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MenschenTranskript
00:18Glaubt man der katholischen und der evangelischen Kirche, so ist die Bibel, das Alte wie das Neue Testament, Gottes Wort,
00:26da Gott der Urheber dieser Schriften sei. Doch ist das so? Ist die Bibel tatsächlich das wahre Wort Gottes, wie
00:35die Kirchen behaupten?
00:37Dann wären auch die Aufrufe zu Völkermord und Krieg, das massenhafte Schlachten der Tiere und vieles mehr,
00:45denn das alles kann man in der Bibel auch nachlesen, Anweisungen direkt von Gott, dem liebenden Vater aller Menschen.
00:53Dann würde auch, zum Beispiel in den Briefen von Paulus, ausschließlich Gott selbst sprechen, etwa wenn es heißt, die Frau
01:01schweige in der Gemeinde.
01:04Werden wir da nicht so recht misstrauisch? Hier stimmt doch etwas nicht. Das kann doch nicht sein.
01:10Die Aufrufe zu Krieg und Gewalt zum Beispiel stehen eindeutig im Widerspruch zu den zehn Geboten, die Gott den Menschen
01:18durch Mose gegeben hat.
01:19Das fünfte Gebot heißt bekanntlich, du sollst nicht töten.
01:25Alleine aus diesem Widerspruch heraus stellt sich die Frage, ob die Bibel wirklich allein Gottes Wort enthält
01:32oder nicht auch ganz andere Inhalte hat, die nicht von Gott stammen.
01:38Oder ist Gott tatsächlich jemand, der sich ändert oder sich gar widerspricht?
01:42Das kann nun aber auch nicht stimmen, denn in der Bibel steht wörtlich, ich, der Herr, ändere mich nicht.
01:51Wir wollen diesem offensichtlichen Widerspruch einmal auf den Grund gehen und dazu als erstes die Frage stellen,
01:58wie ist die Bibel überhaupt entstanden?
02:00Wer hat die Texte geschrieben?
02:03Und nicht zuletzt möchten wir auch der Frage nachgehen, wer hat welche Texte ausgewählt und entschieden,
02:10was heute in der Bibel steht und was nicht?
02:19Wer die Endfassung der heutigen Bibel zusammengestellt hat, ist bekannt.
02:22Es war im vierten Jahrhundert der heute von der katholischen Kirche als heiliger und Kirchenvater verehrte Schriftgelehrte Hieronymus.
02:32Er bekam vom damaligen Papst Damasus den Auftrag, alle vorhandenen Evangelientexte neu ins Lateinische zu übersetzen,
02:41zu ordnen und zu einer großen Schriftsammlung zusammenzustellen.
02:45Diese Sammlung wurde Vulgata genannt und sie gilt für die katholische Kirche bis heute
02:51als angeblich fehlerfreie und verbindliche Version der Bibel.
02:56Für die evangelische Kirche dienen die hebräischen bzw. griechischen Originaltexte als Glaubensgrundlage
03:03und auch hier stammen die entsprechenden Handschriften aus dem vierten Jahrhundert.
03:08Hieronymus hat diese mehr oder weniger für die lateinische Vulgata verwendet.
03:14Berühmt und geradezu volkstümlich wurde der Vegetarier und Tierfreund Hieronymus wegen eines Löwen,
03:21dem er in der Wüste Chalkis in Syrien einen Dorn aus der Pfote entfernte.
03:26Der Löwe war Hieronymus sehr dankbar für seine Hilfe und ihm fortan Freund und Begleiter, so die Legende.
03:34Bei den lateinischen Texten erkannte Hieronymus schon bald verzweifelt,
03:39dass keine zwei Texte eine längere Übereinstimmung aufwiesen.
03:44Alle Texte wichen mehr oder weniger voneinander ab.
03:48Hieronymus machte Papst Damasus in einem Brief auf die vielen Widersprüche
03:52in den voneinander abweichenden Schriftvorlagen aufmerksam.
03:56Darin schrieb er,
04:22Hieronymus tat sich sichtlich schwer, alle Widersprüche miteinander in Einklang zu bringen,
04:26ohne dabei gleichzeitig auch den Sinn des Textes zu verfälschen.
04:31Er schrieb,
04:33Wird sich auch nur einer finden, der mich nicht, sobald er diesen Band, er meint die Bibel, in die Hand
04:41nimmt,
04:42lauthals einen Fälscher- und Religionsfrevlerschild, weil ich die Kühnheit besaß,
04:47einiges in den alten Büchern zuzufügen, abzuändern oder zu verbessern?
04:53Man muss zugeben, Hieronymus hatte tatsächlich keine einfache Aufgabe.
04:59Am liebsten hätte er, wie er schreibt, komplett auf die griechischen Originaltexte zurückgegriffen
05:05und danach all die Fehler verbessert, die durch, wie er bemerkte, unzuverlässige Übersetzer entstanden seien.
05:13Auch die, Zitat,
05:17Verschlimmbesserungen waghalsiger, aber inkompetenter Textkritiker,
05:21wie sie Hieronymus in seinem Brief an den Papst nennt,
05:25hätte er dadurch leicht ausmerzen und die, Zitat,
05:28Zusätze oder Änderungen unaufmerksamer Abschreiber ungeschehen machen können.
05:35Doch Teile der Texte durch ältere, ursprüngliche Texte zu ersetzen,
05:40getraute sich Hieronymus offensichtlich nicht,
05:43da sich die Römer, wie er auch schrieb,
05:46bereits durch regelmäßige Lesungen an einen bestimmten Text gewöhnt hätten.
05:51Deshalb habe er seine Feder im Zaum gehalten.
05:54Man schätzt, dass Hieronymus die Schriften trotzdem an über 3500 Stellen geändert hat.
06:03Doch eine andere Frage ist noch spannender als die der fehlerhaften lateinischen Übersetzungen,
06:10nämlich, wie viele Handschriften von Texten in der ursprünglich verfassten Sprache
06:16lagen Hieronymus überhaupt noch vor?
06:18Also in Griechisch bzw. beim Matthäus-Evangelium eventuell auch in Hebräisch.
06:25Und mit welchen Inhalten?
06:28Denn auch hier gleicht ja, wie bekannt ist, keine Handschrift der anderen.
06:33Und auch diese ursprünglichen Berichte wurden ja erst Generationen nach Jesus aufgeschrieben
06:39und anschließend mehrfach auch inhaltlich überarbeitet.
06:43In der Theologie spricht man von Redaktoren, heute würde man sagen Redakteure.
06:50Außerdem hatte Jesus ja überhaupt kein Griechisch gesprochen, sondern Aramäisch.
06:56In Anbetracht dieser Tatsachen stellt sich die Frage,
07:00ist es nicht völlig unglaubwürdig, ja geradezu an den Haaren herbeigezogen,
07:05den Gläubigen die ganze heutige Bibel als das wahre Wort Gottes zu präsentieren,
07:11wie es zum Beispiel im katholischen Katechismus zu lesen ist?
07:15Während doch Hieronymus bei der Abfassung der heute als fehlerfrei behaupteten Vulgata selber zugab,
07:22dass, wörtlich, nichts wahr ist, was voneinander abweicht?
07:29Und werden nicht auch die evangelischen Bibelleser grob in die Irre geführt,
07:33da auch bei den griechischen Texten keiner mit dem anderen übereinstimmt
07:37und es vor allem inhaltliche Widersprüche in Fülle gibt?
07:42Etwa, wenn Paulus an einer Stelle lehrt, dass der Glaube angeblich genüge,
07:48während Jesus lehrt, dass es auf das rechte Tun ankommt.
07:53Hören wir dazu einen Auszug aus der dogmatischen Lehrentscheidung
07:58des Ersten Vatikanischen Konzils 1869-70.
08:03Die Kirche hält sie, gemeint sind die Bibeltexte, für heilig und kanonisch,
08:10weil sie, auf Eingebung des Heiligen Geistes geschrieben,
08:14Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche selbst übergeben worden sind.
08:21Einen Moment.
08:22Wer hat die Bibel geschrieben?
08:25War es denn nicht Hieronymus?
08:27Und war es nicht Paulus?
08:29Und waren es nicht die Priester,
08:31welche bekanntlich zu einem großen Teil die Bücher des Alten Testaments verfasst haben?
08:36Sie alle waren doch Menschen und nicht Gott, oder?
08:42Aber auch in ihrem Katechismus erklärt die katholische Kirche verbindlich,
08:58Und auch die evangelische Kirche hat in ihren Bekenntnisschriften bis heute verbindlich festgelegt,
09:04Sowohl das Alte als auch das Neue Testament sind einzig Richter, Regel und Richtschnur.
09:12Danach müssen alle Lehren erkannt und geurteilt werden,
09:16ob sie gut oder böse, recht oder unrecht sind.
09:49Interessant ist,
10:12Das war vor über 1.600 Jahren.
10:17Was sagen nun heutige Autoren zu diesem Thema?
10:20Der bekannte und vielfach ausgezeichnete Schriftsteller
10:24und Historiker Karl-Heinz Deschner schreibt dazu in seinem Buch
10:28Abermals kräht der Hahn
10:30Bis ins 18. Jahrhundert behauptete man,
10:33das Original des Markus-Evangeliums zu besitzen,
10:37und zwar sowohl in Venedig als auch in Prag,
10:41und beide Originale in Latein,
10:43das kein Evangelist je gebraucht hat.
10:46In Wirklichkeit existiert kein Original,
10:49blieb weder ein neutestamentliches
10:52noch überhaupt ein biblisches Buch
10:54in seinem ursprünglichen Wortlaut erhalten.
10:56Doch liegen auch die ersten Abschriften nicht vor.
11:00Es gibt nur Abschriften von Abschriften von Abschriften.
11:04Der heutige Text des Neuen Testaments ist ein Mischtext.
11:08Das heißt, er wurde aus den verschiedensten Überlieferungen zusammengestückelt.
11:14Der Text des Buches der Bücher,
11:16heute in mehr als 1.100 Sprachen und Dialekten verbreitet,
11:20ist also heillos korrumpiert.
11:29Beschäftigen wir uns nun mit der nächsten Frage.
11:32Wie viele Evangelien gibt es eigentlich?
11:36Sie werden antworten,
11:38was für eine Frage, vier natürlich.
11:40Und viele von uns werden sich vielleicht
11:42an den Religionsunterricht erinnern und aufzählen.
11:45Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
11:50Auch wenn sie dies jetzt erstaunt,
11:52doch diese Antwort ist leider falsch.
11:55Denn neben den vier für die Bibel ausgewählten Evangelien
11:59gab es nämlich noch zahlreiche weitere Evangelien,
12:02die bei den ersten Christen vielfach in hohem Ansehen standen.
12:16Auch existieren noch je ein Philippus,
12:19ein Petrus, ein Maria, ein Nikodemus und ein Bartholomeos-Evangelium
12:25und auch einige Kindheitsevangelien.
12:30Es gab auch das sogenannte Brot-Evangelium des Jakobus,
12:34eine Schrift, die ursprünglich in der gesamten Kirche sehr populär war,
12:38aber wie die anderen gerade aufgezählten Schriften
12:41später nicht in den Kanon der biblischen Schriften aufgenommen wurde.
12:46Weiterhin existierten Petrus, Johannes, Thomas und Paulus-Akten
12:51und diverse weitere Bücher, Briefe und Schriften.
12:55Nicht zu vergessen, das Evangelium des vollkommenen Lebens
12:59oder das Friedensevangelium der Essener,
13:02dessen Wurzeln ebenfalls in das Urchristentum zurückreichen.
13:08Doch alle diese Schriften und Texte wurden,
13:11beziehungsweise werden von der Kirche bis heute nicht als echt anerkannt und verworfen.
13:16Ja, sie wurden schon damals zum Teil vernichtet
13:19oder mussten auf Anweisung vernichtet werden.
13:23Und selbst die Urheber und Anhänger der Schriften
13:25wurden von der römischen Kirche, Zitat,
13:29in Ewigkeit unter dem unlösbaren Band des Kirchenbands verurteilt.
13:35Deshalb ist heute nur noch weniges erhalten
13:37und das oft nur noch als Fragment.
13:41Hier stellt sich zu Recht die Frage,
13:43ja, aber wie kann das sein?
13:46So viele komplette angebliche Verwerfungen einerseits
13:51und viermal angeblich Gottes reines Wort andererseits.
13:56Abgesehen davon,
13:57dass es innerhalb der vier anerkannten Evangelien selbst
14:01auch noch viele Unstimmigkeiten gibt,
14:03müsste man fragen,
14:05wer hat das so festgelegt?
14:08In Wirklichkeit sind nämlich alle Bücher Mischungen,
14:11die mehr oder weniger Richtiges oder auch Falsches enthalten.
14:15Die Entscheidung,
14:17was als richtig anerkannt wurde und was nicht,
14:20trafen die damaligen Kirchengelehrten,
14:23indem sie sagten,
14:24das wollen wir, das ist uns recht.
14:26Und das wollen wir nicht,
14:28das ist uns nicht recht.
14:31Hieronymus waren dabei vielfach die Hände gebunden,
14:34da Papst Damasus, wie erhaltene Briefe belegen,
14:38jede von ihm ins Lateinische übersetzte Zeile kontrollierte
14:42und ihn gerne auch auf Stellen hinwies,
14:45die er geändert haben wollte.
14:46das ist uns Grenzen,
14:46wirklichkeit haben da,
14:46wirklichkeit haben wir die Geselehrten.
14:46Vielen Dank.
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