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  • vor 17 Stunden
Seit dem 12.3.2026 ist das Stadtbauspiel Timberborn nach rund 4 Jahren aus dem Early Access raus und liefert in Version 1.0 auch gleich noch ein großes Update mit. Grund genug, das Bieberspiel nochmal zu testen. Schließlich sind ja auch schon seit dem Early-Access-Start viele neue Inhalte und Funktionen dazugekommen, unter anderem auch ein dynamisches Wasser-System.
Transkript
00:03Vielleicht kennt ihr das. Da baut man glücklich vor sich hin, nutzt raffiniert den eigenen
00:08überlegenen Intellekt und bestaunt nach vielen Stunden seiner virtuellen Hände Werk. Und dann
00:15sieht man irgendwo bei YouTube oder Twitch, was andere Leute mit demselben Spiel so machen und
00:21verkrümmelt sich kleinlaut zusammen mit seiner vielleicht doch nicht so überlegenen Geisteskraft.
00:26Denn was manche Leute in Sandbox-lastigen Aufbauspielen oder sowas wie Minecraft
00:31zusammenbauen, ist oft einfach super beeindruckend. Genau dieses Gefühl hat sich bei uns auch wieder
00:37bei Timberborn eingestellt, das jetzt nach über vier Jahren am 12. März den Early Access verlässt
00:43und zum Release nochmal mit einem starken Update aufwartet. Grund genug für uns,
00:48wieder mal in das gemütliche Biber-Spiel des polnischen Entwicklers Mechanistry reinzuschauen
00:53und dabei wieder fleißig Dämme zu bauen, Flüsse umzuleiten und Dürren zu überstehen.
01:01Im ersten Moment wirkt Timberborn wie ein gewöhnliches Kolonie-Aufbauspiel, nur eben
01:06mit Bibern statt Menschen. Ihr startet mit ein paar Pelzlingen und kümmert euch erstmal
01:11um die Grundversorgung mit Nahrung, Wasser und Holz. Währendbei baut ihr doch sehr menschliche
01:17Behausungen, verbindet alles mit Straßen und erfüllt noch mehr der vielfältigen Bedürfnisse der Biber.
01:22Ihr startet mit der Forschung, erzeugt bald schon Strom und wappnet euch für die immer
01:27wiederkehrenden Dürren. Dazu staut ihr Flüsse auf und sorgt für Wasserreserven. Nachdem ihr die
01:33ersten zwei, drei Dürren überstanden habt und auch mal mit einer solchen Faulwasserflut
01:38zurechtgekommen seid, wird aber klar, dass der ganze Survival-Aspekt zwar als Grundpfeiler des
01:43Gameplays dient, es aber eigentlich um etwas anderes geht. Timberborn lässt euch die Spielwelt
01:48nämlich so frei und wirkmächtig beeinflussen, wie wenige andere Spiele in diesem Genre.
01:54Allem voran könnt ihr dank Plattformen, Treppen und Flachdächern fast beliebig in die Höhe oder
01:59Tiefe bauen. Ähnlich wie in Minecraft besteht die Welt dazu aus quadratischen Blöcken, die sich über
02:05insgesamt 20 Ebenen als Berge auftürmen oder als Täler und Minenschächte in die Erde reichen.
02:10Der Baukasten ist so modular, dass ihr nicht einfach nur wie beispielsweise bei Anno Haus an Haus
02:16setzt und schaut, wie ihr den Platz in der Ebene bestmöglich ausnutzt. Stattdessen könnt ihr die
02:20blockartigen und rechtwinkligen Strukturen eben auch in die Höhe denken. So entstehen Stadtkomplexe,
02:26die sich über Dächer und Straßen hinweg ausbreiten, es wachsen ineinander geschachtelte
02:30Industriebezirke und riesige Anlagen empor, um Wasser und Strom dahin zu bringen, wo ihr sie braucht.
02:37Spielt ihr so wie wir ohne großen Masterplan drauf los, entstehen dadurch gewachsene organische
02:42Strukturen, bei denen ihr genau wisst, wann ihr was und warum erweitert habt. Diese langfristige
02:48Wiedererkennbarkeit ist durchaus eine Kunst, bei vielen Aufbauspielen stellt sich mit der Zeit eine
02:53gewisse Austauschbarkeit ein. Um das Wasser nun dahin zu lenken, wo ihr es haben wollt, dürft ihr die
03:00Welt direkt verändern. Ihr baut Dämme und Schleusen, um den physikbasierten Wasserfluss anzupassen oder
03:06sprengt Tunnel und Schächte in die Landschaft, vertieft Stauseen oder werdet ganze Berghänge los. Wo immer das
03:12Wasser auf diese Weise hinkommt, erblüht die ansonsten staubtrockene Umgebung und erlaubt
03:17euch den Anbau von mehr Nahrung und das Pflanzen zusätzlicher Bäume. Doch Vorsicht, eine unbedachte
03:22Sprengung kann eure Siedlung auch eben mal unter Wasser setzen. Zwar können die Biber schwimmen,
03:27die Feldfrüchte verderben jedoch und eure Betriebe stellen die Arbeit ein. Passt ihr aber etwas auf,
03:32bleibt alles beherrschbar. Das Spiel drückt euch nicht plötzlich eine unvorhersehbare Katastrophe rein und
03:38zerstört eure Stadt. Es kann allerdings schon mal zu einem Engpass bei Nahrung oder Wasser kommen,
03:43was dann meist in einer zeitweisen Abwärtsspirale mündet und eure Bevölkerung ordentlich zurücksetzt.
03:49Die erholt sich aber flott und so waren wir eigentlich nie gezwungen, nochmal einen älteren
03:53Spielstand zu laden. In dieser Testpartie haben wir dann zuerst einen schönen großen Stausee in den
03:58Bergen angelegt und mit viel Vorsicht davon abzweigend einen langen Tunnel ins Bergmassiv
04:03gesprengt, um das Hinterland durch das Auffüllen eines großen Erdlochs ergrünen zu lassen.
04:09Hier konnten wir auch eines der mit dem Release-Update erschienenen Features anwenden und eine
04:14erste Automatisierung einbauen. Hier misst ein Gerät den Pegel in unserem neuen See und ist durch
04:21simple Logik mit der Schleuse im Berg verbunden. Sinkt der Wasserstand unter ein Mindestniveau,
04:26geht der Melder an und schickt ein Signal an die Schleuse, damit sich die eine Zeit lang öffnet und
04:31Wasser aus dem Stausee nachfließt. Das gleiche funktioniert beispielsweise auch mit dem Füllstand
04:36eines Bottichs oder dem Lagerbestand eines Holzstapels. So lassen wir hier aus einer kleinen
04:41Einbuchtung, in der sich manchmal Faulwasser ansammelt, das verseuchte Zeug abpumpen und
04:46einlagern. Ein Füllstandzähler misst nun, wie viel wir davon auf Lager haben und gibt einer
04:52Abflusspumpe Bescheid, damit sie das Zeug an einem entfernten Ort ableitet. Dieser Prozess ist praktisch,
04:58weil wir auf diese Weise immer eine gewisse Menge Faulwasser behalten. Und das brauchen wir,
05:03um etwa Sprengstoff und Feuerwerk herzustellen. Für das Feuerwerk nutzen wir wiederum eine simple
05:09Verbindung zu einem Zeitmesser. Schlägt es im Biberland 22 Uhr, aktiviert sich unsere
05:14Feuerwerkskanone auf dem höchsten Dach der Siedlung und spallert 20 Knaller in den Nachthimmel. Die
05:20Siedlung auf diese Weise immer weiter zu automatisieren, fühlt sich ebenso gut an,
05:24wie das Terraforming und das Lenken und Leiten des Wassers. Selten lässt sich in Aufbauspielen
05:30die Welt wirklich so wirkungsvoll verändern und beeinflussen. Ebenfalls ganz befriedigend
05:35ist es, den Strom für die Industrie zu liefern. Über solche Zahnradsysteme verteilt ihr die Energie
05:40aus Wind, Wasser und Biberkraft auf die Betriebe. Auch hier spielt teilweise die Physik eine Rolle,
05:46denn auch die Fließgeschwindigkeit des Wassers wird eigens berechnet, was sich auf die Effizienz
05:51eines Wasserrades auswirkt. Damit nun trotz aller Mechaniken die Eroberung der Ödnis nicht
05:56mit der Zeit etwas langweilig wird, stellt das Spiel mit diversen Weltkarten euer Können auf
06:01die Probe. Mal sind die Karten flach, mal mit steilen Abhängen gesäumt. Mal gibt es beim Start
06:07kaum Wasser und ein andermal ist der Platz besonders knapp. Für zusätzliche Abwechslung sorgt ein
06:13zweites Bibervolk, das auf einen industrielleren Spielstil ausgerichtet ist und zum Beispiel große
06:19Reihenhäuser und eine Art Röhrenbahn baut, die die Fortbewegung durch die Spielwelt massiv
06:24beschleunigt. Die Racker sind allerdings so auf Effizienz fixiert, dass sie nicht einmal Zeit für
06:29den Nachwuchs haben und den lieber in solchen Tanks hier züchten. Was es in Timberborn dagegen
06:34nicht gibt, ist eine Kampagne oder irgendeine Form von Story-Inhalten oder Erzähl-Events. Lediglich
06:40ein Eingangsvideo zeigt euch, dass die Natur die von den Menschen verlassene Welt zurückerobert.
06:45Diese Prämisse erklärt dann auch, warum die Spielwelt zum Teil verseucht ist und wieso ihr
06:49auf den Karten alte Stahlruinen findet, aus denen ihr euer Altmetall gewinnt oder warum auf den
06:55neueren Karten Artefakte und mysteriöse Gegenstände verteilt sind. Ebenfalls fehlt sowas wie ein Koop,
07:02Multiplayer oder andere Spielmodi. Ihr könnt lediglich mit Alt-Shift-Y den Entwicklermodus
07:08anschalten, wenn ihr mal was ausprobieren wollt. Damit lassen sich alle Gebäude ohne Ressourcenkosten sofort
07:14bauen. Und solltet ihr auf sowas Lust haben, könnt ihr euch im eingebauten Karten-Editor eine eigene
07:19Welt erschaffen oder den ebenfalls integrierten Steam Workshop durchstöbern. Da gibt es schon
07:25einiges zu finden. Etwas ausbaufähig wäre neben der Handlung außerdem noch die Inszenierung. Die
07:34Biber sind putzig und die Wasserphysik ist ordentlich. Auch die Technik läuft rund, wir hatten keinerlei
07:40Abstürze oder Probleme mit der Performance. Sonst aber ist die Darstellung eher zweckmäßig und die
07:46Musik wird mit der Zeit eintönig. Immerhin gibt es neben einfachen Dekorationen auch ein paar coole
07:51Spielereien. Zum Beispiel könnt ihr solche Banner aufstellen und darauf Bilder von eurer Festplatte
07:57anzeigen lassen. Und genauso könnt ihr bei Lautsprechern Töne oder Musikdateien hinterlegen,
08:02die dann auf ein Signal hin abgespielt werden. Dass hier viel vom Videomaterial auf der höchsten
08:13Spielgeschwindigkeit abläuft, liegt übrigens daran, dass es in Timberborn einfach nie genügend Holz
08:18gibt. Das verlangsamt Baumaßnahmen doch recht deutlich. Gleichzeitig müsst ihr kaum auf die
08:24Bedürfnisse eurer Biber achten. Solange sie Wasser und irgendwelche Nahrung haben, ist alles gut.
08:29Weitere Nahrungsvielfalt, Servicegebäude und Dekorationen machen die Wasserratten lediglich
08:34effizienter, zufriedene Einwohner schalten aber nicht irgendwas frei oder zahlen mehr Steuern.
08:40Es geht in Timberborn also wirklich weniger um den einzelnen Biber, sondern vielmehr um das große
08:45Tüfteln. Wie sehr Timberborn, das sich übrigens schon über eine Million Mal verkauft hat, auch
08:51langfristig fesseln kann, zeigen die täglichen Spielerzahlen, die seit dem ersten Abfall kurz nach dem
08:56Early Access Release wieder konstant steigen, was ja doch eher eine Seltenheit bei solchen
09:01Indie-Titeln ist. Bei Timberborn kommt der Erfolg aber nicht von ungefähr. Es mag im ersten Moment
09:07nicht nach so viel aussehen, da versteckt sich aber wirklich eine Menge drin. Zumindest wenn ihr
09:12jemand seid, die oder der auf solche Tüftelaufbausachen steht. Wer einfach nur wie in Rimworld das Leben
09:18individueller Einwohner verfolgen möchte, nach einer spannenden Geschichte sucht oder nur
09:23bildhübsche Städte bauen will, ist hier eher auf dem falschen Damm.
09:37Und, aber das dürfte schon klar geworden sein, für Timberborn müsst ihr Zeit mitbringen. Gigantische
09:44Holz-Punk-Städte bauen sich eben nicht von allein. Und weil sich im Verlauf des Early Access echt viel
09:50getan hat, lohnt sich auch die Rückkehr für alle, die vor vier Jahren schon einige Zeit reingesteckt
09:55haben. Zu den Neuerungen gehören die angesprochenen Automatisierungsmöglichkeiten, die Einführung von
10:01Robotern und spezielle Monumente, auf die ihr hinarbeiten könnt. Außerdem wurden die Wasserphysik,
10:06die Grafik und die Performance verbessert, sowie diverse Quality of Life Features eingeführt.
10:12Die Aufgaben für eure Biber gehen euch also erstmal nicht aus. Die Frage ist nur, ist das insgesamt
10:18eine Spielfantasie, die euch abholt? Oder steht ihr dann doch mehr auf klassischere Koloniesimulationen?
10:24Lasst es uns gerne wissen. Und damit vielen Dank fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.
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