00:00Ein Höhepunkt in ihrer Karriere. Adriana Bignanileska auf der Bühne der weltberühmten Operat National de Paris.
00:08Sie singt eine Hauptrolle in der Oper Satiagraha von Philipp Glass.
00:13Ein vielgefeiertes Bühnenwerk über den Freiheitskampf von Mahatma Gandhi.
00:22Es macht mir Spaß. Wenn ich auf der Bühne stehe, fühle ich mich wohl und lebendig.
00:27Ich versuche nicht so viel darüber nachzudenken. Mich einfach darauf einlassen und Spaß haben.
00:36Ausdrucksstarke Stimme, raumfüllender Auftritt, selbstbewusste Performance.
00:42Adriana Bignanileska lässt einen nicht kalt. Man hält den Atem an. Für sie ist es das Ergebnis langer, harter Arbeit.
00:56Ich versuche den Stress zu ignorieren, weil es für meine künstlerische Arbeit nicht förderlich ist und ich sonst nicht über
01:03mich hinauswachsen kann.
01:05Hohe Konzentration. Wir treffen Adriana bei den Proben von Satiagraha mit dem Orchester der Pariser Oper unter der Leitung des
01:14deutschen Dirigenten Ingo Metzmacher.
01:16Als Afrikanerin erfolgreich im europäischen Opernbusiness eine absolute Rarität und für sie ein langer, schwieriger Weg.
01:24Adriana kommt aus Gabun, einem zentralafrikanischen Land, in dem die Kunstform Oper so gut wie unbekannt ist.
01:33In Gabun gibt es das nicht. Es gibt keine Opern. Es gibt keine Opernsänger.
01:42Ich bin eigentlich hergekommen, um Klavierspielen zu lernen. Aber als sie meine Stimme hörten, haben sie mich ermutigt, in Richtung
01:49Operngesang zu gehen.
01:55Adriana wurde 1988 als Älteste von fünf Kindern im gabunischen Libreville geboren.
02:01Früh entdeckte sie den Gesang für sich, auch als Leiterin des Jugendchores in der Musikschule ihres Vaters.
02:07Mit 18 Jahren zog sie nach Frankreich und studierte Gesang in Bordeaux, wo sie auch heute lebt.
02:13Eine ihrer schwierigsten Lebensentscheidungen, Gabun zu verlassen.
02:20Diese große Veränderung war in erster Linie von Zerrissenheit geprägt, weil ich meine ganze Familie zurückgelassen habe.
02:28Und zweitens musste ich mich an die Umgebung, das Klima und auch an den französischen Humor gewöhnen, den ich nicht
02:33verstand.
02:37Das Leben ist außerdem extrem teuer hier. Ich hatte mindestens drei Jobs, um mein Studium zu schaffen und gleichzeitig meine
02:44Miete zahlen zu können.
02:47In Satyagraha geht es um Mahatma Gandhis Philosophie des gewaltfreien Widerstandes und gleichzeitig um reale körperliche Gewalt gegen Menschen, nicht
02:56zuletzt gegen Gandhi selbst.
02:59Hat Adriana solche Situationen wie auf der Bühne schon selbst erlebt?
03:08Ich denke, dass Gewalt oft in unserem alltäglichen Leben stattfindet, auch in der westlichen Welt.
03:13Ich habe bereits Gewalt in Form von verbaler Gewalt erlebt, die ich als viel intensiver und stärker empfunden habe, als
03:20körperliche Gewalt.
03:23Im 18. Arrondissement in Paris, im Volksmund Klein-Afrika genannt, hat sie momentan ein Hotel bezogen und ihr Lieblingsrestaurant entdeckt.
03:32Hier gibt es die oft vermissten Spezialitäten, die Adriana von ihrer Heimat träumen lassen.
03:41Für mich ist es wirklich Essen, das der Seele gut tut.
03:46Die Atmosphäre hier ist sehr familiär. Es ist nicht besonders schick.
03:51Aber ganz entspannt und sehr gesellig. Man muss sich über nichts Gedanken machen.
04:01Mittlerweile ist Adriana in ihrer neuen Heimat angekommen, auch in Sachen Karriere.
04:06In bedeutenden Opernhäusern Frankreichs und Europas tritt sie immer wieder auf.
04:10Neben der Pariser Nationaloper sind es zum Beispiel auch die Staatsopern in Berlin und Hamburg.
04:16Doch Gabun, ihre alte Heimat, lässt sie nicht los.
04:20Auch wenn ihr französischer Ehemann es nicht gerne hört, ihren Lebensabend sieht sie nicht in Frankreich.
04:26Oh, tut mir leid. In Gabun.
04:30Bis es soweit ist, werden ihr die Fans in die Opernhäuser Frankreichs, Europas und vielleicht bald auch der ganzen Welt
04:37folgen,
04:37um sich von ihrer Persönlichkeit und ihrer Stimme in den Bann ziehen zu lassen.
04:46Die Fans in der interruptellen
04:50Vielen Dank.
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