00:58Wer von den Schwarzwaldhöhen um Freiburg nach Westen schaut, erblickt inmitten der weiten, fruchtbaren Rheinebene einen scharf nach allen Seiten abfallenden Gebirgskegel.
01:16Zwischen den mächtigen Höhenzügen des breiten Tales wirkt er wie eine Insel im Stroh. Das ist der Kaiserstuhl. Und auf seiner Höhe sollen nach dem Volksglauben einst deutsche Kaiserrecht und Gericht gesprochen haben.
01:33Schon der Reisende auf der Hauptstrecke Frankfurt-Basel spürt im Vorüberfahren etwas von der landschaftlichen Einmaligkeit, der nur rund 500 Meter hohen Gebirgsbildung, die unvermittelt aus der Niederung emporwächst.
01:52Von Freiburg her ist das Amtsstädtchen Emmendingen mit seinem roten Rathaus und dem gemütlichen Markt das Einfallstor zum Kaiserstuhl.
02:07Am alten Gasthof zum Löwen berichtet eine Tafel davon, dass Goethe aus der Emmendinger wohlanständigen Behäbigkeit wesentliche Stimmungsmomente für seine Dichtung Hermann und Dorothea empfangen habe.
02:34Er hat ja hier seine Schwester Cornelia Schlosser besucht und im heutigen Goethe-Park halten die Emmendinger die Erinnerung daran fest.
02:46An der Nordostecke des Kaiserstuhls liegt Riegel, ein verträumtes Stückchen Vergangenheit, dessen stattliche Bürgerbauten größtenteils aus dem Barock des 18. Jahrhunderts stammen.
02:59Und nun sind wir am Gebirgsstock des Kaiserstuhls selbst.
03:07Seine hochbedeutsame geologische Eigenart wird uns offenbar.
03:11Er ist der größte Vulkan Süddeutschlands.
03:16Längst ist er zwar erloschen und zur Vulkanruine geworden.
03:21Noch aber kann der Forscher fünf Phasen vom ersten gewaltigen Erdrindendurchbruch bis zur Durchsetzung mit verschiedenfachen Sedimentgestein feststellen.
03:33Deutlich erkennt auch das Laienauge die Kalksteinadern im Vulkangestein.
03:40Über dem Gestein lagert eine fruchtbare Lössschicht, die bis zu 25 Meter Tiefe erreicht.
03:53Sie füllt die Talsenkungen, steigt an den Hängen empor und lässt nur die höchsten Gipfel frei.
04:00Man nimmt an, dass westliche Winde während der Eiszeit große Lössmengen hinauftrugen.
04:08In den Hohlwegen tüfft man auf förmliche Lösswände.
04:12In den Ausläufern der Lösslandschaft um den Kaiserstuhl hat man vielfach wertvolle, frühgeschichtliche Funde bergen können.
04:24So legte man neuerdings einen riesigen Alemannenfriedhof mit Hunderten von Gräbern frei.
04:31Man datiert die Funde auf die Zeit um 600 nach Christo.
04:35Mit Pinsel und Spachtel befreit man die typischen Lank- und Kurzschwerter unserer alemannischen Vorfahren vom Erdenstaub.
04:54Oft findet man die Skelette von Kriegern mit ihren Waffen und sie liefern dem Rasseforscher wichtiges Material.
05:05In den Werkstätten des Augustiner Museums zu Freiburg werden die Funde mit den Hilfsmitteln neuzeitlicher Chemie und Physik konserviert und präpariert.
05:24Erst jetzt enthüllen sie ganz ihre ursprüngliche Schönheit.
05:29Lanzen, Spitzen und Schwerter, Schildbuckel, dazu aus den Frauengräbern goldene und silberne Gewandspangen mit kostbaren Halbedelsteinen,
05:44beweisen den hohen Stand der handwerklichen und rassischen Kultur vor 1500 Jahren.
05:50Im Gegensatz zur Fruchtbarkeit des Lösbodens steht die Dürftigkeit der Kammlandschaft.
06:06Im Bereich der Mondhalde, die man auch Schellinger Alpe nennt, tritt das blanke Basalt- oder Doloritgestein zutage.
06:14Nur stellenweise wird es von einer dünnen Grasnarbe bedeckt, deren Wachstum kaum das Viehfutter ergibt.
06:30Rings um den Kaiserstuhl führt eine Bahnlinie.
06:44Sie erschließt die Kette der Kaiserstuhlorte dem Verkehr.
06:48Endingen, einer der Hauptmarktorte des Gebietes, klingt in seiner Bauweise an das Elsässische an.
07:01Besonders prächtig und ein Ausdruck des Bürgerstolzes ist die Laube, ein giebelgekröntes, dreigeschossiges Kaufhaus von 1617.
07:11Auf Burg Limburg soll einstmals, wie die Volkssage erzählt, Rudolf von Habsburg geboren worden sein.
07:28Hart stehen ihre Trümmer über dem Rhein und wer ehe dem über den Strom wollte, traf hier auf einen stark bewährten Wächter.
07:36Nicht anders war es bei Burg Sponek, von der heute nur noch ein Rest des Palas über den Altrhein hinweg blickt.
07:49Weiter führt die Kaiserstuhlbahn nach dem malerischen kleinen Burgheim mit seinen traulichen Winkeln und stillen Gassen.
07:57In Breisach, der größten Stadt am Kaiserstuhl, erinnert das Rheintor an die Tage der Franzosenherrschaft im Zeichen des Sonnenkönigs.
08:13Immer ist diese Stadt, deren Bild vom Münster zu Sankt Stephan beherrscht wird, ein Faustpfand in den Händen der Machthaber von Ost oder von West gewesen.
08:26Man hieß Breisach einstmals den Schlüssel Deutschlands und des heiligen römischen Reiches Ruekissen.
08:32Zu Breisachs Füßen führte und führt noch heute der Weg über den Rhein ins Elsass.
08:49Auch der Eckartsberg, an den sich Unterbreisach anschmiegt, trägt noch Reste von Befestigungsanlagen.
09:00Von hier aus öffnet sich der Blick auf die südlichen Gefilde des Kaiserstuhls.
09:20Sie sind ein wahrer Fruchtgarten Gottes, denn der Südtank besitzt außer dem Vorzug des Lösbodens die größte Sommerwärme in ganz Deutschland.
09:50Nicht nur das Obst und die Feldfrucht gedeihen hier ausgezeichnet,
10:00sondern auch die in unserem Lande seltene Tabakpflanze findet die notwendigen Vorbedingungen für ein ergebnisreiches Wachstum.
10:20Nach der Ernte ist sorgfältige Trocknung der Tabakblätter eine wichtige Voraussetzung für ihre Auswertung.
10:36Deshalb werden die Blätter auf Schnüren aufgereiht.
10:50Und dann in Bündeln in der luftigen Tabakscheune aufgehängt.
11:13Dem Weinbau aber gilt die Lebensarbeit des Kaiserstühlers.
11:18Fast 2500 Hektar Land sind mit Reben bepflanzt.
11:24Und der Kaiserstuhl ist eins der bedeutsamsten badischen Weinbaugebiete.
11:30Rings umschlossen vom Reichtum der Rebe liegen die kleinen Winzerorte wie Achtkarren, Oberrottweil oder Bickensohl.
11:41Mancher Spitzenwein geht von hier aus in die Welt.
11:45Denn schon Lazarus von Schwendi, seines Zeichens kaiserlicher General,
11:51erkannte im 16. Jahrhundert die besondere Eignung des vulkanischen Bodens für den Edelweinbau.
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