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SpaßTranskript
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00:39Musik
01:09Musik
01:50Anna, was ist los? Ich bin auf dem Weg in den Kindergarten.
01:51Ich, ich, ich, ich.
01:55Was ich verstehe, ich gehe es dir nicht gut?
01:56Ich, ich, ich wurde vergiftet.
02:02Musik
02:07Anna?
02:12Hey Anna, was ist bei dir los? Anna?
02:16Musik
02:22Moin.
02:23Moin.
02:24Aber vorhin haben wir nur etwas von einem Verkehrsunfall gehört.
02:26Ja, das Opfer heißt Dr. Anna Strohk, ist 39 Jahre alt, Chefärztin der Chirurgie hier im Klinikum Lübeck.
02:32Die Notärztin versucht sie wieder zu beleben.
02:35Laut Zeugenaussagen ist sie wohl schwankend auf die Straße gelaufen, wurde dann angefahren.
02:39Wir haben auch mittlerweile die Aussage ihres Mannes, er hat unmittelbar vor dem Unfall mit ihr telefoniert.
02:43Das heißt also, ihr Mann weiß Bescheid?
02:46Ja, und er glaubt, ihre letzten Worte waren, ich wurde vergiftet.
02:51Die Notärztin konnte sie zurückholen, aber sie muss dringend operiert werden, multiple Knochenbrüche.
02:56Aber wirklich lebensbedrohlich sind die inneren Blutungen.
02:58Hast du denn Erkenntnisse, ob sie unter dem Einfluss irgendwelcher Substanzen stand?
03:02Eine genaue Untersuchung war während der Reanimation natürlich nicht möglich.
03:05Aber nachdem sie zumindest für den Moment stabil war, habe ich einen Wischtest durchgeführt.
03:10Einen Drogenschnelltest?
03:11Genau, dabei zieht man den Teststreifen durch die schweißige Haut.
03:14Strahl.
03:15Aber das wisst ihr ja selbst.
03:16Und was ist das Ergebnis?
03:18Positiv auf Benzodiazepin.
03:20Das sind die meisten Beruhigungsmittel.
03:22In den starken und Verschreibungspflichtigen.
03:26Das bedeutet, sie hat offenbar unter dem Einfluss dieser starken Beruhigungsmittel die Kontrolle verloren.
03:31und ist hier auf die Straße geschwangen.
03:35So sieht's im Moment aus.
03:36Also wenn sie das Medikament nicht selber eingenommen hat, dann haben es sie mit einem Mordversuch zu tun.
03:48Danke, Strahl.
03:49Okay, gut, danke.
03:50Gern geschehen.
03:53Also das Beruhigungsmittel war auch in der Trinkflasche.
03:55Der Schnelltest war ebenfalls positiv.
03:57Wissen wir denn, von wo die Frau kam?
04:00Also nach jetzigem Stand war sie auf dem Weg nach Hause.
04:02Sie kam direkt vom Klinikum.
04:03Ja.
04:04Und da gibt's jedem mit dem Personal, das überschreibungspflichtigen Substanzen Zugang hat.
04:07Das ist richtig.
04:09Danke, Nina.
04:10Dankeschön.
04:18Das ist ja eher ungewöhnlich.
04:21Was?
04:22Na hier, das Opfer, Professor Doktor Anna Struck, ist 39 und schon seit zwei Jahren Chefärztin der chirurgischen Klinik.
04:30Ein paar eindrücken die Karriere.
04:32Ja, damit gehört sie deutschlandweit zu den Ausnahmen.
04:3495 Prozent aller chirurgischen Chefärzte sind Männer.
04:37Aber vielleicht hat sich Anna Struck durch ihren steilen Aufstieg nicht nur Freunde gemacht.
04:50Ja, und danke, dass Sie sich trotzdem die Zeit nehmen.
04:54Ich hab uns bei Doktor Lietke angemeldet, Oberarzt der Chirurgie.
04:57Der ist zwar im Stress, aber er ist bereit, uns ein paar Fragen zu beantworten.
05:01Gut.
05:11Moin.
05:12Moin.
05:17Doktor Lietke?
05:19Wir haben gerade telefoniert.
05:21Anna wird gerade für den OP vorbereitet.
05:23Ich kann es immer noch nicht fassen, was genau ist denn passiert.
05:25Frau Doktor Struck stand unter dem Einfluss eines starken Beruhigungsmittels.
05:29Wissen Sie, ob sie so ein Mittel einnimmt?
05:31Kann ich mir nicht vorstellen.
05:32Wie würden Sie Frau Doktor Struck charakterisieren?
05:35Verzeihung.
05:36Ich bin in Gedanken schon im OP.
05:38Was ist Ihre Chefärztin für ein Mensch?
05:40Anna.
05:41Sie ist perfekt.
05:43Zumindest nahe dran.
05:45Extrem klug, loyal, aber auch fordernd.
05:47Sie hat unsere Transplantationsabteilung auf ein ganz neues Level gehoben.
05:50Entschuldigung.
05:52Ich hab gehört, du willst Anna operieren?
05:54Also bitte versteh mich nicht falsch, aber ich weiß nicht so recht.
05:56Als Chirurg werde ich eher selten in Frage gestellt.
06:00Ivo Lübeck, in England mein Name.
06:02Das ist der Kollege Kiesewetter.
06:04Wer sind Sie?
06:05Ich bin hier wohl Struck-Hannersmann.
06:06Können wir uns kurz unterhalten, Herr Struck?
06:09Ja?
06:12Herr Struck, wir wissen, dass das ja eine Ausnahmesituation ist.
06:18Sie stehen durch Schock.
06:21Aber könnten Sie uns trotzdem ein paar Fragen beantworten?
06:23Entschuldigung, ich kann grad überhaupt nicht klar denken.
06:25Ja, das ist ja verständlich.
06:28Können Sie sich an das letzte Telefonat mit Ihrer Frau erinnern?
06:33Anna klang total verwaschen.
06:35Aber das letzte, was ich verstanden hab, war, ich wurde vergiftet.
06:40Da sind Sie sicher?
06:42Ja.
06:43Und dann kam schon dieses schreckliche Geräusch, dieser Aufprall.
06:48Hat Ihre Frau Feinde?
06:52Feinde?
06:54Feinde, das klingt so hart, aber...
06:58Anna ist Chefärztin.
07:00Sie hat Personalverantwortung und da kann sie es nicht jedem recht machen.
07:03Wir hatten gerade den Eindruck, dass Sie Dr. Liedtke gegenüber Vorbehalte haben.
07:09Hat er Probleme mit Ihrer Frau?
07:11Wahrscheinlich ist das alles im Quatsch.
07:13Für unsere Ermittlungen könnte jeder Quatsch wichtig sein.
07:16Hat Ihre Frau und Dr. Liedtke einen Konflikt?
07:19Ich weiß nicht genau, Frederik hat gestern Abend bei Anna angerufen.
07:22Ich war beim Gespräch nicht dabei, aber es wurde laut.
07:25Und die beiden haben gestritten?
07:26Ja.
07:28Wissen Sie worüber?
07:29Ich hab nur was von einer Kündigung gehört.
07:31Ihre Frau wollte Dr. Liedtke kündigen.
07:34Kann sein, ich hatte noch keine Gelegenheit mit ihr darüber zu sprechen.
07:38Darf ich jetzt wieder zu ihr?
07:40Ja, sicher.
07:51Was passiert denn jetzt?
07:52Sie muss in den OP.
07:56Dr. Liedtke, Sie hatten gestern Streit mit Anna Struck?
07:58Ja, wir waren nur unterschiedlicher Meinung.
08:01Hören Sie?
08:01In Anbelangt der Umstände müssen wir da schon ein bisschen genauer wissen.
08:04Anna, halt durch. Ich bin bei dir.
08:10Worum ging es in Ihrem Streit?
08:11Wir können uns über alles unterhalten, nach der OP.
08:14Für Anna geht es jetzt um jede Sekunde.
08:15Dr. Liedtke.
08:16Ich bin in meinem Team der beste Viszeralchirurg.
08:18Bis aus einer anderen Klinik ein gleichwertiger Ersatz hier ist, wird es für Anna zu spät sein.
08:21Ja.
08:23Danke.
08:28Danke.
08:31Also, Anna Struck fährt jeden Tag die 20 Kilometer zum Klinikum mit dem Rad.
08:35Ja, ist ja Ausgleichssport.
08:37Vorher mischt sie sich zu Hause einen isotonischen Drink und den lässt sie laut ihrem Mann am Rad.
08:42Ja, dann ist das Beruhigungsmittel auch hier zugeführt worden.
08:46Ach, schau mal, Fahrradstellplatz.
08:50Entschuldigung.
08:54Ist die Tür eigentlich hier immer abgeschlossen?
08:56Immer, ja.
08:58Danke.
08:58Ja.
09:04Also, wenn die Drogen hier beigemischt wurden, dann nur von jemandem, der wusste, dass sie die Trinkflasche den ganzen Tag
09:09am Fahrrad lässt.
09:11Ja, und jemand, der einen Schlüssel hat. Das spricht dafür, dass der oder die Täterin hier angestellt ist.
09:20Guck mal.
09:21Nicht jeder, der Fahrrad fährt, lebt gesund.
09:23Ja, kann man wohl sagen.
09:34Was eigentlich jemand verloren, der Kinder hat.
09:46Professorin Dr. Anna Struck, Chefin der Chirurgie mit bundesweitem Ruf, spezialisiert auf Lebertransplantation, verheiratet mit Ivo Struck, Programmierer, derzeit in
09:56Elternzeit mit der gemeinsamen Tochter.
09:57Das Rennrad von Anna Struck mit ihrer Trinkflasche daran stand während der gesamten Dienstzeit in einem abgeschlossenen Bereich.
10:05Wir gehen momentan davon aus, dass die Tatperson wahrscheinlich im Klinikum arbeitet.
10:09Es gibt allerdings über tausend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
10:13Aber wir konzentrieren uns momentan auf ihn, Dr. Frederik Liedtke. Und er hat logischerweise auch Zugang zu verschreibungspflichtigen Betäubungsmitteln.
10:21Okay, aber hat er auch ein Motiv?
10:23Ivo Struck hat ein Streitgespräch mitbekommen zwischen seiner Ehefrau und Dr. Liedtke. Eventuell wollte sie ihm sogar kündigen.
10:30Okay, und um das zu verhindern, vergiftet er sie?
10:34Denkbar.
10:34Und momentan operiert er sein mögliches Opfer?
10:38Naja, was sollten wir tun? Das müssen wir riskieren.
10:42Er wird sie ja nicht vor dem gesamten OP-Team töten.
10:46Ich kann nur hoffen, dass wir mit unserem Verdacht bei Liedtke falsch liegen.
10:49Keine schöne Vorstellung, dass wir unserem Hauptverdächtigen erlaubt haben, mit dem Skalpell auf sein mögliches Opfer loszugehen.
10:56Wir haben mit der Klinik telefoniert. Zwei Sachen.
10:59Die OP?
11:00Ist durch. Anna Struck lebt, ist aber noch nicht über den Berg.
11:04Außerdem haben wir mit der Personalverwaltung gesprochen.
11:06Also von der angestrebten Kündigung von Liedtke ist da wirklich überhaupt nichts bekannt.
11:11Ganz im Gegenteil, die haben nochmal seinen hervorragenden Ruf als Chirurg unterstrichen.
11:14Patienten kommen aus ganz Deutschland nur wegen ihm in die Klinik.
11:18Aber wir haben da mal ein bisschen nachgebohrt und dann haben sie einräumen müssen,
11:22und dass durchaus Beschwerden gegen ihren Top-Arzt vorliegen und zwar ziemlich heftige.
11:26Und wer hat sich beschwert und warum?
11:28Sowohl OP-Personal als auch Patienten.
11:30Unter Druck scheint Liedtke ganz gern mal die Fassung zu verlieren und ausfällig zu werden.
11:33Ein OP-Pfleger, der ihm nicht schnell genug die Instrumente gereicht hat,
11:37hat seinen entzündeten Blindgaben entgegengeschmissen.
11:39Was? Das ist echt ernst, oder?
11:41Allein das wäre für mich schon Kündigungsgrund.
11:43Ja, definitiv.
11:45Er war auf unseren Fall bezogen.
11:46Worauf willst du hinaus?
11:47Naja, Liedtke flippt offenbar im Stress aus, also der handelt impulsiv.
11:52Aber Anna Struck wurde ja nicht im Streit erschlagen.
11:54Wurde vergiftet mit dem Ziel, eventuell tödlich zu verunglücken.
11:57Das ist richtig.
11:59Allerdings Liedtke ist ein erfolgreicher Chirurg.
12:01Kann also durchaus auch geplant vorgehen.
12:04Stimmt.
12:10Ich fühl mich hier wie ein Verbrecher.
12:12Was bildest du denn nur ein?
12:13Deswegen hab ich auch gesagt, ich fühl mich so, nicht? Ich bin ein Verbrecher.
12:19Entschuldigung, ich bin ein bisschen durch den Wind.
12:21Schon gut, ich wollte nur sagen, dass du nichts zu befürchten hast.
12:25Sag das denen.
12:27Oh, aus England mein Name, das ist der Kollege Kiesewetter.
12:31Sonja Liedtke.
12:32Also ich hab großes Verständnis für Ihre Arbeit.
12:34Aber mein Mann hatte bis heute früh 24 Stunden Dienst und dann noch diese komplizierte OP.
12:39Er ist wirklich mitgenommen.
12:40Meine Frau versucht mich nur zu schützen.
12:43Ich bin selber Ärztin. Ich weiß, wie hoch die Belastung in der Klinik ist.
12:46Ach, Sie arbeiten auch in dem Klinikum?
12:47Ich hab meine eigene Praxis mit Traveminde.
12:50Gut, also wir versuchen auf Ihre Konstitution Rücksicht zu nehmen.
12:53Kommen Sie bitte.
12:54Könnte ich mich kurz...
12:55Sie müssen bitte draußen warten.
12:57Könnte ich mich kurz frisch machen?
12:58Ja, sicher. Da hinten links.
13:00Danke.
13:01Wir warten auf Sie.
13:11Anna hat durch den Unfall eine Milz- und Leberruptur erlitten.
13:14Zwei Liter freie Flüssigkeit im Bauchraum, also Blut.
13:16Wir konnten sie zwar wieder auftransfundieren, aber ich musste schnell sein.
13:19Verdammt schnell.
13:19Herr Liedtke, sofort.
13:20Einen Teil der Leber konnten wir nicht retten, aber die Restleber ist in einem kadellosen Zustand.
13:25Herr Liedtke, uns interessiert, warum Anna Struck Ihnen kündigen wollte.
13:29Sie?
13:30Mir?
13:30Ja.
13:32Ich hab eine Menge Beschwerden gegen Sie.
13:34Ich bin Facharzt für Viszeralchirurgie.
13:36Und das gibt Ihnen das Recht, Ihren OP-Pfleger mit einem Blinddarm zu gewerfen?
13:40Ist das Ihre Vorstellung von SESA-Polizeiarbeit?
13:43Hier im Dreck zu wühlen?
13:44Herr Liedtke!
13:45Ich möchte diesen Mist zu konfrontieren.
13:48Dieser Mist ist leider passiert.
13:50Im Stress.
13:52Ich arbeite viel.
13:53Deswegen hab ich ja auch mit Anna telefoniert.
13:57Wo es zum Streit kam.
13:58Ich dachte, ich bräuchte eine Auszeit.
14:01Moment heißt das, Sie wollten kündigen.
14:05Schichtdienst, der Schlafentzug.
14:06Ich muss mal ein bisschen runterkommen.
14:09Runterkommen?
14:10Und Anna Struck hatte für Ihre Bedürfnisse kein Verständnis?
14:13Ja, nicht.
14:15In unserer Welt zeigt man keine Schwäche.
14:17Sie sind also das Opfer des Systems.
14:20Ihre Chefin wurde mit einem verschreibungspflichtigen Beruhigungsmittel vergiftet,
14:24zu dem Sie als Arzt ganz einfach Zugang haben.
14:27Was?
14:28Herr Liedtke, wir glauben nicht, dass Sie kündigen wollten.
14:32Wir denken, dass es eher umgekehrt war.
14:34Anna Struck wollte Sie loswerden, weil Sie für die Abteilung untragbar wurden.
14:38Nein, nein, nein.
14:38Ich...
14:39Herr Liedtke?
14:49Herr Liedtke?
14:52Herr Liedtke?
15:00Herr Liedtke?
15:03Herr Liedtke?
15:04Was ist passiert?
15:06Der hat den Kreislaufkollaps.
15:07Seine Frau konnte ihn stabilisieren.
15:09Die ist ja auch Ärztin.
15:10Er erholt sich gerade in der Zelle.
15:12Obwohl er noch nicht gestanden hat?
15:13Das ist die einzige Liege, die wir haben.
15:15Außerdem steht ja die Tür offen.
15:17Sein Zusammenbruch lag nicht nur an zu viel Arbeit, sondern auch an zu viel von dem hier.
15:21Es ist das, was ich vermute?
15:23Herr Liedtke?
15:24Ich hab's testen lassen.
15:26Kokain.
15:32Wie geht's Ihnen?
15:35Schon wieder ganz gut.
15:36Er ist nicht mehr vernehmungsfähig.
15:39Das würde ihn noch jeder andere Arzt bestätigen.
15:41Es ist schon gut.
15:43Ich hab mit dem Anschlag auf Anna nichts zu tun.
15:46Vor ihrem Dienstantritt war ich zu Hause und hab versucht zu schlafen.
15:51Erst nach der Nachricht von dem Unfall bin ich zurück in die Klinik.
15:54Kann das jemand bestätigen?
15:57Der Fliesenleger.
15:59Wie heißt der nochmal?
16:01Pecher.
16:02Der macht unser Bart erst den ganzen Tag da.
16:04Der muss sich doch gesehen haben.
16:06Ja.
16:06Okay, wir werden das überprüfen.
16:08Könnten wir Sie mal unter vier Augen sprechen?
16:11Wieso?
16:12Ich habe keine Geheimnisse von meiner Frau.
16:16Wir haben den Amtsarzt angerufen.
16:18Er wird bei Ihnen einen Drogentest machen.
16:21Wieso das denn?
16:22Das hier hat den Mann verloren.
16:26Kokain.
16:27Wir haben das überprüft.
16:29Koks.
16:38Also es war gar nicht so leicht, diesen Fliesenleger an die Strippe zu bekommen.
16:41Ist ja bei keinem Handwerker leicht.
16:43Jedenfalls, er war schon da, als Dr. Liedger morgen nach Hause kam und er hat ihn das Haus nicht wieder
16:46verlassen sehen.
16:48Außerdem haben wir die Fingerabdrücke auf der vergifteten Trinkflasche mit denen von Liedger verglichen.
16:53Kein Treffer.
16:54Also haben wir nichts gegen ihn in der Hand.
16:56Ja, dann müssen wir ihn gehen lassen.
17:02Ich glaub's nicht.
17:03Koks.
17:04Wann nimmst du das zurück?
17:05Na, heute.
17:06Wegen der besonderen Situation.
17:07Ich musste voll da sein.
17:21Du wirst jetzt auf mich anzulügen.
17:23Was soll das denn?
17:24Du bist ja schlimmer als die Polizei.
17:26Ja, es geht um unsere Zukunft, verdammt.
17:28Also sag die Wahrheit.
17:31Zwei.
17:32Dreimal.
17:33Vielleicht mehr.
17:35Die haben dir eine Haarprobe entnommen.
17:36Wenn die positiv ist, dann suspendiert dich die Klinik.
17:39Das weißt du nur.
17:39Dann fecht dich das Ergebnis an.
17:41Um immer so weiter zu machen.
17:43Durch den Vordereingang der Klinik raus, um hinten wieder rein zu gehen.
17:45Anders lässt sich die elektronische Arbeitszeiterfassung nun mal nicht überlisten.
17:50Du bist kein Workaholic, du bist ein Junkie.
17:51Mann, wie soll ich denn sonst diesen ganzen bürokratischen Quatsch schaffen?
17:55Von Forschung und Weiterbildung ganz zu schweigen.
17:58Warum erzähle ich das überhaupt?
17:59Du weißt doch selbst, wie das läuft.
18:00Ja, deswegen habe ich den Zirkus auch verlassen.
18:02Das kannst du auch.
18:03Um als niedergelassene an entzündeten Hühneraugen rumzuschnippeln?
18:07Das ist doch schrecklich.
18:09Du musst raus aus dem Hamsterrad, sonst bringst du dich um oder einen deiner Patienten.
18:26Moin.
18:26Moin.
18:27Hast du durchgemacht?
18:28Ja, klar.
18:29Was denkst du denn?
18:31Nein, ich habe nur schon was überprüft.
18:33Lass dir trotzdem meinen Kaffee bedenken.
18:35Oh.
18:37Moin.
18:38Moin.
18:39Moin.
18:40Ich bin bei unserem Opfer Anna Struck auf was gestoßen, was für uns nicht uninteressant sein könnte.
18:45Okay.
18:46Wir sind ganz ohr.
18:47Anna Struck war zuletzt beklagt in einem Verfahren.
18:50Wegen eines Kunstfehlers?
18:52Das ist ein bisschen harmlos ausgedrückt.
18:53Vor eineinhalb Jahren kam es nach einer Operation zu Komplikationen, woran die Patientin auch verstorben ist.
18:58Kurz nach ihrem achten Geburtstag.
19:01Und wer hat die Kleine operiert? Frau Dr. Struck?
19:04Also die erste Operation hat Dr. Liedtke durchgeführt und die Komplikationen traten dann auf, als Anna Struck Dienst hatte.
19:10Deswegen hat sie die Notfall-OP gemacht.
19:12Okay, das klingt tragisch, aber was wurde ihr denn konkret vorgeworfen?
19:16Also die Mutter des Mädchens behauptet, dass die Hilfe viel zu spät kam.
19:22Und das Gericht sah das anders?
19:24Ja.
19:25Eine Verkettung unglücklicher Umstände. Anna Struck wurde vor sechs Wochen freigesprochen.
19:29Und die Mutter hat noch im Gerichtssaal geschworen, weiterzukämpfen, und zwar mit allen Mitteln.
19:40Ihr Name ist Katrin Bergmeier. Sie ist 35 Jahre alt und in einer Zeitarbeitsfirma angestellt.
19:45Keine Vorstrafen, ihre Tochter hieß Lotte.
19:48Aber was ist mit dem Vater des Kindes?
19:49Also der lebt seit Jahren in Süddeutschland. Katrin Bergmeier ist also alleinerziehend.
19:53Danke, Nina. Nach so einer Tragödie, da sucht man Schuldige. Und man will, dass die bestraft werden.
20:01Und wenn das nicht passiert, dann nimmt man den Silber in die Hand.
20:29Ja?
20:30Frau Bergmeier, Kripo Lübeck hier. Wir würden gerne mit Ihnen sprechen.
20:44Frau Bergmeier?
20:48Habe ich falsch geparkt?
20:51Ich bin Käsewetter mein Name. Ich kenne Sie. Ich habe Sie im Klinikum gesehen. Sie arbeiten dort als Reinigungskraft, richtig?
21:00Nein. Ich mache uns mal einen Kaffee.
21:04Das ist sehr nett von Ihnen, aber das ist wirklich nicht nötig. Wir sind wegen Frau Dr. Struck hier.
21:11Wollen Sie sich nicht wenigstens hinsetzen?
21:15Danke.
21:22Wann haben Sie Frau Dr. Struck zuletzt gesehen?
21:26Weil sie freigesprochen wurde.
21:30Das muss sehr schmerzhaft für Sie gewesen sein.
21:32Was wollen Sie von mir?
21:35Auf einer Struck wurde ein Mordanschlag verübt.
21:38Und was habe ich damit zu tun?
21:46Wie geht es Ihnen denn?
21:47Wie geht es Ihnen denn?
21:47Sie ist noch nicht über den Berg.
21:51Wo waren Sie gestern zwischen 8 und 16 Uhr?
21:55Auf Arbeit.
21:57Im Klinikum?
21:58Nein.
22:02Wir haben größtes Verständnis für den Schmerz und den Verlust Ihrer Tochter.
22:06Ganz bestimmt.
22:09Sind Ihnen in der letzten Zeit Medikamente verschrieben worden?
22:15Beruhigungsmittel.
22:16Und fragen Sie das?
22:20Ja.
22:23Wo bewahren Sie die auf?
22:26Liegen im Bad.
22:29Darf ich?
22:35Sie waren gestern im Klinikum.
22:37Warum sagen Sie nicht die Wahrheit?
22:40Da habe ich Lotte das Radfahren beigebracht.
22:43Ohne Stützräder.
22:46Ich habe sie nur kurz festgehalten und dann ist sie losgeradelt.
22:50Sie hat so schnell gelernt.
22:53Auch in der Schule.
23:00Ich habe vergessen, wie ihr Lachen klingt.
23:04Wissen Sie, wie schrecklich das für mich ist?
23:08Ich kann Ihr Gesicht noch sehen, aber...
23:13Ich kann Ihr Lachen nicht mehr hören.
23:17Nie wieder.
23:23Finn?
23:34Ein Beruhigungsmittel.
23:36Der Wirkstoff.
23:36Wie spinnst du die ACP?
23:38Der gleiche Wirkstoff wie in der vergifteten Trinkfläche von deiner Stroke.
23:50Besonders nervös wirkt sie nicht auf mich.
23:52Naja, vielleicht ist ihr nach dem Tod ihrer Tochter auch einfach alles egal.
23:55Zumindest geht sie regelmäßig arbeiten.
23:58Und zwar seit einem Monat im Klinikum.
23:59Du hattest recht.
24:00Ich habe mit ihrem Arbeitgeber einer Gebäudereinigungsfirma gesprochen.
24:04Was steht denn im Prozessakt zum Tod ihrer Tochter?
24:06Also, so wie ich das verstehe, war Lottes Tod tatsächlich eine Verkettung unglücklicher Umstände.
24:11Etwas, was Katrin Bergmaier nicht akzeptieren kann.
24:15Okay.
24:23Kaffee.
24:24Wenn er schwarz ist.
24:26Das ist er.
24:30Frau Bergmaier, wir wissen inzwischen sicher, dass Sie im Klinikum arbeiten.
24:35Da haben Sie doch sicherlich Zugang zu den Fahrradstellplätzen, oder?
24:38Wir reinigen nur das Gebäude. Also innen.
24:42Aber mit einem Schlüssel kommen Sie zu den Fahrrädern.
24:45Kann sein, aber was soll ich da? Ich fahre mit Bus oder Auto.
24:49Frau Doktor Struck stellt Ihr Rennrad dort ab.
24:51Die Chefärztin fährt Rad.
24:54Und Sie hat an Ihrem Fahrrad so eine Trinkflasche.
24:58Und?
24:59Im Augenblick verdächtigen wir Sie, ein starkes Beruhigungsmittel in diese Trinkflasche gemixt zu haben.
25:04Unter Einfluss dieser Tropfen ist Frau Doktor Struck auf die Straße gewankt und wurde angefahren.
25:11Die brauche ich doch nur zum Einschlafen. Mit dem Rest habe ich nichts zu tun.
25:17Sie haben nach dem Freispruch von Anna Struck erklärt, dass Sie weiterkämpfen werden. Mit allen Mitteln.
25:24Ja, aber doch nicht so!
25:25Wie denn dann?
25:29Sie müssen uns das erklären, sonst können wir Ihnen nicht helfen.
25:37Ich habe mich bei der Firma beworben, weil ich wusste, dass Sie auch im Klinikum putzen.
25:41Und um an Frau Doktor Struck heranzukommen?
25:43Nein!
25:45Als Pusfrau kommt man unbemerkt in alle Räume.
25:48Die Leute gucken einfach durch einen durch.
25:51Sie nicht.
25:54So konnte ich in Ruhe suchen.
25:57Wonach haben Sie gesucht?
26:01Beweise, dass Sie lügen.
26:04Die Chefärztin.
26:05Das Klinikum.
26:09Meine Lotte hätte nicht sterben müssen.
26:21Schau mal.
26:23Haben die Kollegen in der Wohnung von Katrin Bergmaier gefunden.
26:27Klinikum Lübeck?
26:28Ja.
26:29Was ist das?
26:31OP-Berichte, Dienstpläne, alles vertrauliche Unterlagen.
26:34Aus der Wohnung der Verdächtigen?
26:35Ja.
26:36Dann hat Frau Bergmaier an diesem Punkt schon mal die Wahrheit gesagt.
26:40Katrin Bergmaier hat gerade im Verhör behauptet, die Akten gestohlen zu haben, um nachweisen
26:43zu können, dass Frau Doktor Struck vor Gericht gelogen hat.
26:47Okay, und konnte sie?
26:48Darum können wir uns später. Erstmal müssen wir ihr Alibi checken.
26:51Angeblich hat sie mit einer Kollegin im Team gearbeitet.
26:53Die ganze Schicht?
26:54Ja.
27:01Sonja?
27:09Was machst du hier?
27:12Das Wartezimmer ist voll.
27:19Oder...
27:20soll ich deine Sprechstunde übernehmen?
27:24Weil du noch nicht ausgelastet bist?
27:34Es passt nicht zu dir, dass du Patienten warten lässt.
27:39Ich habe nachgedacht.
27:41Was?
27:43Sobald Anna wieder gesund ist, werde ich Urlaub nehmen.
27:49Sonja, bitte.
27:51Ich kann doch nicht einfach alles stehen und liegen lassen.
27:54Ich bin Oberarzt, der OP-Plan ist voll, die Patienten brauchen mich.
27:58Es gibt genug Chirurgen, aber wenn du das so weitermachen möchtest...
28:01Bitte.
28:03Ich trage das nicht mehr mit.
28:05Was soll das bedeuten?
28:11Weißt du, ich glaube, ich möchte nochmal ganz von vorne anfangen.
28:15Im Ernst?
28:16Ja.
28:17Dann ohne mich, oder wer soll ich das verstehen?
28:23Es liegt an dir, Frederik.
28:26Nur an dir.
28:34Sie wird auf jeden Fall psychologische Hilfe brauchen.
28:36Egal, wie das Ganze hier für sie ausgeht.
28:38Na ja, das sehe ich genauso.
28:39Aber ich würde ihr gerne mehr mitgeben, als nur einen gut gemeinten Rat.
28:42Im Moment ist sie noch unser Hauptverdächtige.
28:47Also, ich habe nochmal mit der Chefin der Gebäudereinigung gesprochen.
28:50Im Klinikum wird, wie in anderen Kliniken auch, viel gestohlen.
28:53Bezieht sie das auf die gestohlenen Unterlagen?
28:55Auch.
28:56Aber hauptsächlich werden Handys und Geld geklaut.
28:58Und um gar nicht erst in Verdacht zu geraten, hat sie ihre Mitarbeiterin angewiesen, noch im Team zusammenzuarbeiten.
29:03Na, und sofern?
29:04Seit einer Woche.
29:06Wir konnten auch Kathrin Bergmeiers Kollegin erreichen, sie hat die Aussage bestätigt.
29:09Die beiden verstehen sich gut, haben die Raucherpausen zusammen verbracht.
29:13Sie waren die ganzen acht Stunden im Dienst unzertrennlich.
29:15Ja, also auf Toilette waren sie jetzt nicht zusammen, falls du das meinst.
29:19Jedenfalls, der Trag, den sie geputzt hat, der ist viel zu weit weg.
29:22Sie hatte gar keine Zeit gehabt, zum Fahrradkäfig zu kommen, ohne dass es auffällt.
29:26Deiner Kathrin Bergmeier ein Alibi. Danke, Nina.
29:30Ja.
29:31Ja, wir müssen neu denken.
29:36Sie können gehen.
29:40Wegen den gestohlenen Unterlagen wird die Staatsanwaltschaft allerdings ein Strafverfahren einleiten müssen.
29:45Ja, war eh umsonst. Ich krieg da sowieso nicht durch.
29:50Was hatten Sie eigentlich gehofft, in den Unterlagen zu finden?
29:53Die Wahrheit.
29:55Ich weiß, das klingt doof.
29:57Klingt überhaupt nicht doof.
30:04Lothar hatte einen Darmverschluss.
30:08Das war eh schon der Horror für mich.
30:12Aber die OP verlief gut.
30:16In der Nacht hat sie dann Schmerzen bekommen.
30:19Die Schwester meinte, das wäre ganz normal und hat ihr was dagegen gegeben.
30:25Aber es hörte nicht auf.
30:29Lothar hat dann geweint.
30:33Ganz leise.
30:36Ihr Bauch war so hart.
30:40Die Schwester hat dann den Arzt gerufen.
30:43Immer wieder.
30:45Den Arzt. Verstehen Sie?
30:47Oberarzt Liedtke.
30:49Ja.
30:51Aber Dr. Liedtke kam einfach nicht.
31:00Die Schwester ist dann immer hektischer geworden.
31:05Und der hat dann kein Ton mehr von sich gegeben.
31:08Ich bin völlig durchgedreht.
31:11Und irgendwann, sehr viel später, kam dann diese Chefärztin.
31:17Anna Struck.
31:21Und dann musste alles ganz schnell gehen.
31:26Doch der musste sofort in den OP.
31:32Und kam dann nicht mehr zurück.
31:40Wir wissen, dass es für Ihren Verlust sicher keinen Toast gibt.
31:44Aber Sie haben unser aufrichtiges Mitgefühl.
31:51Was ich mich die ganze Zeit frage, ist, wo war der Arzt?
31:58Wo war Dr. Liedtke, der in diesem Abend, der eigentlich Dienst hatte?
32:07Ja.
32:14Und diese Frage müssen wir uns auch stellen.
32:16Wo war Oberarzt Liedtke?
32:18Naja, was hat das mit dem Anschlag auf Anna Struck zu tun?
32:20Liedtke war's doch gar nicht, der ist raus.
32:22Aber das kann doch kein Zufall sein, dass das Opfer und einer unserer Verdächtigen
32:25in den Tod des Mädchens verwickelt sind.
32:29Und wenn wir Kathrin Bergmeier glauben, dass kein Arzt in der Nähe war,
32:32als es Ihrer Tochter so schlecht ging?
32:34Vielleicht hat ja Anna Struck für Ihren Oberarzt vor Gericht gelogen.
32:38Möglicherweise.
32:39Hat aber immer noch nichts mit dem Mordanschlag zu tun.
32:41Es muss eine Verbindung geben zwischen dem Anschlag auf Anna Struck
32:45und dem Tod des Mädchens.
32:48Was übersehen wir?
32:50Vielleicht haben wir noch nicht alle Puzzleteilchen beieinander.
32:53Wir sollten uns die gestohlenen Unterlagen aus der Klinik mal anschauen.
32:56Vielleicht gibt's da irgendwas, das während dem Prozess gegen die Chefärztin
32:58übersehen worden ist.
33:00In den medizinischen Unterlagen?
33:03Dann werden wir aber Hilfe brauchen.
33:32Das sieht nicht so aus, als wärst du im Dienst.
33:36Den Kittel hänge ich für eine Weile an den Nagel.
33:39Du?
33:41Ja.
33:44Hätte ich gestern auch noch nicht für möglich gehalten.
33:49Und warum das auf einmal?
33:53Das?
33:55Und intensive Gespräche mit Sonja.
33:58Meine Prioritäten haben sich verschoben.
34:04Das hat Anna wahrscheinlich nicht so gut gefallen.
34:11Klappst du?
34:14Er sieht gut aus.
34:27Ursächlich für die leider zu späte Behandlung der Kostner.
34:30Bitte, wenn ich die unterbreche.
34:31Aber das wissen wir doch schon alles.
34:33Wir hatten gehofft, dass du uns aufgrund deiner Expertise etwas mehr sagen könntest.
34:38Du gehörst wahrscheinlich zu den Leuten, die bei einem Roman die letzte Seite immer zuerst lesen.
34:42Der Kollege liest doch nur Comics.
34:43Ja, und da guck ich mir nur die Bilder an.
34:47Die Krankenschwester erkannte die Nachblutung bei Lotte Späth, reagierte dann aber umgehend und versuchte den ihrer Meinung nach behandelnden Chirurgen
34:56zu erreichen.
34:57Und wer war das Oberarzt Liedtke?
34:59Das ist der ausgedruckte Dienstplan der betreffenden Nacht.
35:02Chirurgischer Dienst?
35:04Dr. Anna Struck?
35:05Aber das kann doch die Krankenschwester nicht übersehen haben.
35:08Hat sie auch nicht.
35:09Wie jetzt?
35:10Das ist derselbe Dienstplan, nur mit einer entscheidenden Änderung.
35:16Chirurgischer Dienst?
35:18Dr. Liedtke?
35:19Den habe ich falsch abgeheftet in einem der Ordner gefunden.
35:22Es ist das Original.
35:24Das heißt, Dr. Liedtke hatte in der Nacht Dienst, war aber nicht erreichbar.
35:27Und das sollte vertuscht werden.
35:29Also, kann man solche Dienstpläne im Nachhinein manipulieren?
35:33Die werden elektronisch erstellt.
35:34Um die zu fälschen, brauchte schon jemand mit IT-Kennnissen.
35:37Zum Beispiel ein Programmierer.
35:43Jetzt hast du den Feierabend verdient.
35:45Na siehste.
35:48Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen.
35:50Wie geht es Ihrer Frau?
35:52Besser, ja.
35:54Frederic sagt, dass sie es...
35:55Moment.
35:57Ist Herr Dr. Liedtke wieder im Dienst?
36:00Äh...
36:01Ne, da war...
36:02Ich weiß nicht, der wollte einfach nur nach Anna sehen.
36:05Aber egal, was wollten Sie denn jetzt noch wissen?
36:08Sie sind Programmierer, richtig?
36:09Aber im Moment in Elternzeit.
36:12Nehmen Sie trotzdem noch kleine Jobs an?
36:14Oder helfen Ihre Frau, wenn Sie Probleme mit dem Computer?
36:19Ja, das kommt schon mal vor, aber ich verstehe nicht.
36:20Also ganz konkret gefragt.
36:23Haben Sie Ihrer Frau geholfen, den Dienstplan der Klinik zu korrigieren?
36:31Hm...
36:32Also keine Ahnung, kann ich mich nicht dran erinnern.
36:35Dann denken Sie mal drüber nach.
36:37Schauen Sie, dieser Dienstplan hier ist das Original.
36:45Auf diesen Dienstplan wurde die Schicht von Dr. Liedtke getauscht gegen die Schicht von Ihrer Frau.
36:51Haben Sie das gemacht?
36:56Warum sollte ich so was machen?
36:58Herr Struck, ich will Ihnen mal die Tragweite klar machen.
37:01In der Nacht, für die dieser Dienstplan gilt,
37:04starb wegen Fahrlässigkeit ein Kind auf der Station Ihrer Frau.
37:07Und wenn Sie da irgendwas manipuliert haben, dann helfen Sie dabei, das zu vertuschen.
37:15Also?
37:31Ja.
37:34Frau Bergmeier, Finn Kiesewetter hier. Ich habe gute Neuigkeiten.
37:38Die Staatsanwaltschaft wird sich nochmal mit Lottes Tod beschäftigen.
37:41Wahrscheinlich wird es einen neuen Prozess geben.
37:45Dann...
37:45Dann hatte ich doch recht.
37:48Dr. Liedtke hatte doch Dienst.
37:52Jetzt lassen Sie es erstmal die Ermittlungen zu Ende führen.
37:55Vertrauen Sie einfach dem neuen Prozess, ja?
38:00Ja.
38:02Danke.
38:16Und?
38:17Jetzt ist es aufgenommen.
38:19Naja, es bringt ja natürlich Lotte nicht zurück.
38:21Aber ich denke, es macht die Hoffnung, dass endlich die Wahrheit ans Licht kommt.
38:24Ich habe gerade mit Strahl telefoniert.
38:26Wie telefoniert? Was denn mit seinem Feierabend?
38:29Naja, da gab es wohl etwas, was ihm keine Ruhe gelassen hat.
38:32Etwas, die mir vorher keine große Bedeutung beigemessen hat.
38:35Ja?
38:35Naja, ich denke, wir haben jetzt die Verbindung zwischen Lottes Tod und den Anschlag auf Chefärztin Dr. Struck.
38:39Das Verbindungsglied ist Liedtkes Frau Sonja.
38:42Wie das?
38:44Strahl hat in den Unterlagen zu Lotte Bergmeiers Tod einen Arzt briefiger langjährigen Kinderärztin gefunden.
38:50Dr. Sonja Liedtke ist Kinderärztin?
38:52Und die kleine Lotte war ihre Patientin.
38:55Von Geburt an.
38:56Okay, das heißt, als Kinderärztin hatte sie womöglich ein besonders enges Verhältnis zu ihrer kleinen Patientin.
39:01Aber macht sie das zur Mörderin?
39:03Naja, auf jeden Fall hat Sonja Liedtke sowohl einen engen Bezug zu Lotte als auch zu bisher allen anderen Beteiligten.
39:09Genau. Wir müssen mit ihr reden.
39:31Scheiße!
39:33Herr Dr. Liedtke!
39:37Wir müssen mit ihrer Frau sprechen.
39:39Ist sie da?
39:41Nein!
39:42Sie hat allerdings gerade Sprechstunde. Was wollen sie denn von ihr?
39:44Ja, zuerst legen wir dieses Ding da weg, ja?
39:46Oh.
39:48Tatsächlich.
39:50Gegen Anna Struck wird nach ihrer Genesung ein Verfahren eingeleitet werden.
39:54Weswegen denn?
39:55Unter anderem wegen Strafveritelung. Falschaussage vor Gericht.
39:59Sie hatten Dienst und sie waren der verantwortliche Arzt in der Nacht, in der Lotte Bergmeier starb.
40:03Und wir wissen, dass der Dienstplan manipuliert wurde.
40:06Also, was ist passiert?
40:10Weiß ich nicht. Das ist schon zu lange her.
40:13Kommen Sie uns nicht mit irgendwelchen Erinnerungslücken, ja?
40:16Oder sind Sie schon so abgestimmt, dass Ihnen Ihre Patienten egal sind?
40:20Lotte Bergmeier war acht.
40:26Das ist nicht so einfach.
40:29Versuchen Sie es.
40:31Wir haben Zeit.
40:35Ich war...
40:38Ich war den ganzen Tag im OP auf Kokain.
40:43Mein Herz raste. Ich...
40:45Ich musste für den Nachtdienst irgendwie wieder einen klaren Kopf bekommen, also...
40:50Ich habe hier ein Beruhigungsmittel genommen.
40:53Ich nehme an, zu viel?
40:56Ich bin kurz hingelegt.
40:58So war zumindest der Plan, aber...
41:00Als ich wieder wach wurde, waren Stunden vergangen.
41:02Und auf meinem Handy stapelten sich die verzweifelten Nachrichten der Schwester.
41:09Anna hat sich um alles gekümmert.
41:13Ich war ihr dankbar.
41:15Musste Ihre Frau davon?
41:17Das darf sie auch nie.
41:20Die Kleine ist Ihre Patientin, seit sie ein Baby ist.
41:22Ihre Frau hielt Anna Struck für verantwortlich.
41:24Ich konnte mich doch nicht outen.
41:26Wo ist Ihre Frau?
41:40Gregor, was gibt's?
41:43Okay.
41:44Danke.
41:45Frau Dr. Liebke war zum Tatzeitpunkt im Klinikum.
41:51Gregor und Nina, die haben doch am Tatort diesen Flummi gefunden.
41:54Bei den Fahrrädern, warum?
41:55Sowas verschenken Kinderärzte manchmal an ihre kleinen Patienten nach der Untersuchung.
42:05Sonja.
42:06Was ist los? Hast du wieder geguckt?
42:07Was?
42:08Nein, es geht um dich. Hast du...
42:11Ich meine, hast du wirklich...
42:12Habe ich was?
42:14Frau Dr. Lietke.
42:35Ich komme mal gleich auf den Punkt.
42:37Haben Sie das Beruhigungsmittel in Anna Strucks Trinkflasche gemischt?
42:41Ihre Fingerabdrücke stimmen mit denen überein, die wir auf Anna Strucks Fahrrad gefunden haben.
42:46Sie haben Zugang zu verschreibungspflichtigen Medikamenten und zur Tatzeit waren Sie im Klinikum.
42:51Um Patienten zu untersuchen?
42:54Sie haben starke Gefühle gegen Anna Struck, was wir durchaus verstehen können.
42:59Sie machen sie für den Tod von Lotte verantwortlich.
43:05Mir war schon klar, dass Anna für ihren Erfolg weit gehen würde.
43:09Ich meine, sie haben ja gesehen, was ihr krankhafter Ehrgeiz aus meinem Mann gemacht hat.
43:16Aber das... Lotte war bezaubernd.
43:20Lottes Tod war nicht die Schuld der Chefärztin.
43:23Doch.
43:24Nein.
43:24Ihr Mann war an der Nacht der verantwortliche Arzt.
43:27Aber er stand unter Drogeneinfluss.
43:29Kokain, Beruhigungsmittel.
43:30Deswegen war er für die Krankenschwester nicht erreichbar.
43:33Aber Anna hat Lotte operiert.
43:35Ja.
43:36Sie ist für ihren Mann eingesprungen.
43:37Aber da war es für Lotte schon zu spät.
43:42So.
43:43Und jetzt erzählen wir uns genau, was Sie gemacht haben.
43:47Ich...
43:48Ich war so frustriert wegen des Freispruchs.
43:51Und Frederiks Zustand.
43:53Alles wegen Anna.
43:56Wie konntest du so auf Frederik einquatschen?
43:58Du wusstest doch, dass er sofort einknickt.
43:59Mein Mann braucht Ruhe und Erholung.
44:01Das musst du doch sehen.
44:02Du bist doch Ärztin.
44:03Wir sind Chirurgen, Frederik und ich.
44:05Wir sind aus einem anderen Holz geschnitzt als Kinderärzte.
44:07Meine Patienten liegen mir am Herzen.
44:09Falls du auf Lotte Bergmeier anspielst.
44:11Darf ich dich daran erinnern, dass es da einen Freispruch für uns gab?
44:13Es hört aber nichts darüber aus, wer die Schuld trinkt.
44:16Da könntest du ausnahmsweise mal recht haben.
44:19Ich war mir sicher, sowas wie mit Lotte würde wieder passieren.
44:23Ich wollte sie aufhalten.
44:27Ich bin dann auf die Station.
44:30Mit die Benzodiazepin-Tropfen aus dem Giftschrank genommen.
44:33Und sie in ihre Trinkflasche gemischt.
44:37In der Erwartung, dass sie unter deren Einfluss einen Unfall baut.
44:41Ich wollte sie nicht umbringen.
44:44Wollen wir das Handwerk legen?
44:47Ja.
45:03Hey.
45:05Hey.
45:06Es ist alles wegen mir, ich weiß.
45:09Ich bin für dich da.
45:11Immer.
45:13Das mit Lotte, stimmt das?
45:20Wir können.
45:21Wir können.
45:23Sonja.
45:37Der will doch wohl nicht mit dem Auto fahren, oder?
45:44Herr Lietzke?
45:47Herr Lietzke!
45:51Sie sollten sich besser ein Taxi bestellen.
45:53Wollen Sie Hilfe?
45:54Nein, nicht.
45:56Ich rufe ein Taxi.
46:06Hey, hey!
46:07Lietzke!
46:08Vorsicht!
46:10Stopp!
46:10Stopp!
46:16Was hab ich gemacht?
46:18Was hab ich gemacht?
46:20Es ist nichts passiert.
46:22Nichts passiert.
46:23Nichts passiert.
46:34Ich hab gute Nachrichten.
46:36Ich hab gute Nachrichten.
46:36Kathrin Bergmeier hat dank ihrer Psychologin einen Therapieplatz bekommen.
46:39Ich hoffe mal, dass sie mit der Zeit den Tod ihrer Tochter verarbeiten kann.
46:42Immerhin.
46:43Also mein Vertrauen in den Ärzte ist nicht zerstört, aber schon ein bisschen erschüttert.
46:47Ich hab auch gute Nachrichten.
46:49Anna Strucks Zustand ist stabil.
46:51Sie kommen durch.
46:51Das ist gut.
46:52Sehr gut.
46:53Und ich hab auch gute Nachrichten.
46:55Wir haben Feierabend und das Bier ist kalt.
47:02Prost!
47:02Aufwärts!
47:03Aufwärts!
47:32Aufwärts!
47:33Die