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  • vor 4 Monaten
Seit über 70 Jahren wohnt niemand mehr auf Great Blasket. Doch für die Sommermonate kann man sich als Paar dort als Inselwächter bewerben. Was zieht Menschen auf eine Insel ohne jeden Komfort und sogar ohne Internet?

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Transkript
00:00Vor der Westküste Irlands im wilden Atlantik liegt die Insel Great Blasket.
00:06Wunderschön und abgelegen.
00:09Aber könntest du dir vorstellen, sechs Monate auf dieser unbewohnten Insel zu verbringen?
00:16Genau das tut dieses frisch vermählte Paar.
00:19Es tauscht das moderne Leben gegen ein einfaches ein.
00:23Es gibt zwei unterschiedliche Reaktionen.
00:25Manche sagen, das könnte ich niemals machen, das ist nichts für mich.
00:28Und andere eher so, na klar, warum nicht?
00:30Und ich glaube, wir gehören einfach zu den, na klar, Leuten.
00:33Eine Kreativzeit für den 37-jährigen Künstler James und die 26-jährige Camille.
00:39Sie wurden aus Hunderten von Bewerbern ausgewählt, um in diesem Jahr als Inselverwalter zu arbeiten.
00:44Keine leichte Aufgabe an einem Ort ohne Stromnetz, warmes Wasser oder WLAN.
00:49Die Anforderungen an den Job sind eigentlich nur, dass man sich für sechs Monate wirklich jeden Tag hier einbringt
00:55und dass man offen dafür ist, überall mit anzupacken.
00:58Man muss einfach lernen, auf alles mit einem Lächeln zu reagieren.
01:03Nur wenige Kilometer vom Festland entfernt liegt Great Blasket, einer der westlichsten Punkte Europas.
01:09Als besonderes Schutzgebiet gibt es auf dieser unberührten Insel viele besondere Tierarten.
01:15Aber die weißen Strände und das kristallklare Wasser können täuschen.
01:18Weil die Insel bei extremem Wetter vom Festland abgeschnitten ist, wurde sie in den 1950er Jahren aufgegeben.
01:26Die letzten Bewohner sprachen Gälisch. Heute ist die Insel Symbol der irischen Geschichte und Kultur.
01:32Nun wird jeden Sommer ein Paar ausgewählt, das sich um die abenteuersuchenden Touristen kümmert.
01:37Herzlich Willkommen auf der Insel Great Blasket. Ich heiße James und das ist meine Frau Kamil. Wir werden hier für euch da sein.
01:45James und Kamil sind von morgens bis abends beschäftigt. Sie kümmern sich um eine Handvoll Ferienhäuser.
01:51Es gibt zwei Kohleöfen, einen hier und einen im Wohnzimmer nebenan. Dazu ein Eimer Kohle, Anzündholz und ein Feuerstarter.
02:00Außerdem betreiben sie ein kleines Café mit ein paar Vorräten vom Festland.
02:05Das Wasser bekommen sie aus einer natürlichen Quelle an der Klippe.
02:10Sobald es dunkel wird, wird das Leben hier ohne die gewunden Annehmlichkeiten real.
02:14Am Anfang habe ich hier ständig nach Lichtschaltern gesucht, aber das habe ich mir inzwischen völlig abgewöhnt.
02:21Ich greife nicht mehr danach. Stattdessen greife ich nach meiner Stirnlampe.
02:26Aber auf manche Dinge fällt es schwerer zu verzichten als auf andere.
02:32Eine heiße Dusche zum Beispiel. Ich merke wirklich, dass ich das sehr vermisse.
02:36Ich zwinge mich selbst, das auszublenden und nicht daran zu denken.
02:39Aber wir waren auch kreativ. Zum Beispiel, wie wir kaltes Wasser sammeln und Getränke darin kühlen.
02:45Wir probieren uns einfach aus.
02:47Es gibt eigentlich immer etwas zu tun, um die Situation ein wenig zu verbessern.
02:53Am nächsten Morgen erzählen die Touristen Kiva und Simon begeistert von ihrer ersten Nacht fernab der Zivilisation.
03:01Ich finde es total erfrischend. Ich liebe es einfach. Man hat Zeit. Zeit zum Lesen, Zeit zum Reden.
03:07Es ist einfach etwas völlig anderes, bei Kerzen nicht zu leben, fern von all den Dingen, an die man zu Hause gewöhnt ist.
03:13Man hat einfach irgendwie mehr Zeit und Raum.
03:18Besuche auf der Insel sind bei Sturm unmöglich.
03:22Dann sind Tiere die einzigen Lebewesen, die frei kommen und gehen können.
03:27Aber Camille und James lassen sich davon nicht beirren.
03:30Die Künstler suchen das Leben in der Abgeschiedenheit.
03:32Für ihre Familien und Freunde eine überraschende Entscheidung.
03:37Ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich erwartet hätte, dass wir den Job bekommen. Und dann ist es doch passiert.
03:45Sorgen über die große Entfernung zu Notdiensten machen sie sich keine.
03:50Man spürt es auf der Insel wirklich, dass man hier komplett allein ist.
03:54Alles fühlt sich so riesig an.
03:56Vielleicht ist es jugendlicher Leichtsinn, aber ich glaube, wir dachten einfach, das wird schon passen.
04:00Bald werden sie wieder in ihr altes Leben auf dem Festland zurückkehren.
04:05Die Zeit auf der Insel war eine wichtige Erfahrung.
04:10Vorher habe ich im Büro gearbeitet und den ganzen Tag am Computer gesessen.
04:14Das hier ist das komplette Gegenteil.
04:16Im Sand sitzen, die Robben beobachten, zuhören und den Wind spüren.
04:20Und in solchen Momenten denke ich, Entschleunigung pur.
04:23Genau das will ich mitnehmen.
04:28Davon träumen viele.
04:31Doch nur wenige können es wirklich erleben.
04:34Untertitelung des ZDF für funk, 2017
04:45Vielen Dank.
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