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Auf einem Parkplatz in der Nähe von Dresden nimmt ein
Spezialeinsatzkommando einen Mann ins Visier. Ist er der
Supermarkt-Räuber, nach dem in ganz Deutschland gefahndet
wird? "Kripo live" ist dem Täter auf der Spur.

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Transkript
00:00Auf einem Parkplatz in der Nähe von Dresden nimmt ein Spezialeinsatzkommando der Polizei einen Mann ins Visier.
00:18Ist er der Supermarkträuber, nachdem seit Monaten in ganz Deutschland gefahndet wird?
00:30Die Autobahn Raststätte Dresdner Tor, nordwestlich der Sächserschen Landeshauptstadt.
00:38Bis hierhin hatte ein Sondereinsatzkommando des Bayerischen Landeskriminalamts den Mann verfolgt.
00:45Er soll mindestens 46 Supermärkte in mehreren Bundesländern ausgeraubt und dabei einen Menschen ermordet haben.
00:53Tatort Hannover, Stadtteil Stöcken. In dieser Filiale der Supermarktkette Niedrigpreis begeht der Gesuchte seine verhängnisvollste Tat.
01:07Eine Überwachungskamera filmt ihn, kurz bevor er an der Kasse den 21-jährigen Brandenburger Joey K. aus dem Leben reist.
01:14Der hat ihn genommen, auf den Fußball geschmissen und hat ihn einfach abgeknallt.
01:23Na klar, ist er immer in meinem Herzen, aber alleine diese Umarmung, die Wärme und das Lachen,
01:32und da rutscht ich manchmal für Momente in so einer Verzweiflung und da ganz schön zu kämpfen.
01:45Für die Staatsanwaltschaft Hannover ist klar, dieser Täter muss so schnell wie möglich gestoppt werden.
01:51Natürlich ist es so, dass wir alle versucht haben, mit Hochdruck an diesem Fall zu arbeiten.
01:59Es ist ein Mensch zu Tode gekommen, es sind mehrere andere verletzt worden, zum Teil schwer.
02:04Und von daher bestand also für uns alle nicht der Druck von außen, aber der Druck von innen unter dem Motto, diesen Täter wollen wir schnappen.
02:12Spätestens Anfang 2014 beginnt in Deutschland eine ganze Serie von Supermarktüberfällen.
02:20Die Tatorte liegen jeweils ganz in der Nähe der A2.
02:24Am 20. Februar in Hannover-Ricklingen.
02:28Vier Tage später in Hamm in Westfalen.
02:32Am 17. April in Bottrop.
02:35Und schließlich am 12. August 2014 in Burg in Sachsen-Anhalt.
02:38Der Rewe-Supermarkt am Konrad-Tack-Ring in der Kreisstadt Burg bei Magdeburg.
02:46Der Tatort ist etwa sieben Kilometer von der Bundesautobahn 2 entfernt.
02:51Der seinerzeit für die Ermittlungen in diesem Fall zuständige Revierkriminaldienstleiter Jürgen Oswald erinnert sich, wie er den Raubüberfall im August 2014 rekonstruiert hat.
03:06Die unbekannte männliche Person hat den Rewe-Markt betreten und hat den Rewe-Markt laut Zeugenaussagen sehr relaxed betreten.
03:19Also wie ein normaler Kunden ist das rumgelaufen, hat sich die Waren angeguckt, hat Waren in die Hand genommen.
03:23Ist dann auch an ein Regal gegangen, hat sich eine Tafel Schokolade aus dem Regal genommen, ist dann an die Kasse gegangen, hat die es auf dem Band gelegt, völlig entspannt.
03:37Er hat dann, als er bezahlen musste, sein Portemonnaie rausgenommen, hat die Schokolade bezahlt, als die Kasse geöffnet war, hat er seine Waffe gezogen und hat gesagt, dass er eben das Geld gefordert hat.
03:49Als nicht alles so läuft, wie er das will, schießt der Täter plötzlich an der Kassiererin vorbei in den Supermarkt.
03:58Daraufhin hat die Kassiererin die Kasse geöffnet und hat ihm dann mehrere hundert Euro übergeben.
04:04Diese hundert Euro hat er übernommen und hat die in eine mitgebrachte Plastiktüte verstaut und hat dann den Rewe-Markt in aller Ruhe verlassen.
04:12Der Täter erbeutet 1264 Euro. Die Kassiererin leidet noch Monate später an Schlafstörungen und Bluthochdruck.
04:28Kriminalrat Oswald weiß im Sommer 2014 nicht, dass er nach einem Serienräuber sucht, der auch vor Mord nicht zurückschreckt.
04:36Doch er setzt alles ein, um den Raub in seinem Revier aufzuklären.
04:39Wir haben also im ersten Angriff den Hubschrauber angefordert, einen Hubschrauber, der also den gesamten Bereich abgesucht hat.
04:47Wir haben also einen Pferdenhund angefordert, der also versucht hat, die Fährte des Täters aufzunehmen.
04:52Wir haben ein subjektives Porträt, ein Täterbild erstellt und haben im ersten Angriff den Täter auf frischer Tat nicht stellen können.
05:02Noch in der Nacht untersuchen Kriminaltechniker den Tatort.
05:06Im Zuge weiterer Ermittlungen wird auch die im Supermarkt verschossene Patrone gefunden, inklusive eines Fingerabdrucks vom Täter.
05:14Kollegen der Bereitschaftspolizei haben dieses Projektil etwa 50 Meter entfernt vom Kassenbereich in einer Auslage gefunden.
05:33Er hat also ein Regal eingeschlagen und ist dann in einer Auslage stecken geblieben.
05:39Das Projektil wird untersucht auf daktiloskopische Spuren und biologische Spuren, also DNA-Spuren.
05:47Und wir hatten dann auch eine auswertbare DNA-Spur des Täters.
05:53Die Ermittlungen werden intensiviert. Im MDR-Fahndungsmagazin Gribolive wird der Fall aus Burg vorgestellt.
06:02Das sehen mehr als 600.000 Zuschauer in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Ermittler hoffen auf Hinweise.
06:09Haben Sie den Mann auf diesem Phantombild vielleicht erkannt? Wissen Sie, wo er sich aufhält?
06:17Haben Sie vielleicht am Tatort bei dem Supermarkt in Burg etwas Verdächtiges beobachtet?
06:23Im Anschluss der Öffentlichkeitsverhandlung meldete sich ein Zeuge, der sagt, ich habe mich in der Tatzeit etwa gegen 21.45 Uhr vor dem Rewe-Markt aufgehalten.
06:33Habe eine Person gesehen, die den Rewe-Markt zu Fuß verlassen hat.
06:37Diese Person ist auf ein Fahrrad gestiegen und ist auf einen sogenannten Schleichweg in Richtung Neubaugebiet nach Burg Süd gefahren.
06:46Das hätte er gesehen.
06:47Lebt der Täter also in dieser Plattenbausiedlung? In einer der fast 1000 Wohnungen?
06:55Die Ermittler halten das für möglich und entschließen sich zu einer aufwändigen Maßnahme.
07:01In Zweierteams gehen die Beamten von Wohnungstür zu Wohnungstür und suchen nach dem Mann auf dem Phantombild.
07:07Die Anwohnerbefragungen dauern mehrere Wochen.
07:10Doch der Täter lebt, wie sich später herausstellt, nicht in Sachsen-Anhalt.
07:22Während in Burg die Ermittlungen laufen, werden weitere Supermärkte überfallen, immer wieder in der Nähe von Autobahnen.
07:31Inzwischen verdichten sich die Hinweise darauf, dass es sich um einen Serientäter handelt. Eine Zeitung nennt ihn das Supermarkt-Phantom.
07:41Am 4. Dezember 2014 begeht er sein schwerstes Verbrechen in einem Supermarkt in Hannover.
07:47Für die Staatsanwaltschaft Hannover hat sich Oberstaatsanwalt Thomas Klinge mit dem Supermarkt-Räuber und mit seinen Verbrechen beschäftigt.
07:57Er ist zunächst als einer der letzten Kunden immer kurz vor Ladenschluss gekommen, hat dann getan, als sei er ein ganz normaler Kunde.
08:11Ist also im Laden auf und ab gegangen, hat die Umgebung beobachtet, also sind noch andere Kunden da, die ihm gefährlich werden könnten.
08:18So geht der Täter auch am 4. Dezember 2014 in Hannover vor. Gegen 19.45 Uhr erfassen ihn die Überwachungskameras.
08:28Er ist bewaffnet, wirkt jedoch wie ein normaler Kunde.
08:35Zur gleichen Zeit in einer Wohnung in der Nähe. Der 21-jährige Kochlehrling Joey K. verabschiedet sich von seiner Freundin.
08:43Er will schnell noch in den Supermarkt, um Mineralwasser zu kaufen.
08:46Es ist der Supermarkt, in dem der Täter gerade an die Kasse tritt, um die Kassiererin mit seiner Pistole zu bedrohen.
08:59Als Joey K. in den Markt kommt, sieht er die Frau in Gefahr. Ohne zu zögern, greift er ein.
09:05Der Kunde hat seine mitgebrachte Tasche geschwungen und hat offensichtlich versucht,
09:20den Täter damit zu treffen, was dazu geführt hat, dass der Täter dann sofort seine Waffe auf den Kunden gerichtet hat
09:32und aus allernächster Nähe zunächst in den Brustbereich geschossen hat und den zweiten Schuss am Kopf aufgesetzt hat.
09:39Joey K. hat keine Chance. Bereits der erste Schuss ist für den 21-Jährigen tödlich.
09:56Der Tod ihres Sohnes hat Cornelia K. stark verändert. Die ehemalige Altenpflegerin ist seitdem auf Medikamente angewiesen.
10:09Die Tabletten sollen sie vor Depressionen bewahren, schwemmen als Nebenwirkung ihren Körper jedoch regelrecht auf.
10:15Die Nachricht von Joys Tod wurde ihr am Morgen nach der Tat von zwei Polizisten überbracht.
10:29Wir müssen ihm mitteilen, dass gestern Abend um 8 ihr Sohn erschossen worden ist.
10:35Und ich bin groß und habe stundenlang gekrascht wie eine Irre. Sie können mich nicht mehr eingekriegt.
10:41Joys Mut einzugreifen macht ihn für manche zum Helden. Doch das ist kein Trost für Cornelia K.
10:55Der ist da einfach nur dazwischen und wollte der Frau helfen. Nicht mehr und nicht weniger.
11:01Und wenn es so überhaupt gegen Frauen, so diese Gewalt, konnte der überhaupt nicht ab. Da ist der halt dazwischen dann.
11:12Und ich denke auch, der wird das nicht gesehen haben, dass da eine Waffe im Spiel gewesen ist.
11:17Der Mord erschüttert ganz Deutschland. Am Tatort in Hannover im Stadtteil Stöcken werden Fingerabdrücke und die DNA des Täters gesichert.
11:27Beim Abgleich der Spuren mit anderen Fällen wird klar, das Supermarkt-Phantom hat wieder zugeschlagen.
11:33Auch die Mordwaffe und die Munition stimmen mit anderen Fällen überein.
11:37Mit den Aufnahmen der Überwachungskameras aus Hannover Stöcken wird jetzt deutschlandweit wegen Mordes gefahndet.
11:44Die Ermittlungen leitet die Staatsanwaltschaft Hannover.
11:55Wir sind von Beginn an davon ausgegangen, dass wir es hier mit einem ganz besonders rücksichtslosen Täter zu tun hatten,
12:05der mit einer scharfen Waffe immer aufgetreten ist, der von dieser Waffe auch in einer ganzen Reihe von Taten rücksichtslos Gebrauch gemacht hat,
12:16der nicht nur in die Luft geschossen hat, nicht nur Warnschüsse abgegeben hat,
12:21sondern gezielt auf Menschen geschossen hat, um sie zu verletzen oder wie in dem Fall in Stöcken sogar zu töten.
12:28Supermarktüberfälle aus sechs Bundesländern werden auf Zusammenhänge zum Raubmord in Hannover Stöcken geprüft.
12:37Es ist natürlich erstmal ein sehr großer Aufwand, der betrieben werden muss, wenn verschiedene Bundesländer beteiligt sind.
12:47Wir haben diese Arbeit aber aufgenommen. Wir haben dann auch große Hilfe bekommen.
12:53Je mehr Aufmerksamkeit dieser Fall insbesondere nach den tödlichen Schüssen hatte,
12:58desto mehr sind natürlich auch aus anderen Bundesländern Polizeidienststellen auf uns zugekommen
13:03und haben gesagt, hier, wir haben jetzt auch einen Überfall auf einen Supermarkt, könnte der bei euch passen?
13:09Täterporträts aus verschiedenen Fahndungen nach Supermarktüberfällen werden verglichen.
13:15Dabei fällt auf, die dargestellten Personen ähneln einander.
13:19Weitere Ermittlungen beweisen, bei den Porträts handelt es sich um ein und denselben Mann.
13:28Und dieser Mann hat bei allen Taten sein Mobiltelefon immer dabei.
13:32Die Signale, die er damit sendet, beweisen, dass er immer zur Tatzeit am jeweiligen Tatort war.
13:39Es wurden eine ganze Reihe von Beamten eingesetzt, die ganz gezielt nach Übereinstimmungen gesucht haben,
13:50auch nach Gemeinsamkeiten, aber auch technische Überprüfungen von zum Beispiel Verbindungsdaten vorgenommen haben,
14:00die dann auf einen Täter hingewiesen haben.
14:02Eine Mobilfunknummer wird damit zur entscheidenden Spur zum Täter. Die Vorwahl 0048 führt nach Polen.
14:11Der Täter heißt Marek K. und wohnt im polnischen Katowice.
14:21In etwa eineinhalb Jahren hat er auf seinen Touren durch Deutschland einen Menschen getötet,
14:26mehrere schwer verletzt und vermutlich 46 Supermärkte ausgeraubt.
14:30Er beutet hat er etwa 30.000 Euro.
14:34Als er am 26. Juni 2015 wieder einmal in Deutschland unterwegs ist, wird er festgenommen.
14:43Der Zugriff erfolgt an der Autobahnraststätte Dresdner Tor in Sachsen.
14:47Bei der Festnahme kann das Sondereinsatzkommando Marek K.'s Tatwaffe sichern. Sie überführt ihn zweifelsfrei als Mörder.
14:56Marek K. wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellt die besondere Schwere der Schuld fest.
15:02Fall 2 ereignet sich im Januar 2013 in München-Obersendling.
15:13Die in Bautzen geborene Verlagsangestellte Katrin M. wird im Eingangsbereich ihres Wohnhauses ermordet.
15:20Ohne Vorwarnung und mit einem außergewöhnlichen Motiv geht der Täter zu Werke.
15:26Katrin M. ist eine zielstrebige, lebenslustige junge Frau.
15:29In Bautzen geboren, zieht sie 2009 mit ihrem Lebensgefährten nach Süddeutschland.
15:35Sie hat viele Träume und beginnt ein neues Leben in der bayerischen Metropole.
15:40Die 31-Jährige geht regelmäßig in ein Fitnessstudio, so auch am 4. Januar 2013.
15:49Es wird ihr letzter Besuch dort sein.
16:00Die Polizei München hat eine Sonderkommission zur Aufklärung der schrecklichen Tat gegründet.
16:05Manfred Heger leitet die Ermittlungen.
16:08Für Kripo-Life, Tätern auf der Spur, rekonstruiert er den Tathergang.
16:13Sie hat an dem Tag einen ganz normalen Arbeitstag hinter sich gebracht, hatte dann um 19 Uhr noch einen Termin im Fitnessstudio.
16:18Da war sie so ungefähr eine Stunde im Fitnessstudio, hat sie dann irgendwann nach 20 Uhr verlassen und hat sich auf den Nachhauseweg gemacht.
16:24Kathrin M. benötigt etwa 30 Minuten vom Fitnessstudio bis nach Hause. Dort lebt sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Alexander L.
16:34Zur gleichen Zeit spielt ein junger Mann ein Videospiel. Er wohnt in der Nähe von Kathrin M.s Wohnung.
16:46In dem Spiel tötet er wahllos Menschen mit einem Messer. Seine Gewaltfantasien werden durch das Spiel noch weiter angeheizt.
16:55Schon seit längerem hat er einen teuflischen Plan.
16:57An diesem Abend trifft er die Entscheidung, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Mit einem Messer bewaffnet, verlässt er gegen 20 Uhr die Wohnung.
17:18Kathrin M. ist an diesem Abend spät dran. Ihr Ziel, die U-Bahn-Station Eidenbachstraße.
17:25Von dort aus sind es zu Fuß noch etwa 7 bis 8 Minuten bis zu ihrer Wohnung.
17:34In der Bahn entsteht durch eine Überwachungskamera auch das letzte Foto von Kathrin M.
17:41Sie hat also die U-Bahn um 10 nach 9 verlassen, überquerte die Boschitzriederstraße, ging dann zu einer kleinen Grünanlage, Hinterhof, einer angrenzenden Wohnanlage durch.
17:56Irgendwo zwischen U-Bahn-Station Eidenbachstraße und ihrer Wohnung lauert der Täter der Bautzenerin auf.
18:04Und folgt ihr.
18:06Die Frau trug Kopfhörer auf dem Nachhauseweg, war also durchaus abgelenkt in ihrer Wahrnehmung, weshalb sie den Täter gar nicht wahrgenommen hat.
18:24Möglicherweise werden die Kopfhörer Kathrin M. zum Verhängnis. Ohne sie wäre ihr wahrscheinlich aufgefallen, dass sie verfolgt wird.
18:34Sie hat dann etwa 21 Uhr, kurz vor 21 Uhr, ihre Haustür aufgesperrt und betrat den Treppenaufgang des Treppenhauses.
18:44Und hier greift der Täter sie an. Insgesamt 18 Mal sticht der Mann ihr in den Hals und den Oberkörper.
18:53Erst als die Messerklinge abbricht, lässt der Täter von Kathrin M. ab und flüchtet.
18:58Nachbarn hören Geräusche im Treppenhaus. Sie rufen den Hausmeister.
19:21Er findet Kathrin M. und ist bereit mit uns zu sprechen, möchte aber nicht erkannt werden.
19:29Es lag eine Frau da. Von mir aus zu sehen war, dass schon viel Blut an die Fenster war, an die Wände.
19:42Das Ausmaß, was am Ende wie Schlimmes gewesen ist, das habe ich erst alles später gesehen.
19:48Als Ingolf Lorenz die junge Frau findet, lebt sie noch.
19:58Das war schon ein ganz schön, äh, grauer, schlecht, schlimmes Bild.
20:03Der Hausmeister alarmiert die Polizei und holt Kathrin M.'s Lebensgefährten Alexander L. aus der Wohnung im zweiten Stock.
20:09Dieser findet seine Lebensgefährtin in einer riesigen Blutlache. Sie atmet noch, doch er kann ihr nicht mehr helfen.
20:18Die Frau war noch kurzzeitig abwehrfähig, sie war noch handlungsfähig, konnte Widerstand leisten.
20:25Aber einer der Stiche war dann letztlich tödlich, obwohl es sehr zahlreiche Stiche waren, war letztlich nur einer tödlich und sie hat nur wenige Minuten überlebt.
20:34Die Arbeit der Kripo beginnt noch in der Nacht. Die Polizeikriminologen sichern erste Spuren am Tatort.
20:43Wir haben dann innerhalb den ersten 10, 15 Tagen weit mehr als 100 Personen als Zeugen vernommen.
20:53Das geht dann weiter, dass man eine eventuelle Motivlage hinterfragt, ob sich das bei den Personen auftut.
20:59Natürlich auch das Alibi-Überprüft von diesen Personen.
21:02Hier auch bitte um eine Vergleichsprobe, damit man sich auch ausschließen kann.
21:06Doch keine dieser Ermittlungen bringt die Polizei zunächst weiter.
21:11Bleiben die Blutspuren und das abgebrochene Messer, welche die Ermittler am Tatort finden.
21:16Der Täter hinterließ letztlich nur diese abgebrochene Messerklinge, sodass das Tatwerkzeug nicht vollständig war.
21:23Für uns natürlich wäre es wichtig gewesen, das Tatwerkzeug vollständig zu haben.
21:27Das war dann auch eine der ersten Maßnahmen, die intensive Suche nach dem verbliebenen Messergriff.
21:31An Spuren hatten wir dann weiterhin eigentlich nur die Opferbegleitung und eben auch die getragenen Kopfhörer waren noch ein Spurenträger.
21:38Ansonsten eigentlich nur das, was das Treppenhaus selber als Tatort hergegeben hat.
21:44Wichtigste Spuren sind die Tatwaffe, das Blut an der Klinge und an Teilen des Mantels des Opfers.
21:51Die Untersuchung der Blutspuren ergibt, dass neben dem Blut von Katrin M. auch fremde Blutspuren, womöglich vom Täter, zu finden sind.
21:59Doch die Spuren können keiner Person zugeordnet werden.
22:05Die Ermittlungen der Kriminalpolizei geraten ins Stocken.
22:09Ein Fallanalytiker wird hinzugezogen.
22:11Die Umstände vor Ort und die Umstände der Tatbegehung haben uns zu dem Schluss geführt, dass es hier um eine situative Opferauswahl geht, der Täter also keinen Bezug zum Opfer wahrscheinlich hatte.
22:24Wenn der Täter einen Opferbezug hätte, das heißt Kenntnisse über die Routineverhaltensweisen des Opfers hatte oder wo sie wohnt, dann hätte er andere Tatgelegenheiten entstehen lassen können, vielleicht beeinflussen können, die weniger risikobehaftet für die Tatbegehung gewesen wären.
22:42Und das zweite war, sie war zwar routinemäßig öfters im Fitnessstudio, aber an diesem Abend war nicht vorhersehbar, wann kommt sie denn nach Haus.
22:51Motiv des Täters gibt den Ermittlern Rätsel auf.
22:55Von der Tatbegehung her als auch vom Tatehrgang hatten wir keine Hinweise darauf, dass irgendwie Geld entnommen worden ist, Geld mitgenommen worden ist, andere Wertgegenstände des Opfers mitgenommen worden sind oder dass sexuelle Handlungen gesetzt worden sind.
23:09Das heißt, im ersten Moment war das Motiv für diese Tatbegehung unklar.
23:15Nachdem die Spurensicherung den Tatort freigegeben hat, übernimmt Hausmeister Ingolf Lorenz die Reinigung des Tatorts.
23:22Ich habe mich dann rangemacht und das Ganze bis sechs Uhr morgen sauber gemacht.
23:33Mir lag es auch ganz doll im Herzen, dass die Bewohner, die das alles schon auch mitgekriegt haben und gesehen haben, früh, wenn sie aufstehen, nicht nochmal das Elend sehen.
23:43Das war mir sehr wichtig.
23:45Die Kriminaltechniker analysieren insgesamt etwa 1200 Spuren, darunter die Messerklinge, die neben der Leiche lag.
23:54Es handelt sich um ein handelsübliches Küchenmesser.
23:57Im gesamten Wohnviertel sucht die Polizei nach dem fehlenden Messergriff.
24:03Wir hatten gehofft, dass er ihn vielleicht in der nahen Umgebung noch entsorgt hatte auf seiner Flucht.
24:08Wir haben deshalb intensiv eigentlich jegliche Müllbehältnisse abgesucht in den nächsten Stunden und Tagen.
24:15In den weiteren Tagen haben wir sogar 600 Kanaldeckel hochgehoben, um zu gucken, ob er ihn hier entsorgt hat.
24:21Das war leider nicht der Fall.
24:23Noch immer gibt es keine heiße Spur im Mordfall Katrin M. Mittlerweile sind zwei Monate seit der Tat vergangen.
24:31Es geht dem Täter in erster Linie darum, zu töten und nichts anderes zu tun.
24:40Keine Kontrolle über das Opfer zu gewinnen. Ich möchte mit dem Opfer nicht sprechen.
24:44Ich möchte keine Interaktion mit dem Opfer. Ich möchte nichts weiteres machen, als dieses Opfer zu töten und zu zerstören.
24:50Das ist das Vorrangige, was er tut.
24:54Die Soko wertet Katrin M.'s Handydaten und ihren Computer aus.
24:59Weiterhin werden etwa 10.000 Handys, welche zum Tatzeitpunkt in der Nähe des Tatorts eingeschaltet waren, überprüft, ohne neue Erkenntnisse.
25:08Doch dann meldet sich ein polizeilicher Jugendbeamter bei Chef-Ermittler Manfred Heger.
25:14Und so kam der Jugendbeamter auf uns zu und sagt, ich hatte da mal letztes Jahr mit einem Kontakt, der hatte so Gewaltfantasien.
25:22Ich traue ihm die Tat zwar nicht zu, aber ich will es euch mal mitteilen. Der wohnt auch nicht weit weg. Der wohnt in unmittelbarer Tatort-Umgebung.
25:31Die Beamten sind skeptisch. Doch sie gehen der Spur nach. Der Jugendbeamter und zwei weitere Ermittler statten Marco F., so der Name des Verdächtigen, einen Besuch ab.
25:42Die Jugendbeamter und Marco F. kennen sich bereits.
25:45Er hat dort unvermittelt den Marco gefragt, ob er sich vorstellen kann, weshalb sie jetzt heute da sind. Und bereits da hat er schon gesagt, wegen dem Mord.
26:03Im Gespräch macht der junge Mann noch weitere Andeutungen. Die Ermittler werden hellhörig und beginnen das Zimmer von Marco F. zu durchsuchen.
26:13Und konnten dann relativ rasch hinter so DVD-Boxen abgelegt, mehr oder weniger versteckt, einen Messergriff entdecken.
26:31Haben den dann auch in Augenschein genommen und haben gesehen, es ist tatsächlich dieser abgebrochene Messergriff.
26:36Das fehlende Gegenstück zu der am Tatort gefundenen Messerklinge ist gefunden.
26:40Noch in seinem Zimmer legt Marco F. ein erschreckendes Geständnis ab.
26:47Er hat dann die Geschichte erzählt, wie sie es zugetragen hat. Und zwar war es so, die familiäre Situation hat sich aus seiner Sicht zugespitzt.
26:54Er wollte nicht mehr zu Hause wohnen. Es war nämlich angedacht, dass er in ein Berufsförderungszentrum kommt, in eine Werkstatt, auch mit Wohngelegenheit.
27:02Und das wollte er nicht. Und da kam er auf die Idee, einen Menschen, namens sogar eine Frau, zu töten, um an deren Wohnung zu kommen.
27:13Er hätte dann ihr den Schlüssel abgenommen, hätte die Leiche in die Wohnung verbracht und wollte dann die Wohnung weiter beziehen und dort wohnen.
27:21So war sein Plan.
27:23Wir haben zumeist bei diesen Tätern eine Entwicklung, die im Vorfeld stattfindet.
27:26Entweder beschäftigen sie sich mit dementsprechendem Videomaterial, mit Gewaltpornografie oder mit Gewaltspielen.
27:34Oder sie sind anderweitig polizeilich schon mal auffällig geworden.
27:37Wir haben dann später bei ihm auch ein Videospiel gefunden, wo so eine ähnliche Thematik eine Rolle spielt, wo ein Killer den Auftrag hat, Leute zu töten, um an die Wohnungsschlüssel und an die Wohnung zu kommen.
27:50Und das ist möglicherweise so gewesen, was sich auch bei ihm da festgesetzt hat und dass er sich fragt hat, das kann ich auch umsetzen und so komme ich an eine Wohnung.
27:58Marco F. wird festgenommen. Doch sein Mordplan war so abwegig, dass Zweifel an seiner Schuldfähigkeit aufkommen.
28:05Eine psychiatrische Untersuchung ergibt eine psychische Störung mit schizophrenen Zügen.
28:13Im Prozess im Januar 2014 am Amtsgericht in München offenbart sich, dass Marco F. wahllos ein Opfer aussuchte, um es zu töten.
28:23Es hätte auch jeden anderen treffen können.
28:26Weil er zum Zeitpunkt der Tat gerade 18 war, wird Marco F. nach Jugendstrafrecht verurteilt.
28:31Das Gericht stuft ihn als gefährlich ein und ordnet die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.
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