00:00Was am Anfang ein exotisches Ereignis für Touristen war,
00:05ist zu einer schweren Belastung geworden,
00:07vor allem für die Länder an Rhein und Donau.
00:10Die Wasserstände in diesen Flüssen fallen immer weiter.
00:13Dem Rhein droht sogar eine Zweiteilung.
00:16Auf dem mittleren Abschnitt zwischen Koblenz und Köln
00:18könnte bald gar kein Schiffsverkehr mehr möglich sein.
00:23Die Vokabel Jahrhunderthochwasser darf man dem Niedrigwasser
00:28nicht mehr verwenden.
00:30Ich glaube, das Jahrhundertniedrigwasser wird tatsächlich 2026 sein,
00:33wenn wir uns die Entwicklung der Pegelstände anschauen.
00:36Das führt zu gravierenden Lieferproblemen.
00:40Der Rhein ist eine zentrale Transportschlagader,
00:43v.a. für Massengüter wie Kohle, Steine, Mineralölprodukte
00:46und chemische Erzeugnisse, aber auch für Getreide.
00:49Insgesamt gut 280 Mio. Tonnen pro Jahr.
00:54Schiffe können schon seit Langem nicht mehr voll abladen.
00:58Nicht mehr ganz beladen fahren.
00:59Sie fahren schon sehr lange mit, wenn sie überhaupt noch fahren,
01:02mit einer sehr geringen Auslastung.
01:05Die Schiffe, die jetzt noch unterwegs sind,
01:06sind vergleichsweise klein und haben hier im Bereich
01:10vielleicht noch 25, vielleicht noch manchmal 20% Auslastung.
01:15Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger
01:18ist noch ganz frisch im Amt
01:19und muss gleich seine 1. Großkrise bewältigen.
01:22Erstens, es geht um langfristige Maßnahmen,
01:25also Ausbau unserer Wasserstraßen,
01:28um besser mit Niedrigwassersituationen jetzt umgehen zu können.
01:32Zweitens, mittelfristige Maßnahmen,
01:34wie beispielsweise der Umbau von Schiffen,
01:37sodass diese besser mit Niedrigwassersituationen umgehen.
01:39Und drittens, kurzfristige Maßnahmen,
01:42wie die Aussetzung des Sonnen- und Feiertagsfahrverbots für Lkw.
01:46Bereits mehrere Bundesländer haben diesen Vorschlag
01:49für Lastwagen über 7,5 Tonnen aufgegriffen.
01:52Allerdings fehlen in Deutschland über 100.000 Lkw-Fahrer.
01:57Und auch aus ökologischen Gründen wird diese Maßnahme kritisiert.
02:00Um die Fracht eines einzigen Schiffes
02:02mit einer Ladeleistung von 7.000 Nettotonnen zu übernehmen,
02:06müssten 280 Lastwagen auf die Straße gebracht werden.
02:10Und nicht nur Deutschland leidet.
02:12Neben den Niederlanden trifft es auch die Länder
02:15an der knapp 2.900 km langen Donau
02:18mit zwei Atom- und zwei Wasserkraftwerken.
02:21In Ungarn musste wegen fehlenden Kühlwassers
02:25ein AKW kurzfristig abgeschaltet werden.
02:2850% der Stromproduktion fielen aus.
02:31In Rumänien versuchte man mit Felssprengungen in der Donau
02:35den Wasserdurchfluss zu verbessern.
02:38Die Autobauer Ford und Dacia stoppten zeitweise ihre Produktion.
02:42Einer der Lehren aus dieser Situation und den Krisen,
02:47die das europäische Energiesystem in den letzten Jahren erschüttert haben,
02:50betrifft die Vorsorge für den Ausfall.
02:53Es geht um das richtige Gleichgewicht.
02:55Man darf kein System bauen,
02:57dessen Kapazität gerade mal einen durchschnittlichen Tagesbedarf deckt.
03:03Das bedeutet, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben,
03:08Batteriespeicher zu verbessern und das europäische Stromnetz auszubauen.
03:13Das Niedrigwasser gibt auch vieles frei, was lange im Verborgenen lag.
03:17Kriegsschiffe der deutschen Wehrmacht,
03:19die 1944 in Serbien in der Donau versenkt worden waren,
03:24um die heranrückende Rote Armee der Sowjets aufzuhalten.
03:29Im Hafen von Budapest ein deutsches Militärmotorrad
03:33mit den Knochen zweier Soldaten und intakten Erkennungsmarken,
03:37aber auch in Bulgarien die Überreste eines jahrtausendealten Mammuts.
03:43Klimaforscher sagen, Europa ist der Kontinent,
03:46der sich im Moment weltweit am schnellsten aufheizt.
03:49Die nächste Hitzewelle steht schon bevor.
03:52Bis Ende August werden die mächtigen Ströme Rhein und Donau
03:56wohl stellenweise weiter eher an Bäche erinnern.
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