- vor 2 Tagen
- #medicaldetectives
- #truecrime
- #doku
#medicaldetectives #truecrime #doku
Kategorie
📺
TVTranskript
00:02Ray Crone ist in ganz Arizona als der Snaggletooth-Killer bekannt.
00:07Durch eine ungewöhnliche Bisswunde an einer ermordeten Frau wird er überführt und zum Tode verurteilt.
00:15Ein forensischer Odontologe bestätigt den Geschworenen, dass er hundertprozentig sicher sei, dass Crone das Opfer gebissen hat.
00:23Er wusste, dass er falsch lag, doch er hatte sich festgelegt. Sein Kommentar, ich bin zu tief in der Sache
00:29drin.
00:47Die CBS Lounge ist eine von zahlreichen Bars im Zentrum von Phoenix, Arizona.
00:54Hank Arredondo ist Besitzer der Lounge, Kim Ancona seine Geschäftsführerin.
01:02Im Bar-Business solltest du eine nette Persönlichkeit haben und außerdem ehrlich sein. Kim besaß all diese Eigenschaften.
01:14Am 29. Dezember 1991 schließt Kim die Bar kurz nach 1 Uhr.
01:24Hank ruft wie gewöhnlich an, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist.
01:32Kim meldete sich, ich fragte, ob alles in Ordnung sei oder ob es Probleme gäbe. Sie sagte, nein Hank, ich
01:38weiß, du bist müde.
01:39Geh schlafen und ruhig aus, ich kümmere mich um alles.
01:44Als Hank die Bar am nächsten Tag öffnen will, bemerkt er, dass die Tür nur angelehnt ist.
01:51Ich wusste, dass mein Barkeeper die Tür nicht offen gelassen hatte. Irgendwas stimmte nicht.
01:57Zuerst kontrolliert Hank Arredondo den Safe. Doch Geld fehlt nicht.
02:02Er geht in die Küche. Niemand ist dort.
02:07Dann überprüft er die Herrentoilette.
02:13Wenn ich die Augen schließe, sehe ich noch immer diese Szene vor mir.
02:17Sie lag auf der Toilette, mit starren Augen. Tot.
02:27Ich erinnere mich bis heute und wahrscheinlich bis ans Ende meines Lebens.
02:31Dieses Mädchen war einfach schön, sogar im Tod.
02:37Tatortspuren lassen darauf schließen, dass der Mörder sich ein Messer aus der Küche genommen,
02:42Kim dann in die Herrentoilette gedrängt und dort erstochen hat.
02:54Nach der Tat hat er das Messer unter einem Müllbeutel im Mülleimer versteckt
02:58und beim Hinausgehen auf dem sauberen Küchenboden einen Schuhabdruck hinterlassen.
03:06Kriminaltechniker identifizieren diesen Abdruck als einen Sportschuh der Marke Converse mit der Größe 9,5.
03:14Auf Kim Anconas Leiche werden schwarze Haare gefunden. Es sind nicht ihre.
03:20Und es stellt sich heraus, dass der Mörder durch Kims Top gebissen und Wunden in der Haut des Opfers hinterlassen
03:26hat.
03:26Auf der Theke der Bar stehen noch zwei Getränke, die vermutlich nach Geschäftsschluss eingeschenkt wurden.
03:33Die Spurensicherung entdeckt Kims Fingerabdrücke auf einem Glas. Andere Abdrücke sind nicht zu identifizieren.
03:41So entstand die erste Theorie, dass sie die Person gekannt haben muss.
03:45Sie hat sie in die Bar gelassen, was gegen die Betriebsregeln verstößt und wurde später von dieser Person getötet.
03:55Diebstahl scheint nicht das Motiv zu sein, denn in Kims Handtasche fehlt kein Geld.
03:59In der Tasche findet die Polizei ein Adressbuch mit dem Namen und der Telefonnummer eines Stammkunden.
04:05Es ist der Postbote Ray Crone.
04:11Er war nicht sehr beliebt, wissen Sie. Er war dreist. Er hatte irgendetwas, was bei anderen nicht gut ankam.
04:21Mehrere Barangestellte berichten der Polizei, dass Kim und Ray sich näher kannten.
04:27Stammen die Bisswunde, der Schuhabdruck und die Haare von ihm? Das wäre für die Polizei ein Glücksfall.
04:37Während der Autopsie von Kim Enconer machen die Rechtsmediziner zahlreiche Fotos von der Bisswunde im oberen Brustbereich.
04:45Die Aufnahmen beweisen, dass der Mörder ein ganz spezielles Bissmuster hat.
04:52Dem Kriminalisten Stefan Harbord verraten Bissspuren an einer Leiche einiges über den Täter, seine Motivation und sein Verhalten.
05:00Das Setzen von Bissverletzungen im Intimbereich ist in aller Regel ein Ritual mit sadistischem Gepräge.
05:09Solche Taten werden in aller Regel vorfantasiert und entsprechende Gewalt- und Tötungsfantasien sind dann eine Art Blaupause für das
05:17spätere reale Tatgeschehen.
05:19Den Tätern geht es in erster Linie darum, Macht zu demonstrieren und auszuüben und darüber hinaus eigene, lange aufgestaute Aggressionen
05:28loszuwerden.
05:30Die Fotos der Bisswunden zeigen eindeutig, dass der linke Schneidezahn im Vergleich zum anderen deutlich hervorragend.
05:40Die Ermittler rätseln noch immer, welche Bedeutung der Name Ray Crone aus dem Adressbuch von Kim Enconer hat.
05:46Ist Crone mehr als nur ein guter Bekannter?
05:50Kim Enconer hatte vielen Freunden erzählt, dass sie sich für Ray interessierte, ihn mochte und das Gefühl hatte, dass sich
05:56etwas entwickeln könnte.
05:58Ihre Freunde haben das an die Polizei weitergegeben.
06:01Ray Crone ist 35 Jahre alt, Veteran der Air Force und nicht vorbestraft.
06:08Die Polizei erfährt, dass Kim am Tag ihrer Ermordung eine Verabredung mit Crone hatte.
06:15Als die Polizei Kims Freunde befragte, waren die überzeugt, dass Kim sich in dieser Nacht nicht mit Ray Crone treffen
06:21wollte, damit er mit ihr die Bar schließt.
06:26Als die Beamten Ray Crone verhören, gibt dieser lediglich eine Bekanntschaft zu, bestreitet jedoch eine Liebesbeziehung.
06:33Sie war immer nett, eine sympathische Person, sehr freundlich und aufgeschlossen.
06:40Ich mochte sie. Ich mochte ihr Temperament.
06:43Aber wir hatten keine Beziehung.
06:47Crone bestreitet, Kim in der Bar getroffen zu haben und präsentiert ein Alibi.
06:52Er wohnt mit einem Arbeitskollegen zusammen, der bestätigt, dass Crone in der Mordnacht zu Hause gewesen ist.
07:00Doch während des Verhörs bemerken die Beamten, dass Crones linker Schneidezahn so hervorsteht, wie sie es bei Kims Bisswunden gesehen
07:08haben.
07:13Nachdem die Beamten sich die Bisswunde auf Kim an Conas Körper angeschaut hatten, kamen sie zu dem Schluss, dass seine
07:19Zähne mit dem Bissabdruck auf Kims Körper übereinstimmen.
07:25Crone ist einverstanden, einen Vergleichsabdruck von seinen Zähnen machen zu lassen.
07:30Die Ermittler benutzen dazu gewöhnliches Styropor, weil es weich, aber dennoch stabil ist.
07:37Forensische Odontologen untersuchen eine Reihe von Bissabdrücken der Männer, die Kim an Cona gekannt haben.
07:42Nur bei einem Abdruck ragt der linke Schneidezahn so deutlich hervor, wie bei der Bisswunde auf der Leiche.
07:49Es ist der Abdruck von Ray Crone.
07:53Bremsen quietschen, Türen knacken und ich sah Beamte, die ihre Waffen auf mich richteten und riefen, ich solle mich nicht
07:58bewegen.
07:58Sie stießen mich zu Boden, legten mir Handschellen an und nahmen mich mit.
08:02Ich wurde des Mordes, der Entführung und Vergewaltigung beschuldigt.
08:05Das war Silvesterabend 1991.
08:09Crone beteuert seine Unschuld, doch eine Erklärung, warum sein Bissabdruck dem auf Kim an Conas Körper ähnelt, hat er nicht.
08:18Es war eine frustrierende, ärgerliche und erniedrigende Situation.
08:23Ich fragte mich, warum?
08:25Warum hört mir keiner zu?
08:28Warum nimmt sich keiner die Zeit und schaut richtig hin?
08:31Dann werden sie sehen, dass hier ein großes Problem ist.
08:37Doch die Bisswunde ist nicht das einzige Beweisstück gegen Crone.
08:42Der Täter hat Speichelflüssigkeit auf Kims Kleidungsstücken hinterlassen.
08:46Die DNA-Tests vom Speichel bringen zwar kein verwertbares Ergebnis, die Blutgruppe des Täters stimmt jedoch mit Ray Crones überein.
08:57Ray Crone wird verhaftet und des Mordes angeklagt.
09:00Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der Bissabdruck das wertvollste Beweisstück in der Verhandlung sein wird.
09:07Sie haben einen bekannten Bissabdruckexperten aus Las Vegas angeheuert, der bestätigen sollte, dass die Abdrücke zu 100% übereinstimmen, besser
09:15als ein Fingerabdruck.
09:18Der Experte ist der forensische Odontologe Raymond Rawson.
09:26In der Verhandlung zeigt Dr. Rawson dieses Video, in dem die Bilder von Kim Anconas Bisswunden mit dem Bissabdruck von
09:33Ray Crone überblendet werden.
09:41Gestützt auf dieses Beweismaterial wird Ray Crone des Mordes für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.
09:48Das war mir egal. Wenn ich unschuldig ins Gefängnis sollte, dann konnten sie mich auch gleich töten.
09:53Was war mein Leben noch wert, für das ich 35 Jahre gearbeitet habe?
09:57Die Presse nennt Crone den Snaggletooth-Killer.
10:02Der Richter hat die Bisswunden als Folter interpretiert und ihn deshalb zum Tode verurteilt.
10:10Doch wenn Crone tatsächlich unschuldig ist, wie er behauptet, wie kann es dann sein, dass sich ein landesweit anerkannter Odontologe
10:18so sicher ist?
10:25Ray Crone hat bereits drei Jahre im Todestrakt verbracht, als Strafe für die Ermordung der 35-Jährigen Kim Ancona.
10:33In dieser Zeit hat er sich eigene Gedanken über den Bissabdruck gemacht, der zu seiner Verurteilung geführt hat.
10:40Ich meine, im Grunde könnte man irgendeinen scharfen Gegenstand nehmen, ihn mehrmals in die Haut stechen und behaupten, ja, das
10:45ist eine Bisswunde und sie stammt von ihm.
10:47Und wenn man es genug Personen zeigt, wird schließlich einer behaupten, dass die Abdrücke übereinstimmen. Das ist doch Müll.
10:54In Arizona werden alle Fälle mit Todesstrafe noch einmal an das oberste Bundesgericht verwiesen.
11:02Zum Glück für Crone liefert das Videoband mit den Bissabdrücken Gründe für einen Einspruch.
11:08Laut Gericht wurde der Verteidigung vor der Verhandlung nicht genug Zeit gegeben, um sich das Band anzusehen.
11:17Crones Familie bittet Chris Plott, Rays Verteidigung bei der Wiederaufnahme des Verfahrens zu übernehmen.
11:23Plott ist ein Spezialist für komplizierte forensische Fälle.
11:27Ich erfuhr, dass Ray Crone wegen eines Bissabdrucks im Todestrakt sitzt.
11:31Ich wusste nicht, ob es für seine Verurteilung noch andere Beweise gab und war skeptisch, weil ich ständig solche Geschichten
11:36höre.
11:39Die Kriminaltechniker, die Plott angeheuert hat, finden heraus, dass die Haare von Kims Körper mongolider Rasse sind.
11:48Unter dem Mikroskop haben diese mongoliden Haare ein ganz charakteristisches Erscheinungsbild
11:53und sind von Experten wie Dr. Dietrich Innhülsen schnell zu erkennen.
11:59Mongolide Haare haben allein von der Pigmentierung her schon starke Abweichungen zu Haare von europäischen Personen.
12:10Dann sind Unterschiede auch in der Dicke erkennbar.
12:15Und wir können auch teilweise unterschiedliche Markstrukturen im Inneren des Haares haben.
12:21Diese Mongoliden Haare haben nur bestimmte Rassen.
12:26Rassen mit Mongoliden Haaren, das sagt der Name schon, stammen von den Mongolen ab, die im Osten Russlands gelebt haben
12:34und dann über die Beringstraße nach Nordamerika eingewandert sind.
12:37Und entsprechend haben auch dort die Ureinwohner, die Indianer, diese Ausformungen der Haare
12:43und entsprechend weitere Bevölkerungsgruppen, die mit diesen Ureinwohnern verwandt sind.
12:51Plotts Experten finden zudem heraus, dass Ray Crone die Schuhgröße 10,5 hat.
12:57Der Abdruck auf dem Küchenboden stammt jedoch von einem Schuh der Größe 9,5.
13:03Die Verteidigung zieht Dr. Skip Sperber, den ehemaligen Vorsitzenden der Amerikanischen Akademie für Forensische Odontologie hinzu,
13:12damit er sich die Bisswunden ansieht.
13:17Was Dr. Sperber berichtet, ist überraschend.
13:20Er behauptet, das Beweismaterial schon einmal gesehen zu haben.
13:27Es wurde ihm vor der ersten Verhandlung zugeschickt.
13:32Ein guter Freund von mir, John Pajekes aus Phoenix, Arizona, hat mich angerufen und gebeten, dass ich mir diesen Fall
13:40Crone ansehe.
13:42Als ich das tat, bemerkte ich, dass es zu viele Ungereimtheiten gab, um zu behaupten,
13:48dass die Zähne des Verdächtigen Ray Crone eindeutig mit der Bisswunde des Opfers übereinstimmen.
13:56Dr. Sperber teilt seinem Kollegen von der Staatsanwaltschaft in Arizona mit, dass dieses Beweismaterial sehr schwach ist.
14:04Auf einer Skala von 1 bis 10, bei der 10 sehr gut bedeutet, würde ich es bei 3 oder 4
14:11einstufen.
14:13Dieser Bissabdruck kann auf der Skala bei 9 oder 10 eingestuft werden.
14:21Alle Zähne haben eindeutige Abdrücke hinterlassen und es sind deutliche Übereinstimmungen zu erkennen.
14:28Die Bisswunde von Kim Ancona hat nur wenige deutliche Markierungen.
14:36Dr. Sperber nimmt Ray Crones Gebissabdruck und macht in Styropor einen Abdruck davon.
14:46Dann zeichnet er das Zahnmuster auf einer Folie nach.
14:54Zum Schluss wird die Folie über das Bild mit der Bisswunde gelegt.
15:04Obwohl der linke Schneidezahn in beiden Abdrücken etwas hervorsteht, hat Ray Crone jedoch keine Lücke zwischen den Schneidezähnen.
15:13Die Bisswunde auf dem Körper des Opfers hat aber diese eindeutige Lücke.
15:18Für Dr. Sperber sind das ganz klare Ergebnisse.
15:23Wenn es ein guter Biss ist, springt es einem förmlich ins Gesicht und man sieht sofort ähnliche Züge.
15:28Beim Fall Crone gibt es aber keine Ähnlichkeiten.
15:31Das war das wichtigste Beweisstück und als der Experte erklärte, dass ich es nicht war, war ich überglücklich und dachte,
15:37wow, es kann doch noch gut werden.
15:41Doch auch in der zweiten Verhandlung wiederholt Dr. Raymond Rawson seine Zeugenaussage aus dem ersten Prozess.
15:47Er behauptet erneut, dass der Bissabdruck zweifellos von Ray Crone stammt.
15:54Das Team der Verteidigung widerspricht ihm.
15:58Ich konnte Ray Crone eindeutig als Täter ausschließen und ich war nicht der Einzige.
16:03Drei weitere forensische Zahnärzte, die alle amtlich zertifiziert und hochqualifiziert sind, haben ihn auch ausgeschlossen.
16:11Doch die Geschworenen sind anderer Meinung.
16:14Sie stellen sich auf die Seite des Experten der Anklage und befinden Ray Crone erneut für schuldig.
16:23Was soll ich davon halten? Was ist mit dem berechtigten Zweifel? Was ist mit Unschuld, solange die Schuld nicht bewiesen
16:28ist?
16:29Das existiert nicht in dem Rechtssystem, das ich kennengelernt habe.
16:33Wir wussten, dass jemand anderes in der Toilette war. Es gab noch unbekannte Fingerabdrücke.
16:37Jemand, dessen Schuhgröße mit der des Angeklagten nicht übereinstimmte und auch dessen Haare stimmten nicht überein.
16:44Das FBI hatte gesagt, dass die Haare weder von Mr. Crone noch vom Opfer stammten.
16:48Vernunft und gesunder Menschenverstand sagten mir, dass es nicht Mr. Crone war.
16:53Doch die Geschworenen kamen zu einem anderen Ergebnis.
16:56Als ich das Urteil der zweiten Verhandlung hörte, konnte ich es nicht fassen. Unglaublich.
17:01Es war der reinste Zirkus. So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt.
17:09Ray Crone hat bereits aufgegeben und versucht, sich mit dem Leben hinter Gittern abzufinden.
17:14Da kommt doch noch Hilfe von dem Rechtssystem, das er schon längst verachtet.
17:22Kurz vor Crones zweiter Verhandlung sitzt Dr. Richard Sauveron, einer der Experten aus dem Verteidigungsteam,
17:29während einer Tagung neben dem forensischen Experten der Anklage, Dr. Rawson.
17:37Er sagte, er sei zu tief darin verwickelt. Er wusste, dass er falsch lag. Doch er hatte sich festgelegt.
17:43Wenn das nicht schrecklich ist, was ist es dann?
17:46Ich hasste es zu sehen, wie er in dieser Situation gefangen war und sagte zu ihm,
17:50wissen Sie was, steigen Sie aus dieser Sache aus. Sagen Sie, dass Sie nicht mehr weitermachen wollen und Ihre Meinung
17:56geändert hätten.
17:57Oder, dass Sie auf jemand anderes gehört und Ihre Ansicht geändert hätten. Jeder macht Fehler.
18:03Doch er sagte nur, ich stecke zu tief drin.
18:05Damit war das Gespräch beendet.
18:08Durch einen Sprecher lässt Dr. Rawson erklären, dass die Unterhaltung mit Dr. Sauveron nie stattgefunden hat.
18:16Erst im Jahr 2001 gibt es wieder Hoffnung für Crone, als ein neues Gesetz in Kraft tritt.
18:22Arizona, einer der führenden Staaten in den USA, verabschiedete ein Gesetz, das Gefangenen einen nachträglichen DNA-Test zubilligt.
18:30Verurteilte erhalten Zugang zum Beweismaterial und können mit dem DNA-Test ihre Unschuld beweisen.
18:38Crones Verteidigung bittet den Staat Arizona, alle Kleidungsstücke von Kim Ancona auf DNA-Spuren zu untersuchen.
18:45Der Speichel von ihrer Bluse ist bereits untersucht worden.
18:48Die Ergebnisse sind ohne Beweiskraft.
18:52Doch auf der Jeans finden sich kleine Blutflecken, von denen die Anklage glaubt, dass sie von Kim Ancona stammen.
18:58Die Hose wird ins Kriminallabor geschickt und dort einem DNA-Test unterzogen, bei dem 13 genetische Marker analysiert werden.
19:10Der Test liefert unerwartete Ergebnisse.
19:14Die Blutflecken auf Kim Anconas Hose stammen weder von ihr noch von Ray Crone.
19:20Doch von wem stammen sie?
19:21Um das herauszufinden, geben die Ermittler den neuen DNA-Befund in eine nationale Datenbank ein.
19:27In den USA sind genetische Profile von über einer Million Straftätern gespeichert.
19:33In Deutschland werden DNA-Profile zentral beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden vorgehalten.
19:39Insbesondere werden Daten gespeichert von verurteilten Tätern, die eine sogenannte Katalogstraftat begangen haben,
19:46beispielsweise Einbruch bis hin zum Sexualmord.
19:49Die Täter müssen darüber hinaus als potenzielle Wiederholungstäter eingestuft worden sein.
19:55Und es werden DNA-Profile eingestellt, die von unterschiedlichsten Tatorten stammen.
20:01Ziel einer solchen Datenbank ist es, erstens die Identifizierung eines Tatverdächtigen über sein bestehendes DNA-Profil
20:10oder aber das Erkennen von Tatzusammenhängen, beispielsweise wenn festgestellt wird,
20:16dass ein und dieselbe Person an verschiedenen Tatorten gehandelt hat.
20:21Jedes Profil wird überprüft.
20:23Und tatsächlich findet die Datenbank eine Person.
20:27Es ist der 35-jährige Kenneth Phillips, der zurzeit wegen sexueller Kindesbelästigung im Gefängnis sitzt.
20:38Zum Zeitpunkt des Mordes lebte Kenneth Phillips nur rund 500 Meter von der CBS-Lounge entfernt.
20:47Er wohnte direkt hinter der Bar.
20:49Er ist amerikanischer Indianer, zu dem einige DNA-Ergebnisse passten und auch die Haare vom Tatort.
20:57Als die Polizei Phillips verhört, macht er ein erschreckendes Geständnis.
21:03Er behauptet, am Morgen nach Kims Ermordung aus einem alkoholischen Blackout mit blutverschmierten Händen aufgewacht zu sein.
21:11Dann hat er die Nachrichten im Fernsehen gesehen.
21:16Ich saß da und überlegte immer wieder. Ich dachte die ganze Zeit, das kann nicht sein. War ich das?
21:25Doch die Beweise sind erdrückend.
21:28Phillips' Fingerabdrücke befinden sich unter den unbekannten Abdrücken aus der Herrentoilette.
21:35Auch seine Schuhgröße stimmt mit dem Abdruck vom Tatort überein.
21:39Und bei seinem Gebiss ragt der linke Schneidezahn ganz eindeutig so hervor, wie bei der Bisswunde.
21:48Für Ray Crone ist die Tortur endlich vorbei.
21:51Nach zehn Jahren und vier Monaten, die er unschuldig im Gefängnis saß, wird er aus der Haft entlassen.
22:02Ich war über zehn Jahre im Gefängnis.
22:05Den Tag meiner Entlassung werde ich nie vergessen.
22:07Ich habe hier ein Andenken.
22:09Ich werde es nie vergessen.
22:14Die forensischen Odontologen sagen, dass das Problem in Crones Fall eine Aussage von Dr. Rawson gegenüber den Geschworenen war.
22:22Er hatte behauptet, ein Bissabdruck könne genauso exakt übereinstimmen wie ein Fingerabdruck.
22:28Doch das ist selten der Fall.
22:30Das Beste, was ein forensischer Odontologe angeben kann, ist ein mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit.
22:37Das ist das höchste Level.
22:39Es besteht immer die Möglichkeit, dass jemand Zähne hat, die ein ähnliches Muster hinterlassen.
22:45Ray Crone versucht, sein Leben neu zu ordnen.
22:48Die Experten sagen, dass sie aus Crones Fall gelernt haben, dass Bissabdrücke selten eindeutig sind und nur zum Ausschluss von
22:57Verdächtigen nicht zu ihrer Verurteilung benutzt werden sollten.
23:03Das Ergebnis einer Bissabdruckanalyse ist mehr Meinung als Beweis.
23:08Und das sollte den Geschworenen immer erklärt werden.
23:13Crones Fall war schlechte Wissenschaft.
23:15Die wissenschaftlichen Erklärungen wurden von Leuten gemacht, die mit unwissenschaftlichen Methoden gearbeitet haben.
23:22Die Interpretation der Bisswunde hat mich verurteilt.
23:25Weder die wissenschaftlichen Befunde noch die Fingerabdrücke stimmten mit meinen überein.
23:29Auch der Schuhabdruck, die Haare und das DNA-Profil stimmten nicht.
23:33Die Interpretation des Bissabdrucks genügte, um mich zu verurteilen.
23:42An einem Sommerabend verlässt eine Frau in Anchorage, Alaska, eine Bar und läuft taumelnd die Straße herunter.
23:51Sie ist betrunken und wehrlos.
23:53Kurze Zeit später ist sie tot.
23:58Ihr Mörder hinterlässt einen ungewöhnlichen Beweis am Tatort.
24:04Dieser Beweis kann mit gewöhnlichem Klebstoff sichtbar gemacht werden.
24:11Der 8. August 1996 ist ein schöner Sommermorgen in Anchorage.
24:16Doch als Angestellte eines Bürogebäudes zu ihrem Arbeitsplatz kommen, entdecken sie etwas Schreckliches.
24:26Das ist das erste Mal, dass ich so etwas erlebe. Ich möchte das nicht noch einmal. Es ist schrecklich.
24:32In der Nähe liegt unter Bäumen eine Leiche.
24:37Jemand hat sie hart ins Gesicht geschlagen. Sie schad nicht mehr zu atmen.
24:43Eine karierte Jacke und andere Kleidungsstücke liegen im Umkreis verstreut.
24:47Ein deutlicher Hinweis auf einen Kampf um Leben und Tod.
24:52Es handelte sich um einen schweren Übergriff.
24:55Sie hatte mehrere Schläge auf den Kopf und den oberen Brustkorb bekommen.
25:02Das Opfer ist so entstellt, dass eine Identifizierung nicht möglich ist.
25:07In der Liste vermisster Personen ist sie nicht zu finden.
25:10Und auch Zeugen des Verbrechens gibt es nicht.
25:15Jedes Mal, wenn keine Zeugen da sind, gibt es Schwierigkeiten.
25:18Niemand sagt dir, wohin du gehen sollst, wo du suchen musst, wen du fragen könntest, was du tun sollst.
25:26Das Opfer ist nach dessen Entdeckung weder bewegt noch angefasst worden und es ist vor den Sonnenstrahlen geschützt gewesen.
25:39Aufgrund dieser Umstände trifft Ermittler Bill Gifford eine ungewöhnliche Entscheidung.
25:45Ich habe befohlen, schnell zu machen, um Fingerabdrücke vom Körper zu bekommen.
25:51Seit sechs Jahren experimentiert Gifford an einer Technik, mit der man Fingerabdrücke auf der menschlichen Haut sichtbar machen kann.
26:01Das Superglue-Fuming wird normalerweise auf nicht-porösen Oberflächen angewendet, wie Glas oder Metall.
26:09Auch beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden wird die Methode des Superglue-Fumings häufig angewendet.
26:17Das Superglue-Fuming oder wie wir in Deutschland sagen, die Cyan-Acrylat-Bedampfung ist ein wertes, ein weit verbreitetes Verfahren,
26:27um Fingerabdrücke auf nicht-sorgenden Oberflächen zu sichern.
26:31Da kommt es darauf an, ob es sich um, sage ich mal, relativ kleine Gegenstände handelt.
26:36Die kann ich in einen Schrank zum Beispiel mit diesem Cyan bedampfen.
26:41Dazu wird eine bestimmte Atmosphäre in diesem Schrank hergestellt, eine bestimmte Temperatur, eine bestimmte Luftfeuchtigkeit.
26:47Und dann lagern sich diese Cyan-Bestandteile, dieser Cyan-Dampf an den Bestandteilen des Fingerschweißes an.
26:55Anfang der 80er Jahre bemerkten Angestellte einer Klebstofffabrik in Japan,
27:00dass der Klebstoff beim Zusammenkleben von Gegenständen Dämpfer ausstößt, die Fingerabdrücke sichtbar machen.
27:07Die Abdrücke haben dann eine weißliche Farbe.
27:11Diese Erkenntnisse wurden einem japanischen Kriminallabor mitgeteilt, das die Neuigkeit nach mehreren Treffen weitergab.
27:21Um diese Technik auf Haut anzuwenden, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein.
27:27Kein Rettungspersonal darf die Leiche berührt haben, weil sonst Fingerabdrücke verwischt oder andere hinterlassen werden.
27:34Ist das Opfer schon länger tot, verschwinden die Abdrücke mit der Verwesung.
27:38Jede Art von Niederschlag, sogar Tau, kann Abdrücke wegspülen.
27:42Und die Temperatur muss stimmen.
27:44Bei starker Hitze schmelzen die Abdrücke, bei extremer Kälte lösen sie sich auf.
27:50Aufgrund der Vielzahl dieser Einschränkungen ist Bernd Geide vom BKA skeptisch.
27:55Das wird immer wieder behauptet, dass es möglich sein soll, Fingerabdrücke auf Leichen zu finden.
28:01Der Stand in Deutschland ist der, dass es uns gelingt, in Laborversuchen, unter ganz bestimmten Bedingungen, die wir auch selber
28:11herstellen können,
28:13einen Fingerabdruck auf eine Leichenhaut zu legen und diesen Abdruck dann anschließend auch wieder sichtbar zu machen.
28:19In der normalen Fallarbeit ist uns zumindest noch kein Fall bekannt, in dem das gelungen ist, einen Fingerabdruck von einer
28:29Hautoberfläche einer Leiche zu nehmen.
28:32Gifford bestellt Kriminaltechniker, die ein Zelt um die Leiche aufstellen sollen.
28:37Dazu benutzen sie eine Plastikplane und PVC-Rohre.
28:45Dann wird eine Schüssel mit Wasser erhitzt, um die Feuchtigkeit im Zelt zu erhöhen.
28:52Mithilfe eines Haartrockners werden nun Klebstoffdämpfe in den luftdichten Raum geblasen.
29:04Dabei benutzt Gifford mehr Klebstoff, als forensische Wissenschaftler eigentlich empfehlen.
29:13Bei diesem Fall haben wir die 300- oder 400-fache Menge an Klebstoff genommen als normalerweise und diesmal stimmte
29:20die Menge.
29:22Der erhitzte Klebstoff haftet an den Fetten, die jemand mit seinen Fingern oder Händen hinterlässt.
29:28Der Klebstoff erhärtet dann am Abdruck und kann fotografiert werden.
29:35Das Superglue-Fuming kann am Opfer nur einmal durchgeführt werden.
29:40Und es klappt tatsächlich.
29:43Ich will nicht ausschließen, dass zufällig mal genau die Bedingungen auch in der üblichen Fallkonstellation vorliegen,
29:52dass es dann genau unter den Umständen möglich ist, auch einen Fingerabdruck von einer Leichenhaut zu nehmen.
29:58Ich kann mir das vorstellen, wenn es zum Beispiel in der kühlen Jahreszeit passiert,
30:03eine Leiche sehr schnell auskühlt, auf dieser Temperatur bleibt, es nicht sehr feucht ist.
30:08Das sind so Rahmenbedingungen, die eine Rolle spielen dabei.
30:11Dass dann tatsächlich durch Zufall mal solch eine Bedingung vorhanden ist
30:16und es dann auch gelingen kann, einen Fingerabdruck sichtbar zu machen.
30:20Auf dem linken Oberschenkel des Opfers erkennt man einen Teil von der linken Handfläche des Mörders.
30:27Wir waren überwältigt.
30:29Das war der zweite Abdruck, der je auf menschlicher Haut gefunden wurde.
30:34Ihn zu finden war letztlich ein Meilenstein.
30:40Der Handflächenabdruck war in exzellentem Zustand.
30:43Anhand der Neigung des Terrains, der Stelle des Abdrucks und den Verletzungen, die dem Opfer zugefügt wurden,
30:49konnte ich exakt sagen, welche Hand es gewesen ist.
30:53Die Person hatte sich im Bereich des Oberschenkels festgehalten, während sie dem Opfer die Verletzungen zufügte.
31:04Über der Leiche, an ein paar tiefhängenden Ästen, findet die Polizei 35 Kopfhaare, die nicht vom Opfer stammen.
31:14Es scheint so, als hätten sich die Zweige während des Überfalls in den Haaren des Täters verheddert.
31:21Jetzt hat die Polizei den Handflächenabdruck und vermutlich eine Haarprobe des Mörders.
31:31Im Leichenschauhaus von Anchorage stellt der Rechtsmediziner fest, dass das Opfer aus Alaska stammt,
31:37zwischen 30 und 40 Jahre alt, 1,55 Meter groß und 50 Kilogramm schwer ist.
31:44Er entdeckt eine Bisswunde an der Brust und Anzeichen auf sexuellen Missbrauch.
31:51Am Rumpf des Opfers sind blutige Stiefelabdrücke zu erkennen, die jedoch für eine Identifikation nicht deutlich genug sind.
32:00In diesem speziellen Fall lieferte die Gewalt keinen Hinweis, ob Opfer und Täter sich kannten,
32:05aber wir konnten feststellen, dass der Täter viel Zeit mit dem Opfer verbracht hatte, sowohl vor als auch nach dem
32:12Tod.
32:16Der toxikologische Bericht ergibt, dass das Opfer zum Zeitpunkt des Todes einen außergewöhnlich hohen Blutalkoholgehalt gehabt hat.
32:25Die Polizei von Anchorage überprüft die Liste der vermissten Personen, doch sie findet keinen Eintrag, der auf das Opfer zutrifft.
32:34Die Ermittler wenden sich nun den Haaren zu, die am Tatort sichergestellt wurden.
32:43Deren Untersuchung ergibt, dass die vermeintlichen Haare des Täters Mongoliderherkunft sind.
32:50Sie kommen vorwiegend bei Asiaten vor, aber auch Indianer haben Mongolidehaare.
32:58Mongolidehaare haben eine sehr dunkle Pigmentierung.
33:01Sie sehen meistens schwarz aus und sind oft sehr glatt.
33:08Die gefundenen Haare sind zwischen 45 und 50 Zentimeter lang und sehr außergewöhnlich.
33:15Das waren die markantesten Haare, die ich je gesehen habe.
33:21Die Haare sind gebleicht worden.
33:23Da Mongolidehaare sehr dunkel sind, hat diese chemische Behandlung einen besonderen Effekt.
33:32Wenn sie mit Bleichmittel behandelt werden, lösen sich einige Pigmente aus dem Haar.
33:36In diesem Zustand ist das Haar orange.
33:39Die Polizei sucht nun einen aus Alaska stammenden Mann, der lange schwarze Haare bis zur Talie hat, mit einer ungleichmäßigen,
33:48orangefarbenen Tönung.
33:50Wir wussten nicht, wer der Angreifer war.
33:52Wir wussten nicht, was er vorhatte und ob er ein Serienmörder war.
33:56In den ersten Wochen waren wir sehr beunruhigt, denn in unserer Gemeinde liefen eine oder mehrere Personen herum, die fähig
34:03waren, solche abscheulichen Verbrechen zu begehen.
34:06Wir waren nicht in der Lage herauszufinden, wer die Person ist.
34:13Da das Opfer zum Zeitpunkt des Todes sehr viel Alkohol im Blut hatte, überprüft die Polizei alle Bars im Stadtzentrum
34:20von Anchorage.
34:22Viele dieser Bars sind beliebt bei Indianern.
34:27Aus Haftungsgründen besitzen die meisten Bars eine Überwachungsanlage.
34:32So können die Besitzer beweisen, dass niemand bedient wird, der erkennbar betrunken ist.
34:38Barbesitzer können entscheiden, ob sie eine Überwachungsanlage haben wollen oder nicht.
34:41Installieren müssen sie selbst. Es ist nicht vorgeschrieben, sondern freiwillig.
34:46Die Polizei nimmt von jeder Bar aus dem Stadtzentrum die Videobänder mit und kämpft sich durch die stundenlangen Aufnahmen.
34:57Diese Überwachungskamera, die außerhalb einer Bar installiert ist, hat in der Mordnacht Aufnahmen gemacht.
35:05Trotz der späten Abendstunden ist das Bild erstaunlich hell.
35:11Warum?
35:13Die Sonne scheint in Anchorage noch abends um 9 oder 10 Uhr, da die Stadt weit im Norden liegt.
35:20Alaska wird deshalb auch das Land der Mitternachtssonne genannt.
35:24Auf diesem Videoband sieht man eine Frau, die eine karierte Jacke trägt.
35:28Sie läuft arm in Arm mit einem Mann die Straße herunter, der lange, schwarze Haare hat.
35:38Ich fand die Aufnahme der Person recht gut. Sie war zwar nicht richtig scharf, aber deutlich genug, um damit loszugehen
35:45und nach den Personen zu suchen.
35:47Wir mussten einen Hinweis bekommen, wer die Personen sein konnten.
35:52Das Kunststück ist nun, anhand dieses Bildes das Paar zu identifizieren.
36:04Die Polizei von Anchorage hat dieses Videobild entdeckt und vermutet, dass es Opfer und Mörder in der Mordnacht zeigt.
36:13Das Video stammt aus einer Bar im Stadtzentrum von Anchorage, die The Avenue heißt.
36:22Neun Überwachungskameras sind in der Bar ständig in Betrieb.
36:27Sie observieren fast jeden Quadratmeter der Bar, den Eingang und den Ausgang.
36:34Barbesitzer John Petty sagt, dass die Überwachung kein Luxus ist, sondern eine Notwendigkeit.
36:43Eine Überwachungsanlage ist eine andere Art von Leibwache.
36:45Man muss weniger Personal haben, kann aber trotzdem sieben, acht verschiedene Orte in der Bar kontrollieren.
36:52Als die Polizei John Petty das Videoband zeigt, kann er den Mann nicht identifizieren.
37:00Die Frau jedoch kennt er. Sie heißt Martha Hanson.
37:06Jeder nannte sie Marty. Sie war Stammkundin, seit ich hier arbeite.
37:10Ich kannte sie aber nur als Kundin. Ein zierliches kleines Persönchen, das nie Probleme bereitete.
37:18Die Überprüfung von Martha Hanson ergibt, dass sie 48 Jahre alt, arbeitslos und geschieden ist und sechs Kinder hat.
37:28Sie war sehr vertrauensvoll und offen. Egal wer du bist, sie streckte jedem die Hand aus.
37:38Ich glaube, das wurde ihr zum Verhängnis.
37:43Erst zwei Tage nach Marthas Verschwinden haben ihre Kinder sie als vermisst gemeldet.
37:48Deshalb konnte die Polizei damals nichts in den bestehenden Vermisstenlisten finden.
37:53Barbesitzer Petty sagt aus, dass Martha Hanson in der Mordnacht in seiner Bar gewesen ist, aber nicht bedient wurde.
38:00Es war das erste Mal, dass der Barkeeper eingriff. Er stellte fest, dass sie schon zu betrunken war.
38:05Und so baten wir sie zu gehen. Und sie ging.
38:10Martha ist weniger als fünf Minuten in der Bar.
38:13Kunden erinnern sich an sie, nicht aber an den Mann auf dem Video.
38:21Es scheint, als sei der Mann nicht in der Bar gewesen und deshalb gibt es auch keine Aufnahme von seinem
38:26Gesicht.
38:29Die besten Aufnahmen zeigen Martha Hanson und den Verdächtigen unglücklicherweise beim Entfernen von der Bar.
38:35Wir haben also nur den Rücken von der betreffenden Person.
38:40Das Video zeigt Martha Arm in Arm mit dem Mann.
38:44Ein möglicher Hinweis, dass die beiden sich kennen.
38:47Wir haben die Gegend durchkämmt, sind noch einmal in Büros und Geschäfte gegangen und haben gefragt, ob sie die Person
38:53kennen.
38:55Doch erst als die Polizei das Foto in die Zeitung setzt, ruft eine besorgte Frau mit interessanten Informationen an.
39:03Sie behauptet, dass ihr ein Freund eine Woche nach Martha Hansons Tod einen Mord gestanden hat.
39:11Auf die Frage, wie er es getan hat, habe er die Hände hochgenommen.
39:15Er wollte damit andeuten, dass er das Opfer verprügelt und erwürgt hat.
39:22Ihr erster Gedanke war, der wollte angeben, er war betrunken und konnte so etwas nicht tun.
39:29Der Mann heißt Evans Lee Curtis und hat lange Haare, die fast bis zur Talie reichen.
39:35Curtis ist arbeitslos und nicht vorbestraft.
39:41Evans Curtis passte zu dem Mann auf der Videoaufnahme.
39:48Die Ermittler finden im Schlafzimmer der Freundin eine Hose von Curtis.
39:53Sie ähnelt der Hose auf dem Videoband.
39:57Bei der Untersuchung entdecken die Ermittler Blutflecken darauf.
40:04Die Polizei verhört Evans Lee Curtis, der jedoch bestreitet, etwas mit der Ermordung von Martha Hanson zu tun zu haben.
40:13Wir haben Sie über Ihre Rechte aufgeklärt. Wollen Sie uns jetzt etwas erzählen?
40:19Nein, ich möchte mit einem Anwalt reden.
40:22Die Polizei hat eine Videoaufnahme.
40:25Haare und einen Handflächenabdruck.
40:29Ist Evans Lee Curtis der Mörder?
40:32Curtis behauptet, der Mann auf dem Videoband sei nicht er, sondern jemand anderes.
40:36In Anchorage gäbe es schließlich mehrere Männer mit ähnlich langen Haaren.
40:45Doch Curtis Haare sind besonders.
40:47Sie haben die gleiche Orange-Färbung wie die Haare vom Tatort.
40:53Das Haar des Verdächtigen war chemisch behandelt worden und sehr lang.
40:58Die chemische Behandlung war über die Länge ungleichmäßig, genau wie bei den Haaren vom Tatort.
41:04Doch die Ermittler benötigen etwas mit mehr Beweiskraft.
41:08Sie wollen wissen, ob der Handflächenabdruck auf Martha Hansons Oberschenkel von Curtis stammt.
41:16Beim Abnehmen der Abdrücke konzentrieren sich die Beamten mehr auf die Handflächen als auf die Fingerspitzen.
41:24Sie hoffen, die gleiche Hautfalte zwischen Zeigefinger und Mittelfinger zu finden, wie sie auf Martha Hansons Oberschenkel entdeckt wurde.
41:34Der Vergleich lässt keinen Zweifel zu.
41:38Der Abdruck auf der Leiche stammt von Evans Lee Curtis.
41:44Das konfrontierte ihn mit einem ernsthaften Problem.
41:47Wie sollte er seinen Handflächenabdruck auf der toten Frau erklären?
41:54Aufgrund seiner Bedeutung bietet der Handflächenabdruck die größte Angriffsfläche für die Verteidigung.
42:01Da das Superglue-Fuming-Verfahren so ungewöhnlich ist, fragen sich die Ermittler, ob es als Beweismittel überhaupt akzeptiert werden kann.
42:09Deshalb lassen sie zusätzlich einen DNA-Test der Blutflecken von Curtis Hose durchführen.
42:16Das Ergebnis beweist, dass das Blut eindeutig von Martha Hanson stammt.
42:23Wir wissen nicht, warum er seine Hose dagelassen hat, sind aber froh darüber.
42:29Die wohl wichtigste Spur finden die Ermittler bei der Festnahme von Curtis an dessen Schuhen.
42:38Kriminaltechniker Jim Wolfe bekommt sie zur Analyse.
42:46In einem Riss in der Stiefelsohle entdeckt er etwas, das wie Blut aussieht.
42:53Was mir sofort ins Auge fiel, war der Fersenabdruck auf dem Opfer.
42:58Möglicherweise hatte sich dieses Blut an dem Stiefelabsatz oder in einem Riss, der durch Abnutzung im Absatz entstanden ist, abgelagert.
43:08Wolfe säubert die Stelle und tupft das Blut ab.
43:12Die DNA der Blutprobe vom Stiefelabsatz wird mit der von Martha Hanson verglichen.
43:18Sie stimmen überein.
43:21Für Staatsanwalt David Wallace ist das einer der besten Fälle in seiner Laufbahn.
43:27Dieser Fall war rechtsmedizinisch solide.
43:30Mr. Curtis hätte eine Menge zu erklären gehabt, dass die Puzzleteile nicht zu ihm gehörten.
43:34Wir hatten mehrere Experten, die klar sagten, dass Mr. Curtis Martha Hanson ermordet hat.
43:44Die Polizei findet heraus, dass Curtis Martha Hanson ein paar Wochen vor der Ermordung auf einer Dinnerparty kennengelernt hat.
43:52Sie hat Evans vertraut.
43:58Offensichtlich hatten sie eine Bekanntschaft.
44:01Er war mehrere Male bei ihr eingeladen.
44:04Und ich glaube, sie hat ihn unterhalten.
44:10Die Anklage glaubt, dass Martha Curtis zufällig begegnet ist, als sie die Avenue Bar verlassen hat.
44:19Da sie ihn kennt, gehen sie Arm in Arm die Straße herunter.
44:23Vermutlich denkt Martha, sie gehen in einen anderen Nachtclub.
44:28Doch Curtis bringt sie stattdessen in eine abgelegene Gegend, wo er ihr sexuelle Offerten macht.
44:35Als sie ihn zurückweist, greift er sie an.
44:40Es kommt zum Kampf, bei dem sich Curtis mit den Haaren in einem Baumast verheddert und sich seine charakteristischen Haare
44:48ausreißt.
44:53Blut spritzt auf seine Hose und er hinterlässt mit dem Handflächenabdruck das ungewöhnlichste Beweismittel auf Marthas linkem Oberschenkel.
45:07Bei einem Tritt auf Marthas Rumpf setzt sich Blut in einem Riss in der Schuhsohle fest.
45:15Da er die Leiche zwischen den Bäumen gelassen hat, ist sie gegen Sonnenstrahlen und übermäßige Feuchtigkeit geschützt.
45:22Die Bedingungen sind perfekt, um die Abdrücke auch Stunden nach dem Tod noch nehmen zu können.
45:32Dies ist der letzte Mosaikstein, der Evans Lee Curtis überführt.
45:38Ich kenne keinen anderen Fall in Alaska, bei dem ein Finger- oder Handflächenabdruck von einer verstorbenen Person genommen wurde.
45:46Als Evans Lee Curtis mit dem überwältigenden Beweismaterial konfrontiert wird, bekennt er sich schuldig.
45:55Es war ein brutaler Mord. Der Zustand vom Gesicht des Opfers ist schockierend.
46:02Evans Lee Curtis wird zu einer Haftstrafe von 99 Jahren verurteilt.
46:10Seine Verurteilung basiert auf einer Kombination von bewährter Polizeiarbeit, hochtechnisierter Wissenschaft und ein bisschen Glück.
46:26Die Bedingungen sind perfekt, um die Abdrücke zu einer Haftstrafe von 99 Jahren verurteilt.