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  • vor 1 Jahr
Rechtsextreme Bewegungen sind im Aufwind. Sie vernetzen sich online und bewaffnen sich zum Teil schwer. Wer steht hinter den radikalen Gruppen? Und wie gefährlich sind sie für Demokratie und Gesellschaft?

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Transkript
00:00Es gibt zwei Arten grundsätzlich von Gefahren für die Demokratie und die Gesellschaft durch Rechtsextremismus.
00:06Das ist einerseits die Ideologie an sich, die, und das sieht man ja schon, auch wirklich das Ziel hat, eine Gesellschaft zu spalten.
00:14Und auf der anderen Seite eine wirkliche Gefahr für Leib und Leben, weil sie sich schwer bewaffnen.
00:30Ich bin Colette Schmidt. Ich bin Redakteurin für Innenpolitik und Chronik mit Schwerpunkt Rechtsextremismus im Standard.
00:39Der Rechtsextremismus ist in Österreich eigentlich seit Beginn der Zweiten Republik gewachsen, weil er eigentlich nicht besonders viel Gegenwehr erlebt hat.
00:47Das hängt auch damit zusammen, dass Österreich eigentlich erst in den 80ern, in den späten 80ern, schön langsam das Bild der Täter auch in der Geschichte bekommen hat.
00:55Und wirklich große rechtsextremistische Gruppen, die neonazistische Gruppen in dem Fall, die für Aufsehen gesorgt haben, war zum Beispiel die FAPO von Gottfried Küssl,
01:05die damals auch bekannt wurden durch Trainingslager, wo man wirklich auch das Ermorden von Menschen geübt hat.
01:12FAPO ist die Abkürzung für Volkstreue außerparlamentarische Opposition.
01:16Gottfried Küssl, einer der bekanntesten Neonazis Österreich, ging dann auch später in Haft.
01:22Und als er aus der Haft zurückkam, hat er dann Portale und ähnliches aufgebaut.
01:27Unter anderem die Internetseite Alpen-Donau-Info, die über Jahre mit wirklich ganz schlimmen, gewaltverherrlichenden, rassistischen Inhalten Neonazismus verbreitet hat.
01:38Er wurde 2011 dann verhaftet mit anderen, die da mit ihm mitgewerkt haben an dieser Seite.
01:43Und Leute, die durchaus vorher auch in seinem Gefolge unterwegs waren oder mit ihm gemeinsam auf Veranstaltungen gesehen wurden,
01:50das haben sich dann bei der neurechten identitären Bewegung wiedergefunden.
01:54Unter ihnen auch Martin Sellner.
01:56Die haben natürlich einerseits gemerkt, okay, man kann, wenn man unverhohlen rechtsextremes Gedankengut verbreitet,
02:04auch ins Gefängnis gehen.
02:05Und haben versucht, sich ein neues Outfit zu geben, ein neues Gesicht.
02:09Das sind jetzt nicht mehr die Stiefelnazis mit Glatzen, die man früher gekannt hat.
02:12Das sind Leute, die sich durchaus auch angelehnt an linker Ästhetik kleiden, geben, Slogans rufen.
02:19Sie werden vom Verfassungsschutz beobachtet.
02:22Ihre Symbole wurden verboten mittlerweile.
02:25Allerdings haben sie sich ja eigentlich aufgelöst in mehrere neue Gruppen.
02:28Die Österreicher, Heimatkurier, das ist auch ein Medium.
02:32Aktion 451, das stehen eigentlich wieder Personen aus dieser identitären Bewegung dahinter.
02:38Bevor 2011 die Identitären sich gefunden haben und dann ab 2012 Aktionen gemacht haben im öffentlichen Raum auch,
02:46gab es ja immer schon Burschenschaften.
02:48Und da gibt es auch immer wieder auffällige rechtsextreme Betätigungen.
02:52Wir haben da Burschenschaften wie die Olympia, wo über die Jahre rechtsextreme Neonazi-Sänger eingeladen waren auf den Buden und ähnliches mehr.
03:02Abgesehen von den Gruppen und Gruppierungen von Rechtsextremisten, die ihren Platz in der Gesellschaft haben
03:07und eigentlich vielleicht im Alltag gar nicht auffallen, gibt es dann aber schon auch noch kleinere Neonazi-Gruppierungen,
03:13die zum Beispiel in der Tanzbrigade oder in einer Gruppe zwischenzeitlich wie Defend Austria aufgetaucht sind im Straßenbild,
03:21eher gewalttätig und eher im Look der alten Stiefelnazis.
03:25Alle rechtsextremistische Gruppen zusammen haben sich sicherlich getroffen auf den Straßen während der Corona-Demonstrationen.
03:34Durch die Pandemie und die Corona-Krise ist ein starkes Mobilisierungspotenzial in der rechtsextremen Szene bemerkbar gewesen.
03:42Es gibt Überschneidungen mit Corona-Maßnahmengegnern, mit staatsfeindlichen Verbindungen und Verschwörungserzählerinnen und Verschwörungserzählern.
03:50Da wurde auch viel aus der Szene rekrutiert und viele Szenensegmente haben sich da gefunden und vernetzt.
03:58Also was sie dann allen gemeinsam ist, sind sicher ihre Feindbilder.
04:05Die sind im Wesentlichen AusländerInnen, das sind Leute, die irgendwie dem Islam zuordnenbar sind.
04:11Das sind auch Juden und Jüdinnen, weil auch wenn jetzt viele Rechtsextreme sich auf ihre Islamophobie konzentriert haben,
04:19gibt es noch immer im Hintergrund einen großen Antisemitismus, gerade auch in den Burschenschaften.
04:23Es ist auch ein großer antifeministischer Konsens da.
04:28Es ist gegen die ganze Queer-Community ein großer Hass da, die will man zurückdrängen.
04:33Gegen kritische Kunst, KünstlerInnen, Künstler, gegen Wissenschaft.
04:39Und es gibt große Attacken gegen frei, unabhängige Medien.
04:43Wenn man sich das genau betrachtet, gibt es Feindbilder, die eins zu eins alles auch Feindbilder der Nationalsozialisten waren.
04:49Es gibt zwei Arten von Gefahren für die Demokratie und die Gesellschaft durch Rechtsextremismus.
04:57Das ist einerseits die Ideologie an sich.
05:00Die genaue Definition von Rechtsextremismus heißt ja, dass sie anti-egalitär sind.
05:06Also Rechtsextremisten sehen nicht, dass jeder Mensch die gleichen Rechte haben sollte oder überhaupt gleich viel Wert ist.
05:12Dann sind sie sehr an diesen völkischen Gedanken orientiert, also ethnozentristisch und letztlich autoritär.
05:21Und autoritär und Demokratie geht sich auch nicht aus.
05:25Insofern ist alles, was Rechtsextremismus ausmacht, eigentlich gegen eine Demokratie ausgelegt.
05:30Und auf der anderen Seite sind auch Gruppierungen unterwegs, die tatsächlich jetzt Straftaten gegen Leib und Leben begehen.
05:36Man sieht, seit Jahren steigen diese Taten an, die Straftaten.
05:4060 Prozent davon etwa gehen gegen das Verbotsgesetz, das wir ja aus Gründen haben in Österreich.
05:47Und nach dem Verbotsgesetz sind wir sehr bald bei Sachbeschädigungen und dann auch Angriffe auf Menschen.
05:54Wir haben erst in den letzten Monaten vermehrt Angriffe gehabt auf der Straße,
05:59im Windschatten von rechtsextremen Demonstrationen, wo zum Beispiel einem Juden die Kopfbedeckung vom Kopf gerissen wurde.
06:06Und eine ganz handfeste Gefahr ist wirklich die Bewaffnung, die Verstöße gegen das Waffengesetz.
06:12Allein seit 2019 sind in Österreich 46 Waffenarsenale im rechtsextremen Bereich ausgehoben worden.
06:20Und das ist eine wirklich erschreckende Anzahl, denn da waren so viele tausende Waffen dabei
06:25und teilweise wirklich auch schwere, automatische, dann auch kleinere Schusswaffen.
06:30Norme Waffenfunde wie diese bei den Hausdurchsuchungen am Montag zeigen,
06:34welche Gefahr von der Szene ausgeht und welche Waffenaffinität in der rechtsextremen Szene vorhanden sind.
06:41Also man kann festhalten, einerseits eine Gefahr für die Demokratie, weil sie antidemokratisch sind,
06:46und auf der anderen Seite eine wirkliche Gefahr für Leib und Leben, weil sie sich schwer bewaffnen.
06:54Wenn man sich jetzt anschaut, der Draht von rechtsextremen Gruppen, von Gruppierungen und Bewegungen rechtsaußen in die Politik,
07:01muss man immer dazu sagen, dass in Österreich Rechtsextremismus per se nicht verboten ist.
07:06Das ist in Deutschland zum Beispiel anders.
07:08Da ist Rechtsextremismus verboten, weil er gegen das Grundgesetz ist.
07:11Also das wäre bei uns die Verfassung.
07:12Was noch ein großer Unterschied ist bei der Arbeit des Verfassungsschutzes in Deutschland und Österreich ist zum Beispiel,
07:18dass der Verfassungsschutz in Deutschland auch Parteien beobachten kann und es auch tut.
07:23Das wird bei uns nie passieren, weil der Verfassungsschutz keine Parteien beobachtet,
07:28sondern nur Gruppierungen rechtsaußen.
07:31Aber da sehen wir, dass die sehr oft personelle Überschneidungen in die FPÖ haben,
07:35mit Mandataren, mit Mitarbeitern in parlamentarischen Büros.
07:40Es gibt im jetzigen Club der FPÖ im Nationalrat 17 deutschnationale Kooperierte.
07:49Und wenn die FPÖ-Regierungsbeteiligungen verhandelt, sind immer ganz viele Burschenschaftler an Bord.
07:54Im aktuellen Rechtsextremismusbericht des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands
07:59wird sehr schön der Begriff der Mosaikrechten herausgearbeitet.
08:04Das ist eigentlich diese Aufteilung des Rechtsextremismus in verschiedene Aufgabenbereiche.
08:07Es gibt also die Aktivisten, wo die Identitären, auch wenn sie sich teilweise jetzt anders nennen,
08:14noch immer sehr wichtig sind.
08:15Es gibt die Medienlandschaft, die immer größer wird am rechten Spektrum, die da ausgebaut wird.
08:22Deep State Alarm.
08:24Die Globalisten wollen eine Wende in Europa unter allen Umständen verhindern.
08:29Wir kennen ja jemanden, einen Player wie George Soros, der ja systematisch plant,
08:35jedes Jahr so und so viele Millionen Menschen von A nach B zu bringen.
08:39Und dann gibt es den politischen Arm der Rechtsextremen in Österreich und das ist die FPÖ.
08:44Verbindungen zwischen den Identitären und der FPÖ gibt es so viele, dass man nicht mehr lange suchen muss.
08:49Abgesehen davon, dass wir zum Beispiel in Graz einen Gemeinderat hatten, der da starke Verbindungen hatte,
08:55vielleicht sogar selbst ein Identitärer war und vor allem die Headquarters vermietet hat an die Identitären privat noch so nebenher.
09:02Wir haben im Parlament in den Clubs Mitarbeiter, die ganz klar von den Identitären kommen,
09:07die jetzt mit Steuergeld bezahlt für die FPÖ arbeiten.
09:10Wir sehen es auf Wahlpartys, auf Bildern, bekannte Identitäre aus dem Führungskader,
09:16die dabei sind und mit Kickl seinen Wahlsieg zum Beispiel feiern.
09:20Wir wissen, dass Kickl zum Beispiel die Identitären als eine NGO von rechts mit interessanten Ideen bezeichnet.
09:28Eine echte NGO, eine NGO, die diesen Namen verdient, weil sie nämlich kein Geld vom Staat bekommt.
09:33Und dann haben wir noch auf der thematischen Ebene einen regen Fluss an Ideenaustausch.
09:40Ne, ne, ne, Migration! Ne, ne, ne, Migration!
09:45Remigration ist ein Begriff, der ist bei den Identitären zuerst aufgetaucht.
09:48Da hat zum Beispiel dieser Bericht vor gut einem Jahr mit dem Geheimtreffen bei Potsdam sehr für Aufregung gesorgt,
09:55dass man da wirklich darüber diskutiert, Rechte und auch Industrielle, wie man im großen Stil Menschen deportiert.
10:02Man muss es so nennen, denn man hat auch von Staatsbürgern gesprochen.
10:05Und im Wahlprogramm der FPÖ steht dieser Begriff ganz normal drinnen und ist mittlerweile im öffentlichen Diskurs.
10:13Der Rechtsextremismus wird in meiner Einschätzung eher florieren in den nächsten Jahren.
10:17Es wird eher interessant sein, ob Leute ihn noch als Rechtsextremismus erkennen oder sich so daran gewöhnt haben werden
10:22und so abgestumpft sein werden, dass sie das gar nicht mehr als Rechtsextrem erkennen, was passiert.
10:28Was aber klar ist, ist egal, ob es einen Kanzler-Kickel gibt oder nicht.
10:32Durch den Wahlsieg der Wahl 2024 ist so viel extra Geld in die Parteikassen geflossen,
10:38dass sicherlich auch zurückfließt in Gruppierungen wie die Identitären.
10:42In der Realpolitik wird sich Folgendes ändern, wenn eine FPÖ in der Regierung ist,
10:48dann hat sie natürlich auch großen Einfluss auf die Verteilung des Geldes.
10:51Das heißt, alle die Institutionen, die für Aufklärung und gegen Rechtsextremismus standen,
10:58werden nicht mehr gefördert werden.
11:00Es werden kritische Medien nicht mehr gefördert werden.
11:03Und damit schafft man auch eine ganz andere Öffentlichkeit für alle Stimmen gegen Rechtsextremismus.
11:12Und damit schafft man auch eine ganz andere Öffentlichkeit für alle Stimmen gegen Rechtsextremismus.
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