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Seit Kurzem läuft „Bruno – Der junge Kreisky“ in den österreichischen Kinos. Regisseur Harald Sicheritz erzählt darin die frühen Jahre eines Mannes, der Österreich prägen sollte. Der junge Bruno Kreisky stammt aus bürgerlichem Haus und findet trotzdem den Weg zur sozialistischen Jugend. In den 1930er-Jahren setzt er sich für die Demokratie ein, zu einer Zeit, in der das gefährlich ist. Er wird verfolgt, eingesperrt und muss schließlich ins Exil nach Schweden. Der Film zeigt einen Idealisten und Außenseiter, lange bevor er Staatsmann wurde.

Die SPÖ Donaustadt hat den Film zum Anlass für einen besonderen Abend im Cineplexx Donauzentrum genommen. Vor der Vorführung sprachen Gäste auf dem Podium über Mut, Haltung und die Wurzeln der Sozialdemokratie und darüber, was davon bis heute bleibt.
Transkript
00:00Seit kurzem läuft Bruno, der junge Kreisky, in den österreichischen Kinos.
00:06Regisseur Harald Sicheritz erzählt darin die frühen Jahre eines Mannes, der Österreich prägen sollte.
00:13Der junge Bruno Kreisky stammt aus bürgerlichem Haus und findet trotzdem den Weg zur sozialistischen Jugend.
00:20In den 1930er Jahren setzt er sich für die Demokratie ein, zu einer Zeit, in der das gefährlich ist.
00:27Er wird verfolgt, eingesperrt und muss schließlich ins Exil nach Schweden.
00:31Der Film zeigt einen Idealisten und Außenseiter, lange bevor er Staatsmann wurde.
00:38Die SPÖ Donaustadt hat den Film zum Anlass für einen besonderen Abend im Cineplex Donauzentrum genommen.
00:45Vor der Vorführung sprachen Gäste auf dem Podium über Mut, Haltung und die Wurzeln der Sozialdemokratie und darüber, was davon
00:54bis heute bleibt.
00:55Der renommierte Wiener Regisseur Harald Sicheritz hat einen Film für uns gemacht.
01:00Nicht nur für uns, für die Sozialdemokratinnen, sondern für alle.
01:06Einen Film über Bruno Kreisky, über eine der wohl bekanntesten und wichtigsten Persönlichkeiten der Zweiten Republik.
01:12Bruno Kreisky steht, und die Ära Kreisky als Ganzes, natürlich für eine komplette Demokratisierung Österreichs,
01:18für eine Modernisierung der Gesellschaft und für Chancengleichheit.
01:21Und das hat mich natürlich persönlich auch betroffen.
01:24Ich bin selbst ein Arbeiterinnenkind und ich hätte mit Sicherheit kein Gymnasium besucht
01:28und auch kein Studium abgeschlossen, wenn es nicht die Ära Kreisky gegeben hätte.
01:34Und wofür er auch steht, und das sehen wir dann in dem Film natürlich,
01:37ist, dass er sich immer ganz unabdinkbar für die Demokratie eingesetzt hat.
01:41Und das zu einer Zeit, nämlich in der Zwischenkriegszeit, wo das noch nicht gang und gegen und üblich war,
01:47wo sich die Demokratie noch nicht etabliert gehabt hat.
01:51Und man sieht, welche unglaubliche Stärke er und viele andere, auch junge Menschen in dieser Zeit gehabt haben.
01:56Es ist vielleicht paradox, aber für mich steht er für Schwarz-Weiß-Fernsehen.
02:01Ja, wir haben 1976 den ersten Fernseher zu Hause bekommen und da sind wir immer herumgerannt,
02:07haben die Antenne nachgebogen, damit das Flimmern aufhört und so.
02:11Das war am Land so.
02:13Ein schlechter Empfang damals beim Fernsehen.
02:15Dann die Diskussionen, Tausky, Kreisky, kann man erinnern, da ist die ganze Familie vor dem Fernseher gesessen.
02:21Ich war damals, ja, ein kleines Kind noch.
02:24Und für mich, und ich habe das gar nicht gewusst, dass ich Sozialdemokrat bin,
02:29das habe ich erst in Wien kennengelernt, in der Wiener Sozialdemokratie,
02:33aber für mich war Kreisky immer das Symbol.
02:36Ich habe eine freie Schulfahrt gehabt.
02:38Ich bin ja am Land aufgewachsen, acht Kilometer von der nächsten Stadt.
02:42Ich bin ja gratis in die Schule fahren.
02:44Ich war die erste Generation bei uns zu Hause, der einen Schulbus gehabt hat.
02:48Ich habe gratis Schulbücher bekommen.
02:50Ich habe gewusst, ich komme aus der Armut raus durch Bildung.
02:53Und das war das größte Versprechen, die Durchlässigkeit der Gesellschaft,
02:59so dass man, wenn man sich bildet, was leistet, einen Aufstieg möglich macht.
03:05Und dafür bin ich unheimlich dankbar.
03:07Diese Werte habe ich in mir getragen, ohne zu wissen, ein Sozialdemokrat zu sein.
03:12Das hat mir erst die Donaustadt gelehrt.
03:14Also ich will es nicht so redundant machen, aber natürlich, Bruno Kreisky hat auch mir ermöglicht,
03:21den ganzen beruflichen Weg.
03:23Ohne Kreisky zum Beispiel die Abschaffung der Aufnahmsprüfung im Gymnasium,
03:29die Gratisschulbücher, die Freifahrten.
03:32Ich hätte nie ins Gymnasium gehen können, keine Rede, auch nicht studieren, ohne Bruno Kreisky.
03:38Und ihr könnt euch vorstellen, was das für mich bedeutet hat,
03:42wie dann eines Tages, ich war da ungefähr ein Monat lang,
03:46Büroleiter von Fritz Marsch, vielleicht die Älteren könnten Marsch noch in Erinnerung haben,
03:53wie der sagt, bitte melde dich beim Bruno Kreisky, der möchte mit dir reden.
03:58Und da bin ich, wie man so sagt, mit einem Strich in der Hosen von der Löwe-Straußen ins Bundeskanzleramt
04:04gewankt.
04:06Die Margit Schmidt, die legendäre Sekretärin, hat mich hineingeschoben zu ihm
04:10und ich habe ihn per se angerettet.
04:11Also das war ein denkwürdiger Tag und war auch dann letztlich mein berufliches Schicksal.
04:18Ich durfte ja den Bruno Kreisky bis zu seinem Tod sozusagen begleiten,
04:23wie wir Herrn Dissern dann später noch erzählen.
04:25Und das Letzte, das ich für ihn tun durfte, auf Ersuchen seiner Familie,
04:30habe ich sein Begräbnis organisiert und ich werde nie vergessen,
04:37die Grabrede hat der Willy Brandt gehalten, ein besonderer Freund von ihm.
04:42Und die letzten Worte, Ruhe in Frieden, ein lieber, schwieriger und guter Freund.
04:50Ich erinnere mich, in den 70er Jahren ist meine Mutter zu meinem Vater gegangen und hat gesagt,
04:56du, erstens, ich will mir die Haare schneiden lassen, zweitens, ich möchte eine Hose tragen.
05:02Das war nicht üblich am Land.
05:05Also zurückzuschauen, es ist 50 Jahre her, so lange ist das nicht her,
05:09die Familiengesetze, die Familienreformen, die Kreisky auf den Weg gebracht hat,
05:14dass Frauen dann überhaupt ein Konto haben konnten,
05:17dass Frauen selbst entscheiden, ob sie arbeiten, ob sie lange Haare tragen oder kurze,
05:21ob sie eine Hose tragen.
05:22Es war bei mir am Land, es war wie verbönt, es war ganz schlimm,
05:28dass plötzlich Frauen mit Hosen gehen.
05:31So ist heute alles ganz normal, aber das erinnert mich an Bruno Kreisky,
05:36eben auch sozusagen aus der eigenen Geschichte.
05:39Und heute haben wir die gleiche Herausforderung.
05:41Wir müssen unser Energiesystem transformieren und da sehen wir ja massiv dahinter
05:45mit Windkraftwerken, Photovoltaik, Geothermie, Gratitonerstadt.
05:49Wir planen jetzt gerade das zweite Geothermie-Kraftwerk in der Donaustadt,
05:54wo wir die nächsten 20.000 bis 30.000 Haushalte mit nachhaltiger Wärme versorgen können.
05:59Und das muss man aber auch immer so hinbringen,
06:02dass man es mit der Bevölkerung gemeinsam hinbringt,
06:05weil wenn man Bürgerinitiativen dagegen hat, da wird man nichts gewinnen.
06:09Und deswegen muss es immer sozusagen im Einklang mit der Natur,
06:12mit dem Naturschutz, mit den Menschen und in die Zukunft schauend,
06:16neue Energiequellen anzapfend, gemacht werden.
06:20Und das tun wir.
06:21Das tun wir gleich wie Bruno Kreisky damals in Österreich
06:24vor einer riesen Energietransformation, die wir jetzt gerade durchgehen.
06:32Auf der einen Seite wird Hans Zettel vorgebracht,
06:35der damalige ÖGB-Chef, Benja, ist sehr für ihn.
06:37Und die Länder bringen Bruno Kreisky ein.
06:40Es gibt große Debatten und Kreisky wird dann gewählt mit 70 Prozent.
06:44Und ich glaube, was ich ihn da ausgemacht habe, ist,
06:46dass er ein großer Kommunikator war, dass es geschafft hat, die Partei auch zu einen.
06:52Also er hat, nehmen wir das Beispiel Benja, Benja war gegen ihn, was macht er?
06:58Er bindet ihn immer in seine Konzepte mit ein.
07:00Als er in der Regierung ist, gibt es jeden Montag einen Schuh fix mit Benja,
07:04um mit ihm zu besprechen, wie sind die nächsten, sozusagen, Benja, was hat man vor?
07:09Er hat die Größe, Menschen in sein Team zu holen, die nicht seine Freunde sind,
07:13aber wo er sagt, die sind die Besten.
07:14Ein Christian Bruder zum Beispiel.
07:16Er sagt, ist nicht mein Freund, aber das ist der beste Justizminister,
07:19und deswegen hole ich ihn.
07:20Also solche Dinge hat er zum Beispiel gemacht.
07:24Man holt sich Experten, man sagt, wo stehen wir, das braucht es in diesem Land.
07:29Da ist ein Reformstau, der unglaublich ist.
07:32Man hat Leute an der Hand, die man zusammenbringt.
07:35Man sagt ganz klar, was man vorhat.
07:37Die Leute spüren auch, dass das sich selbst betrifft.
07:40Also man sieht diese ganz großen Reformen von der Strafrechtsreform,
07:43die Familienrechtsreform, also die Gleichstellung der Frauen,
07:47die Freistellung der Homosexualität.
07:49Aber auch im Bereich Arbeitsrecht, Sozialrecht.
07:52Denken wir ins Gesundheitsministerium, also sozusagen der Mutter-Kind-Pass.
07:55Die Kinder, die Säugungssterblichkeit geht massiv zurück in Österreich.
07:59Und natürlich auch die Bildung.
08:01Und was er auch macht, er sagt, was sind Themenbereiche,
08:05die uns alle in Österreich betreffen,
08:07und wovon profitieren Menschen,
08:09die vielleicht jetzt nicht der Sozialdemokratie nahestehen.
08:12Wenn wir wiederum das Thema Bildung nehmen,
08:14da sagt er, jedes Kind in Österreich, ganz egal, wo es zu Hause ist,
08:17muss in 30 Minuten eine Schule erreichen können,
08:20eine höhere Schule.
08:21Das betrifft auch Kinder von Bergbauern.
08:25Also da gibt es ganz viele Bereiche, wo die Leute sagen,
08:27das finde ich gut, da bin ich mit dabei.
08:30Es ist auch dabei ein unglaublich kluges Medienkonzept,
08:33der ist ja auch sehr medienaffin.
08:35Das kann man sich heute vielleicht nicht vorstellen,
08:37weil ich so langsam rede.
08:38Da war im Vergleich zu den ÖVPler wahnsinnig.
08:40Er führt das Pressefoyer ein,
08:42am Dienstag nach dem Regierungstreffen,
08:45wo die Journalistin in der Rede und Antwort steht.
08:48Er steht im Telefonbuch.
08:50Das wäre heute unmöglich.
08:51Also die Leute können mich selbst kontaktieren.
08:56Ich möchte anknüpfen an dem, was du gesagt hast,
09:01der Telefon.
09:02Ich war auch für Sicherheitspolitik zuständig,
09:06war Miletsprecher,
09:07und mein ÖVP-Pondant hieß Michael Ikrat,
09:11Gründungsmitglied der JESS.
09:13Der hat mir folgende Geschichte erzählt.
09:15Die sind nach einer durchzechten Nacht,
09:18haben sie champanisiert,
09:19wie das heute für diese Jungkonservativen gehört,
09:22nach Hause gegangen
09:24und kamen bei einer Telefonzelle vorbei
09:27und der eine hat gemeint,
09:28zu den Lügen der Sozis gehört,
09:30dass der Kreisky im Telefonbuch steht.
09:33Als sie in sie rein haben,
09:34haben sie das Telefonbuch aufgeschlagen
09:35und es stand Bruno Kreisky.
09:37Und dort ist der nächste Schmäh.
09:40Und Schilling, das gab es damals noch,
09:42reingeworfen in den Apparat
09:45und es war nur früh um fünf,
09:48Bruno Kreisky war am Telefon.
09:51Also jedenfalls,
09:52Kreisky nach einer Schrecksekunde
09:54hat er gesagt,
09:56ob die jungen Herrschaften
09:57nicht frühstücken kommen wollen.
09:59Also sind sie mit zwei Taxis rausgefahren
10:01zum Kreisky.
10:03Er hatte eine Küche,
10:04die Paula Bömin,
10:05die gut gekocht hat,
10:06hat Frühstück gemacht
10:08für die jungen Hessler.
10:10Und so um zehn vor dem Tag,
10:11ich erzähle das nur,
10:13damit man ein Gefühl hat,
10:14wie er auch sein konnte.
10:16Bis um zehn hat er sich mit denen unterhalten
10:18und hat gesagt,
10:19die jungen Herrschaften müssen
10:20Verständnis haben,
10:21aber er muss auch mal wieder arbeiten gehen
10:23und er muss ins Bundeskanzleramt.
10:25Und der Ikat hat mir gesagt,
10:27er hat große Probleme gehabt,
10:28dass seine Kommilitonen
10:29nicht der SPÖ beitreten.
10:35Also er hat das wirklich ernst gemeint,
10:40gemeint Politik für die Menschen.
10:43Und für ihn,
10:44und ihr werdet es das im Film sehen,
10:47war die Partei das Leben.
10:49Wie Kreisky ausgeschieden ist,
10:51hat er ein Adlerzitat verwendet
10:53und hat gesagt,
10:55die Partei gab mir Sinn
10:56und Inhalt im Leben.
10:59Das heißt,
11:01für ihn ist die Partei
11:02an erster Stelle gestanden
11:05und die Menschen,
11:07für die er arbeiten kann.
11:08Und zwar nicht nur
11:10die Menschen in der Partei,
11:12sondern,
11:12wie er das,
11:13wie du das ausgeführt hast,
11:15durch sein Reformwerk
11:16für alle Österreicher.
11:18Und vielleicht gebe ich noch mit,
11:20der Slogan,
11:21mit dem der Kreisky
11:22die Absolute erreicht hat,
11:24war ein Slogan
11:26aus der Mitte
11:26der Gesellschaft.
11:28Etwas,
11:28was wir verlernt haben
11:30in der Politik,
11:31nämlich Leistung,
11:33Aufstieg,
11:33Sicherheit.
11:34Ich bin zutiefst überzeugt,
11:36wenn man diese Werte
11:37heute noch
11:40sozialdemokratisch besetzt,
11:41stehen wir nicht
11:42bei 15%.
11:46Und was ist möglich?
11:48Und weil du das erzählt hast
11:49von Benja,
11:50also mir hat einmal
11:51der Starebacher,
11:52der alte Peppi-Pepi,
11:53erzählt,
11:55er war ein Gegner
11:56vom Kreisky.
11:57Eines Tages,
11:59nachdem die Wahl gewonnen wurde,
12:01ruf der Kreisky,
12:02und er sagt,
12:03ich möchte,
12:04dass du mein Handelsminister wirst.
12:06Er sagt,
12:06aber Bruno,
12:07du weißt,
12:07ich bin nicht dein Freund.
12:08Er sagt,
12:09genau deswegen.
12:11Und ich glaube,
12:12wenn man so Politik macht,
12:14dass man mit seiner Souveränität,
12:18und die hat er gehabt,
12:19breit einbindet,
12:21was die Partei ist,
12:22und nicht nur ein Segment,
12:25dann kann man Menschen ansprechen,
12:27dann kann man Reformen machen,
12:28dann kann man Mehrheiten gewinnen.
12:30Ich würde mir das wieder wünschen.
12:31Die Herausforderung
12:32für die Bundespartei,
12:34dass man sozusagen
12:36diese unterschiedlichen Strömungen
12:38mitnimmt,
12:38wenn man eine Volkspartei sein will.
12:41Wenn man das Leben des Brian
12:43nachspielen will,
12:45die jüdische Befreiungsfront,
12:46die Befreiungsfront von Judäa,
12:48sozusagen eine Splittergruppe
12:50gegen die andere,
12:51dann wird man zugrunde gehen
12:52und wird man zur Sekte werden.
12:54Also breit aufstellen,
12:56auf jeden Fall,
12:57diskutieren, streiten auch,
12:59und reiben,
12:59nicht mehr,
13:00aber durch Reibung
13:00entsteht Energie, Wärme,
13:02das ist gut,
13:03und neue Ideen.
13:04Ich glaube,
13:05nur so werden wir
13:06in die Zukunft gehen können,
13:10in der Zwischenkriegszeit,
13:11im Exil und so weiter,
13:13aber ich glaube,
13:14was ihn so ausmacht,
13:16ist,
13:17und weil er heute noch
13:18so diese Nachwirkung hat,
13:20ist,
13:20dass Österreich
13:21nicht so ausschauen würde,
13:22wie es jetzt ausschaut,
13:23wenn es nicht die Ära Kreisky
13:24gegeben hätte.
13:26Da sind viele Dinge passiert,
13:27die werden nie passiert.
13:28Ein Beispiel wäre
13:29die Fristenlösung.
13:31ÖVP und FP
13:32waren massiv dagegen,
13:33und es gibt heute
13:34auch noch Kräfte,
13:34die das wieder zurückdrehen wollen,
13:36gerade auch aus diesen Parteien,
13:37man sollte da nicht naiv sein,
13:40das gibt es sehr wohl,
13:42und das betrifft uns alle,
13:44und auch Leute,
13:45die sich gar nicht mehr
13:45daran erinnern.
13:46Und ich sage oft,
13:47jungen Menschen,
13:48es ist nicht selbstverständlich,
13:50und es ist nicht so lange her.
13:52Und es kann auch wieder
13:54partiell rückgängig gemacht werden,
13:56oder ganz rückgängig gemacht werden.
13:58Also das sollte man nicht vergessen.
13:59Einige nicht einmal alle,
14:01um das einmal wieder bewusst zu machen.
14:03Und das heißt,
14:04man hat sich hingesetzt,
14:05man hat gesagt,
14:05was steht an,
14:07was wäre jetzt zu tun,
14:08holen wir uns gescheite Köpfe zusammen,
14:10die miteinander sozusagen
14:11das auch umsetzen können,
14:13und dann kommunizieren wir es auch so,
14:15dass die Leute verstehen,
14:16was hat es mit mir persönlich zu tun.
14:18Das ist ganz wichtig,
14:19auf der Ebene runterzubrechen,
14:21und zu sagen,
14:21es betrifft dich übrigens auch.
14:23Und dann kann man es auch verstehen
14:24und nachvollziehen.
14:25Ich glaube,
14:26es klingt so einfach,
14:27und trotzdem ist es so kompliziert,
14:29offensichtlich,
14:30aber man kann das sehr wohl tun,
14:32und das konnte er,
14:34das hat auch die Sozialdemokratie
14:36wunderbar damals gekonnt,
14:37und daran kann man ansetzen.
14:39Das ist ein gutes Vorbild,
14:40das muss man auf die heutige Zeit umsetzen,
14:42aber es ist nicht unmöglich.
14:43Das Credo von Bruno Kreisky
14:46war ja Vollbeschäftigung,
14:49alle Menschen in Arbeit halten,
14:51weil seine These war nicht nur,
14:53dass es bedeutet,
14:55soziale Stabilität, Sicherheit,
14:58Perspektive für die Zukunft,
15:00Absicherung des Sozialstaates.
15:02Wir haben das,
15:04ich war dabei,
15:06dem damaligen Kommissionspräsidenten
15:09Delors präsentiert,
15:11das war ein sehr ergreifender Moment,
15:15weil der Delors hat gesagt,
15:17Bruno,
15:18Vollbeschäftigung ist das oberste Ziel der EU,
15:21also ganz so schaut es nicht aus,
15:24wenn ich mir das aktuell anschaue,
15:26und das Traurige ist,
15:28dieses Werk bildet zu etwa 80% Wortident,
15:33das EU-Weißbuch für Arbeit,
15:36spannend zu sehen,
15:37wie Bruno Kreisky da agierte.
15:39Und das ein ganz kurz noch,
15:41Kreisky hat auch einen Riesenbeitrag
15:44zur Identität unseres Landes geleistet,
15:48nämlich durch seine aktive
15:50Außen- und Neutralitätspolitik.
15:53Er hat,
15:53und ich habe begonnen mit einem Zitat
15:56von Willy Brandt,
15:58noch Willy Brandt,
16:02er hat gesagt,
16:04er war sicherlich größer als sein Land.
16:07Ich glaube,
16:08das war,
16:08das ist das Aare-Vermächtnis
16:10des Bruno Kreisky.
16:12Ja,
16:13für mich sind jetzt zwei Gedanken gekommen,
16:15wie du sagst,
16:16Arbeitsmarktpolitik,
16:17ich habe in meinem Büro
16:18den Spruch hängen,
16:20Arbeitslosigkeit führt nicht zur Revolution,
16:22sondern zur Resignation
16:24und zum Faschismus,
16:26Maria Yehuda.
16:27Und das ist es,
16:29die war da dabei,
16:30klar.
16:31Und das ist sicher so,
16:34ihr seht das auch,
16:35dass diese soziale Veredentlichung,
16:38wenn man arbeitslos ist über viele Jahre,
16:41dass das auch seelisch was macht.
16:42Also auch das kann man von Kreisky
16:44wieder herholen und modernisieren,
16:46finde ich.
16:46Und was mir als Psychologe besonders wichtig ist,
16:50war die Psychiatriereform,
16:52die Bruno Kreisky im Broder auch
16:54um die Justizreform gemacht hat.
16:57Weil ich glaube,
16:58wir sind heute wieder an einem Punkt,
17:01dass wir dieses,
17:02die psychologische Betreuung,
17:04die Psychiatrie,
17:05dass wir das reformieren müssen,
17:07weil wir haben riesige Probleme
17:08mit Kindern und Jugendlichen,
17:10denn das psychisch ganz,
17:12ganz schlecht geht.
17:13Und unsere Systeme
17:14funktionieren nicht mehr
17:16für diese Gruppe.
17:17Und da müssen wir,
17:18da brauchen wir
17:18unbedingt einen Reformschub
17:20und neue Angebote,
17:22damit wir diese Kinder,
17:23unsere Kinder,
17:25unsere nächste Generation
17:26mitnehmen können und stützen.
17:28Das wäre mir das größte Anliegen.
17:31Herzlichen Dank für dein Kommen.
17:33Danke sehr.
17:34Danke sehr.
17:37Und vielleicht eine Botschaft,
17:40liebe Freunde und Freundinnen
17:41hier in diesem Kinosaal.
17:43Stehen wir immer auf,
17:45wenn wir Ungerechtigkeit sehen.
17:47Stehen wir auf,
17:48machen wir den Mund auf,
17:49schweigen nicht,
17:50schauen nicht weg,
17:52denn das wird unsere Demokratie zerstören,
17:55wenn wir nicht hinschauen.
17:57Reden wir miteinander,
17:58reden wir mit den Nachbarn,
18:00schreiben nicht WhatsApp
18:00und auf Facebook,
18:02sondern reden wir analog
18:03mit unseren Nachbarn,
18:05auch mit unseren Feinden,
18:06wie du es so schön dargestellt hast,
18:08also mit unseren Gegnern.
18:09Reden, reden, reden, glaube ich,
18:11und aufstehen,
18:12wo Ungerechtigkeit ist.
18:14Danke sehr.
18:15Ich wünsche euch
18:16einen schönen Filmabend,
18:18Freundschaft
18:18und damit sagen,
18:20Film ab!
18:25Filmabend

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