Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
  • vor 2 Tagen
Brandenburg wird trockener - doch Tesla, Red Bull und neue Zechen wollen wachsen. Der Kampf ums Wasser zwischen Industrie, Bevölkerung und Natur spitzt sich zu. Wohin führt der Streit um die Ressource?

Kategorie

🗞
News
Transkript
00:00Der Konflikt ums Wasser hat begonnen. Im Umland Berlins baut Tesla seine Gigafactory aus.
00:06Red Bull will wachsen und tief unter der Erde soll künftig Kupfer abgebaut werden.
00:10Was die Unternehmen für das benötigte Wasser bezahlen, nicht öffentlich.
00:13Teile der Grundwasserdaten geschwärzt.
00:15Es ist denen egal, was hier mit dem Trinkwasser passiert. Es ist denen egal, was hier mit der Bevölkerung passiert.
00:22All das in einer Region in Deutschland, die lange als wasserreich galt und jetzt zu einer der trockensten des Landes
00:27wird.
00:31In der brandenburgischen Kleinstadt Barut, 60 Kilometer südlich von Berlin, wird seit den 1990er Jahren Mineralwasser abgefüllt.
00:38Anfang 2023 übernahmen die Firmen Red Bull und Rauch den Standort.
00:42Nun soll die Produktion mit einer neuen Dosenfabrik und weiteren Anlagen mitten im Wasserschutzgebiet deutlich ausgebaut werden.
00:49Sehr zur Sorge vieler Anwohner, die um die knappen Wasserressourcen der Region fürchten. Petra Liesenfeld ist eine von ihnen.
00:55Zum einen hat sich natürlich die klimatischen Verhältnisse verändert.
00:59Und dann ist es so, dass seit zehn Jahren hier sämtliche Grundwasserspiegel sinken.
01:03Der ganze Boden wird immer trockener und das ist Fakt.
01:05Die konkrete Sorge ist, dass es hier irgendwann nicht genug Wasser gibt.
01:09Das Wasserwerk Barut darf jedes Jahr eine bestimmte Menge Grundwasser fördern.
01:13Davon sind bereits 92 Prozent für Red Bull und Rauch reserviert.
01:16Für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung bleiben acht Prozent.
01:20Allein der jährlich zugelassene Wasserverbrauch von Red Bull und Rauch könnte den Trinkwasserbedarf von rund 57.000 Menschen in Deutschland
01:27decken.
01:28Das ist laut jahrzehntealten Verträgen legal, sagt Peter Ilk.
01:32Kaum jemand hat die Entwicklung Barut so geprägt wie er.
01:34Seit knapp 25 Jahren ist er Bürgermeister und gilt als treibende Kraft hinter der Industrialisierung der Region.
01:40Er sieht die Wasserproblematik nicht.
01:42Wir haben immer den Vorrang der Versorgung der Bevölkerung eingeräumt.
01:48So steht es auch in allen Verträgen drin.
01:51Nun haben wir aber nicht sehr viel Bevölkerung.
01:54Das muss man fairerweise dazu sagen.
01:56Und meine 4.300 Leute verbrauchen eine Summe X.
02:00Die macht nicht mehr aus.
02:02Dass so ein Getränkewerk natürlich wesentlich mehr verbraucht, ist auch klar.
02:06Und insofern kommt es zu diesem Verhältnis von etwa 1 zu 10 im Verbrauch.
02:11Irina Engelhardt ist Professorin für Hydrogeologie in Berlin und erforscht seit Jahren die Grundwasserressourcen Brandenburgs.
02:17Ich schaue etwas besorgt auf die Wasserentwicklung im Land Brandenburg.
02:22Ich glaube, das Problem, was wir hier sehen, ist, dass das Wasserdagebot, so nennen wir das,
02:26also das, was wirklich an Wasserressourcen verfügbar ist, derzeit etwas überschätzt wird von den brandenburgischen Behörden.
02:34Die Verträge, auf denen die heutigen Wasserrechte der Getränkehersteller beruhen, stammen aus den 1990er Jahren.
02:39Aus einer Zeit, als der Klimawandel und Wasserknappheit in Brandenburg kaum eine Rolle spielten.
02:44Es gibt aber eben auch bestimmte andere Faktoren, wie Grundwasserspiegel, die gefallen sind,
02:49wie Grundwasserneubildung, die sich verändert hat, wie Landnutzung, die sich verändert hat,
02:54die in dem Gutachten nicht mehr aktuell sind.
02:56Deshalb fordern Engelhardt sowie die Bürger neue Gutachten von unabhängigen Experten, die öffentlich zugänglich sind.
03:02Und dann wird von der Stadt aber immer gesagt, es gibt ja ein Monitoring, das ständig überwacht, ob alles in
03:08Ordnung ist.
03:09Und deshalb haben wir beim Landesamt für Umwelt diese Monitoringdaten angefordert und haben das hier bekommen,
03:14also lauter geschwärzte Tabellen.
03:16Man kann nur noch sehen, was darunter steht, mehr nicht.
03:19Und da wurde gesagt, das wäre deshalb geschwärzt, weil eben diese Brunnenstandorte geheim sind,
03:24was sie offensichtlich nicht sind, weil die sind hier direkt am Wanderweg.
03:28Offiziell werden die Standorte der Brunnen aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht.
03:32Die Anwohner glauben jedoch, dass vor allem die Messdaten zu den Grundwasserständen verborgen werden und fordern mehr Transparenz.
03:38Für eine Stellungnahme haben wir Rauch bereits vor mehr als einem Monat kontaktiert.
03:42Bis zum Redaktionsschluss blieb unsere Anfrage unbeantwortet.
03:46Für Türe-Experte Andreas Marx geht es dabei um ein grundsätzliches Prinzip.
03:51Wasser ist per Gesetz ein Gemeingut, ein nicht eigentumsfähiges Gemeingut.
03:56Und vor dem Hintergrund wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, dass alle Entscheidungen, die da getroffen werden,
04:03alle Verträge, die geschlossen werden, auch öffentlich einsehbar sind.
04:07Ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner, auch die Wasserpreise sind nicht öffentlich.
04:11Was Red Bull und Rauch für die täglichen 7 Millionen Liter Grundwasser bezahlen, ist Geheimsache.
04:16Da ist schon mal eine Frage, was ist eigentlich ein fairer Preis?
04:18Und auch ist der Preis für ein Industrieunternehmen, das Wasser für Kühlungszwecke benutzt,
04:25sollte das derselbe sein wie für ein Unternehmen, dass das Wasser selbst vermarktet ist, zum Beispiel ein Getränkehersteller.
04:33Dazu fehlt eine Rahmensetzung durch den Bund.
04:37Doch wie ernst ist die Lage? Geht Brandenburg bereits das Wasser aus?
04:41Also ich würde sagen, wir sind noch nicht an dem Moment, wo wir sagen können, uns geht das Wasser aus.
04:45Wir sind so ein bisschen in so einer Übergangsphase.
04:48Deutschland und auch Brandenburg sind immer noch eine wasserreiche Region.
04:51Es geht nicht darum, jetzt eine dauerhaft trockene Situation zu managen,
04:55sondern es geht auch zukünftig darum, trockene Situationen über zwei oder drei Jahre zu managen.
05:02Die gesamte Region Brandenburg erlebt seit Jahren trockene Sommer, weniger Niederschlag und höhere Verdunstung.
05:08Und damit verbunden auch eine sehr niedrige Grundwasserneubildung, also eine niedrige Auffüllung des Grundwassers.
05:15Wasserknappheit ist jetzt in den Jahren nach 2018 in Deutschland eigentlich erstmalig flächendeckend aufgetreten.
05:22Das heißt, das System kippt, das System ändert sich.
05:24Wir sehen Gebiete, wo wir Grundwasserspiegelabsenkungen in den letzten 20 Jahren um etwa maximal zwei Meter haben.
05:33Brandenburg bezieht 95 Prozent seines Trinkwassers aus dem Grundwasser.
05:37Die Veränderungen im Grundwasserspiegel kann man auch an vielen Brandenburger Seen sehen, die immer trockener werden.
05:43Heike Christoph lebt seit über 30 Jahren am kleinen Kolpiner See.
05:46Sie hat bereits als Kind ihre Ferien hier bei ihren Großeltern verbracht und beobachtet seitdem eine stetige Veränderung.
05:52Auf diesem Steg haben wir im Winter gesessen und wenn Eis war, haben wir uns die Schlittschuhe angezogen und sind
05:57von da losgefahren.
05:58Und jetzt sieht man, dass hier mindestens 1,50 Meter Wasserhöhe fehlt in dem See.
06:04Und auch wenn es jetzt wieder eine Wasserfläche zu sehen ist, sind hier höchstens 20, 30 Zentimeter Wasser drin.
06:12Der See wird vor allem durch das Grundwasser gespeist.
06:15Sinkt der Grundwasserspiegel, sinkt auch der Wasserspiegel des Sees.
06:18Und die Folgen sind jetzt schon spürbar.
06:19Unsere Amphibienbestände brechen zusammen. Wir hatten hier früher alles, was man sich an Amphibien vorstellen konnte.
06:25Von Kröten über Molche, über Schlangen. Davon ist ein Großteil verschwunden und das auf Dauer.
06:32Gleichzeitig sorgen neue Industrieprojekte in der Region für die Frage, wie viel Wasser Brandenburg künftig noch zur Verfügung haben wird.
06:39Wenige Kilometer vom See entfernt hat sich die Firma Tesla in der brandenburgischen Kleinstadt Grünheide angesiedelt.
06:45In einer Region, die sowieso schon unter Grundwasserstress leidet.
06:49Seit der Bau der Tesla Gigafactory 2019 angekündigt wurde, gibt es heftige Kritik von Anwohnern.
06:55Manu Heuer war von Anfang an dabei.
06:57Viele Projekte, also Schulen, Kindergärten, die neu gebaut werden sollten, lagen auf Eis, weil kein Wasser da ist.
07:04Auch bei Tesla ist der Wasserverbrauch seit Jahren umstritten.
07:07Dem Unternehmen wurde die Nutzung von 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr bewilligt.
07:12Tesla plant, die Produktion in Grünheide deutlich auszuweiten.
07:15Bis zu 7.500 Fahrzeuge pro Woche sollen künftig vom Band laufen.
07:20Damit nimmt auch die Bedeutung der Wasserversorgung für den Standort weiter zu.
07:24Laut Teslas Geschäftsbericht 2025 ist der Wasserverbrauch durch ein eigenes Recyclingsystem inzwischen deutlich gesunken.
07:31Die DW hat das Unternehmen um eine Stellungnahme gebeten.
07:34Bis zum Redaktionsschluss blieb die Anfrage unbeantwortet.
07:37Für viele Anwohner geht es aber längst nicht mehr nur um die Wassermenge, sondern um die Frage, wer in Zeiten
07:43zunehmender Knappheit Verantwortung trägt und wer zum Sparen aufgefordert wird.
07:48Wer in der Regel eingeschränkt wird, sind die privaten Wassernutzer.
07:51Ganz einfach, weil es da am einfachsten möglich ist.
07:55Industrieunternehmen werden da nur selten eingeschränkt.
07:57Und das hängt damit zusammen, dass nicht klar ist, wie die wirtschaftlichen Konsequenzen einzuordnen sind.
08:04Viele der Großprojekte gelten als wirtschaftlich und strategisch wichtig.
08:07Sie schaffen Arbeitsplätze, bringen Investitionen in die Region und liefern Produkte, die für die Energiewende gebraucht werden.
08:13Genau deshalb ist der Konflikt so schwierig.
08:16Denn auch diese Entwicklung braucht Wasser.
08:19Die Ansiedlung von Tesla hat nach Angaben der Wirtschaftsförderung Brandenburg die Nachfrage nach Gewerbe- und Industrieflächen weiter verstärkt.
08:2825 Kilometer Luftlinie von Tesla entfernt, könnte bereits bald das nächste große Industrieprojekt entstehen.
08:34Hier in Fürstenwalde ist ein riesiger Industrie- und Gewerbestandort geplant.
08:38Auf einer Fläche, die mehr als ein Drittel der gesamten bebauten Fläche der Stadt ausmachen würde.
08:43Welche Unternehmen sich dort einmal ansiedeln werden, ist bislang noch völlig offen.
08:47Dafür könnten rund 250 Hektar dieses Waldes direkt neben der Spree gerodet werden.
08:51Die Bürgerinitiative Walderhalt Spreetal kämpft gegen die Pläne und warnt vor weitreichenden Folgen.
08:56Wir haben vor allen Dingen Angst, dass der Klimawandel hier in der Region noch stärker zuschlägt,
09:06wenn wir immer mehr unseren einzigen Schutz gegen die Dürre und unseren einzigen Schutz gegen Wassermangel zugunsten der Industrie opfern.
09:17Der Wald ist zwar größtenteils eine Kiefernmonokultur. Für den Wasserhaushalt spielt er dennoch eine wichtige Rolle.
09:23Denn der Wald speichert Wasser, kühlt die Umgebung und schützt den Wasserkreislauf.
09:27Würde er gerodet, könnte Regenwasser schneller oberflächlich abfließen.
09:31Außerdem würde die natürliche Filterwirkung des Waldbodens wegfallen.
09:34Das ist besonders relevant, weil die Spree eine wichtige Grundlage für die Berliner Trinkwasserversorgung ist.
09:39Wer in Brandenburg waldrodet, muss den Verlust in der Regel ausgleichen.
09:43Meist durch neue Aufforstungen an anderer Stelle.
09:46Kritiker sagen jedoch, ein neu gepflanzter Wald ersetzt keinen gewachsenen Wald,
09:49der schon heute Wasser speichert, kühlt und filtert.
09:52Lange blieb das Vorhaben weitgehend unter dem Radar.
09:55Erst durch den Widerstand der Bürgerinitiative gelangte das Vorhaben in die Öffentlichkeit.
09:59Es gab eben die zwei, drei Beschlüsse, versteckt auf irgendwelchen Webseiten der Gemeinden,
10:06die man dann rausdröseln musste, die man dann auch verstehen musste.
10:10Und ansonsten gab es nichts.
10:12Für viele Anwohner wäre die Umsetzung ein Grund, ihre Heimat zu verlassen.
10:16Wenn ich wüsste, dass dieser Wald verschwinden würde, wenn dieses Industriegebiet hier kommen würde, bin ich weg.
10:23So einfach ist es. Dann ist das hier nicht mehr lebenswert.
10:27Weiter südlich in Brandenburg sorgt ein weiteres Großprojekt für Sorgen.
10:32In Spremberg ist ein großes Kupferbergwerk geplant.
10:34Über Jahrzehnte soll in bis zu 1200 Metern Tiefe Kupfer abgebaut werden.
10:38Ein Rohstoff, der für Stromnetze, Elektroautos und die Energiewende dringend gebraucht wird.
10:43Der Bergbau könnte den Grundwasserhaushalt verändern und die Trinkwasserversorgung gefährden.
10:48Geotechniker Michael Pfeiffer erklärt, warum.
10:50Man muss sich so vorstellen, dass das Deckebürge über dem Kupfer natürlich nicht homogen geschichtet ist.
10:58Dass das wie ein Kuchen geschichtet ist.
11:01Das ist zerrissen.
11:02Da sind Spalte und Klüfte drin.
11:04Und durch diese Risse kann das Wasser bis in diese Tiefe laufen.
11:08Und dieses Grubenwasser ist natürlich stark verunreinigt.
11:12Je nachdem, durch welche Bereiche es strömt.
11:14Es ist aber vor allen Dingen sehr stark salzhaltig, schwefelhaltig.
11:19Ionen sind unterschiedlicher Art drin und kann so auf keinen Fall in eine Vorflut wie zum Beispiel hier die Spree
11:26geleitet werden.
11:27Der Plan ist zwar, dass das Wasser vorher gereinigt wird.
11:30Aber die Reinigungsanlage, die bisher geplant ist, steht im Keimverhältnis zu dem Aufwand, der tatsächlich betrieben werden müsste,
11:38um das Wasser so zu reinigen, dass es gefahrlos in die Spree geleitet werden kann.
11:43Die Trinkwasserversorgung entlang der Spree bis nach Berlin könnte durch das Vorhaben beeinträchtigt werden.
11:49Was passiert, wenn man Trinkwasser gegen Industrie abwägt, kann man hier in Sprengberg bereits sehen.
11:54Für die Braunkohle wurde das Grundwasser abgesenkt.
11:57Dadurch reagieren eisenhaltige Bodenschichten mit Sauerstoff.
12:00Steigt das Grundwasser später wieder an, entsteht Eisenhydroxid, das die Spree hier bis heute braun färbt und die Gewässerqualität beeinträchtigt.
12:08Für viele Menschen in Sprengberg ist das eine Mahnung.
12:10Sie sagen, die Region trägt die Folgen des Braunkohlebergbaus bis heute und befürchten, dass mit dem geplanten Kufferbergbau neue hinzukommen.
12:17Der Braunkohletagebau rührt ja aus der DDR-Zeit her und man hatte damals keine andere Möglichkeit, irgendwie Strom zu produzieren.
12:26Und deswegen sind die Bürger der Stadt und der Region auch mit dieser Last groß geworden.
12:32Man berechnet ungefähr noch bis zur nächsten Jahrhundertwende, wird diese Last durch Sprengberg fließen.
12:39Spätestens 2038 endet der Braunkohleabbau in der Lausitz.
12:44Experten warnen, dass die Spree in trockenen Sommern dann bis zu 75 Prozent weniger Wasser führen könnte.
12:49Mit weitreichenden Folgen für den Wasserhaushalt bis nach Berlin.
12:52Ein Grund, mit dem Ende des Bergbaus fällt das Grundwasser weg, das jahrzehntelang aus den Tagebauen in die Spree gepumpt
12:59wurde und den Fluss künstlich gestützt hat.
13:01Gleichzeitig wird in den kommenden Jahren zusätzlich Wasser benötigt, um ehemalige Tagebaue zu fluten.
13:06Wenn der Kupferbergbau tatsächlich aus politischen Gründen gewünscht ist, bedarf es langfristige Strategien, um die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.
13:18Aber nicht erst, wenn das Kind in Brunnen gefallen ist, sondern als Voraussetzung für eine Genehmigung des Kupferbergbaus hier in
13:26Sprengberg.
13:27Ob Kupfermine, Industrie oder Klimawandel, der Druck auf Brandenburgs Wasser wächst.
13:32Entscheidend wird deshalb sein, künftig besser mit dem vorhandenen Wasser umzugehen.
13:36Und dafür gibt es bereits Lösungen.
13:38Gemeinsam mit ihrem Team erforscht Hydrogeologin Irina Engelhardt, wie überschüssiges Wasser aus regen- und schneereichen Wintern oder nach Starkregen
13:45im Untergrund gespeichert werden kann.
13:47Als Reserve für Trockenzeiten.
13:49Das heißt, es gibt eben Gebiete, die haben sehr gute Standorteigenschaften.
13:53Und dort können wir dieses Überschusswasser letztendlich entweder mit Becken oder auch mit Brunnen in den Untergrund bringen.
14:00Eines der Gebiete befindet sich in Brandenburg, in Hobrechtsfelde.
14:04In diesem Becken versickert bereits gereinigtes Wasser aus Kläranlagen gezielt im Boden.
14:09So wird das Grundwasser wieder aufgefüllt und Wasser für trockene Zeiten gespeichert.
14:12Das Verfahren nennt sich künstliche Grundwasseranreicherung.
14:15Was wir uns da zunutze machen, ist, dass wir im Untergrund ja Mikroorganismen haben.
14:21Wir haben Tonpartikel.
14:22Also all die verändern und reinigen auch das Wasser, was wir einbringen.
14:27Sodass dann letztendlich auch Wasser einer relativ guten Qualität wieder entnommen werden kann.
14:34Engelhardt und ihr Team haben bereits das gesamte Gebiet der unteren Spree untersucht, um herauszufinden, wo die Methode angewandt werden
14:40könnte.
14:41Es gibt Bereiche im Brandenburg, wie zum Beispiel das Gebiet, wo wir derzeit ja Tesla ansässig haben,
14:47wo wir fast den gesamten Bedarf des Trinkwasserversorgers über künstliche Grundwasseranreicherung sogar substituieren könnten.
14:56Doch Deutschland hat ein sehr strenges Wasserhaushaltsgesetz, das es bisher nicht erlaubt, diese Methode großflächig anzuwenden, so Engelhardt.
15:04Ich glaube, gerade für eben Brauchwasser, also sei es Landwirtschaft, sei es Industrie, ist diese Methode sinnvoll,
15:12weil wir eben ja auch nicht das Wasser ganz hoher Qualität brauchen wie beim Trinkwasser.
15:16Doch auch diese Lösung hat eine Grenze.
15:18Eine Limitierung bei der Methode ist letztendlich, dass auch dieses Wasser, was wir infiltrieren, da sein muss.
15:24Also das heißt, wir müssen natürlich immer auch Oberflächengewässer haben, die eine entsprechende Wasserführung haben.
15:31Entscheidend ist nicht nur, wie viel Wasser vorhanden ist, sondern ob Politik und Behörden klare Regeln haben,
15:36wer in Trockenzeiten wie viel Wasser nutzen darf, sagt Dürreexperte Marx.
15:40Und um mal die Brisanz klarzumachen, im Wasserhaushaltsgesetz in Deutschland ist der Begriff der Dürre nicht einmal definiert.
15:48Was heute in Brandenburg verhandelt wird, ist längst ein globaler Konflikt.
15:53Ob in Chile, Mexiko oder Indien.
15:55Überall konkurrieren Industrie, Landwirtschaft, Natur und Bevölkerung um eine Ressource, die immer knapper wird.
16:01Wasser.
Kommentare

Empfohlen