 Jahre alt.
01:48YouTube war mal ein bisschen anders, ja.
01:50Ich habe jetzt immer noch gelacht darüber.
01:53Irgendwas hast du richtig gemacht, schon damals.
01:56Trotz Riesenerfolg war nicht immer alles super gut bei dir,
01:59auch wenn es rosig aussah.
02:00Du hast mit Ängsten gekämpft,
02:02aber hattest vor allem auch eine ziemlich krasse Kindheit
02:05und eine sehr, sehr krasse Geschichte,
02:06über die wir heute sprechen werden.
02:09Über deine Ängste, darüber, was dir passiert ist,
02:11wie du aufgewachsen bist
02:12und auch über den tragischen Verlust deines Bruders.
02:16Wirklich eine ganz, ganz schlimme Geschichte,
02:17aber bevor wir da reingehen,
02:19fangen wir mal von vorne an.
02:21Deine Mutter war sehr jung, als sie mit dir schwanger wurde,
02:24gerade ist 18.
02:25Magst du einmal erzählen, wie du aufgewachsen bist?
02:28Meine Mutter war alleinerziehend,
02:30also ich habe meinen Vater nie kennengelernt
02:31und ja, jung halt, 18 Jahre alt.
02:35Ihre Eltern waren Zeugen Jehovas.
02:37Sie wurde mit 14 Jahren ins Heim gebracht,
02:39weil sie da nicht mehr mitmachen wollte
02:42und genau im Heim hat sie dann meinen damaligen Vater kennengelernt
02:46und dann ist sie mit 18 schwanger geworden
02:48und hat mich dann bekommen, genau.
02:50Und mein Vater hat sich dann ziemlich schnell aus dem Staub gemacht.
02:54Und ich war dann mit meiner Mutter...
02:54Bevor du geboren bist oder hast sie noch...
02:56Ja, bevor ich geboren bin.
02:57Und ich bin dann mit meiner Mutter zusammen in eine Einzimmerwohnung gezogen.
03:01Genau.
03:02Und ja, sie hat sich nicht so wirklich um mich gekümmert,
03:05weil sie selber noch ein Kind war
03:07und ja, nicht so wirklich die Verantwortung übernehmen wollte.
03:10Ja.
03:11Das hört sich auch an,
03:12als hätte deine Mutter auch selber viele Probleme gehabt,
03:15die sie vielleicht erstmal hätte lösen wollen oder können.
03:16War selber ein traumatisiertes Kind halt, ja.
03:19Deine Mutter hat dann dein Bruder Yannick bekommen,
03:22als du vier Jahre alt warst, ne?
03:23Da war ich drei, also fast vier.
03:25Fast vier.
03:25Und sein Vater war dann auch für dich als Stiefvater da?
03:30Genau.
03:30Hast du das richtig verstanden?
03:31Wie war das für dich?
03:33Ja, man war ja nie so der wirkliche Sohn.
03:35Man muss dazu sagen,
03:36dass meine Mutter sich auch ziemlich schnell von ihm getrennt hat.
03:38Und es war halt immer so,
03:40dass ich mit meinem Bruder am Wochenende dann bei meinem Stiefvater war.
03:43Aber man hat auch da wieder gemerkt,
03:44dass mein Bruder dann mehr im Vordergrund stand,
03:48weil er halt der leibliche Sohn von meinem Stiefvater war.
03:50Und ich halt nur der Bruder war, der dann halt immer mitgekommen ist,
03:54weil meine Mutter halt am Wochenende auch ihre Ruhe haben wollte vor den Kindern, ne?
03:57Oh man.
03:57Du hast gesagt, deine Mutter hat sich dann aber auch schnell getrennt
03:59und hatte dann andere Beziehungen.
04:01Wie war das denn mit den anderen Männern?
04:04Es war ja immer unterschiedlich.
04:05Also meine Mutter hatte so jede drei, vier Jahre einen neuen Partner.
04:10Und manche hat man gemocht oder hat man dann das Herz geschlossen.
04:13Die waren dann wieder weg und dann war das natürlich auch wieder traurig.
04:15Aber dann hatte sie auch Freunde gehabt, von denen sie geschlagen wurde.
04:18Und das habe ich dann natürlich auch alles mitbekommen.
04:20Oder ich weiß nicht, die hatte mal eine Zeit lang einen Freund,
04:24mit dem war es immer eine On-Off-Sache.
04:26Und der war sehr psychopathisch veranlagt und hat dann,
04:30ja, ist uns dann zum Beispiel auf der Autobahn mit dem Auto mal hinterher gefahren
04:33und wir Kinder saßen hinten und dann hat er von der Seite geguckt und gesagt,
04:36ich bring euch um und so ein Kram.
04:37Also es gab immer Auf und Abs, da war mal ein guter Typ da, an dem man sich gewöhnt hat.
04:43Und dann war er wieder weg, da war man traurig.
04:45Und dann kam wieder so ein Psychopath und da musste man sich daran gewöhnen
04:48und man hatte ja keinen wirklichen Halt, weil ich konnte mit meiner Mutter nicht darüber reden,
04:53weil ihre Dinge immer vorgehen und sie immer erst auf sich geschaut hat,
04:58bevor sie auf ihre Kinder geschaut hat.
04:59Und deswegen hatte man nie so einen wirklichen Halt oder eine Sicherheit im Leben.
05:02Also ich hatte ja auch nie ein richtiges Zuhause, weil wir auch irgendwie jede drei, vier Jahre umgezogen sind.
05:07Ah, dann immer zu den Männern.
05:09Ja, oder dann wieder weg von denen oder in eine andere Wohnung oder in eine andere Gegend.
05:12Und meine Mutter hat wieder niemanden neuen kennengelernt.
05:14Also du warst immer unterwegs, unter Strom und hattest immer das Gefühl,
05:17ja, jetzt gleich könnte es wieder vorbei sein. Also du hattest keine Sicherheit so wirklich.
05:21Und vielleicht, selbst wenn es dann mal schön war, hast du dem Schön vielleicht nicht vertraut?
05:26Nee, man hat ziemlich schnell, das war das bei mir, dass sich dann so Zwangsgedanken entwickelt haben.
05:32Also das entwickelt sich dann, wenn du Angst hast, die Kontrolle über Dinge zu verlieren.
05:35Weil als Kind fängst du dann irgendwann an, da du die Kontrolle nie hast, alles zu kontrollieren.
05:40Weil dann hast du das Gefühl, wenn ich das kontrollieren kann, dann passiert mir nicht.
05:43Und dann habe ich halt angefangen, Zwangsgedanken, so mit zehn Jahren fing das an,
05:47dass ich Angst vorm Teufel bekommen habe und Angst habe, ich kann das nicht kontrollieren, diese Angst.
05:53Und dann, dass ich jemanden verletzen könnte, wenn zum Beispiel eine Gabel auf dem Tisch lag,
05:57hatte ich Angst, dass ich die nehme und irgendwie jemanden damit absteche oder so,
06:00dass ich die Kontrolle über mich selber verliere.
06:02Und es gab auch Zeiten, da hatte ich Angst, mich selbst umzubringen
06:05oder einfach die Luft anzuhalten und zu sterben.
06:07Und weil du Angst hast, dass du das nicht kontrollieren kannst, dass du deinen Kopf nicht kontrollieren kannst, ja.
06:12Hast du da mit jemandem drüber sprechen können?
06:14Ich habe meiner Mutter das dann gesagt irgendwann und die ist dann mit mir auch zum Kinderarzt gegangen.
06:20Die haben dann so eine riesige Tour von Arzt zu Arzt mit mir gemacht.
06:24Die Kinderärztin hat meiner Mutter damals gesagt, sie müssen sich jetzt mal Zeit für ihr Kind nehmen
06:28und mit dem von Arzt zu Arzt gehen, dann wird das schon weggehen,
06:31weil dann kriegt er das Gefühl, dass er geliebt wird oder dass man sich um ihn kümmert oder dass er
06:36ihnen wichtig ist.
06:39Hat nichts gebracht so. Es wurde auch nichts herausgefunden.
06:43Und erst viel später, als ich dann über 18 Jahre schon alt war, habe ich mich dann selber darum gekümmert.
06:49Also dann, weil es einfach nicht mehr weggegangen ist, ich habe dann Panikattacken entwickelt,
06:54Zwangsgedanken, Depressionen ganz starke, habe dann auch Medikamente genommen
06:57und irgendwann war es so viel, dass ich mich dann habe in die Psychiatrie einweisen lassen für eine Zeit lang.
07:02Und da fing das erst an, dass ich das so einigermaßen aufarbeiten konnte,
07:06weil vorher habe ich mich nie damit beschäftigt, was eigentlich in mir drin passiert.
07:09Es war immer nur diese Angst und diese Angst, Kontrolle zu verlieren in mir.
07:12Und ich als Kind weiß ja nicht, woher das kommt.
07:14Wer dir Halt gegeben hat, war dein kleiner Bruder Yannick.
07:19Ja, genau.
07:19Was hat er dir für eine Beziehung?
07:21Eine sehr gute. Wir hatten ja am Ende nur uns, weil von der Mutter war ja nie wirklich so die
07:28Liebe da.
07:29Klar, sie hat uns schon gesagt, dass sie uns liebt und so weiter, aber ihre Taten waren halt andere.
07:33Dann kam, als du 16, 17 warst, dieser eine Tag, den du als den Schlimmsten deines Lebens bezeichnet hast.
07:40Ja, genau.
07:40Bis heute. Was ist passiert?
07:43Und zwar, wir waren mal wieder umgezogen und wir hatten eine neue Wohnung.
07:47Und in dieser Wohnung war in dem Badezimmer so ein riesiger Gasboiler.
07:50So ein ganz großer Gasboiler.
07:52Mein Bruder ist dann baden gegangen und hat sich Stunden nicht gemeldet.
07:56Also so eine halbe Stunde, eine Stunde.
07:57Da dachten wir, okay, der ist baden, der will vielleicht seine Ruhe.
07:59Aber nach ein, zwei Stunden hat man sich gedacht, was ist denn hier los?
08:02Warum macht der die Türen nicht auf oder warum meldet der sich nicht mal?
08:05Und wir haben es dann geschafft, den Schlüssel von außen,
08:08ne, den Schlüssel durch das Loch nach außen fallen zu lassen und mit dem Blatt unter die Tür zu ziehen.
08:16Haben dann die Tür aufgemacht und er lag dann schon tot in der Badewanne, weil dieser Gasboiler zu viel Kohlenmonoxid
08:21ausgestoßen hat.
08:23Also es war in dieser Raum, da war kein Sauerstoff mehr drin, weil das Fenster zu war und genau dieser
08:29Gasboiler nicht richtig gewartet wurde und der Schornsteinfeger das auch nicht richtig gewartet hat.
08:35Und in dem Zuge ist dann mein Bruder gestorben, weil zu viel Kohlenmonoxid ausgestoßen wurde von diesem Gerät.
08:41Wann ist dir klar geworden, was da überhaupt passiert ist?
08:45Erst viel später, weil wir wussten ja nicht, was es war.
08:47Man ging erst mal von einem epileptischen Anfall oder so aus.
08:49Weil du gehst ja nicht davon aus, dass dieser Gasboiler defekt ist.
08:53Also wir sind dann, wir haben die Tür geöffnet, dann war das Geschrei groß.
08:57Ich habe versucht mich irgendwie zu verstecken, weil ich mir nicht ansehen wollte, wie mein Bruder da tot in der
09:00Badewanne liegt.
09:01Und ich habe dann immer nur die ganze Zeit gehört, wie sie versucht haben, ihn wieder zu reanimieren.
09:06Der Krankenwagen kam dann auch schon ziemlich schnell.
09:09Die haben den mitgenommen, aber der war halt schon ein, zwei Stunden tot.
09:12Also der hatte direkt das Organversagen.
09:14Also wenn du keinen Sauerstoff mehr hast, dann bist du ja innerhalb von zehn, 15 Minuten vorbei.
09:18Wir haben dann später den Anruf bekommen, ja, wer hat es nicht geschafft, dann sind wir da rein.
09:22Und dann mussten wir erst mal eine Woche oder so warten, bis dann überhaupt eins und eins zusammengezählt werden konnte.
09:27Und in dem Zuge haben wir das erst herausbekommen, dass halt dieser Gasboiler defekt war.
09:31Was hat deine Mutter damals in dem Moment gemacht, als sie in diesen Raum reinging?
09:35War überhaupt nichts mehr zu gebrauchen.
09:37Und ihre erste Sache, die sie machen wollte, war direkt, ich ziehe jetzt nach Spanien und ich lasse das Leben
09:42in Deutschland hinter mir.
09:43Und Timo, entweder kommst du mit oder du bleibst hier.
09:45Da habe ich gesagt, ich kann nicht mitkommen, weil ich erst mal mit diesem Typen und dir zusammen nicht nach
09:50Spanien ziehen will.
09:51Das ist das Schlimmste, was überhaupt passieren kann.
09:53Und ich hatte eine Freundin plus Schule hier in Deutschland.
09:57Also ich konnte nicht einfach in der neunten oder zehnten Klasse die Schule abbrechen.
10:01Ist dir die Trennung von deiner Mutter schwergefallen, dass sie weggezogen ist?
10:05Nein, gar nicht.
10:05Null.
10:06Ich habe mich extrem darüber gefreut sogar, dass ich da endlich weg bin und so nicht mehr.
10:10Ich wollte schon früher immer weg, aber dann hat meine Mutter immer angefangen zu weinen und gesagt, nein, bitte nicht.
10:15Und Tränendrüse mäßig so, da konnte ich dann nicht nein sagen, aber ich wollte schon öfters weg zu meiner Tante
10:21und zu meinem Onkel.
10:22Und als sie dann gegangen ist und ich dann endlich da weg konnte, war ich schon sehr erleichtert.
10:27Obwohl das auch mit meinem Bruder mich natürlich noch extrem belastet hat.
10:29Aber ich war erstmal froh, dass ich aus dieser ganzen Trauer, aus dieser schlimmen Beziehung zu meiner Mutter endlich weg
10:35konnte und endlich nicht mehr in diesen Terror gefangen war.
10:39Verstehe ich.
10:40Und trotzdem warst oder bist du ja in dieser Geschichte gefangen.
10:43Also das ist ja unfassbar schlimm, was du erlebt hast.
10:46Vorher schon.
10:47Ich finde es richtig krass, was du erzählst.
10:49Es tut mir richtig leid, dass du das so erleben musstest.
10:52Und wie du es auch so als Kind, als Kind weiß man vielleicht gar nicht, wie es anders sein könnte.
10:56Und dann aber noch dieser tragische Tod.
10:59Also ich weiß gar nicht, wie man das alles verarbeiten soll und dann auch noch in so jungen Jahren.
11:05Ich habe das nie verarbeitet.
11:07Also ich glaube, bis heute habe ich es nicht richtig verarbeitet, weil ich träume immer noch von meinem Bruder.
11:11Dass er noch lebt und dass er das überlebt hat und so ein Kram.
11:15Und da habe ich viel darüber geredet.
11:17Auch mit Therapeuten und in der Psychiatrie und hier und da.
11:20Aber ich glaube, diese ganzen Sachen, die in meiner Kindheit passiert sind, das sind ja so viele verschiedene Traumata.
11:26Ich glaube, ich werde das nie komplett verarbeiten können.
11:30Oder ich werde immer wieder Phasen haben, wo es mir dann mal wieder schlechter geht und dann wieder besser.
11:36Hast du eigentlich noch Kontakt zu deiner Mutter?
11:38Ja.
11:39Also bist du wieder in Deutschland?
11:42Also es ist natürlich immer noch, also sie versucht natürlich irgendwie alles gut zu machen und ich kenne ja, ich
11:47kenne sie ja.
11:50Sie ist auch wirklich, ich weiß nicht, sie ist ja selber ein traumatisiertes Kind.
11:54Warum soll ich ihr da böse sein?
11:55Ich bin ja erwachsen geworden.
11:56Ich weiß, warum sie so gehandelt hat, wie sie gehandelt.
11:59Und natürlich versuche ich dann auch, den Kontakt aufrecht zu erhalten und ich bin auch mit ihr im Austauschen so.
12:06Und natürlich ist es für mich nicht leicht so.
12:08Und manchmal denke ich mir auch, lass mich in Ruhe.
12:11Aber ich weiß selber, dass sie das auch braucht, um selber heilen zu können.
12:14Und sie hat genug eigene Traumata und sie ist auch nur am Ende das Produkt ihrer Eltern.
12:19Ja.
12:19Du bist so ein cooler Mensch.
12:24Und du hast ganz am Anfang, wo wir jetzt zuletzt waren, wo du zu deiner Onkel und Tante gezogen bist,
12:30da hattest du ja endlich jemanden, der sich mehr um dich gekümmert hat.
12:34Aber trotzdem bist du dann auch in so Ängste verfallen und hast dich, glaube ich, viel betäubt auch mit zum
12:41Beispiel Alkohol.
12:42Wie sah das aus? Wie kann man uns das vorstellen?
12:45Ich muss sagen, ich habe ziemlich spät angefangen, überhaupt Alkohol zu trinken.
12:48Ich glaube, das erste Mal richtig betrunken war ich mit 18, 19.
12:51Die meisten fangen ja da schon mit 15 oder so an.
12:54Und ich habe das ziemlich schnell so als Medikament für mich benutzt.
12:58Also für mich war das so, wenn ich mich besaufe und komplett weg bin,
13:01dann habe ich diese ganzen Gedanken und Ängste und Zwangsgedanken nicht mehr.
13:05Mir ist einfach alles scheißegal.
13:07Also das habe ich dann wirklich, bei mir war es dann irgendwann so jede zwei Wochen und dann jede Woche
13:11so.
13:12Habe ich mich einfach so krass besoffen, dass es mir alles andere scheißegal ist.
13:15Ich war dann aber auch die ganze Woche platt halt.
13:17Und ja, das hat sich lange hingezogen irgendwann, wo ich dann halt selbstständig war.
13:21Und als YouTuber war ja jeder Tag Wochenende sozusagen, ist es dann natürlich auch öfters vorgekommen.
13:27Und Dagi hat da auch sehr drunter gelitten.
13:30Ich habe mich mit Dagi vor kurzem nochmal getroffen und wir haben das alles aufgearbeitet,
13:33was in unserer Beziehung wirklich alles falsch gelaufen ist.
13:37Und sie hat irgendwann eine Mutterrolle übernommen, weil ich immer derjenige war, der sich dann am Wochenende besoffen hat und
13:42sie dann vollgeheult habe, wie scheiße mein Leben ist.
13:44Und sie hatte gar keinen wirklichen Partner mehr, sondern eher so ein Kind, um das sie sich kümmern musste.
13:49Und wie ist sie damit umgegangen?
13:50Sie hat es ausgehalten, weil sie mich so sehr geliebt hat.
13:54Und es war ja immer wieder so.
13:56Ich habe mich dann betrunken und dann bin ich wieder zu Dagi und Dagi scheiße, was ist, wenn ich Kacke
14:01gebaut habe und mein Leben ist so kacke und was soll ich nur machen?
14:04Und sie war irgendwann, natürlich wusste sie nicht mehr, was sie machen sollte, ist dann auch sauer geworden oder wütend
14:08oder wusste nichts mehr mit mir anzufangen.
14:10Aber sie hat es halt vier Jahre lang, hat es halt mitgemacht.
14:15Und vielleicht, weil ich ihr so wichtig war und weil sie meine Vergangenheit kannte.
14:19Und zu der Zeit, wo ich in der Psychiatrie war, war sie ja auch schon da für mich da.
14:23Sie ist ja diesen ganzen Weg mitgegangen.
14:26Und konntest du immer offen mit ihr reden?
14:28Immer. Aber es war halt nicht auf der gleichen Wellenlänge.
14:32Also sie konnte mit ihrem Problem nie zu mir kommen, weil ich immer derjenige war, der die ganzen Probleme hatte.
14:36Sie hatte natürlich selber auch welche, aber ich wäre niemals in der Lage gewesen, ihr zu helfen, so wie sie
14:42mir hilft.
14:43Und deswegen, wie gesagt, war es am Ende keine wirkliche Beziehung mehr, sondern es war eher so eine, ja sie
14:51hat sich um mich gekümmert einfach nur noch.
14:53Und ich war für sie eher eine Last, muss man sagen.
14:55Ich finde das, was wir an dieser Stelle immer sagen, weil es mir irgendwie gerade erst so auffällt, wie viel
14:59Glück du mit Dagi hattest.
15:00Was für eine tolle Frau, wie krass sie zu dir gehalten hat, offensichtlich.
15:05Und irgendwie voll oft da war in Momenten, wenn die nicht da gewesen wäre, wäre es ja noch schlimmer gewesen.
15:10Also ich finde es voll toll, dass die so da war.
15:17Das hat man ihr aber auch nie anerkannt, ganz im Gegenteil.
15:21Weil sie war der Buhmann am Ende so. Und ich hätte das schon viel früher klarstellen müssen, aber ich war
15:29nicht mehr in der Lage, irgendwas klarzustellen, weil ich einfach mit meinem Kopf ganz woanders war.
15:32Aber heutzutage denke ich mir, ey, hättest ihr auch viel mehr Hate ersparen können, wenn du mal wirklich eingegriffen hättest
15:39und gesagt hättest, Dagi hat überhaupt nichts Falsches gemacht.
15:42So, ganz im Gegenteil, die hat dafür gesorgt, dass ich überhaupt noch am Leben bin. Aber ja, das versuche ich
15:48jetzt nachzuholen.
15:49Und das ist, also rückblickend ist es so krass eigentlich, weil man von außen ja nichts davon nachgekommen hat.
15:55Ja nichts, ja.
15:56Ich werde einfach das Dream-Couple, so irgendwie das erste YouTube-Couple glaube ich ja auch, ne.
16:01Und keiner hat das, also ich glaube die Leute hätten das sich nicht mal vorstellen können, was da eigentlich abging.
16:08Ja, man muss sich vorstellen, wir hatten ja auch zum größten Teil Kids als Fans, so, ich würde jetzt sagen
16:12in der Range von 11 bis 15 war da alles bei.
16:15Und unser Image war uns schon immer extrem wichtig und gerade weil wir ein jüngeres Publikum hatten, den konntest du
16:21jetzt nicht sagen, ja, dein großes Idol ist alkoholkrank und ist eigentlich ein ziemliches Arschloch.
16:28Und wir haben nach außen immer auf jeden Fall den Schein gewahrt, dass alles happy und alles super und alles
16:33toll ist.
16:34Und ja, unsere Karriere war ja auch davon abhängig, dass wir dieses Happy Life spielen.
16:39Weil wir haben halt eine absolute Illusion verkauft.
16:42Da war ja nichts echtes mehr vor der Kamera.
16:44Da hatten wir auch drüber geredet und sobald die Kamera an war, haben sich unsere Charaktere geändert.
16:49Und danach haben wir uns entweder direkt wieder gestritten oder keinen Bock mehr aufeinander gehabt.
16:53Und das war halt eine absolute Illusion, die wir da verkauft haben, weil das hatte überhaupt nichts mehr mit unserer
16:58wirklichen Beziehung zu tun.
16:59Ich war früher dieser Fan und ich habe eure Videos so gerne geguckt, dass ich selber da mit meiner Freundin
17:06sowas angefangen habe zu filmen.
17:09Und wenn ich jetzt über meinen Alkoholkonsum nachdenke, der war auch deutlich zu früh.
17:13Und ich habe bestimmt mit 14, 15 viel zu viel Alkohol getrunken und ich finde es gut, dass ihr da
17:20auf eure Community geachtet habt.
17:21Aber irgendein Teil von mir sagt, hey, es wäre voll cool gewesen, wenn irgendwer uns damals auch schon gesagt hätte,
17:28das ist voll dumm, mach das nicht.
17:30Hättet ihr mir das damals gesagt, dass man nicht so viel trinken sollte?
17:34Ich glaube, vielleicht hätte ich auf euch eher gehört.
17:36Ja schon, aber ich habe es ja selber nicht umgesetzt.
17:40Also ich war, für mich war es ja, ich habe Alkohol auch nie so als Partyspaßdroge gesehen, sondern eher als
17:45Medikament.
17:47Ich wusste, wenn ich mich betrinke, ist mir alles egal und ich habe einfach diese Probleme nicht mehr.
17:52Und auch der Druck von außen und der Hate und du kennst das ja alles.
17:56Man ist ja in einem riesigen Rampenlicht und Millionen Leute schauen einen zu und du kannst eigentlich nur alles falsch
18:01machen.
18:01Und Alkohol war dann so, ja scheißegal, ob ich was falsch mache.
18:04Du wolltest dich einfach nur betäuben.
18:05Genau, einfach betäuben, ja.
18:07Es ist dann aber eskaliert, also komplett eskaliert, sag ich mal 2012 und dann hat dein Arzt dir geraten in
18:14die Psychiatrie zu gehen.
18:15Genau, genau.
18:16Wie waren da deine ersten Gedanken?
18:18Ich hatte erstmal extreme Angst, weil ich wusste nicht, wie so eine Psychiatrie aussieht von innen.
18:23Ich hatte Angst, dass ich jetzt da eingesperrt werde und nur so Verrückte um mich rum sind.
18:27Aber eigentlich war es das komplette Gegenteil.
18:29Also die Menschen, die man da kennengelernt hat, das waren ganz normale Menschen aus dem Alltag.
18:35So viele mit Burnout, die irgendwie nie Nein sagen konnten, die immer Überstunden gemacht haben.
18:40Also eigentlich findest du da die Menschen wieder, die du auch draußen findest, nur die haben sich endlich mal Hilfe
18:45geholt.
18:46Ja.
18:46Und deswegen hat mir das extremst geholfen, da zu sein.
18:49Ich glaube, wenn ich nicht da reingegangen wäre, wüsste ich nicht, ob ich das alles überlebt hätte.
18:53Weil ich war, also zu dem Zeitpunkt war ich wirklich kurz und knapp davor, mich umzubringen, weil einfach nichts mehr
18:58Sinn gemacht hat.
19:00Und da ist einem erstmal wieder bewusst geworden, ey, du bist nicht allein.
19:03Und krass, es gibt viele Leute, denen geht es noch viel schlimmer.
19:06Und es ist eigentlich normal.
19:08Wir haben so oft Leute hier, die zum Beispiel von dem Aufwand in der Psychiatrie erzählen.
19:13Und erzählen, dass sie dachten, alle sind verrückt.
19:15Aber es waren natürlich einfach nur normale Menschen.
19:18Da wurde einfach nicht drüber gesprochen.
19:19Und deshalb habt ihr wahrscheinlich auch nicht drüber gesprochen, weil man hat das nicht gemacht.
19:22Und ich bin so dankbar, dass wir zusammen diese haben und dass du jetzt auch hier sitzt oder ihr sitzt
19:26und darüber sprechen könnt.
19:28Und anderen Leuten dadurch auch Ängste nehmen könnt.
19:32Weil es ist nicht schlimm, sich Hilfe zu holen oder in der Psychiatrie zu sein.
19:37Auf gar keinen Fall.
19:38Und jeder kann da landen.
19:44Die Zeit nach der Klinik ist nicht leichter geworden.
19:49Du bist auf YouTube noch erfolgreicher geworden.
19:52Noch mehr Erfolg bedeutet noch unfassbar viel mehr Hass, den man abbekommt.
19:57Ist so.
19:58Und dann trennst du dich auch noch von Dagi.
20:00Was war der Auslöser?
20:01Boah, da gab es sehr viele Auslöser.
20:03Also nach außen hat es ja immer so ausgesehen, als wäre ich der verlassene Junge.
20:07Und in meiner schlimmsten Zeit lässt sie mich links liegen.
20:09Weil es war wirklich auch hatemäßig das Schlimmste, was ich zu der Zeit durchgemacht habe.
20:14Aber es waren halt all die Sachen, die ich jetzt gerade schon angesprochen habe.
20:17Mein Alkoholkonsum.
20:18Ich habe ihr null Aufmerksamkeit geschenkt.
20:22Sie war für mich nur noch wie eine beste Freundin.
20:24Auch Zwischenmensch.
20:25Ich lief gar nichts mehr.
20:26Ich hatte auch sexuell und so gar kein Verlangen mehr um irgendwas mit ihr.
20:30Also es war einfach alles.
20:31Ich hatte dafür keinen Kopf mehr.
20:32Sie hat natürlich immer wieder dran geglaubt und gesagt, ey, wir kriegen das hin.
20:36Und lass uns das so nochmal versuchen.
20:37Und ich bin immer wieder gekommen und habe gesagt, nein, ich empfinde nichts mehr für dich.
20:41Es geht nicht mehr.
20:42Das sagst du nur so.
20:44Das stimmt nicht.
20:44Sie wollte es halt nicht wahrhaben.
20:46Irgendwann kam sie selber darauf und hat gesagt, weil sie war da auf dem Dreh zu so einem Musikvideo.
20:51Bis zu real hieß das.
20:52Und sie wollte unbedingt, dass ich mitkomme zu diesem Musikvideodreh.
20:55Und ich meinte, nee, ich habe keinen Bock.
20:57Ich habe andere Dinge zu tun.
20:59Und sowas halt.
21:00Und ich habe ihr halt nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie eigentlich hätte verdient.
21:05Und sie hat das lange genug durchgemacht mit mir.
21:07Und das war dann der ausschlaggebende Punkt, wo sie dann auch gesagt hat, ey, Timo, das macht auch keinen Sinn
21:11mehr.
21:12Ich kriege von dir nichts mehr zurück.
21:13Und dann habe ich gesagt, ja, so ist es.
21:15Und dann haben wir uns getrennt.
21:17Wie bist du mit der Trennung umgegangen?
21:18Es war nach außen ein bisschen schwierig für mich, weil ich hatte ein bisschen Angst, dass jetzt alles einbricht.
21:23Und das war es jetzt mit mir.
21:24Und ich war gerade dann auf Tour auch.
21:27Und es war da auch sehr anstrengend für mich, weil ich musste die ganze Zeit, ich hatte fast jeden Tag
21:30einen Auftritt.
21:32Und währenddessen ist meine Trennung überall, wird darüber geredet.
21:36Und ja, was erwarten die Fans jetzt, weil sie Dagi eigentlich mit auf meine Tour kommen wollte.
21:40Und dann war sie leider nur in ein paar Städten dabei.
21:42Und es war dann auch wieder eine Kritik, die auf mich zukam.
21:45Du bist in deinem Gefühlschaos die ganze Zeit.
21:47Du weißt gar nicht mehr, wer du wirklich bist und was du nach außen strahlst und ob du überhaupt noch
21:51der sein willst, der du vorgibst zu sein.
21:53Weil wir haben ja auch eine Rolle gespielt.
21:56Und es war einfach, ich hatte keinen Bock mehr.
21:58Ich hatte echt auf diese ganze Öffentlichkeitssache einfach keinen Bock mehr.
22:01Du bist ja aus, also von Anfang an bis dahin war alles schwierig.
22:10Kindheit, Mutter, die wechselnden Beziehungen, der Bruder, der gestorben ist, maximale Aufmerksamkeit, erstes YouTube-Couple, Hate von allen Seiten, Drogen,
22:18also Respekt, dass du heute als so cooler Mensch hier vor uns sitzt und dich mit uns unterhältst.
22:27Also wirklich, das ist ja nicht nur so, ach, da hatte ich mal eine schlechte Zeit oder da ist mal
22:32was passiert.
22:33Du teilst jetzt viel Lauf-Content, du bist viel in der Natur, bist ein anderer Mensch geworden, sprichst in deinem
22:38Podcast offen drüber.
22:39Wie hast du es geschafft, aus diesen unfassbaren Tiefs herauszukommen?
22:45Boah, das frage ich mich, also ehrlich gesagt auch, weil das Problem ist, ich glaube einfach irgendwie am Ende des
22:51Tages ist immer noch so ein Funke da, der sagt, es wird ja irgendwann besser oder es gibt ja auch
22:55geile Zeiten.
22:55Ich meine, ich durfte ja so viel auch erleben in der Zeit und es war ja auch, irgendwie ist ja
23:00auch ein Traum in Erfüllung gegangen, als ich dann das erste Mal auf dem Bravo-Cover war und diese ganzen
23:04Sachen halt, das waren ja auch geile Sachen.
23:07So, das hast du dir als Kind halt immer vorgestellt und jetzt bist du selber da und du bist selber
23:12einer von denen, die du damals gefeiert hast.
23:14Ich glaube, das waren so immer die Dinge, wo ich mir dachte, ja, aber es gibt ja noch so vieles,
23:19was du noch erleben willst und so viel Lebenswertes und ich glaube, ich habe mir einfach irgendwann neue Interessen gesucht.
23:25Genau und das hat mich dann, glaube ich, wieder aus diesen Tiefs rausgeholt. Neue Hobbys, wenn Leute mich fragen, wie
23:30gehst du mit schlimmen Zeiten und so um, dann sage ich immer, such dir ein Hobby oder such dir irgendwas,
23:34was dir Spaß macht und investiere dir alle deine Energie rein, weil wenn du etwas hast, worauf du richtig Bock
23:39hast, dann hilft das einem so krass aus seinen ganzen Depressionen raus, weil du so abgelenkt bist und einfach etwas
23:46hast, was dich wirklich erfüllt.
23:48Ja, freut mich sehr, dass du heute bei uns warst. Danke vielmals für deine Offenheit.
23:56Noch mehr Talks von Deep und Deutlich gibt es hier in der ARD Mediathek.
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