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Geht es nach einer kleinen Elite von Techmilliardären, sollen in Zukunft gigantische Konzerne und eine gottgleiche Super-KI die Menschheit regieren. Klingt nach Science-Fiction, doch es ist ein Plan, der bereits umgesetzt wird. Schritt eins: Die Zerstörung der Demokratie.
Aber wie genau wollen die Techgiganten unsere Welt erobern und was können wir tun, um sie zu stoppen? Darüber sprechen wir mit SZ-Journalist und Autor Jannis Brühl. Für sein neues Buch "Disruption" hat er die Machtpläne von Elon Musk, Sam Altman, Peter Thiel und Co. recherchiert.
Aber wie genau wollen die Techgiganten unsere Welt erobern und was können wir tun, um sie zu stoppen? Darüber sprechen wir mit SZ-Journalist und Autor Jannis Brühl. Für sein neues Buch "Disruption" hat er die Machtpläne von Elon Musk, Sam Altman, Peter Thiel und Co. recherchiert.
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NewsTranskript
00:00Geht es nach einer kleinen Elite von Tech-Milliardären, sollen in Zukunft gigantische Konzerne und eine gottgleiche Super-KI die Menschheit regieren.
00:08Klingt nach Science-Fiction, doch es ist ein Plan, der bereits umgesetzt wird.
00:13Schritt 1, die Zerstörung der Demokratie.
00:16Aber wie genau wollen die Tech-Giganten die Welt erobern und was können wir tun, um sie zu stoppen?
00:23Ich bin Scholt Wilhelm, was ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast der Standard.
00:30Janis Brühl, herzlich willkommen in unserem Podcast.
00:36Ja, hallo. Schön, dass ich da sein kann.
00:38Freut mich auch sehr.
00:39Herr Brühl, Sie sind Journalist bei der Süddeutschen Zeitung und Sie haben gerade ein neues Buch herausgebracht namens Disruption.
00:47Darüber wollen wir heute sprechen.
00:48Sie schreiben nämlich darin, dass eine Elite an superreichen Tech-Oligarchen oder Tech-Entrepreneuren nicht nur die USA, sondern auch die ganze Welt beherrschen will.
01:00Bevor wir über diese starke These sprechen, die mich sehr interessiert, über wen sprechen wir eigentlich?
01:05Wer sind diese Personen?
01:07Ja, das Schöne an der Recherche war ja, dass die Tech-Minardäre und die Tech-Oligarchen sehr unterschiedliche Charaktere sind, sehr unterschiedliche Lebenswege haben,
01:15sodass es eine Art Oligarchenquartett geworden ist.
01:20Es gibt Leute wie Sam Altman, der ist so ein bisschen der Posterboy der KI-Revolution, der Chef von OpenAI.
01:27Elon Musk, wahrscheinlich der bekannteste, jemand, den alle für ein Genie halten, der sich nicht immer wie ein Genie verhält.
01:33Und der versucht hat, die amerikanische Administration von innen auszuhöhlen im Auftrag von Donald Trump.
01:40Dann Leute wie Peter Thiel, die natürlich auch besonders faszinierend sind.
01:45Der beschäftigt sich hauptsächlich mit düsteren, übrigens deutschen Denkern wie Karl Schmidt, wie Oswald Spengler, sieht überall nur Dekadenz.
01:53Sein Gegenstück ist ein bisschen Marc Andreessen.
01:55Das ist der Mann, der den ersten benutzbaren Browser in den 90ern entwickelt hat.
02:00Der eine oder andere kennt vielleicht noch Netscape, Navigator.
02:03Und Marc Andreessen ist so ein, bezeichnet sich als Techno-Optimist, glaubt also, dass alle Probleme unserer Welt mit Technologie, mit KI, mit Raumfahrt gelöst werden können.
02:13Es gibt aber auch so Rivalitäten zwischen den Leuten.
02:15Thiel hält Andreessen offensichtlich für ein ziemliches intellektuelles Leichtgewicht.
02:19Oder Elon Musk und Sam Altman, die ja in eine Fede verstrickt sind über die wahre Mission von OpenAI.
02:26Das ist das Unternehmen, das sie einst zusammen gegründet haben, damals allerdings noch ohne kommerzielle Absicht.
02:31Nun wirft Musk Altman Verrat vor.
02:35Das ist so ein bisschen die Bandbreite.
02:37Dazu kommen noch eher jüngere Firmengründer, die auch sehr interessant sind und teilweise sehr krude Vorstellungen haben.
02:45Zum Beispiel Palmer Lucky, der das Waffenunternehmen Andrel leitet, das auch wiederum von Peter Thiels Firma finanziert worden ist.
02:53Die stellen Drohnen her und KI-Militärsysteme und sind auch in Deutschland aktiv.
02:58Also wirklich eine bunte Mischung an Milliardären.
03:02Was haben denn diese Milliardäre gemeinsam?
03:04Also sie haben in den letzten 20, 30 Jahren alle auf die eine oder andere Weise zusammengearbeitet, Geschäfte miteinander gemacht, waren aber auch immer Konkurrenten, so wie heute Altman mit OpenAI und Musk mit XAI.
03:19Viele von ihnen haben früh gegründet, sind damit sehr reich geworden, investieren jetzt in andere Startups.
03:25Das heißt, sie sind alle miteinander verquickt.
03:27Das Ganze ist aber keine Verschwörung oder so etwas Ähnliches, sondern das ist einfach eine Clique von Leuten, die alle sehr an geschäftlichen Erfolg und an Technologie, an der Weiterentwicklung von Technologie entwickelt waren.
03:40Und die jetzt im Zuge von Trump, im Zuge der Magerbewegung entdeckt haben, dass sie politisch rechts ticken und dass sie mit dieser Regierung erstens Geschäfte machen wollen und zweitens aber auch die Politik der Trump-Regierung mitgestalten wollen.
03:57Über Trump sprechen wir auch gleich. Was ist denn die Philosophie, die diese Menschen verfolgen?
04:02Also es gibt verschiedene Strömungen, die zusammenkommen. Was alle so ein bisschen eint, ist der Cyber-Libertarismus, also die Idee, dass ich mit der digitalen Revolution, mit dem Internet, das Individuum total befreien kann und dass ich staatliche Strukturen eigentlich kaum noch brauche.
04:20Auch so etwas wie öffentliche Güter ist da kaum noch vorgesehen, zumindest in dieser rechten Variante des Cyber-Libertarismus.
04:26Hinzu kommt, dass sie eine Art Obsession mit dem Fortschritt haben, eine Obsession mit der Zukunft.
04:32Sie hassen den Status quo, ja, sie hassen die Tatsache, dass KI, dass es Regeln für künstliche Intelligenz geben soll, dass nicht sämtliche Kryptowährungen einfach dereguliert werden, in Klammern.
04:44Das werden sie nicht, weil damit natürlich auch dem Betrug vieler Leute, die dann um ihr Erspartes gebracht werden könnten, Tür und Tor geöffnet wird.
04:53Und das ist so ein bisschen die Verbindung zur Magerbewegung auch, diese Wut auf den Status quo, dass man diese liberale Demokratie, wie sie die letzten Jahrzehnte ja eigentlich ein Erfolgsmodell war, dass sie sie verachten, weil sie ihnen zu viele Regeln, zu viele Kompromisse und zu viel auf Konsens setzt.
05:12Und damit, so die Annahme von Leuten wie Peter Thiel zum Beispiel, damit ist das Tor zur Zukunft sozusagen verstellt.
05:18Das Tor zur Zukunft. Sehen sich denn diese Herren als Retter oder als Zerstörer des Status quo der Menschheit, der Systeme?
05:29Sie sehen sich als beides, weil sie sehr an das glauben, was eben Disruption genannt wird.
05:36Also ja, das hieß mal bei Josef Schumpeter, hieß das kreative Zerstörung.
05:43Das heißt, es geht darum, dass sich im Kapitalismus immer durch Zerstörung Neues bildet.
05:47Und das ist eine These, die, wenn Sie sich natürlich die Wirtschaft anschauen, die Startup-Wirtschaft auch durchaus zutreffend ist.
05:55Und wenn Sie sich anschauen, wie Microsoft beispielsweise das IBM-Monopol durchbrochen hat und so weiter und so fort, wie soziale Medien das Geschäftsmodell der klassischen Medien disruptiert haben.
06:06Die Tech-Oligarchen übertragen das jetzt allerdings auf die Politik und wollen gezielt eine zerstörerische Politik machen.
06:12Das hat man bei Musk und dem Einsatz von seiner Sparkommission, wenn man sie mal so nennen will, Doge, gesehen.
06:18Das heißt, es muss erst der Staat zerstört werden, um dann so eine Art libertäres, freiheitliches Paradies zu schaffen.
06:27Wenn man über Disruption spricht, dann könnte man ja auch wohlwollend sagen, das ist der natürliche Wettbewerb.
06:33Ein neuer Player kommt auf den Markt, schafft eine neue Technologie an und stellt damit den Markt auf den Kopf, den bestehenden Markt.
06:43Ist das das Ziel, das zum Beispiel ein Peter Thiel verfolgt oder geht der noch einen Schritt weiter?
06:51Ja, es ist sozusagen ein Doppelschritt.
06:52Das Erste ist tatsächlich einmal das alte System abzuschaffen und dann gibt es eben den Versuch oder die Idee und sehr weit entwickelte Ideen, etwas danach zu schaffen.
07:06Ja, da sind Sachen dabei, die spannend sind, die toll sind.
07:09Ja, also Peter Thiel hat auch in Unternehmen investiert, die zum Beispiel versuchen, Demenz zu heilen.
07:14Das sind Dinge, da sehen sich die Tech-Oligarchen sozusagen in einer Verantwortung für die ganze Menschheit in einem positiven Sinn, weil sie sagen, wir stellen hier Kapital für Forschung zum Beispiel zur Verfügung.
07:25Aber es gibt natürlich auch andere Ideen, zum Beispiel Peter Thiels bekanntes Zitat, dass Demokratie und Freiheit nicht miteinander vereinbar sind.
07:34Oder Ideen von Curtis Jarwin, das ist ein Softwareentwickler, der so ein bisschen ein selbsternannter Philosoph auch ist und der wird von all diesen Oligarchen gelesen, rezipiert.
07:45Der hat eine Idee aufgestellt, dass man natürlich einen Staat auch wie ein Start-up führen könnte.
07:51Und das war ja auch die Idee, die direkt das beeinflusst hat, was Elon Musk in der Regierung gemacht hat, nämlich zu sagen, wir machen das jetzt hier wie im Start-up und alle Regeln sind abgeschafft.
07:59Natürlich auf Kosten nicht nur der Beamten und der staatlichen Bediensteten, sondern am Ende auch auf Kosten der Bürger oder wie im Fall der Abschaffung von USAID auf Kosten armer Menschen in afrikanischen und anderen Ländern.
08:13Worauf ich noch hinaus wollte ist, dass Peter Thiel eine interessante Aussage getätigt hat, die so in die Richtung ging, Wettbewerb ist für Verlierer.
08:22Verfolgt er eine Art Monopol, die er haben möchte mit seinen Firmen?
08:26Ja, es gibt eine interessante Spannung in diesem Disruptionsdenken.
08:32Man könnte eigentlich denken, das sind Leute, die dem Verfechter des freien Marktes sind, weil sie sagen, wir gründen die Start-ups, wir greifen die anderen Unternehmen an.
08:41Da ist aber immer schon mitgedacht, dass nach der Disruption das Monopol folgen soll.
08:46Peter Thiel hat sich da viele Gedanken zu gemacht, weil er sagt, sich im Wettbewerb aufzureiben, das ist eine seiner philosophischen Grundüberzeugungen, das ist Schwachsinn.
08:54Da kann man nicht genug Geld verdienen, außerdem zerstören sich alle nur gegenseitig.
08:58Besser ist doch, wenn einer gewinnt, alle Gewinne einstreicht und den Ton angibt.
09:04Und das ist natürlich auch ein Punkt, wo dieses wirtschaftliche Denken total anschlussfähig ist an das, was politisch in Washington geschieht.
09:12Dass jemand wie Donald Trump auch kein Interesse am politischen Wettbewerb hat, sieht man ja an seinen Äußerungen über die Wahlen.
09:19Das sieht man an dem Versuch der Republikaner Wahlbezirke umzugestalten und daran die politische Gegenseite einfach komplett zu diskreditieren, sodass es am Ende gar keinen politischen Wettbewerb mehr geben soll.
09:30Und so verträgt sich dieser Gedanke, dass der Präsident Trump eher imperial agiert und alles alleine entscheidet, ohne Einschränkung und Konkurrenz durch andere,
09:39verträgt sich sehr gut mit diesen Vorstellungen, dass man am Ende ja ohnehin nur ein wirtschaftliches Monopol anstrebt, so wie es Thiel zum Beispiel will.
09:47Ist Trump in diesem Sinne ein Vorreiter für diese Bewegung oder ist er ein Mittel zum Zweck?
09:55Das ist eine sehr gute Frage. Man weiß nicht immer genau, wer wen benutzt.
10:02Trump ist sicherlich kein Technologieexperte, das ist mal sicher.
10:07Aber man kann vielleicht ein bisschen zurückgehen.
10:09Trump war ein Kandidat, der auftauchte um 2015 rum.
10:14Und jemand wie Peter Thiel hat sich einige Gedanken über ihn gemacht.
10:17Und er hat in ihm etwas erkannt, worauf Peter Thiel auch nach eigener Aussage immer bei Gründern achtet.
10:23Und zwar, dass sie extreme Charaktere sind.
10:26Kann man jetzt nicht bestreiten, dass Donald Trump in diese Kategorie fällt.
10:29Und Peter Thiel hat in ihm etwas entdeckt, was er früher bei, überraschenderweise Mark Zuckerberg, auch schon entdeckt hat, als der Facebook gegründet hatte.
10:36Und zwar, da kommt jemand, der ist ein Außenseiter, der hat eine etwas ungewöhnliche Art, um es mal zurückhaltend zu formulieren.
10:45Und er hat radikale neue Ansätze.
10:47Und damals war Thiel ja der Erste im Silicon Valley, der sich getraut hat, Trump offen zu unterstützen.
10:53Und damit letztendlich ein gutes Langfristinvestment getätigt hat, wenn man jetzt mal über seinen politischen Einfluss nachdenkt, den er heute hat.
11:00Und das ist eben ein Punkt gewesen, an dem dieses Risikokapitalgeberdenken, das Thiel pflegt, ja, wir suchen uns die extremen Charaktere und unterstützen, deren Startup-Mission wieder zu einer politischen Karriere geführt hat, die ja ihresgleichen sucht.
11:17Gut, Donald Trump wurde wieder gewählt.
11:19Dieses Investment aus der ersten Kandidatur hat sich ausgezahlt für Peter Thiel.
11:24Mittlerweile sind ja viele Leute, stehen viele Milliardäre hinter Donald Trump.
11:29Auch Elon Musk haben Sie schon erwähnt.
11:33Wie ist dieser Plan, bisher Donald Trumps Regierung zu nutzen, für die eigene Vorstellung der Welt, der Zukunft, bisher aufgegangen?
11:43Ich glaube, sehr gut.
11:44Man kann natürlich sagen, dass sich Elon Musk mit Doge im Speziellen nicht sehr viele Freunde gemacht hat.
11:50Und am Ende ist das Ganze ja auch ein bisschen in die Grütze gegangen, sozusagen.
11:54Und an den großen Egos von Trump und Musk gescheitert.
11:58Allerdings gibt es ja sehr klare Signale aus der amerikanischen Regierung, dass das Denken von Doge, dass der Ansatz von Doge weiterverfolgt wird, und zwar in der Breite.
12:07Und man muss Doge auch ein bisschen als eine Art Warnsignal an alle Regierungsangestellten, an alle Beamten sehen, an alle, die in die Politik wollen, und zwar, dass sie auf Linie bleiben müssen.
12:20Sonst kommt die berühmte maskische Kettensäge, auch wenn Musk schon weg ist.
12:25Und was die anderen Bereiche angeht, würde ich die Bilanz als sehr erfolgreich bezeichnen.
12:30Das Erste ist natürlich, dass es sehr viele Staatsaufträge gab, wie für Palantir zum Beispiel.
12:35Das ist dieses Unternehmen, das der Polizeisoftware macht, in Deutschland auch aktiv ist.
12:39Die haben gigantische Aufträge bekommen.
12:41Das wurde gegründet von Peter Thiel und Alex Karp.
12:45Aber auch SpaceX hat sehr viele Aufträge bekommen für Satellitenstarts.
12:48Im Militärbereich wird sehr viel Geld verdient, was unter anderem daran liegt, dass die Oligarchen ganz klar gesagt haben, sie unterstützen das nationalistische Projekt und sie machen auch Militärarbeit.
12:58Die Zeiten, in denen Google, Meta, OpenAI-Klauseln hatten, die ihnen die Zusammenarbeit mit dem Militär verboten haben, beziehungsweise mit denen sie sich selber verboten haben, diese Zeiten sind vorbei.
13:09Und ganz wichtig ist auch der Regulierungsaspekt, denn innerhalb des Silicon Valley hat sich eine extreme Wut auf Regulierung aus Washington entwickelt, die es früher so nicht gab.
13:21Das bezieht sich einerseits auf soziale Netzwerke.
13:24Hier steht ja immer der Zensurvorwurf im Raum.
13:27Der spielt ja auch in der Auseinandersetzung mit der EU eine große Rolle für die amerikanische Regierung.
13:32Aber auch bei Themen wie Krypto und KI geht es darum, möglichst wenig Regeln aus Washington zu bekommen.
13:37Und bislang hat Trump da geliefert.
13:41Was ist denn deren Vorstellung? Komplette Deregulierung?
13:46Auf jeden Fall. Sie sehen es als die einzige Möglichkeit, die Menschheit weiterzuentwickeln.
13:51Da geht es auch nicht um ein klassisches Fortschrittsverständnis, sondern darum, wirklich sozusagen den nächsten Aggregatszustand der Menschheit zu erreichen.
13:59Das ist in der Praxis nicht immer ganz ausbuchstabiert, wie das funktionieren soll.
14:04Aber klar ist, dass hinter allem Visionen stehen, die eher transhumanistisch sind oder als posthumanistisch bezeichnet werden könnten, dass man also eine neue Menschenform irgendwie entwickelt.
14:14Das ist in der Lektüre angelegt, die die Oligarchen lesen, mit der sie letztendlich aufgewachsen sind.
14:21Eine erste transhumanistische Firma, könnte man sogar sagen, ist das Konglomerat, das Elon Musk leitet, das aus Neuralink besteht und teilweise aber auch aus XAI.
14:32Das eine ist eine Firma, die Hirnimplantate macht. Das andere ist eine Firma, die mit sehr viel Geld von Elon Musk künstliche Intelligenz entwickelt.
14:42Und Musk hat sich schon sehr eindeutig geäußert, dass er tatsächlich die Vorstellung teilt, dass man die menschliche Intelligenz irgendwie mit der künstlichen Intelligenz verschmelzen könnte zu einer Art Superwesen.
14:52Und gleichzeitig äußert er auch immer, dass er panische Angst davor hat.
14:55Also die Fantasien dieser Männer spielen auch eine große Rolle bei ihren unternehmerischen Abenteuern und bei ihren politischen Vorstellungen.
15:06Spannend finde ich, dass man von diesen Tech-Miladären immer wieder hört, dass wir Angst haben müssen vor Super-KIs, die uns ausrotten.
15:13Andererseits stehen sie für eine Beschleunigung.
15:15Sie wollen viel schneller noch in diese Richtung gehen, als wir das vielleicht als Allgemeinheit wollen oder dass auch Regulierungsbehörden und Staaten das wollen.
15:26Steht am Ende dieser Beschleunigung das Ziel, von KIs regiert zu werden oder KIs, die man zumindest selber steuern kann?
15:34Oder wie ist dieses Weltbild, das Sie da haben?
15:37Es gibt diese Vorstellung. Es gibt zumindest die Vorstellung, dass man einen Staat sozusagen zu einer Art Maschine umbauen kann.
15:44Wir haben erste, sagen wir mal, erste Ansätze gesehen, als Doge schalten und walten konnte, wie es wollte.
15:53Da hat Elon Musk angefangen, KI-Prozesse einzuführen in der Regierung.
15:57Aber wir kennen das ja teilweise aus unserer eigenen Arbeit.
15:59Die heutigen KI-Prozesse sind teilweise eher stümperhaft und dann doch noch lange nicht besser als Menschen, die Fachwissen haben, Expertise haben, sich gut mit den Dingen auskennen.
16:08So, dass auch das nicht wirklich funktioniert hat.
16:11Allerdings war es natürlich ein guter Vorwand, um noch mehr Leute loszuwerden in der Verwaltung.
16:15Und am Ende steht schon die Vorstellung, dass ich einen Staat habe, der kaum noch mit Menschen auskommt oder der ohne Menschen auskommt.
16:23Und an dessen Spitze in dieser Vorstellung aber natürlich irgendeine Form von Elite steht.
16:30Denn dieses Elitendenken ist einfach sehr ausgeprägt.
16:33Musk spricht ja immer davon, dass er nur High-IQ-Individuals will.
16:37Und der Durchschnittsmensch spielt in solchen Überlegungen dann eigentlich keine Rolle mehr, vielleicht noch als Konsument, der die Apps runterlädt.
16:44Das ist ein guter Punkt. Welche Rolle spielt denn dann der Durchschnittsmensch in dieser Welt, die Sie sich vorstellen?
16:51Ja, er taucht, wie gesagt, selten auf.
16:55Wenn dann als Konsument oder wenn dann wird er herangezogen als sozusagen als Scheinargument nach dem Motto, die Leute wollen dies, die Leute wollen das.
17:04Man darf die Meinungen der Menschen nicht beschränken.
17:07Deswegen darf Social Media nicht reguliert werden, beispielsweise.
17:09Aber an sich ist es ein ziemliches Elitenspiel und es gibt auch explizite Aussagen, zum Beispiel von Mark Andreessen, der sich selbst und seine Co-Oligarchen, seine Co-Unternehmer als Geginelite bezeichnet,
17:23die nun also als eine Art Avantgarde diese Revolution anführen und mit dem alten System Schluss machen.
17:30Okay, also eine neue Elite soll die bestehende Elite ersetzen.
17:33Das steht ja auch irgendwie im Widerspruch zu einem anderen Teil der Magerbewegung rund um Steve Bannon zum Beispiel, der ein Populist ist, ein Rechtspopulist.
17:43Wie wird denn dieses Spannungsverhältnis in der Magerbewegung zwischen den Tech-Oligarchen und denen, die wirklich eine populistische Bewegung haben wollen, wie wird das überwunden?
17:53Bislang besteht die Spannung weiter.
17:55Ich habe den Eindruck, dass Trump tendenziell eher in Richtung der Oligarchen tendiert, weil er bekanntermaßen ja gerne mit erfolgreichen, reichen Menschen sich umgibt.
18:05Aber es gibt natürlich einen Widerspruch, wenn man die libertären Gedanken umsetzt, dann stehen die im Widerspruch zu den Vorstellungen, die Steve Bannon und übrigens teilweise auch J.D. Vance teilen,
18:15dass man natürlich auch die Arbeiter in den Fokus nimmt und die Arbeiter im Mittleren Westen spielen im Denken von Peter Thiel jetzt überhaupt keine Rolle.
18:23Ja, also da gibt es ein Spannungsverhältnis. Steve Bannon schimpft auch immer auf die Oligarchen, erklärt sie zur absoluten Gefahr zu Techno-Freudalisten.
18:32Also dieses Proletarische aus der Magerbewegung, ja, dieser Art Arbeiteraufstand nach rechts gewendet, der verträgt sich eigentlich gar nicht gut mit diesem elitären Silicon Valley-Denken,
18:43wo man sagt, wir brauchen irgendwann überhaupt keine Arbeit mehr, weil wir haben hier unsere Superintelligenz.
18:48Also Roboter sollen die Arbeiterschaft ersetzen, die vielleicht auch noch Rechte haben möchte und noch mitbestimmen möchte.
18:56J.D. Vance, der Vizepräsident, hat ja eine interessante Rolle, weil einerseits, wenn er sich für diese populistische Bewegung einsetzt,
19:05muss man auch eingestehen, dass er ja genau von jenen Personen installiert wurde, die jetzt diese Tech-Elite vorantreiben wollen.
19:12Also Peter Thiel war ja einer der Sponsoren von J.D. Vance. Welche Rolle nimmt er da ein?
19:19Ja, Peter Thiel hat J.D. Vance quasi zum Senator gemacht damals und Peter Thiel hat es offensichtlich auch geschafft,
19:25Vance bei Donald Trump mit einem Anruf ins Spiel zu bringen.
19:29Jetzt ist Vance Vizepräsident und er ist jemand, der auch selber sich dazu geäußert hat, dass Peter Thiel eine große Inspiration für ihn war.
19:38Aber J.D. Vance versucht eben die beiden Stämme, wie er es nennt, miteinander zu vereinen.
19:45Ja, einmal den populistischen, nationalistischen Magerflügel und die Futuristen, wie er sie nennt.
19:52Ja, also die Techno- oder Technik-Fans aus dem Silicon Valley.
19:56Und das kann ihm natürlich auch noch auf die Füße fallen, weil der Vorwurf, zu elitär zu sein, natürlich, wenn er denn tatsächlich als Nachfolgekandidat für Trump antreten sollte,
20:08muss er sich gegen diesen Vorwurf erwehren und könnte da auch Ärger mit dem nationalistischen Lager kriegen.
20:13Das ist hier keine einfache Aufgabe.
20:17Dann haben wir mehrere Fraktionen, die jetzt irgendwie um die Spitze buhlen.
20:21Wir haben Donald Trump, der von der dritten Amtszeit schon geträumt hat.
20:25Wir haben die Tech-Oligarchen, wir haben die Populisten.
20:31Wer macht hier am ehesten das Rennen oder wer hat aktuell die Nase vorne?
20:35Also der große Vorteil, den die Tech-Oligarchen haben, ist natürlich der, dass sie nicht auf irgendeinem Wahlzettel stehen und dass sie flexibel sind.
20:45Sie sind ja schon einmal übergelaufen, denn, sieht man von Peter Thiel ab, standen ja alle inklusive Elon Musk über Jahre oder Jahrzehnte an der Seite der Demokratischen Partei.
20:54Dieser Wechsel kam ja eigentlich erst in den zwei Jahren vor der letzten Trump-Wahl zustande.
20:59Das heißt, als Unternehmer sind sie sehr anpassungsfähig.
21:04Sie haben ihre Parteispenden auch über die Jahre oft gut auf beide Parteien verteilt.
21:08Das heißt, die sind die, die am ehesten als Gewinner herausgehen können.
21:12Sie versuchen nur jetzt dieses Zeitfenster unter Trump zu nutzen, um langfristig staatliche Strukturen zu schwächen, die sie regulieren können.
21:19Was ich trotzdem nicht ganz verstehe, wie ultimativ dieser Wandel von einer demokratischen Staatsform zu einer von Konzernen regierten Form übergehen soll.
21:32Also wie soll dieser Bruch gelingen?
21:35Also letztendlich können sie natürlich auf einem sehr konzern- und wirtschaftsfreundlichen System in den USA aufsetzen.
21:41Und die Beeinflussung läuft schon jetzt.
21:45Wir sehen zum Beispiel, dass die Monopolverfahren, die es ja auch in den USA gab, zum Beispiel gegen Meta, jetzt nicht weiterverfolgt werden.
21:52Das heißt, die Monopole dürfen weiter bestehen, was auch heißt, sie dürfen weiter wachsen.
21:57Und die Konkurrenz, sollte sie dann versuchen zu entstehen, direkt platt machen.
22:00Also hier können sie sich schon langfristig etablieren und diese Tradition, die es ja auch in den USA gibt, dass man eben schaut, dass die Bürger nicht unter der Wirtschaft leiden und dass man das Spielfeld offen für alle hält,
22:15die könnten sie jetzt durchaus durch ihren direkten Zugang zur Regierung einfach weiter schwächen.
22:21Und wären dann in deren Augen Politiker in Zukunft nur noch Marionetten, die im Prinzip nach den Interessen der Konzerne handeln?
22:30Ich glaube, so einfach ist es nicht.
22:33Es ist auch jetzt nicht so, dass jetzt direkte Befehle von Peter Thiel gegeben werden und die dann ausgeführt werden.
22:39Eben weil, ich sage mal, Trump und Vance sind, glaube ich, jetzt keine schwachen Charaktere.
22:45Es sind eine Vielzahl an Interessen im Spiel.
22:48Wir haben schon diesen nationalistischen Flügel genannt.
22:50Wir haben auch noch Kongressabgeordnete, die großes Interesse daran haben, dass Geld in ihre Bezirke fließt.
22:56Was ja übrigens auch der entscheidende Faktor war für den Bruch zwischen Musk und Trump, weil in der politischen Praxis kann Trump kein blind libertäres Projekt verfolgen,
23:07weil er eben verschiedene Gruppen befriedigen soll.
23:09Und das geht in der Politik am leichtesten, indem man Geld, Subventionen etc. in ihre Richtung leitet.
23:14Das heißt, es gibt noch so viele Faktoren und Fraktionen, die dann eben auch wieder ausgleichend würden.
23:21Hinzu kommt natürlich das erratische Moment, weil niemand genau weiß, was Trump sich so denkt und was er als nächstes entscheidet,
23:27dass es hier schon noch Korrektive gibt und Gegengewichte.
23:32Es gibt aber auch Phänomene wie das, dass Mark Zuckerberg wohl im Weißen Haus war und eine Stunde später Trump auf Truth Social die Nachricht absetzte,
23:43die Europäer sollten sich ja nicht trauen, Digitalsteuern oder andere Digitalgesetze zu erheben,
23:49wo relativ nahe liegt, dass das auf den Besuch Zuckerbergs zurückzuführen war.
23:55Das heißt, es gibt punktuell schon immer eine sehr direkte Umsetzung der Forderung.
23:59Und Donald Trump macht ja auch keinen Hehl daraus, dass er sich bestechen lässt.
24:05Immer wieder gibt es Möglichkeiten, ihm entgegenzukommen oder seine Wünsche mit Geschenken durchzusetzen.
24:11Das haben wir in der Vergangenheit schon gesehen.
24:12Wo, glaube ich, auch der wachsende Einfluss der Tech-Milliardäre sichtbar ist, ist auch der militärische Sektor.
24:20Also Sie haben schon angesprochen, Palantir, diese Analyse-Software, die mittlerweile in zahlreichen Behörden der USA installiert ist
24:28und dort im Prinzip die Bürgergläsermacht, aber auch international eingesetzt wird.
24:33Dann gibt es eben diesen Drohnenkonzern von Peter Thiel, den Sie schon genannt haben, den ich nicht aussprechen kann.
24:41Andruil oder Andrui?
24:42Andruil.
24:43Andruil, genau.
24:44Und Elon Musk, darf man nicht vergessen, hat mit SpaceX den Konzern geschaffen, der den Weltraum dominiert aktuell und auch die Satellitenkommunikation.
24:55Wie schauen denn diese Entwicklungen langfristig aus?
25:00Wird da der Tech-Sektor auch das Militär zunehmend unter seine Fittiche bringen?
25:06Ja, also das ist eine sehr spannende und wahrscheinlich auch folgenreiche Entwicklung.
25:12Jetzt ist der Rüstungssektor einer, der sicherlich ein bisschen Disruption vertragen könnte.
25:18Der ist ja notorisch dafür, dass er aus Oligopolen besteht, in den USA wie in Europa.
25:25Und der war natürlich auch immer anfällig für Filz und für Deals.
25:30Und das wurde klassisch in Riesendeals gemacht.
25:32Jetzt kommen Startups rein, die sagen, wir machen das ganz anders.
25:36Bei uns geht das alles viel schneller.
25:37Statt Riesenpanzerprojekten geht es jetzt um Zehntausende von kleinen Drohnen.
25:42Und das ist eine ganz grundsätzliche Veränderung.
25:46Und sie ist dahingehend folgenreich, dass sozusagen aus einem anderen Sektor, aus dem Tech-Sektor,
25:51wo das Geld hauptsächlich, siehe Meta oder Tesla, mit Konsumentenprodukten verdient wurde,
25:58dass diese Unternehmer jetzt in den Verteidigungsbereich gehen.
26:03Es gibt dazu auch Äußerungen zum Beispiel von Alex Karp, der mit Peter T. Palantir gegründet hat.
26:08Der hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, dass der Tech-Sektor jetzt sozusagen das nationalistische Projekt der USA unterstützen müsse.
26:16Das heißt, das ist schon ein folgenreicher Schwenk.
26:18Und man sieht es auf allen Ebenen.
26:20Palantir ist im Militärbereich aktiv, aber auch bei allen anderen Sicherheitsbehörden.
26:24Eigentlich in Deutschland setzen mehrere Bundesländer die Software ja auch schon ein.
26:28Anderill ist eben eine Drohnenfirma, die aus dem Umfeld von Peter Thiel gestartet wurde
26:33und die auch schon Projekte in Deutschland am Laufen hat.
26:37Zugleich gibt es in Deutschland Drohnenfirmen, die mit Geld von Peter Thiel finanziert werden.
26:42Was natürlich interessant ist, weil einerseits, Stichwort Grönland,
26:46Donald Trump die NATO sozusagen von der einen Seite angreift.
26:50Dadurch muss Deutschland, muss Europa aufrüsten.
26:54Und das Geld verdient am Ende dann wieder Peter Thiel.
26:56Ja, nicht nur das Geld verdient dann Peter Thiel, sondern auch, wenn ich mir das so überlege,
27:01wie Technologie heute funktioniert, alles übers Internet, alles angebunden, alles online.
27:07Ich stelle mir das ein bisschen gruselig vor, wenn in Zukunft unsere Waffentechnologie
27:12technologieabhängig ist von zentralistisch gesteuerten Konzernen im Silicon Valley in den USA.
27:18Machen wir uns da nicht total abhängig?
27:21Ja, es ist auf jeden Fall absurd, dass wir durch Trump, aber auch natürlich durch Russland
27:28eine Souveränitätsdebatte haben, wo wir sagen, Europa muss bestimmte Kapazitäten aufbauen
27:33und zugleich lässt man dann zu und kauft Drohnen bei Unternehmen, in denen das Geld von Leuten
27:40aus diesem Magerumfeld steckt.
27:42Das passt für mich auch nicht zusammen, aber die Diskussion um die digitale Souveränität
27:47ist eben ganz entscheidend, wenn wir überlegen, gut, es gibt die Oligarchen, sie sind reich,
27:52sie sind einflussreich, aber was können wir denn in Europa tun, um ein bisschen diese Macht
27:57einzuschränken und zu korrigieren?
27:59Und dann muss man eben auch gucken, dass man die Softwarealternativen hier entwickelt
28:03oder anderswo einkauft.
28:05Halten Sie es für möglich, dass, wenn wir Drohnen von Peter Thiels Firmen oder von
28:11US-Verteidigungsunternehmen erwerben, dass Sie sich offen halten, dass, falls der politische
28:20Gegenwind kommt, dass diese Waffensysteme abgedreht werden?
28:25Also, ob man sie komplett abdrehen kann, ist immer so eine Frage.
28:29Da geht es immer um den berühmten Kill-Switch.
28:31Ja, aber wir haben zum Beispiel schon von Elon Musk gesehen, dass er bereit wäre, Starlink
28:37über Teilen der Ukraine abzudrehen.
28:39Das ist sein Satellitensystem, von dem unter anderem die ukrainische Armee immer wieder
28:43phasenweise abhängig ist.
28:45Und es gibt andere Fälle, in denen natürlich einfach Software-Updates zurückgehalten werden
28:49können oder die spezialisierten Techniker der Konzerne dann einfach nicht mehr kommen.
28:54Und damit werden die Systeme faktisch unbrauchbar oder zum Beispiel angreifbar für Hacker, weil
28:58sie nicht mehr die Updates bekommen und nicht mehr geschützt werden.
29:02Und Alex Karp von Palantir hat vor kurzem sehr explizit gesagt, dass er sich auch vorstellen
29:07kann, dass die Unterstützung für Palantir-Systeme aus politischen Gründen eingestellt wird.
29:11Sie haben Grönland schon erwähnt.
29:15Wie schauen denn die Tech-Oligarchen auf diese Entwicklungen rund um Grönland?
29:21Also nicht alle haben sich dazu geäußert, aber Grönland dockt an die etwas esoterischeren
29:28Vorstellungen an, die es eben in der Tech-Szene gibt.
29:32Stichwort KI, Stichwort auch Krypto.
29:34Da gibt es einige der sogenannten Krypto-Bros, die sich da zusammenfantasieren.
29:40Sie könnten libertäre eigene Staaten bauen, die quasi komplett auf der Blockchain laufen,
29:44mehr oder weniger.
29:46Da erwirbt man dann Anteile.
29:47Das sind dann eher Aktiengesellschaften als Demokratien, wie wir es kennen.
29:51Und die suchen immer nach neuen, sozusagen vermeintlich unbewohnten Orten oder Orten, die sich
29:58eignen, um diese libertären Paradiese zu verwirklichen.
30:01Und da gibt es einige, die sich zu Grönland auch schon geäußert haben und die natürlich
30:06hoffen, dass wenn Trump dort übernehmen sollte und das in irgendeiner Form an die USA
30:11angeschlossen wird, dass man da so eine Art neue, libertäre Siedlungsbewegung starten
30:16könnte.
30:18Ob das realistisch ist, muss man dann sehen.
30:21Wie viel Geld diese Leute wirklich zur Verfügung haben, ist unklar.
30:24Fakt ist aber, dass, das ist so ein bisschen das Ergebnis der Recherche von mir, egal welchen
30:28Stein man umdreht, man trifft dann immer wieder auf neue Verbindungen zu den
30:31Oligarchen.
30:33Beispielsweise in dem Streit um Grönland spielt natürlich Dänemark eine zentrale
30:37Rolle.
30:37Der Botschafter in Dänemark, der im Herbst ernannt wurde unter Trump, ist Ken Howery.
30:43Ken Howery ist einer der PayPal-Mitgründer, ebenfalls Milliardär.
30:46Da schließt sich dann der Kreis von Silicon Valley bis nach Grönland.
30:51Mir kommt vor, aus PayPal, diesen Zahlungsdienstleister, sind überhaupt ganz viele ultra-einflussreiche
30:57Milliardäre entsprungen.
30:58Ja, das ist die berühmte PayPal-Mafia, in Anführungszeichen.
31:03So wurden sie damals genannt.
31:05Es sind auf jeden Fall sehr ambitionierte Leute, aber der Ursprungskern dieser Riesenvermögen
31:13von Musk, von Thiel, von Howery, der steckt natürlich in PayPal drin.
31:19Sie haben das Geld dann weiter investiert und das ist eben die Stärke dieses Netzwerkes,
31:23gegenseitig ihre Kohle vermehrt.
31:26Wie groß ist denn der Einfluss der Tech-Titanen in Europa und auch in Europas Politik?
31:33Das hängt unter anderem davon ab, wie die EU sich verhält und inwieweit sie sich einschüchtern
31:38lässt.
31:39Wenn wir über die Social-Media-Regulierung reden, da gibt es ja die Gesetze Digital Markets
31:45Act, Digital Services Act.
31:46Unter Trump stellt sich jetzt raus, wie sehr das Silicon Valley diese Gesetze wirklich
31:51hasst, weil darüber Social Media reguliert wird und andere große Plattformen.
31:56Und Trump hat jetzt sehr explizit diese Gesetze mit in die Zollverhandlungen reingenommen und
32:02jetzt wird sich zeigen, ob die Europäer ihre Digitalgesetzgebung ernst nehmen, die sie
32:06selbst erlassen haben oder ob sie sie opfern, weil sie sagen, oh nein, sonst werden die Zölle
32:10noch höher.
32:11Das ist der eine Angriffspunkt.
32:12Der andere sind die genannten Abhängigkeiten, wenn man sich anschaut, dass die Polizei jetzt
32:20ziemlich monokulturell auf Palantir setzt.
32:23Wenn wir uns anschauen, dass Thiel im Drohnensektor überall unterwegs ist oder wenn man sich auch
32:27der Klassiker anschaut, wie viele Behörden mit Microsoft Office arbeiten.
32:31Jetzt ist Microsoft nicht das klassische rechte Oligarchenunternehmen.
32:38Bill Gates hat sich ja jetzt nicht besonders explizit pro Trump geäußert.
32:44Er ist jetzt auch kein Widerstandskämpfer, da muss man sich nichts vormachen.
32:46Aber viele benutzen Microsoft Office und da gibt es eine starke Abhängigkeit und vor allem
32:54gibt es ja eine große Entschlossenheit und auch die entsprechenden Gesetze in den USA,
32:58um tatsächlich auch an die Daten der Europäer zu kommen, selbst wenn eine Firma wie Microsoft
33:02das gar nicht möchte.
33:03Ich kann mir vorstellen, in der Allgemeinheit in Europa sind diese Vorgehen der Tech-Titanen,
33:12der großen Konzerne nicht sehr beliebt.
33:15Niemand würde jetzt wahrscheinlich freiwillig auf deren Seite springen, wenn man sich entscheiden
33:20müsste.
33:20Aber wir erleben doch noch etwas anderes und zwar eine Art Unterwanderung des politischen
33:26Diskurses.
33:27Ich erinnere mich da an Elon Musk, der bei einem AfD-Parteitag oder bei einer Veranstaltung
33:32aufgetreten ist, zumindest virtuell.
33:35Immer wieder hört man von Rechtspopulisten aus den USA und auch von Tech-Leuten, dass es
33:43eine neue Kraft braucht in Deutschland.
33:47Wie stark ist der Einfluss, der politische wirklich?
33:49Ich glaube, er wird immer stärker und er hängt an der genannten Frage, wie mit den
33:56sozialen Medien umgegangen wird.
33:58Also es ist relativ deutlich, und das wurde bei der Rede von J.D.
34:02Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz auch deutlich, dass erstens explizit ein
34:08Regime-Change gewünscht ist in Richtung der AfD.
34:11Die Äußerung zur Brandenbauer war ja eindeutig.
34:13Und dass die sozialen Medien eine zentrale Rolle dabei spielen.
34:16Das, was als Einschränkung der Meinungsfreiheit quasi verunglimpft wird, auch von J.D. Vance, also die
34:24Regulierung der sozialen Netzwerke ist offensichtlich ein Hindernis für die nationalistischen, für die
34:27rechten Bewegungen.
34:28Das heißt, wenn Trump die europäische Gesetzgebung für soziale Medien zu kippen schafft, dann wird
34:36das als strategisch wichtiger Schritt hin zu einem Regime-Change in Europa gesehen.
34:43Was glauben Sie denn, wie weit würde man gehen, um diesen Regime-Change durchzusetzen?
34:49Also wir haben schon die sozialen Medien.
34:51In den USA spricht man schon davon, dass man befürchtet, dass irgendjemand die Wahlen manipulieren wird.
34:56Also ich glaube nicht, dass es sozusagen an der Wahl selbst Manipulationen geben wird.
35:04Aber man kann sich schon vorstellen, dass vor den Landtagswahlen in Deutschland beispielsweise
35:08oder der Bundestagswahl der nächsten es nochmal offensivere Töne gibt, die über die sozialen
35:14Medien verstärkt werden und die den rechten Bewegungen Auftrieb geben sollen.
35:18Das kann auf jeden Fall passieren.
35:19Was den Datenzugriff angeht, ist vieles im Dunkeln, aber wir haben natürlich schon
35:24gesehen, dass Menschen ausgesperrt werden können.
35:27Wir haben das beim Internationalen Gerichtshof gesehen.
35:30Da gab es den Streit um den Haftbefehl gegen Netanyahu.
35:33Dann gab es eine amerikanische Sanktionsliste gegen die einzelnen Richter, die dann nicht
35:37mehr in ihre Google- oder Microsoft-Konten reingekommen sind.
35:40Bei den Kreditkartenfirmen übrigens auch nicht.
35:42Also da geht es auf einer recht individuellen, gezielten Ebene schon sehr direkt darum,
35:48die Tech-Konzerne auch als Waffe einzusetzen.
35:53Gibt es einen Zeitplan, nach dem diese Leute arbeiten?
35:56Was ist denn der Zeitplan für die Umsetzung der Revision?
36:01Ich denke, Sie sehen jetzt schon ein Zeitfenster durch Trump und eventuell auch noch durch
36:05Vance, der ihnen ja persönlich näher ist.
36:07Und Vance war ja auch mithilfe von Peter Thiel selbst als Investor tätig.
36:13Also da gibt es im Denken und in der Erfahrung schon große Ähnlichkeiten.
36:17Wie es mit den Zeitplänen aber so ist, kann man sich nicht unbedingt darauf verlassen.
36:21Sie können ja mal schauen, wie oft Elon Musk schon selbstfahrende Teslas auf allen
36:25Straßen angekündigt hat.
36:26Die gibt es bis heute eigentlich noch nirgendwo.
36:29Also wenn das die einzige Beruhigung ist, dass sich Elon Musk öfters verschätzt hat bei
36:34seinen Zeitplänen, würde ich gerne noch wissen, zum Abschluss, wie kann sich denn Europa
36:39und wie können sich demokratisch funktionierende Systeme und Staaten gegen diese Entwicklung
36:44wehren?
36:47Also zum einen muss man natürlich jetzt das Momentum nutzen und wirklich den Weg zur
36:51digitalen Souveränität endgültig einschlagen, eigene Systeme entwickeln, auch offene Systeme
36:57entwickeln, die nicht von einzelnen Konzernen kontrolliert sind.
37:02Das heißt dann aber auch nicht von europäischen Konzernen.
37:04Ich glaube nicht, dass es so etwas wie Autarkie geben kann.
37:08Ich glaube, es ist weder wünschenswert, noch ist es realistisch nach diesen ganzen Jahrzehnten
37:12der Globalisierung und insbesondere die digitalen Räume können sie ja nicht komplett abschotten.
37:18Was man aber tun kann, ist die Amerikaner auch freundlich darauf hinweisen, dass es auch
37:22gegenseitige Abhängigkeiten gibt.
37:24Zum Beispiel produziert Deutschland sehr viel Hightech im Laserbereich zum Beispiel, die in der
37:30Chipproduktion relevant sind.
37:31Und die Chipproduktion ist ja auch ein ganz zentraler Teil dieses globalen Technologiespiels.
37:36Die amerikanische Firma NVIDIA, die so ein Fastmonopol aufs Chipdesign hat, ist da zum Beispiel
37:43sehr wichtig.
37:45Und da kann man sich auf die eigenen Stärken besinnen.
37:48Vor allem ist das vielleicht sinnvoller, als jetzt davon zu träumen, dass man selber ein
37:52gigantisches kommerzielles soziales Netzwerk in Europa entwickelt.
37:57Oder eine KI, die jetzt genauso funktioniert wie ChatGPT, weil das gibt es ja schon.
38:02Und da kann man sich vielleicht an Peter Thiel halten und lieber was Eigenes entwickeln,
38:05statt sich in diesen halsbrecherischen Wettbewerb zu stürzen.
38:10Wie sehen Sie das Spannungsverhältnis zwischen USA, Europa und China?
38:14Ich kann mir vorstellen, dass in den nächsten zehn Jahren sich Europa irgendwann entscheiden
38:19muss, wem rückt man näher in Zukunft und insofern auch, welcher Weltvorstellung rückt man näher?
38:28Also man muss ja sagen, dass oder ich als großer Fan der USA, der auch viel Zeit dort verbracht
38:34hat, sehe natürlich auch, dass ein großer Teil der Gesellschaft ja die Pläne von Trump
38:39gar nicht unterstützt.
38:40Das sieht man ja jetzt auch an der Aufregung und auch der sozusagen dem Gefühl, angewidert
38:47zu sein, dass man jetzt wegen der Vorfälle in Minneapolis sieht.
38:51Also ich glaube da eigentlich schon an eine starke kulturelle Nähe zu den Amerikanern und
38:55an den starken Willen vieler Amerikaner, eine Demokratie zu bleiben.
38:59Es gibt ja auch erste Risse innerhalb von MAGA.
39:03Trumps Verhalten, Musks Verhalten, das sind alles Dinge, mit denen sich auch innerhalb
39:08der rechten und der konservativen Bewegung sieht, sich mit vielen Verscherzen.
39:13Und alle immer zufrieden zu halten, wird auch nicht so einfach sein.
39:17Deswegen glaube und hoffe ich darauf, dass es eben kein monopolistischer Block ist, sondern
39:24dass es auch da andere Meinungen gibt und dass es nicht Richtung Faschismus abgleitet und
39:30dass die Widerstandsfähigkeit der Amerikaner und des amerikanischen Systems dann doch noch
39:33bestehen bleibt.
39:35Und dann kann man auch in Zukunft besser mit ihnen zusammenarbeiten wieder.
39:39Das heißt, wir müssen nicht zwangsläufig mit China gemeinsame Sachen machen.
39:43Wir können auch noch darauf hoffen oder vielleicht auch daran mitarbeiten, dass in den USA es
39:48nicht so weit kommt, dass eine Tech-Elite und oder auch eine rechtspopulistische Elite
39:53dieses Land regiert, wenn ich das richtig verstanden habe.
39:56Auf jeden Fall.
39:58Wir haben natürlich wenig Einfluss in Europa auf die Milliardenvermögen und auf den Einfluss
40:04der Oligarchen.
40:05Aber wir können natürlich uns schon entscheiden, mit wem wir Geschäfte machen und dass wir
40:09uns von niemandem oder möglichst wenigen abhängig machen.
40:12Sich von chinesischen Firmen abzumachen ist, wenn wir über das Stichwort Datenschutz sprechen,
40:17wahrscheinlich auch nicht besonders sinnvoll.
40:19Was man machen kann, ist natürlich, dass man vielleicht durch Steuern, es gibt ja die
40:23Vorschläge für eine Digitalsteuer, die natürlich auch diese Konzerne treffen würde, die sehr
40:27viel Gewinn in Europa machen, aber kaum Präsenz hier haben, diese Ideen noch weiter zu verfolgen.
40:33Das wird Herrn Zuckerberg ärgern.
40:35Das wird wahrscheinlich Herrn Altman ärgern.
40:38Und das wird auch Donald Trump ärgern.
40:40Aber man muss natürlich auch ganz ehrlich sagen, dass der Freihandelsgedanke momentan
40:45sowieso tot ist, beziehungsweise brach liegt und man sich diesen Auseinandersetzungen nicht
40:52mehr ganz verschließen kann, denn sie sind nun mal von Washington losgetreten worden.
40:56Der Einfluss der Tech-Titanen erwächst.
40:59Wie können wir uns vor Ihnen schützen?
41:01Das lesen Sie alles in Disruption.
41:04Das neue Buch von Jannis Brühl, das ich allen ans Herz legen möchte.
41:07Vielen, vielen Dank für diese Einblicke.
41:09Ich danke Ihnen.
41:10Und wenn ihr den Podcast der Standard unterstützen wollt, dann macht das am besten über ein
41:14Abonnement.
41:15Alle Infos dazu findet ihr auf abo.derstandard.at.
41:19Abonniert uns auch auf YouTube, da könnt ihr uns auch sehen.
41:22Hört uns auf Spotify und auf der Podcast-Plattform eurer Wahl.
41:25Schickt uns gerne einen netten Kommentar, Feedback und hinterlasst eine gute Bewertung
41:30bei der Plattform eurer Wahl.
41:32Ich bin Scholt Wilhelm.
41:33Vielen Dank fürs Zuhören.
41:34Baba und bis zum nächsten Mal.
41:40Tschüss.
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