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  • vor 1 Tag
Oma macht sich Gedanken über den bevorstehenden Gerichtstermin wegen einer Kundenbeleidigung. Margot hingegen schwebt im siebenten Himmel: Mit der Unterstützung ihres Vaters wird sie demnächst einen eigenen Imbiss-Stand eröffnen. (Text: ORF)

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Transkript
00:02Also, ich seh mal das nie mehr länger mit an, wie die dich ausbeuten.
00:05Ausbeuten? Du hast sie wohl nicht alle.
00:07Na, was denn sonst? Drei Weiber hier, keine ist da, du ackerst hier für die und ich brauchte auf den
00:11Holzplatz.
00:11Ach, und da soll ich wohl nicht ackern, ne?
00:13Das ist ganz was anbrett, wir sind verheiratet.
00:16Margot muss jeden Moment hier sein. Magda ist mit Ottilie und Oma bereitet sich auf ihren Prozess vor.
00:22Ach, Quatsch, Prozesse, wenn ich das schon höre. So, als ich keine Leute beleidigen, kriegt's auch keine Prozesse am Hals.
00:27Ach, so weit wie ein Prozess ist dir ja auch vollkommen fremd, nicht?
00:30Aha.
00:32Also, du hältst da da raus, klar?
00:34Hab nichts gesagt.
00:35Nee, aber dämliche Grinst hast du.
00:37Die Grinst, verbitte ich mir.
00:39Also, bist du nicht in einer Stunde auf dem Platz, Jibsputz, verstehst du?
00:43Jawohl, Massa.
00:44Mal, wie du das mit dem aushälst, wenn du mich damals ja heiratet hättest, denn seh das anders aus.
00:50Ist gut, Willi, hab ich aber nicht.
00:53Was ist denn nun mit Omas Prozess?
00:54Ich bin so hier. Für so was muss man nur seine Zeit verplempern und den Nerven strapazieren.
00:59Oma ist fix und fertig.
01:01Und bloß, weil sie zu dem Heini gesagt hat, sie haben wohl ein Forel.
01:04Für ihn so war ein Prozess, das muss man sich mal vorstellen.
01:07Als ob's keine wichtigen Sachen gibt.
01:09Wenn sich Oma damals vor dem Schiedsmann bei diesem Bündner entschuldigt hätte,
01:13dann sähe die Sache ganz anders aus.
01:14Bei dem Idioten hätte ich mich auch nicht entschuldigt.
01:43Kann ich Ihnen hilflich sein?
01:45Ja, ich hätte gerne das Strafgesetzbuch.
01:49Hardcover oder Paperback?
01:50Nee, das deutsche Strafgesetzbuch.
01:53Deutsch sind sie beide.
01:55Hardcover heißt gebunden, Paperback, Taschenbuch.
01:57Ich hab nicht gewusst, dass man Englisch können muss, um ein deutsches Buch zu kaufen.
02:02Also bitte ein Taschenbuch.
02:04Ach, und dann haben Sie im Fenster noch zwei Bücher.
02:07Das Urteil und der Prozess.
02:10Und in dem Prozess, der hätte ich gerne mal ringekickt.
02:12Der Prozess ist von Kafka.
02:14Das ist mir egal, von wem das ist.
02:16Hauptsache steht was Vernünftiges drin über Prozesse.
02:20Kafka war sozusagen...
02:23Also das ist Literatur.
02:25Ein Roman.
02:27Verstehen Sie?
02:28Das müsste man wissen, wenn man gebildet ist, nicht?
02:30Jetzt denken Sie natürlich, ich bin nicht gebildet.
02:32Haben Sie vollkommen recht, junger Mann.
02:34Glauben Sie, das gefällt mir?
02:36Also wenn ich jetzt zu Ihnen gesagt hätte, haben Sie Literatur von Kafka.
02:42Von Kafka, ja.
02:43Dann wäre ich für Sie eine gebildete ältere Dame.
02:47So bin ich nur eine olle, ungebildete Frau.
02:50Derselbe Mensch.
02:52Komisch, nicht?
02:53Dann übertreiben Sie aber das...
02:55Na ja, schön.
02:56Geben Sie mir jetzt also ein Strafgesetz-Taschenbuch und das Buch über Kafka, ja.
03:31Wir lassen den Ostler allein in Ihre Wohnung.
03:34Tilly, ich bin nicht hergekommen, um mir deine Norgeleien anzuhören.
03:37Nee, bloß ein bisschen Jelton, dass Sie dann den Ostler in den Rachen schmeißen.
03:41Erstens hat Otto selbst genug Geld und zweitens...
03:44Hör doch bitte endlich auf, immer einen Ostler zu sagen.
03:47Ist er doch.
03:48Wenn er freiwillig dahin zurückkehrt, ist für mich ein Ostler.
03:53Haben Sie ihn schon mal gefragt?
03:54Vielleicht ist er sogar Kommunist?
03:56Wir reden nicht über Politik und das interessiert mich auch nicht.
03:59Aha, dann ist er.
04:01Einer, der abends abzischt in den Osten,
04:03wenn es immer spannend wird.
04:04Nur der muss ja Kommunist sein.
04:06Ich weiß zwar nicht, was du damit meinst, mit wenn es spannend wird.
04:10Nee, soll ich es aufmalen?
04:13Und zweitens, wenn Otto die Möglichkeit hat,
04:16wird er auch mal bei mir übernachten.
04:19Der ist nicht koscher.
04:20Wenn er koscher wäre, hätte er Ihnen schon längst einen Heiratsantrag gemacht.
04:25Und dann?
04:26Nee, sagen kann man immer.
04:29Lieber Hannelore, ich werde heute bei dir übernachten
04:34und außerdem möchte ich dich heiraten.
04:37Ja, so muss es sein.
04:39Kurz und bindig.
04:45Dalli, Dalli, Grüger.
04:47Mensch, ich habe keine Zeit.
04:48Wie soll denn das?
04:49Das ist eine tote Hose hier.
04:51Drei Minuten ist hier Arbeitsschluss.
04:53Was meinen Sie, was denn bei mir hier anrollt?
04:55Nehmen Sie her.
04:57Wird schon stimmen.
04:58Wenn nicht, reklamiere ich.
04:59Ah ja, verstehe.
05:00Mehr Stoßgeschäft hier, was?
05:02Ja, morgens, mittags und abends.
05:04Da könnte ich ein Drilling mit zwölf Händen sein.
05:05Stellen Sie doch jemanden an, Zerwonke.
05:07Nee, nee, das lohnt sich nicht.
05:09Ich verkaufe doch.
05:10Lohnt also im Ganzen doch nicht so, oder?
05:12Was, das lohnt nicht?
05:13Das ist eine Joltgrube.
05:15Nee, nee, ich will mal verbessern.
05:16Ich mache ein schönes Werk in Steghaus auf.
05:18Haben Sie schon Nachbeuer für hier?
05:20Naja, so gut wie.
05:22Wieso, haben Sie Interesse?
05:25Was wollen Sie denn haben?
05:26Ja, also 20.000 als Ablöse für den Standplatz hier nicht
05:29und 5 für die Bude.
05:31War ja schön schon.
05:33Das ist geschenkt.
05:34Wenn ich das Geld nicht brauchen würde,
05:35dann wäre das Doppelte.
05:36Na, na, na, na, na.
05:38Ich roll gleich mal ein Tippie aus,
05:39damit wir was haben,
05:40ob wir draufbleiben können.
05:41Na, guck mal, wenn Sie Interesse haben,
05:43dann können Sie sich das ja noch mal überlegen.
05:45So will ich kümse nicht oft zum Jolt-Esel.
05:48Ihnen, der nur dreimal dicklich spuckt.
05:50Besser dreimal gut gespuckt,
05:52als den ganzen Tag bloß gesappert.
05:57Nein, nein, nein.
06:20Und wenn ich das
06:38Oh, entschuldige, kam plötzlich noch eine Kundin, die eine Kaffeemaschine gekauft hat.
06:42Kannst du ja nicht meinen, wen dein Laden vernachlässchen?
06:44Ja, also verheiratet bin ich mit dem Geschäft nicht.
06:47Oh, hast du es dir ja schon gemütlich gemacht?
06:50Ja, ich habe mir ein Bier aus dem Kühlschrank geholt.
06:53Ja, du sollst dich auch wie zu Hause fühlen. Aber jetzt mach mal ein Fläschchen Wein auf, hm?
06:59Hannelore.
07:04Heute...
07:08Hau mal doch lieber ersten Wein.
07:10Ist das was Schlimmes?
07:12Nee, nee, private Sache würde ich im Rad fahren heute.
07:15Na, Gott sei Dank. Da hast du mir einen ganz schönen Schreck eingejagt.
07:22Da seid ihr platt, was?
07:24Einen zweiten Stand. Wie stellst du dir das vor?
07:27Ich habe den seit drei Wochen in meiner Tour. Ich weiß doch, was ich dem liefere.
07:31Das Ding ist ein Jollgrube.
07:32Mensch Otto, wir schaffen den einen Stand kaum.
07:34Und wenn Edgar Uschi weiter breit kloppt, dann sind wir bloß nur zu dritt.
07:38Ihr habt mal nicht zugehört, Kinder. Der Stand steht neben so einer Fabrik. Der hat dreimal am Tag Saison.
07:44Moins kommen die, die nicht gefrühstückt haben, dann kommt die Mittagspause.
07:47Und zum Schluss kommen die, die so faul sind, abends zu kochen oder vergessen haben, einzukaufen.
07:52Dazwischen kann man den Laden quasi dicht machen.
07:54Margot ist doch mobilisiert.
07:56Moins, halb sieben, spritzt du da mal kurz mit der Ente vorbei.
07:59Und am Acht hast du bereits ein Drittel Umsatz. Dazelbe mittags und abends.
08:03Und dazwischen machst du deine Schicht am alten Stand, ja?
08:06Danke. Hast du nicht noch was für nachts?
08:09Jeden Morgen halb sechs Uhr aufstehen. Nee, nicht mit mir.
08:12Ich dachte, du hast immer eine Perspektive für dich gesucht.
08:14Was eigenet, wo du unabhängig bist, wo du dir was aufbauen kannst.
08:18Aber doch nicht in einer Würstchenbude.
08:20Wo denn sonst? Auslandbar?
08:22Otto, das ist ja gut gemeint. Aber wir schaffen das einfach nicht.
08:26Ach, ihr habt ja keine unternehmerische Initiative. Nicht schaffen.
08:30So eine Gelegenheit erhebt sich nie wieder.
08:33Und Ottilie wird ja auch mal größer.
08:35Na du, für Ottilie hätte ich mir ehrlich gesagt was anderes vorgestellt,
08:38als in der Würstchenbude stehen.
08:40Sag du doch auch mal was, Oma.
08:43Was?
08:44Zu dem Stand, zu dem Zweiten. Was hältst du davon?
08:47Nicht.
08:48Wieso?
08:49Magda und Margot, die werden froh sein, wenn sie mit unserem Stand fertig werden.
08:54Wieso Magda und Margot? Du bist doch ohne da.
08:55Oder willst du dich aus dem Verkehr ziehen?
08:57Na ich nicht, aber das Gericht.
08:59Hier bitte. Paragraf 185. Beleidigung.
09:02Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft.
09:07Ach, ihr doch nicht so ein Blödsinn, Mutter.
09:09Ach, Blödsinn nennst du das, wenn deine Mutter ein Jahr in den Knast muss?
09:13Mach doch doch nicht solche Sorgen, Mutter.
09:16Die werden den Büttner auslachen.
09:18Ja. Darum machen sie einen Prozess, damit sie den Büttner auslachen können.
09:21Und glaubst du doch selbst nicht, Mensch.
09:23Außerdem bist du unschuldig.
09:25Unschuldig?
09:26Dann liest das mal hier.
09:28Da kann zwar jemand mit einem passieren, auch wenn er unschuldig ist.
09:32Sag ich mal her.
09:36Franz Kafka, der Prozess.
09:38Hier steht Roman.
09:40Ja, das ist Literatur. Und sogar eine Literatur steht das.
09:43Literatur ist doch was Gesponnenes. Das hat sich einer ausgedacht.
09:47Von du was darfst du doch nicht Bange machen lassen.
09:49Die buchten mich ein.
09:50Weißt du was? Wenn du so eine Angst hast, dann üben wir das mal.
09:54Üben? Was? Knast?
09:56Soll ich vielleicht die Matratze von meinem Bett runternehmen und auf dem Lattenrost schlafen?
10:01Oder was?
10:02Nein, den Prozess.
10:04Wir spielen das mal durch.
10:05Ich mach den Richter.
10:07Ach du meine Jette.
10:08Jawohl.
10:09Da kann Oma gleich mal ihre Verteidigung üben.
10:12Ich finde das nicht schlecht.
10:14Wirst du das machen?
10:15Na klar.
10:16Moinach, da habe ich Zeit.
10:17Uschi holen wir auch her.
10:18Können wir gleich mal absprechen, was er als Zeugen sagt.
10:21Ist sowas nicht verboten?
10:23Wieso denn verboten?
10:24Wenn Polizisten vor Gericht aussahen, üben sie das auch vorher.
10:27Ganz offiziell.
10:29Du wirst sehen.
10:30Du kriegst einen Freispruch.
10:32Davon redet ganz Berlin.
10:34Also, ich finde das gut.
10:36So, und nun nochmal zu dem zweiten Stand.
10:37Mensch, 25.000 Mark.
10:40Du hast doch mal erzählt, Krause würde dir deine Existenz finanzieren.
10:44Komm, lass Papa aus dem Spiel.
10:47Der ist mit seinem Kopf jetzt ganz woanders.
10:55Ich würde dir natürlich nachher übersiedeln.
10:59Ich habe halt mit der Ehe schlechte Erfahrungen gemacht, Otto.
11:03Also nein.
11:05Zieh doch erst mal rüber.
11:07Wir beide wissen doch noch gar nicht, wie wir überhaupt auf Dauer miteinander auskommen.
11:13Drüben alles aufgeben.
11:16Vielleicht vernünscht.
11:18Ach, man muss doch nicht gleich heiraten.
11:21Liebst du mich nicht?
11:23Doch, vielleicht liebe ich dich sogar.
11:28Wenn du doch erst mal hier wohnen würdest.
11:32Wenn du nicht immer wieder da rüber müsst.
11:34Sieh mal, wir beide wissen doch noch gar nicht, ob es mit uns überhaupt klappt.
11:37Klappen, was soll ein Klappen?
11:40Tilly würde sagen, soll ich es aufmalen?
11:43Soll ich das in einer Art Prüfung ablegen, ja oder wie?
11:46Ja, na ja.
11:49Willst du denn gehen?
11:50Ich muss.
11:51Tschüss, Hannelore.
11:55Otto.
11:55Oh.
11:58Oh.
12:03Ah.
12:41Schmeckt toll.
12:43Na ja, eigentlich kann das gar nicht schmecken.
12:46Weißt du, so eine Hammelkeule, die muss ganz frisch aus dem Ofen kommen.
12:49Die schmeckt nicht mehr, wenn man sie so zwei Stunden lang aufgewärmt hat.
12:52Tut mir leid.
12:53Alle bloß wegen Ottos Schnapsidee mit dem blöden Stand.
12:57Hm, weißt du, ich an deiner Stelle. Ich würde das machen.
13:01Was? Ich soll einen eigenen Stand aufmachen?
13:04Du meuterst doch jetzt schon.
13:06Ich möchte dich mal sehen, wenn ich jeden Morgen um halb sechs aus dem Bett krieche.
13:09Na ja, ich könnte auch mal kriechen.
13:12Du willst dich in Würstchenstand stellen? Regelmäßig?
13:16Warum nicht? Wenn mir meine Chefin ein passables Angebot macht.
13:20Weißt du, was mir besonders gut gefällt?
13:23Du bist der erste Mann, der akzeptiert, wie ich bin und was ich mache.
13:28Aber das mit dem Stand war trotzdem nicht jen.
13:33Wieso nicht?
13:35Kohle? 25.000 Mark, wo soll ich denn die hernehmen?
13:42Färber und Hammer?
13:44Frau Wild?
13:46Nee, ich dachte, der ist bei Ihnen.
13:48Er war hier und er hat etwas bei mir vergessen.
13:52Ich dachte, er ist noch bei Ihnen vorbeigekommen.
13:54Nee, dann ist er rüber nach Hause.
13:57Nein, nein, das glaube ich nicht.
13:59Ich glaube, er wollte hier übernachten.
14:03Wenn er doch noch kommt,
14:04sagen Sie ihm bitte, er möchte so nett sein und mich anrufen.
14:07Ja?
14:09Er kann auch sehr spät noch anrufen.
14:11Ja, sagen Sie ihm das bitte.
14:12Hm, richtig, ihm aus.
14:14Danke.
14:15Gute Nacht, Margot.
14:18Die Verhandlung ist eröffnet.
14:24Ja, Herr Büttner.
14:27Nun erzählen Sie dem Gericht doch mal den Herjag der Tat.
14:31Ich spiele den Büttner jetzt mit, Herr Scherster.
14:37Ja, also, Herr Richter,
14:39ich stehe da ganz harmlos
14:41und verzehre eine von Frau Färbers miese Bulletten.
14:45Das stimmt doch ja nicht.
14:47Wenn das nicht stimmt,
14:48dann musst du Einspruch rufen.
14:50Einspruch, euer Ehren.
14:52Warum denn das?
14:54Das haben wir nur zigmal im Fernsehen gesehen.
14:58Nun mach schon Einspruch, euer Ehren.
15:01Einspruch.
15:01Du doch nicht, Ottilie.
15:06Einspruch, euer Ehren.
15:08Das muss kämpfisch klingen.
15:09Einspruch, euer Ehren.
15:16Sattie.
15:19Wo ist denn das sein mit dem Hammer?
15:22Das hat doch was mir ja die ganze Politur.
15:25Also üben wir nur Gericht
15:26oder machen wir Möbelfläge.
15:28Es tut mir halt leid,
15:29dass ich Sie bei der Arbeit störe.
15:31Das machen Sie ja ja nicht.
15:33Sie sehen ja,
15:35Sonntagvormittag ist meistens nicht viel los.
15:37Ich mache mir nur solche Sorgen wegen Otto.
15:39Ich glaube, das brauchen Sie nicht.
15:42Wissen Sie,
15:42der Otto Krause ist ja schön stabil.
15:44Ja, aber das überhaupt nichts von sich hören lässt.
15:47Das ist ein Dickkopf.
15:48Als Icken damals nicht gleich heiraten wollte,
15:50hat er über 20 Jahre nichts von sich hören lassen.
15:5320 Jahre?
15:56Hätten Sie denn Ja gesagt an meiner Stelle?
15:59Tja,
16:00das kann ich Ihnen für Ihren Otto nicht beantworten.
16:03Ich mit meinem Otto
16:04liebe ja nicht gut ohne Trauschein.
16:06Sag ich doch.
16:13Naja, also
16:14atemberaubend ist die Bude ja nicht gerade
16:16und die Gegend
16:18auch nicht so berauschend.
16:19Ah ja, dafür aber jede Menge Industrie.
16:22Ich glaube schon,
16:23dass die Chef mit einem Werktätchen hier läuft.
16:25Und
16:26was die Finanzierung betrifft,
16:28ja,
16:29da macht dir man keine Sorgen.
16:31Was hast du denn?
16:32Ich mache mir um ganz weit andere Sorgen.
16:34Ich finde,
16:35du solltest deine Hannelore
16:36wenigstens mal anrufen.
16:37Meine Hannelore,
16:38meine Hannelore,
16:38das ist nicht mehr meine Hannelore.
16:40Du kannst aber vielleicht auch bockig sein.
16:42So weißt du doch noch nicht mal,
16:43dass du drei Tage hier bist.
16:44Na ja,
16:45überfällst du mit dem Heiratsantrag
16:46und wunderst dich,
16:47dass sie dir nicht gleich um den Hals fällt.
16:49Was meinst du,
16:49wie ich reagieren würde,
16:51wenn Ole plötzlich sagt,
16:52ich will dich heiraten?
16:53Aber wieso?
16:53Könnte ich doch gleich mal versuchen.
16:55Liebe Margot.
16:55Halt die Klappe.
17:00Ich werde mich bei ihr legen halt schon bei ihr melden.
17:05Frau Zeugin,
17:08Sie haben doch gehört,
17:10wie Frau Färber
17:12eindeutig mit der Absicht der Beleidigung
17:14zu mir gesagt hat.
17:16Also, Herr Büttner,
17:17erstens Fräulein Färber
17:18und dann Einspruch euer Ehren.
17:21Herr Büttner,
17:22das war eine Sukk-Sukk-Sukk.
17:24Was war das, Otto?
17:25Eine Suggestiv-Frau.
17:27Ja, genau das war es.
17:32Stattgeben!
17:34Was soll denn das hier eigentlich?
17:37Edgar,
17:38wenn du störst, fliegst du raus.
17:40Leute,
17:41ihr habt doch keine Ahnung,
17:42wie es vor ihr Richter zugeht.
17:43Ihr spielt hier auf Amerika.
17:45Bei uns läuft das heute anders.
17:47Das weißt du, ja?
17:48Und was Gerichte betrifft,
17:49hat Edgar leider Ahnung.
17:53Oma,
17:54nimm da einen guten Anwalt.
17:55Alles andere ist Quatsch.
17:57Was meinst du?
17:59Der Prozess ist morgen früh.
18:01Kannst du mir mal erzählen,
18:02wo wir da so schnell
18:03einen Anwalt herkriegen sollen?
18:05Ach,
18:05das kommt doch ja nicht in Frage.
18:08Ich bin im Recht
18:08und ich mach das alleine.
18:11Das Gericht hat sich mit dem Sachverhalt
18:13intensiv beschäftigt.
18:16Frau Färber.
18:17Fräulein, bitte.
18:18Bitte.
18:19Fräulein Färber.
18:21Ehe wir jetzt in die Beweisaufnahme gehen,
18:23sollten Sie wirklich dem Kläger gegenüber geäußert haben,
18:27Sie haben wohl einen Vogel?
18:29Wie wäre es,
18:30wenn Sie sich bei Herrn Büttner entschuldigen?
18:32Euer Ehren...
18:33Bitte?
18:35Sagen Sie einfach,
18:36Herr Vorsitzender.
18:38Herr Vorsitzender,
18:40dieses,
18:41Sie haben wohl einen Vogel,
18:42war mehr als Frage gemeint.
18:44Und der Herr Büttner hätte doch nur zu sagen,
18:46brauchen Nein.
18:48Na ja, gut.
18:49Also mal angenommen,
18:50der Herr Büttner hat das nicht als Frage verstanden,
18:53was wir aufgrund seiner Privatklage annehmen müssen.
18:57Ich frage deshalb noch mal,
18:59würden Sie sich hier vor Gericht entschuldigen
19:01und wären Sie zu einem Vergleich bereit,
19:05auch aus Kostengründen?
19:07Das betrifft auch Sie, Herr Büttner.
19:11Ja, dann muss der Herr Büttner aber erst zurücknehmen,
19:13der hat unser Stand eine Stinkbude
19:15und die Umwelt verschmutzt.
19:18Was meinen Sie dazu, Herr Büttner?
19:20Ich bin in meiner Ehre verletzt worden.
19:22Ich bitte um ein Urteil.
19:24In Intecum Restiture.
19:26Wie war das?
19:28Das war Latein, Fräulein Färbe.
19:30Ach, das war Latein.
19:32Man spricht Latein,
19:33damit die olle, doofe Frau nicht versteht.
19:35Jawohl, Herr Büttner,
19:36Sie sind bei mir im Vorteil, natürlich.
19:38Sie können mit dem Herrn Richter Latein sprechen.
19:41Genauso habe ich mir das vorgestellt, Herr Büttner.
19:44Frau Fräulein Färbe.
19:46Sie, das muss ich jetzt loswerden.
19:48Ja, da können Sie ruhig mit Ihrem Hammer
19:49da auf den Tisch rumkloppen.
19:51Ich bin ja nicht so ungebildet, wie Sie glauben.
19:54Ich kenne die Paragraphen.
19:55Und ich habe mir so, ja, mit Kafka habe ich mir auseinandergesetzt
19:58und habe mich gequält.
20:00Und das war nicht so leicht.
20:01Das möchte ich Ihnen sagen.
20:02Und was machen Sie mit Ihrer Bildung?
20:04Sie stehlen den Leuten hier eine kostbare Zeit
20:07mit Ihrem leckerlichen Pipifax.
20:10Fräulein Färber.
20:11Und Sie können das noch Lateinisch tun.
20:13Das macht die Sache noch schlimmer.
20:14Sie sollten sich schämen.
20:16Herr Vorsitzender, ist es vielleicht...
20:17Ja, Einspruch, ja, bitte, stattgegeben.
20:20Ich bin fertig.
20:21Fräulein Färber, Sie haben nachher Gelegenheit,
20:24sich zu äußern.
20:25Mehr fällt mir dazu nicht ein.
20:33Entschuldigen Sie, ich kann mich verlofen.
20:35Der Prozess in Sachen Färber, Zimmer 211.
20:38Ja, Sie können.
20:46Ich dachte schon, ich komme zu spät.
20:48Wie kommst du?
20:49Wieso?
20:49Schon alles vorbei.
20:51Der Richter hat sich zur Beratung zurückgezogen.
20:53Käse. Und?
20:54Oma war prima.
20:56Du aber auch.
20:57Seht da, hat den Üben doch was genutzt.
20:59Ja, denkst du.
21:00Der Richter hat überhaupt keinen Hammer.
21:06Das ist ein Formfehler.
21:08Da kannst du nachher ja alles anfechten.
21:17Im Namen des Volkes,
21:19es ergeht in der Privatklage Johannes Büttner
21:22gegen Fräulein Margarete Färber,
21:24folgendes Urteil.
21:26Die Klage wird abgewiesen.
21:30Da das Gericht in der Frage,
21:32sie haben wohl einen Vogel,
21:34keinerlei Beleidigung erkennen konnte.
21:37Zumal der Kläger mit seinen unsachlichen Bemerkungen,
21:40wie er Stinkbude und Umweltverschmutzung,
21:43sie selbst provoziert hat.
21:45Ja, ich hab schon gedacht,
21:47so bruchten mich ein.
21:49Dann wird's Ihren Grill also weiter mit drei Damen geben?
21:52Ja, den und vielleicht noch einen.
21:54Wir wollen Sie nicht vergrößern.
21:56Ich würd dann gern noch ein Foto von Ihnen machen.
21:59Sie mit nach vorne kommen?
22:00Gerne.
22:01Hier vorne?
22:01Ja.
22:02Vielleicht ziehen die Mitte ein bisschen weiter nach rechts.
22:05Nein, nur die drei Damen bitte, ja?
22:06Ja.
22:08Kommen Sie doch hier mit rüber.
22:09Ich glaube, hier ist schön.
22:10So?
22:17Können Sie noch etwas zusammenrücken?
22:20Glauben Sie denn,
22:21dass Ihre Zeitung so was abdruckt?
22:23Ich bin freie Mitarbeiterin.
22:24Ich muss alles versuchen.
22:26Na, dann versuchen Sie mal.
22:27Versuchen Sie mal.
22:29Sehr schön.
22:30Noch eine, ja?
22:31Ja.
22:32Danke.
22:36Tag, Anneloge.
22:38Hallo, bitte.
22:39Wir, ähm,
22:41wir feiern gerade ein bisschen.
22:43Schön, dass du da bist.
22:45Ja?
22:46Ja.
22:50Danke allerseits.
22:52Bitte.
22:52Okay.
22:54So, jetzt ist aber genug.
22:56Was?
22:56Ab in die Falle.
22:59Einspruch.
23:00Oh, na hör mal.
23:02Ich hab's gesehen.
23:04Mein Richtig.
23:07Tschüss.

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