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Einmal im Jahr lädt Bürgermeister Clemens Nagel die Vereine, Feuerwehren, Schulen und Wirte von Leopoldsdorf im Marchfeld zum Bürgermeisterempfang. Dort wird der Veranstaltungskalender für das kommende Jahr abgestimmt. Heuer hat der Bürgermeister aber auch offen über die Finanzen gesprochen. Seit die Agrana-Zuckerfabrik geschlossen hat, fehlen der Gemeinde rund 500.000 Euro an Kommunalsteuer, dazu weitere 300.000 Euro wegen der schwachen Wirtschaftslage. Das Budget ist trotzdem ausgeglichen, damit die Vereine weiterhin Subventionen bekommen können. Für neue Projekte bleibt kaum Spielraum: Pro Jahr können nur rund 150 Meter Gemeindestraße saniert werden. Außerdem Thema: das Baumsterben nach dem Hitzesommer, die „Klimafitte Bahnstraße“, ein modernes Wertstoffsammelzentrum in der Region und die Auszeichnung als Fünf-Sterne-Sicherheitsgemeinde nach einer bezirksweiten Blackout-Übung.

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Transkript
00:00Meine Damen und Herren, liebe Gäste am Bürgermeisterempfang 2026, ich darf Sie, ich darf Euch alle ganz, ganz herzlich zu
00:11diesem wunderschönen Event begrüßen. Einer der schönsten Anlässe im Jahr, sage ich, wo wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.
00:21Leopoldsdorf im Machfeld, Rathaus. Einmal im Jahr lädt der Bürgermeister zum Empfang. Gekommen sind die Ehrenbürger und Ehrenringträger, der Gemeinderat,
00:31die Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehren, Schulen und Kindergarten, die Obleute der Vereine und die Wirte des Ortes.
00:37Der offizielle Zweck ist ganz praktisch, hier wird der Veranstaltungskalender für das kommende Jahr abgestimmt, damit sich Feuerwehrfest, Konzert und
00:45Kirtag nicht in die Quere kommen.
00:47Bevor es aber um die Termine geht, hat der Bürgermeister etwas zu sagen. Denn die Menschen in diesem Saal, sagt
00:53er, sind die Multiplikatoren der Gemeinde. Was sie hier hören, erzählen sie Woche für Woche weiter.
00:59An Euch, die Ihr die Vereine und Institutionen mit Leben erfüllt, die Ihr unser Leben in der Gemeinde und all
01:06die Infrastruktur, die wir geschaffen haben in den letzten Jahrzehnten, ausfüllt mit Leben, mit unserem Leben hier in der Gemeinde.
01:15Das ist ein riesengroßes Dankeschön, ob das jetzt im offiziellen Auftrag ist, über Schulen, Kindergärten oder ob es freiwillig in
01:24der Freizeit ist.
01:25Vielen Dank, Ihr macht das ganz großartig. Ich möchte Euch gerne diesen Applaus widmen.
01:31Und es war ein gutes Jahr für das Vereinsleben. Drei Feste haben weit über die Ortsgrenze hinaus Publikum angezogen.
01:39Die Anzahl an Highlights, die es gibt in unserer Gemeinde, ist eine riesengroße.
01:45Aber im feurigen Jahr haben wir drei Feste erlebt, die über die Gemeindegrenzen hinaus wirksam waren und einen Riesenerfolg beschert
01:56haben.
01:56Und die möchte ich ganz gerne in dieser Runde einmal würdigen.
01:59Das sind auf der einen Seite die Leo-Biker mit ihrem Biker-Fest mit ein paar hundert Teilnehmern aus dem
02:05ganzen Land.
02:06Das sind die Sportler mit dem Kirtag, der drei Tage boom voll war und aus der ganzen Region die Menschen
02:12angezogen haben.
02:13Das ist aber auch zuletzt der Musikverein Leopoldsdorf, der das Bezirksmusikfest ausgerichtet hat und seinen 100. Geburtstag mehr als würdig
02:21gefeiert hat.
02:22Großartig! Danke, dass ihr unsere Gemeinde nach außen hin, weit über die Gemeindegrenzen so toll vertretet und repräsentiert.
02:31Dazu kommen die kleinen Dinge. Das Maibaum aufstellen in Leopoldsdorf und in Breitstetten oder die Erstleseaktion der Bücherei, bei der
02:38jedes neugeborene Kind einen Büchergutschein bekommt.
02:41Dann aber wechselt der Ton. Denn das Jahr 2025 hat Leopoldsdorf schwer getroffen.
02:47Im März hat die Agrana angekündigt, ihre Zuckerfabrik im Ort zu schließen.
02:51Rund 120 Menschen haben dort gearbeitet. Die Fabrik war der größte Arbeitgeber der Gemeinde und damit auch ihr größter Kommunalsteuerzahler.
03:00Punkt genau in einer sehr herausfordernden finanziellen Situation in der Gemeinde.
03:06Ich brauche daraus kein Geheimnis machen. Es geht darum, dass man ehrlich kommuniziert, was Sache ist.
03:11Voriges Jahr haben wir alle mitbekommen, dass der größte Arbeitgeber geschlossen hat.
03:17Im vorigen Jahr sind wir noch gerade mit einem blauen Auge davon gekommen, weil bis Ende September Kommunalsteuer geflossen ist,
03:24bis alle nach der Kündigungsfrist tatsächlich gekündigt waren.
03:27Und heuer stehen wir mit minus 500.000 Euro aufgrund von fehlenden Kommunalsteuereinnahmen und noch einmal 300.000 Euro weniger
03:39aufgrund von schlechten Wirtschaftsdaten.
03:43Die betreffen aber alle Gemeinden da und muss unverblümt sagen, wir befinden uns auf der Talsohle der Finanzkraft der Gemeinde,
03:55seit, ich glaube, wir alle hier denken können.
04:00Das ist eine Tatsache.
04:03800.000 Euro fehlen also für eine Gemeinde mit knapp 3.000 Einwohnern.
04:07Trotzdem ist es gelungen, ein ausgeglichenes Budget zu beschließen. Und das hat einen ganz konkreten Grund.
04:15Die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte und ich, wir bemühen uns Woche für Woche, diese Herausforderungen so zu stemmen, dass es möglichst
04:23wenig auffällt.
04:25Wir haben es irgendwie geschafft, ein Budget aufzustellen, das unterm Strich eine schwarze Null hervorbringt, sodass wir noch eigens entscheiden
04:37können, dass wir unseren Vereinen und Institutionen Subventionen auszahlen dürfen.
04:42Weil in dem Moment, wo wir das nicht mehr zusammenbringen, dürfen wir auch das nicht mehr, weil sie uns das
04:48vom Land runterstreichen.
04:49Darum arbeiten wir weiter daran, dass wir das schaffen. Denn wir wissen, wie wichtig das ist, dass es euch und
04:55diese Aktion gibt.
04:57Der Preis dafür, neue Projekte gibt es kaum. Was bleibt, sind Pflichtaufgaben. Und auch die nur in kleinen Schritten.
05:04Nichts Neues schaffen können. Nichts ist nicht ganz wahr. Ein bisschen was immer.
05:09Weil zum Beispiel 300.000, 350.000 Euro kriegt man zweckgebunden für Straßensanierung.
05:15Wenn man die nicht ausgibt, kriegt man sie auch nicht. Also wird man immer ein bisschen Straßen sanieren können.
05:21Muss man auch. Wir haben 36 Kilometer Gemeindestraßen. Und mit dem, was wir kriegen vom Land, können wir so 150
05:27Meter Straßen mit Nebenanlagen sanieren.
05:31Jetzt können wir kurz rechnen, ob das über 100 Jahre dauert, bis wir einmal durch sind oder nicht.
05:36Ich hoffe natürlich auf bessere Zeiten. In jede Richtung, wo du schaust, siehst du ein Lichtlein am Ende des Tunnels.
05:45Alleine ist es noch nicht da. Und bis dahin bitte ich euch alle um Verständnis dafür, dass wir einfach nur
05:53uns nach der Decke strecken können
05:56und miteinander versuchen müssen, das Beste zu tun.
05:59Und manche Ausgaben lassen sich nicht aufschieben. Direkt vor dem Saal mussten gerade drei Linden gefällt werden.
06:05Der heiße Sommer hat den alten Bäumen zugesetzt, obwohl der Außendienst Tag für Tag gegossen hat.
06:12Das möchte ich euch nicht vorenthalten, weil ihr braucht es auch nur daraus schauen.
06:16Ihr habt es gesehen, wir mussten drei Linden wegnehmen da draußen.
06:20Unser Außendienst ist in diesem enormen Hitzesommer nur mehr Giersten gefahren und hat versucht, den Baumbestand im öffentlichen Bereich zu
06:29retten.
06:30Der Siege hat mir ausgerechnet an manchen Tagen haben wir einen Swimmingpool voll vergossen.
06:35Das sind ungefähr 40.000 Liter pro Tag.
06:39Und trotzdem ist es so, dass einfach manche Bäume, vor allem die großen, die man nicht mehr gießen kann,
06:47weil sie von Kapillarwirkungen des Grundwassers abhängig sind, dann sterben.
06:52Weitere tote Großbäume werden folgen müssen, kündigt der Bürgermeister an.
06:57Nachgepflanzt wird zuerst im Ortszentrum, denn in 20 Jahren, sagt er, wird es noch heißer.
07:02Das wenige Geld für Straßen fließt in den nächsten Jahren vor allem in die Bahnstraße.
07:06Ihre Gehsteige und Nebenflächen sind 60 Jahre alt und älter.
07:10Unter dem Titel Klimafitte Bahnstraße können die Bürgerinnen und Bürger diesen Herbst mitreden.
07:16Geplant sind Wasserspeicher im Boden für neue Bäume, mehr grün und versickerungsfähige Parkflächen,
07:22umgesetzt in fünf Abschnitten, je nachdem, wie es die Finanzen erlauben.
07:26Innerstädtisch, weil...
07:27Es gibt aber auch gute Nachrichten und die kommen aus der Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden.
07:33Der Gemeindeverband für Umweltschutz im Bezirk Gensandorf setzt auf moderne Wertstoffsammelzentren.
07:39Wir kennen unsere Altstoffsammelzentren seit den 90er Jahren, wo wir uns über die Container drüber beugen müssen,
07:46dass wir irgendwas in den Sperrmüllcontainer reinbekommen oder die Kartons auferwerfen müssen
07:50oder auf Leitern steigen müssen.
07:53Und das nur alle zwei Wochen, einmal vier Stunden auf einen Samstagvormittag.
07:58Ein modernes Wertstoffsammelzentrum, wie zum Beispiel vom GVU schon in Reiersdorf errichtet
08:03oder am 4. November eröffnet in Grossenzersdorf.
08:08Wenn man Richtung Grasdorf fährt, beim Grasverkehr links, bevor du auf Grossenzersdorf reinfährst,
08:12dieses neue Gebäude, was dort entsteht, ist ein Wertstoffsammelzentrum, barrierefrei und hat an sechs Tagen der Woche offen.
08:20Zugang gibt es mit einer elektronischen Karte, die man beim Verband beantragen kann.
08:24Das neue Zentrum liegt knapp zehn Minuten mit dem Auto entfernt.
08:27Vielleicht, so die Hoffnung, bekommt die Region eines Tages ein solches Zentrum noch näher.
08:31Und schließlich das Thema Sicherheit.
08:34Zu guter Letzt kann ich mit Fug und Recht noch sagen, Leopoldstorf und Breitstetten sind sehr sichere Gemeinden.
08:41Wir haben nämlich unlängst bei einer bezirksweiten Blackout-Übung mitgemacht mit beiden Feuerwehren,
08:47wo 22 Gemeinden mit der Bezirkshauptmannschaft geprobt haben, was passiert, wenn es keinen Strom mehr gibt.
08:52Und wir haben das wirklich geprobt, ohne Handy und ohne Strom.
08:55Und ich muss sagen, wir haben nicht nur sehr viel dabei gelernt, wir sind auch sehr zufrieden,
09:00wie das in unserer Gemeinde abgelaufen ist.
09:01Und wenn wir die gelernten Maßnahmen jetzt umsetzen, wo unser Sicherheitsgemeinderat Siegenehmet dran sind,
09:08ist, werden wir so eine Krise gut miteinander meistern können.
09:15Und wir erwarten die Auszeichnung als Fünf-Sterne-Sicherheitsgemeinde des Niederösterreichischen Zivilschutzverbandes Ende November in Thulen.
09:26Dann ist die Rede vorbei und es geht an die eigentliche Arbeit des Abends.
09:30Ein ganzes Jahr wird geplant, Termin für Termin, von oben nach unten.
09:34Vielen herzlichen Dank, dass ihr mir zugehört habt und auf das es keine Kollisionen im Terminkalender gibt.
09:40Dankeschön.
09:45Konzerte, Bälle, Feste.
09:47Wer mit wem kollidiert, wird hier gleich am Tisch ausverhandelt.
09:50Danach gibt es Würstel und Gulasch und frisch gezapftes Bier.
09:53Auch wenn die Finanzen der Gemeinde angespannt sind.
09:56Der Kalender für das nächste Jahr, der ist voll.
09:58Musik
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