Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
#BSW

Kategorie

🗞
News
Transkript
00:00Frau Ruffen, Herr Spinnen.
00:22Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen und alle, die zuschauen.
00:28Ich glaube, jeder von uns sieht, wie massiv die Situation am Neumarkt inzwischen eskaliert ist.
00:33Und wir alle wissen, wie lange diese Stadt schon nach Lösungen sucht.
00:38Wir wollen alle den betroffenen Menschen helfen.
00:41Aber niemand möchte ein Suchthilfezentrum vor der eigenen Haustür.
00:46Das ist ein Dilemma.
00:48Und genau deshalb brauchen wir auch Lösungen, die tragen.
00:52Ich möchte an dieser Stelle betonen, wir stehen zur Suchthilfe.
00:57Wir stehen dazu, dass sich die Lage am Neumarkt grundlegend verändern muss.
01:02Aber was uns heute zum Suchthilfezentrum hier vorliegt, das ist kein großer Wurf und auch noch kein schlüssiges Gesamtkonzept.
01:10In den letzten Tagen haben wir viele Absichtserklärungen gehört.
01:13Das Ganze wird etwas aufgehübscht, aber noch keinen richtigen Plan.
01:17Das ist so, als würde man den Bau eines Hauses genehmigen mit einem halben Grundriss, ohne Statik oder ohne klare
01:24Vorstellung, wie die oberen Stockwerke überhaupt genutzt werden sollen.
01:29Und genau so wirkt dieses Konzept auch.
01:32Wenn ich das jetzt mal auf das Beispiel Haus beziehe, dann ist das Murks.
01:37Das ist planerischer Murks.
01:40Ja, ja, das ist alles in Ordnung.
01:41Dieses Projekt muss anders sein.
01:43Wir müssen es richtig machen, auch schon im Vorfeld.
01:46Immer wieder wird Zürich als Vorbild genannt, aber wir übernehmen ja nicht das Modell, sondern immer nur Teile davon.
01:53Das Zentrum kann seine Wirkung doch nur entfalten, wenn begleitete Bausteine ineinander greifen.
01:59Und ein einziger großer zentraler Standort könnte wie ein Magnet wirken und er birgt die Gefahr, dass wir Probleme nicht
02:05lösen, sondern lediglich verlagern.
02:08Und was dabei völlig offen bleibt, es gibt kein belastbares Sicherheits- und Begleitkonzept.
02:13Hört mal die Frage, wo kommen denn die Mitarbeiter der Stadt her, die dafür Ordnung sorgen sollen und wo werden
02:18sie geschult?
02:19Das sind alles offene Fragen.
02:20Wenn wir Entlastung wollen, brauchen wir mehr als einen Ort.
02:24Wir brauchen dezentrale Strukturen und vor allen Dingen auch eine Ausdünnung der Szene im Vorfeld.
02:30Wir brauchen ein schlüssiges Übergangskonzept.
02:32Da wurde noch gar nichts zu gesagt.
02:34Was passiert denn eigentlich in der Zeit am Neumarkt, bis dieses Konzept da auch steht?
02:38Wir brauchen sofort verfügbare Entzugsplätze für Menschen, die hohe Motivation haben zu entziehen.
02:46Etwa drogenabhängige Mütter, die stehen alle auf einer Warteliste.
02:50Da gibt es keinen direkten Zugang.
02:52So etwas fehlt.
02:54Apropos sofort.
02:56Bei Großprojekten in Köln wird ja die Bauzeit schon fast traditionell nicht eingehalten.
03:01Ich habe eben im Gesundheitsausschuss gehört, Zürich brauchte ca. 30 Jahre zur Entwicklung des Konzeptes.
03:07Wollen wir das jetzt mal hochrechnen?
03:10Was passiert konkret in der Bauzeit?
03:14Obdachlosigkeit muss wirksam bekämpft werden.
03:15Das ist wichtig.
03:1630% der Drogenszene am Neumarkt sind obdachlos.
03:19Und zwar, das muss jetzt passieren, im Vorfeld zur Ausdünnung.
03:23In der männerdominierten Drogenszene haben viele Frauen Erfahrung mit der sexualisierter Gewalt gemacht.
03:30Die brauchen Schutzräume und spezielle Angebote.
03:32Aber solche Sachen fehlen, um sie erstmal aus der Szene herauszuholen.
03:36Und den Weg aus der Abkämmigkeit überhaupt möglich zu machen.
03:39Es gibt super Projekte in Barcelona dazu.
03:42Eine weitere Möglichkeit, die Szene auszudünnen, ist Substitution, die ja schon passiert.
03:46Aber der Goldstandard sollte sein, stabilisierte und arbeitsfähige Menschen dezentral auch in Arztpraxen zu substituieren.
03:54Eng begleitet, klar gesteuert, sozial flankiert.
03:59Zudem sollten wir auch ein Modellprojekt zur Krex-Substitution angehen, weil dies auch eine Möglichkeit ist, diese Leute aus dieser
04:05Extremen Abhängigkeit möglicherweise herauszuholen.
04:08Jeder Mensch, der so aus der Szene herausgelöst wird, bedeutet weniger Szene, weniger Druck und echte Hilfe.
04:15Und jetzt mal eine einfache Frage an Sie hier alle.
04:18Stellen Sie sich vor, am Perlengraben wäre eine freie Wohnung.
04:21Sie wissen, auf welchem Fundament dieses Konzept steht.
04:25Würden Sie da jetzt einziehen, so spontan?
04:28Ja, ja.
04:30Also ich nicht?
04:31Gut, dann lassen Sie uns an dieser Stelle mal ehrlich über Geld sprechen.
04:36Die Grundsteuer ist erhöht worden, unter anderem mit dem Argument, große soziale Aufgaben zu finanzieren.
04:42Wer höhere Steuern verantwortet, der haftet politisch dafür, dass daraus Lösungen entstehen und kein Blindflug.
04:48Wir erleben hier gerade eine Politik nach dem Prinzip Glauben und Hoffnung.
04:52Es verfestigt sich der Eindruck, man baut ein Zentrum und hofft, dass der Rest sich irgendwie ergibt.
04:57Und liebe Kolleginnen und Kollegen, hier geht es um unsere Glaubwürdigkeit, auch gegenüber den Bürgern und Bürgern.
05:03Und genau deshalb bitte ich Sie heute um eines.
05:05Vertragen wir diese Entscheidung, nicht um Zeit zu verlieren, sondern um ein tragfähiges Gesamtkonzept zu entwickeln im Vorfeld dieses Beschlusses.
05:15Suchthilfe verdient Professionalität, die Innenstadt verdient Entlastung und die Menschen in dieser Stadt verdienen Lösungen, die wirken.
05:28Vielen herzlichen Dank. Gibt es weitere Wortmeldungen?
05:35Seejude.
Kommentare

Empfohlen