00:00Rio de Janeiro. In der brasilianischen Metropole scheint die Sonne im Schnitt sechs Stunden am Tag.
00:08Beste Voraussetzungen für die Energiewende auch in den Favelas oder Comunidades der Stadt.
00:14Doch die ökologische Transformation lässt auf sich warten.
00:18Vaujinei Medina, genannt Ginei, will das ändern.
00:21Er leitet die erste Solarkooperative Brasiliens in der Comunidade de Babilonia.
00:26Ginei ist hier aufgewachsen, jeder kennt ihn.
00:28Na mein Junge, du bist ein toller Kerl. Du wirst sicher mal Surfer.
00:362015 wurden die ersten Solarpanele auf den Dächern der Kooperative errichtet.
00:41Der produzierte Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist.
00:45Dafür erhalten die Mitglieder der Kooperative einen Rabatt auf ihre Stromrechnung.
00:50Das Wartungspersonal bildet die Kooperative selbst aus und schafft so Arbeitsplätze.
00:58Solarenergie ist in Brasilien etwas für Reiche.
01:01Als wir die erste Solarkooperative Brasiliens in der Favela gründeten, wollten wir, dass Solarenergie auch zu den Armen kommt.
01:08Denn Studien zeigen, wer beim Strom spart, hat mehr Geld für Essen.
01:11Wir kämpfen deshalb für eine gerechte Energiewende, die allen zugutekommt.
01:2249 Familien in der Favela sind Teil der Kooperative und es werden immer mehr.
01:27Ginei führt uns zu Werder Moussa Fejede.
01:30Sie zahlt fast die Hälfte ihres Einkommens für die Stromrechnung.
01:33Dabei fällt der Strom oft tagelang aus, denn die Handwerker des Stromversorgers weigern sich, in die Favela zu kommen.
01:45Aus Angst vor Schießereien.
01:46Ich mache bei der Kooperative mit, weil ich mir davon erhoffe, dass dadurch meine Stromrechnung immer niedriger wird.
01:58Dass durch das Licht, das uns die Sonne schickt, der Strom billiger und auch sauberer wird.
02:10Finanziert wird das Projekt über den gemeinnützigen Verein Revolu Solar im Zentrum Rios.
02:16Die Organisation vermittelt den Kontakt zu Investoren und Spendern.
02:21Für Direktor Adderiano ist Klimaanpassung auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit.
02:28Wenn es regnet oder stürmt, dann fällt in der Favela sofort der Strom aus.
02:35Wir leben in der Klimakrise, das Wetter dreht durch und es trifft die Allerärmsten.
02:40Die Revolu Solar betreut zwölf Solarprojekte in ganz Brasilien.
02:48Die Finanzierung umfasst Hardware, Installation und die Ausbildung des technischen Personals.
02:54In der 10 Kilometer entfernten Comunidad de Maré hat man beim Projekt Eco-Klima mit anderen Problemen zu kämpfen.
03:04Projektleiter Rian de Queiroz besucht Teilnehmerinnen der Initiative.
03:08Hallo, wie geht's euch? Ich wollte mir mal euer Gründach ansehen. Na klar, komm rein.
03:21Gemeinsam mit den Bewohnern haben die Leute von Eco-Klima ein leichtes, hitzeisolierendes Gründach aus Recycling-Materialien entwickelt.
03:29Bislang noch ein Prototyp, das aber Schule machen soll.
03:35Installiert wurde es auf dem Haus der Schwestern Soraya und Sayonara Claudino.
03:44Wir wollten ein Gründach, das leicht und billig ist, auf dem man essbare Pflanzen und Tee pflanzen kann und das angepasst ist an die lokalen Bedürfnisse.
03:52Das Wichtigste war die wärmedämmende Wirkung.
04:02Die Dächer und unsere Häuser darunter werden wahnsinnig heiß.
04:08Ich habe aber die große Hoffnung, dass es im nächsten Sommer erheblich kühler wird und dass die Grünbedachung dann voll ihre Wirkung zeigt und uns echte Abkühlung verschafft.
04:22Im direkten Vergleich mit dem Nachbarhaus hatten wir schon in den ersten Monaten nach der Installation eine Temperatursenkung von 1,5 Grad.
04:36Auch die Müllabfuhr meidet die Favelas aus Angst vor Gewalt.
04:40Überall türmt sich der Müll.
04:42Und nach jedem Starkregen kommt es zu Überschwemmungen, weil die Kanalisation verstopft.
04:46Im Umgang mit Abfallstoffen zeigen sich viele der Probleme, mit denen wir in der Favela zu kämpfen haben.
04:59Der Müll verursacht Überschwemmungen und Krankheiten.
05:03Bei der Verbrennung wird die Luft massiv verschmutzt.
05:07Die Abfallentsorgung ist also einer der Schlüssel für komplexere Probleme.
05:10Ein weiteres Projekt der Initiative, Abwasserreinigung, nicht für die 140.000 Bewohner in dieser Kommunalität.
05:20Mit Studierenden der Landesuniversität hat man deshalb eine kleine Bio-Kläranlage gebaut.
05:26Ein Prototyp.
05:29Sie reinigt das Abwasser in mehreren Stufen.
05:31Das vorgeklärte Wasser fließt durch ein Feuchtbeet, in dem dann Wurzeln und Mikroben die restlichen Schadstoffe herausfiltern.
05:40Die Umwelttechnikerin Ana Maria Herrera nimmt regelmäßig Wasserproben.
05:50Die Wirkung der kleinen Anlage ist kaum messbar.
05:54Aber es geht um mehr.
06:00Ziel des Projektes ist es, die Aufmerksamkeit der Regierung und der Behörden zu wecken, um die Sanitärversorgung in der Favela zu verbessern.
06:08Derzeit werden weniger als 5 Prozent der Abwässer aus den Favelas in Rio gereinigt.
06:17Der Rest fließt ungeklärt direkt in die Guanabara-Wucht.
06:24Finanziert wurde das Eco-Klima-Projekt vom halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras.
06:29Der plant demnächst sogar, Öl im Amazonasbecken zu fördern.
06:33Aber mangels behördlicher Fördermittel können Umwelt-NGOs nicht wählerisch sein bei der Suche nach Finanzierung.
06:42Die Vorstellung, dass es in der Favela dringendere Probleme gäbe als den Klimawandel, ist ein Trugschluss.
06:49Das Recht auf Bildung oder Gesundheit kann am Ende nur durchgesetzt werden, wenn wir das Klimathema immer mitdenken.
06:54Rian, Jiney und alle anderen Beteiligten in den Favela-Projekten hoffen, dass sich nun endlich die Dinge ändern.
07:04All
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