- vor 7 Monaten
Alexandra (bürgerlich Doris Nefedov; * 19. Mai 1942 als Doris Wally Treitz in Heydekrug; † 31. Juli 1969 in Tellingstedt) war eine deutsche Sängerin. Bekannt wurde sie in den 1960er-Jahren mit Liedern wie Mein Freund, der Baum; Sehnsucht (Das Lied der Taiga) und Zigeunerjunge.
Leben
Alexandra wurde 1942 als letzte von drei Töchtern der Eheleute August Treitz (1899–1969) und Wally Margarete Swetosch (1912–1969) in Heydekrug im Memelland geboren. Ihre Familie kam im Zweiten Weltkrieg nach der Evakuierung des Gebiets rechts der Memel im Jahr 1944 und anschließender Flucht vor der Roten Armee zunächst nach Sachsen und dann nach Kiel. Eintrag von Doris Treitz in das Poesiealbum einer Mitschülerin am 7. März 1956
Dort besuchte sie die Volksschule und danach die Ricarda-Huch-Schule, damals ein Mädchengymnasium. Bereits mit zehn Jahren spielte sie Klavier, sang, tanzte und malte. Vom ersten selbst verdienten Geld, das sie durch den Verkauf von Zeichnungen erhielt, kaufte sie sich eine Gitarre. Früh brachte sich Doris Treitz das Gitarrenspiel bei, erhielt Klavierunterricht und begann, eigene Lieder und Gedichte zu schreiben.
Mit siebzehn Jahren wollte sie als Modedesignerin arbeiten, brach die Schule ab und begann ein Grafikstudium an der Muthesius-Werkkunstschule. In dieser Zeit hatte sie mehrere Gelegenheitsjobs, unter anderem als Sekretärin, Stenotypistin und Zimmermädchen. 1961 zog sie zusammen mit ihrer geschiedenen Mutter und ihrer Schwester nach Hamburg-Rothenburgsort und besuchte die Meisterschule für Mode. Nebenbei sang sie in Bars und Kneipen slawische Lieder, aber auch eigene Kompositionen. 1962 nahm sie an der Miss-Germany-Wahl teil und belegte den neunten Platz. Im selben Jahr heiratete sie den 30 Jahre älteren russischen Emigranten Nikolai Nefedov (1912–1989), der als Untermieter bei ihrer Familie lebte. Anschließend wollte sie mit Nefedov in die USA auswandern. Am 26. Juni 1963 brachte sie ihren Sohn Alexander zur Welt. Die Ehe scheiterte; Alexandra und ihr Sohn blieben in Deutschland.
Danach versuchte sie, ihr Studium abzuschließen, und arbeitete nebenbei als Zeichnerin. Nach einem Abschluss an der Margot-Höpfner-Schauspielschule in Hamburg erhielt sie ein Engagement an einem Theater in Neumünster und nahm Gesangsunterricht. Kurzzeitig sang sie 1965 bei den City Preachers. Bald darauf wurde der Schallplattenproduzent Fred Weyrich auf die tiefe Stimme, das Talent und die Vielsprachigkeit der Sängerin aufmerksam. Er vermittelte ihr einen Fünfjahresvertrag bei einer Plattenfirma. Unter dem Management von Hans R. Beierlein wurde sie unter dem Künstlernamen Alexandra zum Star aufgebaut. Den Künstlernamen hatte sich Fred Weyrich ausgedacht - er nimmt Bezug auf Alexandras Sohn Alexander. Mit ihren melancholischen Liedern und ihrem Aussehen passte sie gut in ein Format, das bisher noch nicht von der deutschen Schlagerbranche vermarktet wurde: Russland. Mit dem Orchester Hazy Osterwald folgte 1967 eine Tournee durch
die Sowjetunion
Leben
Alexandra wurde 1942 als letzte von drei Töchtern der Eheleute August Treitz (1899–1969) und Wally Margarete Swetosch (1912–1969) in Heydekrug im Memelland geboren. Ihre Familie kam im Zweiten Weltkrieg nach der Evakuierung des Gebiets rechts der Memel im Jahr 1944 und anschließender Flucht vor der Roten Armee zunächst nach Sachsen und dann nach Kiel. Eintrag von Doris Treitz in das Poesiealbum einer Mitschülerin am 7. März 1956
Dort besuchte sie die Volksschule und danach die Ricarda-Huch-Schule, damals ein Mädchengymnasium. Bereits mit zehn Jahren spielte sie Klavier, sang, tanzte und malte. Vom ersten selbst verdienten Geld, das sie durch den Verkauf von Zeichnungen erhielt, kaufte sie sich eine Gitarre. Früh brachte sich Doris Treitz das Gitarrenspiel bei, erhielt Klavierunterricht und begann, eigene Lieder und Gedichte zu schreiben.
Mit siebzehn Jahren wollte sie als Modedesignerin arbeiten, brach die Schule ab und begann ein Grafikstudium an der Muthesius-Werkkunstschule. In dieser Zeit hatte sie mehrere Gelegenheitsjobs, unter anderem als Sekretärin, Stenotypistin und Zimmermädchen. 1961 zog sie zusammen mit ihrer geschiedenen Mutter und ihrer Schwester nach Hamburg-Rothenburgsort und besuchte die Meisterschule für Mode. Nebenbei sang sie in Bars und Kneipen slawische Lieder, aber auch eigene Kompositionen. 1962 nahm sie an der Miss-Germany-Wahl teil und belegte den neunten Platz. Im selben Jahr heiratete sie den 30 Jahre älteren russischen Emigranten Nikolai Nefedov (1912–1989), der als Untermieter bei ihrer Familie lebte. Anschließend wollte sie mit Nefedov in die USA auswandern. Am 26. Juni 1963 brachte sie ihren Sohn Alexander zur Welt. Die Ehe scheiterte; Alexandra und ihr Sohn blieben in Deutschland.
Danach versuchte sie, ihr Studium abzuschließen, und arbeitete nebenbei als Zeichnerin. Nach einem Abschluss an der Margot-Höpfner-Schauspielschule in Hamburg erhielt sie ein Engagement an einem Theater in Neumünster und nahm Gesangsunterricht. Kurzzeitig sang sie 1965 bei den City Preachers. Bald darauf wurde der Schallplattenproduzent Fred Weyrich auf die tiefe Stimme, das Talent und die Vielsprachigkeit der Sängerin aufmerksam. Er vermittelte ihr einen Fünfjahresvertrag bei einer Plattenfirma. Unter dem Management von Hans R. Beierlein wurde sie unter dem Künstlernamen Alexandra zum Star aufgebaut. Den Künstlernamen hatte sich Fred Weyrich ausgedacht - er nimmt Bezug auf Alexandras Sohn Alexander. Mit ihren melancholischen Liedern und ihrem Aussehen passte sie gut in ein Format, das bisher noch nicht von der deutschen Schlagerbranche vermarktet wurde: Russland. Mit dem Orchester Hazy Osterwald folgte 1967 eine Tournee durch
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00:00:00Diese Stimme, dunkel, melancholisch, unverwechselbar.
00:00:09Mit ihren unsterblichen Hits schrieb die Sängerin Alexandra Ende der 60er Jahre Schlagergeschichte
00:00:14und begeistert auch noch 30 Jahre nach ihrem Tod die Menschen.
00:00:18In ihrer kurzen Karriere gelang es Alexandra, sich als erste deutsche Liedermacherin ein musikalisches Denkmal zu setzen.
00:00:36Doch wer war diese Frau, die eine geheimnisvolle Aura umgab?
00:00:40Was steckt hinter ihrem mysteriösen Unfalltod?
00:00:48In Heidekrug, der ehemals östlichsten Stadt des Deutschen Reiches, dem heutigen Silute,
00:01:07heiraten 1936 der Justizsekretär August Treitz und die Schneiderin Wallis Vetosch.
00:01:13Sie bekommen drei Töchter. Alexandra ist die Jüngste und erblickt am 19. Mai 1942 als Doris, das Licht der Welt.
00:01:22Ich bin in Memeland geboren und meine Mutter ist aus einer altenbändischen Familie.
00:01:26Mein Vater ist halb Litauer und ich glaube, die Liebe zur östlichen Folklore, die liegt uns allen ein bisschen im Blut.
00:01:34Alexandra war das Nestekchen in der Familie. Sie genoss alle Vorteile und hatte Narenfreiheit.
00:01:45Sie war etwas eigenwillig und setzte sie schon als Kind durch.
00:01:50Mit ihren Schwestern Marianne und Melitta verbringt Doris eine unbeschwerte Kindheit,
00:01:56bis der Zweite Weltkrieg die Familie auseinanderreißt.
00:01:571944 mussten wir das Memeland träumen. Es gab nur am Abend eine kurze Aufforderung und am anderen Tag marschierten schon die Russen über die Grenze.
00:02:14August Treitz wird eingezogen und gerät in russische Gefangenschaft.
00:02:19Seine Frau Walli flieht mit ihren Töchtern von Ostpreußen über Sachsen nach Schleswig-Holstein.
00:02:23Im zerstörten Kiel findet ihre Flucht ein Ende. Der Vater kehrt heim.
00:02:35Als ich elf Jahre alt war, habe ich im Kirchenchor gesungen.
00:02:38Da gab es dann an Sonnenfeiertagen 60 Pfennige. Dafür konnten wir ins Kino gehen.
00:02:42Das war also eine grandiose Sache. Aber ich muss sagen, ich habe nicht wegen dieser 60 Pfennige gesungen,
00:02:47sondern weil es mir wirklich sehr viel Spaß machte.
00:02:49Ich weiß, ich war immer die dritte Stimme. Ich habe immer unten im Bass gesungen.
00:02:54Mutter Walli, die in Ostpreußen eine leidenschaftliche Klavierspielerin gewesen war,
00:02:58bittet ihren Mann für ihr Geliebtes, Dorettchen, ein Klavier zu kaufen.
00:03:05Ich habe mit zehn Jahren angefangen, Klavierunterricht zu nehmen und war mit großer Begeisterung dabei.
00:03:12Also es war nicht so, dass man mich nun prügeln musste.
00:03:15Nun komm, endlich üben. Ich habe geübt und habe die Schularbeiten nicht gemacht und habe den ganzen Tag am Klavier gesessen.
00:03:19Musik
00:03:20Meine Mutter hat auch sehr viel mit Klassik zu tun gehabt.
00:03:27Klavier gespielt, hat sehr viel Schubert gespielt.
00:03:29Gibt es noch Aufnahmen davon, die ich oft gerne höre.
00:03:35Doris tritt regelmäßig bei Schülerkonzerten auf, nimmt Ballettunterricht,
00:03:39schreibt Gedichte und gewinnt Malwettbewerbe.
00:03:41Die vielen künstlerischen Neigungen führen bei dem jungen Mädchen zu einem Wirbel von Gefühlen und Entschlüssen.
00:03:48Es war so, ich habe nach dem Gymnasium, wollte ich unbedingt einen künstlerischen Beruf ergreifen.
00:03:55Es hat mich zur Bühne hingezogen und zur Grafik. Also ich war früher recht zersplittert.
00:03:59Und mein Vater hat gesagt, also wenn du schon eine Kunst sein musst, bitte lieber Grafik.
00:04:03Doris beginnt für wenige Monate eine Ausbildung an der Kieler Mutesius Schule.
00:04:07Ich habe dieses Studium ja nicht zu Ende gemacht, aber ich habe immerhin so an die 40, 50 Tierbilder früher verkauft.
00:04:17Das war so ein fantastischer Nebenerwerb und ich muss sagen, meine Bilder sind immer fantastisch mit weggegangen.
00:04:22Also habe ich viel Glück gehabt, denn davon konnte ich mir eine Gitarre kaufen von diesem Geld
00:04:27und konnte mir das Gitarrespielen beibringen und mit der Gitarre nahm das Verhängnis,
00:04:35wenn Sie so wollen, nein, nicht das Verhängnis, nahm mein eigentlicher Beruf seinen Anfang.
00:04:41Musik
00:04:58Untertitelung des ZDF, 2020
00:05:28Doris Eltern lassen sich scheiden.
00:05:46Die Mutter zieht mit ihrer ältesten Tochter Melitta und ihrem Dorettchen nach Hamburg.
00:05:50Diese Weltstadt verspricht Aufregung, neue Impulse und Möglichkeiten.
00:05:54Doch die anfängliche Euphorie wird schon bald gebremst.
00:05:57Das Geld ist knapp und die drei Frauen müssen lernen, umzudenken.
00:06:05Sie finden eine Sozialbauwohnung in Rothenburgs Ort, dem Arbeiterviertel.
00:06:10Walli Treitz vermietet eines ihrer drei Zimmer und arbeitet wieder als Schneiderin.
00:06:14Im Gegensatz zu ihrer ältesten Schwester wird Doris weiter von ihrer Mutter unterstützt,
00:06:19die davon träumt, dass ihre Jüngste einmal Karriere macht.
00:06:22So stößt Walli Treitz eines Tages auf eine Illustrierte, die Teilnehmerinnen für die Miss Germany Wahl sucht.
00:06:32Doris schafft als Miss Hamburg den Sprung unter die elf schönsten Frauen Deutschlands
00:06:36und wird am Tag der Wahl gefragt, was sie sich im Fall eines Sieges wünschen würde.
00:06:40Vielleicht könnte ich mir das dann leisten, mir einen Löwen zu kaufen, einen jungen Löwen, den ich aufziehen würde.
00:06:46Und dann würde ich gerne, natürlich hoffe ich dann dadurch, Chansonsängerin zu werden.
00:06:51Und zwar möchte ich mal gerne russische Chansons singen und überhaupt vom Balkan, französische.
00:06:58Also es ist mein Berufstraum.
00:07:00Traum.
00:07:08Trotz der Startnummer 1 schafft sie es nicht aufs Siegertreppchen.
00:07:12Doch das stört sie nicht.
00:07:13Sie ist inzwischen frisch verliebt und tröstet sich in den Armen ihres russischen Freundes Nikolai Nevjedov,
00:07:19der seit kurzem bei ihrer Mutter zur Untermiete wohnt.
00:07:24Doris liebt alles Russische, lernte schon als Kind die Sprache und singt zur Gitarre russische Volksweisen.
00:07:30So dauert es nicht lange, bis sie sich mit Nikolai verlobt und mit ihm zu seiner Familie nach Boston fliegt.
00:07:36Tante Walli war gar nicht damit einverstanden.
00:07:38Das weiß ich ganz genau.
00:07:40Das hat sie ja uns in Remscheid auch gesagt.
00:07:42Hildegard, meine Doris möchte einen Russen heilen und 30 Jahre älter.
00:07:48Nein, da bin ich gar nicht mit einverstanden.
00:07:51Es sind solche großen Unterschiede.
00:07:53Es kann nicht gut gehen.
00:07:54Dieser Mann hat eine ganz andere Mentalität.
00:07:58Eine russische.
00:07:59Und wir haben ein deutsches Herz.
00:08:02Doris heiratet im Dezember 1962 ihren Nikolai.
00:08:06Sie fühlt sich bei diesem älteren Mann geborgen und plant mit ihm in die USA auszuwandern.
00:08:11Sie will den engen ärmlichen Verhältnissen entfliehen und erhofft sich an der Seite des Kaufmanns die Erfüllung ihrer Träume.
00:08:17Am 26. Juni 1963 wird ihr Sohn Alexander geboren.
00:08:23Ich konnte immer hören, wie sie Gitarre spielt und singt.
00:08:40Sie hat so geübt und ich könnte sitzen und zuhören.
00:08:45Nach einigen Monaten merkt Doris, dass sie sich der Ehe nicht gewachsen fühlt und bittet ihren Mann um die Scheidung.
00:09:01Sie hat Angst, dass das Wohl ihres Sohnes, den sie liebevoll Sascha nennen, unter ihren zunehmenden Auseinandersetzungen leiden könnte.
00:09:07So wandert Nikolai allein nach Amerika aus und Doris zieht mit dem kleinen Sohn wieder zu ihrer Mutter.
00:09:14Frau zieht der Nebel durch die menschenleere Stadt.
00:09:23Mein Herz ist einsam, weil es dich verloren hat.
00:09:30Ich kann dich verstehen und so wird für mich die Zeit zu einer Ewigkeit.
00:09:56Ich warte vergebend, so viele Stunden des Lebens.
00:10:06Lass neu uns beginnen, wenn die Nebel zerrinnen.
00:10:13Nach der Trennung von ihrem Mann beginnt Doris eine Ausbildung bei der renommierten Stadt.
00:10:43Schauspielerin Margot Höpfner.
00:10:47Die Freiheit, die Hemmung, also die Hemmung wegzuspülen, die habe ich auf der Schauspielschule gelernt.
00:10:53Normalerweise ist jeder Mensch gelb und kann nicht seine Gefühle frei produzieren.
00:10:56Das muss man halt lernen.
00:10:57Dass man ungehemmt ist, dass man sich geht, wie man denkt, wie man fühlt.
00:11:03Schon nach kurzer Zeit besticht Doris durch ihr Können und erhält ihr erstes Engagement.
00:11:08In Neumünster habe ich eine sehr schöne Rolle gespielt und mein großer Traum ist einmal in Berlin auf den Brettern zu stehen, eben als Schauspielerin.
00:11:16Auch der Film lässt nicht lange auf sich warten.
00:11:28In Friedrich Ebert, Geburt einer Republik, spielt Doris eine Spartakistin und singt vor dem Berliner Reichstag die Internationale.
00:11:36Leider sind diese Aufnahmen nach ihrem Tod aus dem Film herausgeschnitten worden und seitdem verschollen.
00:11:41Neben zahlreichen Jobs, die sie ausgeführt hatte, tingelte sie des Abends auch noch durch Bars umher, um ein bisschen Geld zu verdienen für ihre Schauspielkunst.
00:11:56Sie hat da bereits schon Lieder gesungen und sich mit der Gitarre begleitet.
00:12:01In den drei Jahren ihrer Schauspielausbildung weiß Doris manchmal nicht, wie sie das Schulgeld und den Unterhalt ihres Sohnes bezahlen soll.
00:12:21Zahlreiche Versuche, ihre Tonbänder mit eigenen Liedern an Plattenfirmen und Sendeanstalten zu vermitteln,
00:12:26werden mit der Begründung abgelehnt, diese seien zu melancholisch und schwermütig.
00:12:31In den anrüchigen Bars, in denen sie singt, macht man ihr eher das Angebot, als Tänzerin aufzutreten, was sie aber nur kurze Zeit tut.
00:12:38Sie ist verzweifelt und sie denkt schon daran, alles aufzugeben.
00:12:43Hereinspaziert, hereinspaziert, hier sehen Sie Sensationen.
00:12:49Für eine Mark hereinspaziert, das wird sich für Sie lohnen.
00:12:55Da liest Walli Treitz erneut eine Anzeige. Diesmal sucht die Deutsche Wochenschau Volkssänger.
00:13:01Während der Dreharbeiten bekommt Doris Kontakt zu den City Preachers, einem aufstrebenden Folkloreensemble,
00:13:06und damit auch ihre erste große Chance, sich als Sängerin zu profilieren.
00:13:11In einer dunklen Hamburger Bar, wo noch vor kurzem Musicbox und Plattenspieler für leere Tische und leere Kassen sorgten,
00:13:19fand eine Gruppe junger Leute Einlass und mit ihnen ein neuer Sound.
00:13:24Sie haben sich einer neuen Welle verschrieben, die aus Amerika kommend sich bereits in London und Paris durchgesetzt hat.
00:13:29Sie singen Volkslieder aus aller Welt, Chansons, Balladen und Blues.
00:13:33Durch ihren ersten Auftritt in der Wochenschau wird Doris schließlich entdeckt.
00:14:02Ich habe mir das Schauspielstudium selbst verdient, wie es viele meiner Kolleginnen mussten,
00:14:08als Redakteurin, als Sekretärin, als Autovermieterin.
00:14:13Bis es dann endlich so weit war, dass mich Fred Weyrich, mein Plattenproduzent, für die Platte entdeckte.
00:14:18Und zwar auf einer Party bei meinem ehemaligen Chef. Das war keine Party in dem Sinne, das war eine Jubiläumsfeier.
00:14:24Und da habe ich Gitarre gespielt und gesungen. Und es hat dann anscheinend gut gefallen.
00:14:28Da kam sie mit einer Gitarre unterm Arm, Gitarrenkasten unterm Arm und mit einem Fähnchen von Glide,
00:14:34also ziemlich dürftig angezogen. Und da weiß ich noch, ich stand vor ihr, sie guckt mich an mit ihren großen Augen.
00:14:43Und ich sagte zu ihr, wenn sie so singen, wie sie aussehen, dann können wir, glaube ich, was zusammen machen.
00:14:48Fred Weyrich ist derart von Doris vielsprachigem Repertoire und ihrer Ausstrahlung fasziniert,
00:14:57dass er ihr auf der Stelle einen Vertrag anbietet und Probeaufnahmen organisiert.
00:15:02Ich glaube nicht, dass ich vor drei oder vier Jahren mit den Liedern, die ich singe und mit meiner Art zu singen,
00:15:21also Erfolg gehabt hätte. Zumindest nicht in Deutschland.
00:15:25Fred Weyrich stößt mit seiner Neuentdeckung bei der Phonogrammdirektion auf strikte Ablehnung.
00:15:29Doch er gibt nicht auf und ermöglicht Doris ohne Erlaubnis der Plattenfirma einen Auftritt vor wichtigen Musikjournalisten und Händlern.
00:15:36Mit Fräulein Doris Neffjodorf bin ich nach Husum gefahren und habe sie dort hinter der Bühne versteckt, in einem Nebenraum.
00:15:43Ich bin raus, habe ihnen eine nette Begrüßung gemacht, ich habe etwas in der Tasche, einen kleinen Geheimtipp.
00:15:48Ich bitte um eure Unterstützung und um euer Urteil.
00:15:51Ich darf Ihnen jetzt vorstellen, sie kommt mit ihrer Gitarre, mit ihrer Stimme, mit ihrem Charme und ihren Liedern.
00:16:01Doris Neffjodorf
00:16:03Wir sind am nächsten Morgen nach Hause gefahren und auf der Fahrt nach Hause,
00:16:28da haben wir über einen Namen gegrübelt, wie sie heißen könne.
00:16:32Doris Neffjodorf sei ja wohl ein bisschen schwierig zu merken und so kamen wir von einem Gedanken in den anderen.
00:16:40Dann erzählte sie mir von ihrem Sohn, dass der doch Sascha hieße.
00:16:44Und Sascha, da sagte ich, was ist denn Sascha, Alexandra oder wie heißt Alexander?
00:16:49Lange Rede, kurzer Sinn.
00:16:51Ich sage, pass auf, was halten Sie von Alexandra?
00:16:54Ganz kurz Alexandra.
00:16:56Fabelhaft, da bin ich mit einigermaßen.
00:16:57Doris' erfolgreicher Auftritt in Husum überzeugt nun auch die Phonogrammdirektion.
00:17:04Und Fred Weyrich erreicht sogar, dass sein Schützling mit einer Langspielplatte gestartet wird,
00:17:09ein bis dato einmaliges Wagnis in der Branche.
00:17:12So wird aus der Schauspielschülerin Doris die Sängerin Alexandra.
00:17:15Über mehrere Weich fliegt mein Herz zu dir, fliegen all meine Träume hinaus.
00:17:35Noch vor Alexandras LP-Veröffentlichung erfährt Fred Weyrich,
00:17:56dass der Schweizer Bandlieder Hasi Osterwald noch eine Sängerin für seine Tournee sucht.
00:18:01Sie kam, ich habe die beiden aufeinander geführt, das ist Alexandra und das ist Hasi Osterwald.
00:18:11Und da sagte er sofort auf sie zu, haben Sie Lust mit mir sechs Wochen auf Tournee in Russland zu gehen?
00:18:19Ich habe gesagt, die flippt mir aus.
00:18:21Die ist dem Bein um den Hals gefallen, das wäre ihr größter Wunsch, ihr sehnlichster Wunsch.
00:18:25Das kann doch wohl gar nicht wahr sein, dass sowas auf sie zukommt.
00:18:34Auf der Reise strapaziert Alexandra ständig die Nerven ihrer Kollegen,
00:18:43weil sie in jeder freien Minute Gitarre übt, singt oder komponiert.
00:18:47Sie will perfekt sein und schnell als Profi akzeptiert werden.
00:18:55Das war das erste öffentliche Auftreten auf einer Bühne, was Singen anbelangt.
00:18:58Und das war wirklich für mich ein Kopfsprung ins kalte Wasser, kann man es nennen.
00:19:04Alexandra und das Hasi Osterwald-Ensemble reisen von Leningrad nach Grosny, von Tiflis bis zur Krim
00:19:10und legen in anderthalb Monaten mehr als 36.000 Kilometer zurück.
00:19:15Die Tournee wird für alle Beteiligten zu einem Riesenerfolg.
00:19:18Als das Ensemble im Juni 1967 nach Berlin zurückkehrt und in einem Hotel seine Abschiedsvorstellung geben will,
00:19:30wird es von den gewalttätigen Studentenunruhen und der Ermordung Benno Ohnesorgs überrascht.
00:19:39Alexandra möchte so schnell wie möglich nach Hause zu ihrem Sohn.
00:19:43Doch da taucht plötzlich Fred Weyrich auf, der ganz andere Pläne mit ihr hat.
00:19:47Wir fahren nach Saarbrücken und nicht nach Hamburg.
00:19:50Sie wollte aus dem Auto springen.
00:19:52Ich will nach Hause, ich bin müde, bin kaputt.
00:19:54Sag ja, du darfst, erst übermorgen.
00:19:56Jetzt gehen wir erst nach Saarbrücken.
00:19:58Du bist Gast bei Gilles Berbicot in dessen großer Show mit Druckbrand.
00:20:03Was sagst du nun?
00:20:04Alexandra war jedenfalls voller Ehrfurcht und Glück, dass ich überhaupt in dieser Show drin sein durfte.
00:20:13In letzter Minute kommen Alexandra und ihr Produzent in Saarbrücken an.
00:20:19Druckbrands erwartet sie schon ungeduldig und befiehlt Alexandra, sich umgehend für ihren ersten Fernsehauftritt umzuziehen.
00:20:25Fred Weyrich drückt ihr ein Samtkleid in die Hand, das ihre Mutter für sie geschneidert hat.
00:20:29In der Bicot-Show war Bicot außerordentlich angetan.
00:20:36Wir alle waren angetan.
00:20:39Und Bicot hat sogar gesagt, Mensch, Druck, das ist ja einer von uns.
00:20:45Druckbrands war für sie, will ich einmal sagen, ein väterlicher Dino.
00:20:50Der Mann, der es mit einem Blick gesehen hat, dass in dieser Frau wahnsinnig viel steckt, wahnsinnig viel künstlerische Potenz, wahnsinnig viel Ausstrahlung.
00:21:04Sie schritt die Treppen runter, singend, als hätte sie in ihrem Leben nie was anderes getan.
00:21:09Dafür ist sie eine solche Selbstverständlichkeit.
00:21:10Und ich hörte durch das Mikrofon eines Kameramanns neben dem, ich stand durch das kleine Ohrenmikrofon,
00:21:16hörte ich, wie der Pranz in der Regie umsagte, ein Weltstar ist geboren, ihr Arschlöcher, passt besser auf, die ist doch riesig.
00:21:23Und ich hörte, wie der Pranz in der Regie umsagte, wie der Pranz in der Regie umsagte,
00:21:53Nicht nur die Deutschen, sondern auch die Franzosen werden hellhörig.
00:22:22Man macht Alexandra das Angebot, Adamo auf seiner ersten Deutschland-Tournee zu begleiten.
00:22:33Die erste Begegnung war in Berlin in der Philharmonie, anlässlich eines Konzerts von Salvatore Aramon,
00:22:42in einer sehr erfolgreichen Veranstaltung, bei der im Vorprogramm nach dem Modell Olympia drei junge Interpreten die Chance bekommen haben, aufzutreten.
00:22:55Und eine davon war Alexandra.
00:22:57Sie hat einen enormen Erfolg gehabt, dass sehr viel Branche anwesend war, also Medienleute, haben die natürlich den Namen Alexandra inhaliert.
00:23:09Von dem Moment an war sie ein Thema.
00:23:11BASUCH .
00:23:13BASUCH .
00:23:15BASUCH .
00:23:16BASUCH .
00:23:19BASUCH .
00:23:24Am Ende des Tournees, wir waren Freund.
00:23:52Wir haben Witz zusammen gemacht, wir haben gelacht und es war auch deutlich, dass wir auf dieselben Wellen waren.
00:24:01Das genügt, es genügt ein Blick, um das zu verstehen.
00:24:16Während unserer gemeinsamen Tournee im letzten Jahr habe ich auch Gelegenheit gehabt, ihn persönlich kennenzulernen
00:24:21und er ist für mich eine Mischung, eine ideale Mischung aus Herz und Intelligenz.
00:24:27Die Wellen sind flüsternd erwacht und beginnen zu tanzen.
00:24:39Auf goldenen sehen ich sich, sich, sich, sich im Walzer des Sommers zu drehen.
00:24:52Dreht euch, dreht euch, dreht euch.
00:25:00Alexandra ist die erste Interpretin, der Adamo erlaubt, seine Lieder zu singen und für ihn deutsche Übersetzungen und Texte zu schreiben.
00:25:14In dem Verhältnis von Alexandra zu Adamo muss es irgendeine Art Seelenverwandtschaft oder sonst was gegeben haben.
00:25:25Sie hat also immer sehr euphorisch von ihm gesprochen.
00:25:28Und nach ihrem Tod, als ich da ein bisschen verhautigt half, den Nachlass zu sichten,
00:25:35fand ich in einer Schachtel, in einem, so einem Seidentütchen, eine Locke von Adamo.
00:25:42Die hatte sie sich irgendwie als Talisman aufgehoben gehabt.
00:25:46Durch die Zusammenarbeit mit Gilbert Bécaud und Adamo, ihre Sprachbegabung und besondere Ausstrahlung,
00:26:10wird Alexandra auch der Start in Frankreich erleichtert.
00:26:13Kaum ein deutscher Sänger schaffte bisher den Sprung ins französische Showgeschäft.
00:26:18Alexandra kann es kaum erwarten, nach Paris zu fliegen.
00:26:26Die Tür nach draußen hat uns wirklich Philipps Frankreich geöffnet.
00:26:31Da wurden Verträge skizziert und auch schon abgeschlossen, die eine Garantie für anderssprachige Produktionen gab.
00:26:43Untertitelungssl
00:27:10Ich habe in Paris drei Fernsehsendungen gemacht, unter anderem auch mit Yves Montin.
00:27:19Das heißt, ich habe sie nicht gemacht, ich durfte mitwirken.
00:27:21Und ich muss sagen, mit sehr viel Erfolg, ich habe auch zum Olympia-Kontakt aufgenommen.
00:27:25Und man ist sehr interessiert, mich im Sommer unter Vertrag zu nehmen.
00:27:27Natürlich nicht für den Hauptteil, sondern im Vorteil, aber das will sehr viel heißen.
00:27:31Anfangs ist Alexandra häufiger im französischen Fernsehen vertreten als im deutschen,
00:27:44da Showmaster wie Peter Frankenfeld und Vico Toriani skeptisch sind und erst einmal abwarten wollen.
00:28:01Die Verpflichtungen erfordern schon bald ein professionelles Management.
00:28:11Alexandras Wahl fällt auf Hans R. Bayerlein, den sie inzwischen liebt und dem sie vertraut.
00:28:17So kam die Geschichte Bayerlein, der ja damals durch Udo Jürgens sich einen sehr großen Namen gemacht hatte
00:28:22und eigentlich das funktionierendste Büro auf dem Gebiet überhaupt war,
00:28:27wovon man nur Traum träumen durfte, mit ihm zusammenzuarbeiten. So geschah das denn auch.
00:28:32Ihnen haben immer nur Leute interessiert, die zur damaligen Zeit, die außerhalb des Klischees waren.
00:28:40Sie hat eine neue Qualität in das Popgeschäft gebracht.
00:28:47Sie war die erste, die sich mit dem Begriff Chanson nicht nur auseinandergesetzt hat, sondern die das gelebt hat.
00:28:57Im Juni 1968 nimmt Alexandra im tschechischen Karzbad erstmals an einem internationalen Festival teil.
00:29:16Also das war für sie in der Tat eine sehr schwierige Angelegenheit.
00:29:19Ein fremdes Land noch dazu in einem Ostblock, wo man sich auch nicht so frei bewegen konnte.
00:29:23Sie hat ein ziemliches Beflattern bekommen und ich habe versucht, sie ein bisschen wieder auf Norm zurückzuholen
00:29:35und ihr die Aufregung zu nehmen.
00:29:40Und das ging dann neben vielem guten Reden durch eine Valium-Tablette.
00:29:46Und sie ist dann tatsächlich am Abend so sicher gewesen, als ob sie ihr Leben lang nichts anders gemacht hätte,
00:29:54als in Karlsbad bei einem Interversionsfestival aufzutreten.
00:29:58Und auch die 2. západon-Nemeckige Televizierungspolitik ARD
00:30:02reprezentiert die знäma spezifische Hviede, Alexandra.
00:30:07Ich war auch noch ein Kind, da kamen Zigeunen, Zigeunen in unsere Stadt.
00:30:24Die Wagen so bunt, die Pferdchen so zack, sie zogen die Wagen so schwer.
00:30:37Und ich lieb hinterher, immer nur hinterher.
00:30:46Durch ihr Auftreten, durch ihr Habitus, durch ihre charmante Art sich zu präsentieren, war sie der Liebling der internationalen Presse, die dort zugegen war.
00:30:56Und das schlug sich dann nachher darin nieder, dass sie mit einem Pressepreis, dem Preis der Medien, als erste Auszeichnung in ihrer Karriere belohnt wurde.
00:31:07Zigeunerjunge, Zigeunerjunge spielte am Feuer.
00:31:21Ja, das ist der Zigeunerjunge, mein Lieblingslied.
00:31:24Und dazu möchte ich sagen, dass meine Mutter und sehr oft erzählt hat, meine Schwestern und mir, wie es damals gewesen ist, wenn die Zigeuner von fern ins Dorf kamen,
00:31:33wenn man schon die Kastanierten und die Tambourins klappern hörte und dann hatten sie oft dann Tanzbären mit.
00:31:38Und all diese Dinge, die habe ich, glaube ich, doch da reingebracht, die habe ich mir alle vorgestellt.
00:31:42Und dieses Lied liebe ich ganz besonders.
00:31:49Das war auch mein erster großer Erfolg, der mich in Deutschland bekannt gemacht hat und nun auch inzwischen in Frankreich.
00:32:08Also ich kann das noch gar nicht so recht fassen, dass es so schnell gegangen ist.
00:32:13Zigeunerjunge
00:32:20Untertitelung des ZDF für funk, 2017
00:32:50Untertitelung des ZDF für funk, 2017
00:33:20Untertitelung des ZDF für funk, 2017
00:33:22Untertitelung des ZDF für funk, 2017
00:33:24Untertitelung des ZDF für funk, 2017
00:33:26Untertitelung des ZDF für funk, 2017
00:33:28Der beachtliche Verkauf ihrer ersten Langspielplatte bestärkt Alexandra, eigene Kompositionen und Texte auf einer zweiten LP zu veröffentlichen
00:33:40Untertitelung des ZDF für funk, 2017
00:33:42Ich habe eine Schwäche dafür, Texte zu machen und auch wieder wegzuwerfen, aber ein paar bleiben immer übrig
00:33:49Und ich freue mich, wenn andere Leute sie auch so gut finden, dass ich sie auf Platte aufnehmen kann und dann später auf der Bühne singe
00:33:56Sie wollte gegen den Strom Dinge machen, die nicht alltäglich sind und besonders damals nicht alltäglich waren
00:34:10Weil damals gab es keine Liedermacher
00:34:12Das waren ja alles Vorläufer dieser Entwicklung
00:34:14Wir wollten einfach, dass man anfängt, über andere Dinge zu singen als über Herzschmerz und vor allen Dingen Italien
00:34:20Die Lieder, die sie damals gesungen hat, waren durchaus ernstzunehmende Lieder auf einer gewissen Verbesserung deutscher Schlager hingearbeitet
00:34:31Der deutsche Schlager war damals nicht, war zwar sehr erfolgreich, aber er war leider sehr schlecht
00:34:38Das ist nicht so angenehm, also ich würde lieber sagen, ich spreche aus Honolulu als gerade aus Deutschland im Showbusiness
00:34:44Warum? Haben Sie da schon Ahnung?
00:34:46Leute Lächeln und ja, eben das deutsche Schlagergeschäft hat keinen guten Namen, besonders nicht in Frankreich
00:34:52Und das liegt wahrscheinlich weniger an der Musik als an den Texten, denn es sind genug Franzosen, die ganz gut Deutsch sprechen
00:34:59Was sind wir Menschen doch für Leute?
00:35:07Heute sagt man, du bist mein einziger Freund
00:35:11Und morgen vielleicht, es war nicht so gemeint
00:35:15Weil keiner zu seinen Worten mehr steht
00:35:19Wenn's um die eigenen Urteile geht
00:35:22Vergessen ist morgen die Liebe von heute
00:35:27Was sind wir Menschen doch für Leute?
00:35:29Alexandra erreicht, dass auf dem Nachfolgealbum zur Hälfte ihrer eigenen Lieder erscheinen
00:35:34Doch die LP wird zum Ladenhüter
00:35:36Die Phonogramm weigert sich, genügend Werbung zu machen und eine Single auszukoppeln
00:35:40Nicht einmal Mein Freund der Baum findet bei der Direktion gefallen
00:35:44Ich habe gerade eben irgendwann eine Kritik gelesen
00:35:48Alexandras Lieder gehen ins Herz, aber nicht ins Ohr
00:35:51Das ist wohl alles gesagt, nicht?
00:35:54Aber ich fasse diesen Spruch als Kompliment auf
00:35:58Die Medien, also das war damals in erster Linie Rundfunk und Fernsehen
00:36:02Mehr Rundfunk als Fernsehen
00:36:04Waren nicht sonderlich Helfer in der Entwicklung von Alexandra
00:36:10Dort ist sehr viel Vorbehalt gewesen
00:36:14Die Stimme war ihnen nicht deutsch genug, die Lieder waren ihnen nicht deutsch genug
00:36:19Die Lieder waren noch nicht reif
00:36:22Die Zeit war noch nicht da für die Lieder
00:36:24Und deswegen musste ja laut Vertrieb, da wurde ich ja, ich kriegte ja Fesseln angelegt
00:36:29Er sagt, bitte mach uns einen Hit, sonst bist du die Dame los oder wir sind sie los
00:36:33Also, dann haben wir in der Notfrist der Teufel fliegen
00:36:36Haben wir nach russischen Motiven gesucht und fanden Sehnsucht
00:36:39Es war ein Segen, dass wir das fanden
00:36:41Doch nicht für Alexandra
00:36:43Für sie ist Sehnsucht ein einfältiges russisches Kinderlied
00:36:46Ein Durchschnittsschlager, den sie keinesfalls singen möchte
00:36:49Fritt Weyrich pocht auf ihre Vertragserfüllung und setzt den Termin für die Aufnahme fest
00:36:53Das Studio war am Potsdamer Platz, das ehemalige Esplanathotel
00:36:57Direkt am Tiergarten, alles eine einsame Gegend
00:37:00Man guckte in die russische Zone da, in die DDR rein
00:37:02Und sie erschien im Studio sehr schlecht gelaunt, das sah ich ja schon an
00:37:08Weil sie Sehnsucht auf sich zukommen sah
00:37:10Dann kam der Rudi Bauer, versuchte ihr das im Klavier zu demonstrieren, wo ihre Einsätze sind
00:37:14Übergänge etc. etc. und das passt ihr nun überhaupt nicht
00:37:20Mit diesem Mann kann ich nicht arbeiten
00:37:22Und da rutschte mir die Hand aus und ich klatschte mit der Hand auf den Flügeldeckel
00:37:26Und das knallte wie ein Schuss in diesem großen Raum
00:37:28Und darauf verließ sie fluchtartig das Studio
00:37:32Rammte raus, war verschwunden
00:37:34Nach einer Stunde etwa
00:37:36Draußen goss es in Strömen
00:37:38Kam sie zur Tür rein
00:37:40Mit verwaschenem Haar, sie sah also wirklich gefährlich aus
00:37:43Mit verwaschener Schminke im Gesicht
00:37:45Ich möchte jetzt singen
00:37:47Und sie ging also ans Mikrofon runter
00:37:50Und sie sang genau einmal diese Sehnsucht durch
00:37:55So wie es dann auf der Platte erschienen ist
00:37:58Sehnsucht heißt ein altes Lied der Tiger
00:38:04Das schon damals meine Mutter sang
00:38:10Als Sehnsucht in kurzer Zeit die Hitparaden stürmt und auch in Frankreich Beachtung findet,
00:38:16versteht Alexandra die Welt nicht mehr
00:38:18Das Lied der Tiger wird ihr kommerziell größter Hit
00:38:22Das Komische daran ist, dass diese perfekte Live-Künstlerin
00:38:27Später, nachdem sie geschworen hatte Sehnsucht nie wieder zu singen
00:38:32Dann mit diesem Lied so erfolgreich wurde
00:38:35In so vielen Fernsehsendungen auftreten musste
00:38:38Aber da es nur ein Vollplayback Band gab
00:38:41Konnte sie es nicht anders als mit Lippenbewegung, Lippen synchron singen
00:38:47Sehnsucht liegt noch immer in den Tönen abends
00:38:55Wenn das alte Lied erklingt
00:38:59Die endlosen Steppen und die tiefen Wälder
00:39:09Die wie graue Schatten oft vor mir stehen
00:39:13Neblige Füße, taubedeckte Wälder
00:39:23Alles möchte ich einmal, einmal wieder sehen
00:39:39Sehnsucht heißt das alte Lied der Tiger
00:39:49Das schon damals meine Mutter sang
00:39:54Sehnsucht lag im Spiel der Balladeika
00:40:00Wenn sie abends vor dem Haus erklang
00:40:06Den neuesten Titel, den Sie aufgenommen haben, Sehnsucht
00:40:17Der ist ja schon ein bisschen gängiger als der Zigeunerjunge
00:40:20Ein bisschen mehr in Richtung Publikumsgeschmack
00:40:22Wie wird das weitergehen?
00:40:23Ich freue mich auf der einen Seite, dass das Publikum mir auch solche Lieder wie Sehnsucht abnimmt
00:40:30Auf der anderen Seite aber wird es in Richtung ganz anspruchsvolle Chanson weitergehen
00:40:35Sie war immer die Persönlichkeit Alexandra, die genau wusste, was sie wollte
00:40:40Und in dem Augenblick, wo sie unsicher wurde, hat sie dann hilfesuchend um Rat gefragt
00:40:46Aber bei den Leuten, zu denen sie Vertrauen hatte
00:40:49Und das waren ganz, ganz wenige
00:40:51Alexandra bittet Hans Beyerlein, ihr zu helfen
00:40:54Sie hat das Gefühl, dass man sie auf eine bestimmte Schlagerschiene festzulegen versucht
00:40:59Und befürchtet, wie Roy Bleck und Renate Kern Lieder singen zu müssen, die nicht zu ihr passen
00:41:04Ich habe den Eindruck, als ob die Phonogramm sich der Potenz Alexandra nicht voll bewusst war
00:41:13Man hätte dort gerne weitergemacht mit Russen, Themen und Kasachok und dergleichen mehr
00:41:24Weil das in der Tat eben leichter zu verkaufen gewesen wäre
00:41:29Aber natürlich dann irgendwann ein Ende hat
00:41:31Das war zuerst mein Wunsch, in russische Richtung zu marschieren
00:41:35Und heute, muss ich sagen, möchte ich da wieder raus, weil das ist zur allgemeinen Weltwelle geworden
00:41:39Und das gefällt mir überhaupt nicht, da nur mit drin zu schwimmen
00:41:42Es war schwierig für einen Sänger, der ehrlich bleiben wollte
00:41:51Vielleicht gegen die Showbusiness-Mentalität zu kämpfen
00:41:57Weil man musste sehr viele Kompromisse akzeptieren
00:42:02Mein Herz war leer, nur fremde Menschen um mich her
00:42:07Ich war allein, so allein
00:42:14Eine schwarze Balalaika gab er zum Abschied mir
00:42:24Eine schwarze Balalaika
00:42:28Lieb mir vom Glück mit dir
00:42:31Sascha, Sascha
00:42:35Deine Lieder
00:42:39Sing ich, sing ich immer wieder
00:42:46Die russische Welle hat sich totgelaufen
00:42:49Und es gab ja auch andere Interpreten, die sich der russischen Welle bedient haben
00:42:53Ein Leben lang russische Welle zu reiten, ist weder für sie noch für einen anderen Interpreten
00:42:59Nicht mal für Ivan Rabrov interessant
00:43:02Und natürlich haben wir versucht, ihr Lieder oder sie zu bestärken
00:43:09Die Lieder, die sie gerne gemacht hätte oder gemacht haben wollte
00:43:14Auch tatsächlich zu machen
00:43:16Wenn einer Texte haben soll ich nicht texten
00:43:17Meine Texte sind teilweise besser als die, die ich sonst singe
00:43:29Um die Zweifler zu bekehren, hat Bayerlein eine brillante Idee
00:43:32Er bittet Udo Jürgens, den er vom erfolglosen Schnurzensänger
00:43:35Der Schnurzensänger zur Nummer 1 des Showbusiness aufgebaut hat
00:43:38Mit Alexandra zusammenzuarbeiten
00:43:40Udo kenne ich ja nun schon ziemlich lange
00:43:42Ich kenne ihn schon da, als mich noch kein Mensch gekannt hat
00:43:45Und ich habe ihn immer gern gemocht, seine Art zu singen, seine Lieder
00:43:48Wir haben zusammen etwas angefangen, was es nicht gab
00:43:50In Deutschland eben Texte in die Richtung, wie die französischen Chansons sind
00:43:55Und ja, wir wollten eigentlich eine Menge zusammen machen
00:44:00Ein Lied haben wir zusammen geschrieben, aber eben nur eins
00:44:02Ein sehr schönes Illusion
00:44:04Und das Bewusstsein zu schärfen, für unsere Alltagssorgen
00:44:08Und die auch in Lieder entfließen zu lassen
00:44:10Das war etwas, was wir versucht haben
00:44:12Udo Jürgens hat die Melodie gemacht, ich habe da den Text drauf gemacht
00:44:15Das ist also unsere erste gemeinsame Co-Produktion
00:44:18Unser gemeinsames Werk, wenn Sie so wollen
00:44:21Und ich hänge sehr dran
00:44:24Mit Illusionen präsentiert Alexandra auf ihrer dritten Single
00:44:27Erstmals ein anspruchsvolles Chanson
00:44:30Fortan wird sie als weiblicher Udo Jürgens gehandelt
00:44:33Und sogar schon mit Hildegard Knef, einem ihrer großen Vorbilder verglichen
00:44:37Bayerleins Coup ist also geglückt
00:44:39Mit Illusionen im Gepäck reist Alexandra zu einem weiteren Schlagerfestival
00:44:43Diesmal ins polnische Seebad Zopot
00:44:45Sie hatte sehr früh gemerkt, dass mit Ausländern in unserem Land nicht gerade sehr sorgsam umgegangen wird
00:44:57Und aus dem Grunde hatte sie natürlich sehr großen Drang international
00:45:01Deutschland zu repräsentieren als Alexandra
00:45:05In der Nacht vom 21. zum 22. August werden Alexandra und ihr Team aus dem Schlaf gerissen
00:45:11Truppen des Warschauer Paktes sind in die Tschechoslowakei einmarschiert
00:45:15Die blutige Niederschlagung des Prager Frühlings erschüttert die Welt
00:45:19Alexandra verzichtet sofort auf ihre Teilnahme am Festival
00:45:22Und trifft alle Vorkehrungen für ihre Abreise
00:45:25Die Initiatoren sind entsetzt und versuchen sie noch umzustimmen
00:45:29Aber Alexandra war konsequent
00:45:31Und das erste was sie sagte
00:45:33Hier singe ich nicht
00:45:35In diesem Moment, wo Panzerketten in Prag rasseln
00:45:39Es ist eine schlechte Musik für unsere Songs, für unsere Lieder
00:45:45Und wir organisierten eine schnelle Rückfahrt von Zopot über Berlin nach Hause
00:45:51Die Illusionen hast du dir gemacht
00:45:55Denn der Mensch, den du einst liebtest, hat dich ausgelacht
00:46:01Und das Wolkenschloss, das du gebautst, stürzt einen
00:46:05Einer eins genannt
00:46:11Und dann fragst du dich
00:46:13Warum muss das sein?
00:46:15Doch die Antwort sagt dir nur das Leben ganz allein
00:46:19Du mit der Zeit erst wenn Jahre deines Sommers gehen
00:46:25Wirst du verstehen
00:46:29Illusionen blühen der Wirklichkeit
00:46:35Zum Tanz der Jugendzeit
00:46:37Zum Tanz der Jugendzeit
00:46:39Ein erster Hauch von Leid
00:46:45Wird sie verwehen
00:46:49Doch solang ein Mensch noch träumen kann
00:46:55Wird sich ja irgendwann
00:46:59Ein Traum ihm in Erfüllung gehen
00:47:13Die Presse lobt Alexandras Verhalten in Zopot
00:47:15Und Hans Beyerlein erwartet sich schon mit der Nachricht
00:47:19Dass sie mit Illusionen am internationalen Songfestival in Rio de Janeiro teilnehmen wird
00:47:23Rio hat als Stadt auf mich den schönsten Eindruck gemacht, den ich eine Stadt haben kann
00:47:41Das ist einfach schlichtweg faszinierend
00:47:43Das ist die Stadt, wo ich meine alten Jahre verbringen möchte
00:47:49Sie war also begeistert, dass sie in Rio dabei war
00:47:51Begeistert mit 43 Nationen zusammen
00:47:55In einem Festival aufzutreten
00:47:57Und sie hatte sich vorbereitet mit ihrem Song
00:47:59Illusionen
00:48:01Und sie war also die glücklichste Frau überhaupt
00:48:03Und sie genoss es in Rio de Janeiro
00:48:05Umworben zu werden
00:48:07Die Zeitungen, die Zeitschriften
00:48:09Haben sich auf das hübsche Mädchen gestürzt
00:48:11Die dann natürlich auch in einem sehr knappen Bikini
00:48:13An der Copacabana geschwommen ist
00:48:15Und es war also wirklich alles das reinste, schönste Leben
00:48:19Und dann kam der Abend mit dem Auftritt
00:48:23Sie sang Illusionen
00:48:25Und das Publikum hat den Song einfach nicht gemocht
00:48:27Sie hat ihn nicht angenommen, diesen Song
00:48:29Das Publikum wollte Samba, wollte Rhythmus, wollte Turbulenz, wollte fröhliche Lieder
00:48:33Und jetzt kam Alexandra mit ihrer tiefen Stimme und sang Illusionen
00:48:37Und das war das totale Chaos
00:48:40Der totale Reinfall
00:48:42Und Alexandra war zu Tode betrübt
00:48:45Aber dann gingen wir in eine kleine Bodega
00:48:47Und da traf sie dann Jobim
00:48:49Und da ging dann die Sonne wieder auf
00:48:51Antonio Carlos Jobim
00:48:53Der König des Bossa Nova
00:48:55Und Komponist erfolgreicher Lieder wie
00:48:57The Girl from Ipanema
00:48:58Findet sofort Gefallen an Alexandra
00:49:01Brasilien ist ein wunder Punkt
00:49:03In Brasilien war ich unheimlich verknallt
00:49:05Zehn Tage waren viel zu kurz
00:49:10In der Beziehung zu ihrem Manager kriselt es schon seit längerem
00:49:14Und so genießt Alexandra die Zeit in Südamerika
00:49:17Sie besucht die junge Hauptstadt Brasilia
00:49:19Spornt Fußballstar Pelé im berühmten Maracanian Stadion an
00:49:23Und lässt sich von Samba-Tänzern auf der legendären Avenida Vargas mitreißen
00:49:27Ihr ständiger Begleiter ist Hansi Hoffmann
00:49:29Der im Auftrag von Trogbrands Fotos und Filmaufnahmen macht
00:49:33Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:35Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:36Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:38Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:40Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:41Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:42Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:43Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:44Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:45Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:46Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:47Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:48Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:49Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:50Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:51Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:52Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:53Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:54Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:55Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:56Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:57Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:58Der im Auftrag von Trogbrand
00:49:59Ich hatte eine Reihe laufen, die hieß Porträts in Musik.
00:50:12Das war mit Hildegard Knief und Jean-Claude Pascal und so weiter.
00:50:17Also es waren sehr viele, sehr Prominente und sie war eigentlich die erste, die kein Mensch kannte.
00:50:23Und die habe ich da reingenommen, einfach weil sie es für mein Gefühl verdient hat.
00:50:27Das war eine sehr anspruchsvolle Sendung.
00:50:31Ja, Lubeloo, Tibia, heißt ich liebe dich.
00:50:36Ach, drei Worte nur, sie verzaubern mich.
00:50:39Ihre Melodie, ihren weichen Klang, höre ich heute noch und mein Leben lang.
00:50:47Ich musste vor einer Pfütze sitzen und sollte eigentlich nur mit dem Zweig immer in diese Pfütze schlagen zum Takt.
00:50:57Und es war uns allen ungemütlich und hier im ganz Besonderen.
00:51:01Sie war so ungefähr zehn Meter von uns oder 20 Meter entfernt und hat da unten immer rumgetobt mit dem Bühnenarbeiter.
00:51:10Und der kam dann hinterher und sagte, also die kann nicht mehr, die macht nicht mehr.
00:51:13Die hat gesagt, wir sollen abhauen. Und da sind wir abgehauen.
00:51:19Wer nicht mit Druckbrands aneckte, hat nie mit ihm gearbeitet.
00:51:22Der ließ nichts durchgehen und arbeitete sehr hart mit ihr.
00:51:27Könnt's noch einmal sein, wie es damals war.
00:51:31An und für sich bin ich ziemlich kompromisslos.
00:51:34Allerdings, wenn ich einsehe, wenn man mich überzeugen kann, dass ich im Unrecht bin, dann gehe ich gerne auf einen Kompromiss ein.
00:51:40Am Abend hatten wir ein Fischessen verabredet und Alexander ist so geknickt gewesen, dass sie uns in sämtlichen Fischlokalen gesucht haben.
00:51:52Als wir gerade fertig waren und bezeihen wollten, kamen sie reingestürzt.
00:51:55Kreidebleich, ich mach's nie wieder, Druck. Ich mach's nie wieder.
00:51:58Am 1. Februar 1969 erhält Alexandra die Goldene Europa als erfolgreichste Nachwuchssängerin.
00:52:23Arbeiten muss man natürlich sehr viel, wenn man diesen Erfolg, den ich heute so schnell bekommen hab, wenn ich den halten will.
00:52:29Und ich will nicht nur halten, ich will besser werden, weil ich weiß, ich kann auch besser werden.
00:52:32Und da darf man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen.
00:52:35Sie ist überglücklich. Doch kurz nach der Verleihung bricht sie zusammen.
00:52:39Die Strapazen der vergangenen Monate waren zu viel.
00:52:42Hinzu kommt der Tod ihres Vaters.
00:52:44Sie wird mit einer schweren Bronchialerkrankung in ein Sanatorium eingewiesen.
00:52:48Ihr Auftritt bei der Vorentscheidung zum Grand Prix abgesagt.
00:52:52Sie war krank. Sie muss irgendwie eine Lungengeschichte gehabt haben.
00:52:56Sie war ein Davos der Luftwegen.
00:52:58Aber davon hat sie auch ganz wenig gesprochen.
00:53:01Sie hat nur, sie hat auch über eine sogenannte Krankheit nicht gesprochen.
00:53:06Das war, das Thema war tabu für sie.
00:53:08Als es Alexandra nach drei Wochen wieder besser geht, verbringt sie noch ein paar unbeschwerte Wintertage in der Schweiz.
00:53:14Ihre Lebensfreude kehrt allmählich zurück.
00:53:17Welch ein Vergnügen, dass Sie meiner Einladung ins Hotel Victoria gefolgt sind, Alexandra.
00:53:21Mein lieber Vicko, Sie haben aber neulich eine etwas merkwürdige Art, Ihre Einladung zu gestalten.
00:53:25Wieso?
00:53:25Danke.
00:53:27Zwei Kerle zerrt mich vom Strand weg in ein Auto und ab ging es hierher.
00:53:30Ist doch originell, oder?
00:53:32Finden Sie diesen Schmuck hier etwa auch originell?
00:53:34Also, ja, ja, ja, ja, dann finde ich sehr originell und vor allem federleicht, sind Sie?
00:53:39Na, ich weiß nicht.
00:53:39Nur ein kleiner Grund, um Sie als Hotel Victoria zu fesseln.
00:53:42Denn unsere Gäste freuen sich auf Sie.
00:53:46Aber nur, wenn Sie mich nachher wieder dahin zurückbringen, woher Sie mich geholt haben.
00:53:51Selbstverständlich.
00:53:51Blaue Nacht in Solenzara
00:54:02Aus der Ferne klingt ein Lied
00:54:08Und berauschend ist die Luft
00:54:12Weil ein zarter Blütenduft durch die alten Gassen zieht
00:54:17Blaue Nacht in Solenzara
00:54:21Süße Früchte, roter Wein
00:54:26Doch mein Herz, es ist so leer
00:54:31Denn ich habe dich nicht mehr
00:54:34Du gingst fort, ich blieb allein
00:54:36In Solenzara
00:54:42Dort, wo mich das Glück verließ
00:54:47In Solenzara
00:54:52Dem letzten Paradies
00:54:56Während Alexandra noch zur Kur ist, zieht ihre Mutter von Hamburg nach München
00:55:03Ihr Touretchen hatte einige Monate zuvor eine Wohnung in Nymphenburg gekauft, in der sie nun zu dritt leben wollen
00:55:09Dieser Umzug München war eigentlich das Verkehrteste, was Alexandra je in ihrem kurzen Leben gemacht hat
00:55:16Denn sie war Hamburg verbunden, sie musste ans Meer, sie gehörte zum Meer
00:55:20Sie brauchte eigentlich die Atmosphäre, sie brauchte schreiende Möwen und brauchte das Meer und Sand und Strand
00:55:24Die Umzugsidee war ein Jahr zuvor während der Liaison mit ihrem Manager entstanden
00:55:30Wodurch sich beide näher sein wollten
00:55:32Doch jetzt betrachtet Alexandra den Wohnungswechsel mit gemischten Gefühlen
00:55:36Natürlich war die private Beziehung nicht geplant
00:55:38Und das Management für einen Künstler zu übernehmen, heißt nicht automatisch auch in sein Liebesleben einzusteigen
00:55:45Das hat sich entwickelt ganz schnell, muss ich sagen
00:55:48Das war Spontanität auf beiden Seiten
00:55:52Dass nicht die Liebe erhalten geblieben ist, wie das im Märchenbuch erwartet wird
00:56:01Das ist menschlich und das ist Leben
00:56:04Nach der Trennung befürchtet Alexandra, dass Hans Beyerlein sie beruflich noch stärker als bisher unter Druck zu setzen versucht
00:56:12Das Hin- und Herjagen von einem Termin zum anderen beginnt aufs Neue
00:56:16Sie konnte das einfach nicht mehr verkraften
00:56:30Ihr vermutlich auch ihre körperliche Konstitution und ihre seelische war sowieso jetzt am Siedepunkt angekommen mittlerweile
00:56:38Das war für sie zu viel geworden
00:56:41Man muss also einen Künstler, wenn er beginnt, ein Interesse in den Medien und beim Publikum zu finden
00:56:47Muss man in der Tat dann natürlich auch ein bisschen antreiben
00:56:50Und ich habe garantiert die Alexandra auch angetrieben
00:56:56Es gab dort ganz sicher, denn das merkte man, wenn man irgendwo bei der Goldene Europa oder solchen Festivals zusammentraf
00:57:04Wie die Spannung zwischen Beyerlein, Beyerleins Mitarbeiter und Plattenfirma und Fred Weyrich
00:57:12Wie die Spannung dort praktisch das Umfeld zum Knistern brachte
00:57:18Sie kam dann wieder zu mir und hat mich gebeten, alles wieder zu übernehmen
00:57:22Und da kamen natürlich ganz neue Fragen auf mich zu, die noch gar nicht beantwortet werden konnten
00:57:27Natürlich gab es dann durchaus verschiedene Auffassungen, was man mit ihr tun sollte
00:57:35Und da gab es auch zwischen Fred Weyrich und mir natürlich Debatten und Diskussionen
00:57:40Das ist ganz logisch
00:57:41Aber ich habe nicht den Eindruck, dass die Vermutung, dass die Beendigung oder das Auslaufen
00:57:49Das war keine Beendigung mit einem Schlag, sondern das Auslaufen einer persönlichen Beziehung
00:57:55Konsequenzen auf die Zusammenarbeit im professionellen Bereich gehabt hätte
00:58:00Das Glück, das hier bei mir in Pflege war
00:58:06Das ist der Grund, der mich in diesen Mauern hält
00:58:11Es liegt Erinnerung auf dem Inventar
00:58:16Ein bisschen Kitchen meiner engen kleinen Welt
00:58:21Das Haus ist 98 Jahre alt
00:58:26Bestimmt hat es einmal ein reicher Mann gebaut
00:58:30Die Zeit macht auch nicht vor den Reichen halt
00:58:37Was heut verstummt ist, das war gestern einmal laut
00:58:41Im sechsten Stock hab ich mein Zimmer
00:58:47Im sechsten Stock ist mein Zuhause
00:58:52Ich weiß genau, so bleibt es immer
00:58:57Wo soll ich hin?
00:59:01Ich zieh nicht auf
00:59:02Im Frühjahr 1969 wählen Musikjournalisten die beliebtesten Sängerin Deutschlands
00:59:13Alexandra belegt hinter Manuela den zweiten Platz, gefolgt von Hildegard Knef
00:59:17In weniger als zwei Jahren ist es ihr gelungen, zur Elite des Showgeschäfts zu gehören
00:59:23Doch der plötzliche Ruhm hat Schattenseiten
00:59:25Aufgrund des zunehmenden Erfolgs war Alexandra immer mehr von Menschen umgeben
00:59:31Die mehr an ihr Geld interessiert waren
00:59:35Als an der Freundschaft meiner Cousine Alexandra
00:59:39Ihre Menschenkenntnis war derart verkümmert
00:59:44Sie hat die große Begabung gehabt
00:59:47Auf die falschen Leute hereinzufallen
00:59:50Während eines Auftritts im holländischen Fernsehen bei Lufanburg lernt Alexandra den Francoamerikaner Pierre Laferre kennen
00:59:56Sein selbstbewusstes Auftreten und sein Charme gefallen ihr
01:00:00Sie hatte natürlich wie jeder Mensch ja auch die Sehnsucht nach einem Partner
01:00:05Aber leider nicht die Zeit, um den Menschen zeitlich entsprechend kennenzulernen, charakterlich kennenzulernen
01:00:13Der Pierre war einerseits ein verschlossener Mensch
01:00:21Der aber viele Geheimnisse verbarg
01:00:26Meiner Meinung nach hatte er mehrere Masken
01:00:30Ich weiß, dass ich mit ihr darüber gesprochen habe
01:00:33Er hat gesagt, du, zieh dich ein bisschen vor vor diesem Mann
01:00:37Der gefällt mir überhaupt nicht
01:00:38Wie schon bei Nikolai setzt Alexandra auch bei Pierre ihren Kopf durch und verlobt sich mit ihm
01:00:44Der ehemalige Koreaflieger soll ihr Ehemann und Manager werden
01:00:47Doch ihre Träume zerplatzen schnell
01:00:50Alexandra war von Pierre sehr enttäuscht
01:00:54Denn es stellte sich heraus, dass er eine betrügerische Vergangenheit hatte
01:00:59Und meine Cousine löste daraufhin die Verlobung
01:01:03Alexandra wollte mit aller Kraft verhindern, dass etwas aus ihrem Privatleben bekannt wird
01:01:08Weil das ihrem Image geschadet hätte
01:01:10Alexandra ist auf einen Heiratsschwindler hereingefallen
01:01:14Doch aus Angst vor der Presse wagt sie es nicht, sich an die Polizei zu wenden
01:01:17Der seelische Druck ist so stark, dass sie zusammenbricht
01:01:20Mit starken Blutungen wird sie ins Krankenhaus eingeliefert und notoperiert
01:01:24Aber schon neun Tage später bittet sie die Ärzte um vorzeitige Entlassung
01:01:28Damit sie ihre Verpflichtungen einhalten kann
01:01:31The show must go on
01:01:32Alexandra lässt sich auf der Bühne nicht anmerken, wie es in ihr aussieht
01:01:36Nur hinter den Kulissen bemerkt man die Nervosität
01:01:39Und dass sie sich immer mehr zurückzieht
01:01:41Einige halten sie für arrogant, zickig und launisch
01:01:44Ohne zu wissen, unter welcher Anspannung die 27-Jährige steht
01:01:47Es lebten eigentlich immer zwei Seelen in ihrer Brust
01:01:50Sie konnte also ausgelassen sein bis dort hinaus
01:01:53Sie hat einen herrlichen Mutterwitz
01:01:55Konnte sehr komisch sein, auch in ihren Formulierungen
01:01:57Konnte aber auch zu Tode betrübt sein
01:01:59Und sagte zu mir immer wieder
01:02:01Ich werde keine 40
01:02:02Ich werde keine 40, ich werde viel früher sterben
01:02:06Sie war oft deprimiert
01:02:08Sie hat auch oft geweint
01:02:10Sie sagt, Alexander, du hast alles erreicht
01:02:13Warum weinst du?
01:02:14Ach, sagt sie, meine Seele, Hildegard
01:02:18Tante Hildegard ist oft sehr traurig
01:02:21Ob sie ihren frühen Tod geahnt hat?
01:02:25Ich glaube ja
01:02:26Erstes Morgenrot
01:02:39Liegt auf den weiten See
01:02:43Gräser wiegt der Wind
01:02:51Die an den Ufern stehen
01:02:56Nach der Trennung von Pierre Laferne ist Alexandra überaus misstrauisch
01:03:15Sie erkennt den Preis, den sie für Erfolg und Ruhm zahlen muss
01:03:18Alexandra bekommt Angst
01:03:21Ich weiß nur, dass sie eines Nachts, dass ich ein Geschrei auf dem Flur hörte
01:03:25Längst, so mitternach, mitternachtszeit
01:03:26Dass sie auf dem Flur um Hilfe rief
01:03:29Man verfolgt mich, man verfolgt mich
01:03:31Sie hatte einen Verfolgungswahn, den hat sie öfter mal gehabt
01:03:34Dass sie sich irgendwie bedroht fühlt
01:03:36Mit wachsender Popularität erhielt meine Cousine Alexandra immer mehr Fanpost
01:03:42Es waren aber nicht nur Autogrammwünsche, sondern auch Bittschriften und vor allen Dingen Drohungen
01:03:48Dieses führte dazu, dass sie sehr besorgt um ihren Sohn war
01:03:53Und hatte dann den Wunsch, ihn auf einen Internat zu schicken
01:03:57Alexandra meldet ihren inzwischen sechsjährigen Sohn in einem internationalen Internat am Sternberger See an
01:04:03Sie findet immer weniger Zeit für ihn
01:04:06Und möchte nicht, dass er allein von seiner Oma erzogen wird
01:04:09Ihr selbst fällt es schwer, sich von den Fesseln ihrer Mutter zu lösen
01:04:13Die immer noch ihr Leben zu bestimmen versucht
01:04:15Und mit der sie sogar das Schlafzimmer teilt
01:04:17Ihre Schwester Melitta wohnt zeitweilig mit ihrem Sohn ebenfalls bei ihr in München
01:04:22Sodass sie kaum Ruhe findet
01:04:24Die Familie ist ihr ziemlich auf die Nerven gegangen
01:04:26Und war in einer ständigen Forderungshaltung ihr gegenüber
01:04:31Die Kluft zwischen Familie und der Alexandra wurde immer größer
01:04:36Es entstand die finanzielle Kluft, als auch das Menschliche driftete weiter auseinander
01:04:42Es waren sicherlich Neidgeschichten auch im Spiel, die auch nicht von der Hand zu weisen waren
01:04:50Warum bist du nicht mehr froh wie einst mit mir allein
01:04:59Als wir in der kleinen Stadt zum ersten Male uns begegnet sind
01:05:11Liebten wir die kleine Welt
01:05:15Und freuten uns an Sonnenschein und Wind
01:05:21Every day is just the same to me
01:05:31If time stands still
01:05:36Just to think I wanted to be free
01:05:42I've had my fear
01:05:46Jag nicht nach dem falschen Glück
01:05:52Beweis wohin
01:05:54Auf Straßen endlos weit
01:05:58Freu dich doch am Augenblick
01:06:02Denn unser Glück lässt dir zum Leben Zeit
01:06:12Es war so, dass diese Frau im Dauerlauf ihrer Karriere so viel gearbeitet hatte
01:06:20Und so viel Anforderungen gerecht wurde
01:06:24Dass sie überaus nicht nur urlaubsreif, sondern erholungsreif war
01:06:30Im Grunde genommen hätte sie zu einer 8 Wochen Kur fahren müssen
01:06:34Direkt nach der Aufzeichnung der ZDF-Sendung Ein Hoch der Liebe
01:06:38Beabsichtigt Alexandra zusammen mit ihrem Sohn und ihrer Mutter
01:06:41Für drei Wochen nach Westerland zu fahren
01:06:43Dort will sie ein wenig ausspannen und ihre Gedanken neu ordnen
01:06:47Während der Dreharbeiten sorgt die erste Mondlandung weltweit für Aufsehen
01:06:51Und fesselt auch das Fernsehteam
01:06:53Doch Alexandra verfolgt nur beiläufig das Geschehen
01:06:56So viele andere Dinge gehen ihr durch den Kopf
01:06:59Ende Juli 1969 schließt Alexandra überraschend eine zweite
01:07:09sehr hohe Lebensversicherung ab
01:07:11Und zahlt das Schulgeld ihres Sohnes auf zwei Jahre im Voraus
01:07:15Ich saß da bei Alexandra in der Wohnung
01:07:18Wir hatten noch einiges besprochen, was ich erledigen soll, wenn sie abgefahren ist
01:07:22Und da sagte sie dann, ja, aber sie möchte gerne eben ihr Testament machen
01:07:27Ich habe gefragt jetzt noch, es war ja inzwischen Abend geworden und spät
01:07:30Meinte sie ja
01:07:32Da war ich noch in München und da kam sie erst nachts spät zurück
01:07:37Und sagte Tante Hildegard, wir haben ein Testament gemacht
01:07:41Ich weiß nicht, ob ich gemals zurückkomme
01:07:45Ich saß, Alexandra, du bist so jung, warum sprichst du so?
01:07:50Doch, sagt sie, ich weiß nicht, wie mein Leben verläuft
01:07:55Und sie wirkte etwas unruhig, fand ich
01:07:59Ich habe ihr sehr dazu geraten, ein Testament zu machen
01:08:03Eben auch aus Kenntnis der familiären Problematik
01:08:07Und habe ihr dann einen Anwalt empfohlen, der mein Anwalt war
01:08:13Und das ging dann alles sehr schnell
01:08:15Und ihre Reise in den Urlaub hat unmittelbar begonnen, nachdem das Testament unter Dach und Fach war
01:08:23Am Abend des 30. Juli nimmt Alexandra gemeinsam mit Mutter und Sohn den Autozug nach Hamburg
01:08:30Von dort aus will sie mit ihrem frisch zugelassenen Mercedes Coupé weiter nach Westerland fahren
01:08:35Während der nächtlichen Reise macht Alexandra kein Auge zu
01:08:42Am nächsten Tag läuft ihr Vertrag mit der Plattenfirma aus und sie überlegt, ob sie ihn verlängern soll
01:08:47Unmittelbar nach ihrer Ankunft in Hamburg sucht sie den Direktor der Phonogramm auf
01:08:51Und erklärt ihm, dass sie weder mit den bisherigen Vertragsbedingungen
01:08:54noch mit den Liedern, die sie singen soll, zufrieden ist
01:08:57Der Direktor lenkt ein und verspricht ihr bessere Konditionen
01:09:01Wenig später verlässt der weiße Mercedes mit den Initialen der Sängerin Hamburg
01:09:06Die Reise in den ersehnten Urlaub beginnt
01:09:09Das war eine sehr lange Fahrt mit Hitze und so viel Sonne
01:09:14Sie wurde schnell ihr Ziel erreichen, zum Erholen
01:09:17Sie wurde irgendwie schnell nach Sylt ankommen
01:09:21Die Reise war ziemlich anstrengend für meine Mutter und Oma
01:09:25Nach wenigen Kilometern hat Alexandra Schwierigkeiten mit ihrem Wagen
01:09:29Sie wundert sich, da er gerade erst General überholt worden ist
01:09:32Sie hofft, dass sie es noch bis Westerland schafft
01:09:34Doch da bleibt ihr Mercedes unerwartet stehen
01:09:37Der Auto hat plötzlich nicht funktioniert
01:09:39Ich kann nicht erinnern, wie es damals passiert war, dass sie plötzlich nicht mehr fahren könnte
01:09:44Aber der Auto musste dann geschoben sein zu einer Tankstelle
01:09:47Da waren ein paar Männer, die da geholfen haben
01:09:49Nach einer kurzen Reparatur, für eine genaue Inspektion bleibt keine Zeit, setzt Alexandra ihre Reise fort
01:09:55Gegen 15 Uhr fährt sie in Richtung Tellingstedt
01:09:58Am Ortseingang sieht sie von rechts einen 32-Tonner kommen
01:10:01Der Lkw hält nicht an
01:10:03Das Unfassbare geschieht
01:10:05Ich habe geschlafen damals, als der Unfall passiert war
01:10:11Und dann war ich plötzlich wach
01:10:12Und dann war das ganze Auto schon zerstört
01:10:15Und dann war ich von dem Auto herausgezogen
01:10:18Ich saß draußen, habe nur geheult
01:10:22Meine Oma habe ich gesehen
01:10:24Da war mir schon klar, das war was nicht in Ordnung
01:10:26Meine Mutter habe ich nicht gesehen
01:10:28Und dann wurde ich ganz schnell zum Kartenhaus gebracht
01:10:31Die Schlager- und Chansonsängerin Alexandra ist bei einem Verkehrsunfall in der Nähe der schleswig-holsteinischen Stadt Heide tödlich verunglückt
01:10:50Die Nachricht vom Tod Alexandras und ihrer Mutter bewegt die Menschen
01:10:54Und sorgt für ein überaus starkes Medieninteresse
01:10:57Niemand kann sich den tragischen Unfall erklären
01:11:00Und erste Gerüchte kommen auf
01:11:02Diese große Kreuzung war durch vier übergroße Haltezeichen abgesichert
01:11:09Mit Vorwarn
01:11:11Und dann haben wir eigentlich nicht verstanden, dass man da ungebremst auf diese Kreuzung rauf fährt
01:11:16Für die Polizei damals wie heute handelte es sich um einen selbstverschuldeten Verkehrsunfall
01:11:25Es war zwar ein nicht natürlicher Tod, aber es gab keinen vernünftigen Anhaltspunkt
01:11:31Für die Annahme eines wie auch immer gearteten fremden Verschuldens
01:11:35Außer dem Verschulden der tödlich verunglückten Alexandra
01:11:39Deshalb wurde alles das, was man in einem Ermittlungsverfahren
01:11:44Bei dem auch nur der leiseste Verdacht fremder Schuld an dem Tod tun würde
01:11:50In diesem Fall nicht getan
01:11:52Das heißt, es wurde nicht so intensiv ermittelt
01:11:56Es wurde keine ganz intensive Leichenschau vorgenommen
01:12:00Es wurde keine optische Beweissicherung vorgenommen
01:12:04Es wurde keine Obduktion angeregt
01:12:07So klar wie der Unfall für die ermittelnden Behörden ist, so unklar stellt sich die Nachlassregelung dar
01:12:13Alexandras Schwestern und sogar ihr Ex-Verlobter Pierre Laferre stellen Ansprüche
01:12:17Es gab sehr viele Streitigkeiten, was das Erbe betraf
01:12:22Wenn der Sohn ebenfalls verstorben wäre, dann hätten beide Cousinen ein sehr großes Erbe angetreten
01:12:30Dann entbrennt der Kampf um das Sorgerecht
01:12:34Saschas Tanten, aber auch Alexandras Schauspiellehrerin Margot Höpfner nehmen ihn abwechselnd bei sich auf
01:12:40Bis sich schließlich sein Vater aus Amerika einschaltet
01:12:43Alexandra hatte kein sehr gutes Verhältnis, was man so mitbekommen hat zu ihrem Ehemann
01:12:48Weil sie auch befürchtete, dass er ihr den Jungen wegnehmen möchte
01:12:52Und
01:12:54Darum waren wir so auch etwas erstaunt, dass plötzlich bei der Beerdigung Herr Neffjedorf am Friedhof da war
01:13:01Nikolai Neffjedorf wird das Sorgerecht für seinen Sohn zugesprochen
01:13:05Er nimmt ihn zu sich nach Boston
01:13:07Mehr als 3000 Trauergäste kommen zur Beisetzung von Alexandra und ihrer Mutter auf den Münchner Westfriedhof
01:13:13Erschüttert nehmen sie an dem Grab Abschied, das die Sängerin erst wenige Wochen zuvor gekauft hatte
01:13:20Vieira
01:13:22Mit der deprived還
01:13:27verändern
01:13:28Ansgar
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01:13:39Den
01:13:41Bro
01:13:44gonna
01:13:47Der große Clown geht heim, der große Clown geht heim.
01:14:02Er kommt sicher in den Himmel, denn er hat die Menschen froh gemacht.
01:14:12Alexandras Tod treibt den Verkauf ihrer Platten in die Höhe.
01:14:15Nur sechs Monate nach dem Unfall sind mehr Tonträger von Alexandra verkauft worden als zu ihren Lebzeiten.
01:14:221976 erhält ihr Sohn die erste goldene Langspielplatte, die jemals posthum an einen deutschsprachigen Interpreten vergeben wurde.
01:14:30Doch der Unfall seiner Mutter bleibt für viele rätselhaft.
01:14:34Aus der Sicht, 30 Jahre später ist man sicherlich immer klüger, hätte man damals schon gewusst,
01:14:40dass es da dunkle Geschäfte, Geheimnisse, unerklärliche Vorfälle im Vorfeld gegeben hat.
01:14:49Dann wäre sicherlich mehr getan worden, aber all das ist seinerzeit nicht vorgebracht worden.
01:14:55Anfang der 80er Jahre wurde Yvonne Ziegler-Meyer auf Alexandra und ihre Lieder aufmerksam.
01:15:00Sie gründete einen Fanclub und ging den vielen offenen Fragen über Alexandras Leben und ihren Tod nach.
01:15:06Ihr Vorhaben, eine Biografie zu schreiben, wurde jedoch vereitelt.
01:15:09Relativ zu Anfang bin ich dann gestoppt worden, weil ich dann, ja was heißt den Fehler, ich habe ja immer gewühlt und gebohrt,
01:15:17aber ich bin noch nie vorher nach Teelingstedt gefahren.
01:15:21Das habe ich erst gemacht, als ich in Hamburg wohnte und bin dorthin gefahren, habe mich mit dem Bauern unterhalten,
01:15:26habe von dort bei dem Polizisten Wickers angerufen, privat bei ihm zu Hause.
01:15:31Und ich war noch nicht ganz wieder zu Hause und allein schaltet das Telefon und ab da hatte ich jeden Tag und jede Nacht sehr unangenehme Drohanrufe.
01:15:40Lassen Sie die tote Alexandra aus dem Spiel. Ich warme Sie. Ich nehme grausame Rache. Ich lasse Ihnen die Schnauze zertrümmern.
01:15:48Ich schwöre es Ihnen bei Gott. Wenn Sie Ruhe geben, ist alles gut.
01:15:51Nach Alexandras Tod stellte ihre Anwältin bei Gericht den Antrag, die Wohnung versiegeln zu lassen.
01:15:57Ihre Erfahrungen mit Alexandras privatem Umfeld, von dem sie sich bedrängt und belästigt fühlte,
01:16:02sowie der Rechtsstreit um den Nachlass, reichten jedoch dem zuständigen Richter für die Befürwortung des Antrags nicht aus.
01:16:08Die Wohnung blieb unversiegelt und wenig später war sie nahezu leer geräumt.
01:16:12In der Wohnung wurde nach dem Tod Alexandras aufgeräumt und alles aufgenommen.
01:16:18Da habe ich selbst noch dabei geholfen.
01:16:20Allerdings sollen verschiedene wichtige Dokumente da verschwunden sein.
01:16:26Und man weiß nicht, wo sie hingekommen sind.
01:16:30Und so bleibt also wohl auch Alexandras Tod etwas mysteriös und nebulös.
01:16:36Das größte Geheimnis ist, wieso fährt jemand mit ungebremster Geschwindigkeit auf eine belebte Kreuzung?
01:16:44Es ist ein sehr ungewöhnlicher Tod gewesen, weil ich weiß, sie war eine gute Autofahrerin.
01:16:49Sie war eine sehr umsichtige, vorsichtige und zuverlässige Fahrerin.
01:16:54Sie fuhr einen neuen Wagen und hatte damit Probleme.
01:16:58Und deshalb hatte sie auch handgeschriebene Zettelchen an das Armaturenbrett geheftet,
01:17:05um die Funktionen der Technik besser begreifen zu können.
01:17:10Ein Zeuge berichtet, dass Alexandra ungebremst auf die Kreuzung fuhr.
01:17:14War es Selbstmord? Wohl kaum.
01:17:16Denn wollte Alexandra zu dritt in den Tod rasen, hätte sie ihre Mutter und ihren Sohn nicht noch als Erben eingesetzt.
01:17:22Oder wurde am Wagen manipuliert?
01:17:2414 Tage etwa später, nach dem Unfall, ist hier ein Schreiben aus Berlin zur Akte gelangt.
01:17:32Anonym wurde dort der Verdacht aufgeworfen, es sei am Auto manipuliert worden.
01:17:36Und dann wird doch mal genau darauf hingewiesen, untersucht doch bitte mal die Bremsen.
01:17:42Da werdet ihr was feststellen.
01:17:43Genau diese Bremsuntersuchung hat aber schon eine Woche vorher stattgefunden.
01:17:46Nach der Sicherstellung des Fahrzeugs und Benachrichtigung des Abschleppunternehmers Thompson wurde das Fahrzeug auf den Hofplatz von der Firma verbracht und abgedeckt.
01:17:58Es bestand also eine Möglichkeit von jedem, eigentlich von jedem Bürger oder von Fans, an das Fahrzeug heranzukommen.
01:18:05Die theoretische Möglichkeit, dass da etwas verändert worden ist, die kann man ja nie ausschließen.
01:18:09Das Fahrzeug stand acht Tage auf diesem Gelände rum etwa, bis der Sachverständige eben die Untersuchung durchgeführt hat.
01:18:15Am Tag der Untersuchung ist das Autowrack fast vollständig ausgeschlachtet.
01:18:20Der Sachverständige bescheinigt kurz, dass die Bremsen des Fahrzeuges vor dem Unfall verkehrssicher gewesen wären.
01:18:26Unerwähnt bleiben die Schwierigkeiten, die Alexandra mit dem Wagen hatte.
01:18:30Wo war jene Quittung der Kfz-Werkstatt, die Alexandra noch vor dem Unfall aufgesucht hatte?
01:18:35Diese Quittung ist also nie bei der Akte gewesen.
01:18:38Wenn so wie hier festgestellt wird, ich darf die mal nehmen, die Quittung,
01:18:41dass dort, das ist ja für Frau Neffedorf ausgestellt, vom Unfalltage ein Werkstattbesuch,
01:18:48bei der die Zündspule erneuert und der Vergaser überprüft worden ist.
01:18:52Immerhin, es ist also eine Werkstatt angelaufen worden, da hätte man mit Sicherheit hier eine Vernehmung gemacht, was ist da passiert.
01:18:57Bei Durchsicht der Unfallakten stößt man auf weitere Ungereimtheiten.
01:19:00So ist merkwürdig, dass ein Tag nach Erteilung des Beerdigungsscheines ein zweiter für eine Feuerbestattung angefordert wurde.
01:19:07Der Antragsteller gibt sich als Alexandras Anwältin aus, die davon aber nichts weiß.
01:19:12Wurden die Akten gefälscht?
01:19:14Wenn ich mir diese Akte nochmal ansehe, muss ich sagen, dass bei dem Satz,
01:19:19eine Feuerbestattung soll stattfinden oder nicht stattfinden, zwei verschiedene Maschinen benutzt worden sind.
01:19:24Und soviel ich weiß, hat der Kollege das auf einer Maschine geschrieben und auf jeden Fall nicht diesen Satz in beiden Fällen stattfinden in München.
01:19:34Nein, habe ich nie was gehört und davon war auch keine Rede.
01:19:36Wenn sie Alexandra eine Feuerbestattung gewollt hätte, hätte sie ein Urnengrab gekauft, hätte nicht ein riesiges Doppelgrab gekauft.
01:19:45Sollte die Leiche Alexandras nach versäumter Obduktion beseitigt werden?
01:19:49Der Verdacht erhärtet sich aufgrund eines unerklärlichen Zwischenfalls,
01:19:53der bis heute die Gemüter der kleinen Ortschaft Tellingstedt erregt.
01:19:56In der Nacht zum 1.8. wurde versucht, da in die Leichenhalle einzubrechen.
01:20:02Bloß die ungebetenen Gäste kamen nicht in die Halle rein, wo Alexandra lag, sondern in die Nebenkammer.
01:20:11Es ist also sehr mysteriös, dass da eingebrochen wurde. Warum?
01:20:15Diese Frage konnte nicht beantwortet werden.
01:20:17Die Unfallzeugen sowie Alexandras Ex-Mann sind verstorben.
01:20:20Alexandras Schwestern schweigen und Pierre Lafère tauchte in Lissabon unter.
01:20:24Eine Gesprächsnotiz der Anwaltskanzlei belegt, dass er die Leiche seiner Verlobten sehen
01:20:29und mit Melitta über das Testament reden wollte.
01:20:32Den Ratschlag, damit bis zur Beerdigung zu warten, bedauerte er mit den Worten,
01:20:36dass es wohl dann schon zu spät sei.
01:20:38Bis heute bleibt unklar, welche Interessen mit dem Unfall verbunden gewesen sein könnten.
01:20:44Wer mehr über die Sängerin erfahren wollte, wurde beschimpft und bedroht.
01:20:48Auch das Team dieses Films. Ein deutliches Zeichen, dass es etwas zu verbergen gibt und dass der Fall Alexandra nicht geklärt ist.
01:20:56Eine Wiederaufnahme bei Todesermittlungen ist eigentlich immer möglich.
01:21:00Wenn die Indizien, die zur Wiederaufnahme anders geben, so stark wären, dass man wirklich vermuten müsste,
01:21:07da könnte eben ein Mord oder ein Mord, muss man schon sagen, dahinter stecken.
01:21:12Mord verjährt ja nie.
01:21:15Als Alexander Neffjedorf am 26. Juni 1988 an seinem 25. Geburtstag das Erbe antrat,
01:21:22erwartete ihn ein überaus staatliches Vermögen.
01:21:26Der sehnlichste Wunsch seiner Mutter, für das Wohl ihres Sohnes sorgen zu können, war somit in Erfüllung gegangen.
01:21:31So oft es geht, kommt er nach Europa, wo er als klassisch ausgebildeter Sänger eine Karriere begonnen hat.
01:21:38Er träumt davon, zusammen mit seiner Familie nach Deutschland zurückzukehren.
01:21:431992 heiratete er seine russische Verlobte Jelena und lebt seitdem mit ihr und ihrem gemeinsamen,
01:21:50ein Jahr später geborenen Sohn Dennis, abwechselnd in New Jersey und in Boston.
01:21:54Alexandras Leben, ihr tragischer Tod und ihre einzigartige Karriere
01:22:01geben genügend Stoff, um eine Legende entstehen zu lassen.
01:22:05Ihr Répertoire hat bis heute seinen Platz in der Schlager- und Chansonszene behaupten können.
01:22:10Und die Sängerin wird in ihren zu Evergreens gewordenen Liedern auch künftig weiterleben.
01:22:16Du fielst heute früh, ich kam zu spät, du wirst dich nie im Wind mehr wiegen,
01:22:28du musst gefällt am Wege liegen und mancher, der vorübergeht.
01:22:36Beachtet nicht den Rest von Leben und reißt an deinen grünen Zweigen,
01:22:43Die sterbend sich zur Erde neigen, der wird mir nun die Ruhe geben,
01:22:50die ich in deinem Schatten fand.
01:22:53Mein bester Freund ist mir verloren, der mit der Kindheit mich verbannt.
01:23:00Mein Freund, der war, ist tot, er fiel im grünen Morgenbrot.
01:23:13Mein Freund, der war, ist tot, er fiel immeer,
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