00:04Billige Solarmodule haben dazu geführt, dass Photovoltaik massiv ausgebaut wird.
00:10Geht dadurch wertvolle landwirtschaftliche Nutzfläche verloren, muss nicht sein.
00:15Denn findige deutsche Tüftler haben ein System entwickelt, damit der Bauer zweimal ernten kann.
00:20Feldfrüchte und Solarenergie. Jetzt gleich bei Made in Europe.
00:30Regen und Schlamm schrecken den Bautrupp aus der Slowakei nicht vom Arbeiten ab.
00:35Wir sind in Bayern. Das Bundesland im Süden Deutschlands gilt als guter Standort für Startups.
00:40Feldenergy-Bauleiter Igor hat Erfahrung aus sieben Ländern auf zwei Kontinenten.
00:45Wir bauen hier jetzt eine Agri-PV-Anlage mit einem Tracker-System.
00:50Wir haben eine Leistung von ungefähr einem Megawatt und die Fläche, die wir bebauen, ist zwischen 1 und 2 Hektar
00:57groß.
00:57Bauleiter Igor und Manager Nikolai beim Qualitätscheck.
01:01Alles muss auf den Zentimeter genau passen.
01:04In diesem Jahr werden 55 Anlagen gebaut, Leistung 70 Megawatt.
01:09Nikolai wünscht sich eine europaweit einheitliche Förderung in Form eines Technologie-Bonus, speziell für Agri-PV-Projekte.
01:17Unsere Vision für die nächsten drei, vier Jahre ist ganz klar.
01:20Wir wollen in andere europäische Länder gehen, beispielsweise nach Italien, sodass wir 1 Gigawatt Leistung aufs Feld bringen, was im
01:29Endeffekt ein ganzes Kernkraftwerk ersetzen würde.
01:33In Deutschland tobt eine Lobbyschlacht.
01:35Führt der Ausbau von Gaskraftwerken zu Verzögerungen bei der Energiewende?
01:39Werden Wind und Sonne weiterhin gefördert?
01:42Wir sehen ja, dass wir unabhängig werden sollten von Öl, von Gas und das heißt, das wäre der größte Fehler,
01:49jetzt die innovativen Konzepte in der erneuerbaren Energie, die Förderung abzuschneiden und wieder Jahre zurückzufallen.
01:57Auf seinem Boden baut Bauer Bockmeier Kartoffeln und Getreide an, wie schon sein Vater und Großvater.
02:03Außerdem verleiht er Maschinen.
02:05Mit seiner Entscheidung für Agri-PV will Bockmeier einen Beitrag leisten im Kampf gegen die Klimakrise.
02:11Und?
02:12Für die Aufbesserung der Rente ist es ganz wichtig, weil unsere Bahnwirtschaft gibt wenig Rente aus.
02:20Das ist ja so, dass das was Neues ist und da kann man deswegen genauso Ackerbau betreiben.
02:30Rund 12 Prozent Ackerfläche geht verloren. Andererseits bringt Sonnenstrom viel Geld. Aber passen die Maschinen zwischen den PV-Panelen hindurch?
02:39Ich glaube, dass es schon geht. Zum Beispiel ein Mädrischer, wenn er 6,60 Meter Schnittweite hat oder 7,50
02:46Meter, dann kommst du da durch auf alle Fälle.
02:49Und wir können auch die Panelen geradestellen, also senkrecht. Und dann kann man da durchfahren.
02:56Ich mache mich auf auf den Weg nach Wessling, ein kleines Dorf in der Nähe von München.
03:02Projektmanager Mattis zeigt mir die soeben fertiggestellte Agri-PV-Anlage über einer Heuwiese.
03:08Der Steuercomputer für die nachführenden Paneele kennt den Sonnenstand für jede Minute im Jahr.
03:14Ständig wird nachgeregelt. Tracking nennt man das.
03:17Was eigentlich Tracking?
03:19Tracking bedeutet einfach, dass die Anlage sich nach dem Stand der Sonne ausrichtet.
03:23Das heißt, morgens, wenn die Sonne aufsteht, dreht sich die Anlage Richtung Osten.
03:2855 Grad Winkel?
03:2955 Grad. Und abends, wenn die Sonne im Westen untergeht, dreht sie sich im 55 Grad Winkel nach Westen.
03:35Ja, und was ist der Vorteil davon?
03:36Der Vorteil ist einfach, dass sie über den gesamten Tag mehr Energie erzeugen können, verglichen mit Freiflächenanlagen.
03:43Ja, vor allem in der Stunde, wo die Energie gebraucht wird. Also wenn die Leute duschen, kochen.
03:47Genau. Und vielleicht auch abends ihr E-Auto laden, wenn sie nach Hause kommen.
03:50Feld Energy wurde vor zwei Jahren gegründet und wächst rapide.
03:55Schon heute verhandelt das Münchner Start-up mit 800 Landwirten. Projektvolumenstand heute 900 Hektar.
04:03Ich glaube, die Klimakrise betrifft uns alle und es ist sehr wichtig, dass wir jetzt handeln.
04:08Und da geht es darum, dass wir Lösungen finden für erneuerbare Energien, die auch verträglich sind mit der Landwirtschaft.
04:16Weiter geht's nach Osselshausen im Herzen der Hallertau, dem größten Hopfenanbaugebiet der Welt.
04:22Ein Drittel der weltweiten Produktion kommt von hier, doch da weniger Bier getrunken wird, verfällt der Preis.
04:28Hinzu kommt die Klimakrise.
04:30Hopfenbauer Wimmer und Ingenieur Gruber beugen vor mit Sonnenstrom.
04:34In den kommenden zwei Jahren will Wimmer alle seine Hopfengärten mit PV-Panelen überdachen.
04:39Und 20 Hektar Agri-PV, das ergibt 8 Megawatt.
04:44Das Ziel von der ganzen Geschichte war eigentlich der Klimawandel, weil die Jahre werden immer heißer und trockener.
04:50Und wir wollten einfach den Hopfen eine Beschattung geben. Der Hopfen ist ein Schattengewächs.
04:55Was wir jetzt festgestellt haben, es ist auf alle Fälle feuchter auf der Fläche.
04:59Die Verdunstung ist geringer, wir können das Wasser länger halten.
05:01Das ist gut für den Hopfen, oder?
05:03Das ist gut für den Hopfen.
05:04Jetzt haben wir ja 17.000 Hektar Hopfen in der Hallertau.
05:08Wenn man das 20 Prozent bebauen könnte, hätte man auch etwa die Leistung von einem Fünftel-Kernkraftwerk.
05:14Wir sind ungefähr zur Zeit noch bei 14 Jahren Amortisation.
05:19Und die Anlage steht 30 Jahre. Da kann man sich vorstellen, wie viel damit verdient wird.
05:24Es lohnt sich. Es lohnt sich.
05:28Die Menschen in der Hallertau wollen ihre jahrhundertealte Anbautradition bewahren.
05:33Auch Josef Wimmer, er ist Hopfenbauer in vierter Generation.
05:36Mein Sohn ist jetzt 17 Jahre. Der ist jetzt auch in der Ausbildung zum Landwirt.
05:41Der ist jetzt im zweiten Lehrjahr. Der wird den Betrieb mal übernehmen.
05:45Eigentlich mache ich die Investition für ihn schon.
05:48Weil bis jetzt das Ganze abbezahlt ist, gehe ich in Rente.
05:54Und mein Sohn soll das dann weitermachen.
05:58Letzte Station unserer Reportagereise, Dörnast, die landwirtschaftliche Forschungsstation der Technischen Universität München.
06:06Professor Heinz Bernhardt ist eine Korrifäer auf den Gebieten Agrarsystemtechnik und Energiemanagement.
06:13Ja, grüß Gott, Herr Professor Bernhardt.
06:15Grüß Gott.
06:16Schön, dass Sie sich Zeit genommen haben.
06:18Wir drücken gleich die Anlage.
06:20Ja.
06:20Ja.
06:22Vertikal.
06:24Warum vertikal?
06:25Vertikal hat Vorteile für Landwirte.
06:28Es sind einfach feststehende Module.
06:30Ich kann relativ nah mit der Arbeitsmaschine dran.
06:33Was man nicht vergessen soll, ist, dass der Erosionsschutz durch so eine vertikale Anlage enorm ist.
06:39Gerade auch in der Zeit, wo keine Frucht auf dem Feld ist.
06:42Also im Winter wird durch Reduktion der Windgeschwindigkeit die Winderosion deutlich verringert.
06:48Gruber und Bernhardt zählen zur Elite unter den Agri-PV-Machern und wissen,
06:52Agri-PV made in Europe ist Weltspitze vor den USA und China.
06:57Für uns ist es ja ein Glücksfall, dass wir die Trio München als Begleiter haben im wissenschaftlichen Bereich,
07:03um das auch auswerten zu können.
07:04Weil was wir vorhaben in der Feldenergy ist ja, dass wir das als Blaupause verwenden,
07:10um dann das auch deutschlandweit machen zu können.
07:12Ja, quasi ein Kraftwerk auf dem Feld und gleichzeitig die Fläche noch als Feld genutzt in der Landwirtschaft.
07:19Und was für mich sehr wichtig ist, ist, dass Energie nie gegen Nahrung antritt.
07:23Ja.
07:24Wissen wir schon alles über Innovations- und Anwendungspotenziale von Agri-PV?
07:29Oder geht noch mehr? Höher? Weiter? Größer? Wohin geht die Reise?
07:34Wie können wir Agri-PV auch für den Robote-Einsatz nutzen?
07:38Wie können wir den Strom, der dort vor Ort entsteht, quasi über Batterien wieder für die Fahrzeuge,
07:42die dazwischen arbeiten, nutzen?
07:44Das sind so Fragestellungen, die uns in den nächsten zwei, drei Jahren begleiten werden.
07:48Die!
07:49Die!
07:52Die!
07:53Die!
07:55Musique