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  • vor 7 Monaten
Anfang Mai 1995 wird in Magdeburg ein Fahrer erschossen in
seinem Taxi aufgefunden. Die Experten gehen schnell davon aus,
dass ein Fahrgast der Täter gewesen sein muss.

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Transkript
00:00Magdeburg-Olfenstedt, Mai 1995. Der Tod eines Taxifahrers.
00:21Sein Name, Detlef Kosslick, Familienvater, 44 Jahre alt.
00:27Trotz monatelanger Recherche können die Fahnder das Puzzle der verschiedenen Ermittlungsansätze nicht zusammenbauen.
00:36Wichtigste Spur, das Projektil, das den Taxifahrer tötete. Doch das Geschoss birgt ein Geheimnis.
00:44Hier an dieser Stelle, Magdeburg-Olfenstedt, wurde Detlef K. in den frühen Morgenstunden des 4. Mai 1995 tot in seinem Taxi aufgefunden.
00:53Dort oben, von diesem Fenster, fiel einer Anwohnerin frühmorgens das Taxi auf.
00:59Die Anwohnerin, Frau Dürre, lebt noch heute in diesem Haus. Frau Dürre, was haben Sie damals mitbekommen?
01:04Ich musste nachts raus und da habe ich einen Lichtkegel an der Decke gesehen.
01:09Und da habe ich am Fenster geguckt, da stand ein Taxi.
01:11Na ja, als ich zurückkam, da war der Lichtkegel immer noch da und denke, na ja, vielleicht hat er sich verfrüht, dass er jemanden abholen will und wartet.
01:26Da bin ich wieder ins Bett gegangen und morgens um sieben, dreiviertel sieben, ging meine Nichte zur Arbeit und da rief die draußen, der Taxifahrer blutet ja.
01:39Achso.
01:40Und da bin ich aus dem Bett und da habe ich das eben dann mitgekriegen.
01:46Da hat mein Nippe dann gleich die Polizei gerufen, die waren dann auch bald hier.
01:50Ja.
01:50Und dann ging das los.
01:53Was haben Sie gesehen?
01:54Da war die Straße.
01:57Hier abgesperrt beim Nachbarhaus und dort an der Ecke.
02:01Es durfte keiner durch.
02:03Von den Beamten der Magdeburger Kriminalpolizei, die den Taximord damals bearbeiteten,
02:08ahnte zu Beginn niemand, wie kompliziert die Lösung des Falles sein würde.
02:16Donnerstag, der 4. Mai 1995.
02:18Ein Taxi stand in Magdeburg.
02:23Dittlif Kosslick ist seit mehreren Stunden mit seinem Taxi unterwegs.
02:26Viele Gäste hatte er bisher nicht, aber bis Tagesanbruch will er noch durchhalten.
02:31Er war ein sehr fleißiger und aufgeschlossener Kollege, war auch sehr beliebt im Kollegenkreis
02:37und war einer, der das Gespräche sucht hat.
02:41Also hat in die Welt gepasst.
02:43Vermutlich war es nach 3 Uhr, als ein leicht angetrunkener Fahrgast in Kosslicks Taxi steigt.
02:54Taxi?
02:55Wo soll es heimgehen?
02:56Einmal in Helmstedt.
02:57Helmstedt?
02:58Helmstedt?
02:59Ja.
02:59Helmstedt, ja.
03:00Okay.
03:11Ja, das ist schon beunruhigend, wenn jemand einsteigt mit dem entsprechenden Alkoholpegel.
03:17Meist gibt es dann Streitereien über die Fahrstrecke und dann über das Fahrgeld.
03:24Die wollen ja nicht bezahlen oder verlassen die Taxe einfach.
03:27Das kommt schon vor.
03:33Ganz schön ein Stückchen bis Helmstedt.
03:35Ich würde vorschlagen, wir fahren über die B1.
03:41Geht schneller?
03:42Ja, ist ein Stückchen, aber ich bezahle ja auch.
03:44Wie wollen Sie denn fahren?
03:45Ich bin der Meinung, wir fahren über die A2.
03:50Wie die Ermittler später herausfinden, fährt das Taxi sehr langsam durch einige Straßen in Olfenstedt,
03:57bis es in der Helmstedter Chaussee schließlich stehen bleibt.
03:59Um 6.56 Uhr wird der Polizei ein Taxi gemeldet, in dem ein blutüberströmter Fahrer sitzt.
04:18Sehr schnell ist die Spurensicherung am Tatort.
04:20Die Ermittlungen übernimmt ein Fahndungsteam der Kripo Magdeburg.
04:30Einer von ihnen, Gerhard Bene.
04:34In seinen 40 Jahren bei der Polizei hat er etwa 6000 Todesfälle untersucht.
04:38Doch dieser Fall, das ahnte damals noch keiner der Beamten, wird eine ausgesprochen ungewöhnliche Entwicklung nehmen.
04:46Daran, wie der Taxifahrer Detlef Korslik zu Tode kam, gibt es bereits zu Beginn kaum einen Zweifel.
04:52Die Wunde liegt rechts unterhalb des Kiefers.
04:56Die Wunde war um das Einschutzloch stark mit Schmauch behaftet, mit Brandrückständen der Patrone,
05:08sodass man eigentlich davon ausgehen konnte, dass es ein doch relativer Nahschuss gewesen ist.
05:14Also, außerdem waren die Scheiben des Taxis alle heil gewesen, dass man ausschließen konnte,
05:21es wäre von draußen ins Auto herangeschossen worden.
05:24Ein Rechtsmediziner wird an den Tatort gerufen, um die Leiche zu untersuchen.
05:30Er soll, wenn möglich, den Todeszeitpunkt eingrenzen.
05:33Pro Stunde verringert sich die Körpertemperatur eines Toten um etwa ein Grad.
05:38Dr. Norbert Beck war damals der untersuchende Arzt.
05:47Ich erinnere mich noch, dass damals, 1995, recht moderate Temperaturen um 16, 17 Grad gewesen sind,
05:57als wir zum Fundort des Verstorbenen rausgefahren sind.
06:03Aber mit deutlich steigender Tendenz und Sonneneinstrahlung,
06:06sodass wir aus diesen Gründen heraus auch auf den schnellen Abtransport des Verstorbenen in Kühlmöglichkeiten orientiert waren.
06:15Je höher die Temperatur, desto eher setzen Föllnisprozesse ein.
06:19Und bei Föllnisprozessen sind insbesondere bei Mikrospuren Möglichkeiten gegeben,
06:25dass diese nicht mehr in dieser Intensität wie bei einer sogenannten Fruschenleiche wahrgenommen werden können.
06:31Nach Auswertung aller Ergebnisse fand der Mord zwischen 3 und 4 Uhr morgens statt.
06:38Die Leiche wird zur Obduktion in die Magdeburger Rechtsmedizin gebracht.
06:42Die Spurensicherung am Tatort wird fortgesetzt.
06:44Das Taxameter zeigt als letzten Stand 13,60 Mark.
06:51Noch weiß niemand etwas über die letzte Fahrstrecke.
06:55Das Gerät muss erst noch ausgelesen werden.
07:00Am Öffner der Beifahrertür sichern die Kriminaltechniker eine Fingerspur.
07:05Stammt sie vom letzten Fahrgast?
07:07Wird sie, die Ermittler, vielleicht schon zum Täter führen?
07:13Bei der Absuche der näheren Umgebung finden die Beamten die Geldbörse des Taxifahrers.
07:19Hinter dem Gitter eines Kellerfensters.
07:22Sie ist leer.
07:23Die Überlegung ging da hinaus, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Robbmord handeln könnte.
07:31Doch das ist nur die halbe Wahrheit.
07:34Das Institut für Rechtsmedizin Magdeburg.
07:37Hier wurde die Leiche von Detlef Korslik untersucht.
07:40Im Schädel fand Dr. Norbert Beck das Projektil, das den 44-jährigen Taxifahrer tötete.
07:47Das Teilmantelgeschoss wurde beim Auftreffen auf den Knochen völlig deformiert.
07:51Hier haben wir ein Projektil in den Halsweichteilen, in den Nackenweichteilen gefunden.
07:56Etwa in dieser Position.
07:58Links, hinten.
07:59Und eine Zertrümmerung des Unterkiefers mit einer kanalartigen Zerstörungszone von rechts vorn nach links hinten.
08:12Etwa in dieser Form.
08:14So muss man sich das vorstellen.
08:15Die Verletzungen waren unterblutet, waren also zu Lebzeiten entstanden.
08:19Wir haben eine Zerstörung des Rückenmarkes im Bereich der oberen Wirbelsäule und dadurch begründbar eine sogenannte aufsteigende Lebung.
08:27Das heißt, durch die Zerstörung des Rückenmarkes bedingt nicht bloß die absolute Handlungsunfähigkeit,
08:34sondern letztendlich auch das Herzkreislauf und Atmungsversagen.
08:39Ungewöhnlich war der Umstand, dass das Projektil trotz der angenommenen geringen Schussentfernung noch im Kopf des Geschädigten gewesen ist.
08:48Die Größe des Projektils ließ schon eine Vermutung zu, dass es sich um einen Revolver handeln könnte.
08:56Die Durchschlagskraft eines Revolvers ist im Normalfall so groß, dass das Projektil, aus der Nähe abgefeuert, dem menschlichen Körper komplett durchschlägt.
09:07Vermutlich hätte es sogar das Dach des Taxis durchschlagen.
09:10Doch das war nicht der Fall.
09:12Warum?
09:13Der Tatort gibt den Ermittlern eine Menge Rätsel auf.
09:16Immerhin können sie über den Stand des Taxameters die letzte Fahrstrecke rekonstruieren.
09:21Hier an dieser Stelle, an der Kastanienstraße, gab es damals einen Taxistand.
09:25Und die Kripo geht davon aus, dass der Täter hier zugeschrieben ist.
09:31Mit einem Hubschrauber wird die mögliche Fahrstrecke abgeflogen.
09:35Dies sind die Originalaufnahmen von 1995.
09:40Vom Taxistand Kastanienstraße bis zum Auffindeort des Taxis in der Helmstädter Chaussee sind es knapp fünf Kilometer.
09:49Es ist die letzte Tour von Detlef Kosslick.
09:55Der Mordwirtel Magdeburg zum Tagesgespräch.
09:58Die Kollegen des Opfers reagieren geschockt.
10:02Helle Aufregung in Magdeburg.
10:05Es gestaltete sich ja so, dass über 300 Taxen, auch aus Leipzig übrigens, und aus Halle, aus Chemnitz,
10:12und natürlich die Magdeburger Taxen sich zu einer Sternfahrt getroffen haben am Gerugestadion und dann durch die Stadt gefahren sind bis zum Westfriedhof.
10:22Dort wird Detlef Kosslick beigesetzt.
10:25Er hinterlässt eine Frau und eine 14-jährige Tochter.
10:28Die Ermittlungen der Sonderkommission Taxi beginnen mit einem Dämpfer.
10:34Der Abgleich der im Taxi gesicherten Fingerspuren mit der Datenbank des BKA ergibt keinen Treffer.
10:41Sollte der Mord das erste Verbrechen des Gesuchten sein?
10:44Doch schon bald gibt es neue Hoffnung auf eine schnelle Klärung des Falles.
10:51Ein Verdächtiger gerät ins Visier der Ermittler.
10:54In der Tatnacht gegen 1 Uhr kontrollierte eine Polizeistreife einen angetrunkenen Autofahrer in der Nähe des späteren Tatorts.
11:031,2.
11:04Schließen wir mal alles ab.
11:05Der betrunkene Mann muss sein Auto stehen lassen.
11:09Die Polizisten bringen ihn in das Walter-Friedrich-Krankenhaus, heute das Klinikum Magdeburg.
11:16Dem Fahrer wurde dort im Krankenhaus gut entnommen und er wurde entlassen.
11:21Und hat sich dann offenbar wieder zu seinem Auto begeben.
11:24Aber nicht zu Fuß.
11:26Eine Krankenschwester beobachtet, wie der angetrunkene Mann vor der Klinik in ein Taxi steigt.
11:31War es der Wagen von Detlef Kosslick?
11:33Zeitlich könnte das hinkommen, denn in der Tatnacht gegen 3.10 Uhr wurde das Taxi zwischen den Querstraßen Weizengrund und Agrarstraße gesehen.
11:43Die Klinik liegt nur ein paar hundert Meter entfernt.
11:46Natürlich war das eine heiße Spur.
11:47Man hat die auch intensiv verfolgt und konnte dann feststellen, dass im Fahrzeug, im Taxi des betroffenen Taxifahrers Faserspuren waren.
12:01Ähnliche Faserspuren, die auch an der Kleidung gewesen sind.
12:03Die des Trunkenheitsfahrers, sag ich mal.
12:07Die Kriminaltechniker hatten auf dem Beifahrersitz des Taxis von Detlef Kosslick Fasern einer Jeans gefunden.
12:15Auch der Trunkenheitsfahrer trug in jener Nacht eine Jeans.
12:18Er gilt als dringend tatverdächtig.
12:20Die Beamten besuchen ihn.
12:22Der 28-Jährige streitet die Tat ab und übergibt den Ermittlern seine Kleidung aus jener Nacht.
12:35Die Analyse der Kleidungsstücke bringt die Ermittler jedoch keinen Schritt weiter.
12:43Es könnten die gleichen Fasern sein, so das Ergebnis.
12:47Doch bei Jeansfasern gibt es kaum spezifische Identifikationsmerkmale.
12:52Ich kann fünf Jeanshosen nehmen, Blue Jeans.
12:57Da werden die Fasern alle gleich sein.
12:59Und irgendwann wird auch ein Gutachter sagen, ja Gott, das sind Fasern, blaue Fasern und, und, und.
13:06Aber ich kann nicht sagen, von welcher Hose die sind, weil die sehr ähnlich sind.
13:10Der Autofahrer, der in jener Nacht betrunken aufgegriffen wurde, unterstützt die Fahndung bereitwillig und scheidet als Tatverdächtiger schon bald aus.
13:21Auch alle anderen Ermittlungsansätze enden nach und nach in einer Sackgasse.
13:26Die einzige wirkliche Spur bleibt das Projektil, das Detlef Kosslick tötete.
13:31Die Ermittler hatten es vom Bundeskriminalamt in Wiesbaden analysieren lassen.
13:35Das BKA hat uns mitgeteilt, dass es sich um Revolver-Munition handelt.
13:44Es hat uns mitgeteilt, dass fünf verschiedene Revolver derartige Munition verschießen.
13:51Aber dann war das Ende. Mehr konnten nicht sagen.
13:56Wird das winzige Stück Metall je preisgeben, aus welcher Waffe es stammt?
14:00Der Mord an dem Magdeburger Taxifahrer geschah am 4. Mai 1995.
14:08Fast auf den Tag genau vier Monate später, am 8. September, wird erneut ein Mann erschossen.
14:14Und dieser Fall bringt die Ermittler auf eine völlig neue Spur.
14:19Anfang September werden Gerhard Beene und sein Kollege Oberkommissar Ingo Rute in die Rotenseer Straße gerufen.
14:26Dort ist Stunden zuvor ein Mann erschossen worden.
14:30Der mutmaßliche Schütze, Mike Richter, befindet sich noch in der Wohnung.
14:36Er hat keine Anstalten gemacht zu fliehen.
14:39Im Wohnzimmer das Opfer, Jens Eichbaum, 34 Jahre alt.
14:44Noch weiß niemand, was genau in der Nacht zuvor geschehen ist.
14:47Hat sich der tödliche Schuss versehentlich gelöst?
14:50Dies sind Originalfotos des Tatorts vom 8. September 1995.
14:56Die Waffe liegt auf dem Teppich.
14:58Eine Halbautomatik, eine Brünner M85.
15:03Gemeldet hat die Tat ein Mitbewohner.
15:06Er sagt, Mike und Jens hätten die ganze Nacht gefeiert.
15:09Irgendwann sei dann ein Schuss gefallen.
15:12Mike Richter sagt nicht, woher die Waffe stand.
15:15Vermutlich wurde sie irgendwo gestohlen.
15:18Aber wo?
15:18Die Pistole trägt eine Nummer.
15:23Ich bin mit der Waffe dann zum Landeskriminalamt gefahren.
15:26Da gibt es einen Fachbereich, waffenrechtliche Bestimmungen.
15:30Und die können nachvollziehen, anhand ihrer Unterlagen,
15:33wo die Waffe hingehört, wem die gehört.
15:36Anhand der Nummer.
15:37Und die sind alle registriert, diese Waffenbesitzer.
15:39Und da hat sich herausgestellt, dass diese Waffe
15:43in der Nähe von Diepholz gestohlen worden war.
15:49Das war im April 1995,
15:51wenige Wochen vor dem Mord an dem Taxifahrer.
15:54Diepholz liegt in Niedersachsen, südlich von Bremen.
15:58Von den dortigen Einmittlern erfahren die Magdeburger Kripo-Beamten,
16:02dass in der Nacht des Einbruchs noch eine zweite Waffe wegkam.
16:05Ein Revolver.
16:09Jetzt kam uns eben der Verdacht der zwei Waffen aus dem Raum Diepholz weg.
16:16Zwei Tötungsdelikte, welcher Art auch immer jetzt.
16:20In Magdeburg, das kann kein Zufall sein.
16:25Vom Taximord wussten wir bisher, von den Spuren, von der Spurenlage,
16:29dass ein Revolver verwendet wurde.
16:333,57 Magnum fehlt im Raum Diepholz.
16:36Die Munition, die das BKA bestimmt hatte,
16:39passt zu dem 3,57 Magnum.
16:42Ich sag mal, es wäre leicht gewesen, diese Spuren nicht wieder aufzunehmen.
16:46Die Ermittler aus Magdeburg wollen mit dem Eigentümer der Waffen sprechen und fahren nach Diepholz.
16:53Zu Manfred Eisert, einem ambitionierten Sportschützen.
16:57Manfred Eisert zeigt den Polizisten Datenblätter der beiden Waffen,
17:05die ihm samt Munition gestohlen wurden, jeweils mit 150 Schuss.
17:11Zum einen wurde eine Brünner CZ-85 gestohlen.
17:15Mit dieser Waffe wurde im September Jens Eichborn getötet.
17:18Gestohlen wurde aber auch ein Revolver Smith & Wesson Magnum.
17:22Geschah damit der Mord an Taxifahrer Detlef Kosslick?
17:27Gerhard Bene will wissen, wie es zu erklären ist,
17:29dass der Schuss aus einer Meckene mit ihrer sehr hohen Durchschlagskraft
17:32schon nach 50 Zentimetern im Knochen stecken bleibt.
17:36Eisert hat eine Erklärung.
17:37Die Munition, die er verwendet, wird von ihm selbst gefüllt.
17:41Man nennt es Widerladen.
17:42Was es mit dem Widerladen auf sich hat,
17:47will ich mir von einem Fachmann erklären lassen,
17:49vom Sportschützen Bernd Schumann.
17:51Herr Schumann, was macht man beim Widerladen?
17:54Beim Widerladen verwende ich einmal bereits abgeschossene Patronen,
17:59indem ich die wieder aufbereite und dann mit Pulver befülle
18:04und für ein weiteres Schießen vorbereite.
18:08Sie haben schon was vorbereitet?
18:09Ich habe was vorbereitet und ich würde mal eine Reihe
18:13von vorbereiteten Patronen füllen.
18:18Jetzt verstehe ich aber nicht, warum Sportschützen überhaupt Widerladen.
18:22Man kann Munition ja kaufen.
18:25Das ist richtig, Munition kann man kaufen,
18:27aber das ist eine Standardmunition.
18:29Und Sportschützen, speziell im Wettkampfbereich,
18:33versuchen natürlich die Belastungen unter anderem
18:37im Handgelenk bei Kurzwaffen zu reduzieren.
18:41Und reduzieren oft die Ladungen,
18:45damit das Geschoss zwar immer noch präzise fliegt
18:47und ordentlich trifft,
18:49aber der Impuls in das Handgelenk reduziert wird.
18:53Im Klartext, beim Eigenbau von Patronen wird die Pulvermenge in der Hülse erheblich reduziert.
19:02Wenn der Schlagbolzen auf das Zündhütchen der Patrone trifft,
19:07explodiert in der Hülse das Schießpulver
19:09und schleudert das Projektil mit reduzierter Kraft aus dem Lauf.
19:14Und das kann auch der Grund sein,
19:21warum das Projektil den Körper und das Dach des Taxis nicht durchschlagen hat.
19:26Ja, weil der Gasdruck reduziert war
19:29und demzufolge ist weniger Energie in den Körper gegangen
19:32und das Geschoss hat den Körper nicht durchschlagen.
19:35Ist stecken geblieben?
19:36Ist einfach stecken geblieben.
19:37Nach ihrem Besuch in Diepholz zweifeln die Ermittler kaum noch daran,
19:44dass der bei Manfred Eisert gestohlen Revolver die Tatwaffe ist.
19:48Nur, wer hat abgedrückt?
19:53Hat Mike Richter beide Waffen gestohlen und damit zwei Menschen getötet?
19:58Nach den schwerlichen Aussagen des kleinen Ganoven
20:01gehen die Ermittler letztlich davon aus,
20:03dass Mike Richter seinen Kumpel Jens aus Versehen erschossen hat.
20:06Vermutlich haben die beiden im Suff mit der geladenen Waffe hantiert,
20:11bis dann einer an den Abzug kam.
20:15Ja, was ist denn das?
20:21Der Knarre, was soll's denn sonst sein?
20:24Krass, Mike, was ist denn das denn hier?
20:25Hey, vorsichtig, ist echt.
20:27Von Kumpel geschossen.
20:29Weiß.
20:29Weiß billig.
20:30Sagen wir mal, ob du das unter Kontrolle hast.
20:31Merkst du, Merkst du, Merkst du?
20:34Ich hab's unter Kontrolle.
20:35Ich weiß nicht, dass du's nur unter Kontrolle hast.
20:37Hey, hey, hey.
20:39Jetzt bei Sie auch mal.
20:41Willkommen her.
20:48Zum Revolver und zum Mord an dem Taxifahrer
20:51will oder kann Mike Richter jedoch keine Angaben machen.
20:55Nie gesehen.
20:56Die Fahndung kommt erneut ins Stocken.
21:02Doch dann hat Gerhard Bene eine Idee.
21:05Er spricht mit Kollegen aus dem Fahndungsbereich für organisierte Kriminalität.
21:09Mike ist hier kein Unbekannter.
21:13Bene erfährt,
21:14Die Kollegen hatten ein Gespräch von Mike Richter mit einem gewissen Dirk Neuber aufgezeichnet.
21:39Dirk Neubern arbeitet für den Sicherheitsdienst einer Kaserne in Diepholz.
21:51Sein Chef dort ist genau der Mann, dem die Pistolen gestohlen wurden.
21:56Der Hobbyschütze Manfred Eisert.
21:58Der Kreis schließt sich.
22:02Was hat Dirk Neubern mit dem Waffendiebstahl zu tun?
22:05Gerhard Bene und ein Kollege fahren ein zweites Mal nach Diepholz.
22:15Sie hoffen, dass Wachmann Dirk Neubern endlich Licht ins Dunkel bringt.
22:21Das von der Telefonüberwachung aufgezeichnete Gespräch haben sie dabei.
22:25Hören Sie sich das mal an.
22:27Ich habe sie nämlich mal aufgenommen.
22:29Wir haben uns die ersten einfachen Fragen gestellt.
22:35Na, ich, ich, ach nee, ich doch nicht.
22:37Dann haben wir ihm das Telefonat vorgespielt, das wir in entsprechender Technik mitgeführt haben.
22:43Und er hat gesagt, ja, ja, gut, ich, ja, ich war das.
22:47Es stellt sich heraus, dass der Wachmann Dirk Neubern im April zwei Freunden den Tipp gab,
22:55dass bei seinem Kollegen Manfred Eisert, dem Sportschützen, zu Hause Waffen zu holen seien.
23:04Als die Wachleute Neubern und Eisert gemeinsam Nachtschicht haben, ruft Neubern seine zwei Kumpels an.
23:10Der hat dann dem beiden einen Tipp gegeben, jetzt könnt ihr ins Haus einbrechen.
23:20Der ist hier. Ihr habt nichts zu befürchten.
23:23Daraufhin brechen seine beiden Bekannten bei dem Sportschützen ein.
23:27Sie stemmen den Waffenschrank auf, klauen die Brünner Halbautomatik und den Smith & Wesson Revolver.
23:39Dazu jeweils die entsprechende Munition.
23:45Die Ermittler wollen nun die Namen der beiden Einbrecher wissen.
23:48Wir haben ihm nahegelegt, dass mit beiden Waffen in Magdeburg zwei Zündungslütze begangen worden sind.
24:00Und ich denke, er wollte mit Mord und Totschlag nichts zu tun haben.
24:07Schließlich nennt Neuber die Namen der beiden Einbrecher.
24:10Helmut Pohl und Michael Sieber.
24:13Beides Magdeburger, die aber schon seit Jahren in Niedersachsen leben.
24:18Die beiden Ermittler nehmen sich zunächst Helmut Pohl vor. Auch er wohnt in Diepholz.
24:30Sie konfrontieren ihn mit dem Mord an Taxifahrer Detlef Kosslick und dem Diebstahl der Mordwaffe.
24:39Ich habe mich in die Klemme gebracht, sah ich bewusst aus.
24:42Ich habe mich da benannt. Die Aussagen liegen vor.
24:48Sie haben die Waffe geklaut und sie haben beziehungsweise nach Magdeburg.
24:51War auch mal Magdeburger gewesen.
24:54Und dann ist er ins Schwimmen gekommen.
24:58Denn mit dem in Diepholz gestohlenen Revolver wurde tatsächlich der Taxifahrer erschossen.
25:04Und zwar von Michael Sieber, dem zweiten Einbrecher.
25:07Die gestohlene Halbautomatik hat Sieber damals an den Kleinkriminellen Mike Richter verkauft.
25:17Deutschlandweit wird nun nach Michael Sieber gefahndet.
25:21Die Polizei in Soest, in Niedersachsen, kann ihn bereits zwei Tage später festnehmen.
25:25Sofort wird das Ermittlerteam in Magdeburg informiert.
25:30Gerhard Pehner und sein Kollege holen den Verdächtigen noch am selben Abend in Soest an.
25:35Wir waren gerade in Magdeburg angekommen, haben uns gemeinsam Kaffee getrunken.
25:45Und bloß eine Frage stellt, wollen Sie Aussagen?
25:50Er wurde belehrt darüber, dass er keine Aussagen treffen muss, wenn er keinen Rechtsanwalt bei hat.
26:02Er hat praktisch schon darauf bestanden, sein ganzes Wissen loszuwerden.
26:08Ich sage, hier, Blatt Papier, schreiben Sie auf.
26:13Und dann hat er geschrieben, glaube ich, zwei, drei Seiten.
26:15Mit seiner Unterschrift gesteht der 23-Jährige den Mord an Taxifahrer Detlef Kosslick.
26:24Es ist der 2. Februar 1996. Fast zehn Monate sind seit der Tat vergangen.
26:32Michael Sieber ist mit einer Rekonstruktion der Tat einverstanden
26:35und schildert den Ermittlern am Tatort, wie es zum tödlichen Schuss kam.
26:40In der Rolle des Taxifahrers Hauptkommissar Gerhard Bene hier im Vordergrund.
26:45Dem Mord vorausgegangen, so der Täter, sei ein Streit über Preis- und Fahrstrecke.
26:50Daraufhin habe der Taxifahrer seinen Fahrgast aufgefordert, den Wagen schleunigst zu verlassen.
26:55Er hat gesagt, er so, wenn ich jetzt nicht bezahle, ruft er die Polizei.
27:01Dann hat er dann so leicht so Richtung Armaturmord gegriffen.
27:05Ich habe dann den Revolver rausgezogen, so gerichtet und da ist dann der Schuss gebrochen.
27:11Aus 40, 50 Zentimeter Entfernung schießt Michael Sieber dem Taxifahrer ins Gesicht.
27:19Danach schaltet er den Motor und das Licht aus und flieht.
27:22Sieber führt die Beamten zu einer Telefonzelle im Bruno-Tautring.
27:33Von dort, so sagt er, habe er seinen Komplizen Helmut Pohl angerufen und ihn gebeten, ihn mit dem Auto abzuholen.
27:39Dann hat er mir gesagt, dass er hier mit dem Sprit nicht so gut auskommt, zurückgehenfalls.
27:47Und da bin ich dann vorgeschlagen, zurückzugehen, die Geldbörse von dem Taxifahrer zu holen.
27:53So kehrt Michael Sieber noch einmal kurz zum Tatort zurück.
27:57Danach geht er zum Treffpunkt, den er mit Helmut Pohl vereinbart hatte.
28:01Unterwegs wirft er das Portemonnaie hinter ein Fenstergitter.
28:07Das geschohlene Geld, knapp 20 D-Mark, reicht gerade mal für eine halbe Tankfüllung.
28:15Und dann, von der bin ich weitergelaufen.
28:19Stück für Stück stellt Michael Sieber den genauen Handlungsablauf dar.
28:23Für die Ermittler und Juristen, die ihn begleiten, gibt es danach keinen Zweifel an der Schuld des jungen Mannes.
28:29Einzig der Verbleib der Tatwaffe ist bis heute ungeklärt.
28:36Hätte Mike Richter, der die zweite Waffe aus dem Diebstahl besaß, nicht versehentlich seinen Freund erschossen,
28:42wäre der Mörder des Taxifahrers womöglich nie aufgespürt worden.
28:47Für den Mord an Detlef Kahn bekam Michael Sieber lebenslänglich.
28:52Mike Richter wurde wegen fahrlässiger Tötung seines besten Freundes zu drei Jahren Haft verurteilt.
28:56Beide Täter sind heute bereits wieder in Freiheit.
29:00Untertitelung des ZDF für funk, 2017

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