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Viele Hindus wollen ihren Glauben auch in der Diaspora leben. Eine Gelegenheit bietet der neue Hindu-Tempel in Berlin, der größte in Deutschland.

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Transkript
00:00Ich komme vollständig zur Ruhe. Ich bin ganz im Hier und Jetzt und fühle mich so viel stärker mit Gott
00:05verbunden.
00:06Ich spüre so viel Positives in mir. Ich vergesse im Grunde alle meine Sorgen.
00:12Hallo, ich bin Durva. Ich bin 23 Jahre alt, studiere Neurokognitive Psychologie, bin Hindu und lebe in Berlin, Deutschland.
00:20Wir treffen Durva am brandneuen Hindu-Tempel in Berlin, einige Tage vor der Einweihung.
00:25Es ist der Ort, an dem sie die meiste Zeit verbringt, wann immer es geht.
00:30Heute mit vielen Freunden. Sie arbeiten ehrenamtlich und bringen den Tempel auf Hochglanz. Er ist noch ein bisschen Baustelle.
00:38Die Götter haben noch geschlossene Augen. Nach mehr als 20 Jahren Planung und Bauzeit wird er einer der größten Hindu
00:46-Tempel Europas sein.
00:49Es ist unglaublich, so farbenfroh. Es vermittelt ein positives Gefühl.
00:54Rund 120.000 Hindus leben in Deutschland. Mit ihren indischen Freunden trifft sich Durva am liebsten in diesem Berliner Café.
01:02Freunde sind wie Familie, besonders wenn wir im Ausland leben. Wir sprechen dieselben Sprachen.
01:07Wir haben denselben Humor und bringen alle unterschiedliche Geschichten aus den verschiedenen Regionen mit, aus denen wir in Indien kommen.
01:14Der Hinduismus ist die drittgrößte Religion der Welt. Ein Glaube, der sehr individuell gelebt werden kann. Aber was ist erlaubt,
01:21was nicht? Wie sieht es zum Beispiel mit Sex vor der Ehe aus?
01:25Ich glaube sehr an Energien. Eine bestimmte Energie zu haben, bedeutet etwas für mich.
01:31Und ich glaube, dass sich etwas in den Energien zweier Menschen verändert, wenn vor der Ehe der Sex hinzukommt.
01:37Weil dieses Thema so ein Tabu ist und als absolutes No-Go gilt, möchte ich es selbst nicht tun.
01:44Durva und ihre Freunde bereiten sich auf ein tägliches Ritual vor. Puja. Es findet noch im alten Tempel in Berlin
01:51statt.
01:53Wir glauben, wenn wir unsere Schuhe ausziehen, lassen wir unsere negativen Energien draußen, bevor wir den Tempel betreten.
02:02Das hier ist ein Bindi. Das ist einer der Akupressurpunkte. Und wenn man hier drückt, bleibt dieser Punkt den ganzen
02:09Tag aktiviert.
02:11Also muss man jeden Tag einfach hier drücken und es bleibt aktiviert.
02:15Dann das eigentliche Ritual. Dreimal um den inneren Tempel laufen. Im Uhrzeigersinn.
02:23Das schafft die Verbindung zum Gott Ganesha.
02:40Der Segen mit heiligem Wasser aus dem Ganges.
02:52Schließlich eine Opfergabe.
02:55Im Hinduismus gibt es zahllose Gottheiten. Durva hat eine besondere Beziehung zu einem ganz bestimmten.
03:04Die größte Verbindung empfinde ich zu Ganesha. Ich fühle mich immer am nächsten, auch weil mein Geburtstag manchmal mit seinen
03:10besonderen Tagen im September zusammenfällt.
03:14Deshalb fühle ich mich ihm sehr verbunden.
03:17Ganesha wird nicht nur im Tempel angebetet, auch bei Durva zu Hause hat der Gott seinen Platz.
03:24Willkommen in meiner Wohnung. Hier lebe ich mit meiner Familie.
03:28Die Familie kam vor zehn Jahren aus Pune in Westindien nach Deutschland.
03:32Das gemeinsame Abendessen ist Pflicht. Und manchmal gibt es eine spezielle Leckerei.
03:41Das ist Modak, die Lieblingssüßigkeit von Gott Ganesha.
03:46Deshalb mache ich sie sehr gern zusammen mit meiner Mutter. Und dann bringe ich sie dem Gott da. Und danach
03:52esse ich sie.
03:56In der Küche gibt es für die täglichen Rituale einen kleinen Tempel. Mit Ganesha versteht sich.
04:02Apropos Küche. Wie halten es die Hindus mit Geschlechterrollen? Als Göttinnen werden Frauen verehrt. Und im Alltag?
04:15Heutzutage hat sich das etwas verändert. Heute gehen auch Frauen arbeiten und haben ein eigenes Business.
04:22Und Männer helfen auch im Haushalt mit. Ich denke, ich würde auch diesen Weg gehen, meine Karriere machen.
04:30Geschlechterrollen sind für mich nicht mehr so wichtig.
04:33Für Durva spielt ihr Glaube eine elementare Rolle. Aber wie wird es sein, wenn in ein paar Jahren anderes wichtig
04:40wird? Die Karriere? Vielleicht eine eigene Familie?
04:45Ich denke, mein Glaube wird sich nicht verändern. Wenn überhaupt, könnte er noch stärker werden. In fünf, zehn oder sogar
04:52zwanzig Jahren.
04:53In fünf, zehn oder sogar zwanzig Jahre.
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