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  • vor 2 Tagen
Festnahmen und harte Urteile verunsichern Doppelstaatler mit russischen Wurzeln. Viele reisen nur noch vorsichtig zu ihren Familien.

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Transkript
00:00Wenn ein Besuch in der Heimat im Gefängnis endet. Immer wieder werden Menschen, die für einen Besuch nach Russland zurückkehren,
00:06dort wegen Hochverrats angeklagt und inhaftiert.
00:09Ihre Fälle sorgen bei vielen im Ausland lebenden Russen für Angst.
00:14Der Gedanke, nie wieder zurückzukehren, ist schwer zu ertragen. Experten sagen, kaum jemand ist noch vor Repression sicher und dahinter
00:22könnte eine bewusste Strategie des Kremls stehen.
00:25Der Staat nutzt Hochverrat zunehmend als Repressionsinstrument.
00:30Für Daria ist es bis heute kaum zu begreifen, dass ihr älterer Bruder Michael wegen Hochverrat in Russland zu 16
00:37Jahren Haft verurteilt wurde.
00:42Misha ist ein Mensch, den man einfach gern haben muss. Er ist sehr offen, sehr sensibel. Als großer Bruder hat
00:48er mich immer beschützt und unterstützt.
00:54Jetzt kämpft sie für seine Freilassung. Im Sommer 2025 reiste Michael Loschin, der die russische und belgische Staatsbürgerschaft besitzt, zu
01:03seinem Krankenvater nach Russland.
01:05An der Grenze wurde er festgenommen. Der Vorwurf, er habe seiner ukrainischen Ex-Freundin vor einigen Jahren 200 Euro überwiesen.
01:14Im Juni 2026 wertete ein russisches Gericht dies als Unterstützung eines ausländischen Staates gegen die russischen Streitkräfte.
01:23Für Angehörige und Freunde sind diese Vorwürfe absurd.
01:27War sie beim ukrainischen Militär? Spielt keine Rolle. Wofür hat sie das Geld gebraucht? Spielt keine Rolle.
01:33Hat er das Geld geschickt? Spielt keine Rolle. Den Rest denken sie sich selbst aus.
01:38Und Michaels Fall ist kein Einzelfall. 2024 wurde die russisch-amerikanische Staatsbürgerin Ksenia Karelyna bei einem Familienbesuch festgenommen.
01:49Grund war eine 51-Dollar-Spende an eine US-Hilfsorganisation für die Ukraine.
01:54Wegen Hochverrats wurde sie zu zwölf Jahren Haft verurteilt.
02:03Solche Fälle verunsichern viele Russinnen und Russen im Ausland zunehmend.
02:08Mascha lebt in Hamburg. Mascha ist nicht ihr richtiger Name. Zum Schutz ihrer Identität möchte sie unerkannt bleiben.
02:15Trotz allen Risiken reist sie weiterhin in ihre Heimatstadt St. Petersburg. Doch jede Reise ist mit Angst verbunden.
02:24Als ich mich auf den Besuch bei meiner Familie vorbereitet habe, hatte ich ehrlich gesagt große Angst.
02:31Ich habe mein Handy durchforstet und Chats und Fotos gelöscht, besonders Bilder von Protesten.
02:38Ich habe die Nummern meiner ukrainischen Freunde und Verwandten entfernt und sämtliche Nachrichten gelöscht.
02:48Schon die Reise nach Russland ist zur Belastungsprobe geworden.
02:51Da es keine Direktflüge aus Europa mehr gibt, sind die Reisen lang und teuer.
02:57An den wenigen offenen Grenzübergängen müssen Reisende oft stundenlang warten.
03:02Das Auswärtige Amt rät deutschen Staatsangehörigen, insbesondere Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft,
03:08von Reisen nach Russland ab und warnt vor dem Risiko willkürlicher Festnahmen.
03:13Doch für Masha, die ebenfalls einen EU-Pass besitzt, ist die Entscheidung zwischen Sicherheit und Familie alles andere als einfach.
03:22Angehörige werden krank, sie sterben.
03:24Es gibt Fragen rund um Eigentum oder Erbschaften.
03:27Man kann Menschen nicht einfach sagen, fahrt nicht hin.
03:30Für Migranten ist es unglaublich wichtig, ihr Herkunftsland besuchen zu können.
03:34Es ist schwer zu akzeptieren, dass man vielleicht nie wieder zurückkehren kann.
03:41Menschenrechtler halten diese Sorgen für berechtigt.
03:44Die Organisation First Department dokumentiert seit Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich mehr Hochverratsverfahren.
03:55Die Gesetze sind so vage formuliert, dass fast jeder schuldig gesprochen werden kann.
04:00Der Staat nutzt Hochverrat zunehmend als Repressionsinstrument.
04:03Die Gerichte in Russland sind längst nicht mehr unabhängig und fungieren zunehmend als verlängerter Arm des FSB.
04:13Die russisch-amerikanische Staatsbürgerin Ksenia Karelina verbrachte etwas mehr als ein Jahr im Gefängnis.
04:19Im April 2025 kam sie im Rahmen eines Gefangenenaustauschs frei.
04:28Auch die Angehörigen, Freunde und Kollegen von Michael Lachin hoffen, dass er eines Tages freikommen könnte.
04:37Wir haben Briefe an den belgischen König geschrieben, sogar an den Papst.
04:43Wir haben uns an verschiedene Organisationen gewandt, um Unterstützung zu bekommen.
04:48Ich hoffe wirklich auf eine diplomatische Lösung, wie auch immer sie aussehen mag.
04:55Um auf Michaels Fall aufmerksam zu machen, organisieren seine Unterstützer öffentliche Auftritte.
05:01Daria sagt, solche Aktionen, aber auch Briefe, die Menschen ihm schicken, helfen ihrem Bruder, die Haft zu durchstehen.
05:09Das Schlimmste für einen politischen Gefangenen ist, vergessen zu werden.
05:13Zu wissen, dass Menschen ihn unterstützen, für ihn kämpfen und auf diese unglaubliche Ungerechtigkeit aufmerksam machen, gibt ihm Kraft und
05:21Hoffnung.
05:21Die Hoffnung, dass eine Freilassung irgendwann möglich sein könnte.
05:28Bis dieser Tag kommt, ist es die Hoffnung, die auch Daria antreibt, weiterzumachen.
05:37Das ist die Hoffnung, die auch Daria antreibt, weiterzumachen.
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