- vor 4 Monaten
Infolge einer Produktionsumstellung vergammeln im Materiallager eines Betriebes nicht mehr benötigte Bestände. Sie werden weder für eine Ersatzteilproduktion verwendet, noch werden sie dem staatlichen Kontor für Maschinen- und Materialreserven bzw. dem VEB Materialaufbereitung angeboten. Als sich ein Arbeiter vor der Konfliktkommission verantworten muss, weil er eine geringe Menge davon für private Zwecke entwendet hat, informiert Brigadier Eckart den Staatsanwalt über den weitaus gravierenderen „volkswirtschaftlichen Diebstahl“ der Betriebsleitung. Das bringt ihn vorübergehend in eine schwierige Sutuation, weil nicht alle sein Vorgehen begreifen, das aber bewirkt, dass sich die Leiter des Betriebes vor den Arbeitern verantworten müssen. (Text: hr-fernsehen)
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00:00:00Guten Abend, liebe Zuschauer.
00:00:03Mitunter passiert es mir noch, dass ich jemandem auf Wiedersehen sage
00:00:07und der mir antwortet, lieber nicht, Herr Staatsanwalt.
00:00:12Dabei hat der Betreffende keinen Grund für ein schlechtes Gewissen.
00:00:16Hat mancher immer noch Angst vor dem Staatsanwalt, vor der Justiz?
00:00:22Bei Einzelnen, glaube ich, spuken noch Fragmente vom Bild des bürgerlichen Staatsanwalts herum,
00:00:27vom seelenlosen, fanatischen Paragrafenreiter, der die Schuld des Verdächtigen um jeden Preis beweisen will.
00:00:35Indessen der sozialistische Staatsanwalt hat mit dem der kapitalistischen Welt nur noch den Namen gemein.
00:00:41Dort ist der Diener der Millionäre, hier Anwalt von Millionen, Beauftragter der Arbeiterklasse und aller Werktätigen.
00:00:51Und noch eins, der sozialistische Staatsanwalt ist keineswegs nur Ankläger.
00:00:55Er leitet den Kampf gegen die Kriminalität, aber das ist nicht sein einziger Auftrag.
00:01:02Strafrechtsverletzer, nicht seine einzigen Kontrahenten.
00:01:06Die Staatsanwaltschaft, so Artikel 97 der Verfassung, wacht über die strikte Einhaltung der sozialistischen Gesetzlichkeit.
00:01:14Damit das Recht richtig und einheitlich in Rostock genauso wie in Suhl angewandt wird.
00:01:24Welcher Art eine Gesetzesverletzung auch sein mag, der Staatsanwalt schreitet gegen sie ein, sobald sie ihm zu Ohren kommt.
00:01:31Wie oft und wie schnell er über Rechtsverletzungen erfährt, das hängt vom guten Kontakt zwischen ihm und den Bürgern ab.
00:01:39Vor allem sozialistische Kollektive gehören mehr und mehr zu seinen Verbündeten.
00:01:44Der heiße Draht zwischen beiden hat, wie auch der folgende Fall beweist, der sozialistischen Gesellschaft noch immer genutzt.
00:01:52Guten Morgen, Kollegin Schütten, habt ihr wieder gesund?
00:02:10Mein Junge war krank.
00:02:11Ach, gibt's denn zu Hause keine Oma?
00:02:13Die arbeitet auch und mein Mann kann nicht mal Kamillentee kochen.
00:02:16Das ist ein Betrieb ja feiner raus, was?
00:02:18Tja, ja.
00:02:22Morgen, Willi.
00:02:32Morgen, ich lebe schon durch.
00:02:33Noch nicht.
00:02:35Ist mein Schluss noch da?
00:02:36Nee.
00:02:36Morgen.
00:02:52Hoi, Max.
00:02:56Schlecht geschlafen?
00:02:57Du hast jetzt wohl keine Zeit.
00:03:00Ich denke, du hast mich noch immer erwischt, wenn du wolltest.
00:03:02Hast du eine Grundsatzfrage, dann lass dir einen Termin geben.
00:03:04Ansonsten mach's kurz.
00:03:05Gestern haben wir den Termin für die Konfliktkommissionssitzung bekannt gegeben.
00:03:08Ja, ja, ja.
00:03:08Und jetzt spielt Donut verrückt.
00:03:09Er wusste doch, was auf ihn zukommt.
00:03:11Natürlich, andererseits...
00:03:12Was heißt hier andererseits?
00:03:14Hat das Ding vielleicht zwei Seiten?
00:03:15Wie soll ich das sagen?
00:03:16Abstauben ist natürlich prinzipiell nicht drin.
00:03:18Du sagst es.
00:03:19Donut soll froh sein, wenn er nur vor die Konfliktkommission kommt.
00:03:22Er wird uns nachweisen, dass andererseits Bauelemente, Platten, Material für Laschen und Befestigungsteile,
00:03:27vor allem aber die Gussteile, seit Monaten unsachgemäß lagern.
00:03:32Du kennst doch unsere Lagerverhältnisse.
00:03:35Baukapazität haben wir auch keine.
00:03:37Das höre ich schon seit Jahren.
00:03:38Trotzdem hätte was gemacht werden können.
00:03:40Dort vergammeln langsam aber sicher Hunderttausende.
00:03:43Donut hat uns um 130 Mark bei uns.
00:03:45So, das sagt wohl Donut, was?
00:03:46Nicht nur er.
00:03:47Und gegen solche Einstellungen trittst du gar nicht auf, was?
00:03:49Hat mir in die Haken Schiff gelaufen, was mit dem Zeug wird.
00:03:51Bei der BGL war ich, bei der B9.
00:03:52Mein, Chef.
00:03:54Ich meine, dass man das eine mit dem anderen vermanscht.
00:03:58Diebstahl bleibt Diebstahl.
00:03:59Und was ist das?
00:04:00Wenn wertvolles Material nutzlos in der Gegend rumliegt?
00:04:03Max, wie lange bist du in unserem Betrieb?
00:04:06Wie viele Produktionsumstellungen haben wir schon miteinander durchgezogen?
00:04:09Die alten Serien sind längst ausgelaufen.
00:04:11Du weißt genau, dass wir für die Ersatzfallproduktion noch jahrelang verantwortlich sind.
00:04:15Was ändert das für Donut?
00:04:16Natürlich nicht.
00:04:18Aber wir können doch keine Diebstähle dulden.
00:04:20Vielleicht verstehe ich überhaupt nicht mehr.
00:04:21Natürlich können wir Diebstähle nicht zulassen.
00:04:23Aber selbst wenn Donut bestraft wird und seinen Fehler einsieht,
00:04:26im Lager wird sich dadurch nichts ändern.
00:04:29Da muss was geschehen, Werner.
00:04:30Max, besprich das mal mit Rasloff.
00:04:32Ich habe jetzt wirklich keine Zeit mehr.
00:04:33Außerdem ist er für die Materialwirtschaft verantwortlich.
00:04:40Der Triebsleiter bist immer noch du.
00:04:42Tja, aber wozu habe ich denn verantwortliche Mitarbeiter, wenn ich mich alles alleine machen soll?
00:04:47Rasloff weiß doch, was er zu tun hat.
00:04:49Vielleicht hat er inzwischen auch schon was unternommen.
00:04:51Von mir aus frag ich ihn doch mal.
00:04:52Ob ich schon was unternommen habe?
00:05:00Hab ich.
00:05:08Und zwar die Technologie des gesamten Fertigungsbereiches umgestellt.
00:05:13Zweit- und drittrangiges erledigen wir, wenn Zeit dazu da ist.
00:05:17Ja, das ist aber doch nichts Nebensächliches.
00:05:22Materialverluste sind heute nicht nur Geldverluste.
00:05:25Material ist heute das A und O.
00:05:27Überall?
00:05:29Auch bei uns.
00:05:31Das wissen Sie ja besser als ich.
00:05:37Rasloff.
00:05:39Ja, ich komme dann rüber.
00:05:45In zehn Minuten?
00:05:47Jetzt nicht!
00:05:54Ein unbesetztes Sekretariat ist wie ein Deichbruch bei Hochwasser.
00:05:59Kollege Rasloff, Sie sitzen doch auch mit in der Konfliktkommission.
00:06:05Hm.
00:06:06Es ist nicht schwierig, über einen Menschen zu urteilen,
00:06:10der Ihnen viel größere Versäumnisse vorrechnen könnte.
00:06:14Na, Donut wird das tun, das weiß ich.
00:06:16Was kommt es Ihnen denn auf einmal mit diesem Donut?
00:06:19Soll das ein Vorwand sein, auf einmal angeblich im Missständen in der Materialwirtschaft hochzuziehen?
00:06:24Na, auf einmal ist es aber leicht untertrieben.
00:06:28Das Materiallager ist schon seit langem Betriebsgespräch.
00:06:32Gut.
00:06:32Dann sagen Sie, Donut und den anderen Kollegen, selbst wenn hier ein Versäumnis vorliegen würde, wäre es noch lange kein Diebstahl.
00:06:42Und es liegt kein Versäumnis vor.
00:06:44Und außerdem, Kollege Eckert, ein bisschen komplizierter ist der ganze Fragenkomplex schon, als er sich aus Ihrer Sicht darstellen mag.
00:06:52Nehmen Sie es mir nicht übel.
00:06:56Na gut.
00:06:57Moin, Kollege Reumers.
00:07:00Moin, Kollege Eckert.
00:07:06Ärger?
00:07:07Ach, diese dumme Geschichte mit dem Donut.
00:07:11Das hätte man auch viel eleganter aus der Welt schaffen können.
00:07:14Eleganter?
00:07:16Materialentwendungen sind schließlich keine Kavaliersdelikte.
00:07:19Was gibt's denn?
00:07:20Ich fahre morgen zu einer Besprechung beim Haupttechnologen, falls ich etwas für Sie erledigen könnte.
00:07:26Nicht, dass ich wüsste.
00:07:29Oder vielleicht doch.
00:07:31Fragen Sie doch mal den Direktor für Materialwesen, was aus unseren alten Lagerbeständen werden soll.
00:07:36Was?
00:07:37Na ja, vielleicht Maßnahmen zur Umverteilung auf andere Betriebsteile eingeleitet wurden.
00:07:44Das geht in Ordnung.
00:07:50Das geht in Ordnung.
00:08:20Wenn ich vor die Konfliktkommission komme, bin ich morgen bei der Kriminalpolizei.
00:08:24Hey, hey, hey, weil Sie sich aber schrauben, willst du auf einmal Ihre Tufel gewahren?
00:08:28Ich will mein Recht.
00:08:29Dein Recht kriegst du.
00:08:31Sei ungesagt, du bist vielleicht ein Blindgänger.
00:08:34Jens und die anderen da oben lachen doch bloß über dich.
00:08:36Soll ich den Daumen aufs Auge setzen oder was soll ich machen?
00:08:39Weiter diskutieren, Kollegen.
00:08:41Wahrlich, weiter diskutieren.
00:08:43Lass dein Gefeikse.
00:08:44Mach's in die Hände gebunden.
00:08:47Und der Blindgänger, der bist du.
00:08:50Wir klotzen ran, um gut im Wettbewerb zu liegen und dann steckt sich einer von uns was in die Tasche.
00:08:57Für seinen Eigenbedarf.
00:08:58Auf den Pudding kann man nur hauen, weil man eine reine Weste hat.
00:09:01Ich hab einen und Max erst recht.
00:09:02Alles richtig.
00:09:10Also solange wir jetzt hier essen, wollen wir unsere Ruhe haben.
00:09:13Der Monat nimmt seinen Rüssel und sonst bleibt alles beim Alten.
00:09:17So ist es.
00:09:19Was haben die uns nicht schon alles versprochen?
00:09:21Geändert hat sich nichts.
00:09:23Der Krempel liegt immer noch herum.
00:09:26Genau, Wolfgang.
00:09:27Wenn's um höhere Beträge geht, dann guckt keiner hin.
00:09:30Aber wenn unser eins macht...
00:09:31Weint mal.
00:09:32Wir gucken hin.
00:09:34Und wenn andere das nicht tun, so ist das noch lange kein Grund, deine eigene Mauserei damit vertuschen zu wollen.
00:09:39Redet doch, was ihr wollt.
00:09:41Geht zum Recht und Ordnung.
00:09:43Ohne Ansehen der Person.
00:09:46Für deine Verfehlung kommst du jetzt vor die Konfliktkommission.
00:09:49Das ist das eine.
00:09:51Das andere ist...
00:09:53Mit den Lagerbeständen kommen wir hier im Betrieb nicht weiter.
00:09:57Und deswegen werde ich jetzt zur Staatsanwaltschaft gehen.
00:10:01Du?
00:10:02Ich habe hin und her überlegt, was man tun kann.
00:10:06Und jetzt eben, auf dem Weg von Rasselhoff hierher,
00:10:09fiel mir ein,
00:10:11da war doch mal ein Staatsanwalt hier.
00:10:14Nach dem Betriebsunfall von Willi, könnt ihr euch erinnern?
00:10:18Hat er eigentlich Hand und Fuß, was der Mann so sagte.
00:10:20Und dass wir uns jederzeit an ihn wenden können.
00:10:25Du meinst?
00:10:27Weißt du was Besseres?
00:10:30Mensch, Maxe, lass die Finger davon.
00:10:35Das gibt einen Wirbel, sage ich dir.
00:10:37Bis ins Kombinat.
00:10:38Ein Stumpf wird das geben.
00:10:40Na und?
00:10:41Soll Max die Sache endlich mal ins Rollen bringen?
00:10:43Ich bin dafür.
00:10:44Zum Staatsanwalt.
00:10:45Na ja.
00:10:46Na ja.
00:10:46Warum eigentlich nicht?
00:10:53Oh Mann.
00:10:54Ich weiß nicht.
00:10:57Das mit der Kriminalpolizei war doch bloß hinterhergesagt von mir.
00:11:03Mensch, Maxe, du kennst mich doch.
00:11:06Immer gleich auf der Palme.
00:11:07Und dann kalte Füße.
00:11:09Die Zustände im Lager, die wurmen uns doch schon lange.
00:11:12Und wenn da Ordnung herrschen würde,
00:11:15dann wärst du doch gar nicht erst auf die verrückte Idee gekommen.
00:11:18Genau.
00:11:19Gelegenheit macht Diebe.
00:11:21Wir wollen hier nichts vergleistern.
00:11:23Günther hätte sich die Finger trotzdem nicht schmutzig machen dürfen.
00:11:26Aber wenn er von der Konfliktkommission sein Fett kriegt
00:11:29und die Verantwortlichen für das Materiallager gehen leer aus,
00:11:33dann wird das Gerede im Betrieb bleiben.
00:11:35Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen.
00:11:37Erkundige dich.
00:11:40Von mir aus musst du nicht.
00:11:41Ja, du magst.
00:11:42Du musst nicht.
00:11:43Ich will aber.
00:11:46Noch heute.
00:11:47Der Beschuldigte bestreitet entgegen vorliegender Hinweise
00:11:53aus mehreren Tatbefunden,
00:11:58Mittäter gehabt zu haben.
00:12:03Punkt.
00:12:04Er bestreitet auch die Mitwisserschaft seiner Frau.
00:12:10Punkt.
00:12:11Ebenfalls bestritt er das Öffnen von Sicherheitsschlössern.
00:12:22Kreisstaatsanwaltschaft.
00:12:24Ach, Sie sind's, Genosse Direktor.
00:12:26Guten Tag.
00:12:27Na ja, danke, danke, wie es einem so geht, nicht?
00:12:30Na ja, mal hier ein Zipperlein, mal da eins.
00:12:32In Neuesten ist man ja auch nicht mehr, nicht?
00:12:35Oh, oh, oh, oh.
00:12:37Nein.
00:12:39Bitte?
00:12:39Nein, das tut mir aber leid.
00:12:42Der Genosse Staatsanwalt ist gerade noch in einer Verhandlung.
00:12:45Sagen Sie mal, können Sie nicht so, ja, ja, nach 16 Uhr nochmal anrufen?
00:12:50Geht das?
00:12:51Na, fein.
00:12:52Gut, nach 16 Uhr.
00:12:54In Ordnung.
00:12:55Wiederhören.
00:13:04Ebenfalls bestritt er das Öffnen von Sicherheitsschlössern.
00:13:07Bis er nicht um ihn konnte, es zuzugeben.
00:13:11Nun, schon, Frau Hose?
00:13:13Und?
00:13:14Ja, wir haben Sie nötig.
00:13:15Das Versteck des spezialischen Schöneres.
00:13:16Wo Leidenschaften mit dem Spiele sind.
00:13:19Alle Zeuginnen verteidigen den schönen Arnold.
00:13:23Ist ja selbst auf Lösung ihrer Sparkonten.
00:13:25So wie kann man denn bloß auf solchen Windhund reinfallen?
00:13:28Das hat schon manch einer gedacht.
00:13:33Bis es sie dann plötzlich selber erwischt hat.
00:13:39Ach ja, da fällt mir ein.
00:13:41Ihre Frau hat angerufen.
00:13:42Ja?
00:13:43Die kommt heute ein bisschen später.
00:13:45Hat noch eine Besprechung beim Kreisschulrat.
00:13:48So.
00:13:48Und ausgerechnet heute wollte ich mit ihr ins Kino.
00:13:54Frau Döring mit Ihnen, was?
00:13:58Sonst nichts Neues?
00:14:00Nö, nicht, dass ich wüsste.
00:14:02Doch, da hat noch ein Kollege vom Schaltgerätewerk angerufen.
00:14:05Also ich bin nicht ganz drauf schlau geworden.
00:14:07Aber es muss ungeheuer wichtig sein.
00:14:08Weil der konnte nicht mal bis zur Sprechstunde am Dienstag warten.
00:14:11Jeder hält seine Probleme für die wichtigsten.
00:14:13Meine Frau Ihre Pädagogik, Sie Ihre Termine.
00:14:19Nicht meine Termine, Genosse Staatsanwalt.
00:14:21Ihre.
00:14:39Pfanne.
00:14:40Ja, irgendwas mit der Zündung.
00:14:41Ich fahre in die Stadt, wenn ich Sie mitnehmen darf.
00:14:45Vielen Dank, aber ich habe noch alle Hand zu erledigen.
00:14:50Darf ich mal?
00:14:51Ja, bitte.
00:14:59Eckart hat sich bei Ihnen beschwert?
00:15:01Auf den Putz gehauen hat er.
00:15:02Na ja.
00:15:04Als Brigadier in der Vorwärtigung schätze ich ihn sehr.
00:15:06Wirklich?
00:15:07Nur, ob er den richtigen Einblick in die Materialwirtschaft hat, er beurteilt das zu sehr aus seiner Worte.
00:15:14Jedenfalls haben wir die Materialwirtschaft nicht richtig im Griff.
00:15:17Insofern hat er recht.
00:15:19Recht hin, recht her.
00:15:21Unter uns, Kollege Jensen.
00:15:23Eckart und seiner Brigade geht es in erster Linie nicht darum.
00:15:26Die wollen Donut rausboxen.
00:15:28Mit allen Mitteln.
00:15:29Ja, da kennen Sie ihn aber schlecht.
00:15:31Eckart ist ein Gerechtigkeitsapostel.
00:15:32Müssen Sie als Mitglied der Konfliktkommission doch am besten wissen.
00:15:36Allmählich habe ich den Eindruck, in der nächsten Sitzung wird nicht gegen Donut, sondern gegen uns verhandelt.
00:15:39Ja, da lassen Sie sich immer schreulichst was einfallen, mein Lieber.
00:15:42Vielleicht machen Sie mal ein Verkaufsangebot an staatliche Kontor für Maschinen- und Materialwirtschaft.
00:15:46Staatliche Kontor?
00:15:47Aber so schlau sind Sie ja selbst.
00:15:49Ich, ähm...
00:15:51Ja, haben Sie das denn noch nicht gemacht?
00:15:54Starten Sie mal.
00:15:55Ja.
00:15:56Ich habe Reimers gebeten, im Kombinat mal auf den Busch zu klopfen.
00:15:58Vielleicht sehen die eine Möglichkeit der Umverteilung.
00:16:00Ja.
00:16:00Na bitte.
00:16:03Läuft ja.
00:16:03Gut.
00:16:17Ich habe es Ihnen aber am Telefon gesagt, dass wir unsere Sprechstunden haben.
00:16:21Wenn Sie am Dienstag keine Zeit haben, dann können Sie doch eine schriftliche Eingabe machen.
00:16:26Schriftlich?
00:16:27Ja.
00:16:28Da warte ich lieber.
00:16:30Darf ich?
00:16:31Aber es hat wirklich keinen Zweck.
00:16:33Ja, das denkt man auch.
00:16:36Entschuldigung, aber ich bin seit vier Jahren früh auf dem Bein.
00:16:40Ach so schön.
00:16:41Wenn Sie extra 20 Kilometer gefahren sind.
00:16:45Rauschmeißen Sie mich also nicht.
00:16:47Bei uns wird niemand rausgeschmissen.
00:16:50Aber glauben Sie mir, der Genosse Staatsanwalt kommt wirklich vorläufig nicht.
00:16:58Können Sie mit dem Kaffeewasser doch noch warten.
00:17:01Erlauben Sie mal, der Kaffee ist für mich.
00:17:03Und der Genosse Staatsanwalt, der darf nämlich gar keinen trinken.
00:17:09Na, Herr Kuhlchen, was habe ich prophezeit?
00:17:16Verhandlung vertagt.
00:17:17Tja, die Verteidigung hat...
00:17:20Guten Tag.
00:17:24Eckart.
00:17:25Döring.
00:17:26Ich bin Brigadier in der Vorfertigung.
00:17:30Meine Kollegen schicken mich, es heißt...
00:17:32Das ist der Kollege aus dem Schaltgerätewerk.
00:17:34Schaltgerätewerk?
00:17:35Wer den neulich angerufen hat und es sehr dringlich gemacht hat.
00:17:37Sie werden sich sicher nicht mehr an mich erinnern können, aber...
00:17:40Nach einem Betriebsunfall haben Sie mal bei uns gesprochen.
00:17:42Ah ja, ich erinnere mich.
00:17:45Übers Arbeitsschutzrecht, richtig?
00:17:47Ja, ganz richtig.
00:17:48Bitte.
00:17:49Ihr Vortrag ist damals gut angekommen.
00:17:51So.
00:17:51Und da meinten die Kollegen, vielleicht könnten Sie uns jetzt auch einen Rat geben.
00:18:04Tja.
00:18:04Tja, das war's ja dann wohl.
00:18:09Ach ja.
00:18:11Eine Produktionsumstellung auf ein neues Gerätesystem.
00:18:15Was bedeutet das eigentlich konkret?
00:18:19So eine Art Baukastenprinzip.
00:18:21Standardisierte, austauschbare Einzelteile und so, wenn Sie sich das vorstellen können.
00:18:26Und für dessen Einführung war der Ingenieur Rassloff zuständig?
00:18:30Herr Diplom-Ingenieur Rassloff, ja.
00:18:34Ach, er ist wohl nicht ganz nach Ihrem Geschmack?
00:18:38Die neue Technologie.
00:18:39Ich möchte mir etwas klarstellen, Herr Staatsanwalt.
00:18:45Wenn ein Leiter nicht auf seine Arbeit erhört, bitte schön, er wird schon merken, was er davon hat.
00:18:51Aber deswegen gehe ich nicht gleich zum Staatsanwalt.
00:18:54Wie soll ich das sagen?
00:18:57Mein Sohn zum Beispiel, der hat mal im Plattenwerk vom Baukombinat gearbeitet.
00:19:01Irgendwie hatten Sie da die Technologie nicht ganz im Griff.
00:19:07Ich meine, ich verstehe ja nichts davon.
00:19:09Jedenfalls eines Tages hieß es, der Minister kommt.
00:19:12Da lag nur der ganze Ausschuss rum.
00:19:15Was tun?
00:19:17Sie werden es nicht erraten.
00:19:18Die zum Teil nur leicht beschädigten Platten in schwer bezahlten Überstunden zu Bruch verarbeiten und abfahren.
00:19:26Einfach verschwinden lassen, so als hätte es nie Ausschuss gegeben.
00:19:30Das bringt mich auf die Palme, Herr Staatsanwalt.
00:19:32Dass bei uns mit dem Material rumgeschludert wird, das wüssten wir nicht, wohin damit.
00:19:37Ein neues Gerätesystem, schön und gut.
00:19:39Aber wenn wir das, was wir mit unseren Köpfen und Händen aufgebaut haben, mit dem Arsch, entschuldigen Sie, wieder einreißen.
00:19:47Und deswegen bin ich zu Ihnen gekommen.
00:19:50Nicht, weil mir Rastrofs Nase eventuell nicht passt, wenn Sie das meinen sollten.
00:19:56Ich werde der Sache nachgehen.
00:20:00Ja, ich bin sogar verpflichtet dazu.
00:20:04Wir wurden anscheinend gesetzliche Bestimmungen und Verordnungen verletzt.
00:20:09Aber, das muss natürlich genau überprüft werden.
00:20:15Sie wissen ja, die Materialwirtschaft ist ein schwieriges Problem.
00:20:23Übrigens, hat denn der Betriebsleiter, Kollege Jensen, das nicht gesehen?
00:20:29Jensen?
00:20:31Herr Jensen, der meinte, dass wir das Material nochmal für Ersatzteilproduktion brauchen können.
00:20:37Fragt sich bloß wann und ob überhaupt.
00:20:42Damit ist die Entscheidung ja wieder mal verschoben.
00:20:45Ich werde, wie gesagt, an Ihre Kombinatsleitung ein Untersuchungsverlangen richten.
00:20:49Dann werden wir ja sehen, was an der Sache dran ist.
00:20:51Und Ihnen zunächst einmal meinen herzlichen Dank, Kollege Eckert.
00:20:58Da hat die Lehrerin doch allen Ernstes die Guten, die ihr Freude machen,
00:21:01die Schüler auf die linke Seite der Tafel geschrieben und die anderen auf die rechte, die ein betragene Vier haben.
00:21:06Ich glaube mal, hörst du mir überhaupt zu?
00:21:08Hm?
00:21:09Lass mich den Artikel doch zu Ende lesen, Giza.
00:21:13In der Woche komme ich wieder nicht dazu.
00:21:15Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin mit einem neuen Gerätesystem verheiratet.
00:21:20Gar nicht so verkehrt.
00:21:22Ich meine soziologisch gesehen.
00:21:24Ich bin gleich fertig.
00:21:25Übrigens, hochinteressant, was die Japaner für ein neues Verfahren entwickelt haben.
00:21:29Felix!
00:21:30Pass mal auf.
00:21:34Fünf Minuten noch.
00:21:35Donat!
00:21:40Was will denn der hier?
00:21:42Bitte um Entschuldigung, aber es ist ein tolles Ding passiert.
00:21:44Guten Tag, Frau Rasenhoff.
00:21:46Guten Tag, bitte, Herr Donat, setzen Sie sich da erst mal hin.
00:21:49Ein tolles Ding?
00:21:50Ja, Eckert war beim Staatsanwalt und nun geht der Schuss nach hinten los.
00:21:54Ich verstehe nicht.
00:21:58Als ich den Termin für die Konfliktkommission erfuhr,
00:22:00da habe ich die Nerven verloren und mit der Kriminalpolizei gedroht.
00:22:03Von wegen, die kleinen hängt man und die großen lässt man laufen.
00:22:05Und die Sodenkriminalpolizei?
00:22:07Weil bei uns wertvolles Material verkommt, wollte ich das als Druckmittel benutzen.
00:22:12Damit man meine Angelegenheit vielleicht unter den Tisch fallen lässt.
00:22:16Naja, ich hatte total die Übersicht verloren.
00:22:20Natürlich wäre ich nicht gegangen.
00:22:21Aber dafür war Eckert nun beim Staatsanwalt.
00:22:29Meine Frau hat mir die halbe Nacht zugesetzt, dass ich Ihnen das sage.
00:22:34Wirklich?
00:22:34Meine Frau hat gesagt, du hast so viel Gutes von Herrn Rassloff gehabt,
00:22:39da kannst du dich nicht einfach im Ungewissen lassen.
00:22:43Gutes von mir?
00:22:45Und wieso?
00:22:46Ja, als ich Ihnen hier bei dem Haus geholfen habe, da waren Sie noch nicht kleinlich.
00:22:50Was das und das anbetrifft.
00:22:53Ja, so kurz und gut.
00:22:55Ich wollte nicht, dass Sie glauben, Donat hat sie gewusst.
00:22:58Und hat mir nichts gesagt.
00:22:59Das wäre mir irgendwie hinterhältig vorgekommen.
00:23:01Also ich begreife das immer noch nicht.
00:23:03Was soll denn nun mein Mann von der Staatsanwaltschaft zu befürchten haben?
00:23:07Ihr Mann ist bei uns für die Materialwirtschaft verantwortlich.
00:23:10Hm, und?
00:23:11Und wenn da nun hineingeleuchtet wird?
00:23:13Hoho, das an Brustmahlzeit.
00:23:16Wie können Sie denn so etwas behaupten?
00:23:17Es handelt sich um zurzeit nicht absetzbare Überplanbestände.
00:23:20Haben Sie überhaupt versucht, Sie loszuwerden?
00:23:24Was liegt da herum bei Wind und Wetter?
00:23:26Da habe ich mir mal was mitgenommen.
00:23:27Dafür soll ich jetzt vor die Konfliktkommission.
00:23:29Ist das meine Schuld?
00:23:30Nee, geklaut habe ich.
00:23:31Würde ich meinen.
00:23:33Sie wollten doch meinen Mann informieren.
00:23:36Zu welchem Zweck?
00:23:37Na ja.
00:23:39Zweck?
00:23:41Meine Frau meinte nur,
00:23:44vielleicht legte Herr Rassloff dann auch ein gutes Wort für mich bei der Konfliktkommission ein.
00:23:49Nicht, dass ich ungeschoren davon komme.
00:23:51Aber man weiß doch, wie das ist.
00:23:53Einmal im Gerede bleibt immer was kleben.
00:23:57Tut manchmal ein vernünftiges Wort von einem bekannten Kollegen Wunder.
00:24:02Eine Hand wischt die andere.
00:24:04Nee, mein Guter.
00:24:06Felix.
00:24:06Hier bringen Sie einiges durcheinander.
00:24:07Eckart soll so viel zum Staatsanwalt rennen, wie er will.
00:24:10Ich habe kein schlechtes Gewissen.
00:24:12Sie hätten sich nichts zu bemühen brauchen.
00:24:14Felix.
00:24:14Ja, Felix, Felix.
00:24:18Entschuldigen Sie bitte, Herr Donath, aber mein Mann.
00:24:20Ich habe schon verstanden, Frau Rassloff.
00:24:22Aber damals, als ich hier für Sie geackert habe, da hat Ihr Mann zu mir gesagt, Donath hat er gesagt, wenn ich Ihnen auch mal helfen kann.
00:24:31Na ja.
00:24:35Entschuldigen Sie die Störung.
00:24:37Lassen Sie sich mal den Kopf nicht heiß machen.
00:24:39Wiedersehen.
00:24:39Wiedersehen.
00:24:40Ja, komm rüber zu uns, Fred.
00:24:49Komm doch mal, geht gleich los.
00:24:52In wen spielen Sie denn am Fandang?
00:24:54Nach Uhr 30.
00:24:57Dass so bald das Ergebnis meines Untersuchungsverlangens vorliegt, werden wir weitersehen.
00:25:01Wie lange wird das etwa dauern?
00:25:03Das kommt ganz darauf an, was dabei hochgezogen wird.
00:25:05Hochgezogen?
00:25:06Unser Betrieb hat zweimal die Wanderfahne des Kombinats erhalten, Genosse Staatsanwalt.
00:25:10Wanderfahne?
00:25:12Auszeichnungen sind kein Alibi für spätere Fehler und Versäumnisse, Genosse Jensen.
00:25:16Was gebracht?
00:25:20Mensch, dann wäre es doch besser gewesen.
00:25:21Hört aber endlich auf.
00:25:22Ich darf nicht auf, ihr alle.
00:25:24Ihr seid ja wohl...
00:25:26Döring.
00:25:27Einen Staatsanwalt habe ich mir ganz anders vorgestellt.
00:25:31In der einen Hand das Strafgesetzbuch und in der anderen den Haftbefehl.
00:25:34Seid doch wenigstens jetzt mal fünf Minuten vernünftig.
00:25:40Tag, Kollege Eckert.
00:25:43Ist das Ihre Brigade?
00:25:46Lodewann, Döring, Rick, mein Name.
00:25:51Angenehm.
00:25:52Meier, Duzi.
00:25:54Ach, ich hätte gedacht, Sie...
00:25:56Donath, der Sündenbock.
00:25:58Wir suchen keine Sündenböcke, sondern die Ursachen von Fehlern und Versäumnissen.
00:26:03Kollege Donath.
00:26:08Ihnen allen zunächst einmal meinen herzlichen Dank für Ihre Hilfe.
00:26:12Es gehört ja wohl immer noch Mut dazu.
00:26:14Unser Brigadier hat ein breites Kreuz.
00:26:16Und uns im Kreuz.
00:26:21Dass ich an Ihr Kombinat ein Untersuchungsverlangen gerichtet habe, wird Ihnen ja der Kollege Eckert
00:26:26berichtet haben.
00:26:28Das Ergebnis bleibt abzuwarten.
00:26:30Trotzdem wollte ich mir vorher einmal ein eigenes Bild verschaffen.
00:26:33Sehr malerisch ist es gerade nicht, Herr Staatsanwalt.
00:26:37Das sind Gussteile, die wir nach der Produktionsumstellung nicht mehr verarbeiten konnten.
00:26:41Schade, dass der Kollege Rassloff ausgerechnet heute fortmuste.
00:26:47Was ist los?
00:26:48Was ist los?
00:26:49Rassloff ist nicht hier?
00:26:49Aber wir haben doch heute Nachmittag Konfliktkommissionssitzung.
00:26:53Ohne Rassloff sind wir nicht beschlussfähig.
00:26:55Wagner ist krank, Kollege Haus schüttelt in Urlaub.
00:26:57Das ist doch eine ganz andere Sache.
00:26:58Mensch, Max, die kleinen Fische kennen wir doch sowieso nicht von der Angel.
00:27:02Kleine Fische?
00:27:03Das sagen Sie so.
00:27:05Natürlich.
00:27:07130 Mark im Vergleich mit dem Material da.
00:27:09Und das ist nur ein Prozentsatz.
00:27:11Kommen Sie jetzt mal hinter die Halle.
00:27:13Ich glaube Ihnen ja, Kollege Donath.
00:27:16Trotzdem 130 Mark.
00:27:19Na ja, kleine Fische mag mancher denken.
00:27:21Aber wir haben in der Republik Zehntausende von Betrieben mit Millionen von Werbtätigen.
00:27:26Und wenn da jeder so denken würde wie Sie, Kollege Donath.
00:27:29Kleine Fische macht auch miss.
00:27:30Hanna!
00:27:30Eben.
00:27:31Und da kann ziemlich rasch ein großer Misstrauen draus werden.
00:27:36130 Mark mal X.
00:27:40Das geht schnell in die zig Millionen.
00:27:43Und außerdem ist das eine Frage des Anstandes, denke ich.
00:27:52So, Genosse Jensen.
00:27:54Und jetzt möchte ich gern das Lager sehen.
00:28:01Ach, Reimer, entschuldige, ich wurde aufgehört.
00:28:04Das machen wir.
00:28:04Komm, Reimer mit dir.
00:28:06Erzähl mal.
00:28:07Wie war's denn?
00:28:09Die haben mich doch im Kombinat gefragt, warum wir das Material nicht auf der Verkaufsmesse angeboten haben.
00:28:14War das Schreiben vom Staatsanwalt schon da?
00:28:26Nichts von gehört.
00:28:28Kollege Reimer, es ist doch jetzt beim Chef.
00:28:29Doch jetzt egal.
00:28:30Geht doch.
00:28:31Warum hast du Rassloff ausgerechnet heute weggeschickt?
00:28:38Das heißt hier ausgerechnet.
00:28:42Augenblick, Reimers.
00:28:43Ist in Ordnung.
00:28:44Bitte um Entschuldigung, Kollege Reimers.
00:28:45Nicht bei mir.
00:28:47Wir müssen die Verhandlung verschieben.
00:28:48Na und?
00:28:49War das vielleicht der Grund?
00:28:53Sag mal, was nimmst du dir hier eigentlich heraus?
00:28:55Rassloff musste zur Sitzung in die Kombinatsleitung und damit basta.
00:29:04Ihr wollt Donuts schon, weil ihr ein schlechtes Gewissen habt.
00:29:11Ach, und du hast wohl keins.
00:29:19Zum Staatsanwalt trennen.
00:29:22Den Betrieb in Misskritik bringen.
00:29:23Alle Welt verrückt machen und sich selbstgerecht an die Brust klopfen.
00:29:27Du bist mir ein schöner Kumpel.
00:29:29Ein Kumpel?
00:29:30Mit eurem Textein habe ich nichts zu tun.
00:29:32Das nimmst du zurück.
00:29:33Ich war...
00:29:33Es ist doch gar nichts erwiesen.
00:29:34Weißt doch, was im Lager los ist.
00:29:36Und nicht nur ich.
00:29:38Seit langem.
00:29:40Das ging ja schließlich bis zum Steg.
00:29:45Jetzt.
00:29:46Oder dürfen sich der Hinterklemmter wird die Sache endlich bereinigt.
00:29:50Mehr wollte ich doch gar nicht.
00:29:51Wirklich nicht.
00:29:53Hinter meinem Rücken.
00:29:55Werner.
00:29:55Ach, Werner.
00:29:56Du glaubst doch.
00:29:57Ich glaube gar nichts.
00:30:11Jeder Bürger hat das Recht, sich an die staatlichen Organe zu wenden.
00:30:15Bitte sehr.
00:30:16Ein gutes Recht.
00:30:17Übrigens, sollte ich in die Kombinatsleitung kommen.
00:30:29Aber wegen einer ganz anderen Sache.
00:30:33Aber da sich Döring angemeldet hatte, habe ich meinen Stellvertreter Rassloff geschickt.
00:30:37Sonst wäre ich doch in deinen Augen ein Drückeberger gewesen.
00:30:43Werner.
00:30:43Dem Untersuchungsverlangen des Staatsanwalts wird entsprochen werden.
00:30:49Das Kombinat wird uns eine Untersuchungskommission auf den Hals schicken.
00:30:54Und Donat geht dir selbstverständlich auch nicht durch die Lappen.
00:30:59Zufrieden?
00:30:59Guten Tag, Frau Rassloff.
00:31:13Das macht die Eisenbahneruniform nicht wahr.
00:31:15Guten Tag, Freikon.
00:31:16Alles ja.
00:31:19Einige Kollegen erkennen mich manchmal nicht in Zivil.
00:31:22Bitte schön, Sie haben es passen, Frau Meier.
00:31:26Schönen Dank.
00:31:27Ich wundere mich, dass Sie mich noch kennen.
00:31:30Wie war das?
00:31:32Ich begreife mich doch nicht, wie man das gefallen hat, Frau Eckert.
00:31:34Ist ja in Ordnung.
00:31:36Wegen ein paar Unstimmigkeiten bemüht man doch nicht gleich den Staatsanwalt.
00:31:40Ehrlich gesagt, das hätte ich Ihrem Mann nicht zugetraut.
00:31:42Naja.
00:31:43Mein Mann sagt ja auch, da stecken andere dahinter.
00:31:47Wo dahinter?
00:31:48Tun Sie doch nicht so, als wüssten Sie von nichts.
00:31:50Moment mal.
00:31:51Solange mein Mann in diesem Betrieb gearbeitet hat, hat er sich keine Ruhe gegönnt.
00:31:56Die halben Nächte hat er zu Hause gehockt und gearbeitet.
00:31:58Fast kein Wochenende habe ich ihn für mich gehabt.
00:32:00Das war schon keine Ehe mehr.
00:32:02Ich glaube, die neue Technologie, die durfte er einführen.
00:32:06Dazu brauchte man ihn.
00:32:07Und jetzt will man ihn über das Materiallager zu Fall bringen.
00:32:11Naja, Neider gibt es ja überall.
00:32:13Aber dass ausgerechnet Ihr Mann sich dazu hergibt.
00:32:17Falls er zu etwas hergegeben hat, hat mein Mann sich noch nie.
00:32:21Auch Herr Jensen ist ja aus allen Wolken gefallen.
00:32:26Jensen, der bestimmt nicht.
00:32:29Mein Mann hat ihn oft genug bekniet, aber das hier ist ja wohl nicht der richtige Ort.
00:32:31Glaube ich, dass Ihnen das unangenehm ist.
00:32:34Mein Mann wird seine Gründe gehabt haben.
00:32:36Über die Schlamperei.
00:32:38Jawohl, Schlamperei.
00:32:38Ich weiß, was ich sage.
00:32:39Er hat oft genug mit mir darüber gesprochen.
00:32:41Der hat auch keine Ruhe gehabt, liebe Frau Rasloff.
00:32:45Mein Mann sich für etwas hergeben.
00:32:47Für Niedrigkeiten.
00:32:48Der nicht.
00:32:49Da sind Sie an der falschen Adresse.
00:32:50Das wird sich doch herausstellen.
00:32:51Ja?
00:33:11Na?
00:33:19Hast du dir die Petersilie verhagelt?
00:33:28Anna!
00:33:30So eine Dramatische!
00:33:31Anna!
00:33:32Anna!
00:33:39Mindestens zweimal in der Woche hast du mir mit eurem Materialkram in den Ohren gelegt.
00:33:44Als ob wir bei der Reichsbahn nicht unsere eigenen Probleme hätten.
00:33:47Meinetwegen hab ich gedacht.
00:33:48Wo soll er denn Dampf ablassen, wenn nicht bei Gier?
00:33:51Aber, dass du deswegen zum Staatsanwalt rennst,
00:33:54das muss man erst von fremden Leuten hören!
00:33:58Ich wollte dich doch nicht beunruhigen!
00:34:00Ihr sollt selber nicht ganz wohl dabei!
00:34:06Eine Menge neuen Ärger hätte ich mir schon ersparen können.
00:34:10Menschenskind!
00:34:14Staatsanwalt!
00:34:16Sieht das denn nicht gleich nach Anzeige aus?
00:34:21Frau Rassdorf hat bestimmt den Eindruck.
00:34:24Aber nicht nur Frau Rassdorf scheint mir.
00:34:26Jetzt denkst du sicher, die Barriere Reichsbahn kann nur Löcher in die Karten knipsen.
00:34:32Du wirst schon gewusst haben, warum.
00:34:34Aber im Betrieb hast du dir doch mit so einem Alleingang bestimmt nicht nur Freunde geschaffen.
00:34:41Anna!
00:34:42An jedem Stück Material, was bei uns rumliegt, da haben andere von morgens bis abends geackert.
00:34:46Die sind dafür bezahlt worden.
00:34:49Was wir nicht verwerten, das fehlt doch woanders.
00:34:52Komm mal ehrlich.
00:34:54Dir ist nicht ganz wohl in deiner Haut,
00:34:56einen Kollegen unter diesen Umständen vor die Konfliktkommission zitieren zu müssen, stimmt's?
00:35:00Na, da kommt ein zum anderen.
00:35:04Warum hast du denn nicht wenigstens Gänsen vorher eingeweiht? Auch der hat Sinden rum erfahren.
00:35:19Mehr als einmal habe ich dem ins Gesicht gesagt. Den Mund habe ich mir wusste ich geredet.
00:35:24Dass du zum Staatsanwalt gehst?
00:35:25Nein!
00:35:27Dass wir uns das nicht mehr länger mit ansehen, wenn nichts passiert.
00:35:35Ingehalten hat er mich. Einfach verschaukelt.
00:35:38Menschenskind, Werner. Dein alter Kumpel.
00:35:41Oder steckt da wirklich was anderes dahinter?
00:35:46Wer behauptet das?
00:35:48Die Rassloff.
00:35:50Na, auf solche Ideen kommen Leute, wenn einer nicht mit offenen Karten spielt.
00:35:55Ach, so ist das.
00:35:57Na gut.
00:35:59Passe.
00:36:01Denkst du, ich habe Lust, das Querland durch die Gegend zu laufen?
00:36:05Du magst doch nicht so. Deine Brigade steht hinter dir.
00:36:08Hey, die Halbe!
00:36:14Soll doch der ganze Krempel vermodern.
00:36:17Bis er zum Himmel ins Ministerium stinkt.
00:36:22Ich rühre keine Hand mehr.
00:36:39Hoffentlich dauert es nicht mehr allzu lange.
00:36:42In einer dreiviertel Stunde muss ich wieder am Zug sein.
00:36:46Wohin geht es denn heute?
00:36:50Nach Eberswalde.
00:36:52Fahren Sie auch internationale Strecken?
00:36:54Oh, Sie meinen, Warschau, Paris?
00:36:59Aha.
00:37:01Da würde mein guter Alter aber maulen.
00:37:05Der braucht seine Häuslichkeit.
00:37:08Na ja, aber trotzdem, Sie haben doch einen interessanten Beruf.
00:37:12Sie lernen Menschen kennen.
00:37:13Sie nicht auch?
00:37:14Genau.
00:37:15Und was für welche manchmal.
00:37:17Schicksale.
00:37:18Also da muss man sich eine Haut anschaffen wie ein Elefant.
00:37:21Wissen Sie übrigens, wie man mich nennt?
00:37:23Justizdrachen.
00:37:24Ach nein.
00:37:26Nicht amtlich, intern nur.
00:37:28Ich kenne doch meine Pappenheimer.
00:37:30Ach, seien Sie doch bitte so nett und machen für morgen Nachmittag einen Termin beim Leiter der Kriminalpolizei aus.
00:37:35Es geht mir um den weiteren Fortgang der Ermittlungen im Fall.
00:37:38Es geht aber nicht vor 16 Uhr.
00:37:40Das würde mir passen.
00:37:41Ja, und nochmals meinen verbindlichsten Dank für die Besuchserlaubnis, Herr Scherzer.
00:37:44Nicht zu Dank.
00:37:45Vielen, vielen Dank.
00:37:46Auf Wiedersehen.
00:37:48Frau Eckert wartet.
00:37:50Guten Tag, Frau Eckert.
00:37:53Bitte schön.
00:37:54Entschuldigung.
00:37:55Noch eine Frage.
00:37:56Der Herr Staatsanwalt, der war doch so außerordentlich entgegenkommend und da wollte ich nur mal fragen, ob ich mich vielleicht in irgendeiner Form... Sie verstehen?
00:38:18Ob Sie sich erkennlich zeigen können?
00:38:20Ja.
00:38:22Ja, das können Sie.
00:38:23Ja?
00:38:26Aber stricken Sie ihm bitte keinen Pullover, sondern reden Sie Ihrem Sohnmann ins Gewissen.
00:38:32Bitte?
00:38:33Ja, das würde ihn bestimmt sehr freuen.
00:38:35Ja?
00:38:37Er hat also Schwierigkeiten im Betrieb.
00:38:43Früher hat er mir alles erzählt.
00:38:48Jetzt sitzt er und grübelt, schläft keine Nacht.
00:38:53Oder er schießt im Bett hoch wie ein Delfin.
00:38:56Aber das machen Delfine nur, wenn sie sich wohl fühlen.
00:38:59Tja, Frau Eckert.
00:39:00Überall, wo Menschen gegen Missstände angehen, machen sie sich zuerst meistens unbeliebt.
00:39:07Ja, aber dass Herr Rassloff ihm das krumm nimmt, kann ich ja sogar zum Teil verstehen.
00:39:15Aber Jensen, die beiden kennen sich schon aus der Lehrzeit her.
00:39:22Max ist doch kein Intrigant.
00:39:26Der hebt auch heute noch zu Hause jeden Nagel auf.
00:39:33Der kann gar nicht anders.
00:39:35Intrigant? Wie kommen Sie ihn darauf?
00:39:37Na, was soll's denn sonst sein?
00:39:40Wenn ihn einige im Betrieb jetzt schneiden?
00:39:43Ja, aber es gibt doch sicher auch Kollegen, Frau Eckert, die sagen, er hat richtig gehandelt.
00:39:48Ja, sicher.
00:39:52Wer von den Arbeitern würde sich wohl nicht aufregen, wenn mit wertvollem Material herumgeasst wird.
00:39:57Und aufregen alleine genügt eben nicht.
00:40:02Ja, sehen Sie, und dabei ist Max von Natur aus überhaupt kein Draufgänger.
00:40:07Das muss ihn so mächtig gewurmt haben, wie er immer wieder abgestunken ist.
00:40:12Bitte entschuldigen Sie.
00:40:14Und trotzdem, glaube ich, bereut er heimlich, dass er bei Ihnen war.
00:40:20Der würde am liebsten aufgeben.
00:40:23Wenn er es innerlich nicht schon getan hat.
00:40:30Ich dachte, vielleicht weiß der Herr Staatsanwalt gar nicht, wie sehr er sich das alles zu Herzen nimmt.
00:40:40Und dafür siehst du das ja sozusagen, wie täglich Brot, nicht wahr?
00:40:47Leider nicht, Frau Eckert.
00:40:49Ich habe oft genug an trockenen, harten Semmeln zu kaufen.
00:40:55Mal ehrlich, Sie verübeln doch dem Kollegen Eckert, dass er zu mir gekommen ist.
00:41:01Warum eigentlich?
00:41:04Dass es ohne unser Wissen geschah, finde ich zumindest recht eigenartig.
00:41:17Vielleicht fehlt es ihm am nötigen Vertrauen?
00:41:18Eine Leitung stößt manchmal auch auf unbegründetes Misstrauen, Herr Staatsanwalt.
00:41:28Unbegründet?
00:41:30Nee, also da muss ich unseren Kollegen Eckert doch in Schutz nehmen.
00:41:34Er hat die Zustände im Materiallage oft genug kritisiert.
00:41:37Selbst für uns im Absatz hat er sich erkundigt, ob man die Überplanbestände nicht eventuell verkaufen könnte.
00:41:42Im Grunde genommen weiß doch jeder, wie recht er hat.
00:41:47Was haben Sie dem Kollegen Eckert geantwortet?
00:41:49Ich? Ja, Sie.
00:41:51Ich habe ihm gesagt, das müsste Kollege Rassloff entscheiden.
00:41:54Für jede Entscheidung braucht man exakte Unterlagen, Kollegin Schütt.
00:41:58Leider ist die Belegdisziplin, das heißt die lückenlose Datenerfassung in diesem Betrieb von jeher vernachlässigt worden.
00:42:03Und warum hat sich das auch unter Ihrer Leitung nicht geändert, Herr Rassloff?
00:42:08Kollege Jensen wird Ihnen bestätigen können, dass diese Maßnahmen von mir nicht allein zu realisieren sind.
00:42:13Und wir sind auch an diesem Tisch nicht einen Schritt weiter gekommen.
00:42:17Ich finde, gegenseitige Vorwürfe helfen uns hier nicht weiter.
00:42:21Das finde ich auch.
00:42:23Das gleiche aber sollte man auch dem Kollegen Eckert gegenüber beherzigen.
00:42:28Wer hat Ihnen denn zugehört?
00:42:30Er hatte doch nur die Möglichkeit, entweder aufzugeben oder sich anderweitig nach Verbündeten umzusehen.
00:42:37Ja, aber warum gleich in der Staatsanwaltschaft?
00:42:41Wollten Sie die Dinge lieber auf sich beruhen lassen?
00:42:44Die Lösung schwieriger Probleme muss heranreifen.
00:42:47In jedem Fall sollte man betriebsinternen Möglichkeiten den Vorzug geben.
00:42:51Und wenn man sich festgefahren hat? Sie sehen ja, nun kommt die Sache endlich ins Rollen.
00:42:56Ja, in Form einer Untersuchungskommission.
00:42:57Ich schlage vor, wir machen im Materiallager Inventur.
00:43:01Na ja, der Arbeitszeitaufwand wird zwar erheblich sein und gerade jetzt, wo die Quartalstermine drücken, aber wir kommen doch sowieso nicht drum herum.
00:43:09Einverstanden, Genosse Döring.
00:43:12Sie sind der Betriebsleiter.
00:43:16Also klar, die Inventurvorbereitungen zur Wiederherstellung der Ordnung im Materiallager laufen sofort an.
00:43:22Tja, das wär's dann wohl.
00:43:24Nur sollte man über den organisatorischen Maßnahmen die, wie heißt das so schön, Arbeit mit den Menschen nicht vergessen.
00:43:31Ob Sie's glauben oder nicht, von allein wäre ich darauf nie gekommen.
00:43:36Rosi, ruf doch mal in der Vorfertigung an, der Kollege Eckarts soll gleich mal herkommen.
00:43:39Nein, umgekehrt wird ein Schuh draus.
00:43:43Ach so, dann sag ich, es hat sich erledigt.
00:43:48Kaum 20 Minuten.
00:43:53Keine Fragen.
00:43:56Rasloff, stumm wie ein Fisch.
00:43:59Na, wusste ich vorher.
00:44:01Er wird sich hütten.
00:44:03Und Donath.
00:44:05Ah, Donath.
00:44:07Der legte eine Quittung vor, dass er die 130 Mark schon vorher aufs Betriebskonto eingezahlt hatte.
00:44:12Aber es hat angenommen, mich entschuldigt, wie sich das gehört.
00:44:16Mit einem Wort, alles in Butter.
00:44:19Hat er nicht gedroht, er würde euer Lagergerümpel zur Sprache bringen?
00:44:22Kein Gerümpel, das ist wertvolles Material.
00:44:24Ich weiß, pures Gold ist nichts dagegen.
00:44:27Was fragst du denn, wenn es überhaupt nicht interessiert?
00:44:32Warum hast du denn nicht die Sache zur Sprache gebracht?
00:44:36Ich?
00:44:41Als Vorsitzender der Konfliktkommission?
00:44:47Wo ich andauernd gepredigt habe, man darf das eine nicht mit dem anderen vermanschen.
00:44:52Hast du aber gehofft, dass Donath auspackt was?
00:44:55Komm, gib's zu, Alter.
00:44:57Na, es wäre wenigstens protokolliert worden, wenn man davon angefangen hätte.
00:45:01Und dann, bei der Auswertung, im Betrieb!
00:45:04Ach, das muss die Zeitungsfrau sein.
00:45:07Wo ist denn mein Portemonnaie?
00:45:11Ach.
00:45:16Ja, doch.
00:45:18Wenn die Post bloß so schnell zustellen würde, wie sie kassiert.
00:45:26Menschenskind, du!
00:45:29Ist das eine Überraschung!
00:45:32Du warst hier schon seit einer kleinen Ewigkeit nicht mehr hier.
00:45:34Herr und Anna.
00:45:35Mein Gott, komm doch rein.
00:45:36Magst du zu Hause?
00:45:37Ja.
00:45:38Oh Gott.
00:45:41Ach, herrje.
00:45:42Das stört ja wohl gerade beim Armutessen, was?
00:45:43Ach, jawohl.
00:45:44Wir sind doch gleich fertig.
00:45:45Ich nicht.
00:45:46Na, du kannst dich auch mit reinsetzen, was mit essen.
00:45:48Nein, danke.
00:45:49Ich habe ja gar nicht gegessen außerdem.
00:45:50Hier.
00:45:51Ich habe auch gar nicht so viel Zeit.
00:45:55Na, komm, setz dich.
00:45:56In die gute Ecke.
00:45:58Willst du was trinken?
00:45:59Ja, eine Cola.
00:46:00Tja, mein lieber Max, um gleich mit der Tür in den Brunnen zu fallen.
00:46:11Ich habe eine Inventur angesetzt und da dachte ich...
00:46:14So?
00:46:15Dankeschön.
00:46:17Na ja, die Kollegen vom Lager selbst können sie doch nicht durchführen.
00:46:20Und da dachte ich...
00:46:22Du hast eine Inventur angesetzt im Lager.
00:46:27Und da kommst du extra nach Feierabend hierher?
00:46:30Na komm, lass ihn doch mal ausreden.
00:46:32Misch ich mich einmal deine Züge abfahren sollen?
00:46:35Was dachtest du?
00:46:38Dass deine Brigade die Inventur durchführen soll.
00:46:41Meine Brigade?
00:46:43Mhm.
00:46:44Inventur.
00:46:45Wer vor der Untersuchungskommission hier gewesen ist?
00:46:52Kein Stück fassen wir an.
00:46:58Dein Staatsanwalt ist damit einverstanden.
00:46:59Er war heute früh bei uns.
00:47:01In der Leitungssitzung.
00:47:03Döring?
00:47:05Du kannst ihn ja morgen früh anrufen, wenn du mir nicht glaubst.
00:47:08Na, so weit kommt es noch.
00:47:11Was ist denn bloß in euch gefahren?
00:47:15Wenn ich daran denke, wie ihr nach 45 gemeinsam hier geackert habt.
00:47:20Selbst sonntags in den Trümmern herumgewühlt.
00:47:25Nach dem Schraubstock.
00:47:27Vor Eisenstangen.
00:47:29Vorbeultem Blech.
00:47:32Auf dem Tanzboden, die ersten und die letzten.
00:47:36Eine Zwischendurch, meine Keilerei, aber immer auf der gleichen Seite.
00:47:40Das gehört nicht hierher.
00:47:43Danke, danke, Anna. Ich muss hier noch fahren.
00:47:46Ja, doch später.
00:47:48Haben wir doch immer an einem Strang gezogen, oder?
00:47:51Döring war also bei euch?
00:47:53Wenn wir die Inventur vorher durchführen, hat die Untersuchungskommission einen schnelleren Überblick.
00:48:01Außerdem soll doch nichts manipuliert werden, Max.
00:48:04Dafür wirkt doch ihr.
00:48:05Anna, komm, schenk mir einen ein. Ich kann auch mal zu Fuß nach Hause gehen.
00:48:14Tja.
00:48:24Döring meinte, dass du dir Gedanken machst, ob du richtig gehandelt hast.
00:48:29Vielleicht sogar selbst Vorwürfe.
00:48:32Wieso?
00:48:33Ich habe noch erst zweimal gesehen.
00:48:34Wie kann der Mann sowas sagen?
00:48:35Weil ich bei ihm war.
00:48:36Anna!
00:48:37Du?
00:48:38Ja, ich.
00:48:39Ich habe doch jeden Tag mit ansehen müssen, wie du dich herumgequält hast.
00:48:40Da bin ich einfach zum Staatsanwalt hingegangen und habe gesagt, Herr Staatsanwalt, habe ich gesagt...
00:48:41Aber Anna!
00:48:42Hinter meinem Rücken.
00:48:43Siehst du, Anna?
00:48:44So entstehen dann die Missverständnisse.
00:48:45Am besten, man sagt sich alles ins Gesicht, mein Lieber.
00:48:46Eure Inventur ist das nicht so.
00:48:47Ist das nicht so?
00:48:48Ich habe noch nicht so.
00:48:49Es ist so.
00:48:50Ja.
00:48:51Ich habe doch jeden Tag mit ansehen müssen, wie du dich herumgequält hast.
00:48:52Da bin ich einfach zum Staatsanwalt hingegangen und habe gesagt, Herr Staatsanwalt, habe
00:48:57ich gesagt...
00:48:58Aber Anna!
00:48:59Hinter meinem Rücken.
00:49:03Siehst du, Anna?
00:49:04So entstehen dann die Missverständnisse.
00:49:07Am besten, man sagt sich alles ins Gesicht, mein Lieber.
00:49:11Eure Inventur könnt ihr haben.
00:49:14Aber eine Generalinventur!
00:49:17Und mit sowas bin ich seit 30 Jahren verheiratet.
00:49:20Prost!
00:49:24Der Kollege Mantei und die Kollegin Heinze sind gleich in den Betrieb weitergefahren.
00:49:28Eine Kommission, die sich schon am ersten Tag verspätet?
00:49:32Das kontrolliert das Ansehen, hm?
00:49:34Hauptsache, es ist jetzt nichts passiert.
00:49:35Nein, nein.
00:49:36Unser Fahrer hatte den Wagen sofort wieder an der Gewalt.
00:49:38Um keine Zeit zu verlieren, hat man mich kurz entschlossen vor Ihrer Tür abgesetzt.
00:49:43Damit Sie wissen, dass wir da sind.
00:49:45Und wir vielleicht ein paar Informationen bekommen, wie die Dinge zurzeit liegen?
00:49:50Mein Untersuchungsverlangen kennen Sie.
00:49:52Inzwischen lässt Jensen eine Inventur durchführen.
00:49:55Alles andere ist zunächst einmal Ihre Sache.
00:49:57Wie im Kombinat.
00:50:01Sind der Meinung, ohne diese Diebstahlsaffäre wäre die Situation im Materiallager nicht so schnell rufbar geworden?
00:50:09Schnell, Genosse Kroll?
00:50:11Hm.
00:50:15Vom Kombinat aus ist es nicht immer ganz einfach, alle Betriebsteile in der Republik sofort und vollständig zu übersehen.
00:50:21Besonders nicht nach solchen strukturellen Veränderungen.
00:50:24Da werden Schlussfolgerungen gezogen werden müssen.
00:50:27Insofern hat uns Ihr Untersuchungsverlangen schon jetzt geholfen.
00:50:30Wenn Sie das interessiert.
00:50:33Mhm.
00:50:46Ist ein bisschen mager, wie?
00:50:48Rein formal nichts dagegen einzuwenden.
00:50:52Ein Arbeiter wird bei einem Diebstahl erwischt.
00:50:55Er kommt vor die Konfliktkommission.
00:50:57Er erhält einen Verweis.
00:50:58Er muss finanziell für den Schaden aufkommen.
00:51:01Und alles wird korrekt protokolliert.
00:51:06Formal gesehen, aber damit dürfen wir uns nicht zufrieden geben.
00:51:10Deswegen sind wir ja hier.
00:51:13Uns geht's um die neunzehntel des Eisberges unter dem Wasser.
00:51:17Ich meine aber auch die menschlich-moralische Seite.
00:51:20Ein Kollege hat den Mut gehabt, in einer Sackgasse umzukehren und sich an die staatlichen Organe zu wenden.
00:51:25Und nun glauben Sie ja nicht, dem würden im Betrieb nun Girlanden gewunden.
00:51:30Hm.
00:51:31Ich arbeite in der Arbeiter- und Bauerninspektion, Genosse Döring.
00:51:36Macht man dem Kollegen Eckart denn Schwierigkeiten?
00:51:38Hm.
00:51:40Aber, Sie müssen zur Verhandlung, Genosse Staatsanlagen.
00:51:43Ich komme, Frau Lehmkuhl.
00:51:45Es gibt für Menschen wie Eckart Schlimmeres als Schwierigkeiten.
00:51:48Leicht unterkühlte Höflichkeit.
00:51:50Hm.
00:51:52Da wären dann also bei passender Gelegenheit ein paar Worte vor versammelter Mannschaft zu sagen.
00:51:58Hm.
00:51:59Wir haben uns verstanden, Genosse Kroll.
00:52:01Hm.
00:52:02Nee, du, warte mal, wir müssen zurück, was das denn sind.
00:52:08Gib mal her.
00:52:12Na, los, Vorsicht.
00:52:13Stücksinn ist hier.
00:52:14Lecker nicht.
00:52:15Was sein muss, muss sein.
00:52:17Kommt, Jungs, hält mir die Kisten mit auf.
00:52:19Komm.
00:52:20Nee, warte noch mal.
00:52:21Ich muss erst mal meinen Handschuh.
00:52:24Boah.
00:52:25Und unsere Arbeit bleibt liegen.
00:52:28In der Wange, Wolfgang.
00:52:29Mit einer Sonderschicht holen wir da spielend auf.
00:52:31Auch noch eine Sonderschicht, aber ohne mich.
00:52:34Glotzt dran.
00:52:35Auf, auf die Palette.
00:52:36Ah, ja.
00:52:37Der Gabelstapler zieht das weg.
00:52:38Tschüss, Kinder.
00:52:39Dann sollen dir und wir eine Tour machen, die uns das eingebrockt haben.
00:52:40Komm, komm, darüber reden wir später.
00:52:41Du bleibst.
00:52:42Bin ich dein Kuli?
00:52:43Ja.
00:52:44Ich bin dein Kuli?
00:52:45Ich bin dein Kuli.
00:52:46Ich bin dein Kuli.
00:52:47Ich bin dein Kuli.
00:52:48Und unsere Arbeit bleibt liegen.
00:52:49Und unsere Arbeit bleibt liegen.
00:52:50In der Wange, Wolfgang.
00:52:51Mit einer Sonderschicht holen wir da spielend auf.
00:52:52Auch noch eine Sonderschicht, aber ohne mich.
00:52:53Glotzt dran.
00:52:54Auf, auf die Palette.
00:52:55Ah, ja.
00:52:56Der Gabelstapler zieht das weg.
00:52:57Tschüss, Kinder.
00:52:58Dann sollen dir und wir eine Tour machen, die uns das eingebrockt haben.
00:52:59Komm, komm, darüber reden wir später.
00:53:01Du bleibst.
00:53:05Bin ich dein Kuli?
00:53:08Ich habe ehrlich gearbeitet.
00:53:10Ich mache auch mal Überstunden, das weißt du.
00:53:12Aber was andere Leute versaubertet haben, dafür hebe ich freiwillig nicht mal eine Schraube auf.
00:53:19Gut.
00:53:20Geh an deine Maschine.
00:53:22Schick Lodemann raus.
00:53:24Ich werde dir was husten.
00:53:26Bitte.
00:53:28Du kannst ja wieder zum Staatsanwalt rennen.
00:53:30Aber dann werde ich dir mal erzählen, was du für eine Type bist.
00:53:33Du, du bist ja...
00:53:36Sag mal, schämst du dich nicht?
00:53:38Du, du hast es nötig, Max, zu beschimpfen.
00:53:41Wir stören wohl mitten in der Produktionsberatung.
00:53:44Nur eine kleine Meinungsverschiedenheit.
00:53:46Wo ihr nun schon mal beim Kontrollieren seid.
00:53:48Müssen wir diese Müllkutschearbeit eigentlich machen?
00:53:51Das unterliegt einer betrieblichen Regelung.
00:53:54Müllkutschearbeit.
00:53:55Ich denke, sie machen Inventur.
00:53:57Wir können jetzt endlich mal Ordnung und Klarheit schaffen.
00:54:01Auf Deutsch, Schrott fahren.
00:54:03Das ist eben die Frage.
00:54:05Schrott oder nicht Schrott, erst einmal müssen wir wissen, was und wie viel.
00:54:08Zählen, wiegen, messen, umständlich zwar, aber nötig.
00:54:11Trotzdem, ich arbeite in Leistung.
00:54:13Wir können dann nämlich doppeltraxen, damit wir unseren Plan erfüllen.
00:54:16Zur Planerfüllung, wenn ich das mal bemerken darf, gehört ja auch die maximale Ausnutzung der Umlaufmittel.
00:54:22Wenn beispielsweise zusätzliche Lagerbestände im Werte von 100.000 Mark ein Jahr lang mitgeschleppt werden,
00:54:28entstehen dadurch zusätzliche Unkosten von mindestens 11.000 Mark, die den Gewinn direkt schmälern und somit auch ihren Prämienfonds negativ beeinflussen.
00:54:36So herum hört sich das schon ganz anders an, junge Frau. Oder, Fräulein?
00:54:41Tja, wenn es um seine Lohntüte geht, da hat er eigentlich noch immer genügend Grips bewiesen.
00:54:46Das lässt sich nicht hoffen.
00:55:06Sie haben sich Ihre Überplanbestände von der Bank kreditieren lassen?
00:55:16In die Betriebsleitung.
00:55:18Ja, auf Ihren Antrag hin. Wogegen ja im Prinzip auch gar nichts einzubinden ist.
00:55:24Begründung des Kreditantrages Vorausproduktion, also Lagerfertigung für die Ersatzteilproduktion wegen bevorstehender Umstellung auf das einheitliche Gerätesystem.
00:55:38Tja, das sind Bestände im volkswirtschaftlichen Interesse.
00:55:43So weit, so gut.
00:55:46Da der Verkaufserlös für Ihre Vorausproduktion vorerst ausblieb, konnten Sie für alle sich daraus ergebenden finanziellen Aufwendungen einen verzinslichen Kredit aufnehmen.
00:55:58Ja, und dann blieben wir wegen mangelnder Nachfrage auf der Vorausproduktion sitzen und konnten den Abbauplan nicht erfüllen.
00:56:05Ah, aber schon vor Monaten zeichnete sich diese Entwicklung ab, Herr Rasloff.
00:56:10In der Beratung mit der Staatsbank hatten wir Sie bereits darauf hingewiesen. Sie erinnern sich?
00:56:15Ihr Kreditantrag hätte unbedingt modifiziert werden müssen. Energische Maßnahmen zur anderweitigen Verwendung des Materials wären einzuleiten gewesen.
00:56:24Das alles ist unterblieben. Eine grobe Fahrlässigkeit.
00:56:28Verehrte Frau Kollegin, Theorie summa cum laude, aber praktisch stellen Sie sich mal vor die Arbeit dahin und sagen Sie Gewinnplan nicht erfüllt.
00:56:38Ohne Jahresendprämie traut sich doch keiner zu seiner Frau nach Hause.
00:56:42Sie sind verheiratet? Ja, nicht nur die Arbeiter bekommen Jahresendprämien.
00:56:47Ich frage mich, woher kommt das Geld, das nicht erwirtschaftet worden ist?
00:56:56Sicherlich im juristischen Sinne liegt hier kein Diebstahl vor.
00:57:01Volkswirtschaftlich gesehen, ja. Und der Schaden ist größer als 130 Mark.
00:57:13Oklahoma City, USA. Während einer Gerichtsverhandlung wendet sich der Verteidiger an die Geschworenen.
00:57:20Meine Herren, ich bitte Sie, bedenken Sie, dass mein Mann dann seit frühester Jugend verwöhnt und verzerrt wurde.
00:57:28Er brauchte seine Eltern nur um eine 5-Dollar-Note zu bitten. Schon ging der Papa hinunter in den Keller und druckte ihm eine.
00:57:35Sind alle Staatsanwälte so gute Witze-Erzähler? Ach, da müssten Sie erstmal unseren Bezirksstaatsanwalt hören.
00:57:44Also zunächst einmal meinen herzlichen Dank auch an Ihre beiden Mitarbeiter für dieses wirklich exakte Untersuchungsergebnis.
00:57:51Leider bedurft es erst Ihres Anstoßes. Na, ich würde sagen, den des Kollegen Eckert.
00:57:58Von solchen brauchten wir 12 auf ein Dutzend.
00:58:02Knapp die Hälfte würde schon genügen. Also dann, gute Heimreise.
00:58:07Ach, eine Frage hätte ich doch noch, Genosse Mantai.
00:58:11Ja?
00:58:12Wie kontrolliert eigentlich das Kombinat die einzelnen Betriebsteile über den Abrechnungsmechanismus?
00:58:18Da scheint doch auch was nicht zu stimmen.
00:58:22Der von Rasloff initiierte Kreditantrag stammt noch aus der Zeit, wo der Betrieb unserem Kombinat gerade angegliedert worden war.
00:58:29Wir wussten davon, haben uns aber nicht um die Details gekümmert.
00:58:33Eine neue Regelung ist in Vorbereitung.
00:58:36Wir werden in Zukunft die Kontrollen verbessern.
00:58:39Damit nicht erst der Staatsanwalt seiner Gesetzlichkeitsaufsichtspflicht nachkommen muss.
00:58:43Herr Böhring, Sie wollten um 16 Uhr bei der HU-Kreisdirektion sein.
00:58:50Ich eile, ich fliege, Frau Lemko.
00:58:53Na ja.
00:58:54So traktiert sie mich den ganzen Tag. Und dabei will sie noch Gehaltserhöhung.
00:58:57Ihr seid schon zurück?
00:58:58Ja.
00:58:59Oh, sie hat den Kontakt auf Anhieb ihren Traumbehaar bekommen.
00:59:00Das ist ja prima.
00:59:01Zuhause finde ich in der Hektik nie das passende.
00:59:02In der Größe?
00:59:04Dann hätten wir ja ein allseitiges Erfolgserlebnis zu verzeichnen.
00:59:05Was denn? Döring war einverstanden?
00:59:06Er war geradezu überwältigt von unserem analytischen Leistungspotenzial.
00:59:10Als ich den das erste Mal gesehen habe, habe ich mir gleich gedacht, mit dem möchte man eine Flasche Tokaja verkotzen.
00:59:14Boah, sehe ich, der Mann ist verheiratet.
00:59:16Na und? Dafür kennt er wenigstens alle einschlägigen Paragrafen.
00:59:19Aufwachen, Fritz. Wir müssen heme. Kostet uns schon genug Überstunden.
00:59:23Jetzt legt Döring los mit einer hohen Tourenzahl, wie ich ihn kenne. Übrigens bei der anschließenden Auswertung im Betrieb sollte einer von uns dabei sein.
00:59:48Es sind Überplanbestände in Höhe von 250.000 Mark mitgeschleppt worden, für die 27.500 Mark Unkosten entstanden.
01:00:01Tja, ja, Sie haben richtig gehört. 27.500 Mark in Form von Kreditzinsen und Produktionsfondsabgaben.
01:00:12Außerdem ist durch die lange Lagerzeit bei einigen Materialien eine erhebliche Wertminderung eingetreten.
01:00:21Das Material hätte damals schon dem staatlichen Kontor für Maschinen und Materialreserven angeboten werden müssen,
01:00:27bzw. wenn dort kein Bedarf bestanden hätte, dem VEW Metallaufbereitung.
01:00:34Das alles ist nicht geschehen.
01:00:37Und deshalb musste ich leider gegen die Kollegen Jensen und Rasloff ein Disziplinarverfahren beantragen.
01:00:44Ein strafrechtliches Vergehen liegt nicht vor.
01:00:51Sie haben sich schwere Versäumnisse zu Schulden kommen lassen, die disziplinarisch geahndet werden müssen.
01:00:58Und aus Umständen bis zur materiellen Verantwortlichkeit.
01:01:02Des Weiteren habe ich darum ersucht, die gesamte Materialwirtschaft, das Belegwesen und die Lagerwirtschaft
01:01:10bis zum 31. Oktober nach den geltenden Bestimmungen in Ordnung zu bringen.
01:01:17Ich werde das kontrollieren und bei mangelhafter Durchführung Protest einlegen.
01:01:22Das heißt, ich werde Ihnen so lange im Nacken sitzen, bis auch hier die volle Gesetzlichkeit wiederhergestellt ist.
01:01:27Das möchten wir doch auch, Genosse Staatsanwalt.
01:01:32Ich nehme Sie beim Wort.
01:01:35Ihre Leitung alleine kann es nicht.
01:01:38Das wird leider allzu oft vergessen.
01:01:42Tja, vielleicht möchte jetzt der Kollege Donath einige Worte sagen.
01:01:48Der Fall hat ja die Gemüter so sehr erhitzt.
01:01:52Wie Sie alle wissen, verursachte Kollege Donath einen Schaden von 130 Mark durch
01:01:56durch eigenmächtige Entnahme von Material für Privatzwecke.
01:02:01Sagen Sie ruhig Diebstahl.
01:02:05Na ja, erstens weiß das hier jeder und
01:02:11zweitens möchte ich mich bei dieser Gelegenheit nochmals dafür entschuldigen.
01:02:17Ich danke, dann habe ich nichts weiter zu sagen.
01:02:21Kollege Donath hat die Schadenssumme inzwischen zurückerstattet.
01:02:25Und zwar noch vor der Verhandlung in der Konfliktkommission.
01:02:30Übrigens möchte ich keine großen Worte machen, Kollegen.
01:02:34Aber in unserem Leitungsstil wird sich einiges ändern.
01:02:39Besonders in dem Vertrauensverhältnis zwischen uns und Euch.
01:02:45Max, möchtest Du auch noch was sagen?
01:02:49Ich?
01:02:50Nee.
01:02:52Tja, das war's und es war sehr gut, dass wir uns benachrichtigt haben.
01:02:56Tja, ich bin ein bisschen in Eile.
01:02:58Muss jetzt rüber.
01:03:00Übrigens, bei Gelegenheit werde ich Eckert sagen, dass er recht hat.
01:03:05Nett von mir.
01:03:07Na Max, jetzt könnte ich einen Schnaps gebrauchen, ob deine Anna uns wohl einen rausrückt?
01:03:10Aber deinen Trabi lass lieber gleich stehen.
01:03:12Na dann mal los, komm.
01:03:13Klug ist nicht, schrieb Lenin, wer keine Fehler macht.
01:03:39Solche Menschen gibt es nicht und kann es nicht geben.
01:03:43Klug ist, wer keine allzu wesentlichen Fehler macht und es versteht, sie leicht und rasch zu korrigieren.
01:03:50Jensen und Rasloff hatten Fehler gemacht.
01:03:54Aber sie hatten auch den Willen und die Kraft, sie zu überwinden.
01:03:58Gewiss, die Korrektur von Fehlern erspart uns noch nicht die Auseinandersetzung mit denen, die sie begehen.
01:04:04Zumal, wenn es sich um Leiter handelt, denen besondere Pflichten obliegen.
01:04:10Das ihnen anvertraute Volkseigentum zu schützen und zu mehren, diese Pflicht hatten beide auf die leichte Schulter genommen.
01:04:19Zumindest in Bezug auf eine effektive und sparsame Material- und Lagerwirtschaft.
01:04:24Natürlich kann mal der Fall eintreten, dass bestimmte Produkte oder Aggregate für einen Betrieb nicht mehr nutzbar sind.
01:04:31Für solche Situationen aber begründet das Gesetz klare Rechtspflichten.
01:04:37Im § 18 der Verordnung über die Aufgaben, Rechte und Pflichten der volkseigenen Betriebe,
01:04:43Kombinate und VVB vom 28. März 1973 in der Fassung der Änderungsverordnung vom 27. April 1973 ist festgelegt,
01:04:52Bestände, die im Betrieb nicht benötigt werden, sind einer anderweitigen volkswirtschaftlichen Verwertung zuzuführen.
01:05:01Auch bei Überplanbeständen gilt es, das Material sorgsam zu pflegen, vor Verlust und unbefugten Zugriff zu schützen,
01:05:10sowie Bestandskontrollen nach Menge und Wert durchzuführen.
01:05:13Aufgaben, die den Leitern der Betriebe und Kombinate durch § 11 der Verordnung über die ökonomische Materialverwendung und Vorratswirtschaft vom 15. September 1971 ausdrücklich auferlegt sind.
01:05:27Rassloff und Jensen unterließen ihre diesbezüglichen Pflichten und überließen wertvolles Material einfach seinem Schicksal.
01:05:36Was mag im Kopf eines Arbeiters vorgehen, der von solchen Dingen erfährt?
01:05:42Wird er dann noch glauben, dass es beim sozialistischen Wettbewerb wirklich darum geht, aus jeder Mark, jeder Stunde Arbeitszeit, jedem Gramm Material einen größeren Nutzen zu ziehen?
01:05:53Wird er es dann noch ernst nehmen, dass man Volkseigentum ebenso sorgsam wie persönliches Eigentum oder sogar sorgsamer behandeln muss?
01:06:01Nicht alle reagieren so wie der Arbeiter Max Eckert und seine Brigade.
01:06:09Manche halten es auch mit Donut, der aus dem großen Schlendrian noch einen kleinen persönlichen Nutzen zog.
01:06:16Es ist schon so, dort wo die Leiter in puncto Gesetzlichkeit auch nur ein Auge zudrücken, besteht die Gefahr, dass andere gesetzesblind werden.
01:06:26Das dürfen wir nirgends und bei niemandem zulassen.
01:06:31Das sozialistische Recht ist Ausdruck der Macht der Arbeiterklasse.
01:06:35Es gilt für alle und jeder, der es missachtet oder verletzt, hat dafür einzustehen, ohne Ansehen der Person.
01:06:42Das mussten auch Rasloff und Jensen zur Kenntnis nehmen.
01:06:48Auf Verlangen des Staatsanwalts belegte der Kombinatsdirektor Rasloff wegen schuldhafter Verletzung seiner Pflichten als Verantwortlicher für die Material- und Lagerwirtschaft des Betriebes gemäß § 109 Gesetzbuch der Arbeit mit einem strengen Verweis.
01:07:03Nach § 113 Gesetzbuch der Arbeit wurde Rasloff außerdem in Höhe eines Monatslohns materiell zur Verantwortung gezogen.
01:07:14Betriebsleiter Jensen wurde wegen Vernachlässigung seiner Leitungstätigkeit in Bezug auf die Material- und Lagerwirtschaft des Betriebes ein Verweis ausgesprochen.
01:07:23Fälle, in denen Leiter wegen Verletzung der sozialistischen Gesetzlichkeit zur Verantwortung gezogen werden müssen, sind keine Massenerscheinung, aber auch noch keine Seltenheit.
01:07:38In einer ganzen Reihe von Fällen muss die Staatsanwaltschaft immer wieder auf die disziplinarische, ordnungsstrafrechtliche oder auch materielle Verantwortlichkeit von Leitern dringen.
01:07:47Für eine saubere Atmosphäre, aber auch für die Erziehung manches Erziehers ist das noch immer notwendig.
01:07:55Wenn wir die Arbeiter und Bauern Disziplin lehren, erklärte Lenin bereits im April 1918, dann sind wir verpflichtet, zuallererst bei uns selbst zu beginnen.
01:08:07Und damit wollen wir es halten. Guten Abend.
01:08:11Guten Abend.
01:08:12Guten Abend.