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Einschlafen in Berlin, aufwachen in Wien: Nachtzüge sind beliebt, aber teuer. Der Unternehmer Anton Dubrau will das ändern – mit Mini-Kabinen, die Nachtzüge wirtschaftlicher und das Reisen klimafreundlicher machen.

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Transkript
00:01Kurzstreckenflüge überall, überfüllte Flughäfen.
00:03Und dabei gibt es eine bessere Lösung.
00:05Die Nacht.
00:07Während wir schlafen, könnten wir reisen.
00:09Effizient und klimafreundlich.
00:11Nur sind Nachtzüge teuer und können unbequem sein.
00:14Und immer mehr Verbindungen werden gestrichen.
00:16Aber es gibt Hoffnung.
00:18Man hat schon Platz hier drin.
00:20Wir waren in einer Berliner Werkstatt,
00:21wo gerade an der nächsten Generation Nachtzüge getüftelt wird.
00:25Kann das die Zukunft des Reisens sein?
00:34Protest im Pyjama mit Kuscheltier statt Trillerpfeife.
00:37Diese Menschen wollen schlafen.
00:40Und zwar während sie durch Europa reisen.
00:42An Gleis 13 des Berliner Hauptbahnhofs
00:44soll gleich die Verbindung nach Zürich einfahren.
00:48Da ist sie auch schon.
00:50Der Enthusiasmus ist groß.
00:52Nicht nur in Berlin.
00:54In insgesamt zwölf europäischen Bahnhöfen
00:56haben sich an diesem Winterabend Gleichgesinnte versammelt.
00:59In Helsinki, Amsterdam, Lissabon.
01:02Trotz eisigen Temperaturen draußen.
01:05Dafür gibt es ja Mützen und Decken.
01:08Aber warum ausgerechnet Reisen im Nachtzug?
01:12Ich mag die Atmosphäre im Damenabteil.
01:15Da sind Frauen aus allen Generationen
01:16und die haben großartige Geschichten.
01:19Du liegst da und schläfst richtig schön.
01:22Und dann wachst du auf und wie im Traum
01:24bist du an einem völlig anderen Ort.
01:29Anderen geht's um ihren Fußabdruck.
01:32Es ist viel klimafreundlicher als zu fliegen.
01:35Aus Sicht der Demonstrierenden sollen Verbindungen ausgebaut werden.
01:39Zum Beispiel nach Spanien, Griechenland oder in den Balkan.
01:42Doch diese Forderung bleibt aktuell unerfüllt.
01:45Europaweit geht das Nachtzugnetz zurück.
01:48Vor allem bei staatlichen Betreibern.
01:50Die beliebte Strecke von Paris nach Berlin bzw. nach Wien
01:53wurde erst 2023 neu eröffnet,
01:56aber nach nur zwei Jahren Betrieb wieder eingestellt.
01:59Weil die staatlichen Subventionen gekürzt wurden.
02:03Auch die Verbindung zwischen Stockholm und Berlin wackelt.
02:07Private Betreiber haben angekündigt,
02:09die Strecken an einzelnen Tagen zu übernehmen.
02:11Ohne staatlichen Zuschuss.
02:13Wenig Plätze, hohe Kosten, oft rechnet sich das nicht.
02:17Unter den Demonstrierenden ist einer, der das ändern will.
02:20Anton Dubrau, Gründer eines Berliner Startups.
02:23Schon 2023 begann er mit seinem Kollegen Hendrik zu tüfteln.
02:27Und zwar an diesen Mini-Einzelkabinen.
02:31Zuerst wird der Koffer verstaut.
02:33Dann kann Anton einsteigen.
02:36Es ist eine kleine Einzelkabine,
02:38deren Sitz sich in ein Bett verwandelt.
02:40Aber sie soll so geräumig wie möglich sein.
02:43Man hat ein Fenster und einen Tisch.
02:45Und tagsüber kann man den einfach ausklappen und arbeiten.
02:48Die Idee ist, dass man hier drin auch lange Tagesstrecken fahren kann,
02:52weil es genug Platz gibt, um sich zu bewegen.
02:56Wenn die Arbeit getan oder der Film zu Ende ist,
02:59lässt sich die Sitzlehne zum Schlafen herunterklappen.
03:01Durch die Einzelkabinen muss man sich kein Abteil mit mitreisenden teilen,
03:05wie es in Europa oft üblich ist, aber auch in Ländern wie Indien,
03:08wo Nachtzüge schon lange ein wesentlicher Teil des Fernverkehrs sind.
03:13Zugegeben, etwas eng ist es hier trotzdem.
03:16Um die Füße ist nicht viel Platz, aber hier oben ist mehr Freiraum,
03:20sodass man keine Platzangst bekommt.
03:22Und hier ist eine kleine Ecke für die Knie,
03:24die ist praktisch für alle Seitenschläfer.
03:29Das muss ich selbst austesten.
03:40Es ist schon bequem.
03:42Ich bin früher in so einem 6er Liegewagen gefahren
03:44und hier hat man auf jeden Fall mehr Platz.
03:47Aber gut, ich bin auch relativ klein.
03:50Ich kann sogar die Farbe vom Deckenlicht verändern.
03:55Die Tür klemmt noch.
03:58Ich mach jetzt das Licht aus.
04:00Gute Nacht.
04:06Mehr Platz hat man in der größeren Kabine,
04:08die für Geschäftsreisende gedacht ist und etwas teurer sein soll.
04:12Der Weg hierher war lang.
04:14Die Kabinen sind schon in der 7. Version,
04:16wie Anton und Hendrik im Interview sagen.
04:20Zuerst haben wir Modelle aus Pappe gebaut,
04:23nur um ein Gefühl für den Raum zu bekommen.
04:25Dann dachten wir, okay, das funktioniert nicht
04:27und das nicht und das nicht.
04:29Und dann haben wir weitere Versionen gebaut
04:31und jede war etwas besser als zuvor.
04:37Platz sparen war den Erfindern wichtig,
04:39damit die Züge besser ausgelastet sind
04:41und sich für die Betreiber mehr lohnen.
04:43So soll der Zug aussehen, wenn er fertig ist.
04:45Im Vergleich, herkömmliche Nachtzüge
04:47können im Schnitt 340 Fahrgäste pro Strecke transportieren.
04:51Hier sollen knapp 700 reinpassen, inklusive oberem Stockwerk.
04:56Dafür muss man keine neuen Züge bauen,
04:58sondern kann Ausrang-GTICs neu ausstatten.
05:00So könnte die Kapazität fast mit der von normalen Tageszügen mithalten.
05:05Bisher ist das aber alles Simulation.
05:08Je mehr Gäste, desto niedriger der Preis.
05:10Eine Strecke von 1000 Kilometern wie etwa von Paris nach Berlin
05:14soll nach Antons Berechnungen knapp 100 Euro kosten.
05:19Wir möchten Preise wie im Flugzeug,
05:21aber trotzdem noch genug Komfort bieten,
05:24dass Menschen bereit sind, zur Bahn zu wechseln.
05:27Bis das zur Realität wird, gibt es noch viele weitere Hürden.
05:31Bürokratie, Trassenverfügbarkeit, Investment
05:34und der tatsächliche Bau neuer Waggons.
05:36Aber die beiden sind von der Idee überzeugt.
05:40Wir wollen eine echte Alternative zum Flugzeug bieten.
05:43So, dass Menschen stattdessen einfach im Nachtzug
05:46von Stadt zu Stadt reisen können und es dabei bequem haben.
05:50Fliegen kann sehr nützlich sein, aber leider ist es schlecht fürs Klima.
05:54Und im Moment gibt es kaum Alternativen.
05:58Tatsächlich spart eine Zugreise im Vergleich zum Fliegen einiges an Emissionen.
06:02Pro Kilometer stößt ein Passagier im Zug durchschnittlich 22 Gramm CO2-Äquivalent aus.
06:08Im Flugzeug sind es knapp sechs Mal so viel,
06:10so berechnet es die internationale Energiebehörde.
06:14Noch dreckiger sind nur Autos,
06:16vor allem wenn sie groß sind und alleine gefahren werden.
06:18Züge hingegen können energiesparend fahren
06:21und beim Bremsen selbst Strom erzeugen.
06:26Nachtzüge spielen in einer komplett anderen Liga.
06:29Es gibt praktisch kein Verkehrsmittel, was energieeffizienter ist.
06:33Bisher hat das Projekt ein paar hunderttausend Euro gekostet.
06:37Teilweise finanziert von Anton selbst,
06:39Investoren und vor allem durch Gründungsfördergelder.
06:42Bis die Kabinen fertig sind zur Massenanfertigung,
06:45muss noch viel geplant und gewerkelt werden.
06:47Wenn alles glatt geht, könnten sie 2030 am Rollen sein, schätzen die beiden.
06:52Punktlandung.
06:53Bis dahin will die EU-Kommission den Anteil der Passagiere auf der Schiene verdoppeln.
06:57Und bis 2050 sogar verdreifachen.
07:00Am Anfang war das nur eine verrückte Idee auf einem Blatt Papier mit einem 3D-Modell.
07:05Nach all der Zeit, die wir als Team reingesteckt haben,
07:08sind wir an dem Punkt, wo Leute die Kabine sehen und sagen,
07:11okay, ja, ich versteh's.
07:12Also, get it.
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