00:00Strategie-Fans haben es schwer in diesem Herbst. Denn immerhin stehen allein Anfang November mit
00:09Anno 117 und Europa Universalis V gleich zwei richtig dicke Brocken an, für die man sich schon
00:15fast Urlaub nehmen muss. Und im Dezember kommt dann auch noch die 1.0-Version von Pioneers of
00:21Pagonia mitsamt Kampagne raus. Als wäre das schon nicht genug, verlässt mit Farthest Frontier am
00:2723. Oktober, nach etwas mehr als drei Jahren, auch noch eines der besten Survival-Aufbauspiele,
00:33den Early Access, und spielt dazu ein großes Update auf. Das konnten wir jetzt im Vorwelt schon
00:39weltexklusiv testen und verraten euch im Video, wie viel besser das Spiel von Crate Entertainment
00:45geworden ist, welche Inhalte seit dem Early Access Release dazugekommen sind und wo das
00:50wunderschöne Mittelalter-Aufbauspiel noch ein paar Probleme hat.
00:57Farthest Frontier ist eine Koloniesimulation, die mit realistischer und detaillierter Grafik
01:04punktet und ein paar ungewöhnliche Gameplay-Mechaniken mitbringt. Vor allem die Systeme rund um die Nahrung
01:10sind ungewöhnlich ausgefeilt. Zum Beispiel gibt es einen richtigen Jahreszeitenwechsel,
01:16auf den ihr euch mit Lagerhaltung vorbereiten müsst. Nahrung kann da nämlich verderben oder von
01:21Ungeziefer zusammengefressen werden. Und während der wärmeren Monate müsst ihr euch mit der Fruchtfolge
01:27auf den Feldern beschäftigen, was es auf diese Weise höchstens mal im Landwirtschaftssimulator
01:32gibt. Neben der Nahrungsbeschaffung dreht sich das Gameplay vor allem um die Produktion von
01:36Konsumgütern, mit deren Hilfe ihr die Bedürfnisse der Einwohner erfüllt und ihre Behausungen in fünf
01:42Stufen aufsteigen lasst, was wiederum neue Gebäudetypen und weitere Warenketten freischaltet.
01:48Allerdings lassen sich die Häuser nur aufwerten, wenn zugleich die Attraktivität in der Umgebung stimmt.
01:53So senken nahe Industriegebäude die Anziehungskraft erheblich, während alle Servicegebäude und viele
01:59der Dekorationsobjekte wie Büsche, Statuen und Parkanlagen sich positiv auswirken.
02:05Anders als beispielsweise in der Anno-Serie steigen die Einwohner aber nicht im sozialen
02:10Rang auf. Der Ausbau der Wohnhäuser führt stattdessen zu mehr Platz und höheren Steuerabgaben.
02:16Die Qualität der Häuser fließt außerdem in die Zufriedenheit der Bewohner ein, was sich zusammen mit
02:21sowas wie Kleidung, Unterhaltung und Glauben schließlich auf Produktivität, Moral, Krankheitswiderstand
02:27und Geburtenrate auswirkt. Weil nun besonders die Arbeitskraft in Vaters Frontier die meiste Zeit
02:33knapp ist, seid ihr also ständig um die richtige Balance aus Baumaterialherstellung, Nahrungsvorrat,
02:39Bedürfniserfüllung und Einnahmen bemüht. Und als ob das alles nicht schon anspruchsvoll genug
02:45wäre, dürft ihr euch auch noch um die Verteidigung eurer Siedlung kümmern. Ansonsten plündern euch von
02:51Zeit zu Zeit aufkreuzende Banditen aus. Wollt ihr mit irgendwelchen Kämpfern nichts zu tun haben,
02:56könnt ihr die Bedrohung vor Partiestart aber auch einfach ausschalten. Das Militärsystem mit Mauern,
03:02Türmen und Truppen wurde im Verlauf des Early Access übrigens mehrfach erweitert und überarbeitet,
03:08ist aber nach wie vor recht oberflächlich. Die Räuber marschieren stumpf in eure Siedlung,
03:13ihr vertreibt sie und das war's. Es geht eigentlich nur darum, euch ein wenig zu fordern und dass ihr
03:19die Ausrüstung und den Unterhalt für die Soldaten zusammenkratzt. Ein richtiges Ziel bietet das Spiel
03:25ansonsten über das reine Überleben hinaus nicht an. Ihr schließt also keine Kampagne ab oder besiegt
03:31alle eure Feinde. Stattdessen könnt ihr die Siedlung immer weiter ausbauen, neue Ressourcen erschließen,
03:36eure Stadt mit Dekorationsobjekten verschönern und jetzt im 1.0 Update ganz neu einen
03:43riesigen Technologiebaum abarbeiten, der euch unter anderem zu ein paar besonders teuren Monumenten
03:48führt, die euch mächtige Vorteile gewähren. Bis ihr da hinkommt, können aber locker über 20 Stunden
03:55vergehen und die meisten davon in höherer Spielgeschwindigkeit. Mit dem Fortschritt
04:00ist nämlich auch viel Warterei verbunden, was besonders für etwas ungeduldigere Spieler eintönig
04:05werden kann. Wettmachen kann Fathers Frontier diese Durchhänger einige Zeit lang mit seiner hübschen
04:11Grafik, die vor allem beim Wetter, den Jahreszeiten und den vielen liebevollen Animationen und bis
04:17ins kleinste Detail ausstaffierten Gebäudemodellen glänzt. Zum Early-Access-Start und darüber hinaus
04:23ging diese Grafikpracht allerdings mit erheblichen Performance-Problemen einher. Im Vergleich zur
04:28früher schafft es das Spiel jetzt aber weitgehend konstant auf 60 FPS. Nur ein paar Ruckler gibt
04:34es noch, gerade wenn mal mehr auf dem Bildschirm los ist. Perfekt ist die Umsetzung also nicht,
04:40die Optimierungen sind aber deutlich spürbar. Und auch die grundlegende Simulation hat sich
04:45positiv entwickelt. Die einzelnen simulierten Einwohner sind jetzt klüger geworden und brechen
04:50viel seltener ihre Arbeiten ab. Das war zu Beginn der Early-Access-Phase hin und wieder noch ein Problem,
04:56weil in Fathers Frontier tatsächlich nur etwas produziert wird, wenn ein Ziedler den Weg zu seiner
05:01Arbeitsstätte findet und seine Schicht schiebt. Das bedeutet, dass die Arbeitswege in diesem Spiel
05:07maßgeblich für die Effizienz eurer Siedlung sind. In der Nähe weit entfernter Betriebe oder Minen
05:12sollte daher immer eine temporäre Unterkunft stehen, wo die Arbeiter übernachten können.
05:18Indem die Einwohner also klüger geworden sind, bleibt auch die Siedlung stabiler, selbst wenn ihr mal
05:24eine Weile was anderes macht oder einfach die Spielwelt bewundert. Generell ist Fathers Frontier zwar
05:29komplex, aber nie gemein. Ihr könnt hier nicht so leicht in Todesspiralen abgleiten, wie das vielleicht
05:35in anderen Survival-Aufbauspielen der Fall ist, zum Beispiel Frostbund 2 oder so. Selbst die Überfälle
05:41sind zwar nervig, bringen euch aber nicht gleich um. Was allerdings nicht heißt, dass ihr sie
05:47ignorieren solltet. Ein paar kaputte Gebäude und eine leere Staatskasse werfen euch dann doch zurück.
05:52Wenn ihr aber nicht gerade mal einen Angriff abwehrt, werdet ihr wahrscheinlich, wie ihr im Video seht,
06:00häufig auf Spielgeschwindigkeit 3 oder sogar auf Stufe 5 verbringen. Über die Jahreswechsel hinweg
06:07passiert oft einfach gar nicht so viel und gleichzeitig sind Geld, Baumaterial und Arbeitszeit
06:12notorisch knapp, sodass ihr oft sogar das Dekorieren auf später verschieben müsst. Denn
06:17selbst Statuen und Parks sind nicht gerade billig. Und so ist das Pacing auch nach dem 1.0 Update
06:23weiterhin die größte Schwäche des Spiels. Ein wenig Gemütlichkeit beim Fortschritt ist nicht
06:29verkehrt und oft sogar besser für eine organische Entwicklung einer Siedlung, doch Fathers Frontier
06:34übertreibt es da schon ein wenig. Denn selbst beim Vorspulen gibt es noch zu viele Durchhänger.
06:40Besonders Holzbretter und Ziegel sind einfach immer knapp und meistens ist gleichzeitig die Arbeitskraft
06:45schon so ausgereizt, dass ihr nicht einfach beliebig viele Produzenten hinstellen könnt.
06:50Immerhin schafft das kommende große Update ein wenig Abhilfe bei der Warterei, indem es den
06:55Fortschritt der Siedlung an die neu integrierte Forschung koppelt, mit der ihr eure Siedlung in
07:00Sachen Wirtschaft, Militär und Kultur verbessern könnt. Allerdings generieren sich auch die
07:05Forschungspunkte quälend langsam. Da viele der insgesamt 142 Technologien tatsächlich sehr
07:12nützlich sind, ist jeder neue Wissenspunkt ein kleines Highlight. Außerdem werdet ihr dazu
07:17motiviert, die Karte zu erkunden. Das war in Fathers Frontier bislang eigentlich nur nötig,
07:22um mal eine neue Stelle für Lehm, Sand oder Erz zu finden. Mittlerweile könnt ihr aber in Ruinen,
07:28verlassenen Lagern und bei Banditen religiöse Relikte und Loot bergen. Dabei bekommt ihr manchmal
07:33ein Wissensbuch, das sofort eine weitere Technologiefreischaltung gewährt. Zum Star des Spiels
07:40mutiert die Weltkarte aber dennoch nicht. Nach wie vor stört vor allem das Höhenprofil. Die
07:46Umgebung mit ihren hübsch anzusehenden Abhängen, Hügeln und Bergen verhindert immer wieder das
07:51Platzieren von Gebäuden. Das Einebenenwerkzeug hilft dabei nur mäßig, da es viel Arbeitszeitfrist
07:57und unnatürliche Kanten im Gelände schafft. Wir empfehlen daher, auf flachen Karten zu spielen,
08:02das spart Nerven und engt euch in der Gestaltung nicht zu sehr ein. Schade ist außerdem, dass auch die
08:08Release-Version weiterhin keine Flüsse, sondern nur Seen unterstützt. Über die dürft ihr jetzt
08:13sogar Brücken schlagen, das sieht allerdings ein wenig albern aus. Einen Trumpf hält Farthest
08:18Frontier dafür schon seit dem Early Access Start mit seinen Straßen in der Hand, die nicht komplett
08:23rechtwinklig verlaufen müssen, sondern Biegungen zulassen. Und das sorgt direkt für organischere
08:29Strukturen als in den allermeisten Aufbauspielen. Geht euch das freiere Bauen von Farthest Frontier
08:35allerdings noch nicht weit genug, empfehlen wir Foundation oder das erst im September erschienene
08:40Town to City, das in Sachen Dekorationsflexibilität seinesgleichen sucht.
08:45Insgesamt erwarten euch also im Vergleich zum Early Access Start wenige weltbewegende Neuerungen,
08:51aber doch sehr viele lohnende Verbesserungen bei der Performance, beim Bedienkomfort und den
08:56Inhalten. Dazu gehören eine Menge neuer Gebäude, Einheiten und Tiere. So zum Beispiel eine neue
09:02Einwohnerstufe, aber auch Hühner, Ziegen und Pferde, Reitereinheiten und zusätzliche
09:08Dekorationsobjekte. Es gibt jetzt eine Papierproduktion, Bibliotheken, Tempel,
09:12Monumente, Achievements und noch einiges mehr. Auch wenn sich das nicht nach Meilensteinen anhört,
09:18ergeben all die Detailanpassungen zusammen ein deutlich runderes Bild als noch vor drei Jahren.
09:24Sollte euch aber das grundlegende Gameplay schon damals nicht gefallen haben, wird sich das auch mit
09:29dem kommenden Release wohl kaum noch ändern. Letztendlich funktioniert Farthest Frontier
09:34dann am besten, wenn ihr einerseits ein wenig gefordert werden wollt, aber andererseits auch
09:39etwas Geduld und Muse mitbringt und gerne dabei zuseht, wie euer Dorf langsam aber sicher schöner
09:45und größer wird. Und wenn ihr euch darin eher nicht so wiederfindet, müsst ihr zumindest nicht lange
09:51auf die nächsten Strategie-Highlights warten. Schreibt uns gerne in die Kommentare, worauf ihr euch
09:56im Herbst am meisten freut. Und damit vielen Dank fürs Zusehen und bis zum nächsten Mal.