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Transkript
00:25Die Geschichte eines verschollenen Reichs
00:30Das ist mitten in Deutschland. Jahrtausende lag es im Dunkeln.
00:34Doch mit jeder neuen Entdeckung gewinnt es mehr an Gestalt.
00:39Eine geheimnisvolle Scheibe führt Forschende auf die Spur.
00:44Kultanlagen kommen zum Vorschein. Und Grabmäler von Fürsten.
00:54Die Grundlage ihrer Herrschaft ist die Bronze. Sie wird zum Motor von Mobilität und Fortschritt.
01:01Doch sie bringt auch Ungleichheit in die Welt und eine neue Dimension der Gewalt.
01:11Und all das geschieht direkt vor unserer Haustür. Vor knapp 4000 Jahren.
01:33Die Entdeckung der Bronze hat das Leben der Menschen genauso radikal umgewälzt wie die Erfindung der Dampfkraft oder das Zeitalter
01:40der Digitalisierung.
01:41Deshalb wurde auch eine ganze Epoche danach benannt. Die Bronzezeit.
01:46In Mitteleuropa beginnt sie ungefähr um 2200 v. Chr. und folgt auf die Steinzeit.
01:50Sie dauert weit über 1000 Jahre. Dann wird die Bronze vom Eisen abgelöst und ein neues Zeitalter bricht an.
01:58Was war eigentlich so besonders an diesem Stoff, der damals ganz Europa revolutionierte?
02:03Naja, zunächst einmal war es seine Herstellung.
02:05Dahinter stand eine Technik, die nur Eingeweihte kannten und die den Menschen wie Magie vorkam.
02:10Denn Bronze kommt in der Natur nicht als Erz vor, sondern ist eine Legierung aus Kupfer und aus Zinn.
02:17Bronze entsteht, wenn man Kupfer auf über 1000 Grad erhitzt und dann etwas Zinn dazu gibt.
02:24Sie lässt sich in fast jede Form gießen und ist härter als alle Metalle, die man vor der Bronzezeit kannte.
02:31Ich will herausfinden, wie die Entdeckung der Bronze das Leben der Menschen verändert hat.
02:35Deshalb begleite ich Wissenschaftler in Deutschland, die gerade dabei sind, die untergegangene Welt der Bronzezeit wieder ans Licht zu bringen.
02:44Den Auftakt zu dieser spannenden Entdeckungsgeschichte bildet ein veritabler Krimi.
02:52Im Sommer 1999 durchkämmen Raubgräber in der Nähe von Nebra in Sachsen-Anhalt ein Waldgelände.
03:01Nur wenige Zentimeter unter der Erde stoßen sie auf eine pizzagroße, verkrustete Platte aus Bronze.
03:09Noch wissen sie nicht, dass sie einen der wichtigsten archäologischen Funde der Menschheit in den Händen halten.
03:19Die Himmelsscheibe von Nebra.
03:22Über Hela gelangte sie in den illegalen Antiquitätenhandel, konnte aber zum Glück von der Polizei in der Schweiz sichergestellt werden.
03:30Inzwischen ist sie eines der bestuntersuchten Objekte unserer Geschichte.
03:34Forschende haben herausgefunden, dass die Himmelsscheibe rund 4000 Jahre alt ist.
03:40Sie gilt als die weltweit älteste Darstellung konkreter Himmelsphänomene.
03:50Im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle wird die Bronze-Scheibe hinter Panzerglas gehütet.
03:56Ihr Versicherungswert wird auf 100 Millionen Euro geschätzt.
04:03Museumsdirektor Harald Meller hat bei der Rettung des Jahrhundertfunds mitgewirkt.
04:07Seit mehr als 20 Jahren ist er dabei, den Code der Himmelsscheibe zu knacken.
04:13Da schauen wir durch ein Schlüsselloch in die Vergangenheit des Menschen und wir sehen seine Gedanken, seine Ideen, seine Vorstellungen,
04:21sein Weltbild.
04:22Das ist eines der ersten Weltbilder, die wir von Menschen haben und da sehen wir, er ist uns ganz nahe,
04:28er ist ganz modern.
04:31Doch was stellt die Scheibe genau dar? Archäologen interpretieren sie als einen verschlüsselten Kalender.
04:38Die sieben Punkte stellen die Plejaden dar, eine markante Sternengruppe.
04:43Wenn sie am Abendhimmel das letzte Mal neben dem Sichelmond erscheinen, beginnt der Frühling und es ist Zeit für die
04:49Aussaat.
04:50Und tauchen sie später im Jahr am Morgenhimmel neben dem Vollmond wieder auf, ist es Herbst und Zeit für die
04:57Ernte.
05:05Jetzt kann man sagen, Bronzerzeit ist lang her, aber Sie sagen, damit hat die Moderne begonnen. Warum denn?
05:10Bis zur Bronzerzeit, über Jahrtausende, hat man unikate Steinbeile, die es nur einmal gibt.
05:15Und plötzlich hat man den Guss und kann das Identische gießen und zwar tausendfach.
05:20Man hat damit praktisch eine Art Geld und dort entstehen Hierarchien, dort entsteht Arm und Reich.
05:27Hier entsteht sozusagen die moderne Welt.
05:29Das ist natürlich von enormer Bedeutung für uns heute, weil wir wissen, wo der Ausgangspunkt ist und der ist zur
05:36Zeit der Himmelsscherbe.
05:39Aber was versetzte die Viehzüchter und Ackerbauern, die vor 4000 Jahren in Mitteldeutschland lebten, in die Lage, etwas so Komplexes
05:47wie die Himmelsscheibe zu erschaffen?
05:49Stammen die astronomischen Kenntnisse, die auf der Scheibe festgehalten sind, vielleicht woanders her?
05:55Ein mögliches Szenario, das Forscher entworfen haben? Ein junger Mann bricht zu einer Reise auf.
06:01Es ist damals vermutlich Brauch, dass Söhne von Stammesfürsten in ihrer Jugend in die Fremde geschickt werden.
06:07Die jungen Männer sollen alte Bündnisse erneuern, neue Handelskontakte knüpfen und damit die Macht der Sippe stärken.
06:20Oft genug, ein Abschied für immer.
06:29Was den jungen Fürsten auch bewegt haben mag, Wissensdurst oder Abenteuerlust, er wird weiterreisen als alle, die sich vor ihm
06:37auf den Weg gemacht haben.
06:42Er überwindet die Pässe der Alpen und überquert das Mittelmeer in Richtung Osten.
06:48Sein Ziel nach einer monatelangen, abenteuerlichen Reise, das legendäre Babylon im heutigen Irak.
07:04Die Metropole bietet einen überwältigenden Eindruck für jeden Besucher aus der Ferne.
07:10Der Geruch von exotischen Gewürzen, das Stimmengewirr vieler Sprachen.
07:15In der frühen Bronzezeit leben hier bereits tausende Menschen.
07:21Sie nutzen geheimnisvolle Schriftzeichen, sind geniale Baumeister und wissbegierige Forscher.
07:28Auf den gestuften Tempeltürmen, den Zikurats, beobachten Astronomen jede Nacht die Sterne,
07:35entschlüsseln die Gesetzmäßigkeiten ihres Laufs und entwickeln erste Kalender.
07:45Auch die Himmelsscheibe von Nebra stellt komplexe Konstellationen am Nachthimmel dar.
07:50Ein einzigartiges Fenster in eine bisher unterschätzte Kultur, die weder Schriftzeugnisse noch große Steinbauten hinterlassen hat.
08:05Doch auch in Mitteldeutschland haben Menschen vor rund 4000 Jahren Monumentales geschaffen.
08:11In Pömmelte in der Magdeburger Börde entdeckten Archäologen Spuren einer ringförmigen Anlage, die detailgetreu rekonstruiert wurde.
08:22Das Heiligtum bestand aus sieben konzentrischen Ringen aus Gräben, Erdwellen und Pfostenkränzen und ist vor 4300 Jahren errichtet worden.
08:35Fast zur gleichen Zeit wie das berühmte Stonehenge in England.
08:39Wie der monumentale Steinkreis wurde auch Pömmelte viele Jahrhunderte lang genutzt.
08:46Beeindruckend. Die Magie des Ortes ist auch heute noch zu spüren.
08:54Stonehenge kennt jeder. Aber Pömmelte? Dabei entsprechen Aufbau, Größe und Alter verblüffend genau der weltberühmten Anlage auf der britischen Insel.
09:05Einziger Unterschied, statt tonnenschwerer Steine wurden hier Eichenstämme verbaut.
09:10Aber auch die mussten kilometerweit transportiert werden. Sie kamen vermutlich aus dem Harz.
09:17Besonders auffällig sind die beiden Eingänge. Ähnlich wie in Stonehenge haben sie astronomische Bezüge, denn mit Hilfe der Tore wurde
09:24der Lauf der Sonne beobachtet.
09:29Sie sind auf den Sonnenstand zu besonderen Daten im Jahreslauf ausgerichtet.
09:34Wenn man in der Mitte der Anlage steht, auf der Sichtachse, die durch die beiden Tore verläuft, sieht man an
09:40vier Tagen im Jahr die Sonne auf- bzw. untergehen.
09:44Und zwar genau in der Mitte von Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
09:49Wie eine riesige Sonnenuhr markierte das Heiligtum die Termine für besondere Feste, die Mitvierteljahresfeste.
09:58Wir feiern sie noch heute, zum Beispiel an Allheiligen oder beim Tanz in den Mai.
10:04Am äußeren Rand der Anlage befinden sich mehrere Gruben, jede etwa drei Meter tief.
10:10In ihnen wurden Tonscherben, Waffen, aber auch menschliche Skelette deponiert. In immer gleicher Reihenfolge.
10:19Ein Hinweis auf Kulthandlungen.
10:24Archäologen konnten die Skelette von sieben Frauen und Kindern identifizieren.
10:29Sie stammten nicht von außerhalb, sondern waren Mitglieder der hier ansässigen Kultur.
10:34Die Schädel und Knochen zeigen Spuren von brutaler Gewalt.
10:40War pömmelter Schauplatz grausiger Rituale?
10:44Das möchte ich von Jörg Orschied wissen, der die Knochen und Schädel untersucht hat.
10:52Wir sehen hier an den Schädeln vor allen Dingen Verletzungsspuren.
10:56Also bei dem Kind zum Beispiel hier so eine sehr deutliche Lochfraktur.
11:01Bei der erwachsenen Frau hier ist es ein bisschen diskreter.
11:05Also wir sehen hier so ein Loch, das von außen her, könnte das auch eine Beschädigung sein durch die Bodenlagerung.
11:12Aber wenn man das umdreht, dann sieht man hier auf der Innenseite so Absplitterungen, die eben ganz typisch sind.
11:18Diese Person ist mit stumpfer Gewalt ums Leben gekommen.
11:24Wurden die Toten Opfer eines Überfalls und anschließend im Heiligtum bestattet?
11:29Oder wurden sie rituell getötet, um die Götter gnädig zu stimmen?
11:34Für Forschende durchaus eine mögliche Theorie, denn Menschenopfer sind eine gängige Praxis in vielen alten Kulturen.
11:42Unsere Vorfahren bilden in dieser Hinsicht wohl keine Ausnahme.
11:54Aber woher stammen die ehemaligen Bewohner von Pömmelte?
11:59Nach allem, was man weiß, ließen sich zwei Einwanderergruppen aus den osteuropäischen Steppengebieten
12:04zwischen 2800 und 2500 vor Christus in der fruchtbaren Region zwischen Harz und Elbe nieder.
12:10Hier fanden sie ideale Bedingungen für den Ackerbau.
12:16Nach etwa 300 Jahren verschmolzen beide Gruppen zu einer neuen Kultur.
12:21Zu der Kultur, die die Himmelsscheibe erschaffen hat.
12:28Ihre Herrscher lassen sich unter mächtigen Grabhügeln bestatten.
12:32Wie hier bei Leubingen, etwa 100 Kilometer vom Heiligtum entfernt.
12:36Eine Landmarke in der flachen Landschaft.
12:39Mehr als 8 Meter hoch und 34 Meter im Durchmesser.
12:46Archäologen entdeckten bereits vor 100 Jahren unter vielen Tonnen Erde und Stein einen Mann,
12:51der in einer hölzernen Kammer bestattet war.
12:54Üblicherweise wurden die Toten damals in einfache Erdkrugen belegt.
13:01Dieser Mann aber wird mit großem Pomp bestattet, wie die Funde belegen.
13:06Dem Fürsten von Leubingen wurden nicht nur Tongefäße mit Nahrungsmitteln für das Jenseits mitgegeben,
13:11sondern auch exquisite Waffen aus Bronze- und Goldobjekte.
13:15Ein Beweis dafür, dass sich mit dem Beginn der Bronzezeit Einzelne als Herrscher über eine größere Gemeinschaft erheben.
13:30Das Museum in Halle bewahrt diese Luxusprodukte aus dem Grab.
13:38Waffen, wertvoller Schmuck, alles das hat man im Grab gefunden, im Grab des Fürsten.
13:41Was sagt uns das über diesen Mann?
13:42Ja, das sagt uns sehr viel über diesen Mann nicht.
13:45Er hat hier einen ganz massiven, schweren Armring, der ist nicht hohl, sondern der ist massiv.
13:50Er hat diese Waffe, diesen Stabdolch, mit dem man tatsächlich sehr gefährlich kämpfen konnte.
13:55Und das zeigt, er hat die Macht, aber er symbolisiert es auch durch den goldenen Armring.
14:00Also die Entwicklung der klassischen Machtsymbole, die haben wir in diesem Grab.
14:04Man hat aber nicht nur Waffen gefunden oder Schmuck, ist ja irgendwie noch nachvollziehbar, steht für Prunk, sondern auch Werkzeug.
14:09Man hat hier einen Amberstein gefunden und hier hat man einen Meißel gefunden, mit dem man genau solche Gold-Artefakte
14:16bearbeiten konnte.
14:17Das heißt, man kontrolliert das Metallgold, man kann aber auch Bronze bearbeiten, man kontrolliert das Neumetall.
14:24Das heißt, man hat die Kontrolle über die Schätze und deren Bearbeitung.
14:31Das Rezept für die Legierung aus Kupfer und Zinn wurde ursprünglich in Vorderasien oder noch weiter im Osten entwickelt.
14:44In der Epoche des Fürsten von Leubingen wird die neue Technik auch in Mitteldeutschland in größerem Stil angewendet.
14:55Aus Bronze ließen sich erstmals Gegenstände seriell herstellen, von bisher nie dagewesener Härte.
15:03Sie übten eine große Faszination auf die damaligen Menschen aus.
15:09Metallurgische Untersuchungen der Himmelsscheibe zeigen, dass ihre Bestandteile aus unterschiedlichen Regionen Europas stammen.
15:15So ist sie auch der Beweis für die erstaunlich vernetzte Welt unserer Vorfahren.
15:21Das Zinn ihrer Bronze und das Gold der Himmelsobjekte stammen aus Cornwall in England.
15:31Das Kupfer der Himmelsscheibe wurde in den Ostalpen abgebaut.
15:35In den Revieren am Mitterberg entstehen zur Bronzezeit regelrechte Großbergwerke.
15:49In einem der noch zugänglichen Stollen habe ich eine Verabredung. In 200 Metern Tiefe.
16:02Das ist echt beeindruckend, wie schnell man hier im Berg verschwindet.
16:09Schon vor 4000 Jahren haben Menschen hier Kupfererz abgebaut.
16:13Zurück blieb ein Labyrinth aus Stollen, Kammern und Schächten, das man noch heute betreten kann.
16:20Hier erwartet mich der Montanarchäologe Thomas Stöllner.
16:24Glück auf, Mirko. Willkommen im Auto-Stollen.
16:27Danke. Lass uns die Fundstelle anschauen.
16:31Der Montanarchäologe hat gemeinsam mit Bergleuten rund 3800 Jahre alte Stollen freigelegt.
16:37Also ziemlich genau aus der Zeit der Himmelsscheibe.
16:44Wir sind hier jetzt 200 Meter unter Tage.
16:46Ja, wir sind 200 Meter. Das ist jetzt wirklich ein ganz fantastischer Ort, wo man die Gewinnungsarbeit der Bronzezeit sehr
16:51schön studieren kann.
16:53Wenn du hier schaust, dann siehst du hier einen Förderraum, der im Fürstenbau entstanden ist.
16:58Stell dir vor, sie arbeiten an einer Stelle waagerecht herüber und dann immer wieder mit Absätzen schräg hinunter, um die
17:06Tiefe zu gewinnen.
17:07Und dann kannst du von unten her das Erz, was dazwischen ist, abbauen.
17:11Und da gehört vieles dazu. Belüftung, Förderung, Wegtransportieren, Geräte, die da helfen, aber im Wesentlichen ist der Mensch die Maschine.
17:20Aber wir können gerne weitergehen, ich zeige dir noch andere Stellen.
17:26Über Leitern und enge Gänge geht es immer tiefer in den Berg hinein.
17:35Noch heute kann man die Holzverzimmerung sehen, mit der die Stollen der Bronzezeit abgesichert wurden.
17:44Die Bergleute haben ja den Berg damals durchlöchert wie so ein Schweizer Käse, haben sich aber irgendwann wieder getroffen.
17:49Wie haben die das denn gemacht damals?
17:51Ja, das ist hier Hightech in der Bronzezeit.
17:53Was wir hier sehen, an der Stelle haben sie einen Bewetterungs- oder einen Belüftungsbau gemacht.
17:59Und den haben sie von zwei Teilen des Bergwerkes zusammengeführt.
18:02Du musst dir vorstellen, da haben sie wahrscheinlich einen Ingenieur gehabt, der ist hierher gekommen, der hat vermessen können, der
18:07hat frühe Vermessungstechnik beherrscht.
18:10Und so haben sie sich tatsächlich an dieser Stelle hier punktgenau getroffen.
18:14Die sind aufeinander zu, zum Schluss haben sie noch die Höhe korrigiert und dann zack, auf ein enges Loch zusammen.
18:21Dass sie das geschafft haben, ist für uns heute noch unbeschreiblich.
18:25Und ist natürlich eine Glanzleistung auch früher Vermessungstechnik.
18:31Durch den Handel mit Kupfer, Zinn, aber auch Salz und Bernstein entsteht ein großer Wirtschaftsraum.
18:37Eine Art EU der Bronzezeit.
18:40Die Fürsten in Mitteldeutschland kontrollieren die Warenströme.
18:44Denn in ihrem Gebiet treffen alle Routen zusammen.
18:51Die Welt der frühen Bronzezeit war weiterentwickelt als lange vermutlich.
18:55Händler mit kostbaren Metallen und Tauschwaren im Gepäck ziehen schon damals über den ganzen Kontinent.
19:09Vermutlich läuft der Handel über viele Zwischenstationen.
19:12Mittendrin, wie die Spinne im Netz, sitzen die Fürsten von Nebra.
19:16Und das macht sie immer reicher und mächtiger.
19:24Wie mächtig und reich, das zeigt eine Entdeckung bei Dieskau in der Nähe von Halle.
19:29Die Reste eines Grabhügels aus der Zeit der Himmelsscheibe.
19:38Um die Abdrücke der Grabkammer genauer untersuchen zu können, werden sie als ganzer Block geborgen und in das Landesmuseum Halle
19:44überführt.
19:53In dem Grabhügel waren riesige Mahlsteine verbaut. Einige Fragmente sind fast 200 Kilo schwer.
20:00Es brauchte mehrere Männer, um sie zu bewegen.
20:04Damit konnten täglich zwei Tonnen Getreide gemahlen werden.
20:07Das reichte zur Versorgung einer großen Zahl von Menschen an einem Ort.
20:12Eine Voraussetzung, um umfangreiche Gemeinschaftsprojekte zu bewältigen.
20:17Der Bau war in vielerlei Hinsicht eine Meisterleistung.
20:21Planerisch, aber auch organisatorisch muss man sagen.
20:24Was steckt da alles dahinter? Wie ist das abgelaufen?
20:26Wir gehen davon aus, dass etwa 250 Menschen daran beteiligt waren, diesen riesigen Hügel zu machen,
20:31der das ganze Museum bedecken würde.
20:33Also das war schon wirklich eine Meisterleistung.
20:36Aber die war natürlich organisiert durch eine Hierarchie, die ganz steil war.
20:42Oben stand jemand an der Spitze, den man als eine Art König bezeichnen könnte.
20:46Dann gab es ein Militär, das die Herrschaft sozusagen sicherte.
20:50Und dann sicherlich ganz, ganz viele Arbeiter, die dieses gewaltige Mahnmal bauten.
20:54Aber für einen einzigen, nicht? Als Memoria. Und das ist etwas Besonderes.
20:59Bestattet wurde der Herrscher in einer zeltförmigen Kammer aus Eichenholz.
21:03Sie hat für die damalige Zeit riesige Ausmaße.
21:10Über die hölzerne Grabkammer packten die bronzezeitlichen Baumeister eine dicke Lage aus schweren Steinblöcken,
21:16die sie aus 30 Kilometern Entfernung heranschafften.
21:19Vermutlich mit mehreren Ochsenkarren.
21:24Darüber wurden noch einmal rund 20.000 Kubikmeter Muttererde aufgetürmt.
21:28Mit einer Höhe von 13 und einem Durchmesser von 65 Metern war der Hügel die größte bekannte Grabanlage der europäischen
21:37Bronzezeit.
21:41Spuren im Boden lassen vermuten, dass das Monument mit Kalk geweist worden war.
21:45Als weithin sichtbares Zeichen für die Macht und Größe des Herrschers.
21:52So viel Aufwand für eine einzige Person. War das sozusagen der Herrscher der Himmelsscheibe?
21:57Absolut. Man kann davon sprechen, dass der herausragend war, denn er hatte goldene Waffen.
22:03So etwas haben nur Pharaonen, so etwas haben die Herrscher im Vorderen Orient.
22:07Das ist etwas völlig Neues in Mitteleuropa und zeigt einen absoluten Herrschaftsanspruch.
22:12Also das ist schon eine sehr elaborierte Geschichte, die aber zum ersten Mal in Mitteleuropa auftaucht in dieser Form und
22:19in dieser strikten Hierarchie und die dann für viele Jahrhunderte bestimmend wird.
22:24In Schulbüchern liest man davon fast gar nichts. Warum?
22:26In Schulbüchern weiß man davon nichts, weil wir das Ganze erst in den letzten Jahren erforscht haben.
22:32Das Reich von Nebra war fast so groß wie das heutige Sachsen-Anhalt. Es existierte mehrere hundert Jahre lang.
22:40Es muss eine friedliche Zeit gewesen sein, denn es gibt keine Spuren von Wehranlagen oder gar niedergebrannten Dörfern.
22:47Allerdings wurden Waffen in großer Zahl gefunden.
22:54Der Brauch, Männer mit ihren Waffen zu bestatten, ist aus der Bronzezeit bekannt.
22:59Doch im Umfeld der Himmelsscheibe tauchen Waffen meistens in anderen Fundzusammenhängen auf.
23:04Als sogenannte Hort- oder Depotfunde.
23:08Auch sie sind aus der Archäologie bekannt.
23:11Aber zu welchem Zweck wurden die Waffen im bronzezeitlichen Mitteldeutschland versteckt und vor allem in so großen Stückzahlen, wie sie
23:19in den letzten Jahren zum Vorschein kamen?
23:27Dutzende seriell gefertigte Bronzebeile in einem einzigen Fundkomplex.
23:31Für Harald Meller ein Hinweis auf die Ausrüstung einer Armee.
23:36Offenbar hat der Herrscher die wertvollen Waffen an einem sicheren Ort deponiert, um sie im Konfliktfall schnell an seine Krieger
23:42verteilen zu können.
23:45Ihre Anzahl scheint System zu haben.
23:48Die kleinste Einheit besteht aus 15 Kupferbeilen, beziehungsweise Beilträgern.
23:53Dazu kommen Funde von jeweils 30, 60 und 120 Beilen.
23:58Ein möglicher Hinweis auf ein militärisches Ordnungssystem, wie es bisher erst aus der Antike bekannt ist.
24:04Die Ballträger wurden von Offizieren angeführt, deren Rang an Stabdolchen und Doppeläxten abzulesen war.
24:13Die Existenz organisierter Armeen in der frühen Bronzezeit.
24:17Das war für Forscher und Forscherinnen noch bis vor kurzem undenkbar.
24:22Doch immer mehr Funde sprechen dafür, dass es bereits damals größere bewaffnete Verbände gab.
24:28Und damit bekommt Gewalt eine neue Dimension.
24:35Für die jüngere Bronzezeit belegen das die Funde auf dem ältesten bekannten Schlachtfeld Europas.
24:42Es wurde im Tollensetal bei Neubrandenburg entdeckt und ist rund 350 Jahre jünger als die Himmelsscheibe.
24:50Unter dicken Torfschichten liegen die Überreste von zahllosen Toten.
24:54Ihre Schädel und Knochen zeigen Spuren brutaler Gewalt.
25:05Bisher wurden 12.000 Knochen geborgen.
25:08Sie können etwa 150 Individuen zugeordnet werden.
25:12Aber vermutlich war die Opferzahl noch viel größer.
25:16Auch Pfeilspitzen und andere Bronzewaffen tauchten in diesem Abschnitt des Tals auf.
25:23Wer hat hier gegen wen gekämpft? Und worum ging es dabei?
25:28Herr Jansen, seit 15 Jahren schon forschen Sie im Tollensetal, haben jede Menge gefunden.
25:33Was können Sie denn anhand der Toten über diese Menschen sagen?
25:35Wir haben Einheimische dabei und wir haben Menschen dabei, die aus vielen Teilen Europas gekommen sein können.
25:43Es ist also eine bunt zusammengesetzte Gruppe.
25:46Man hat an den Oberschenkeln ganz typische Belastungsmarker.
25:50Und die zeigen uns klar, dass diese Menschen eben mit großen Lasten unterwegs gewesen sind,
25:56dass sie viel gehoben haben und auch viel getragen haben.
25:59Und das führt nun zu der Überlegung, dass wir es eventuell mit einer Art Handelskarawane zu tun haben,
26:07die dieses Tal dort auch durchquert hat und in dem Moment angegriffen wurde, möglicherweise aus einem Hinterhalt.
26:17Wie die Kämpfe im Detail abliefen, lässt sich mit Hilfe der Paläomechanik einer neuen Forschungsmethode entschlüsseln.
26:26Mit der zerstörungsfreien Untersuchung können Verletzungen dreidimensional dargestellt und mit bekannten Verletzungsmustern verglichen werden.
26:37So lässt sich herausfinden, aus welcher Distanz oder mit welcher Waffe gekämpft wurde.
26:43Wir haben also zunächst eine Phase, in der mit Pfeil und Bogen gekämpft wird,
26:48beziehungsweise diese Menschengruppe wird massiv mit Pfeil und Bogen angegriffen.
26:51Und schließlich, das ist dann offensichtlich das Ende des Kampfes, gibt es einen Nahkampf,
26:56in dem diese Menschen mit Holzkeulen aufeinander einschlagen.
27:00Und die Folgen sieht man hier, das ist eben eine ganz massive Impressionsfraktur im Bereich der Stirn.
27:05Dieser junge Mann ist 20 bis 25 Jahre alt geworden, aber er hat das offensichtlich nicht überlegt.
27:11Man dachte ja bis vor kurzem, die Bronzezeit wäre eine friedliche Zeit gewesen, aber das kann man so nicht mehr
27:15stehen lassen, oder?
27:16Ja, also die Entdeckung dieses Gewaltkonfliktes im Tollensetal hat das Bild der Bronzezeit schon ganz schön durcheinandergewirbelt.
27:23Das ist im Grunde ein neues Kapitel, was wir da aufgeschlagen haben, was man vorher überhaupt nicht auf dem Schirm
27:28hatte.
27:29Also das war wirklich ein Schlüsselfund, der das Bild der Bronzezeit verändert hat.
27:38Auch im 300 Kilometer entfernten Pömmelte gelangt 2018 ein weiterer Sensationsfund.
27:44Neben dem Ringheiligtum tauchten Spuren einer Siedlung aus dem Reich von Nebra auf.
27:49Gruben mit Tongefäßen, Bestattungen und vor allem die Löcher, die die Pfosten bronzezeitlicher Bauten im Boden hinterlassen haben.
27:58Die Archäologin Franziska Knoll und Grabungsleiter Matthias Zürm haben neben dem Ringheiligtum bereits mehr als 70 Häuser aus der frühen
28:06Bronzezeit freigelegt.
28:11Und immer noch werden weitere Gebäudegrundrisse auf dem fast 30.000 Quadratmeter großen Grabungsgelände entdeckt.
28:19Die beiden erzählen mir, was uns Häusle-Bauer von heute mit den Menschen damals verbindet.
28:26Was ich hier so spannend finde und ich finde, das sieht man auch sehr gut auf eurem Plan, ist, die
28:29Häuser, die sehen alle ziemlich gleich aus.
28:31Waren das alles Geometrie-Freaks damals oder wie kommt das?
28:34Also es ist tatsächlich genormte Bauweise und das ist auch das erste Mal, dass wir das in der Form so
28:38fassen.
28:39Und das sind alles Langhäuser. Die sind aber nicht alle gleich lang. Also wir haben schon Unterschiede.
28:43Wir hatten 32, 33 Meter.
28:46Genau, also noch deutlich größer, aber alles gleich. Eingang an der gleichen Stelle, Fispfostenreihe.
28:52Und wir haben den westlichen Wandabschluss mit abgeschrägten Enden. Die sehen alle gleich aus.
28:58Also wie so eine Reihenhaussiedlung ist es so ein bisschen.
29:00Ja, tatsächlich. Also neben uns fängt schon das nächste Haus an und auch auf der Seite läuft die nächste Außenwand.
29:07Wir haben tatsächlich eine Reihenhaussiedlung der frühen Bronzezeit.
29:12Und offensichtlich waren die Deutschen damals schon die Normfreaks.
29:18Anhand der Pfostenlöcher im Boden lässt sich ein typisches Langhaus aus der Bronzezeit rekonstruieren.
29:23Es war 15 bis 30 Meter lang und etwa 7 Meter breit.
29:28Deutlich größer als ein durchschnittliches Einfamilienhaus heute.
29:34Und das hat auch einen Grund. Denn mindestens 10 Menschen haben in so einem Langhaus gelebt.
29:39Es bot genug Platz zum Wohnen und Arbeiten.
29:43Es beherbergte einen Speicherraum für Vorräte und diente teilweise auch als Stall.
29:53Eine Rekonstruktion auf der Grundlage der Grabungsergebnisse macht das Ausmaß der Siedlung von Pömmelte sichtbar.
30:00Mit geschätzt fast 1000 Bewohnern gilt sie als eine Metropole der frühen Bronzezeit.
30:06Die größte Mitteleuropas.
30:15Das Gebiet von Deutschland ist damals dünn besiedelt.
30:19Im Durchschnitt leben nur etwa 5 Menschen auf einem Quadratkilometer.
30:23Im Vergleich zu 230 heutzutage.
30:26Sie wohnen in kleinen Gehöften auf Lichtungen oder an Flüssen.
30:36Eine Großfamilie rückt unter dem Dach des Langhauses zusammen.
30:41Kinder, Eltern, Onkel, Tanten sowie die Großeltern.
30:44Im Winter muss der Platz auch mit den Haustieren geteilt werden.
30:49Fleischgerichte sind ein seltener Luxus.
30:51Stattdessen kommt täglich Getreidebrei auf den Tisch.
30:55Verfeinert mit getrockneten Pilzen und Kräutern.
31:03Am Bodensee in Unteruldingen, in der Nähe von Konstanz, lebten die Menschen in Dörfern auf Stelzen.
31:09Direkt über dem Wasser.
31:12Entdeckt wurden die Spuren der Siedlung vor mehr als 150 Jahren.
31:16Während einer Trockenperiode sank der Pegel des Sees.
31:20Und zum Vorschein kam, was immer noch aus dem Schlick ragt.
31:24Die Überreste von Aberhunderten Pfählen.
31:27Sie sind heute Weltkulturerbe.
31:32Ich erkunde die Pfahlbausiedlung vom Wasser aus.
31:35Archäologen haben sie maßstabsgetreu rekonstruiert.
31:39Unsere Vorfahren siedelten hier von der späten Steinzeit bis in die Bronzezeit.
31:47Ein Haus am See, in bester Lage.
31:50Also ich kann schon ganz gut verstehen, warum die Menschen damals hier gebaut haben.
31:52Vor allen Dingen hatte man Fisch ohne Ende direkt vor der Haustür.
31:56Und vor Feinden war man auch noch ganz gut geschützt auf dem Wasser.
31:59Und verkehrstechnisch war das sehr günstig.
32:01Denn man konnte einfach von Ort zu Ort fahren und musste sich nicht erst durch den dichten Uferwald schlagen.
32:06Zum Beispiel konnte man so sehr einfach Handel betreiben.
32:09Das hat man gemacht mit solchen Einbaumboten.
32:11Die waren bis zu zwölf Meter lang.
32:13Und auch heute noch findet man überall im See Reste davon.
32:18Und keiner kennt sich hier besser aus als Gunter Schöbel.
32:22Er leitet das Pfahlbaumuseum.
32:25Das war eine Gemeinschaftsleistung eines ganzen Dorfes.
32:30Wir gehen von sehr komplex organisierten Gesellschaften aus.
32:34Mit arbeitsteiligen Systemen, Spezialisten, Handwerkern.
32:37Aber bei solchen Aufgaben standen sie alle zusammen.
32:39Im Winterhalbjahr vornehmlich, wenn der Wasserstand niedrig war,
32:43wurden auf einmal vier bis fünf Häuser gebaut.
32:45Sie hatten einen Plan im Kopf.
32:47Sie wussten genau, wie groß die Siedlung werden muss.
32:50Und waren dann in drei bis vier Jahren mit ihrem Werk fertig.
32:52Jetzt ist ja Holz und Wasser nicht die beste Kombination.
32:54Das kann schnell mal kaputt gehen.
32:56Wie lange standen die Häuser denn damals?
32:58Kommt auf die Holzart drauf an.
32:59Das Beständigste ist das Eichenholz.
33:02Und wenn die Häuser mit Eichenholz gebaut sind,
33:05halten sie gut 15 bis 20 Jahre.
33:07Und danach hat man sie einfach nochmal neu gebaut oder ist weitergezogen?
33:11Wie haben die Menschen das gemacht?
33:12Wir rechnen damit, dass damals eine andere Wirtschaftsform vorlag.
33:15Das heißt, nicht die Dörfer waren das Wichtige,
33:18sondern die Ackerfelder und die Dörfer kreisten um diese.
33:21Das heißt, nach 15 bis 20 Jahren zog man einfach um an einen anderen Platz
33:25und fing wieder von vorne an.
33:29Die Pfahlbauten lassen den Alltag der Bronzezeit wieder lebendig werden.
33:37Der Webstuhl, eine Erfindung aus der Steinzeit, wird damals weiterentwickelt.
33:42Das belegen Funde von Webgewichten und Spindeln.
33:49Und erstmals werden wärmende Stoffe aus der Wolle von Schafen und Ziegen gewebt.
33:59Und wir wissen sogar, was damals modisch angesagt war.
34:03Etwa durch das berühmte Mädchen von Ektved aus Dänemark.
34:07Sie wurde nur 18 Jahre alt.
34:09Der raffinierte Minirock aus Wollfäden und der aufwällige Gürtel sind erstaunlich gut erhalten.
34:16Denn in ihrem Baumsarg herrschte ein Mikroklima,
34:19das Stoffe und Haare über die Jahrhunderte konservierte.
34:29Ein It-Girl der Bronzezeit.
34:38Die Kleidung von Frauen und Männern unterscheidet sich damals in Details.
34:45Männer tragen eine Art Kleid und darüber einen wärmenden Umhang.
34:50Hosen gibt es noch nicht, aber bereits Lederschuhe mit Mooseinlagen.
34:54Und vermutlich war die Kleidung mit Pflanzenfarben bunt gefärbt.
35:01Auch auf die Lebensverhältnisse von Frauen werfen archäologische Funde ein neues Licht.
35:10Im Lechtal in der Nähe von Augsburg wurden die Knochen von über 400 Männern und Frauen entdeckt.
35:15Sie waren in einem Zeitraum von 800 Jahren neben ihren Gehöften bestattet worden.
35:21Die Forschenden verglichen den Grad der Verwandtschaft mit den Beigaben im Grab.
35:25Für Männer waren es Waffen aus Bronze.
35:28Für Frauen aufwendiger Schmuck.
35:41Dem Archäologen Philipp Stockhammer ist es gelungen, mit Hilfe der Toten Stammbäume zu rekonstruieren.
35:48Wir haben Gräberfelder untersucht, die zu jeweiligen Bauernhöfen gehört haben, weil uns einfach interessiert hat,
35:54wie haben diese Menschen in diesen Bauernhöfen in der frühen Bronzezeit gelebt.
35:57Was wir gesehen haben, dass die Männer, die in diesen Gräberfeldern bestattet waren,
36:01über viele Generationen, fünf Generationen miteinander verwandt waren.
36:05Also Großvater, Vater, Sohn und so weiter.
36:07Und die hatten oft dann auch alle einen Dolch im Grab.
36:09Also man hat gesehen, die waren über eine lange männliche Linie miteinander verwandt.
36:14Männer der frühen Bronzezeit bleiben also am Ort und vererben den Hof.
36:19Ihren Besitz geben sie an ihre Söhne weiter.
36:23Der Wohnort des Mannes spielt nun eine bestimmende Rolle in der Familienstruktur.
36:28Durch dieses System gewinnen Männer an Macht und Ansehen.
36:37Und was ist mit den Frauen?
36:39Bei den Frauen konnten wir sehen, dass keine der Mütter in diesen Stammbäumen irgendwelche Vorfahren im Lechthal hatte.
36:45Und umgekehrt waren alle Töchter, die wir in diesen Stammbäumen hatten, die waren gestorben, bevor sie das 17. Lebensjahr erreicht
36:52haben.
36:52Man kann sehr schön sehen, dass also quasi ein Sohn, wenn er ein gewisses Alter erreicht hat,
36:56hat er eine Partnerin von außerhalb bekommen.
36:59Und alle Töchter, die das 17. Lebensjahr erreicht haben, haben das Lechthal verlassen müssen.
37:05Die jungen Frauen müssen an den Hof ihrer zukünftigen Ehemänner ziehen.
37:10Meist ist es ein Abschied für immer.
37:22Vermutlich gab es bereits ein etabliertes System, über das die Bräute verteilt wurden.
37:27Forschende können die mobilen Frauen ab der Bronzezeit für viele Gesellschaften in Europa nachweisen.
37:40Also ich muss sagen, ich fände das total schrecklich.
37:41Wenn ich meine Töchter jetzt mit 17 Jahren weggeben müsste, das ist unvorstellbar.
37:46Dann sieht man sie ja nie wieder.
37:47Es war natürlich schrecklich, ja.
37:48Also das muss man so sehen.
37:50Und das Ganze hat aber über 700 Jahre Bestand.
37:52Das heißt, es war nicht so, dass man sich überlegt hat, will ich, will ich nicht.
37:55Sie mussten. Sie hatten keine Wahl, ja.
37:57Das System nennt man Patrilokalität, also die Frau kommt in das Gehöft des Mannes.
38:02Und es war natürlich wichtig, weil auf die Art und Weise hatte man die Möglichkeit, weiträumige Netzwerke zu bilden.
38:07Netzwerke der Verwandtschaft.
38:13Die Forschenden wollten auch wissen, woher die Frauen im Lechthal kamen.
38:17Dafür wurden ihre Backenzähne untersucht.
38:20Im Zahnschmelz lagert sich bis zum 17. Lebensjahr die chemische Signatur des Bodens ein, auf dem ein Mensch gelebt hat.
38:32Diese Information bleibt dort wie in einem Tresor verschlossen und kann auch nach mehr als 4000 Jahren noch entschlüsselt werden.
38:42Das Ergebnis?
38:44Einige der Frauen kamen auch aus der Gegend von Halle, dem Reich von Nebra.
38:48Sie bereicherten nicht nur den Genpool ihrer neuen Gemeinschaft, mit ihnen kam auch das Wissen der Bronzeherstellung ins Lechthal.
38:56Aufgrund der wertvollen Grabbeigaben weiß man, dass die zugezogenen Frauen sehr geschätzt waren und in der Hierarchie der Sippe ganz
39:04oben bestanden.
39:14Die ganze frühe Bronzezeit macht mobil.
39:18Rohstoffe und Luxusgüter werden über immer größere Distanzen gehandelt.
39:22Ein globaler Wirtschaftsraum entsteht.
39:25Bernstein wird von der Ostsee über das Reich von Nebra sogar bis nach Ägypten und Mesopotamien transportiert.
39:32Und umgekehrt gelangen blaue Glasperlen von hier bis nach Dänemark.
39:38Beweise für die weitreichenden Kontakte der Fürsten.
39:45Nach vielen Monaten ist auch der junge Fürst in die Region von Halle zurückgekehrt.
39:50Er hat ein Abenteuer hinter sich, das für die Menschen seiner Zeit so außerordentlich gewesen sein muss, wie heute eine
39:56Reise zum Mars.
39:58Im Gepäck hat er nicht nur exotische Geschenke, sondern auch fantastische Geschichten.
40:04Und das fortgeschrittene Wissen des Orients.
40:07Vielleicht hat er von den Bewegungen der Sterne und des Mondes erzählt und wie die Astronomen in Babylon das Jahr
40:13gegliedert haben.
40:18So oder so ähnlich könnte sich die Geschichte zugetragen haben.
40:29In jedem Fall zeugt die Himmelsscheibe von Nebra von einem Wissenstransfer zwischen Orient und Oktzident.
40:35Und das bereits vor fast 4000 Jahren.
40:40Über Generationen hinweg verleiht sie einer Dynastie religiöse Legitimation.
40:45Und Macht.
40:47Denn mit ihrer Hilfe lässt sich auch ein verlässlicher Kalender berechnen.
40:55Offenbar waren in der Bronzezeit zwei Kalendersysteme in Gebrauch.
40:58Der Mondkalender mit 354 und der Sonnenkalender mit 365 Tagen pro Jahr.
41:04Durch den Unterschied von 11 Tagen liefen die beiden Kalender immer weiter auseinander.
41:09Und damit auch die Termine für religiöse Feste.
41:11Das bedeutet, von Zeit zu Zeit mussten die beiden Kalender synchronisiert werden.
41:15Und genau dazu könnte die Himmelsscheibe gedient haben.
41:25Grundlage für diese Annahme ist die Darstellung des Sichelmondes in Bezug zu den Plejaden.
41:30Diesem auffälligen Sternhaufen am Nachthimmel.
41:32Sonnen- und Mondjahr waren ungefähr synchron, wenn im Frühjahr eine dünne Sichel bei den Plejaden erschien.
41:38War sie aber schon breiter, dann musste ein Schaltmonat eingefügt werden.
41:41Das war alle drei Jahre der Fall.
41:44Genau diese Konstellation wird auf der Himmelsscheibe festgehalten.
41:53Die Himmelsscheibe wird für eine lange Zeit zum Symbol für die Macht der Herrscher von Nebra.
41:58Dann, etwa 1600 vor Christus, macht sich der letzte Fürst auf den Weg zum Mittelberg.
42:05Gemeinsam mit seinen Priestern wird er das Bronzeobjekt in der Erde deponieren.
42:09War es ein ritueller Akt, um die Götter gnädig zu stimmen?
42:13War der Grund eine Epidemie wie die Pest?
42:15Eine Klimakatastrophe oder kriegerische Konflikte wie im Tollensetal?
42:20Wir wissen es nicht. Nur eines ist sicher.
42:24Mit der Scheibe verschwindet auch das Reich von Nebra im Dunkel der Geschichte und taucht erst heute wieder auf.
42:34Bronze hat die Geschichte der Menschheit entscheidend geprägt.
42:38Die Bronzezeit beweist, dass der Mensch großartige Dinge hervorbringen kann.
42:42Bronze ist eine tolle Erfindung, aber sie hat ein neues Ausmaß an Gewalt in die Welt gebracht.
42:47Stellt sich die Frage, ob jede Innovation immer ein Segen ist?
42:51Darüber lässt sich streiten. Der Mensch hat es in der Hand, Dinge ins Gute oder ins Böse zu wenden.
42:56Das war in der Bronzezeit nicht anders als heute.
42:59mówiąc hat Er basket.
43:27Die Bronzezeit możemy schnell, was sie sie in derни dischargelegenheit دhen.
43:29Vers polynomie vermittelt nicht Einklang.
43:29Und dann weiß dignity, wo die Erfindung ist.
43:31Untertitelung des ZDF, 2020
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