00:00Die Landtagswahl im Burgenland ist geschlagen und während Österreich auf Bundesebene gerade
00:05auf die erste blau-schwarze Koalition der Geschichte zusteuert, bleibt im Burgenland
00:09vieles wie es war.
00:11Hans-Peter Doskozil und seine SPÖ haben die Wahl erneut gewonnen, aber die FPÖ ist auch
00:17ihnen hier dicht auf den Fersen.
00:19Wir sprechen heute darüber, ob es im Burgenland jetzt wieder zu einer rot-blauen Koalition
00:25kommt und was das für die Verhandlungen von Herbert Kickl auf Bundesebene bedeutet.
00:30Dazu ist heute bei mir Petra Stulber, stellvertretende Chefredakteurin.
00:33Hallo.
00:34Hallo Margit.
00:35Petra, bei der Landtagswahl im Burgenland lautete ja meistens die Frage nicht, wer gewinnt
00:40die Wahl, sondern wie sehr gewinnt die SPÖ die Wahl.
00:44Wie schaut denn da das Ergebnis diesmal aus?
00:46Nun, Hans-Peter Doskozil und die SPÖ haben etwa drei Prozent, ein bisschen mehr verloren.
00:53Es ist jetzt nicht ganz das Wahlziel, das sich Doskozil gesteckt hat, denn er wollte
00:57ja die absolute Mehrheit behalten, das ist ihm nicht gelungen, aber er hat doch immer
01:01noch einen sehr komfortablen Abstand zu den anderen Parteien und er ist der, ohne den
01:07im Land nichts geht und ich glaube, das ist ein Ziel, mit dem die SPÖ und mit dem vor
01:12allem Doskozil auch zufrieden sein kann.
01:14Was waren denn da so die entscheidenden Wahlmotive für die Wählerinnen und Wähler?
01:18Haben da die Zerwürfnisse auf Bundesebene eine Rolle gespielt oder ging es da mehr um
01:22regionale Themen?
01:23Ich denke, das war eine stark regional geprägte Wahl.
01:26Wenn man sich die Wahltagsbefragungen anschaut und die Wahlmotive, dann sieht man auch, dass
01:3247 Prozent der Menschen im Land der Meinung sind, dass sich das Land Burgenland in der
01:40vergangenen Legislaturperiode in eine positive Richtung entwickelt hat.
01:44Diese Werte haben wir bei weitem nicht in der Steiermark erreicht, nicht in Vorarlberg,
01:48nicht bei der Nationalratswahl, nicht bei der EU-Wahl und ich denke, das zeigt, dass
01:54es überhaupt keine Wechselstimmung gab im Burgenland und es gab auch eine große Zufriedenheit
01:59mit der Person der Spitzenkandidaten, also die Burgenländer mögen Hans-Peter Doskozil
02:04sehr und ich glaube, das war ein wesentliches Motiv.
02:10Vielleicht hat der eine oder andere gefunden, naja, so absolut sollte die SPÖ auch nicht
02:14regieren, das hat dann wieder der FPÖ geholfen, aber ich denke, eine Wechselstimmung gab es
02:22nicht und Doskozil konnte einen sehr komfortablen Wahlsieg nach Hause fahren.
02:27Du hast schon gesagt, an Hans-Peter Doskozil kommt man wahrscheinlich nicht vorbei, er
02:32hat die Wahl eindeutig gewonnen, aber er braucht einen Koalitionspartner.
02:35Mit der absoluten ist es vorbei.
02:37Welche Konstellationen sind denn da möglich?
02:40Vielleicht muss man zunächst einmal sagen, selbst wenn er die 18 Mandate, die er vorher
02:45hatte, erreicht hätte, hätte er trotzdem einen Koalitionspartner gebraucht, also so
02:49groß ist der Unterschied jetzt nicht.
02:51Er kann die kleinstmögliche Variante wählen und die Grünen nehmen, die zwei Mandate erreicht
02:56haben und zu ihrem großen Glück im Landtag verblieben sind.
02:59Da gibt es große Übereinstimmungen in der Energiepolitik, das Burgenland ist ja vor
03:05allem das Nordburgenland, die Bahndorfer Platte ist ja voll mit Windrädern, da ist man sehr
03:09weit im Burgenland, auch in der Photovoltaik.
03:12Weniger Übereinstimmungen gibt es in der Gesundheitspolitik, da geht es um ein neues
03:16Krankenhaus in Gols zum Beispiel, wo die Grünen total dagegen sind, das ist eine Möglichkeit.
03:22Die zweite Möglichkeit ist, das ist natürlich der bei weitem teurere Koalitionspartner,
03:28wäre die FPÖ, dann hätte man überhaupt eine super komfortable Mehrheit, da gibt es
03:33große Übereinstimmungen in der Asyl- und Fremdenpolitik, also da passt ja fast kein
03:38Blatt zwischen Doskozil und Hofer und er hat ja immer schon klargemacht, dass er sich
03:43durchaus vorstellen kann mit der FPÖ auch zu regieren, da gibt es ja im Burgenland ganz
03:49andere Verhältnisse als auf Bundesebene.
03:51Die dritte Möglichkeit ist die, die ich für eher unwahrscheinlich halte, das ist die mit
03:57der ÖVP, da gibt es wenig Übereinstimmungen, die ÖVP muss auch jetzt erst einmal im Burgenland
04:03ihre Wunden lecken, sie hat wirklich ordentlich verloren, sie ist eigentlich der klare Wahlverlierer
04:08neben den Neos, die den Einzug in den Landtag nicht geschafft haben, aber dennoch die ÖVP
04:15und Doskozil, da geht sich vieles nicht aus.
04:17Zweitplatzierter ist erst einmal die FPÖ, was bedeutet denn dieses Ergebnis für Sie
04:24und gibt das Herbert Kickl auf Bundesebene Rückenwind bei den aktuellen Verhandlungen?
04:28Also es bremst ihn zumindest nicht, es ist ein wirklich großer Wahlerfolg, sagen wir
04:33einmal so, die haben 13% plus, also die haben von einem allerdings sehr niedrigen Niveau
04:39stark zugelegt, die Bäume sind allerdings nicht in den Himmel gewachsen, also dass man
04:44jetzt eine schwarz-blau, Pardon, eine blau-schwarze Mehrheit im Burgenland schafft, wie es auch
04:50auf Bundesebene möglich ist, das ist nicht gelungen, also man sieht, wenn es auf der
04:55anderen Seite einen starken Spitzenkandidaten gibt und ein klares Gegenkonzept, dann wie
05:01gesagt sind die Wahlerfolge der FPÖ auch nicht unendlich, aber man muss schon sehen,
05:07die FPÖ ist an zweiter Stelle, die FPÖ ist stark, sie ist stärker als die ÖVP und das
05:14ist natürlich etwas, was Kickl gefallen wird und was ihm noch gefallen wird im Übrigen
05:19ist, dass Norbert Hofer gesagt hat, er bleibt auf jeden Fall im Burgenland, keine zehn Pferde
05:24kriegen ihn dort weg oder so ähnlich war die Formulierung, das wird Kickl sehr gut
05:28gefallen, weil Hofer ist ja so etwas wie sein Langzeitrivale innerparteilich.
05:34Dann kommen wir noch kurz auf die Bundes-SPÖ und Parteichef Andreas Babler zu sprechen,
05:39ganz anders als er bei der Nationalratswahl hat ja Hans-Peter Doskozil im Burgenland diese
05:44Wahl haushoch gewonnen, könnte er Babler jetzt doch noch gefährlich werden?
05:48Auf jeden Fall, also Doskozil fühlt sich natürlich sehr bestätigt, das hat man schon am Wahlabend
05:54gemerkt, da gab es dann einen Auftritt nach den ersten öffentlichen Statements vor seinen
06:01Fans und SPÖ-Funktionären und da hat er ja schon gesagt, dieser Erfolg ist so großartig
06:08und der ist auch deshalb so großartig, weil es ja innerparteilich so viel Gegenwind gab
06:14und da wird es nach wie vor Diskussionen geben auch in Zukunft, also das ist schon eine klare
06:19Ansage in Richtung Babler, ich werde dir keine Ruhe geben und ich werde dir mit meinen Ansichten
06:24und Meinungen auf die Nerven gehen, also ich glaube, so könnte man das interpretieren
06:28und umgekehrt war ja auch die Besetzung der Wahlzentrale durch Bundespolitiker der SPÖ
06:35sehr sparsam, es war ja nur der Generalsekretär, der Bundesgeschäftsführer dort, Babler hat
06:42eine dürre Meldung ausgerechnet über X geschickt, dass er Doskozil gratuliert, das war jetzt
06:47auch nicht gerade von besonderer Herzlichkeit getragen.
06:51Für welche Koalitionsvariante sich die SPÖ im Burgenland entscheiden wird, das bleibt
06:56abzuwarten, Hanspeter Doskozil hat mehr oder weniger die Qual der Wahl, vielen Dank dir
07:01Petra Stulber für die Einschätzungen dazu.
07:02Sehr gerne.
07:03Und vielen Dank Ihnen auch fürs Zuschauen, wir berichten natürlich auf der Standard.at
07:09weiter über die Entwicklungen dazu, dort finden Sie auch noch weitere Videos und Podcasts.
07:20Bis zum nächsten Mal.
07:21Tschüss.
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