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Die Gefahr lauert überall:. Das unsichtbare Gift heißt Blei – und es zerstört seit Jahrzehnten Leben in Sambia.

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Transkript
00:07Die unsichtbare Gefahr lauert im Boden, im Wasser, in der Luft.
00:15Blei. In diesem Ort in Sambia leiden Menschen seit Jahrzehnten an den gleichen Symptomen.
00:21Gedächtnisprobleme, Müdigkeit, Kopf- und Bauchschmerzen.
00:24Kinder trifft es besonders hart. Das Blei schadet ihrer neurologischen Entwicklung und kann zu lebenslangen geistigen Defiziten führen.
00:34Der Grund soll diese Mine sein. Laut den Vereinten Nationen ist dies einer der bleiverseuchtesten Orte der Welt.
00:42Rund 200.000 Menschen sind betroffen. Fast alle Kinder haben zu viel Blei im Blut.
00:50Ich kann es nicht erklären. Wenn ich weiterrede, kommen mir die Tränen. Wir wurden gefährlichen Situationen ausgesetzt.
00:58Sie leben bis heute mit irreversiblen Schäden, viele ohne Behandlung.
01:04Wer trägt die Verantwortung?
01:25Jane Nalengo merkte zum ersten Mal, dass etwas nicht stimmte, als sie ihre Tochter losschickte, um Salz zu holen.
01:31Elizabeth kam stattdessen mit Speiseöl zurück. Bald begann sich das auch auf ihre Vorschule auszuwirken.
01:41Sie vergaß, was sie gelernt hatte. Die Lehrer sagten, sie verstehe die Lektion nicht.
01:46Also dachte ich, es ist besser, kein Geld zu verschwenden und sie aus der Schule zu nehmen und später wieder
01:51einzuschreiben.
01:54Der Arzt stellte Blutarmut bei der Sechsjährigen fest. Zu wenige rote Blutkörperchen. Und fand den Grund. Bleivergiftung.
02:03Ihr Blut enthielt 58 Mikrogramm Blei pro Deziliter, sagt Jane. Blei ist giftig.
02:09Schon Werte über 5 Mikrogramm erfordern laut WHO Maßnahmen zur Senkung der Belastung.
02:15Ich fühlte mich so schlecht. Als ihr Vater nach der Diagnose fragte, brach ich sofort den Tränen aus und sagte
02:22ihm, dass sie wegen Blei an Blutarmut leidet.
02:28Elisabeth fühlt sich oft zu schwach zum Spielen, hat anhaltenden Husten und kürzlich einen Hautausschlag entwickelt.
02:36Sie müsste täglich eine Tablette gegen die Bleivergiftung einnehmen, doch die ist nicht immer verfügbar.
02:41Weitere Medikamente sind teuer und haben teils starke Nebenwirkungen.
02:46Um sie bezahlen zu können, verkauft Jane selbstgemachte Donuts.
02:51Wir werden später auf Jane und Elisabeth zurückkommen.
02:59Diese Mine ist der Grund, warum 95% der Kinder in der Umgebung erhöhte Bleiwerte im Blut haben.
03:06Laut den Vereinten Nationen sind es die höchsten weltweit.
03:11Die britische Rhodesia Broken Hill Company eröffnete die Mine 1904 in der Kolonialzeit.
03:17Später wurde sie verstaatlicht.
03:19Nach der Schließung 1994 blieb Bleistaub auf offenen Abfallhalden zurück.
03:27Das Blei belastet laut Human Rights Watch bis heute rund 200.000 Menschen in Caboet.
03:35Seit 2020 gibt es eine Sammelklage gegen den Bergbaukonzern Anglo American.
03:41Die Kläger fordern Entschädigungen für Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter,
03:46die besonders unter den gesundheitlichen Folgen leiden, sowie die Sanierung der verseuchten Umgebung.
03:52Laut Anklage soll Anglo American zwischen 1995 und 1974 eine Schlüsselrolle bei den technischen, medizinischen und sicherheitsrelevanten Abläufen der Mine
04:04gespielt haben.
04:06Der DW schreibt Anglo American, man habe nur bestimmte technische Dienstleistungen erbracht, aber zu keinem Zeitpunkt die Mine besessen oder
04:14betrieben.
04:15Das sambische Ministerium für Minen schreibt, die Regierung hat Maßnahmen zur Umweltsanierung im Rahmen des Projekts
04:22Sambia Mining and Environmental Remediation and Improvement Project begonnen.
04:27Doch laut Human Rights Watch sei wenig seit dem Geschehen.
04:32Die Regierung ist nicht Teil der Klage.
04:39Matthias Tschatterbankener sagt, er habe über 30 Jahre in der Caboet-Mine gearbeitet.
04:44Er war Laboranalyst. Seine Aufgabe war es, Proben von Blei sowie Zink und anderen Mineralien auf ihre Qualität zu testen.
04:58Die Dämpfe, die aus dem Ofen kamen, hatten verheerende Auswirkungen auf unsere Körper.
05:06Er sagt, er litt oft unter schwerer Verstopfung, Magenschmerzen, Kraftlosigkeit und Gedächtnisverlust.
05:13Einige seiner Kollegen, junge Männer damals, seien sogar an Bleivergiftung gestorben, sagt er.
05:20Wir können das nicht unabhängig verifizieren.
05:23Er zeigt mir seine Zugangskarten von vor und nach der Verstaatlichung.
05:29Aus Rhodesia Broken Hill wurde Sambia Broken Hill.
05:36Doch die Arbeitsbedingungen in der Mine hätten sich nicht geändert, sagt Matthias.
05:42Ich fühlte mich betrogen. Von den Anglo-American Leuten und von meiner Regierung.
05:47Sie haben uns über nichts informiert.
05:49Beide wollten nur, dass wir Blei und Zink produzieren und auf dem Weltmarkt verkaufen.
05:55Es ging nur ums Geld.
06:01Er will uns zeigen, wo er gearbeitet hat.
06:04Jetzt geradeaus.
06:06Vorbei an den Minenabfällen.
06:09Da sind die Verwaltungsgebäude.
06:11Das war mein Labor.
06:14Vielleicht kommen wir durch?
06:16Nein, es ist geschlossen.
06:20All diese Präsidenten und ihre Minister sind ignorant.
06:24Die meisten haben nie in Minen gearbeitet.
06:27Bleivergiftung, das ist für die nur eine Geschichte.
06:31Sie haben Angst, da reingezogen zu werden.
06:33Wenn die Welt davon erfährt, wird sie die Beamten fragen, warum habt ihr eure Leute nicht geschützt?
06:41Die Gefahren waren früh bekannt.
06:43Schon in den 1940er Jahren stellte eine Untersuchung der kolonialen Behörden fest,
06:48dass es in der Karpoemine ein hohes Risiko für Bleivergiftungen gab.
06:54Doch Matthias sagt, er und seine Kollegen verstanden das Ausmaß erst Jahre später.
07:01Ich kann es nicht erklären.
07:05Wenn ich weiterrede, kommen mir die Tränen.
07:08Sie brachten uns regelmäßig ins Krankenhaus, um Blut abzunehmen und zu testen,
07:13ob wir zu viel Blei im Körper hatten.
07:19Wenn man in einem gefährlichen Zustand war, durfte man nicht weiter in der Abteilung arbeiten.
07:25Dann wurde man versetzt.
07:30Nach zwei bis drei Monaten wurden sie wieder zurückgeschickt, sagt er.
07:35Eine medizinische Studie von 2022 zeigt, dass der durchschnittliche Blutbleiwert in den Gebieten nahe der Mine bei bis zu 60
07:43Mikrogramm pro Deziliter liegt.
07:46Die Entwicklung seines mittlerweile erwachsenen Sohnes sei dauerhaft geschädigt worden, sagt Matthias.
07:53Damals gab es keine Hilfe.
07:59Sie ließen uns ohne medizinische Hilfe zurück.
08:02Als Anglo-American ging, haben sie nichts hinterlassen.
08:09Der 83-Jährige gehört nicht zu den Klägern gegen Anglo-American.
08:13Die Klage konzentriert sich auf die besonders gefährdeten Gruppen, Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter.
08:20Wie kann es sein, dass wir, die wir im Werk gearbeitet und den Rauch eingeatmet haben, von Entschädigungen ausgeschlossen werden?
08:37Auch heute wird hier noch geschürft.
08:41Simon Shimanga arbeitet seit 1988 als Kleinbergbauer.
08:46Von Anfang an hatte er Symptome.
08:52Gedächtnisverlust, Magenschmerzen, man ist und geht vielleicht einen Monat lang nicht auf die Toilette, bis man in die Klinik muss.
09:00Er bekam eine Zeit lang Medikamente, dann nicht mehr.
09:03Die Symptome kehren immer wieder zurück.
09:09Letztes Jahr ließ ich mich auf Blei testen.
09:11Sie fanden 88 Prozent erhöhte Bleiwerte in meinem Körper.
09:18Er schürft nach Blei und Zink und verkauft es an Chinesen, sagt er.
09:23In einer Woche verdient er bis zu 300 Quacha, 13 Euro, kaum genug für seine fünf Kinder.
09:29Und es ist gefährlich.
09:33Manchmal stößt die Mine ein, man stirbt oder verletzt sich. Wir riskieren hier unser Leben.
09:42Er würde lieber einen sicheren Job haben, zum Beispiel als Landwirt, sagt er.
09:47Doch fehlt ihm das Geld und er findet keine besseren Jobs.
09:55Mehr als drei Jahrzehnte nach Schließung der Mine ist das Blei noch in der Luft, im Boden und im Wasser.
10:02Niemand ist sicher.
10:04Jane versucht ständig, das Haus möglichst staubfrei zu halten.
10:09Die Küche putzt sie jeden Tag.
10:13Ich verteile das Wasser, weil ich Angst habe, der Bleistaub könnte das Essen der Kinder kontaminieren.
10:23Das Gemüse und das Obst, das wir im Garten anbauen, ist auch mit Blei belastet.
10:28Alle, die hier etwas anbauen, können es nicht unbesorgt essen.
10:39Die gleiche Sorge, wenn wir Wasser aus dem Brunnen holen. Wie viel Blei hat es?
10:49Dieses Wasser wird nur zum Waschen und Gießen der Pflanzen genutzt.
10:53Zum Trinken wurde Jane geraten, Chlor zu verwenden, obwohl das vermutlich nicht vor Blei schützt.
11:01Jane hat viele Routinen zum Schutz ihrer Familie entwickelt.
11:05Und trotzdem geht es ihrer Tochter täglich schlechter, sagt sie.
11:11Ich wünsche mir, dass die Regierung uns finanziell dabei unterstützt, aus dieser Bleiregion wegzuziehen,
11:16damit meine Kinder endlich sicher leben können.
11:26Sie sorgt sich auch um ihre beiden Enkel. Beide wurden schon im Mutterleib mit Blei kontaminiert.
11:33Jane befürchtet, dass auch bei ihnen das ganze Leben beeinträchtigt werden könnte.
11:43Heute ist ein guter Tag. Elisabeth fühlt sich stark genug, mit ihren Freunden zu spielen.
11:49Und obwohl Jane weiß, dass das Wasser, das Elisabeth gibt, ihr vermutlich schadet, sie hat nichts anderes.
12:00Manchmal wacht sie geschwächt auf. Und ich fühle mich schlecht, wenn ich daran denke,
12:04dass die Weißen mit dieser Mine das ganze Bleiproblem nach Sambia gebracht haben.
12:08Es tut mir im Herzen weh.
12:15Sie hofft, dass die Klage gegen die Minengesellschaft erfolgreich sein wird
12:19und ihr ermöglichen könnte, endlich wegzuziehen.
12:22Weg von dem Zuhause, das sie krank macht.
12:25Ein Krieger
12:26Ein Traum
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