00:00Mit April 2027 fällt der Notarztstützpunkt in Groß-Enzersdorf, das hat das Land Niederösterreich im Rahmen des Gesundheitsplans 2040 Plus beschlossen.
00:11Damit bleibt im gesamten Bezirk Gensendorf mit über 110.000 Einwohnern und einer geografisch weitläufigen Struktur nur noch ein einziger Notarztwagen übrig.
00:21Ein Umstand, der bei vielen GemeindevertreterInnen für blankes Unverständnis sorgt.
00:25Denn mit dem Wegfall der Notärzte in Groß-Enzersdorf und Heimburg entstehen große Lücken in der Akutversorgung, gerade in den Randregionen.
00:35In Groß-Enzersdorf trafen sich Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivek und Clemens Nagel, Bürgermeister von Leopoldsdorf im Machfeld, zum Schulterschluss.
00:43Wir sind hier auf der Bezirkstelle Groß-Enzersdorf, stehen neben einem Notarztwagen und wenn die Sachen, die man so hört, stimmen, wird er bald nicht mehr ein Notarztwagen sein.
00:55Jetzt habe ich zwei Gemeindevertreter da, denen das überhaupt nicht taugt. Fangen wir mal bei dir an.
01:02Ja, also wir sind sehr enttäuscht, dass die Entscheidung so getroffen wurde, wie sie jetzt ist, dass man einfach die Bezirke untereinander nicht verglichen hat,
01:10dass man jeden Bezirk einfach gleich wertet und sagt, man nimmt hier einen Notarztstützpunkt weg.
01:15Und was mich an der ganzen Sache ganz massiv stört, dass wir als Vertreterinnen und Vertreter der Bürger nicht eingebunden waren in diese Gespräche.
01:21Wie sieht es bei dir aus?
01:24Ja, genau so. Wir haben hier in der Region Machfeld, hatten wir einen Notarzt.
01:31Es war ein zweiter in Gensendorf stationiert.
01:34Und der Bezirk Gensendorf hat mit seinen Einwohnern von 110.000 in den riesengroßen Bezirk bei einer Fläche von 1300 Quadratkilometern circa das auch absolut notwendig,
01:49wenn man bedenkt, dass man von Hohenau im Norden unseres Bezirkes bis nach Grossenzersdorf, wenn man vorschriftsgemäß fährt, in etwa eine Stunde mit dem Fahrzeug unterwegs ist,
02:01vielleicht sogar ein bisschen mehr als eine Stunde, dann ist der Bezirk Gensendorf unserer Meinung nach nicht eine Zahl,
02:11nämlich Bezirk, sondern sollte demografisch und geografisch berücksichtigt werden, dass es Bezirke gibt, die so ausschauen.
02:22Und noch dazu haben wir im Süden die Donau als Grenz und nur bei Heimburg eine Brücke.
02:27Und aus einem Bezirk Brug oder einem Nachbarbezirk im Süden ist es praktisch ausgeschlossen, dass da jetzt ein Notarztwagen einspringen könnte,
02:36wenn ihm Machfeld ein Notfall ist und der Notarztwagen aus Gensendorf im Norden des Bezirkes unterwegs ist.
02:44Weil wie soll er denn über die Donau kommen? Entweder steht er auf der Tangente im Stau oder er muss über Heimburg über die Donaubrücke fahren.
02:50Und beides ist keine Option.
02:52Ich bin der Letzte, der Bezirke gegeneinander ausspielen soll, oder ausspielen will,
02:58aber wenn man sagt pro Bezirk ein Notarztwagen und man schaut sich den Bezirk Horn an,
03:04der in seiner Form etwa kreisrund ist mit 30.000 Einwohnern und 20 Gemeinden und den Bezirk Gensendorf anschaut
03:12und ich sage es noch einmal, mit 44 Gemeinden und 110.000 Einwohnern in die Länge gezogen
03:17und von einer Seite zur anderen braucht man über eine Stunde auf der Straße,
03:21dann ist das Streichen eines Notarztwagens, das muss man so sagen,
03:27eine definitive Verschlechterung der Versorgungssicherheit,
03:31der medizinischen Notfallversorgungssicherheit der Menschen in diesem Bezirk
03:34und im Machfeld ganz besonders.
03:37Im Süden mit der Donau und die vielleicht noch markantere Grenze im Westen,
03:43wo zwei Landesgrenzen aufeinandertreffen.
03:46Und die medizinische Versorgung von Niederösterreich, von der medizinischen Versorgung in Wien,
03:51wie wir wissen, im Föderalismusland Österreich,
03:54nicht so länderübergreifend funktioniert, sondern halt einfach mit der Landesgrenze dazwischen.
04:02Und ich sehe uns da, so wie meine Bürgermeisterkollegin, die Monika, jetzt schon,
04:07in dem Zwickel da unten zwischen Donau, Landesgrenze und Staatsgrenze ein bisschen alleingelassen.
04:13Und möchte auch anmerken, dass sich das überhaupt nicht fair findet,
04:18dass die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister hier nicht eingebunden waren,
04:21im Entscheidungsprozess auch nur Stellung zu beziehen,
04:24sondern vor vollenderte Tatsachen gestellt werden.
04:26Jetzt ist etwas, meiner Meinung nach hat dieses System ja tatlos funktioniert.
04:30Also das heißt, es hat zwei Notarztwegen, es gibt sie noch, Gott sei Dank,
04:34und es hat wirklich ganz gut funktioniert.
04:37Ja, also grundsätzlich sind wir mit der Notarztversorgung,
04:40die hat sehr gut funktioniert, ja, Verbesserungen geht es immer.
04:44Wir sind ja schon lange auch auf der Thematik, dass wir sagen,
04:47ja, wir wissen, wir haben keine eigene spitalsmäßige Versorgung.
04:50Es gibt im Bezirk Gensandorf kein Spezial.
04:52Die Tagesklinik Gensandorf wurde geschlossen,
04:54wird durch ein Primärversorgungszentrum ersetzt.
04:56Die Spitäler rundherum haben auch Umstrukturierungsmaßnahmen.
05:00Das heißt, wir sind wirklich hier ein blinder Fleck auf der Landkarte, sage ich,
05:03wo es wirklich massiv schlechter wird in den Rahmenbedingungen, die wir jetzt haben.
05:08Ja, und das zeigen wir schon seit Jahren eigentlich auf.
05:11Wir sagen ja schon seit Jahren, dass im Sinne der Bevölkerung etwas getan werden muss,
05:16spitalsmäßig eine Kooperation, eine bessere mit Wien oder auch eine Vernetzung mit Wien.
05:20Auch wenn der Notarzt von Wien nach Großenzersdorf kommt oder nach Leopoldsdorf,
05:23auch das ist ein Thema, über das man natürlich reden kann.
05:26Also wir sind schon bereit, auch über dieses Thema zu sprechen, auch Ideen auf den Tisch zu legen.
05:31Und was für uns aber ganz, ganz wichtig ist, bevor man hier einen Notarzt wegnimmt,
05:35dann muss ein Ersatzsystem, wie auch immer das aussehen könnte, funktionieren
05:40und schon einmal im Betrieb gewesen sein, dass wir sehen, dass das auch gut funktioniert.
05:43Und das ist auch unsere Forderung, die wir haben.
05:48Dazu kann ich explizieren, in der Veröffentlichung vom Land Niederösterreich steht dezidiert drinnen,
05:55die Umstellung schon mit 2027 passieren.
05:59Als Kompensationsmaßnahmen wird vor allem der Ausbau der Flugrettung genannt,
06:04also spricht dem Hubschrauber.
06:06Da ist die Rede davon, dass er auch bei Nacht und Nebel fliegen kann,
06:09was ja jetzt nicht der Fall sein soll.
06:11Das heißt, man muss das Gerät technisch nachrüsten.
06:13Das glaube ich, dass man in zwei Jahren hinbekommt,
06:16wenn man die notwendigen Geldmittel dafür in die Hand nimmt.
06:20Allerdings weiß ich nicht, ob man in zwei Jahren die Menge an notwendiger Piloten
06:26und Bereitschaftspiloten auf die Beine stellen muss,
06:29weil die Hälfte vom Tag ist die Nacht.
06:32Und wenn man jetzt in der Nacht nicht fliegen hat können,
06:35braucht man nach Adam Riese mindestens doppelt so viele Piloten
06:38bei Urlaub und Krankenstand ein bisschen mehr wie doppelt so viel,
06:41wie man jetzt hat.
06:42Und weiß ich nicht, machen wir einen Wifi-Kurs,
06:45zwei Jahre Flugrettung mit dem Hubschrauber
06:47oder wie stellen wir uns vor, dass wir in zwei Jahren
06:50diese Menge an Piloten kompensiert haben,
06:54damit wir sicherstellen können,
06:56dass 2027 ein Flugrettungssystem den fehlenden Notarzt kompensieren kann.
07:02Hier auch wiederum unsere ganz klare Forderung,
07:06bitte das System so lange parallel aufrecht zu erhalten,
07:10bis sichergestellt werden kann, dass die Kompensationsmaßnahmen
07:14den Wegfall des Notarztstandortes valide und qualitativ ersetzen kann.
07:21Und wie gesagt, wie was ich jetzt schon gesagt habe,
07:23ich glaube einfach, dass es wichtig ist für die Bevölkerung zu wissen,
07:26einfach aus den psychologischen Gründen heraus zu wissen,
07:29ich habe einen Notarzt in meiner Nähe,
07:30einen Notarztwagen in meiner Nähe
07:32und ich glaube, das ist eine ganz wichtige Sache.
07:34Ja, medizinische Versorgung, speziell im Notfall,
07:36ist uns ganz, ganz wichtig als Bürgermeister
07:38hier für unsere Bevölkerung,
07:40dass Groß-Einsatzdorf und auch Leopold dafür wachsen.
07:42Wir sind eine stetig wachsende Region hier.
07:45Und da ist es natürlich ganz, ganz wichtig,
07:47dass man auf das schaut und dass man das auch forciert und auch weiter behält.
07:52Man muss ja auch, der Kollege hat gesagt,
07:54betreffend der Ausbildung der Piloten für die Hubschrauber.
07:58Es ist beim Sanitäter genau dasselbe.
08:00Man braucht viel mehr gut ausgebildete Rettungssanitäter,
08:03die im Notfall diese Rahmenbedingungen setzen können.
08:05Auch da eine Ausbildung, minimum zwei Jahre,
08:07wenn ich sage, der Notarzt hat, glaube ich, zehn Jahre von seiner Ausbildung
08:11und wie kann das so wirklich auch gut funktionieren?
08:14Also auch da haben wir ganz massive Bedenken.
08:16Gut, wir verstehen die Sparzwänge als Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker natürlich sehr,
08:24weil wir sind mittendrin im Staat Österreich, der sparen muss,
08:30im Land Niederösterreich, der sparen muss,
08:32wie alle Bundesländer und in unseren Gemeinden, die genauso sparen müssen.
08:36Wenn die Wirtschaft vier Jahre lang oder jetzt im vierten Jahr einfach schrumpft
08:40und auf der anderen Seite die Inflation nicht zu bremsen ist,
08:45das ist uns alles klar.
08:47Man muss Prozesse und Abläufe optimieren.
08:50Aber wenn man das macht, sollte man nicht alle gleich über einen Kamm scheren,
08:57sondern über eben, wie ich schon gesagt habe,
09:00Demografie und Geografie ein bisschen tiefer nachdenken.
09:04Und manchmal sind nicht alle Bezirke gleich und nicht alle Herausforderungen gleich zu lösen.
09:15Und hier, wie gesagt, unsere Bitte, bei allem Optimierungs- und Sparnotwendigkeiten,
09:23hier noch einmal nachzudenken, wie man wirklich den Menschen garantieren kann,
09:28dass ihre Notfallversorgung hier nicht eindeutig schlechter wird im Machfeld.
09:32Kannst du auch noch abschließend was sagen?
09:34Ja, ich glaube, es braucht einfach mehr Zeit und mehr Raum.
09:36Also 2027 ist eigentlich schon übermorgen, muss man ganz offen und ehrlich sagen.
09:40Und um all diese Maßnahmen, die der Clemens da gerade gesagt hat,
09:43natürlich auf den Boden zu bringen und auch ins Laufen zu bringen,
09:47dass man sieht, das funktioniert auch.
09:48Das braucht ja auch Fahrzeuge oder anderes Equipment, dass das kommen muss.
09:53Kann ich mir 2027 nicht vorstellen, vielleicht auch den Zeitpunkt schon einmal jetzt nach hinten zu verschieben
09:58und zu sagen, wir reden noch einmal drüber, wir schauen uns das noch einmal an,
10:01im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und versuchen halt hier ein wirklich gutes System
10:06für Notfallsversorgung auf die Beine zu stellen.
10:09Also Sparn ist wichtig und richtig, absolut keine Frage,
10:12aber nicht unbedingt bei unseren Braurechtorganisationen, weil das ist unser Leben.
10:16Genau. Absolut.
10:17Die medizinische Versorgung darf nicht zur Glückssache werden.
10:21Jetzt Petition unterschreiben.
10:22Bis zum nächsten Mal.
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