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00:00Die Ermittler hoffen, dass Zellen von einem Styroporbecher, Spuren auf einem Wasserhahngriff und Bilder einer Videokassette
00:09die Identität des Mannes offenbaren, hinter dem die Polizei schon seit über zehn Jahren herjagt.
00:30Es ist das Jahr 1991. Die 42-jährige Nancy Ludwig führt ein glückliches Leben.
00:41Ihr Ehemann verehrt sie und als Flugbegleiterin macht sie Karriere.
00:48Sie wollte immer Stuart Erswerden tun als junges Mädchen. Sie war sehr offen, spontan und wohl deshalb eine so gute Flugbegleiterin.
01:00Während einer ihrer Flüge ruft eine Mitarbeiterin der Fluggesellschaft Art Ludwig an. Sie hat schlechte Nachrichten.
01:11Eine Frau erzählte mir, dass es in Detroit Probleme gegeben hat. Ich sollte zum Flughafen kommen. Dort wollte sie mich treffen und mit mir nach Detroit fliegen.
01:22Nancy Ludwig ist in der Nähe des Flughafens tot in ihrem Hotelzimmer aufgefunden worden. Sie wurde erstochen.
01:30Tatortspuren belegen, dass sie sich vehement gegen ihren Angreifer gewehrt hat.
01:36Sie hatte extreme Abwehrverletzungen an den Händen. Man konnte ein richtiges Gefühl dafür bekommen, was sie durchgemacht haben muss.
01:44Das ist an Tatorten nicht immer der Fall.
01:47Nancys Hände sind mit einem Strick gebunden.
01:52Diese Art Strick wird vor allem bei der Garten- und Landarbeit benutzt.
01:56Biologische Spuren beweisen, dass Nancy Ludwig sexuell missbraucht worden ist.
02:04Und es gibt diverse Anzeichen dafür, dass der Täter sich lange in dem Hotelzimmer aufgehalten hat.
02:10Wir fanden einen blutigen Lappen am Waschbecken. Und es war eindeutig, dass er geduscht hatte.
02:18Er konnte das Hilton Hotel ja nicht in blutiger Kleidung verlassen.
02:21Ein ungewöhnlicher Aspekt in diesem Fall ist, dass alle persönlichen Dinge von Nancy verschwunden sind.
02:30Sie kam mit zwei Koffern und einer Handtasche ins Hotel. Ihr ganzer Schmuck, ihre Uhr, Ohrringe.
02:35Alles war aus ihrem Raum verschwunden, inklusive des Liedstiftes aus dem Mülleimer.
02:42In der Mordnacht hat ein Hotelgast einen Mann beobachtet, der Gepäck einer Fluggesellschaft zu seinem Auto gebracht hat.
02:50Direkt vor seinem Fenster unter einer Parkplatzlaterne stand etwas, das wie ein Monte Carlo aussah.
02:58Jemand belut seinen Kofferraum mit Northwest-Zubehör, Koffern und so.
03:02Überraschenderweise gibt es über 2800 Fahrzeuge vom Typ Monte Carlo, die in der Gegend von Detroit gemeldet sind.
03:13Jede der 2800 Besitzer wurde überprüft, ob er auffällig geworden war oder strafrechtlich registriert. So versuchten wir auszuschließen.
03:24Dann finden die Ermittler heraus, dass der Freund einer Hotelangestellten einen Monte Carlo besitzt.
03:29Als die Frau befragt wird, verhält sie sich verdächtig.
03:35Sie verfing sich in Lügen. Sie behauptete, Nancy habe einen Anruf in ihrem Zimmer bekommen und sie würde Nancy von früheren Aufenthalten kennen.
03:44In Wahrheit war es Nancys erster Aufenthalt in Metro. Sie konnte sie gar nicht von früheren Trips her kennen.
03:50Und es gab auch keine Telefonanrufe auf ihrem Zimmer.
03:52Es scheint, als habe das Hotel nur einen geringen Sicherheitsstandard.
03:59Es war die Art, wie sie den Crews die Zimmer zuwiesen.
04:03Oft lagen die Schlüssel an der Rezeption mit kleinen Papierzetteln daneben, auf denen der Name stand.
04:09Man musste nur reinkommen, die Namen und die zugewiesenen Zimmer lesen und wusste sofort, wer noch nicht angekommen ist.
04:15Das ist ein unglaubliches System.
04:22Die Außentür wurde über Nacht nicht verschlossen. Das ist zwar bequemer für die Gäste, allerdings nicht gut für die Sicherheit.
04:29Die Ermittler erstellen eine Liste mit potenziellen Verdächtigen, zu denen sämtliche Personen gehören, die Zugang zum Hotel haben.
04:36Schließlich hatten wir eine Liste mit 22.000 Namen.
04:41Darauf waren allein 1.700 Personen, die wie Nancy Ludwig an diesem Abend am Flughafen Metro gelandet waren.
04:462.800, die nach dem Mord abgeflogen sind und die 2.800 Monte Carlo-Besitzer.
04:54Ein Phantombildzeichner hat von dem Mann auf dem Hotelparkplatz diese Skizze erstellt.
04:59Die Ermittler hoffen, dass sich auch dadurch die Liste von 22.000 Namen auf einen reduziert.
05:12Kurze Zeit nach dem Mord an seiner Frau erhält Art Latwig einen merkwürdigen Brief.
05:21Er ist von einem Mann geschrieben, der von Nancys Mord in der Zeitung gelesen hat.
05:25Er behauptet, dass der Tathergang dem Mord an seiner Mutter vor 5 Jahren sehr ähnlich ist.
05:36Ich las den Brief und ja, es schien einige Übereinstimmungen zu geben.
05:41Es waren beides Frauen, gleich groß, gleiche Erscheinungen und so weiter.
05:46Das Opfer war die 55-jährige Margaret Eby, eine Musikprofessorin aus Flint, Michigan,
05:52rund eine Autostunde von Detroit entfernt.
05:56Sie wurde zu Hause in ihrem Bett erstochen aufgefunden.
06:01Als ich die Tatortfotos betrachtete, musste ich starren.
06:04Die Leiche war nahezu gleich positioniert, die Stichwunden waren fast gleich.
06:09Und die Sicherheit im Haus ist ähnlich schlecht wie in Nancy Latwigs Hotel.
06:13Das Pförtnerhaus dieses schönen Besitzes hatte seinen eigenen Eingang.
06:19Er sollte eigentlich abgeschlossen sein, war in der Regel aber offen und unbewacht.
06:25Es gibt weder Zeichen eines gewalttätigen Eindringens, noch fehlen wertvolle Gegenstände.
06:31Margaret Eby hat die Angewohnheit, ihre Türen unverschlossen zu lassen.
06:35Zudem hängen keine Gardinen vor den Fenstern.
06:38Das Anwesen hatte eine Reihe von Personen, die regelmäßig dort arbeiteten.
06:43Gärtner, Elektriker, Maler.
06:47Nach dem Mord finden die Ermittler Spuren eines Fingerabdrucks auf einem Wasserhahn im Badezimmer.
06:53Er stimmt jedoch mit keinem Fingerabdruck eines registrierten Verbrechers überein.
06:58Zudem finden sich Hinweise auf sexuellen Missbrauch.
07:02Zur Tatzeit ist die Analyse von DNA jedoch noch in ihren Anfängen.
07:081986 waren wir noch nicht so weit.
07:12In unserem Staat gab es noch keine DNA-Analysen, andernorts begannen sie gerade damit.
07:18Es gab nur ein paar wenige Laboratorien, die sie durchführten.
07:21Es war ein sehr teurer Prozess.
07:25Zur Zeit von Nancy Latvigs Mord sind DNA-Tests Routine.
07:29Zur Überraschung der Ermittler beweist ein vergleichender DNA-Test, was Margaret Evies Sohn bereits instinktiv geahnt hat.
07:39Der Mörder der beiden Frauen ist ein und derselbe Mann.
07:42Ich dachte, wir hätten unseren Fall gelöst.
07:46Doch dann sagte man uns, die gute Nachricht sei die Übereinstimmung der Fälle.
07:50Die schlechte, sie könnten uns keinen Verdächtigen nennen.
07:54In der Regel werden DNA-Profile von Straffälligen in einer Datenbank gespeichert.
07:59In Deutschland werden DNA-Profile zentral beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden vorgehalten.
08:13Insbesondere werden Daten gespeichert von verurteilten Tätern, die eine sogenannte Katalogstraftat begangen haben.
08:19Beispielsweise Einbruch bis hin zum Sexualmord.
08:22Die Täter müssen darüber hinaus als potenzielle Wiederholungstäter eingestuft worden sein.
08:29Und es werden DNA-Profile eingestellt, die von unterschiedlichsten Tatorten stammen.
08:35Ziel einer solchen Datenbank ist es, erstens die Identifizierung eines Tatverdächtigen über sein bestehendes DNA-Profil
08:44oder aber das Erkennen von Tatzusammenhängen, beispielsweise wenn festgestellt wird,
08:49dass eine und dieselbe Person an verschiedenen Tatorten gehandelt.
08:52Das DNA-Profil des Frauendoppelmörders ist jedoch in keiner nationalen Datenbank der USA gespeichert.
09:01Die Übereinstimmung des DNA-Profils verrät uns nicht, wer die Person ist, sie zu finden. War unser Job.
09:09Doch das wird nicht einfach, denn Margaret Ebbies Mord liegt mehrere Jahre zurück.
09:15Und Nancy Ludwigs Fall war in Detroit, 75 Meilen von Flint entfernt.
09:23Die Ermittler vermuten, dass der Mörder einen Monte Carlo-Pferd und Zugang zu Stricken hat, wie sie von Landarbeitern benutzt werden.
09:33Der Freund der Hotelangestellten mit dem Monte Carlo hat für die Nacht des Mordes ein Alibi und wird nicht länger verdächtigt.
09:40In den meisten Fällen sind Mörder ziemlich dumm und wir kriegen sie schnell.
09:48Er war sehr clever, sehr clever und vorsichtig.
09:54Im Laufe mehrerer Jahre werden alle 22.000 Hinweise in dem Fall auf die eine oder andere Weise abgearbeitet.
10:02Alle enden, erfolglos.
10:06Sowohl Margaret Ebbies Familie als auch die von Nancy Ludwig verliert die Hoffnung, dass der Mörder jemals festgenommen wird.
10:13Ich glaube, nach zehn Jahren dachte ich, dass alles Machbare versucht worden ist.
10:21Bis heute ist mir nicht klar, warum nichts dabei herausgekommen ist.
10:26Auch die Ermittler stehen vor einem Rätsel.
10:29Wer ist der Unbekannte, der Margaret Ebbie und Nancy Ludwig ermordet hat?
10:33Nach mehreren Jahren entschließen sich Ermittler der Cold Case Unit der Polizei von Michigan,
10:51noch einmal einen Blick auf die Mordfälle von Nancy Ludwig und Margaret Ebbie zu werfen.
10:56Vielleicht haben die Ermittler von damals etwas übersehen.
10:59In den USA gibt es spezielle Einheiten, die alte Fälle nochmal aufarbeiten.
11:05In Deutschland nicht, aber die Ermittler bleiben eigentlich dran.
11:08Und was wir häufiger haben, ist, dass die Fallanalytiker oder Profiler nochmal bei alten, ungeklärten Fällen rangeholt werden.
11:14Das Ganze nochmal aufrollen, auswerten und gucken, ob sie neue Ermittlungsansätze finden.
11:19Und da wurde schon so mancher alte Fall nochmal neu angegangen und es konnte der Täter auch ermittelt werden.
11:25DNA-Tests haben ergeben, dass beide Frauen vom selben Täter ermordet worden sind.
11:31Doch niemand weiß, wessen DNA es ist.
11:36Deshalb konzentrieren sich die Ermittler auf den Fingerabdruck aus Margaret Ebbies Badezimmer.
11:40Das Kriminal-Labor konnte einen kleinen Abdruck auf einem Wasserhahn-Knauf im Badezimmer finden.
11:52Der Knauf wurde abgenommen und ins Kriminal-Labor gebracht.
11:57Dort wurde der Fingerabdruck fotografiert und der Knauf als Beweismittel aufbewahrt.
12:01Im Jahr 1986 konnte die Polizei von Flint den Abdruck nur mit anderen aus Michigan vergleichen.
12:13Es gibt keine Übereinstimmungen.
12:15Doch die Verbesserungen in der Computertechnologie führen zu einem automatischen Fingerabdruck-Identifikationssystem,
12:22das tausende Abdrücke innerhalb weniger Sekunden vergleicht.
12:25Als der Abdruck von dem Wasserhahn-Knauf in die Nationale Fingerspurdatenbank eingegeben wird,
12:33identifiziert der Computer einen Abdruck in Florida.
12:41Es ist der Daumenabdruck des 39 Jahre alten Jeffrey Gordon,
12:45der mittlerweile in einem Vorort von Flint, Michigan wohnt.
12:49Er war ein verheirateter Mann mit Kindern.
12:52Alle äußeren Umstände wirkten perfekt und normal.
12:56Der nette Nachbar von nebenan.
12:59Gordon wohnt in der Nähe von Margaret E.B. und besitzt einen goldenen Monte Carlo.
13:05Dieser Fahrzeugtyp wurde von einem Augenzeugen am Abend des Mordes an Nancy Latwick auf dem Hotelparkplatz gesehen.
13:13Und es gibt eine weitere Überraschung.
13:15Gordon arbeitet für eine Firma, die die Sprinkleranlage in Margaret E.B.'s Garten technisch überwacht.
13:25Diese Firma hatte in Margaret E.B.'s Anwesen, einige Tage vor ihrem Tod,
13:29die Leitungen der Sprinkleranlage für die Gartensaison freigeblasen.
13:36Wie der Fingerabdruck ins Haus kommt, wäre einfach zu erklären.
13:40An Sprinklern arbeitet man mit Metallwerkzeug, das scharfe Ecken hat und an denen man sich schneidet.
13:48Man geht ins Haus, wäscht sich die Hände und hinterlässt einen blutigen Fingerabdruck.
13:52Man hat nichts getan, nur einen blutigen Fingerabdruck hinterlassen.
13:58Gortons Fingerabdruck ist wegen mehrerer Übergriffe auf Frauen in der Datenbank von Florida.
14:03Er hat mehrere von ihnen angegriffen, indem er hinter ihnen gegangen ist, sie niederschlug und versucht hat,
14:11ihnen die Slips auszuziehen, während sie am Boden lagen.
14:16Das passiert auch Marie Gagliano, als sie ihren Einkauf aus dem Auto lädt.
14:21Er hatte einen mürrischen Gesichtsausdruck und riss mich nieder.
14:31Dann griff er meine Knöchel und begann, mich über drei, vier Meter zu schleifen.
14:37Ich habe geschrien, entsetzliche Schreie.
14:41Dann hat er mir meinen Slip entrissen und ist weggelaufen.
14:44Die Polizei findet mehrere hundert Unterwäschestücke in Gordons Haus.
14:54Das ist ein gefährlicher Kern.
14:56Er schlägt Frauen nieder, zieht sie ins Gebüsch und stiehlt ihre Kleidung.
15:00Er bricht sogar in ihre Häuser ein.
15:02Er ist jemand, der völlig außer Kontrolle ist.
15:07Jens Hoffmann ist Kriminalpsychologe.
15:09Ihm ist nicht unbekannt, warum Täter wie Jeffrey Gordon
15:13für das Stehlen von Unterwäsche zu solchen Methoden greifen.
15:19Manchmal haben Täter eine Fantasievorstellung,
15:21eine Paraphilie nennen wir das, eine Sache, die sie sexuell erregt.
15:26Und dafür setzen sie auch fast alles aufs Spiel.
15:29Beispielsweise auch seine Unterwäsche.
15:31Das heißt, die gesamte sexuelle Erregung ist darauf fixiert.
15:34Und vielleicht auch noch daran, diese Unterwäsche illegal zu bekommen.
15:37Und dafür wird dann alles andere untergeordnet.
15:40Und beispielsweise können auch schwere Gewaltdelikte
15:42bis Tötungsdelikte durchgeführt werden,
15:44nur um dieses Ziel zu erreichen.
15:47Gordon hat wegen seiner Übergriffe in Florida
15:49mehrere Gefängnisstrafen abgesessen,
15:52bevor er zurück nach Michigan gegangen ist.
15:55Da beide Mordopfer sexuell missbraucht worden sind,
15:58ist die DNA des Täters bekannt.
16:01Jetzt wollen die Ermittler wissen, ob es Gortons ist.
16:03Die Beamten beschatten den Verdächtigen rund um die Uhr.
16:10Sie folgen ihm zu einer Rollerskatingbahn,
16:13von der er seine Kinder abholen will.
16:20Dort beobachten verdeckte Ermittler,
16:23wie er eine Pizza isst und aus einem Styroporbecher trinkt.
16:27Als Gordon geht, läuft ein Beamter zum Tisch,
16:30beschlagnahmt den Becher und bringt ihn ins Kriminallabor.
16:33Die Probe wird sofort untersucht.
16:40DNA ist wie jedes andere biologische Molekül
16:43ein zersetzbarer Gegenstand.
16:45Eines der Dinge, das DNA ein bisschen schneller zersetzt,
16:48ist große Wärme.
16:50An dem Becher sind mehr als genug untersuchbare Epithelzellen,
16:54dennoch gibt es ein Problem.
16:56Die erste Analyse des Bechers ergab eine DNA-Mischspur.
17:04Das heißt, mehr als eine Person hat den Becher benutzt.
17:08Wir hatten gehofft, nur DNA von der Person zu bekommen,
17:12die aus dem Becher getrunken hat.
17:13Es gab jedoch Hinweise,
17:15dass von mehr als einer Person DNA vorhanden war.
17:17Doch der PCR-Test ergibt zumindest eine starke Übereinstimmung
17:23zwischen der DNA vom Becher
17:25und den biologischen Spuren von beiden Tatorten.
17:29Und das reicht aus,
17:31um einen Durchsuchungsbeschluss für Jeffrey Gordons Haus zu bekommen.
17:37Dort finden die Ermittler in Kartons
17:39und unter Gordons Matratze Damenunterwäsche.
17:43Viele Stücke haben Aufkleber,
17:44die mit Frauennamen und Notizen beschrieben sind.
17:50Es gibt so zwei grundsätzliche Sachen.
17:52Einmal, was man als Trophäe bezeichnet.
17:54Nach einer Tat nimmt der Täter was mit von dem Opfer,
17:57um ja seine Macht zu demonstrieren.
17:59Er sagt, ich habe das Opfer niedergerungen,
18:01ich habe sie umgebracht.
18:02Und das ist das Zeichen meines Siegers.
18:04Andere Täter nehmen solche Sachen eben mit,
18:07um immer wieder die Tat gedanklich zu durchlaufen.
18:10Immer wieder sich, wie in einem Film,
18:12das innerlich abzuspielen
18:13und sich immer wieder sexuell zu erregen.
18:15Dann finden die Ermittler eine Videokassette.
18:18Auf dem Band ist Gordon in Damenunterwäsche zu sehen
18:21und andere Frauen, die er heimlich gefilmt hat.
18:26Er war seltsam, sehr seltsam.
18:30Man fragt sich, was mit ihm schiefgelaufen ist,
18:32dass er sich so verhält.
18:35Das ist ein verblüffendes Phänomen.
18:36Das haben wir manchmal bei Tätern,
18:38dass sie sich selbst die Wäsche anziehen und dabei filmen.
18:41Das ist eigentlich ein Hinweis darauf, glaube ich,
18:44dass es was mit der letztlich auch mit früheren verdrängten sexuellen Wünschen
18:49oder Aggressionen gegenüber der Mutter zu tun hat.
18:51Dass es dann so eine Identifizierung stattfindet
18:53und dass es dann inszeniert wird
18:54und der Täter das genussvoll veranstaltet.
18:57Die Fantasie dahinter in dem Kopf lässt sich aber nicht immer ganz aufschlüsseln.
19:01Also für Außenstehende,
19:03man kann es nicht immer nachvollziehen, was da vorgeht.
19:05Aber es ist oft was Biografisches, Früheres.
19:08Während des Verhörs fragt die Polizei Gordon,
19:10welche Strafe es für Mord geben sollte.
19:14Er sollte ins Gefängnis gehen.
19:17Als Gordon allein ist, wird er zunehmend nervöser.
19:21Dann fragen ihn die Beamten nach seinem Interesse,
19:24Damenunterwäsche zu stehlen.
19:26Gibt es ein bestimmtes Kleidungsstück, das Sie besonders mögen?
19:33Sind es Strümpfe, BHs oder Höschen, das Schlafzeug?
19:37Gibt es irgendein bestimmtes Stück, das Sie besonders anzieht?
19:42Meistens nur die Strümpfe, denke ich.
19:46Haben Sie dieses starke Fetischverlangen heute noch?
19:48Ja, ich sehe es als eine Art Sport, den ich mir gönne, wenn ich alleine bin.
19:54Seine Aussage, wie es war ein Sport, für mich zeigt auch diesen Suchtcharakter manchmal.
19:58Das ist wie so ein Spannungsaufbau, das ist das Wichtigste im Leben.
20:02Und es wird auch genossen, zu versuchen, komme ich an diese Wäsche ran,
20:06sich das auszusuchen, welche Frauen verfolge ich vielleicht oder beobachte ich auch
20:10und genieße diese Macht dabei.
20:12Und diese Täter gestalten das immer mehr aus.
20:16Also sie versuchen, das dann immer weiter voranzutreiben,
20:18neuere Sachen sich auszudenken.
20:21Und daraus ziehen sie auch wirklich Genuss.
20:23Und das wird wirklich zu einem zentralen Punkt ihres Lebens.
20:27Gordon bestreitet, jemals im Haus von Margaret Eby gewesen zu sein.
20:32Dann konfrontieren ihn die Beamten mit dem Fingerabdruck.
20:37Wissen Sie, woher der Abdruck stammt?
20:39Nein.
20:39Er stammt aus dem Bad, neben dem Schlafzimmer, in dem Margaret Eby gefunden wurde.
20:47Das Haus, in dem Sie nie gewesen sein wollen.
20:50So Jeff, es gibt keine Zweifel, Sie sind die Person, die für alles verantwortlich ist.
20:56Die Frage, die beantwortet werden muss, ist, warum?
20:59Und was können wir tun, um Ihnen zu helfen?
21:02Da gibt es kein Warum, weil ich es nicht gewesen bin.
21:05Danke, ich möchte jetzt meinen Anwalt sehen.
21:07Ich weiß, dass ich nichts getan habe.
21:12Als Gordon nach seinem Anwalt fragt, stoppt das Verhör.
21:16Vorher nehmen die Ermittler noch seine DNA.
21:20Die DNA-Analyse bestätigt, was der erste Test vermuten ließ.
21:24Jeffrey Gordon hat Nancy Latwick und Margaret Eby sexuell missbraucht
21:28und vermutlich auch ermordet.
21:30Während der Auswahl der Geschworenen zeigt Gordon auffälliges Interesse an einer Frau,
21:38die den beiden Mordopfern sehr ähnlich sieht.
21:40Er starrte immer in die Richtung, in der diese Frau saß.
21:47Sie trug einen Rock.
21:49Er war total auf diese Frau fixiert und wanzig auf seinem Sitz.
21:53Das war das seltsamste, was ich je gesehen habe.
21:56Und ich dachte, na, das wird ein spaßiger Prozess.
21:59Die Ankläger vermuten, dass Gordon durch eine unverschlossene Tür
22:06in Margaret Eby's Haus eingedrungen ist und dort auf sie gewartet hat.
22:10Als sie von einer Dinnerparty zurückkehrt, ermordet er sie.
22:28Nach der Tat wäscht Gordon sich im Badezimmer und vernichtet die meisten Beweise.
22:34Er hinterlässt jedoch den Fingerabdruck seines rechten Daumens am Wasserhahn.
22:41Fünf Jahre später schlägt Gordon erneut zu, dieses Mal in Detroit.
22:46Vermutlich ist er auf Stewardessen versessen.
22:52Er fährt zu einem Hotel nahe des Flughafens und wartet in der dritten Etage.
22:58Zufällig kommt Nancy Ladwig und geht auf ihr Zimmer.
23:01Nach der Tat duscht er, wechselt seine Kleidung und stiehlt Nancys Sachen.
23:13Vermutlich als Trophäe.
23:17Klagepunkt 1. Sie haben sich der Ausübung und der versuchten Ausübung
23:21eines kriminellen sexuellen Angriffs zu verantworten.
23:24Jeffrey Gordon wird des Mordes an Nancy Ladwig und Margaret Eby schuldig gesprochen.
23:28Er wird den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.
23:36Ich habe Angst vor ihm.
23:38Ich bin froh, dass er für den Rest seines Lebens hinter Gittern sitzt.
23:41Er ist die absolut furchteinflößendste Person, der ich je begegnet bin.
23:44Weil er unberechenbar, weil er verschlossen und weil er so gewöhnlich ist.
23:53Der Schriftsteller Tom Henderson hat ein Buch über den Fall geschrieben.
23:57Er vermutet, dass es noch weitere Opfer gibt.
24:01Mein Gefühl sagt mir, dass jemand eines Tages eine DNA-Probe überprüft
24:06und Jeffrey Gordons Name ausgespuckt wird.
24:08Es könnten mehr sein als ein oder zwei Opfer. Es könnten einige sein.
24:16Meistens sind es Fingerabdrücke oder etwas ähnlich Grundlegendes,
24:19die man braucht, um einen Fall zu lösen.
24:21Nicht immer hilft Hightech, wie zum Beispiel DNA.
24:24Ohne die Wissenschaft und deren neue Technologien
24:28wären beide Morde ungelöst geblieben.
24:31Wahrscheinlich sogar für immer.
24:32Als ein Bootskapitän nach einem heftigen Sturm tot aufgefunden wird,
24:50sagen einige, es war ein tragischer Unfall.
24:54Ein Augenzeuge behauptet, es war Mord.
24:58Doch erst diese Videoaufzeichnung wirft die Frage auf,
25:03wer sagt tatsächlich die Wahrheit?
25:07Venice, Louisiana.
25:09Hier findet das Leben um das Wasser herum statt.
25:16Die kleine Stadt ist der Ort, an dem der Mississippi
25:19in den Golf von Mexiko mündet.
25:23Einheimische nennen es das Ende der Welt.
25:25Jeder kennt das Geschäft des anderen, Gute wie Schlechte.
25:30Einige Leute mögen es, einige nicht.
25:33Ich mag es.
25:36Viele Leute aus Venice verdienen ihr Geld mit dem Shrimp-Fischen.
25:41Das ist harte, gefährliche Arbeit.
25:43Die See kann dabei Freund und Feind sein.
25:46Es ist rau und die Leute sind rau.
25:52Das ist keine freundliche Gemeinde.
25:54Es gibt Spannungen.
25:56Es gibt Ärger zwischen den Freizeitanglern und den Vollzeitfischern,
25:59die davon leben.
26:05Im Juli 2000 beutelt ein Sturm die Küste Louisianas,
26:10während die Fischerboote noch auf dem Meer sind.
26:12Alle kommen mehr oder weniger sicher zurück.
26:19Außer eines.
26:23Kapitän Raymond Leiker, genannt Tinky,
26:26und sein Schiffsjunge Alvin Latham
26:28werden mit ihrem Boot namens The Bandit vermisst.
26:34Die Küstenwache wird alarmiert und sucht in der Gegend,
26:38aus der Tinky seinen letzten Funkspruch abgesetzt hat.
26:41Sie findet nichts.
26:4514 Stunden später zieht ein vietnamesischer Trawler
26:48einen Mann aus dem Golf,
26:50der sich an ein Stück Holz geklammert hat.
26:54Es ist Alvin Latham, der Schiffsjunge.
26:57Er ist erschöpft, jedoch unversehrt.
27:02Beim Verhör durch die Küstenwache
27:04erzählt Alvin eine schreckliche Geschichte.
27:06Er behauptet, der Sturm sei schnell gekommen
27:12und habe ihn und Tinky völlig unvorbereitet getroffen.
27:17Der Wind hatte uns erfasst
27:19und wir schleuderten übers Deck.
27:24Meterhohe Wellen brechen über den Bug,
27:26die Fangnetze sind noch im Wasser,
27:28als das Boot Schlagseite bekommt.
27:30Es schien, als würden wir sinken.
27:34Er funkte Mayday, Mayday.
27:37Bei dem Versuch, die Netze einzuholen,
27:39verfängt Tinky sich mit seinem Fuß.
27:41Elvin behauptet, er habe verzweifelt,
27:46versucht, den Fuß zu befreien,
27:48doch ohne Erfolg.
27:54Er sagte, er würde es nicht schaffen
27:56und bat Gott, seinen Sohn zu beschützen.
28:01Tinky fordert Elvin auf,
28:03er solle versuchen, sich zu retten.
28:05Ich sagte zu ihm,
28:07dass ich versuchen werde, Hilfe zu holen.
28:10Dann begann ich zu schwimmen.
28:11Nur wenige Augenblicke,
28:15nachdem Elvin das Boot verlassen hat,
28:17kentert es.
28:20Das Boot begann zu sinken.
28:24Elvin behauptet,
28:25er habe ein Stück Holz zu fassen bekommen
28:27und sei 14 Stunden bis zu seiner Rettung geschwommen.
28:31Ich habe alles versucht,
28:33um meinen Kopf über Wasser zu halten.
28:35Das Schwimmen kam mir wie eine Ewigkeit vor.
28:39Das war seine Geschichte.
28:41Er versuchte, seinen Kapitän zu retten.
28:43Das war rührend und reizend.
28:45Das hätte jedem passieren können.
28:47Doch Elvin will keine Lorbeeren.
28:51Ich sehe mich nicht als Held.
28:53Es misslang, was ich tat.
28:56Ich konnte keine Hilfe für ihn holen.
28:59Einige Tage später findet die Küstenwache
29:01Tinkys Leiche im Golf von Mexiko.
29:04Elvin Latham bleibt weiterhin bei seiner Aussage,
29:10es sei ihm nicht möglich gewesen,
29:12Tinky zu retten.
29:15Er ging herum und erzählte,
29:17was er für ein Held wäre.
29:18Er habe den Sturm überlebt und solche Sachen.
29:22Doch als der Coroner,
29:23der Leichenbeschauer,
29:24seine Routineuntersuchung macht,
29:26findet er Hinweise,
29:27die Elvins Geschichte widersprechen.
29:29Er hatte Verletzungen am Kopf
29:32und sein linker Arm war teilweise amputiert.
29:35Der Coroner findet außerdem
29:37fünf Stichwunden an den Armen.
29:40Das könnten Abwehrverletzungen sein,
29:42wie sie bei einem Messerangriff entstehen.
29:46Abwehrverletzungen finden sich typischerweise
29:48im Bereich der Arme.
29:50Und zwar dann, wenn das Opfer versucht,
29:52Schläge, Stiche oder Ähnliches abzuwehren.
29:55Und wir unterscheiden dann zwischen
29:56aktiven und passiven Abwehrverletzungen
29:58bei den passiven eben dann,
30:00wenn man die Arme zum Schutz hochnimmt.
30:03Zudem findet der Coroner
30:04stumpfe Verletzungen am Schädel des Toten.
30:09Tinky Leikers Tod
30:10wird daraufhin zum Mord erklärt.
30:12Jemand hat Raymond Leiker getötet.
30:14Alvin Latham war der Einzige,
30:16von dem wir wissen,
30:16dass er auf dem Boot war.
30:19Als Alvin nach seiner Rettung
30:21von der Küstenwache interviewt wurde,
30:23hat er nichts von Stichwunden
30:25oder einer Kopfverletzung gesagt.
30:28Deshalb bittet ihn die Polizei
30:30ins Präsidium,
30:31um diese Diskrepanz zu erklären.
30:34Dann begann sein Weg ins Gefängnis.
30:36Er sagte,
30:37ihr habt die Leiche gefunden.
30:39Ich antwortete,
30:39ja, haben wir.
30:40Dann bin ich wohl in Schwierigkeiten.
30:43Die Ermittler zeichnen das Verhör auf.
30:46In Alvin Lathams erster Version
30:48hatte sich sein Kapitän im Netz verwickelt.
30:50Das Boot ist gesunken
30:51und er ist daneben geschwommen
30:52und hat es untergehen sehen.
30:56Er war unter Wasser
30:58und ich begann,
31:00zur ersten Plattform zu schwimmen,
31:02die ich kriegen konnte.
31:05Die Polizisten informieren Alvin,
31:07dass seine Version der Geschichte
31:08nicht mit den forensischen Beweisen
31:10übereinstimmt.
31:13Er hatte mehrere Stichwunden
31:15an seinem Körper.
31:16Warum?
31:16Warum haben sie ihn verletzt?
31:17Ich habe ihn nicht verletzt.
31:19Raymond Likers Fuß steckt in dem Netz
31:21und er geht nicht mit dem Boot unter?
31:24Haben Sie ihn umgebracht?
31:25Nein.
31:27Gut, dann muss ich Sie nicht einsperren,
31:29aber ich will wissen,
31:29was passiert ist.
31:30Aber ich versuche es so gut wie möglich
31:32zu erzählen.
31:33Gut, wer hat ihn getötet,
31:34wenn ich ziehe?
31:34Ich weiß es nicht.
31:38Nach fünf Stunden Verhör
31:39und weiteren drei am folgenden Tag
31:42beginnt Alvin seine Geschichte
31:43zu verändern.
31:47Alvin sagte Dinge wie,
31:48er fühle sich nicht mehr wohl
31:50bei Raymond Liker.
31:51Er erzählte Begebenheiten,
31:53die ihm auf dem Boot passiert sein sollen.
31:55Raymond soll einmal sein Bein berührt haben,
31:57das sei ihm unangenehm gewesen.
32:00Ich denke, letztlich hatten wir ihn soweit.
32:02Wir näherten uns der Wahrheit.
32:03Dann begann er uns
32:04von der Messerstecherei zu erzählen.
32:06Jetzt sagt Alvin aus,
32:11er habe Angst um sein Leben gehabt,
32:12als das Wasser über den Bug schwappte.
32:15Und an Bord gab es nur eine Rettungsweste.
32:18Um an die Weste zu kommen,
32:20habe er gewartet,
32:21bis Tinky ihm den Rücken zugedreht hat.
32:23Dann habe er ein Rohr genommen
32:24und zugeschlagen.
32:28Wie oft haben Sie ihn mit dem Rohr geschlagen?
32:30Nur einmal.
32:32Dann behauptet Alvin,
32:34Tinky sei hinter ihm her,
32:35als er versucht habe,
32:37die Weste zu nehmen.
32:38Daraufhin habe er zu seiner Verteidigung
32:40ein Messer benutzt.
32:42Ich glaube,
32:43ich habe ihm fünfmal
32:45in den Arm gestochen.
32:47Und dann ging er über Bord.
32:50Sagen Sie die Wahrheit?
32:51Ja.
32:53Aufgrund seines Geständnisses
32:54wird Alvin Latham
32:55des Mordes angeklagt.
32:58Sie haben das Recht zu schweigen.
33:00Alles, was Sie jetzt sagen,
33:02kann vor Gericht
33:02gegen Sie verwendet werden.
33:03Nicht viele Fälle
33:05beginnen mit jemandem,
33:06der ein Held ist
33:07und dann innerhalb von zwei
33:09oder drei Tagen
33:10zum Bösewicht wird.
33:11Er war ein Mörder.
33:15Ist Alvin Latham
33:16tatsächlich ein Killer?
33:18Oder gibt es
33:18eine andere Erklärung
33:19für sein Geständnis?
33:21Während Alvin Latham
33:35im Gefängnis
33:36auf seinen Mordprozess wartet,
33:38wird in Venice diskutiert,
33:39was wirklich in der Nacht
33:41passiert sein könnte,
33:42als Tinky Liker starb.
33:44Jeder diskutierte,
33:47zwei Personen,
33:47eine Rettungsweste.
33:48Würde ich verzichten?
33:50Sie denken,
33:50sie würden verzichten,
33:51aber würden sie wirklich?
33:54Da Alvin ein Mann
33:55mit beschränkten
33:56finanziellen Mitteln ist,
33:58erhält er durch das Gericht
33:59einen Pflichtverteidiger,
34:00Peter Barbie.
34:02Barbie kann nicht verstehen,
34:04warum Alvin seinen Kapitän
34:06wegen einer Rettungsweste
34:07getötet haben soll.
34:09Bei seiner Rettung
34:09am nächsten Tag
34:10hat er nämlich
34:11keine getragen.
34:13Ich sagte zu Alvin,
34:15was immer du machst,
34:16erzähl mir die Wahrheit.
34:17Wenn du es warst,
34:17in Ordnung,
34:18dann finden wir eine Lösung,
34:19damit umzugehen.
34:20Doch was immer du tust,
34:21sag mir die Wahrheit.
34:24Jetzt erzählt Alvin
34:25seinem Anwalt,
34:26dass er Tinky
34:27nicht getötet hat.
34:29Er kehrt zu seiner
34:30ersten Version zurück,
34:31die er am Tag
34:32nach dem Sturm
34:33der Küstenwache
34:33erzählt hat.
34:35Demnach war Tinkys Tod
34:36doch ein Unfall.
34:38Ich hatte den Geschworenen
34:40zu beweisen,
34:40dass er schutzlos war
34:42und deshalb etwas gestanden hat,
34:43was er nicht getan hat.
34:44Sie glauben gar nicht,
34:45wie weit verbreitet
34:46die Meinung in der Bevölkerung ist,
34:48dass niemand etwas gesteht,
34:49was er nicht auch getan hat.
34:51Warum sollte man etwas gestehen,
34:52was man nicht getan hat?
34:58Um das herauszufinden,
35:00zeigt Barbie
35:00das achtstündige Verhör
35:02Dr. Jill Hayes,
35:03einer forensischen Psychologin
35:05von der LSU School of Medicine.
35:07Komm, Erwin,
35:10was ist passiert?
35:11Alles, was du sagst,
35:12stimmt nicht.
35:12Weißt du etwas?
35:13Du kannst nicht 14 Stunden
35:14schwimmen, Erwin.
35:16Ich war wirklich sehr ärgerlich.
35:19Es war offensichtlich für mich
35:20als Profi,
35:21dass Erwin sehr langsam war
35:23und das nutzten sie aus.
35:26Dr. Richard Leo,
35:28Professor für Kriminologie
35:29und Psychologie
35:30an der Universität von Irvine,
35:32stimmt dem zu.
35:33Das ist eine wirklich
35:38schreckliche Vernehmung.
35:39Ich denke,
35:40das ist falsche,
35:41armselige Polizeiarbeit.
35:43Die Ermittler,
35:44die dieses Verhör
35:45durchgeführt haben,
35:46sollten neu geschult werden
35:47und dennoch nie wieder
35:48die Erlaubnis erhalten,
35:50ein Verhör zu führen.
35:52Während des ersten Tages
35:53der Vernehmung
35:54bestreitet Erwin noch,
35:55Tinky getötet zu haben.
35:58Komm, Erwin,
35:59was machst du?
36:00Sag was, erklär es!
36:01Ich meine es!
36:03Man konnte ganz deutlich
36:04die enorme Einschüchterung sehen.
36:06Über hundertmal
36:07hat Erwin gesagt,
36:08dass er es nicht war.
36:09Er hat betont,
36:10dass er es nicht getan hat.
36:12Warum hast du ihn verletzt?
36:13Hab ich nicht.
36:14Warum hast du ihn verletzt?
36:15Hab ich nicht.
36:16Hier Autopsie beweist es.
36:17Du hast ihn mit etwas
36:18an die Kehle geschlagen
36:19oder auf den Kopf.
36:20Du hast nichts falsch gemacht?
36:21Ich glaub das nicht.
36:23Ich glaub das nicht.
36:24Die Polizisten sagten,
36:26Erwin,
36:26bis du uns nicht sagst,
36:27was wir hören wollen,
36:28kannst du nicht nach Hause gehen.
36:30Es kann wirklich sein,
36:31dass der Druck
36:32eines Polizeiverhörs
36:33dazu führt,
36:33dass der Betroffene
36:34eigentlich nur noch raus will.
36:36Er ist ja so geschockt auch
36:38und kommt gar nicht mehr zurecht
36:40und dann sagt man,
36:41ich gestehe jetzt erstmal
36:42alles, was die wollen.
36:43Das wird sich im Nachhinein
36:44dann schon klären.
36:45Also es wird gar nicht
36:46abgesehen,
36:47welche Konsequenzen
36:48das langfristig haben kann,
36:49sondern der Betroffene
36:50will nur noch raus
36:51und sagt dann auch Sachen,
36:52um dieses Ziel zu erreichen.
36:54Genau deshalb beginnt
36:56Erwin am zweiten Tag
36:57der Vernehmung,
36:58Dinge zu wiederholen,
36:59die ihm die Ermittler erzählen.
37:02Das ist eines der feindseligsten
37:04Verhör,
37:04das ich je gesehen habe.
37:05Es gibt nur eine Rettungsweste.
37:07Du willst sie
37:08und dir ist scheißegal,
37:09ob er lebt oder stirbt.
37:10Er hat nicht gebetet,
37:11du hast uns angelogen.
37:14Verhörbeamte im ganzen Land
37:15sind geschult,
37:15nicht feindselig zu wirken
37:16oder sie widersetzen sich
37:18den Vorgaben.
37:18Experten sagen zudem,
37:23Hinweise auf ein falsches
37:24Geständnis sind Dinge,
37:26die den gesicherten
37:27Beweisen widersprechen.
37:30Das klingt unglaubwürdig.
37:31Haben Sie ihn tatsächlich
37:32mit einem Hammer geschlagen?
37:33Ich weiß es nicht mehr.
37:35Wissen Sie doch,
37:36er war im Wasser
37:36und Sie haben ihn geschlagen.
37:37Mit was?
37:39Vielleicht mit einem Brett.
37:40Vielleicht ein Brett?
37:42Haben Sie ihn mit dem Brett geschlagen
37:43oder haben Sie ihn nicht
37:44mit dem Brett geschlagen, Erwin?
37:46Ich weiß es nicht.
37:48Er war im Wasser
37:51und Sie am Heck des Bootes.
37:52Was passierte?
37:53Sie sind so weit, Erwin.
37:54Erzählen Sie den Rest der Geschichte.
37:57Ich kenne den Rest der Geschichte nicht.
38:00Natürlich kennen Sie ihn.
38:03An einem Punkt sagte Erwin,
38:05ich schlug ihn mit einem Schraubenschlüssel.
38:07Sie sagten,
38:08da war kein verdammter Schraubenschlüssel
38:09auf dem sinkenden Schiff.
38:10Er sagte, ein Hammer?
38:12Es war kein Hammer auf dem Boot.
38:14Ein Rohr?
38:15Okay, ja, das kann sein.
38:16Du hast ihn also mit einem Rohr geschlagen.
38:19Ich meine, so haben Sie die Geschichte
38:21aus ihm rausgeholt.
38:22Das ist offensichtlich dumm.
38:24Was sie nicht mitbekommen war,
38:26dass er keine Erinnerung an das hatte,
38:28was sie ihm anboten.
38:29Letztlich gab er Klein bei
38:31und akzeptierte.
38:32Deshalb wählte er deren Sprache.
38:35Die Wissenschaftler entdecken zudem,
38:37dass Erwin einen niedrigen IQ hat.
38:39Es gibt Personen,
38:41die sind besonders leicht beeinflussbar,
38:43sage ich mal.
38:43Das kennen wir zum Teil von Kindern.
38:45Wir kennen es auch von Leuten
38:47mit einem geringen Selbstwertgefühl,
38:49die sich sehr stark von anderen
38:50innerlich abhängig machen.
38:51Immer gucken,
38:52was denken die über mich
38:53und die dann auch schneller übereinstimmen,
38:55obwohl es gar nicht so war.
38:56Und es gibt manchmal auch Leute,
38:58die einfach intellektuell unterlegen sind,
39:00die dann auch schneller
39:00auf solche taktischen Tricks,
39:02auf Unterdrucksätzen reinfallen
39:03und eben dann schneller
39:05Geständnisse ablegen.
39:06Falsche Geständnisse kommen vor.
39:11Eines der bekanntesten gab es
39:12bei einem Fall in England,
39:14als der Teenager Richard Buckland
39:16den Mord an einem jungen Mädchen gesteht.
39:19Er ist ein DNA-Test,
39:20beweist seine Unschuld.
39:22Die meisten Leute können nicht verstehen,
39:25warum jemand ein falsches Geständnis ablegt.
39:27Doch es ist empirisch gesichert,
39:29dass es sie gibt.
39:29Sie sind dokumentiert.
39:31Viele sind dokumentiert
39:33und so ist nicht die Frage,
39:34ob sie passieren,
39:35sondern warum.
39:36Und was man zu deren Minimierung machen kann.
39:40Die meisten Personen,
39:42die von der Polizei verhört werden,
39:43wissen nicht,
39:44dass sie die Vernehmung
39:45jederzeit verlassen können.
39:47Man muss sich nicht mit
39:48unbarmherzigen Fragen
39:49konfrontieren lassen.
39:52Doch den Geschworenen zu erklären,
39:55warum jemand eine Tat gesteht,
39:56die er nicht begangen hat,
39:58ist immer schwierig.
39:58Geständnisse vertuschen löchrige Beweise,
40:06ungenaue Recherchen,
40:07einfach alles.
40:08Wenn man jemanden verurteilen will,
40:09ist das Beste,
40:10man hat ein Geständnis.
40:11Ich habe nur noch dem zugestimmt,
40:16was sie sagten,
40:16um sie aus meinem Rücken zu bekommen.
40:18Ich wusste,
40:19sie würden mit der Befragung aufhören,
40:21sobald ich mit ihnen übereinstimmte.
40:24Das Leben ist sehr hart zu Elvin
40:26und ich will verdammt sein,
40:27wenn ich dem System dabei zuschaue,
40:29wie es ihn überrollt,
40:30um korrupte, dumme Kops zu decken.
40:32Das ist die einzige Möglichkeit,
40:34es zu beschreiben.
40:35Peter Barbie ist davon überzeugt,
40:40dass Elvin Lathams Geständnis erzwungen ist.
40:46Doch warum hat der Coroner
40:48Tinkys Tod als Mord bestimmt?
40:51Beim Lesen des Autopsieberichtes
40:53entdeckt Barbie,
40:54dass der Coroner die Tiefe der Wunden
40:56nicht aufgezeichnet hat.
40:59Der Coroner hat sie nie gemessen,
41:02nie seziert,
41:03nie auf den Winkel untersucht.
41:05Dr. Cyril Wecht,
41:08ein unabhängiger Rechtsmediziner,
41:09glaubt schon anhand der Fotos zu erkennen,
41:12dass es sich nicht um Stichwunden handelt.
41:16Man würde erwarten,
41:17dass alle oder mindestens einige Wunden
41:19eine signifikante Tiefe haben.
41:21Das hatten wir in diesem Fall aber nicht.
41:23Ich glaube nicht,
41:24dass das Stichwunden sind.
41:28Bei Stichverletzungen
41:29findet man eine ganz typische Wundmorphologie.
41:31Bei Einschneidigen,
41:32ein Messer mit einer glatten Klinge,
41:34findet man, wie wir sagen,
41:35geradlinig glattrandige Wundränder.
41:38Und man kann,
41:39wenn es sich um ein einschneidiges Messer handelt,
41:41anhand der Wundwinkel,
41:42auch noch sagen,
41:43wo der Messerrücken
41:44beziehungsweise die Messerklinge gewesen ist.
41:47Doch was sind es dann für Wunden?
41:51Stellen Sie sich einen Propeller vor.
41:53Ein Teil davon trifft auf eine Leiche.
41:55Es ist sehr leicht zu verstehen,
41:58wie es zu dieser Art von Verletzungen gekommen ist.
42:02Dr. Wecht vermutet,
42:04dass dies auch die Verletzungen
42:05an Tinkys Kopf verursacht hat.
42:08Die treibende Wasserleiche
42:09wurde womöglich von einem Schiff überfahren.
42:11Ich glaube,
42:16das ist die plausibelste Erklärung.
42:18Die augenscheinlichen Verletzungen
42:20an Mr. Leiker
42:21sind post mortem entstanden,
42:23während die Leiche
42:25fünf Tage im Golf herumtrieb.
42:29Interessanterweise bestätigt der Kapitän,
42:31der Tinkys Leiche geborgen hat,
42:33diese Theorie.
42:35Er sagte,
42:36ich bin seit langem Kapitän
42:37und dies ist nicht meine erste Leiche.
42:39Er war überzeugt,
42:39dieser Mann ist von einem Schiff überfahren worden.
42:43Und der Kapitän erzählt Barbie noch etwas,
42:46das nie publik gemacht wurde.
42:50Er sagte,
42:51er hatte einen Schuh an
42:52und einen Schuh aus.
42:54Meine Alarmglocke ging an,
42:55weil das war Elvins ursprüngliche Geschichte.
42:57Tinky war am Ende
42:58mit dem Schiff untergegangen,
43:00weil er seinen Fuß
43:00unter einem Ankertau eingeklemmt hatte.
43:07Das war wie bei Schiffen.
43:08Sherlock Holmes,
43:10der Mann mit dem einen Schuh.
43:12Sie brachten ihn in Beziehung
43:14mit der Version der Geschichte,
43:15dass der Fuß unter dem Netz steckte.
43:18Das ist als Begründung gut
43:19und erklärt,
43:20warum ein Schuh an war
43:21und einer aus.
43:25Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse
43:27ist Peter Barbie davon überzeugt,
43:29dass die Schlussfolgerung
43:30des Coroners falsch ist.
43:32Wir hatten einen inkompetenten Coroner,
43:34das ist noch höflich ausgedrückt.
43:36Diese Wunden verrieten mir,
43:38dass die erste Version von Mr. Latham
43:40die korrekte war.
43:42Mr. Likers Leiche
43:43hatte keine Wunden
43:45von Alvin Latham zugefügt bekommen.
43:49Als Alvin wegen Mordes
43:51vor Gericht steht,
43:52spielt die Anklage
43:53den Geschworenen
43:54nur das Geständnis vor.
43:55Erst später schauen sich
44:00die Geschworenen
44:01die komplette
44:01achtstündige Vernehmung an.
44:05Du warst es.
44:07Wie hast du es gemacht?
44:08Ich war es nicht.
44:09Du hast ihn geschlagen
44:11und seinen Mund
44:11mit Klebeband bedeckt.
44:13Ich habe ihn nicht geschlagen.
44:14Wie ist es passiert?
44:15Ich weiß es nicht.
44:17Jeder, der dieses Band anschaute,
44:20sah, was passierte.
44:22Niemand konnte ihm helfen.
44:23Seien Sie überzeugt,
44:24das war ein extremer Fall
44:25von Polizeibrutalität.
44:30Vom Pathologen
44:31der Verteidigung
44:32hören die Geschworenen,
44:34dass Tinkys Tod
44:35ein Unfall ist.
44:39Und Alvin Latham
44:41betritt zu seiner eigenen
44:42Verteidigung
44:43den Zeugenstand.
44:44Dort wiederholt er
44:45die Geschichte,
44:46die er der Küstenwache
44:47bei seinem ersten Verhör
44:48erzählt hat.
44:53Nach sechs Stunden Beratung
45:00kommen die Geschworenen
45:01mit ihrem Urteil zurück.
45:03Nicht schuldig.
45:07Mit der modernen Technologie
45:09von heute
45:09und mit all den klugen Leuten
45:11im Hintergrund
45:12wusste ich,
45:14dass ich eine Chance habe.
45:16Wenn man die Beweise betrachtet
45:18und die Forensik an sich,
45:19was hat sie uns bewiesen?
45:20Alvin hat die Wahrheit gesagt.
45:23Unglücklicherweise
45:23wollte sie niemand hören
45:24oder glauben.
45:26Sie haben ihn so lange gedrängt,
45:27bis er mit etwas kam,
45:28was sie glauben wollten.
45:30Abgenommen haben sie ihm das,
45:31weil sie ihn selbst
45:32dorthin geführt haben.
45:35Alvin arbeitet mittlerweile
45:36als Regalauffüller
45:38im Supermarkt.
45:41Der Mann,
45:42der Alvins Verhör geführt hat,
45:43glaubt,
45:44dass die Geschworenen
45:45einen Fehler gemacht haben.
45:46Nicht jeder kann
45:48ein netter Kerl sein
45:49und niemand gesteht
45:50ein ernsthaftes Verbrechen.
45:52In all den Jahren
45:52meiner Erfahrung
45:53habe ich niemanden
45:54kennengelernt,
45:55der ohne Verhör sagt,
45:57weißt du,
45:57ich gestehe das Verbrechen.
46:00Die Taktik ist wichtig,
46:01die du benutzt,
46:01um ein Geständnis zu erreichen.
46:04Peter Barby meint,
46:06Verhöre sind dazu da,
46:07um die Wahrheit zu erfahren
46:08und nicht,
46:09um ein Geständnis zu erzwingen.
46:11Er wollte sich Alvin vorknöpfen.
46:15Der sollte mal zu mir kommen.
46:16Und das kannst du senden,
46:17denn das zeigt,
46:18wie beschissen ich finde,
46:19was er gemacht hat.
46:20Er ist ein Tyrann
46:21und Dreckskerl.
46:22Er ist ein Bully und ein Punk.