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#GanzerFilm #deutsch
Tunten lügen nicht ist ein Dokumentarfilm von Rosa von Praunheim aus dem Jahr 2002.

Inhalt
Vier junge Männer erfinden sich als „Polit-Tunten“ und machen Bühnen-Shows, Charity-Veranstaltungen sowie politische Aktionen in der queeren Community in Berlin und darüber hinaus. Extravagante Lebensstile prägen die Protagonisten, die aber zugleich mit ihren Auftritten einen Gegenpol schaffen wollen zu primär auf Glamour und Unterhaltung ausgerichteten Drag-Shows.

Notizen
Der Film feierte 2002 seine Uraufführung bei den Internationalen Filmfestspielen von Berlin und wurde unter anderem im selben Jahr beim Frameline Filmfestival in San Francisco und beim Pink Apple Filmfestival in Zürich gezeigt.[1][2][3] Im Fernsehen wurde Tunten lügen nicht erstmals 2002 im NDR ausgestrahlt.[4]

Rezeption
Mit Sicherheit am überraschendsten war das positive Urteil des Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums: „Tunten lügen nicht ist kein trockener Dokumentarfilm mit Aufklärungs-Ambitionen, sondern eine schrillbunte Show, da es sich bei den vier Porträtierten um hochkarätige Entertainer handelt.“[5] Der Standard äußerte sich ebenfalls positiv, nahm aber eine ganz andere Beurteilung vor: „Wer glamourösen Schnickschnack erwartet, wird von dieser Dokumentation eher enttäuscht sein – wer vier Menschen kennenlernen möchte, die etwas zu vermitteln haben, wird berührt sein.“[6] Die Zeitschrift Prisma hob die pädagogische und emanzipatorische Absicht des Films hervor: „Ichgola Androgyn, Bev StroganoV, Tima die Göttliche. Sie selbst nennen sich ‚Tunten‘ und tragen so dazu bei, dass diese Bezeichnung als Schimpfwort bald nicht mehr taugen wird.“[7] Die Kritiker von Film.at sahen in der Dokumentation „ein vielschichtiges und schillerndes Porträt einer Wahlfamilie mit Mut zu Kompliziertheit und Konflikt.“[8] Das Box Magazin brachte seine Wertung in einem DVD-Tipp unter: „Als amüsantes und zudem nachdenklich machendes Zeitdokument darf die DVD in keiner Sammlung einer gepflegten Tunte fehlen.“[9] Cinema sah ein „lebendiges Porträt der Gay-Szene“ und resümierte: „Tunten langweilen nicht: Doku mit Pep.“[10] Das Queer-Referat der Aachener Hochschulen meinte: „Ein empfehlenswertes Stück queerer Filmgeschichte, wenn Mensch bereit ist, sich mit (vermeintlich) fremden Lebenswelten auseinanderzusetzen.“[11] Die queere Zeitschrift Siegessäule schrieb 2024 anlässlich einer Aufführung des Films in der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, dass Rosa von Praunheims filmische Liebeserklärung an die Tunten-Kultur ein noch immer berührender Film sei.[12]

Kategorie

🎥
Kurzfilme
Transkript
00:00:26Untertitelung des ZDF, 2020
00:00:59Untertitelung des ZDF, 2020
00:01:15Untertitelung des ZDF, 2020
00:01:29Meine Mutter fragt doch mal irgendwann, willst du jetzt eine Frau werden?
00:01:33Ich sage, nee, Franziska, ich habe nicht viel, aber das Bissken, das bleibt dran.
00:01:57Ich wollte den Leuten sagen, ihr seid hier nicht in der Travestie-Show.
00:02:01Ich will keine Frau sein und auch keine darstellen. Ich bin was dazwischen. Ich bin eine Tunte.
00:02:16Ich wollte ja nicht irgendwie so schön schön sein und hier mit solchen Titten, sondern ich wollte ja als Mann
00:02:22an sich schön sein.
00:02:31Ich habe ja als Kind immer schon Fummel angezogen.
00:02:33Und wo ich dann nach Berlin kam, da hatte ich dann irgendwie auch, da bin ich zum Tundenball und sowas.
00:02:37Und habe mir dann mal Shows angeguckt und fand Mary und Gordy ganz toll.
00:02:42Und dann haben wir das erste Mal Show gemacht. Da gab es eine Anzeige in der Zeitung.
00:02:47Und auf diese Anzeige hin haben sich ich, Gola, Kaspar Chamäleon und ich gemeldet. Und so haben wir uns kennengelernt.
00:02:52Ja, war das so eine richtige Kascheme, so richtig Billig-Travestie.
00:02:56Da bin ich dann in die, wie nennt man die, die hohe Kunst der Damen-Imitation eingetreten und eingeführt worden.
00:03:05Da hieß es dann, und morgen bringt jeder einen Namen mit, einen Bühnen-Namen.
00:03:10Und dann kam der, ich heiße Kaspar, sagt der Kaspar. Und die eine sagt, ich will Uschi heißen.
00:03:15Und dann, ja, ich heiße Nina. Und Usi-Sina-Bina-Trina. Und meine Güte.
00:03:22Und dann kam ich auf Beverly, weil ich wollte wie so eine amerikanische, so irgendwie, haben kleine lange Haare.
00:03:30Das war für mich dann das A und O.
00:03:31Wie kamst du Strogan auf?
00:03:33Weil, wo wir dann in die Schwurzklicke kamen, wo dann immer mit 30 Leuten aufgetreten sind.
00:03:38Und dann hatte man immer diesen, ja, so spitzen, aber wenn man mich gerufen hat, dann rief man nicht durch
00:03:42den ganzen Saal Beverly, sondern rief man über Bev.
00:03:44Und ich hab immer, äh, Böf zu ihr gesagt, ne?
00:03:47Beim Finale hieß es dann, Tima die göttliche, Schuhe-Schule-Priket, Annabelle de-Makiage, Bev.
00:03:54Und ich hab gesagt, na, da muss jetzt irgendwo auch noch was kommen.
00:03:57Und bei Bev, ja, was kann man da was anderes nehmen als Strogan auf.
00:04:02Dann hießen die Pepsi-Bosten, Melitta Poppe, Bev Stroganoff.
00:04:07Und das Schöne ist, dass jeder das schon kennt, weil du bist ja bei Stroganoff, da bist du schon berühmt,
00:04:11bevor die wissen, wer du bist.
00:04:13Weil sie im Gefrierfach das alles schon mal gesehen haben.
00:04:16Und fragt mich dann, ja, wie heißt du denn, ne?
00:04:20Und Melitta sagt dann, ja, das ist der Christoph, ne?
00:04:22Und Pepsi dann gleich so, ach, Christine!
00:04:24Und ich dachte so, oh Gott, du willst ja nicht Christine genannt werden.
00:04:29Wie langweilig, von Christoph auf Christine, das ist ja null kreativ, ne?
00:04:34Und sagt, nein, nennt mich lieber.
00:04:35Und dann hab ich eine Sekunde Zeit, mir irgendwas zu überlegen.
00:04:37Ja, und dann dachte ich halt, also offenbar benennen die sich alle nach irgendwelchen Produkten, nach irgendwelchen Lebensmitteln, ne?
00:04:47Und dachte, also was ist denn das exotischste Lebensmittel, das aber doch wohl klingt, das du kennst, ne?
00:04:54Und dann sagt ich, ja, nennt mich dann lieber, oh, oh, mal, Christine.
00:04:57Früher bei diversen Tingle-Tangle-Auftritten hatte ich immer eine Freundin dabei, die mir in der Garderobe geholfen hat.
00:05:04Und da meinte sie eines Abends nach dem Auftritt, Tima, du warst heute einfach wieder göttlich, Tima, du bist die
00:05:09göttliche.
00:05:10Und ab dem Moment war ich Tima die göttliche.
00:05:13Und dann hab ich wirklich überlegt, was will ich, ja, ich?
00:05:15Da dachte ich auch, ich ist doch auch ganz schön zum Anfangen, ne?
00:05:18Und dort will ich, ja, ich will mich gehen lassen.
00:05:21Ich geh lahm, da dachte ich, nee, das wird sich wie angelahmen.
00:05:23Und dann dachte ich, ja, gehen wir doch in Englisch, ne?
00:05:26Und dann kam Go, lassen, ich lass mich gehen, heißt das.
00:05:31Und Androgyn kam halt dann, da hatte ich mal irgendein Buch über Mannsweiber und sowas gelesen.
00:05:37Und dachte ich, das irgendwo innerlich entspricht mir das.
00:05:40Und das ist es eigentlich, da kam dann Ich-Cola-Androgyn raus.
00:05:44Wenn du deine Haare verhalten möchtest.
00:05:47Die, Junge, Junge.
00:05:49Die müssen die aber ja authentisch leiden, oder was?
00:05:51Autistisch, Kinder, seid ein bisschen autistisch.
00:05:53Aber eigentlich könnte man immer so schön leiden wie Frau Schlau.
00:05:56Hast du für mich auch irgendwas, Oma, hoch?
00:05:59Ja.
00:06:00Ich gucke.
00:06:04Und das alles zusammen für eine ganze Drei-Mark.
00:06:09Wir hatten ja das Schwutz.
00:06:10Das Schwutz war ja quasi unser Zuhause, unser fruchtbarer Nährboden, auf dem wir gedeihen konnten.
00:06:17Das Schwutz war ein selbstverwaltetes Schwulenzentrum.
00:06:19Das war eine große Fabriketage, die wir selber eingerichtet haben, wo wir selber die Bühne hingebaut haben,
00:06:25damit wir da auftreten konnten und wo wir auch Partys veranstaltet haben.
00:06:27Im damaligen Schwutz in der Kulmarstraße liefen immer ganz viele schräge Leute rum, mit Kittelschürzen und sowas.
00:06:35Und ich war ja auch ein bisschen komisch.
00:06:38Ich hatte damals immer Blumenblusen an.
00:06:41Und da hatte ich ja noch so lange Haare.
00:06:44Und dann steht da plötzlich in der Ecke eine Person in einem schwarzen Mantel,
00:06:50kalkweiß, mit roten Lippen, so lange blonde Haare, am Schaufenster gelehnt und schläft.
00:06:56Im Stehen.
00:06:57Und ich so, was ist das denn für eine Person?
00:07:00Also wirklich.
00:07:01Ja, später stellte sich dann raus, das ist Ischkola Androgyn, die ja gerne,
00:07:05die kannst du ja hinstellen, wo du willst auf der Party, pennt ja sofort ein, das ist herrlich.
00:07:09Alle diese schrägen Vögel wollten sich zusammentun und ein Showprogramm machen für die EZ für Berlin,
00:07:13die da in dem Jahr gerade gegründet wurde.
00:07:15Und das haben wir dann auch gemacht.
00:07:17Das war dann Ladies Night, ein Dutt im September, wenn die ist das, glaube ich, am 31. August 85.
00:07:24Und das war eine sehr schöne Veranstaltung.
00:07:2635 Stunden, die Show dauerte, glaube ich, viereinhalb Stunden, hörte gar nicht mehr auf.
00:07:32Bei Ladies Night, einige wollten Bef gar nicht haben, da habe ich gesagt, nee, ich will, dass sie alle mitmachen.
00:07:36Weil Bef eigentlich nicht auch zu fein fürs Schmutz war.
00:07:38Ich kam dann den bodenlangen, hellen Mantel da an und da war ja auch alles schmutzig.
00:07:43Ich meinte immer das dann, wo kann ich denn den Mantel hin, so was ist es so, ne?
00:07:46Naja, das mit dem Glamour und Schönsein, das habe ich vielleicht vor 15 Jahren mal gewollt.
00:07:53Hat man mir damals auch immer um die Ohren gehauen.
00:07:55Und du willst ja immer nur schön sein.
00:07:56Ich dachte, ich bin ja auch Mode zu sein, oder?
00:07:59Aber dann habe ich ja diese Ladies Night Kram und so.
00:08:02Wir haben ja immer schon Shows gemacht, die inhaltlicher waren, wo es auf die Worte ankommt,
00:08:05wo es auf das Gesellschaft, Kapital, Geld oder Aidskrankheit oder so.
00:08:11Wir haben das immer schon in die Shows gepackt.
00:08:13Dass man die Allüe von Ruf so gleich hier gekriegt.
00:08:16Ach so, Moment, ich habe was, was du runterziehen kannst denn noch.
00:08:18Ja, es ist so.
00:08:20Hier ist noch ganz viel Alt-Haar.
00:08:23Ja, und Ovo kam dann 87, glaube ich, nach Berlin.
00:08:26Und Ovo gefiel mir auch, ne?
00:08:28Die war ja auch bildhübsch.
00:08:29Hatte diese langen Rasterlocken, ne?
00:08:32Und ich fand die auch geil.
00:08:33Die Tunden, die ich kennenlernte, das war dann ein Tundenensemble.
00:08:37Und das nannte sich Ladies Night.
00:08:39Die waren die Coolstars hier.
00:08:41Die waren super angesehen und die lernte ich sofort kennen.
00:08:43Das waren alles keine Schicksten.
00:08:46Die waren alle nicht auf Feder und Paillette.
00:08:48Die persiflierten teilweise vielleicht auch ihre eigenen Mütter oder sowas.
00:08:51Es ging aber nicht um Glanz und Show.
00:08:53Und es hatte in jedem Fall eben einen politischen Anspruch.
00:08:56Also eine Tunde zu sein hieß in Berlin in jedem Fall,
00:08:58so habe ich das gelernt,
00:09:00dass man auch einen politischen Gestaltungswillen hat.
00:09:02Dass man Lust hat, einem der Gesellschaft mitzubasteln.
00:09:06Vorschläge zu machen, wie man was ändern könnte.
00:09:08Bedürfnisse zu äußern überhaupt.
00:09:10Das war das, was man auf der Bühne tat.
00:09:12Dass da nebenbei auch Albernheiten bei sind.
00:09:16Und dass man da auch nebenbei auch Spaß hat.
00:09:18Das war für mich auch selbstverständlich.
00:09:24Das reicht, ne?
00:09:46Heil meine jungen Jahre
00:09:51Ruf dieser Augenblick zurück
00:09:58Heil, meine Wanderjahre, erfüllt von Sehnsucht nach dem Glück.
00:10:12Ihr stolze Träume, so mancher Neuf, ihr wisst mein Herz an die Nefremde, an die Heimatluge daß.
00:10:30Ich bin so ein norddeutsches Kind und das Dorf ist so klein, dass die Kirche im Nachbardorf ist.
00:10:36Ich habe mich in die Landschaft und dieses Flache und so richtig verliebt gehabt.
00:10:41Mal spießig, katholisch.
00:10:55Du bist aufgewachsen wo?
00:10:58Im Rheinland, in einer Weinbaugegend.
00:11:00Auf dem Land, richtig auf dem Dorf, 300 Einwohner und wir wohnten aber so ein bisschen außerhalb.
00:11:06Und wir hatten eine große Familie, sechs Kinder, ich bin das sechste Kind.
00:11:09Das genügte mir, ich war überhaupt nicht neugierig.
00:11:11Ich wollte nirgendwo hin.
00:11:13Also ich war bei der Mutter und das reichte mir.
00:11:33Ich habe ja acht Geschwister.
00:11:35Wir haben auch immer, nicht nur Karneval, immer bei Familienfesten und sowas, Sketche gemacht und halt unsere ganzen Tanten parodiert.
00:11:43Und wir wurden noch zu den ganzen Familienfeierenden von den Tanten eingeladen, um sie zu parodieren.
00:11:48Ich habe in meinem Herzen da drinnen einen wundersamen Schmerz.
00:12:20Bei meiner Großmutter und bei meinem Großvater habe ich die ersten zehn Jahre verbracht.
00:12:24So richtig mit Garten, riesengroßen Garten, immer Hund dabei gehabt, meistens Dackel.
00:12:29Naja und 75 ist dann mein Großvater gestorben und dann bin ich mit meiner Mutter erst in eine Wohngemeinschaft gezogen.
00:12:36Also und da gingen dann erst die Probleme richtig los.
00:12:40Also ich habe ein Jahr lang mit meiner Mutter nicht geredet und ein Jahr lang mit meiner Tante nicht geredet.
00:12:44Weil ich gesagt habe, Leute, wenn ihr mit mir so nicht klarkommt, wie ich bin, dann haben wir uns nichts
00:12:48mehr zu sagen.
00:12:49Basta.
00:12:50Und Großmutter hat mich auch immer unterstützt in allem und mich dann auch in Schutz genommen meiner Mutter oder meiner
00:12:55Tante gegenüber.
00:12:57Das Schlimme war ja in München, ich konnte mich auch nicht outen.
00:13:00Also wir hatten einen in der Schule, Andreas.
00:13:03Der hat in der Dusche irgendwie einen von seinen Mitschülern angekrapscht und ist seitdem nur Spießruten.
00:13:10Also der konnte nur Spießruten laufen.
00:13:12Für den war das Leben die reinste Hölle.
00:13:14Sogar Lehrer haben den blöd angemacht.
00:13:17Da habe ich mir gedacht, um Gottes Willen, bloß nichts sagen.
00:13:20Und habe da eigentlich so eine Barriere der Angst aufgebaut und wollte eigentlich auch von meiner eigenen Sexualität und so
00:13:27nichts wissen.
00:13:28Und möglichst anpassen und möglichst irgendwie nicht aus der Rolle fallen.
00:13:34Ich hatte so ein Kleid von meiner besten Freundin.
00:13:36Das war so eine dickere, wie das ja oft so ist.
00:13:38Das ist der kleine Schwule mit der kleinen Dickeren.
00:13:42Und das war so eine Art T-Shirt-Kleid.
00:13:44Ging immer ganz lang runter mit so langen Ärmeln.
00:13:46Und ich wollte aber gerne, damit man meine Figur sieht, wollte ich halt gerne einen Gürtel drauf haben.
00:13:51Dann bin ich zu meinem Vater gegangen und habe gesagt, so hier, basteln wir mal einen Gürtel.
00:13:54Ich wollte Stecker und Steckdosen.
00:13:56Das wollte ich als Gürtel haben.
00:13:58Und dann kam er da zurück, hatte das dann gemacht.
00:14:00Und hatte dann aber noch so von der Heizung, so eine Art Dämmvorrichtung, die man so ums Rohr macht,
00:14:05hatte er noch um das Kabel gelegt, von sich aus, damit es mir bei ihm nicht so einschnürt.
00:14:11Das war so süß, dass der mir zu meinem Fummel auch noch dann noch mitdenkt.
00:14:17Das erste Mal hatte ich einen Fummel, den habe ich von einer Cousine geschenkt gekriegt.
00:14:21So ein schönes Kleid.
00:14:23Da war ich sechs, glaube ich.
00:14:25Ja, und das wurde dann zu Hause, da kriege ich erst mal eine geknallt.
00:14:29Ich bin mit dem Ding durchs Ort gefahren, so nie Klischee war das.
00:14:32Ich bin mit dem Rädchen von der Oma gekommen.
00:14:35Und das wurde dann gleich, ich glaube, in die Mülltonne geschmissen.
00:14:39Und meinen ersten öffentlichen Auftritt hatte ich dann ja mit zwölf.
00:14:43Dann waren wir in Familienferien und dann gab es als Abschlussveranstaltung,
00:14:46haben dann die Kinder so eine Modenschau gemacht, wo die Jungs als Mädchen gingen und die Mädchen als Jungs.
00:14:51Und dann saßen die ganzen Eltern da, wusste dann schon genau, wenn es so über den Lauf stich und so,
00:14:56und habe dann meine Strümpfe, ach, ich weiß schon, die kann man so weit hochziehen,
00:14:58dann sieht man die unterm Kleid nicht.
00:15:00Und so ein Tuch, das wusste ich alle schon, wie man das am besten macht.
00:15:05Und dann haben alle applaudiert und dann fanden das alle ganz toll.
00:15:07Und da habe ich gedacht, naja, ach, wenn das sogar alle ganz toll finden oder sowas,
00:15:11dann ist das ja auch schon richtig.
00:15:12Und ich habe gedacht, ich wollte es gar nicht mehr ausziehen.
00:15:15Ich hatte ja glücklicherweise ein Ventil darüber, dass ich ja sehr, sehr früh zur bildenden Kunst gekommen bin.
00:15:22Und ich habe mit 16 ein Bühnenbild gemacht für die Stuttgarter Staatsoper.
00:15:26Und ich habe immer Puppen gebastelt.
00:15:28Und die Puppen mussten ja natürlich auch was zum Anziehen haben.
00:15:31Also angefangen hat das ganze Ding mit Barbie-Puppen,
00:15:34wo ich dann von allen Leuten habe Kleider nähen lassen nach meinen Entwürfen.
00:15:38Und irgendwann bin ich dann auf den Trichter gekommen,
00:15:39ja, vielleicht sollte man sich selber mal hinsetzen und nähen.
00:15:42Und habe also auch schon in frühester Jugend gestickt und gehäkelt und so weiter und so fort.
00:15:47Und habe denen dann halt immer diese, also meistens auch historische Sachen dann halt angezogen.
00:15:52Also das war für mich ganz, ganz wichtig, so Gründerzeit, Rokoko,
00:15:56das waren dann so meine Epochen und Stile für die Puppen.
00:16:00Und konnte darüber das eigentlich so ein bisschen, also das Ventil öffnen.
00:16:05Und die Tunte auch gut kaschieren.
00:16:08Wie?
00:16:09Kannst du doch schon mal an.
00:16:17Na ja, und dann bin ich aber irgendwann mal eben auf diesen Trichter gekommen.
00:16:20Mit diesem Abendkretter habe ich nämlich diesen Stoff gesehen.
00:16:22Also der Stoff hat mich als erstes inspiriert.
00:16:25Da will ich jetzt was draus machen.
00:16:28Aber für eine Puppe ist es zu viel Stoff.
00:16:30Dann machen wir das ganz anders.
00:16:31Dann messen wir uns jetzt mal eine Runde ab und dann ging es los.
00:16:34Ich habe dieses Kleid, das habe ich heute noch, das habe ich alles mit der Hand genäht.
00:16:39So, was hast du denn hier dran gegraben?
00:16:43Pssst.
00:17:07Meine Mutter, die hat ja, war in Düsseldorf bei einer Show.
00:17:11Und jammert dann auch, du könntest so ein schönes Mädchen sein.
00:17:14Warum machst du dich immer so hässlich?
00:17:15Es war damals eine Provokation, gerade auch, dass ich aus alten Damenkleidern, immer mit Blumen,
00:17:20die habe ich mir im Schritt zusammengenäht und habe nur diese Gartenkleider getragen.
00:17:25Auf der Bühne natürlich, ich liebe es, alte Damen zu karikieren.
00:17:28Es ist nicht eine Tante verschont worden.
00:17:31Nicht eine Nachbarin.
00:17:32Ich habe sie alle vom A bis Z studiert.
00:17:36Und das Samosorium daraus ist ja dann eigentlich die Claire Grube geworden.
00:17:41Claire Grube, die hat ja fast immer nur Pantoffeln.
00:17:45Claire läuft ja und dann hat sie einen Sonntagsschuh.
00:17:47Ja, der war auch schon 80 Jahre alt.
00:17:49Klappt es denn?
00:17:51Ja.
00:17:52Bei Ihnen auch? Sie haben ja so Schwierigkeiten.
00:17:54Das ist ja ein Survival.
00:17:55Ich höre auch nicht.
00:17:57Claire ist in 10 Minuten ratzefatz, ist der Dreck in der Fresse und da zackt die Zunge raus,
00:18:03das Auge zu und dann steht die Alte.
00:18:05Und gerade Claire ist eine über Jahre gewachsene Person.
00:18:09Und die ist auch eine eigenständige Person.
00:18:11Also ich bin jetzt nicht schizophren, aber die läuft alleine.
00:18:17Was möchten Sie denn?
00:18:20Wir haben ja als Schüler immer auch Witze gemacht, so Schwulenwitze.
00:18:25Fand ich auch immer ganz lustig.
00:18:27Ich wusste ja gar nicht, was schwul ist.
00:18:29Es gab so Witze über Schwule und Aschwicker.
00:18:33Und mit 17 habe ich dann mitgekriegt, ach, das sind Männer, die mit Männern schlafen.
00:18:36Und deswegen ist das so lustig.
00:18:38Und dann habe ich irgendwann mal meine Schwester besucht in Osnabrück.
00:18:44Und habe mir dann auf der Rückfahrt, wollte ich eine Zeitung kaufen.
00:18:47Und dann hat mich so eine angesprochen, die hieß Du und ich oder war so ein Mann drauf.
00:18:51Und habe geglaubt, ach, die kaufen wir halt.
00:18:53Und habe dann auf der Zugfahrt da drin geblättert.
00:18:55Und dann gingen mir dann die Augen über und dachte, es gibt ja so viele Menschen, die denken genauso wie
00:18:59du.
00:19:00Und so bist du also.
00:19:01Gott.
00:19:01Da ging mir jetzt richtig so ein Licht auf.
00:19:05Ich habe dann auch gleich auf seine Annonce geantwortet, die da drin war.
00:19:10Akademiker, 34.
00:19:13Dann hat man sich getroffen.
00:19:15Und hat Sexualität ausgeübt, wie du das immer so schön sagen würdest.
00:19:19Geschlechtsverkehr.
00:19:19So genau, schlechten Verkehr.
00:19:22Und das war nicht gut?
00:19:25Das hat wehgetan.
00:19:27Jetzt sagt man, beim ersten Mal, da tut es noch weh.
00:19:30Und dann habe ich eigentlich immer nur behauptet, ich wäre sexuell, aber praktiziert hätte ich es noch nicht.
00:19:36Das erste Mal, das war sicherlich mit vielen Ängsten verbunden.
00:19:39Ja, das war so aufregend.
00:19:41Das erste Mal irgendwie bei einem Mann irgendwie in einer fremden Wohnung.
00:19:45Und dann sah der lecker aus, mit der Haare auf der Brust.
00:19:47Das kannte ich als 16-Jähriger gar nicht.
00:19:50Einzige nackte Männer, die ich mal gesehen hatte, waren irgendwie die Jungs in der Dusche.
00:19:53Und selbst da haben wir uns ja immer angestellt.
00:19:54Und dann hatte ich oft so Dinger, dass ich wirklich in der Disco stand und dann wusste ich immer, der
00:20:00oder die.
00:20:02Hast du mit Frauen Kontakt? Hast du mit Sex mit Frauen gehabt?
00:20:05Never.
00:20:07Nie.
00:20:08Nie.
00:20:10Und dann hatte ich eine Geschichte mit 19, mit einem Mädel.
00:20:14Och, das war auch ganz nett.
00:20:16Aber die Mädelsgeschichten waren eigentlich alle relativ langweilig im Bett.
00:20:20Das ist natürlich klar, dass die Leute erstmal geschockt sind.
00:20:23Ich weiß noch, ich habe damals gesagt, ich sage das jetzt allen Leuten, dass ich schwul bin.
00:20:28Und die, die meinen dann nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, die brauche ich als Freunde auch nicht.
00:20:33Und das ist eigentlich ein Händchen voll geblieben.
00:20:37Wie ist das mit den Eltern?
00:20:39Mein Bruder hatte denen das mal gesagt.
00:20:42Ein Bruder ist Priester und ein Bruder ist Mönch.
00:20:46Und meine Mutter wollte nur wissen, ob sie jetzt schuld dran ist.
00:20:49Ich sage, Franziska, ob sie das ausgelöst hätte oder sowas.
00:20:52Ich sage, wieso? Hast du nichts mehr zu tun?
00:20:55Dann war sie dann irgendwann zufrieden oder beruhigt.
00:20:59Meine Mutter hat mich mit 13 geoutet.
00:21:01Das werde ich nie vergessen.
00:21:03Ich lag im Bett, musste am nächsten Tag eine Klausur schreiben.
00:21:06Und ich hatte so ein Hochbett, was so einer halben Höhe nur war.
00:21:09Meine Mutter ist also einen halben Kopf kleiner als ich.
00:21:12Die kamen da also mit dem Kopf gerade so hoch, kamen irgendwann nachts um 12 nach Hause.
00:21:16Ich lag im Bett, völlig angesoffen.
00:21:19Ich habe gesagt, liebes Kind, eins sage ich dir gleich.
00:21:22Du weißt schon, dass du schwul bist.
00:21:24Und ich so, hä?
00:21:25Aber tu mir bitte einen Gefallen.
00:21:27Werd keine Tunde und geh nie zum Militär.
00:21:41Ja, also gut, das mit dem Militär, das hat sich dann irgendwie ja gecancelt, nicht?
00:21:44Weil ich gesagt habe, also wenn, dann nur im Grenolinkleid.
00:21:50Und habe das dann auch erstmal wieder eine Runde verdrängt.
00:21:52Und dann bin ich halt anschaffen gegangen in München und kriegte dann also auch selber mit, dass ich schwul bin
00:21:59und so.
00:22:00Wann hast du angefangen mit dem Strich? Wie kam es dazu?
00:22:02Ja, so mit 15, 16.
00:22:05Ich bin irgendwann mal über einen Bahnhof gewackelt in München.
00:22:08Und da hat mich ein Typ angequatscht.
00:22:11Und dann bin ich mit dem, das ging damals noch in München, da auf die Klappe, also auf die Toilette
00:22:15gegangen.
00:22:16Und dann habe ich dem da lecker eingeblasen, nicht?
00:22:19Und dann hat er mir einen Honi in die Hand gedrückt.
00:22:21Und dann dachte ich, ja, das ist aber einfach mal.
00:22:25Da kriegt man Geld für, ja.
00:22:28So schlau war ich früher, heute kriege ich für den Sex leider kein Geld mehr.
00:22:31Heute muss ich schon draufzahlen, ja.
00:22:32Ein bisschen Friede, ein bisschen Freude, und dass die Menschen sich zurückweilen.
00:22:38Ein bisschen Friede, ein bisschen Liebe, dass ich die Hoffnung nicht mehr verlieh.
00:22:46Ich weiß meine Lieder, die finde ich lieb.
00:22:57Also ich war 13, als ich den ersten Mann verführt habe.
00:23:00Also ich habe den verführt, nicht der mich.
00:23:02Wie alt war der?
00:23:03Der war drei Jahre älter als ich, also 16.
00:23:05Und dann gab es noch mehrere Erlebnisse?
00:23:06Mit dem dann immer.
00:23:07Nur mit dem, bis ich 18 war und endlich ein Auto hatte.
00:23:11Also einen Führerschein hatte und dann mit dem Auto meines Vaters raus konnte.
00:23:15Also hast du richtig fünf Jahre mit dem eine Beziehung gehabt?
00:23:18Ja, könnte man so nennen.
00:23:22Aber natürlich in den anfänglichen Jahren viel mit diesem Selbsthass.
00:23:27Mit diesem, dass man das gar nicht will.
00:23:29Also mit diesem Verdrängen.
00:23:31Also damals bin ich in so eine charismatische Gruppe gekommen.
00:23:33Man hatte eigentlich das Bedürfnis gehabt, dass ich das mit dem Schwulsang irgendwie Griff kriege.
00:23:37Beziehungsweise, dass der liebe Herr Jesus mir das abnimmt.
00:23:39Wir fuhren damals dann zu Ostern auf eine christliche Freizeit.
00:23:44Wir fuhren nach Wuppertal und da fand dann so eine Zeremonie statt.
00:23:49Also erst eine Messe.
00:23:50Die hatten auch so Geistesgaben.
00:23:52Das war so sturzspannend für mich.
00:23:54Die konnten Zungen reden.
00:23:56Also die waren dann irgendwie vom Heiligen Geist beseelt und sprachen irgendwie mit fremden Sprachen.
00:24:00Und da gab es dann auch Typen, die das dann auch übersetzen konnten.
00:24:03Also es war irre spannend und wahnsinnig die Inszenierung.
00:24:06Und wir gingen dann nach der Messe in den Wald.
00:24:08Und da stand dann ein Kreuz und darunter war eine Tonne und darin brannte Feuer.
00:24:12Und wir hatten vorher in der Messe, hatten wir auf Zettel schreiben sollen,
00:24:15was denn der liebe Herr Jesus für uns mit ans Kreuz genommen hat.
00:24:19Und da habe ich natürlich fett sofort mal ein Schwulsang draufgeschrieben.
00:24:21Ich habe das dann da in die Tonne, in das Feuer geworfen und dann sollte das weg sein.
00:24:26Na aber in der Nacht dann eben, als wir zu Bett gingen,
00:24:30habe ich dann immer noch nach der Beule in der Hose meines Nachbarjungs da geschielt
00:24:35und merkte also, das ist nicht weg.
00:24:36Der liebe Herr Jesus hat das nicht mitgenommen.
00:24:41Daraufhin sage ich also heute immer, ich habe mit dem Herr Jesus mal eine Affäre gehabt,
00:24:44aber im Bett war der nicht zu gebrauchen.
00:24:46Und wenn es den Männern dann noch kommt,
00:24:50dann fängt mein kleines Pfützchen auch zu jucken an.
00:24:54Ja und dann wird gefickt, gelickt und auch gewichst
00:24:59Und alle haben Spaß daran
00:25:03Ich bin ne Sau, Sau, Sau, na mal süße
00:25:08Und hab ne Sau, Sau, sauberen Möße
00:25:13Ja und mir kommt's, kommt's, kommt's nicht drauf an
00:25:17Und ich ne Dame massiere oder einen Mann
00:25:28Also meinen ersten Freund habe ich ganz fürchterlich geliebt
00:25:31Wir waren zusammen in der schwul-lesbischen Jugendgruppe
00:25:34Er war 15, ich war 18
00:25:36Und ich war halt auch noch relativ am Anfang irgendwie mit dem ganzen Fummel gedöhnt
00:25:40Und irgendwie abends wollten wir ins Schwurz gehen
00:25:42Und dann meinte ich, was soll ich denn anziehen, das rote Kleid oder das grüne Kleid
00:25:44Das ist mir völlig egal, Thima, ich liebe dich so wie du bist
00:25:47Ich hatte mich dann nochmal, da war ich Anfang 20, unsterblich in den Typen verliebt
00:25:54Ja, das war wirklich die große Liebe
00:25:58Ja und das ging dann irgendwann, ging's halt auseinander
00:26:02Weil dann eben ne Frau in sein Leben getreten ist
00:26:05Und da, ne, also da muss ich dann leider die Waffen strecken
00:26:09Gegen ne Frau komm ich nicht an
00:26:11In irgendeiner Nacht habe ich ihm, glaube ich, in 24, sage ich, einen Brief geschrieben
00:26:14Da war ich auch wirklich ganz schön fertig
00:26:16Und da, das war, glaube ich, das erste Mal, wo ich richtig verliebt war
00:26:19Da hätte ich gar nicht gedacht
00:26:21Mit dem hast du Sex auch?
00:26:22Nein, nein, nein, ich habe ihm das geschrieben
00:26:24Unter anderem habe ich ihm auch geschrieben, dass ich sein langes Haar so toll fände
00:26:29Ja, dann hat er irgendwann mich angerufen, dass er das ja alles pervers fände und sowas
00:26:34Und sich sowas gar nicht vorstellen könnte
00:26:36Und wir sollten uns doch mal treffen
00:26:39Und dann haben wir uns bei meinen Eltern getroffen
00:26:41Ich habe gezittert am ganzen Körper
00:26:43Und da kommt er da an und hat sich eine Schiemannski-Frisur geschnitten
00:26:46Hat er sich die Haare, ich glaube, das war anders mit
00:26:48Hat er sich die Haare abgeschnitten
00:26:50Und das Gespräch war aber dann sehr, sehr, trotzdem sehr gut
00:26:54Und der Abschluss, der hatte mir dann noch kurz später nochmal von München einen Brief geschrieben
00:26:58Der auch sehr lieb war
00:26:59Und in dem Brief hat er auch geschrieben, er wollte mich besuchen kommen
00:27:03Also erstmal war das für ihn ein Schock
00:27:05Aber er wollte mich auf jeden Fall besuchen kommen
00:27:07Ja, und dann ist er gestorben
00:27:09Der hat dann
00:27:10Oh Gott
00:27:11Hatte einen Unfall gehabt
00:27:14Meine Güte
00:27:18Ja, da haben wir nie drüber gesprochen, wie es weiterging
00:27:22War er tot
00:27:27Der hängt da auch an der Wand
00:27:29Also das war deine erste große Liebe
00:27:31Das war, die ist immer noch
00:27:46Na, komm
00:27:48So
00:27:50Aua
00:27:55Ich hab doch Ovo gerade schon ein Kleid gegeben zum anziehen
00:27:58Ich weiß gar nicht, wo die bleibt
00:27:59Ich brauch nicht kommen, aber ich bin schon reingetreten
00:28:03Das hat leider, glaube ich, schon gefordert so eine Stolperfalle hier
00:28:07Das finden wir spitze
00:28:09Excuse, was kannst du das noch reparieren denn?
00:28:12Ich hab ja gerade den richtigen Faden dabei eigentlich
00:28:14Das ist genau, das ist eigentlich so eine Schuhgröße
00:28:16Ist ja so
00:28:19Oh, du Furt
00:28:20Mit Schlepper auch fast so ein bisschen hinten
00:28:22Na, und dann hab ich dann extra hier oben unten dran gemacht, damit das auch da unten bleibt
00:28:27Achso
00:28:27Schlepper-Schlepper-Bauern
00:28:29Sonst krabbelt so ein gehäkeltes Zeug hier über die Beine wieder hoch
00:28:32Achso, verstehe
00:28:33Und hier müsste eigentlich vielleicht auch noch so ein Omin-Kram und die drücken
00:28:35Was hast du für einen Geschmack oder so? Gibt's da einen Stil? Gibt's eine Richtung?
00:28:39Ich meine, was ich beobachte ist, dass du auch sehr viel Humor hast, also in der Mode
00:28:43Also wenn wir jetzt richtig mal um Mode
00:28:46Mode Mode
00:28:48Also das Ding ist ja, in Deutschland gibt's ja eigentlich fast nur Bekleidung
00:28:51Also Mode passiert in Paris
00:28:53Oder wenn ich hab mich dann auch bemüht, dann wirklich
00:28:56Es gibt schon einen speziellen Stil
00:28:58Also einige Tunden, die sehen dann schon, wenn die und die was anhalten
00:29:00Oh, guck mal, das ist aber von Bev
00:29:02Also es ist schon ganz schlicht eigentlich
00:29:05Sehr gerade
00:29:06Also wo ich halt nicht bekannt für bin
00:29:08Oder wo halt das Augenzwinkern oder der Humor in der Mode
00:29:10Was du vielleicht auch jetzt sagst
00:29:12Es ist ja immer
00:29:13Ich hab einfach durch die ganzen Jahre gelernt, auch scheiße Bonbons zu machen
00:29:16Ich hab das gelernt dann aus allen Materialien
00:29:19Dann immer Kleider von Second Hand
00:29:20Oder irgendwelche Klorollen
00:29:22Oder dann geh ich mit Ovo irgendwie abends nachts irgendwie zu einer Bar
00:29:25Und dann stehen da so Matratzen
00:29:27Da ist ja voll dieser Federkern
00:29:29Und Ovo sagt, ach guck mal, da steht Federmatratzen
00:29:31Ich sag, nee, das sind doch Perücken
00:29:33Herr Ovo sagt, ja, Quatsch
00:29:34Ich hab gesagt, nee, geh du mal in die Bar
00:29:35Ich muss die Teile nach Hause tragen
00:29:38Und knipse die dann so auseinander
00:29:39Binde die zusammen
00:29:40Und hab dann für eine Modenschau
00:29:41Sechs so riesen Teile
00:29:42Sieht aus wie Afro-Locken aus Metall
00:30:08Wie hast du die Schule abgeschlossen?
00:30:10Wie jeder bei uns auf dem Land eigentlich mit dem neunten Schuljahr
00:30:13Hauptschulabschluss
00:30:14Und ich hatte vorher schon mit 13 angefangen im Krankenhaus
00:30:18Ehrenamtlich-Wochenenddienste zu machen
00:30:19Und hab dann gemeint, dass das meine Geschichte wäre
00:30:24Dann hab ich zwei Jahre die Pflegevorschule gemacht
00:30:26Und dann eine Krankenpflegeausbildung
00:30:30Und danach hab ich dann nochmal neun Monate in der Psychiatrie gearbeitet
00:30:34Und hab dann irgendwie für mich festgestellt
00:30:36Dass die Patienten im Allgemeinen gesünder waren
00:30:39Als das Personal, das da arbeitete
00:30:42Und nach neun Monaten bin ich dann auch gegangen
00:30:45Bin dann nach Berlin gegangen
00:30:481984 im Sommer
00:30:49Ich wollte dann, hatte noch die Idee
00:30:50Hier in Berlin dann Schauspielschule zu machen
00:30:53Und dann hab ich hier gehört, dass es halt die Etage gibt
00:30:55Wo man so ne kombinierte Ausbildung machen kann
00:30:57Und ich hab dann vorgesprochen für Schwerpunkt Akrobatik
00:31:01Und da hab ich auch ne ganze Zeit von gelebt
00:31:03Von der Akrobatik
00:31:06Akrobatik, hab ich immer gesagt
00:31:07Kann ich mich eigentlich nicht nennen
00:31:08Aber Gaukler
00:31:13Meine Schwester und ich
00:31:15Wir waren ja die berühmten Kempowskis
00:31:17Vor 20 Jahren
00:31:18Und wir waren Stars
00:31:20Stars
00:31:21Also ich
00:31:23Also meine Schwester
00:31:24Die kann das ja gar nicht mehr richtig
00:31:28Aber ist ja auch egal
00:31:30Das, wir tun so als wäre das ne Probe
00:31:32Damit das nicht so aufhält
00:31:33報 tips
00:31:48Gut
00:31:49Applaus
00:31:49Gut
00:31:55Gut
00:31:56Gut
00:31:56Gut
00:31:57Gut
00:32:00Gut
00:32:01Gut
00:32:01Gut
00:32:28Ich wollte immer Schauspieler werden.
00:32:30Und ich wollte, also das mit diesen ganzen Tunden-Shows und so weiter, das ist ja eigentlich nur so ein
00:32:39Schritt dahin gewesen.
00:32:42Und dieses Vollplayback war zwar alles ganz nett irgendwie so streckenweise, wollte ich aber eigentlich auch nie so richtig als
00:32:49Kunstform ausleben, sondern war eigentlich schon immer mehr so Theaterspielen.
00:32:54Nee, nee, nee, Schauspieler ist nicht mein Ding. Ich wollte mein eigenes Ding, was ausdecken, was es nur einmal gibt
00:32:58und das bin ich.
00:33:00Also als Kind gefragt wurde, willst du denn mal werden? Dann habe ich gesagt, ich will Papst werden.
00:33:05Und das war der Einzige, von dem ich wusste, gibt es nur einen von.
00:33:09Ich spreche doch keinen Text, der 400 Jahre alt ist, der von irgendeinem Engländer geschrieben worden ist.
00:33:14Ich will doch meine eigenen Texte sprechen, ich will doch zeitgenössisch sein, ich will doch ich sein.
00:33:17Ich habe gleich von Anfang an moderiert. Also es war klar, wir gründeten dann eine neue Tundengruppe, die hieß Les
00:33:23Tux und keiner von denen traute sich zu reden.
00:33:26Und alle sagten, oh, du musst das machen, ich weiß nicht warum. Es war so, ich stand dann da und
00:33:30hatte eben das Mikro in der Hand und musste durch den Abend führen.
00:33:33Das war meine große Chance, dass im Schwutz es erlaubt war, auf die Bühne zu gehen, ohne großartig vorbereitet zu
00:33:38sein und auch ohne vielleicht großartig Talent zu haben.
00:33:42Das durfte man. Und man durfte auch was falsch machen.
00:33:46Man steckte natürlich dann dafür ein Buch oder irgendeine Missachtung oder im Backstage-Rückenspruch ein, aber daran wächst du ja
00:33:52dann auch.
00:33:55Eine Tunte hat nämlich nicht vor, eventuell darstellen zu wollen, wie man als Frau aussehen wollen würde.
00:34:01Deshalb braucht eine Tunte auch keine Frauenmode, sondern eine Tunte braucht Tundenmode.
00:34:08Unser Tundendesigner ist Bev Stroganoff und hat dieses herrliche Outfit entworfen.
00:34:13Es heißt das Hängerchen über das Hörnchen.
00:34:17Irgendwann, wenn du dich immer mehr abgrenzt von den anderen, kommst du auch irgendwann mal dazu, was Eigenes zu finden.
00:34:22Beziehungsweise was zu finden, was vielleicht vorher in der Form nicht da war.
00:34:28Und so blieb für mich dann eben letztendlich, wie sich herausstellte, die Nische, dass ich eine Polit-Tunte bin.
00:34:34Ich habe schon wieder ein neues Outfit an, wieder von Bev Stroganoff. Das ist Recycling-Mode.
00:34:39Das ist Mode, die nie vergeht. Mal da unten.
00:34:42Weil wir sind ja inzwischen der Meinung, dass die ganzen Parteien, die in C vorne dran haben für christlich,
00:34:47inzwischen einfach sich so weit abgewirtschaftet haben, dass man sie endgültig in die Tonne treten kann.
00:34:53Vielleicht macht dann Bev Stroganoff neues Modedesign draus.
00:34:56Nicht?
00:35:03Und dann wollte ich immer irgendwas mit Kunst machen.
00:35:05Also ich hatte schon das Gefühl, irgendwas ist in mir, was auch raus will.
00:35:08Und habe dann, glaube ich, am Tag selber, wo ich im Lette-Verein kam,
00:35:12überlegt, hm, schreibt sie sich jetzt für Grafik ein, für die Aufnahmebewerbung oder für Mode?
00:35:18War so, hm, hm, hm.
00:35:20Und dann habe ich gesagt, naja, vom Beruf her ist, glaube ich, Mode interessanter.
00:35:23Und es war eine sehr handwerkliche Ausbildung, der zum Schneider eigentlich.
00:35:32Und die ersten Kleider, die ich mir genäht habe, waren auch relativ schlicht.
00:35:35Aber irgendwann habe ich mich da mal getraut, so nach zweieinhalb Jahren.
00:35:39Und dann hatte ich mir so eine Strickjacke mit japanischem Muster,
00:35:42also eine ganz weite Hose und Stiefeletten,
00:35:45mit einem Kopftuch, mit einem langen, schwarzen Haarteil und ganz dick Kajal.
00:35:48Und die Mädchen erst alle so, oh, das ist ja toll, was du da bist und so.
00:35:53Und die Lehrerin, die hat mich irgendwie, egal ob ich Hand gehoben habe oder sowas,
00:35:57die hat mich ignoriert.
00:35:59Also ich bin nicht drangekommen, so.
00:36:03Das gibt es hier nicht, kennen wir nicht, wollen wir nicht haben, so ungefähr.
00:36:06Damals war Beth ja auch auf der Designerschule.
00:36:09Vorher hatte sie ja mit meinem Bruder, der Priester ist,
00:36:11auch ein oder zwei Semester Theologie in Münster studiert.
00:36:14Ich habe das schon bewundert, dass sie auch sich da in der Schule gegen diese Richtlinien durchgesetzt hat.
00:36:23Sie hat ja ein Kleid als Arbeit gemacht und wurde dann ja auch auf der Schule diskriminiert und verlacht.
00:36:29Also es war wohl auch ein Kampf.
00:36:31Und sie hat den Nähkampf da gehabt.
00:36:35Sie hat dagegen angenäht und hat auch wunderbare Entwürfe gemacht.
00:36:40Also es war, es ist eine Schule, die bringt den Leuten bei,
00:36:44dass sie nachher in der Fabrik oder in einer Firma arbeiten können.
00:36:47Und das war alles ganz schlicht und toll und ordentlich verarbeitet und sauber und ein ordentlicher Schnitt.
00:36:53Und dieses Künstlerische, dass das jetzt so ins Kreative abrutscht, das wollten die eigentlich nicht.
00:36:58Und das ist mir tierisch auf den Sack gegangen.
00:37:00Ich habe gesagt, nee, ich muss erst mal meine Kreativität ausleben und ich muss meinen Spaß haben.
00:37:05Und habe dann die Schule verlassen und hat mir Stoff gekauft und habe gesagt, so, jetzt machen wir eine Modenschau.
00:37:1085 war das, glaube ich, schon.
00:37:11Da war ich ja im Kreuzberger Festliche Tage, hatte sie drei Lackkostüme, ob ich eins davon tragen würde.
00:37:17Und das war auch eine Ehre.
00:37:19Natürlich habe ich das gerne getragen.
00:37:20Das war dann schon schwierig, da anständig den Stöckeln zu flanieren.
00:37:25Das war ja nun, ich komme vom Bau eher.
00:37:28Und dann hat Beff ja öfter Modenschauen gemacht und da war ich dann auch immer dabei.
00:37:34So fing das dann an, dass ich dann eben mit Beff auch wieder mehr, da war ich also bei jeder
00:37:37Modenschau mit dabei, war ganz klar.
00:37:39Da war ich ein Topmodel.
00:37:42Und später sind wir auch bezahlt worden dafür, anständig bezahlt worden.
00:37:45Das haben wir ich Cola zu verdanken.
00:37:48Und dann macht die Tima natürlich als Konkurrenzveranstaltung, und da muss auch immer gewisse Konkurrenz herrschen,
00:37:54wer das fördert ja, macht ja auch Modenschauen.
00:37:59Beff war eher so die innovative Designerin, Tima war eher so die klassische, die historische Kostüme nachnähte.
00:38:05Aber qualitativ hochwertig war Tima immer.
00:38:08Beff immer eher so mit einer Sicherheitsnadel.
00:38:11Was macht ihr hier?
00:38:13Wir machen hier eine abscheuliche Reise durch die Zeit, mit teilweise relativ gut gelungen,
00:38:20da muss ich mich selber loben, historischem Kostüm,
00:38:23und nehmen die ganze Geschichte, also von der Steinzeit an, völlig aufs Korn.
00:38:29Meine Liebe, meine Liebe, hat der selben Stil, ich liebe sie schon, wo ich mich, und da liegt alles green.
00:38:50Jeder, der in Berlin geboren ist und schwul ist, kann mit 13 anfangen, richtig rumzuhören.
00:38:56Das hatte ich ja alles, da fehlten mir ja einige Jahre, und da hatte ich das eigentlich, ich müsste das
00:38:59nachholen.
00:39:00Und hier war ja das Paradies, also ich meine, hier gab es ja Männer an jeder Straßendecke,
00:39:04du konntest auch Sex an jeder Straßendecke haben.
00:39:08Dann gab es damals Klappen.
00:39:10Und das ist natürlich eine wunderbare Welt gewesen, für mich, die ich unbedingt entdecken wollte.
00:39:15Weil Klappen, das war dann doch noch ein Thema, über das keiner redet.
00:39:17Da sagte keiner was, über Klappen sprechen, dass man auf Klappen geht, also man tut es zwar, aber man regelt
00:39:24es nicht.
00:39:27Tja, hier war früher die Kirchenklappe, heute ist es ein Imbiss.
00:39:35Ich habe damals auch wirklich, also diese Welt der Klappen, wirklich ganz bewusst entdeckt.
00:39:40Also ich wusste, da ist was Geheimnisvolles, und das musst du kennenlernen.
00:39:46Damals gab es eben noch viele Klappen, ich hatte wirklich eine Route oft.
00:39:49Und am liebsten bin ich immer auf die Klappe Bülubo.
00:39:51Da war immer Betrieb, immer, da war 24 Stunden, da war immer irgendwas.
00:39:55Also da waren mittags irgendwelche Bankschlusen von der Commerzbank gegenüber.
00:40:00Abends waren irgendwelche Studis, die da irgendwie in den billigen Wohnungen wohnten.
00:40:03Tagsüber waren da irgendwelche Türkenpapis, und vor allen Dingen waren immer Junkies da.
00:40:09Und es war spannend, es war unglaublich spannend.
00:40:12Du wusstest ja nie, wer da jetzt ist, was erwartet dich da, wer sitzt da jetzt rum, wer steht da,
00:40:18wer ist gleich zugange, wie viele sind das, passiert etwas Aggressives, kommen irgendwelche Türken rein, wollen dich verprügeln.
00:40:25Da wusste es ja, ich habe jedes Mal ein wahnsinniges Herzklopfen gehabt, vor jeder Klappentür.
00:40:29Jedes Mal ein wahnsinniges Herzklopfen.
00:40:32Also hier sind wir jetzt auf der ehemaligen Klappe am Viktoriapark.
00:40:36Diese Klappe war die SM-igste Klappe, die ich kannte.
00:40:40Das lag daran, dass hier die Wasserleitungen nicht unter Putz lagen, sondern davor, und man konnte gut jemanden daran festbinden.
00:40:48Außerdem war die Besonderheit bei dieser Klappe hier am Kreuzberg, dass es hier eckige Löcher gab.
00:40:55Vor allen Dingen eben Löcher an einer Wand, die mit beiden Seiten mit Blech befestigt war.
00:41:01Dadurch gab es scharfe Kanten, und wenn man den Schwanz dann durchsteckte, war das so ein bisschen interessant.
00:41:06Leider gibt es heute keine Klappen mehr in Berlin.
00:41:09Deshalb erzähle ich auch jetzt so ausführlich darüber, weil ich das auch anderen vermitteln möchte.
00:41:14Es gibt das nicht mehr in Berlin.
00:41:16Heute müssen wir das leider Open-Air machen.
00:41:19Naja, schadet ja auch nichts, nicht?
00:41:21Solange es etwas Leckeres zu naschen gibt.
00:41:24Und dann, ja, und Sex.
00:41:27Das war eigentlich also die Karriere mit Mode und sowas, und dann das mit den Tunden.
00:41:31Und ich habe aber immer gleichzeitig schon mit diesem Coming-out, irgendwie jetzt im Fummel auszugehen,
00:41:38habe ich diese männliche Seite in mir auch ganz extrem ausgelebt.
00:41:42Also ich war dann die ganze Zeit von 87 bis 92, ich war ja nur in der Lederszene unterwegs.
00:41:51Und meine Sexualität war irgendwie halt sehr männlich.
00:41:55Meine besten Männer habe ich immer kennengelernt, wenn ich gerade von der Bühne kam.
00:42:00Abschminken, und da war so viel Adrenalin, ich glaube, dass das durch die Augen rauskommt.
00:42:04Ich musste mich dann nur irgendwo in der Lederknappe in die Ecke stellen,
00:42:07und die leckersten Männer kamen auf mich zu und haben mich angesprochen.
00:42:19Manchmal gehe ich ganz privat in so ne schwulen Kneipen,
00:42:22die ganz hinten und im Keller einen Darkroom betreibt.
00:42:24Da gehe ich da so rein, stehe so locker rum,
00:42:27und ich denke, es ist zu dumm, und schon läuft mich jemand um.
00:42:30Ach, hallo, ich heiße Hubert, so spreche ich den freundlichen Hang,
00:42:32doch er geht an mir vorbei, weil er nichts sehen kann.
00:42:35Im Dunkeln munkel ich so rum, da kommen zwei, drei oder vier.
00:42:38Wie viel kann ich nicht sagen, ist ja dunkel hier.
00:42:40Ich denke, da hilft nur noch Beten, und ich gehe auf die Knie,
00:42:43da holt einer aus der Hose, und dann zeigt er mir.
00:42:46Beim Aufstehen verliere ich die Haltung ganz,
00:42:48und von hinten steckt mir jemand bei dem Großen.
00:42:51Na, da werde ich aber böse, hör mal zu, du süße Maus.
00:42:54Ich zähle jetzt bis drei, und dann zieh's ihn wieder raus.
00:42:58Ne, ich war ja nur zwischendurch immer promiss,
00:43:00bis sich mal wieder jemanden gefunden hat, mit dem, wo es sich lohnt,
00:43:03länger zu bleiben.
00:43:05Selbst wenn ich jetzt auch Sex hab im Darkroom oder sowas,
00:43:08ich brauch den Schwanz gar nicht auszupacken.
00:43:10Also, das ist mir ja sowas von Wurst.
00:43:11Aber wenn ich mal so 20 Minuten mit jemandem,
00:43:13dass er mich in den Arm nimmt, dass ich einfach spüre,
00:43:15dass ich da bin, und richtig gut küssen kann,
00:43:18das ist viel schöner.
00:43:19So eile ich geschwind wieder in den Keller,
00:43:22und der Kerl von eben will schon wieder,
00:43:24doch ich bin schneller.
00:43:25Schwuppdiwupp und einer dauert sich der Lümmel in der Tüte,
00:43:27damit diese beim Verkehr die Infektionsverhüte.
00:43:30Dieses Mal gebe ich mich leidenschaftlich hin,
00:43:33ich komm mir vor als Fancy Darkroom Queen.
00:43:35Ja, Darkroom Queen, hey.
00:43:39Du bist ja gerade aufgewachsen,
00:43:41sozusagen in die Szene gekommen,
00:43:42als Eds gerade anfing.
00:43:45War das für dich sehr furchterregend, bedrohlich?
00:43:50Schade war es.
00:43:51Schade war es.
00:43:52Ich hatte so viel von Riesenorgien und sowas gehört
00:43:55und hatte mich mental gerade drauf vorbereitet
00:43:57und wollte das so richtig schön zelebrieren.
00:44:00Und dann bin ich mit dem ersten Typen 85 Mal nach Haus gegangen
00:44:07und da erzählt er mir gleich was von Eds.
00:44:10Und dann habe ich mir ja gleich alle Broschüren gekauft
00:44:13und meine erste Nummer bei Ladies Night war ja
00:44:15Safer Sex für Mütter und Tanten.
00:44:17Claire Rube klärt auf.
00:44:19Damals war sie halt noch ein bisschen jünger
00:44:21und hatte noch eine andere Frisur.
00:44:22Die Scholar wollte die CFEV gründen.
00:44:24Das waren ja damals diese ersten Pflegeeinrichtungen,
00:44:28die von Schwulen für Schwule sein sollten.
00:44:31Und das waren aber fast alles Tunden,
00:44:33die bei uns in Ladies Night mit auftraten.
00:44:35Die waren irgendwie sechs oder sieben Krankenpfleger,
00:44:37die mit uns andauernd auf der Bühne waren
00:44:39und jetzt sowas gründen wollten.
00:44:4287 Jahre die Pflegestation mitgegründet für HIV-Positive.
00:44:45Ich habe Patienten, die im Krankenhaus eingeschlossen waren,
00:44:48ich bin da hingegangen, habe die privat rausgeholt.
00:44:50Ich habe mich da in den Krankenhäusern mit dem Personal rumgestritten.
00:44:54Ich habe laut auf den Fluren geschrien.
00:44:57Ich habe richtig laut geschrien,
00:45:00bis dass die mir die Patienten, sagen wir mal,
00:45:02ausgehändigt haben,
00:45:03bis dass die die Leute nach Hause gelassen haben.
00:45:05Und habe die dann zu Hause auch betreut.
00:45:07Bis zu 24 Stunden war ich am Stück bei den Leuten.
00:45:10Also da stand die Pflegestation schon nicht mehr hinter.
00:45:13Ich sagte, ist mir egal.
00:45:14Wenn ich sage, ich will eine neue Art von Pflege,
00:45:18dann heißt das für mich eine ganzheitliche Pflege,
00:45:19dann heißt das, ich muss mich da voll reinknien.
00:45:22Und ich habe gesagt, ich kämpfe bis zum Letzten.
00:45:31Ich glaube, ich war auf über 50 Beerdigungen schon.
00:45:34Das war so Anfang, Mitte der 90er,
00:45:38wo also wirklich eine Beerdigung die nächste Jagd hat.
00:45:40Und wo ich jeden Monat mindestens zweimal auf dem Friedhof war.
00:45:45Ich hatte ja dann den ersten großen deutschen Tundenladen.
00:45:49Nun war das aber ja 88, 89.
00:45:52Eigentlich noch eine Zeit, wo die Tunden, die hier in Berlin waren,
00:45:55das war ja noch eigentlich diese Mauergeschichte,
00:45:56wo man kam hierher, wenn man kein Geld hat.
00:45:59Insofern war das jetzt finanziell kein Erfolg.
00:46:01Aber da war doch sehr viel Herzblut dran.
00:46:04Aber ich habe das auch sehr gerne gemacht.
00:46:08Das war ja fast dann nachher schon das Büro von Ekt ab.
00:46:10Die Lufthansa testet zwangsweise alle Bewerber auf den HIV-Antikörper-Test.
00:46:15Wir wehren uns gegen die zwangsweise, reihenweise Untersuchung
00:46:18auf HIV-Antikörper bei der Lufthansa.
00:46:21Wir hatten unsere Karriere und wir hatten unseren Laden.
00:46:24Und natürlich kann man dann auch nebenbei
00:46:26immer so ein bisschen politisch aktiv sein.
00:46:27Weil wenn man, das habe ich ganz früh gelernt,
00:46:29wenn die Gesellschaft, in der du lebst,
00:46:31nicht gefängelt so wie sie ist,
00:46:33dann kannst du da selber auch was dran ändern.
00:46:36Ich habe zu der Zeit halt die Etage gemacht,
00:46:39habe diesen Tingle-Tangle-Kram gemacht,
00:46:41habe nachts als Sterbebeistand gearbeitet
00:46:44und dann noch als Statist bei Filmen
00:46:48und als Statist beim Theater
00:46:51und war Proband in Arzneimittelforschung.
00:46:54Ich wollte ja so oder so von vornherein Schauspieler werden.
00:46:59Als ich damals vor zehn Jahren Charlotte spielen durfte,
00:47:02war ich schon stolz,
00:47:03weil ich sie total gerne mag und sie klasse finde,
00:47:06weil sie so authentisch ist, so ehrlich authentisch.
00:47:09Sag mal, Charlotte, wie stellst du dir eigentlich vor,
00:47:11dass ich dich als 20-Jährige darstelle?
00:47:14Das war ja direkt nach dem Krieg.
00:47:15Und wie warst du da eigentlich?
00:47:17Warst du da irgendwie Frau oder wolltest Frau sein?
00:47:20Also ich muss sagen,
00:47:21ich fühle mich als weibliches Wesen im männlichen Körper.
00:47:25Ich bin transvestit, transsexuell nicht.
00:47:30Das heißt, meine Geschlechtsteile haben mich nie geniert.
00:47:33Ich hätte mich auch nie umoperieren lassen.
00:47:35Ich bin sozusagen meine eigene Frau.
00:47:49Glücklicherweise durch meine Sexualpraktiken
00:47:51gehöre ich nicht so zur wahnsinnigen Risikogruppe.
00:47:54Was heißt das?
00:47:55Dass ich mich nicht ficken lasse.
00:47:57Wie kommt das?
00:47:58Ich bin dreimal in meinem Leben vergewaltigt worden.
00:48:00Mir reicht's.
00:48:02Während der Zeit auf dem Strich?
00:48:04Zweimal auf dem Strich und einmal von einem Freund, ja.
00:48:06Und die waren halt alle drei unheimlich brutal.
00:48:10Und im Nachhinein denke ich mir,
00:48:11vielleicht war es mein Glück.
00:48:22Und dann kriegte ich aber eine Hepatitis.
00:48:25Und irgendwie eine von diesen Doofen.
00:48:28Eine Hepatitis macht so schlechte Laune.
00:48:30Also ich war so deprimiert.
00:48:32Und hatte ganz viel Selbstmordgedanken gehabt.
00:48:35Bin ich dann zum Doktor gegangen und hab gesagt,
00:48:37also ich möchte mir gerne das Leben nehmen,
00:48:39aber vorher möchte ich noch gerne wissen,
00:48:40ob ich es geschafft hab, positiv zu werden.
00:48:42Und dann sagte er, ja, dann machen wir doch mal einen Bluttest.
00:48:45Dann bin ich da hin und war auch ganz niedergeschlagen schon
00:48:47und dachte immer, naja, du hast von der Aidshilfe gehört,
00:48:51wenn du dann das Testergebnis kriegst,
00:48:52dann macht der Arzt ein beratendes Gespräch
00:48:54und fängt dich ein bisschen auf
00:48:55und sagt dir, was du so machen kannst.
00:48:57Und ich saß da beim Arzt und sagte,
00:48:59ja, sie sind positiv und hier sind ihre Kurven,
00:49:01da sind die Werte schon so weit runter
00:49:02und das sind die Tierhälferzellen und tschüss.
00:49:05Und dann stand ich so auf der Straße und denke so,
00:49:08au, was machst du jetzt, was war das denn?
00:49:11Also der hat mir das so richtig um die Ohren gehauen
00:49:13und ich wusste gar nicht mehr, was ich machen sollte.
00:49:16Und da war ich scheinbar so schockiert,
00:49:17dass ich irgendwie gedacht hab,
00:49:18ja, das musst du doch noch weiterleben.
00:49:21Ja, da ist es, meine Damen und Herren,
00:49:23liebe Mütter und Tanten, liebe Schwulen,
00:49:24das erste deutsche schwule Fernsehen.
00:49:26Es wurde ja auch endlich Zeit.
00:49:28Mein Name ist David Wilms
00:49:29und ich bin der ganz gewöhnliche Homosexuelle.
00:49:33Hallo, ich bin Bef Strucker-Noff
00:49:35und ich bin die ganz gewöhnliche Tunte.
00:49:38Also du musstest dich ja abends,
00:49:39wenn du ausgingst,
00:49:40immer mit dem schwulen Fernsehen beschäftigen,
00:49:41weil entweder kam jemand und sagte,
00:49:43ach, du machst das ja ganz toll,
00:49:44oder es kam jemand und sagte,
00:49:45ha, schwules Fernsehen,
00:49:47das ist ja, wenn es sein muss,
00:49:49aber warum muss denn deine Tunte bei sein?
00:49:51Also viele Schwule, die wollten schon,
00:49:53dass das Thema Schwulsein im Fernsehen
00:49:56in der Öffentlichkeit kriegt,
00:49:58aber die wollten nicht,
00:49:59dass da eine Tunte drin ist,
00:50:00weil die ja dann mit denen
00:50:02in einen Topf geschmissen werden
00:50:03und dann denken die ganzen Heteros,
00:50:04alle Schwule ziehen sich Frauenkleider an.
00:50:07Das können die Schwulen,
00:50:08die natürlich eher sich sehr männlich geben,
00:50:10natürlich gar nicht leiden.
00:50:11Herzlich willkommen bei Andersrum.
00:50:15Andersrum.
00:50:16Oh Mann.
00:50:18Wir sind jetzt ein Jahr.
00:50:21Sieht man ja.
00:50:23Und David ist ein Junge.
00:50:24Ja, und ich nämlich auch.
00:50:27Aber ich tue mir manchmal
00:50:28eine rosa Schleifwitz-Haar
00:50:29und tue so, als bin ich ein Mädchen.
00:50:32Einen liegt mir immer am Herzen,
00:50:34den Leuten mitzuteilen.
00:50:36Also eine Tunte ist ein ganz normaler Mensch,
00:50:38für die anderen auch.
00:50:40Und das andere ist halt,
00:50:41ein Positiver ist auch ein Mensch
00:50:42mit Bedürfnissen wie andere auch.
00:50:45Es gibt diese typischen Hetero
00:50:47oder diese typischen Schwulen
00:50:48und dann die Tunden und die Positiven
00:50:50und die Behinderten und so sind außenrum.
00:50:52Das finde ich immer blöd.
00:50:53Ich will, dass das alles zusammengehört.
00:50:55Wann hast du erfahren,
00:50:58dass du HIV-positiv bist?
00:51:00An Ischkulas Geburtstag 1992.
00:51:02Da warst du wie alt?
00:51:04Ich bin 66 geboren, rechne selber.
00:51:0726, glaube ich.
00:51:09Wie kam es dazu?
00:51:11Großer, ich lebe pro Misk.
00:51:13Ich habe keine feste Beziehung.
00:51:16Das heißt also,
00:51:17das Risiko ist bei jedem Partner wieder gegeben.
00:51:20Damals war ich noch durchaus so drauf,
00:51:22dass ich in der Nacht
00:51:22mindestens ein halbes Dutzend Männer haben wollte.
00:51:27Und dann steigert sich das Risiko.
00:51:30Dann bist du nie ganz nüchtern dabei.
00:51:32Also 90 Prozent von meinem Sex
00:51:34findet in irgendeiner Form von Rausch statt.
00:51:38Das heißt,
00:51:39du hast dann also genügend Alkohol
00:51:40und anderen Kram.
00:51:42Intus.
00:51:43Na ja,
00:51:44wer kontrolliert dann noch?
00:51:46Wann hat man entdeckt,
00:51:47dass du HIV-positiv bist?
00:51:49Ach, das war eine Geschichte.
00:51:50Das war
00:51:5394, ja.
00:51:54Ich hatte auf keinen Fall mitgerechnet,
00:51:56weil ich habe ja
00:51:58Jahre vor immer
00:51:59war ja die AIDS-Aufklärerin
00:52:00und habe ja
00:52:01Safer-Sex-Veranstaltungen
00:52:04mit organisiert.
00:52:05Wir haben die Safer-Sex-Bartes
00:52:06ja erfunden damals
00:52:07und
00:52:09habe wirklich sehr viele Vorträge
00:52:11auch diesbezüglich gehalten.
00:52:13Und da war ich echt erstaunt,
00:52:14weil ich habe immer
00:52:15Safer-Sex gemacht
00:52:16und wollte dann eigentlich
00:52:17zu dem Thema
00:52:18gar nichts mehr sagen,
00:52:19weil ich dachte,
00:52:20dann würde ich die anderen
00:52:21vielleicht noch mehr verunsichern.
00:52:23Ich hatte doch einen Fall dann
00:52:25und ich denke,
00:52:25das war es auch.
00:52:27Ein Typ hat
00:52:28einfach beim Sex
00:52:29zwischendurch
00:52:30den Gummi abgezogen.
00:52:31Und der ist tot.
00:52:33Das weiß ich.
00:52:46Da gibt es manchmal so Momente,
00:52:48da hasse ich sie dafür,
00:52:49dass sie sich diese Krankheit
00:52:50geholt haben
00:52:51und könnte eigentlich
00:52:55ja, also
00:52:56das ist dann so
00:52:58dieses eigene
00:52:59gelähmt sein.
00:53:00Du kannst ja nichts dagegen tun.
00:53:02Da würde ich sie dann
00:53:03am liebsten erwürgen.
00:53:04Und auf der anderen Seite
00:53:06denke ich mir dann immer,
00:53:07ich muss ganz vorsichtig
00:53:09mit denen umgehen
00:53:10und immer schön schauen,
00:53:12dass die auch alles haben,
00:53:14dass sie sich vernünftig ernähren
00:53:17und ja, halt möglichst
00:53:19viel Spaß auch
00:53:21miteinander zu haben.
00:53:22Also weil wir vier
00:53:24sind halt auch schon
00:53:25so eine Familie eigentlich.
00:53:28Sie war ein Mädchen
00:53:30voller Güte
00:53:31und naschend hat sie
00:53:33auch sehr gern
00:53:36Willkamen so manche
00:53:39Zuckertüte
00:53:39von einem
00:53:41wünschen
00:53:42jungen Herrn.
00:53:44Da habe ich überlegt,
00:53:45wo könntest du denn
00:53:45überhaupt hingehen,
00:53:46wenn dir Berlin
00:53:47auf den Sack geht.
00:53:47Da wusste ich gerade
00:53:48ein Jahr auch,
00:53:49dass ich positiv bin
00:53:51und das mit dem Fernsehen
00:53:52war dann ein Jahr,
00:53:53das war dann auch
00:53:54irgendwie genug.
00:53:55Und mir kam eigentlich
00:53:57Hamburg,
00:53:58weil ich so ein
00:53:59norddeutsches Kind bin,
00:54:00weil ich lieb das Wasser.
00:54:02Das ist ja einer
00:54:03der wenigen Momente,
00:54:04wo man ganz ohne
00:54:05Gedanken sein kann.
00:54:06Da lieb sich
00:54:08Heimat, süße Heimat,
00:54:12wann werden wir uns
00:54:15wiedersehen?
00:54:18Heimat, süße Heimat,
00:54:21wann werden wir uns
00:54:23wiedersehen?
00:54:26Das mit dem Zusammenwohnen,
00:54:28das war der Ursprung,
00:54:29ich glaube,
00:54:30das war wieder
00:54:31auf meinen Mist gewachsen.
00:54:32Ichkola kam dann irgendwann
00:54:33als leidenschaftliche
00:54:35zweite Handleserin
00:54:37mit dem Hausboot an.
00:54:39Tima war das nicht,
00:54:40sie wollte das nicht,
00:54:40Ovo war total begeistert.
00:54:42Man war in der Stadt,
00:54:43aber trotzdem auf dem Land,
00:54:44man hatte ein eigenes Haus,
00:54:45man brauchte keine Mietezahlen
00:54:46und war aber trotzdem
00:54:47in zehn Minuten
00:54:47am Bahnhof zu.
00:54:48Und dann hatten wir
00:54:49auf einmal das Hausboot.
00:54:50Das war dann ja auch
00:54:50so ein Treffpunkt
00:54:51eigentlich für die ganze Szene.
00:54:52Da gab es sonntags
00:54:53ja immer so Matinee
00:54:55und Farbenpartys
00:54:56oder Mottoveranstaltungen
00:54:58und sowas.
00:54:59Und Tima wohnte halt
00:55:00nicht weit weg
00:55:00und da sind wir
00:55:01oft essen gegangen.
00:55:02Tima hat immer gekocht.
00:55:03Der war ja nach Hamburg gezogen,
00:55:05der gefiel es ihr nicht.
00:55:06Dann sind dann Ovo
00:55:07und ich mit dem Wagen
00:55:08nach Hamburg gefangen
00:55:08und haben die abgeholt.
00:55:10Und dann hatten wir
00:55:11auch noch so gesagt,
00:55:11ja wo zwei Platz haben,
00:55:12haben auch drei Platz.
00:55:13Und das war so schön.
00:55:15War Sommer
00:55:15und irgendwie auf diesem Hausboot
00:55:17und hab gesagt,
00:55:18ach, hier will ich bleiben.
00:55:19Und die beiden meinten
00:55:21irgendwie, ja mach doch.
00:55:22Alles fangen wir gemeinsam an.
00:55:26Na na na na na na
00:55:28Für die nächste Liebe
00:55:30Uhu huu
00:55:32Ist niemals zu spät
00:55:35Uhu huu
00:55:36So steht's in der Bibel
00:55:38Gibt Millionen für Eids
00:55:44Machst auf
00:55:45und guckst aufs Wasser
00:55:46und ist da ein Schwan vorbei.
00:55:49Das ist schöneres Ganze gar nicht.
00:55:51Ich glaub das war die schönste
00:55:52ja in meinem ganzen Leben.
00:55:53Weißt du,
00:55:54dass du das immer schön
00:55:54aufgebaut hast?
00:55:55Ja, das schönste
00:55:56hab ich hier gerade gefunden.
00:55:58Bev schuldet mir doch 300 Mal.
00:56:01Da gab es doch so eine
00:56:01Sexparty in so einem Imbiss
00:56:03und dann wurde immer
00:56:04ein Tombola gemacht.
00:56:05Tima war dann die Tombola-Fee
00:56:06und musste da
00:56:06um den Tisch steigen.
00:56:08Und dann gab es da
00:56:09die seltsamsten Sachen zu gewinnen.
00:56:10Dann haben wir einmal
00:56:10einen Kassler geworden.
00:56:12Und da haben wir
00:56:12dann was getauscht
00:56:13und Seifenspende.
00:56:14Weißt du noch?
00:56:15Das war so ein leckerer Typ,
00:56:16der hat den Seifenspender geworden
00:56:17und ich hab gesagt,
00:56:17ich mach mit dir Sex,
00:56:18wenn ich den Seifenspender kriege.
00:56:22Den hatten wir dann
00:56:22auf dem Boot installiert.
00:56:23Auf dem Boot war der doch, ja.
00:56:25Es gab auch,
00:56:26hatte eigentlich auch keiner
00:56:27sein Bettzeugs oder so.
00:56:28Das war auf dem Boot ja schon so.
00:56:30Ich glaub das meiste
00:56:31war irgendwie sechs, sieben
00:56:31die da mal auf dem Boot geschlafen haben.
00:56:33Wo man morgens so gedacht hat,
00:56:34ach wer ist das denn?
00:56:35Und so durchgezählt
00:56:36und wusste gar nicht
00:56:37so an der Köppe
00:56:38erst mal wer es war.
00:56:39Das hat sich dann später herausgestellt.
00:56:41Was ist noch?
00:56:42Die Polizistin?
00:56:43Hat nicht die Polizistin.
00:56:44Die Polizistin hatten wir
00:56:45auch mal auf dem Boot.
00:56:46Ah ja, das stimmt.
00:56:47Das stimmt.
00:56:47Die hab ich erst unten
00:56:49im Wohnzimmer verglüht
00:56:52und dann hab ich die raufgeschickt
00:56:53zu euch
00:56:53und dann ist der auch noch
00:56:55durch jede Hand gegangen.
00:56:55Oder wir hatten einen Taxifahrer dabei.
00:56:57Oder wir haben einen Taxifahrer mit nach Hause.
00:56:58Einer von den Zwillingen
00:56:59war da auch mal da, ne?
00:57:00Den hatten wir da auch mal umsonst.
00:57:04Für umsonst.
00:57:04Da hatten wir noch Hähnchenflügel über.
00:57:06Da hab ich den mit gelockt.
00:57:07Ich sag komm hier,
00:57:08ich hab noch Hähnchenflügel.
00:57:11Und dann war der Winter,
00:57:13der war auch sehr kalt gewesen.
00:57:15Das war heiße, kalte.
00:57:17Und dann haben wir aber gleich beschlossen,
00:57:18also noch einen Winter auf dem Boot.
00:57:20Also das machen wir nicht.
00:57:21Ja, und dann sind wir
00:57:22in die Erdmannstraße gezogen.
00:57:23Zu Owo.
00:57:24In Owo's Wohnung.
00:57:26Und dann kam dazu,
00:57:27dass eben Tima
00:57:27wieder mal kein Geld hatte.
00:57:30In diesem Fall eben
00:57:31kein Geld für Kohlen,
00:57:32damit sie sich ihre Wohnung heizen kann.
00:57:34Also hab ich gesagt,
00:57:35gut, Tima,
00:57:36dann zieh mit in die Erdmannstraße.
00:57:38Braße keine Kohlen.
00:57:40Ja, ich war mir dann zu viert.
00:57:42Mit dem Mund noch dazu.
00:57:45Naja, es war ja nicht zu viert in einem Bett.
00:57:47Wir waren ja nur zu dritt in einem Bett.
00:57:48Also Owo und ich,
00:57:49wir haben im selben Bett geschlafen.
00:57:50Ischkola hat im anderen Bett
00:57:52im selben Zimmer geschlafen.
00:57:53Und Bef hat im nächsten Bett
00:57:55im nächsten Zimmer geschlafen.
00:57:56So war das.
00:57:57Naja, es geht irgendwie.
00:57:59Also wenn du, wenn du,
00:58:00du kriegst ja die Macken des anderen mit.
00:58:02Also über die wir uns
00:58:03natürlich auch mal
00:58:04gegenseitig lustig gemacht haben.
00:58:05Es gab da so Kontrollzettel.
00:58:07Ischkola macht dies,
00:58:08Ischkola macht das.
00:58:09Die haben so ein Buch geführt.
00:58:10Ischkola pinkelt ins Waschbecken.
00:58:12Aber das Schöne finde ich ja,
00:58:12dass ich die Uhrzeit dazu geschrieben habe.
00:58:14Also 3.15 Uhr,
00:58:16Ischkola pisst schon wieder ins Waschbecken.
00:58:17Ja, da steht da irgendwo drin,
00:58:19Ischkola hat den Joghurt
00:58:20mit dem Finger gegessen.
00:58:22Ihr wart damals schlimmer
00:58:24als eure Mütter zusammen.
00:58:25Du könntest doch noch mal
00:58:26schön die Geschichte erzählen,
00:58:27wo du den Bus geschissen hast.
00:58:28Die erzähl ich nicht.
00:58:31Ja, wie eine Wohngemeinschaft halt auch.
00:58:33Es gibt da die Höhen und Tiefen,
00:58:35nur dass wir halt ein bisschen intensiver
00:58:37was miteinander zu tun hatten,
00:58:38weil wir dann nachts noch
00:58:40zusammen auf die Piste gegangen sind,
00:58:41wenn irgendjemand einen Job
00:58:42irgendwie an Land ziehen konnte,
00:58:43wo er die anderen mit unterbringen konnte,
00:58:45sei es nur Stadthysterie
00:58:46oder sonst irgendeinen Dreck,
00:58:47sind die anderen da auch mit hingewandert.
00:58:49Dann hat man natürlich zusammen was gegessen
00:58:51und natürlich Party ohne Ende gefeiert.
00:58:53Also ich finde,
00:58:54dass wir haben da zusammengelebt
00:58:55wie die Golden Girls.
00:58:57Also die haben sich,
00:58:57das sind auch vier ganz verschiedene Charaktere,
00:58:59die haben sich dann auch mal in den Klatten.
00:59:01Das ist wie so eine Ersatzfamilie gewesen immer.
00:59:04Und dann ist,
00:59:04wenn man schon am Frühstück redet,
00:59:06dann hat man schon wieder eine Idee
00:59:07für die Show
00:59:08oder für das oder für dieses Benefits.
00:59:10Das ist auch wunderbar.
00:59:29Und so was ist ganz hübsch
00:59:32und auch ganz nett,
00:59:34aber gegen Ende
00:59:35haben dann alle vier
00:59:37haben wir dann gesagt,
00:59:38nie wieder
00:59:40und nie wieder mit diesen Personen
00:59:42irgendwie in einer Wohnung.
00:59:43Aber das war einfach zu eng.
00:59:44Zu viert in einem Schlafzimmer,
00:59:46ein Wohnzimmer,
00:59:46in einer Küche,
00:59:48das hält doch die normalste Ehe nicht aus.
00:59:50Da ist es also vorgekommen,
00:59:52dass ich dann im Bett lag
00:59:53und so tun musste,
00:59:54als ob ich schliefe,
00:59:55während Thima mit ihrem Lager zugange war.
00:59:57Im selben Bett.
00:59:58Im selben Bett.
00:59:58Also es war so Jugendherbergsmäßig irgendwie.
01:00:02Und das ist kein Dauerzustand.
01:00:04Das kann auf Dauer nicht gut gehen.
01:00:07Guck mal,
01:00:07wie die anderen immer versuchen,
01:00:09eine Familie zu basteln,
01:00:10das aufrechtzuerhalten,
01:00:11da klappt es auch nicht.
01:00:12Es war einfach zu hohes Ziel gesteckt.
01:00:15Wir wollten ja alles.
01:00:16Wir wollten gemeinsam leben,
01:00:17gemeinsam lieben
01:00:18und gemeinsam arbeiten.
01:00:19Das ist ein bisschen arg.
01:00:20Das ist auch noch zu viel
01:00:21mit dem Hund dazwischen.
01:00:22Nee, das ist, glaube ich,
01:00:23das, was alle begriffen haben,
01:00:25dass es verschiedene Wege gibt,
01:00:27sein Leben zu leben
01:00:28und dass jeder sein Leben leben muss,
01:00:30wie es ihm entspricht.
01:00:33Also ich bin arbeiten gegangen und so was
01:00:34und hatte mehrere Putzstellen.
01:00:37Das war damals auch die Zeit,
01:00:39wo auch die anderen dann meinten,
01:00:41ja, wieso,
01:00:42du brauchst doch gar nicht arbeiten gehen.
01:00:44Das war eine Verkehrung der Werte.
01:00:46Dass jemand, der aufsteht morgens,
01:00:48um für andere Leute zu putzen,
01:00:50der hat sie doch eigentlich nicht mehr alle.
01:00:51Wo ich doch eigentlich
01:00:52Sozialhilfe beantragen könnte,
01:00:53weil ich ja HIV-positiv bin.
01:00:57Man kann mir nicht mein Leben wegnehmen
01:00:59und sagen,
01:01:00du musst jetzt auch mit uns nachts unterwegs sein
01:01:02und darfst nicht mehr putzen
01:01:03und von der Sozialhilfe leben.
01:01:05Da wäre ich bestimmt schon tot.
01:01:07Also unser Leben geht immer alles so
01:01:09mal zusammen, mal nicht.
01:01:10Und dann, wenn man sich auf die Nerven geht,
01:01:12dann geht man wieder ein bisschen
01:01:13ein Stück auseinander.
01:01:15Und nur weil ich Kula wollte,
01:01:16immer gerne Schauspieler sein.
01:01:19Und er wollte halt lieber richtig
01:01:21im Theater arbeiten.
01:01:22Er hat in Köln die Möglichkeit gefunden,
01:01:24also ist der Skula ausgezogen,
01:01:26ist nach Köln gezogen.
01:01:27Ich bin da zufällig dann bei Bockmeier
01:01:29bei einer Probe gewesen,
01:01:31weil ich mir das nur angucken wollte
01:01:36und hatte gehört,
01:01:37dass der ein Theater ein neues aufmacht
01:01:38und habe gedacht,
01:01:39ach ja, vielleicht kannst du da ja
01:01:40kellnern oder putzen.
01:01:42Und an dem Tag sollte eigentlich
01:01:44jemand kommen, sich vorstellen,
01:01:45da ist jemand abgesprungen
01:01:46für eine Rolle
01:01:47und da sollte sich jemand vorstellen
01:01:49und Bockmeier dachte,
01:01:49ich wäre das.
01:01:50und ich wäre zu spät gekommen,
01:01:52hätte mich nicht entschuldigt.
01:01:55Was kommen Sie denn jetzt
01:01:57auf Arbeit erst zu spät?
01:01:59Also so,
01:01:59hat mich so dämlich angequatscht.
01:02:02Und dann so,
01:02:02wieso,
01:02:03ich wollte nur gucken,
01:02:04ich hatte doch gar keinen Termin.
01:02:06Und dann stellt sich raus,
01:02:07dass ich gar nicht der Typ war
01:02:08und was ich denn machen würde.
01:02:10Und dann so ein bisschen
01:02:10die Theater
01:02:11und da ein bisschen
01:02:12mal einen Film gemacht
01:02:13und sowas.
01:02:13Ja,
01:02:14und ob ich dem was
01:02:15vormachen könnte.
01:02:16Ich glaube,
01:02:16ich habe Claire vorgemacht.
01:02:18Ja,
01:02:18und dann sagt er,
01:02:19dann sehe ich Sie
01:02:20Montagmorgen
01:02:21um zehn hier,
01:02:22aber in Probenkostümen
01:02:24und keine fünf Minuten später.
01:02:26Wiedersehen.
01:02:27Und da habe ich dann
01:02:28sechs Jahre Theater gespielt,
01:02:29obwohl ich eigentlich
01:02:30nur zugucken wollte
01:02:31und vielleicht als Putzfrau
01:02:32arbeiten wollte.
01:02:33Du warst mal nicht.
01:02:35Du warst mal nicht.
01:02:36Du warst mal nicht.
01:02:37Du warst mal nicht.
01:03:04Ich komme gerade
01:03:05von der Beerdigung
01:03:07von Friedel Freiherr
01:03:08von Wangenheim,
01:03:09den ich damals
01:03:10kennengelernt habe
01:03:11bei der Ausstellung
01:03:12100 Jahre Schwulenbewegung.
01:03:13Und mit dem ich
01:03:14vor der Kamera gestanden habe
01:03:16im Magnus Hirschfeld,
01:03:17der Einstein des Sex.
01:03:18Ich habe ja da
01:03:19die erste Transsexuelle
01:03:20gespielt,
01:03:20Dörchen.
01:03:21Friedel hat Hirschfeld gespielt.
01:03:34Das müssen wir aber abmachen.
01:03:57Herr Doktor, ich hasse es,
01:03:59ein Mann zu sein.
01:04:01Damit bist du wahrhaftig nicht allein,
01:04:04Mädchen.
01:04:05Kann man das Ding
01:04:06nicht irgendwie loswerden?
01:04:08So nicht.
01:04:09Ja, erstens habe ich mich
01:04:11mit der Geschichte
01:04:12halt noch ein bisschen
01:04:13auseinandergesetzt,
01:04:13also mit Dörchen
01:04:14und mit den ganzen anderen,
01:04:16also wie Transvestiten
01:04:17und Transsexuelle
01:04:18halt damals gelebt haben.
01:04:19Das war natürlich
01:04:20eine Herausforderung für mich,
01:04:21aber ich wollte sowas
01:04:22eigentlich schon immer machen.
01:04:23Und ich habe einfach
01:04:24nie die Chance gehabt,
01:04:26jetzt mal was
01:04:26Ernsthaftes zu machen
01:04:29und einen ernsthaften
01:04:30Charakter rüberzubringen.
01:04:38Mach das Schwein fertig!
01:04:46Und dann der große
01:04:47Durchbruch für mich,
01:04:48wo ich dann gemerkt habe,
01:04:49jetzt habe ich die Rolle
01:04:50verstanden,
01:04:50jetzt habe ich es gepackt,
01:04:52war die Geschichte
01:04:53mit den Nazi-Sportstudenten.
01:05:02Sie sind vielleicht mutige Krieger.
01:05:05Seid ihr stolz darauf?
01:05:07Na los,
01:05:08schlagt mich zusammen,
01:05:09wenn ihr stolz darauf seid.
01:05:11Schlagt mich,
01:05:12macht mich fertig.
01:05:14Was ist?
01:05:15Warum so schüchtern?
01:05:17Traut ihr euch nicht,
01:05:18eine kleine Schwuchtel
01:05:19zusammenzuschlagen?
01:05:20Ihr seid doch zu dritt.
01:05:22Bei ihm hat es doch auch geklappt.
01:05:24Er hat angefangen.
01:05:25Er hat angefangen!
01:05:27Wie alt seid ihr denn?
01:05:28Fünf!
01:05:29Er hat angefangen!
01:05:32Was ist mit der Frau hier?
01:05:34Hat sie auch angefangen?
01:05:37Na los!
01:05:39Warum so schüchtern?
01:05:41Zerlegt sie ihre Einzelteile?
01:05:43Dreht sie durch die Mangel?
01:05:45Zeigt, wie herrlich ihr seid?
01:05:47Na los!
01:05:48Werd bald!
01:05:50Als wir dann eben hier zusammen gewohnt haben,
01:05:52hat er an diesem Küchentisch-Thema zu mir gesagt,
01:05:54du hast dich doch absichtlich infiziert,
01:05:56damit du auf der Bühne was zu erzählen hast.
01:05:59Ich habe mich natürlich furchtbar aufgeregt über Thema und so weiter,
01:06:02bin aber dann nachher eben dazu gekommen,
01:06:05über diesen Satz tatsächlich mal ernsthaft nachzudenken.
01:06:09Und dann habe ich da ja eben richtig mich dran gesetzt
01:06:12und das zu meinem Hauptthema gemacht.
01:06:14Also dann gab es ja bei mir nichts anderes mehr.
01:06:17Die Medien boten einem ja massenhaft Bilder an für Aids.
01:06:20Und das waren aber alles Bilder,
01:06:22die unerfreulich,
01:06:23beziehungsweise,
01:06:24ja auf den Tod bezogen waren.
01:06:27Ich wollte aber Bilder haben,
01:06:28die mit mir zu tun haben.
01:06:29Und ich bin von Hause aus schon mal eher ein Lebensbillionter-Typ.
01:06:33Also Ovo ist mein Name,
01:06:35das ist Lateinisch
01:06:36und das heißt das Ei.
01:06:39Und das ist natürlich ein wunderbares Bild,
01:06:40wenn du auf der einen Seite
01:06:43dem Tod geweiht sein sollst,
01:06:46und auf der anderen Seite aber gerade
01:06:47das Symbol für das Leben selbst bist.
01:06:50Viele geben dann auf eben,
01:06:52wenn sie es erfahren
01:06:53und irgendwie machen sie einen auf Desperado.
01:06:56Man kann das aber auch anders sehen,
01:06:57dass man sich positiv halt sieht
01:06:59und sagt,
01:06:59ja hallo, ich nehme das als Aufgabe.
01:07:02Und so habe ich das auch gemacht.
01:07:03Also ich integriere eben auch die Tatsache,
01:07:05dass ich auch HIV-positiv bin
01:07:06in meine Arbeit halt als Kabarettist
01:07:09und sehe das auch als Aufgabe,
01:07:10dass ich den Leuten irgendwie vermittle,
01:07:12hallo, ich lebe und ich lebe damit
01:07:14und ich bin nicht die,
01:07:15ich habe kein Geweih,
01:07:15ich bin nicht totgeweiht.
01:07:17Im Gegenteil,
01:07:18also ich muss immer irgendwie dafür sorgen,
01:07:20dass die Leute Hoffnung haben.
01:07:21Im Rahmen meines Selbstheilungsprogramms
01:07:24habe ich eine neue Technik entwickelt,
01:07:26die ich das visualisierte Onanieren nenne.
01:07:29Ich habe mir das so gesagt,
01:07:30also hallo, ich onaniere jetzt.
01:07:32Ich mache visualisiertes Onanieren,
01:07:35das heißt also,
01:07:35ich hole mir einen runter,
01:07:37spritze ab
01:07:37und sage Ihnen dann die Viren alle mit raus.
01:07:40Weil da sitzt er auch hergekommen.
01:07:41Gut, da gibt es andere,
01:07:41die haben vielleicht ein anderes Bild.
01:07:43Ja, eben.
01:07:43Also jedes Mal, wenn ich onaniere,
01:07:45dann stelle ich mir dabei vor,
01:07:47dass der HIV-Virus
01:07:49meinen Körper verässt,
01:07:51eben in jener Flüssigkeit,
01:07:53in der er auch allein gekommen ist.
01:07:56Ich habe natürlich,
01:07:56ich darf Ihnen sagen,
01:07:57das hat funktioniert.
01:07:59Also meine Viruslast ist nicht nachpassbar,
01:08:01ich habe ohne Reifenzellen
01:08:02und ich wechsle weiter.
01:08:07Und ich sage halt mir ja,
01:08:08solange ich nichts habe,
01:08:09solange ich nicht beeinträchtigt bin,
01:08:14lebe ich weiter ohne Tabletten.
01:08:16Ich habe zwei Jahre lang
01:08:19diese Medikamente genommen
01:08:20und die Viruslast war gleich
01:08:23nach drei Monaten
01:08:24auf null Nachweisgrenze.
01:08:27Das heißt ja eigentlich nur,
01:08:28wie aktiv der Virus gerade in dir
01:08:30sich vermehrt oder bewegt oder was weiß ich.
01:08:31Und wenn er auf null ist,
01:08:33dann ist er halt ruhig,
01:08:33der schläft sozusagen.
01:08:35Das ist ja praktisch,
01:08:36den hassen zwar,
01:08:37aber wenn er schläft,
01:08:37kann er nicht groß irgendwie was anstellen.
01:08:39Aber anstecken bist du ja trotzdem,
01:08:41also da muss man ja trotzdem aufpassen.
01:08:43Aber ich hätte trotzdem andauernd
01:08:44irgendwelche kleinen Geschichten.
01:08:49Ja, deutlich lauter.
01:08:50Das hörst du.
01:08:51Das finde ich gut.
01:08:52Das ist lauter.
01:08:53Ja, noch lauter.
01:08:54Das hörst du?
01:08:55Ja.
01:08:56Das ist lauter.
01:08:56Ja.
01:08:58Es ist eine deutliche Immunschwäche da
01:08:59und ich kann ja nur so beraten,
01:09:01wie wenn ich selber betroffen wäre
01:09:04und hätte ich HIV
01:09:06und hätte ich diese Werte,
01:09:08würde ich jetzt anfangen,
01:09:09Tabletten zu schlucken.
01:09:10Was sagst du dazu, Obo?
01:09:12Was ich weiß,
01:09:13ist, dass die Ärzte auch nichts wissen.
01:09:15Und dann sterbe ich lieber an meinem Nichtwissen
01:09:18als an deren Nichtwissen.
01:09:20Aber wie erklärst du denn so etwas,
01:09:22wie da 96 passiert ist,
01:09:23dass du auf einmal unter den Nachweisgrenze kommst?
01:09:24Wie kann denn so etwas passieren auf einmal?
01:09:28Ja, das ist eine gute Frage.
01:09:29Also wir konnten uns immer nur
01:09:30nach den neuesten Zahlen und Studien richten,
01:09:32die jeweils aktuell waren.
01:09:33Man ist ja nur so weit wie seine Zeit
01:09:36und jemand wie du macht das wahrscheinlich eher emotional.
01:09:39Das ist noch nicht so weit.
01:09:41Halb halb.
01:09:42Und hast in gewissem Bereichen auch recht behalten.
01:09:45Denn was wir damals nicht wussten,
01:09:46ist, dass es teilweise auch unangenehme
01:09:51und teilweise auch gefährliche Langzeitnebenwirkungen gibt.
01:09:54Aber es nützt ja nichts,
01:09:56dass man sozusagen aus Angst vor Medikamentennebenwirkungen
01:09:59den richtigen Zeitpunkt für eine Behandlung,
01:10:01die unter Umständen Leben und auch Lebensqualität,
01:10:04wir reden jetzt nur von Leben mit entsprechender Qualität,
01:10:07rettet, nicht einsetzt.
01:10:10Acht Leute von zehn, die früher gestorben wären,
01:10:12sterben eben jetzt nicht mehr.
01:10:13Ich habe jetzt diese ganzen Scheißmedikamente genommen
01:10:16auf Drängen der Ärzte.
01:10:19Und vor allen Dingen ist es so ekelhaft.
01:10:22Die Alternativen halten mir ewig vor,
01:10:24wenn du die Tabletten nimmst, stirbst du.
01:10:26Die Ärzte sagen, wenn du die Tabletten nicht nimmst,
01:10:29bist du innerhalb von einem halben Jahr tot.
01:10:31Und ich glaube, dieser Konflikt ist das Schlimmste.
01:10:34Du gibst auf, du hast Angst.
01:10:36Egal was du machst,
01:10:37irgendwer sagt immer, daran würdest du sterben.
01:10:41Das verbitte ich jetzt allen Leuten,
01:10:43mit meinem Sterben zu kokettieren.
01:10:46Die Medikamente sind ja zum größten Teil
01:10:52verbotene Krebsmedikamente,
01:10:53die damals verboten wurden,
01:10:55wegen der hohen Nebenwirkungen.
01:10:57Ich bin die ganzen Arzneimittelzettel,
01:10:59die Beipackzettel durchgegangen.
01:11:01Durch diese vier Medikamente
01:11:03kann es achtmal zum Tod kommen als Nebenwirkungen.
01:11:06Acht verschiedene Todesursachen.
01:11:07Und dann sagte ich, ich kann nur einmal sterben.
01:11:10Aber wenn ich mich achtmal dem Tode aussetze,
01:11:14ich bin doch kein Katze, mit sieben Leben.
01:11:17Und dann weiß ich nicht mehr,
01:11:18in welchem Verhältnis das steht.
01:11:19Ich fühlte mich richtig kaputt.
01:11:22Und jetzt, ich nehme jetzt seit etwas über einem Monat nicht mehr,
01:11:25ich fühle mich viel besser.
01:11:30Ich denke, das reicht, ne?
01:11:35Ich weiß nicht, ich habe vor zwei Jahren aufgehört
01:11:37und zwei Jahre genommen.
01:11:39Ich habe das Gefühl, dass, wenn ich die nicht genommen hätte,
01:11:43würde es mir jetzt auch so viel anders auch nicht geben.
01:11:45Das Dumme ist immer, ich habe gar nicht so diese spezifischen Krankheiten,
01:11:49wo man jetzt sagt, irgendwie so,
01:11:51du hast da jetzt ein Krebs oder da so ein Ding
01:11:53und das ist jetzt typisch positiv.
01:11:55Ich habe andauernd immer irgendwelche kleinen Geschichten.
01:11:57Dann steht mir irgendwas mit der Gallenblase nicht
01:11:59oder mit der Bauchspeicheldrüse.
01:12:00Dann bist du immer schlapp und dann kannst du nicht mehr
01:12:02und dann tut dir das weh.
01:12:05Und wenn du andauernd immer so kleine Sachen hast,
01:12:08in den letzten Jahren, wenn ich zusammenrechne,
01:12:10ich war immer so ungefähr ein halbes Jahr,
01:12:13war ich entweder im Bett oder habe krank hier auf dem Sofa gelegen
01:12:16und das andere halbe Jahr habe ich was getan.
01:12:20Deswegen habe ich jetzt immer, wenn ich was mache,
01:12:24hänge ich das immer so auch hin,
01:12:26weil es immer alles so schnell passiert
01:12:28oder zwischendurch, wenn du da wieder krank gelegen hast,
01:12:30wenn du da so blöd in der Verne bist,
01:12:32dass ich das mal auf einen Blick immer einfach sehen kann.
01:12:36Also da hast du das gemacht, du hast das gemacht,
01:12:38ah ja, dann bist du da, du bist am Leben, du funktionierst.
01:12:42Ja, ich als homosexuelle, als politisch engagierte Tonte
01:12:46und Modedesignerin frage mich natürlich immer wieder,
01:12:49was trägt der ambitionierte HIV-Positive diesen Sommer?
01:12:53Ja, beginnen wir mit dem Bademantel.
01:12:56Das ist aus dem AVK, das ist 100% Baumwolle,
01:12:59400 Mal sterilisiert und funktioniert immer noch.
01:13:03Ich weiß, eigentlich ist Weiß, ist ja das Navy-Blut des Krankheitsressors.
01:13:07Ich habe den jetzt mal grün gefärbt, weil grün ist die Hoffnung,
01:13:09dass man auch mal wieder rauskommt.
01:13:11Und gesundet, wenn Sie dann da liegen und gut aussehen wollen
01:13:14und Sie haben vielleicht gerade keinen Lippenstift dabei,
01:13:15dann nehmen Sie einen Mundschutz,
01:13:16vielleicht noch eine Kanüle als Ohrstecker,
01:13:19eine kleine Mullbinde ins Haar
01:13:20und so können Sie dann jeden Tag freundlich Ihre Besucher empfangen.
01:13:25Und im nächsten und letzten Bild sehen Sie dann eine kleine AIDS-Kollektion.
01:13:31Die rote Schleife als Abendkleid,
01:13:33die rote Schleife an Symbol für Toleranz,
01:13:37das rosa Dreieck,
01:13:39das haben wir als Homosexuelle seit 1935, glaube ich schon.
01:13:43Hier haben wir das als T-Shirt-Variation.
01:13:48Das Modell Lighthouse.
01:13:50Zwei Jahre lang haben wir versucht,
01:13:51für dieses AIDS-Hospieds Geld zu sammeln.
01:13:55Und hier in Form eines Leuchtturms.
01:14:01Wir haben versucht, mit dem Leuchtturm
01:14:03einen Pfeiler am Hafen der verlorenen Schiffeln erzählt,
01:14:06wo man hin muss.
01:14:06Und so sollte das AIDS-Hospieds auch ein Zeichen sein,
01:14:09wo man hinschauen kann.
01:14:10Und Adele ist unser Sammelschwein.
01:14:12Er ist in Form einer Krankenschwester
01:14:14für dieses AIDS-Hospieds zu sammeln.
01:14:16Also Adele ist auch von dem Wort Ade gemeint,
01:14:19weil das Lighthouse soll auch heißen
01:14:20Lebewohl, also Wohlleben soll man da.
01:14:23Also es wäre schön,
01:14:24wenn ihr da sehr viel in die Adele reinsteckt.
01:14:35Was wünschst du dir denn für die Zukunft?
01:14:40Ach, ich wünsche mir,
01:14:41dass die Leute mal ein bisschen nachdenken
01:14:43und sich ein bisschen umeinander kümmern,
01:14:44aber so wie das in den 90ern aussieht,
01:14:46ist das nicht zu schaffen.
01:14:47Frühling kommt, die Mauer fällt,
01:14:53Faschos immer wieder,
01:14:56war darauf nicht eingestellt,
01:15:00Deutschland drückt mich nieder,
01:15:03Deutschland ist mir eine Qual,
01:15:06haben wir denn gar keine Wahl?
01:15:11Hallo Schwule,
01:15:14ihr Schwulen-Säue,
01:15:15hallo ihr Lesben,
01:15:16ihr Weiber,
01:15:17hallo ihr Geschlechtsunentschlossenen.
01:15:21Herzlich willkommen zum CSD in Dresden.
01:15:27Ich bin eine Tunte,
01:15:29das ist also ganz klar,
01:15:30dass ich von Hause aus politisch veranlagt bin.
01:15:33Ich leide nicht darunter,
01:15:34ich nutze das.
01:15:35Ich habe mich zur Bundestagswahl 98
01:15:38als Einzelkandidatin ohne Partei im Hintergrund
01:15:41zur Wahl gestellt.
01:15:43Ich finde nämlich,
01:15:43Tunden kann man nicht unbedingt ausschließlich daran erkennen,
01:15:46wie sie sich bewegen,
01:15:48sondern dass sie etwas bewegen.
01:15:50Ich war 97,
01:15:50fand in der Akademie der Künste eine Ausstellung statt,
01:15:53eine große,
01:15:54wie sich zeigte,
01:15:55eine weltweit beachtete Ausstellung,
01:15:56über 100 Jahre Schwulenbewegung.
01:15:59Bezog sich auf Markus Hirschfeld,
01:16:00der hier in Berlin tätig war
01:16:01und ich war als Kuratorin
01:16:03für das Rahmenprogramm mitbeteiligt.
01:16:06Da luden wir ein,
01:16:07eine schwarze Tunte aus San Francisco,
01:16:11Joan J. Black.
01:16:13Die hatte sich beworben
01:16:15und wollte Präsident werden.
01:16:17Und da dachte ich mir,
01:16:18ach, das kann ich doch auch machen.
01:16:20Ihr seht, unser Motto ist,
01:16:22rette die Wahlen,
01:16:23es geht um den Bundestag.
01:16:24Und meine Kollegin Obo Martine
01:16:26möchte als Tunte in den Bundestag einziehen.
01:16:28Wir haben das schon geschafft,
01:16:29und als nächste Woche ist sie offizielle Kandidatin
01:16:33auf der Wählerliste für Kolzberg und Schöneberg.
01:16:38Dann konnte ich mich später auch trauen,
01:16:40mich dann mit Gregor Riesi
01:16:41und Herrn Ströbele auf eine Bühne zu setzen,
01:16:44weil hervorragende Leute sind.
01:16:46Mit solchen Leuten hätte ich mich ja früher
01:16:47gar nicht getraut, zu unterhalten,
01:16:49geschweige denn,
01:16:50dass ich überhaupt angenommen hätte,
01:16:51dass die mich eventuell ernst nehmen könnten.
01:16:54Auf einmal saß ich neben denen
01:16:56als politischer Konkurrent.
01:16:58Und jetzt, wo ich die Sache
01:16:59mit der Mauer im Sack habe,
01:17:01denke ich mir,
01:17:02ja, dann machen wir jetzt mal in Bonn
01:17:03ein bisschen weiter
01:17:03und bringen denen mal bei,
01:17:04wie sie sich denn zu verhalten haben,
01:17:05wenn sie hier in Berlin sind.
01:17:07Die hatten Angst vor mir.
01:17:09Der Ströbele hat wirklich gedacht,
01:17:10ich würde ihm die 3000 Stimmen,
01:17:12die er noch braucht zum Wahlsieg,
01:17:14würde ich ihm ausgerechnet wegnehmen.
01:17:16Das Obo kriegt in Bonn einen Posten,
01:17:20denn wir wählen Christoph Josten.
01:17:26Ich stand dafür,
01:17:29dass die Leute doch bitte sich die Mühe machen
01:17:31und zur Wahl gehen.
01:17:33Dass ich darüber hinaus wiederum die Forderung
01:17:36nach Legalisierung von Hanf,
01:17:37Anerkennung von Prostitution als Beruf,
01:17:39körperliche Unversehrtheit von Intersexuellen,
01:17:41Abschaffung der Bundeswehr usw. gefordert habe,
01:17:44ist doch selbstverständlich.
01:17:45Aber ich wollte,
01:17:47dass die Leute zur Wahl gehen,
01:17:48dass sie sich interessieren
01:17:51und dass sie daran glauben,
01:17:53dass das funktionieren kann in Demokratie.
01:17:55Und dass das aber nur funktioniert,
01:17:56wenn alle mitmachen,
01:17:57wenn man begeistert ist dafür.
01:17:59Denn dann kann ich doch als Wähler,
01:18:00wirklich gehe ich doch lieber her
01:18:01und wähle in der Ovo Maltin.
01:18:03Vor allen Dingen,
01:18:04wo also jede Stimme für mich
01:18:05immer noch die bessere ist,
01:18:06als gar nicht wählen zu gehen.
01:18:08Nun hast du ja nur 523 Stimmen bekommen.
01:18:10Das ist doch viel.
01:18:11Das ist doch mehr als Einwohner
01:18:13in meinem Geburtsort sind.
01:18:14In meinem Geburtsort
01:18:15hätte ich damit 100%
01:18:17und wäre Bürgermeister.
01:18:18Wann hatten Sie denn
01:18:19Ihr erstes homosexuelles Erlebnis?
01:18:21Ja, da bin ich noch sehr jung gewesen.
01:18:24Ich weiß nicht mehr,
01:18:24liegt schon ein bisschen länger zurück.
01:18:26Finden Sie Herrn Diebken attraktiv?
01:18:30Nein.
01:18:32Wann hatten Sie Ihr erstes
01:18:33homosexuelles Erlebnis?
01:18:36Da muss ich Sie enttäuschen.
01:18:38Gar nicht.
01:18:39So ist das, ja.
01:18:40Aber finden Sie nicht,
01:18:41dass das eine Lücke ist
01:18:42für jemanden,
01:18:42also für den regierenden Bürger?
01:18:44Man kann im Leben
01:18:45mit vielen Lücken leben.
01:18:46Vielen Dank.
01:18:47Danke Ihnen.
01:18:49Oh, wer reit so spät
01:18:51durch Nacht und Wind?
01:18:52Ist es die Merkel ohne Kind?
01:18:54Ist es Diebken der alte Sack?
01:18:57Nein,
01:18:57der schwule Bürgermeister
01:18:59durchschreitet die Stadt.
01:19:00Ich habe damals schon
01:19:01zu Eberhard gesagt,
01:19:03Eberhard,
01:19:04lass mir die Klappe.
01:19:05Muss er alles wegreißen
01:19:07und baut da große Hochhäuser hin.
01:19:09Kein Wunder,
01:19:10der da Schulden macht.
01:19:11Ich bin da in München.
01:19:12Du wolltest da halt nicht
01:19:12vorbeikommen, mich besuchen.
01:19:14Ich bin da immer noch
01:19:14an der Deutschen Schauspielerakademie
01:19:16und mache da eine Weiterbildung
01:19:18zum Megan-Darsteller.
01:19:19Ich habe jetzt eine Agentur,
01:19:22eine Schauspielagentur.
01:19:24Ich habe meine Setkarte.
01:19:26Ich brauche jetzt noch ein bisschen
01:19:27was für mein Demovideo.
01:19:29Ich habe schon genügend Leute
01:19:31irgendwie kennengelernt,
01:19:32eben auch durch das Reisen
01:19:33mit dem Hirschfeldfilm.
01:19:35Es gibt ja drei Filmprojekte,
01:19:37bei denen ich im Gespräch bin.
01:19:39Mal gucken,
01:19:40wie das weiter hinhaut.
01:19:42Ja, Frau Göttliche,
01:19:45wir duzen uns eigentlich, ne?
01:19:47Frau Göttliche,
01:19:48sag mal,
01:19:49was bringst du uns denn heute da?
01:19:52Äh, Auszüge aus meinem
01:19:53neuen Chansong-Programm
01:19:55Intima geht's nicht.
01:19:57Ach, das ist aber auch zweideutig, ne?
01:20:01Ähm, ich gebe einfach weiter.
01:20:08Fräulein Klaer Grube,
01:20:09eine langbusige Freundin von mir,
01:20:11meine Damen und Herren.
01:20:13Der geflügelte Satz dieses Jahr ist,
01:20:16ich bin schwul und das ist gut so,
01:20:19doch ich kann ihn toppen,
01:20:20ich bin eine Tunte und das ist noch besser.
01:20:22In diesem Sinne.
01:20:24Ich weiß nicht,
01:20:26so wem ich gehöre,
01:20:29ich bin doch zu schade
01:20:32für einen allein.
01:20:36Ich habe mich in meinem Leben,
01:20:37glaube ich, erst fünfmal verliebt.
01:20:40Und die fünf,
01:20:41wo ich mich drin verliebt habe,
01:20:42mit denen hat es allen nicht geklappt.
01:20:44Gerade in der Liederssee,
01:20:45also die meisten,
01:20:45sobald die wissen,
01:20:46du hast einen Fummel
01:20:48oder mittlerweile reicht es ja,
01:20:49wenn du irgendwie jemanden kennenlernst
01:20:50und hast sonst
01:20:51und knutsch
01:20:52und dann auf dem Weg zur Bar,
01:20:54ja komm, wir trinken ein
01:20:55und das müssen wir ja
01:20:55nachher nochmal machen
01:20:56und wie heißt du denn?
01:20:57Und dann sag ich,
01:20:57ja ich bin Beth.
01:20:59Beth.
01:21:01Und weg.
01:21:01Ich weiß nicht,
01:21:02ob ich in eine Beziehung
01:21:03irgendwann eingehen werde.
01:21:05Da müsste schon jemand
01:21:06sehr, sehr tolerant sein
01:21:07und sehr kompromissbereit.
01:21:09Vor Jahren hätte ich noch gesagt,
01:21:10ich würde für eine erfüllte Beziehung
01:21:12alles aufgeben.
01:21:14Würde ich jetzt nicht mehr.
01:21:15Ja, vielleicht kommt ja noch irgendwer,
01:21:17ich weiß es nicht.
01:21:20Lange Zeit
01:21:22habe ich gewartet,
01:21:25fast ein ganzes Leben lang.
01:21:30Täglich
01:21:31habe ich mich gefragt,
01:21:34gibt es denn
01:21:36so einen Mann,
01:21:39der mich nimmt,
01:21:41so wie ich bin,
01:21:43ohne Fragen
01:21:45mich lieben kann.
01:21:47mich lieben kann,
01:21:49mich lieben kann,
01:21:52mich lieben kann.
01:21:55Dein Lachen
01:21:58will ich trinken,
01:22:01deine Lippen
01:22:02will ich spüren,
01:22:05meine Hände
01:22:06wollen dich tasten,
01:22:09deine Wangen
01:22:11zart berühren,
01:22:13deine Blicke
01:22:15will ich saugen,
01:22:18an den Flammen
01:22:23dann verglühen.
01:22:25Einmal habe ich das gehabt
01:22:26in Hamburg,
01:22:27da war ich dann irgendwie,
01:22:28es war zwar leider auch nur
01:22:29ein Dreivierteljahr,
01:22:32aber das war wirklich so intensiv,
01:22:34dass wir uns dann irgendwann
01:22:35auch wirklich
01:22:35nach einer Zeit
01:22:37gegenüber gestanden haben
01:22:38und jeder sagen konnte,
01:22:40ich liebe dich.
01:22:40Es war so richtig so,
01:22:41mh.
01:22:43Lange Zeit
01:22:44habe ich gewartet,
01:22:47fast ein ganzes Leben lang,
01:22:52täglich habe ich mich gefragt,
01:22:55Gibt es denn so einen Mann,
01:22:59der mich nimmt,
01:23:01so wie ich bin,
01:23:03ohne Fragen
01:23:05mich lieben kann,
01:23:08mich lieben kann,
01:23:10mich lieben kann,
01:23:12mich lieben kann,
01:23:18ohne Fragen
01:23:24mich lieben kann.
01:23:29Der war nämlich,
01:23:30würde ich positiv sagen,
01:23:31einfach schon mal ein bisschen weiter.
01:23:32Also das war für mich
01:23:33so ein bisschen auch irgendwie
01:23:34so ein Aufblicken auf jemanden,
01:23:36der da schon mit umgehen kann.
01:23:38Insofern war das für mich ganz gut.
01:23:40Ich war so in den Verknall,
01:23:44deswegen abends,
01:23:44ich lachte in dem Bett
01:23:47und er gab das auch
01:23:48und dann legte er sich
01:23:49nur auf mich drauf
01:23:50und ich spürte nur seinen Körper
01:23:52und so,
01:23:55und er sagt,
01:23:55was ist denn los?
01:23:56Ich sage,
01:23:56ich finde es einfach geil,
01:23:57ich musste es nur irgendwie
01:23:57auf mich spüren
01:23:58und es ging heiß und kalt
01:23:59und runter und runter
01:24:00und da dachte ich irgendwie,
01:24:01naja,
01:24:01das ist aber schon mal ganz toll.
01:24:04Und woran ging es denn aus,
01:24:05Alter?
01:24:08Ich weiß es gar nicht mehr so genau.
01:24:13Ich weiß nur,
01:24:14dass es dann ganz extrem
01:24:15von ganz heftig Liebe
01:24:17und dann haben wir uns gestritten
01:24:18und dann habe ich richtig gehasst.
01:24:21Und dann bin ich auch relativ schnell
01:24:22aus diesem Kummer heraus
01:24:24hier nämlich nach Berlin gekommen
01:24:26und dann haben wir aber wieder Kontakt gefunden
01:24:27und wir waren dann eigentlich
01:24:28ganz richtig nette Freunde wieder.
01:24:30Also dann konnten wir die Freundschaft,
01:24:32dann rief war das vielleicht
01:24:33zu viel Gefühl oder sowas.
01:24:36Also als Freundschaft hing das dann
01:24:37noch ganz lange.
01:24:39Warte,
01:24:40ist das nicht wahr?
01:24:41Kennst du die Bühne,
01:24:43die Himmelin?
01:24:46Weißt du,
01:24:47wie schnell sie verbringt?
01:24:48Ja,
01:24:49wir haben nämlich auch einen Chor an,
01:24:50eigentlich, ne?
01:24:51Heute sind wir beide so glücklich,
01:24:55doch wer weiß,
01:24:57was schon morgen geschieht?
01:25:00Und dann kriegte ich einen Anruf,
01:25:03dass er jetzt,
01:25:04er wäre halt im Krankenhaus
01:25:05und er hätte jetzt irgendwie
01:25:06seine Medikamente abgebrochen
01:25:08und kriegt nur noch Morphium,
01:25:10sozusagen will er die nächsten Tage
01:25:12sozusagen einschlafen.
01:25:14Und dann habe ich aber drei Tage gebraucht,
01:25:17um zu entscheiden,
01:25:18dass ich auch tatsächlich dahin fahre.
01:25:20Erlebte noch,
01:25:21wo ich dann kam,
01:25:23aber war dann schon so ein bisschen
01:25:26weggetreten,
01:25:26dass man sich nicht mehr
01:25:27mit ihm unterhalten konnte.
01:25:28Sagt,
01:25:29wenn du einen Tag früher gekommen wärst,
01:25:30dann hätte er dich noch erkannt
01:25:31und er hätte es reden können.
01:25:33Und dann ließen sie mich
01:25:34dann aber auch alleine mit ihm
01:25:35und dann zog er einmal
01:25:37so die Beine hoch
01:25:38und ich habe mich mit ihm unterhalten
01:25:39und die Hand gestreichelt
01:25:40und ging im Kopf noch mal
01:25:41so zur Seite,
01:25:42dass ich das Gefühl hatte,
01:25:44er weiß jetzt schon,
01:25:45dass ich das bin.
01:25:46Und am nächsten Tag war er dann tot.
01:25:49Und das ist jetzt sechs Jahre her.
01:25:53Eigentlich gibt er immer,
01:25:53wenn ich hier sitze
01:25:54und irgendwie keine Kraft habe,
01:25:55eigentlich,
01:25:56wenn ich an ihn denken kann
01:25:57und so wie er war als Person
01:25:58oder was wir miteinander hatten,
01:25:59das ist immer so ein Ding,
01:26:00was mir,
01:26:01also ich bin dann nicht jetzt traurig,
01:26:03ach der arme Kerl ist tot,
01:26:04sondern eher so,
01:26:05ach der hat mir Kraft gegeben,
01:26:06der hat sein Leben auch zu nehmen gewusst
01:26:08und komm, du kannst auch weitermachen und so.
01:26:12Zähl die Stunden und halte sie fest
01:26:16Sorg dafür, dass das Glück bei uns bleibt
01:26:21und uns niemals verlässt
01:26:48Ich denke mir halt immer,
01:26:50du musst durchhalten,
01:26:51diese Durchsturststrecke musst du jetzt irgendwie durchhalten
01:26:54und es kann eigentlich nur bergauf gehen.
01:27:09Ich würde einen Mann haben
01:27:11und ein Haus und Garten.
01:27:12Achso, ich hätte gerne in der Nähe von Berlin
01:27:14einen reizenden Mann
01:27:15mit einem Haus und mit Garten,
01:27:17vielleicht auch mit Hund.
01:27:39Das ist mein Leben
01:27:44und ich sehe so viele Leute,
01:27:46die so ein Doppelleben führen.
01:27:47Ich will das nicht
01:27:49und ich will auch gar nicht zulassen,
01:27:51dass die Leute mich stigmatisieren,
01:27:53ob nun als Schwuler,
01:27:54als Tunter oder als Hilfpositiver.
01:27:57Ich will das selbstbewusst leben
01:27:58und wenn ich es für mich lebe,
01:27:59dann kann ich vielen was abgeben.
01:28:01Und ich will das nicht
01:28:03und ich will
01:28:07und ich will das nicht
01:28:47Willau ist der endlose Himmel
01:28:52Zwei große Kinder sind wir
01:28:57Geh verliebt durch den Sommer
01:29:01Und ich fühl mich geboren bei dir
01:29:06Aber manchmal, da lausche ich den Wind
01:29:10Und hab Angst, dass schon morgen der Herz unserer Liebe beginnt
01:29:24Lauf und hol Wasser
01:29:27Für die Blumen der Liebe
01:29:32Geh verliebt durch den Sommer
01:29:34Geh verliebt durch den Sommer
01:29:34Geh verliebt durch den Sommer
01:29:35Dichter
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