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00:00.
00:05The kids have asked if we are really so bad or so bad.
00:12The schoolhouse is on the school.
00:15The teachers are on the floor.
00:17The teachers are on the floor.
00:18They are not in the same way.
00:22They are on the floor.
00:24They are on the floor.
00:26They are on the floor.
00:27And then there was a point where we said, that doesn't work anymore.
00:31Normally, with a normal conversation, you don't have to go on.
00:36A Brennpunkt-Schule in a Brennpunkt-School?
00:41I personally like the term Brennpunkt just not.
00:43Because it means that everything lies in the Flamme.
00:47And Unterstützung and Hilfe needs.
00:48And so I personally don't like Sachsen.
00:57Anfang März in Sachsendorf. Ein Stadtteil am Rand von Cottbus.
01:15An der Regine Hildebrandt-Grundschule beginnt ein neuer Tag.
01:19Und wie fast immer kommen Kinder unpünktlich.
01:22Die Schulleiterin wartet schon.
01:25Morgen. Stopp.
01:29Warum bist du zu spät?
01:30Ich bin 7.45 Uhr aufgewacht.
01:32Und ich hatte keine Zeit. Ich musste schnell losmachen.
01:36Wir haben letzte Woche geredet. Da muss der Wecker eher klingeln.
01:40Frau Mayen steht da.
01:42Du kannst reingehen. Oben der Raum geradezu.
01:51Wir haben ganz viel mit Verspätungen zu kämpfen.
01:54Und haben seit letzter Woche eine Maßnahme in der Probe, dass die Kinder dort nicht in den Unterricht gehen,
02:00sondern dass die Kinder extra betreut werden in dieser einen Stunde, um den Unterricht nicht zu stören, um die Lehrkraft
02:06nicht zu stören.
02:07Und die Stunde muss natürlich dann vom Schüler nachgeholt werden.
02:10Harte Bandagen.
02:11Harte Bandagen, ja.
02:13Und wir hoffen, dass das eine Maßnahme ist, dass die Eltern mehr auf ihre Kinder einwirken und das mehr kontrollieren,
02:17ob die Kinder wirklich früh pünktlich auch zur Schule losgehen, damit sie hier im Unterricht ganz pünktlich auch teilhaben können.
02:28280 Mal kamen Schüler seit Beginn des Schuljahres zu spät.
02:33Nur eines von vielen Problemen nach unruhigen Monaten an der Sachsendorfer Grundschule.
02:41Mitte Dezember senden die Elternsprecher einen Hilferuf und schreiben einen offenen Brief.
02:47Darin berichten sie von Gewalt an der Schule, von Kindern mit Angst und von großen Sprachproblemen, weil viele Schüler kaum
02:54Deutsch sprechen.
02:56Das Thema landet schnell in den Medien. Presseteams stehen vor der Schule.
03:01Doch Schulleitung, Lehrer und Eltern ziehen sich erst einmal zurück.
03:07Gewalt auf einem Spielplatz und sogar unter Aufsicht auf einem Schulhof einer Grundschule an der Regine-Hildebrand-Grundschule in Cottbus
03:16-Sachsendorf.
03:18Als erstes Fernsehteam dürfen wir nach dem Brandbrief in der Schule drehen.
03:22Bedingung, kein Kind darf erkennbar sein.
03:27Wir wollen wissen, was ist dran an den Vorwürfen? Ist vielleicht auch überdramatisiert worden?
03:34Lehrer wollen nicht mit uns sprechen, aber die Schulleiterin beantwortet unsere Fragen.
03:40Es sind Dinge vorgefallen, das kann man auch nicht unter den Tisch kehren. Die sind passiert.
03:46Wir haben die auch immer offen kommuniziert als Schule, schon im vorigen Schuljahr.
03:54Das, was aber dann passiert ist, nachdem auch die Eltern den Brandbrief im Dezember geschrieben haben,
04:00das, was wir als Schule erlebt haben, das macht was. Das macht was mit uns als Kollegium.
04:07Kinder haben uns gefragt, sind wir wirklich so böse? Sind wir wirklich so schlecht?
04:14Tatsächlich hat sich die Situation an der Grundschule verschärft.
04:20Ich kann Ihnen das genau sagen. In diesem Jahr waren es fünf Körperverletzungen, die wir weitergeleitet haben,
04:26weil sie wirklich so schlimm waren, dass das Meldungsbedürfnis da war.
04:32Wir hatten rassistische Beleidigungen, wir hatten rechtsextremistische Dinge und Grußzeichen und auch Handlungen.
04:45Wir hatten auch zwei sexualisierte Gewalttaten und wir hatten auch die Sache mit dem Reizgas.
04:53Dabei soll ein Junge in der Umkleidekabine Reizgas versprüht haben.
04:58In einem anderen Fall soll ein Schüler ein Messer mit in die Schule gebracht haben.
05:02Die Schulleiterin sagt, es wurde sofort eingezogen. Außergewöhnliche Vorfälle.
05:10Es war so ein schleichender Prozess.
05:13Und wir hatten seit circa zwei Jahren dort wirklich auch massiv, gerade auch im vorigen Jahr massiv damit zu kämpfen,
05:19wo Eltern auch immer wieder nachgefragt haben, was macht Schule?
05:23Die Dinge, die Schule zur Verfügung stehen, die haben wir so gemacht.
05:28Aber wir haben gemerkt auch, es hat nicht gereicht.
05:30Es hat nicht so gefruchtet, wie wir uns das wirklich erhofft oder versprochen haben.
05:35Sodass es wirklich dann in der Zeit war, dass andere Maßnahmen, andere Möglichkeiten hier an Schule einziehen mussten,
05:41um halt wirklich einen normalen Schulalltag, einen sicheren Schulalltag für alle Kinder zu gewährleisten.
05:49Schwere Vorfälle müssen dem Schulamt gemeldet werden.
05:52Eltern wird empfohlen, zur Polizei zu gehen. Dort wurde extra eine Ermittlungsgruppe gebildet.
05:59Deren Ergebnisse landen bei der Staatsanwaltschaft Cottbus.
06:04Doch wenn Kinder zuschlagen, kann die Justiz nichts machen.
06:09Die Jugendlichen müssen mindestens 14 Jahre alt sein, damit sie überhaupt strafmündig sind.
06:15Und da sieht auch § 19 StGB eben vor, alles unter 14 kann nicht bestraft werden.
06:24Und deswegen spielen wir da keine Rolle in diesen Vorfällen, in diesen Verfahren.
06:30Und sofern doch mal eben eine Akte hier den Weg zu uns findet,
06:33in der ein Jugendlicher oder eine Jugendliche unter 14 beschuldigt ist, wird es auch umgehend eingestellt.
06:40Für einige Eltern ist das ernüchternd.
06:43Gewalttätige Kinder spüren keine Konsequenzen, zumindest keine rechtlichen.
06:48Der Frust an der Regine-Hildebrand-Grundschule in Cottbus-Sachsendorf wächst
06:51und mündet schließlich in dem Brandbrief, über den der RBB im Dezember berichtet.
06:57Kinder gingen mit Angst zur Schule, schreibt nun der Elternrat in einem offenen Brief.
07:02Die Rede ist von Schlägen, Tritten und sogar Reizgas und von Lehrkräften, die mit all dem alleingelassen werden.
07:09Die Mutter, die diesen Brief mit verfasst hat, will nicht erkannt werden.
07:13Der eine sagt ein falsches Wort, so wie es bei meinem Kind war.
07:17In der vierten Klasse, da kam derjenige, du hast zu meinem Bruder gesagt, halt die Fresse.
07:23Das sagen die sich auf dem Schulhof alle.
07:25Und dann?
07:25Ja, und dann gab es die Klatsche.
07:27Dann gab es eine Ohrfeige.
07:28Manchmal provozieren die das so doll hoch, dass dann selbst die Lehrer auch Angst haben, dazwischen zu geben.
07:36Damals will Christine Wulff nicht offen vor der Kamera sprechen, aus Sorge, als Nestbeschmutzerin abgestempelt zu werden.
07:43Heute treffen wir die Elternsprecherin wieder. Auch ein weiterer Elternvertreter ist dabei.
07:50Irgendwann haben sich dann einfach die Vorfälle so gehäuft, dass das dann auch mit dem Reizgas passiert ist, oder diese
07:56Prügelei, wo dann halt Kinder auch ins Krankenhaus gekommen sind.
07:59Wo wir dann als Eltern auch mitgekriegt haben, dass viele Eltern vielleicht auch wegziehen, dass die Kinder rausgenommen werden aus
08:05solchen Gründen.
08:07Und irgendwann war der Punkt, wo wir gesagt haben, das geht nicht mehr.
08:10Also mit Reden normal kommt man nicht weiter.
08:12Und wir müssen einfach, also nochmal, die Lehrer und die Schulleitung versuchen ja alles Bestmögliche in ihrem Handlungsmaßnahmenkatalog sozusagen durchzuführen.
08:23Und das haben sie auch getan, aber irgendwann muss man einen Schritt weiter gehen.
08:26Und den konnten wir eigentlich nur erreichen, wenn wir uns an die Öffentlichkeit wenden.
08:31Die Situation an der Grundschule habe ihrem Kind den Spaß am Unterricht genommen, sagt diese Mutter.
08:40Eine ihrer Töchter geht in die vierte Klasse.
08:45Es gab, die erste Zeit ist sie gerne gegangen, bis sich dann die Vorfalle, die passiert sind, nach und nach,
08:52wurde es immer schlimmer.
08:54Also es gab dann auch Zeiten, da hat sich *** gar nicht mehr in die Schule getraut.
08:58Und wir mussten gut auf sie einreden, gut zureden, ja, und ihr Mut machen.
09:07Der Auslöser? Streit mit der früher besten Freundin, sagt die Mutter.
09:14Nichts Ungewöhnliches unter Kindern, doch das Mobbing durch die Mitschülerin und einst beste Freundin trifft das Mädchen hart.
09:23Die tretet, schlägt, beleidigt.
09:27Okay, und was sagt die zu dir?
09:31Äh, wenn ich jetzt mal so ehrlich bin, fotze, schlampe, Hurensohn, halt die Fresse.
09:42Wenn man sich mal in der Haare hat, wenn man sich vielleicht auch mal anschreit, ja, oder mal schubst, das
09:48sind für mich wirklich Kleinigkeiten.
09:50Aber das, was dort abgeht, sind keine Kleinigkeiten mehr. Also die schlagen sich, die treten sich.
09:55Sie meint, Lehrer und Schulleitung sind mit der Lage überfordert.
10:00Doch während unserer Dreharbeiten hören wir auch andere Stimmen.
10:06Seit 2006 hat Sven Kurzer mehrere eigene Kinder auf die Sachsendorfer Grundschule geschickt.
10:13Als er uns sieht, wird er sauer.
10:16Ja, weil jede Woche dasselbe hier ist. Hier wird irgendwas aufgepauscht, was gar nicht ist.
10:21Ich kenne die Schule als gute Schule eigentlich. Mit den Lehrern kann man reden.
10:26Wir haben Klassenhelfer, alles. Wir haben Schulpädagogen, alles da.
10:33Aber wird jede Woche draußen gestanden und wird irgendwas erzählt. Jede Woche, was gar nicht wahr ist.
10:37Sie glauben tatsächlich, dass die Eltern die schlechte Stimmung verursachen?
10:40Ja, da bin ich der Meinung. Und das sage ich so, wie es ist.
10:43Weil die überreagieren?
10:45Ja. Dann stehen sie draußen ab 13.30 Uhr und dann geht's los.
10:50Und dann wird erst mal richtig, wir müssen Unterschriften sammeln wegen das, wegen das. Das geht nicht.
11:00Anfang des Jahres schildern Schulamt und Stadt die Lage so.
11:03Die Gewalt gehe von wenigen Kindern aus, die meisten mit Migrationshintergrund.
11:09Doch sie ziehen andere mit hinein, auch deutsche Schüler.
11:13Durch den offenen Brief wächst der Druck auf Schule und Politik.
11:17Mitte Januar trifft sich die Landesregierung mit dem Cottbusser Oberbürgermeister in Sachsendorf.
11:25Zwischen den Plattenbauten lassen sie die Muskeln spielen.
11:29Das, was wir hier entwickelt haben an Maßnahmen, das geht weit über Cottbus hinaus.
11:33Das soll auch weit über Cottbus hinaus Wirkung entfalten können.
11:36Das ist ein Paket, was in großen Teilen gut übertragbar ist auf möglicherweise
11:41entstehende vergleichbare Situationen, was wir nicht hoffen, aber was ja nicht auszuschließen ist.
11:47Es sind Maßnahmen, die wir im Bereich von Restriktionen gegenüber auffälligen Schülern ergreifen,
11:53die über das Maß hinausgehen, was sonst üblich ist.
11:57Bei all den Maßnahmen, die wir gemeinsam durchführen und auch schon durchgeführt haben,
12:01werde ich auch bei wiederholten Auffälligkeiten und zwar Gewalttätigkeiten von Kindern
12:07diese Kinder nun in Obhut nehmen.
12:09Und das kann ich Ihnen auch sagen, sie werden nicht in Cottbus untergebracht.
12:13Kinder aus Familie nehmen, den Eltern zeigen, dass es so nicht weitergeht.
12:17Die Politik spricht von Maßnahmen, die es bisher noch nicht gegeben hat.
12:20Es ist nicht schön, aber es muss gemacht werden, weil wir es auch übrigens denen schuldig sind,
12:26die ja ihrer Verantwortung nachkommen. Das ist der überwiegende Teil.
12:30Wir reden die ganze Zeit von zwei, drei Jungs, muss ich mal sagen,
12:34die an der Grundschule dort ihr Spielchen spielen.
12:41Es ist doch nicht hinnehmbar, dass Kindern von zu Hause vermittelt wird
12:45oder nicht eindrücklich entgegengewirkt wird, dass sie ihre Probleme,
12:49dass sie ihre Konflikte mit Gewalt lösen. Wir sprechen von Heranwachsenden.
12:54Das geht nicht. Und sie haben völlig recht.
12:56Natürlich haben wir viele Dinge rechtlich prüfen lassen.
12:58Aber es ist Tatsache am Ende auch meine Aufgabe als Oberbürgermeister,
13:02dann eine Entscheidung zu treffen. Und ich habe sie getroffen.
13:05Noch ist allerdings kein Kind in Obhut genommen worden.
13:09Die Landesregierung nennt Migration als einen Grund für die Probleme im Stadtteil.
13:15Und nicht zuletzt Cottbus ist für mich Anlass gewesen,
13:20hier eine Entscheidung zu treffen und beim Ministerium zu beauftragen,
13:24eine deutliche Kurskorrektur in Sachen Migrations- und Integrationspolitik
13:28im Land Brandenburg vorzunehmen.
13:29Nämlich in der Weise, dass wir in Brandenburg eine Wohnsitzauflage einführen werden.
13:36Das Land will damit gezielter steuern, wo Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis hinziehen dürfen.
13:42Dazu gehören zum Beispiel Geflüchtete.
13:44Das Ziel? Eine Konzentration an bestimmten Orten verhindern.
13:49Was halten die Verfasser des Brandbriefs davon? Reicht ihnen das?
13:54Es ist aber auch vieles in meinen Augen erstmal nur Symptomdokterei.
13:58Also ich komme stellenweise, hatte ich für mich den Eindruck,
14:01es wurde uns erstmal nur Filetstückchen hingeschmissen.
14:04Hauptsache, die halten den Mund.
14:06Aber in der Gesamtsituation, wie es hier in dem Stadtteil allgemein abläuft,
14:12hat sich ja noch nicht wirklich viel geändert.
14:14Kann ja aber auch nicht, muss ich auch dazu sagen.
14:18Ich bin auch der halb gleichen Meinung, sage ich jetzt mal,
14:21es ist schön, dass die Maßnahmen da sind.
14:24Aber das muss man halt jetzt, ja es ist halt ein blöder Satz,
14:28aber man muss halt sehen, ziehen die das auch durch?
14:30Wie macht der Herr Wilke, dass das wirklich eine Begrenzung ist des Zuzugs?
14:40Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Kinder ohne deutschen Pass
14:44an der Sachsendorfer Grundschule in etwa versechsfacht.
14:48Ihr Anteil liegt inzwischen bei gut 40 Prozent.
14:53Zum einen haben wir natürlich diese großen Sprachprobleme.
14:57Es sind Kinder, die kommen mit einer kompletten,
15:02guten Vorbildung an die Schule.
15:04Aber es gibt auch eine große Anzahl von Kindern,
15:06die haben noch nie eine Einrichtung von innen gesehen,
15:09noch nie eine Kita erlebt.
15:11Die waren auch nie, wenn sie jetzt in die zweite oder die dritte Klasse eingeschult werden,
15:15die waren vielleicht auch noch nie in der Schule.
15:17Und das Thema, was Sie gerade angesprochen haben,
15:20die sprachlichen Barrieren, die sind wirklich groß.
15:24Ja, dadurch, dass in vielen Familien auch die deutsche Sprache
15:27eine untergeordnete Rolle spielt, spiegelt sich das natürlich dann hier in der Schule wieder.
15:36Schulschluss an der Regine-Hildebrand-Grundschule.
15:39Wir versuchen, mit Eltern zu sprechen.
15:41Kaum einer will vor die Kamera.
15:44Trotzdem, die Gewaltvorfälle und die Berichterstattung darüber sind Gesprächsthema.
15:53Auch bei denen, über die gerade so viel geredet wird.
16:00Und in der Klasse habt ihr ein Problem?
16:03Ja.
16:04Wer macht Probleme?
16:06Manche schreien so.
16:08Okay, okay.
16:10Na ja, manche schreien so.
16:17Also gute Sachen über Ausländer redet man nie.
16:21Nur Schlechte.
16:23Du machst die ganze Zeit was Gutes oder alles was Gutes.
16:28Aber einmal, wenn du was Schlechtes machst,
16:30dann verbreitet sich ganz schnell und überall.
16:34Und wie ist das für Sie?
16:38Sag ich mal ganz schlecht.
16:39Ich arbeite seit März 2016 in Deutschland.
16:43Und ich arbeite bis jetzt.
16:46Momentan arbeite ich auch im Krankenhaus.
16:48Und wenn ich die ganze Zeit über diese Schule höre oder lese,
16:54auf die Nachrichten oder sowas, dann tut es weh.
17:00Ich finde das nicht schön.
17:02Und wie ist es für Ihren Jungen?
17:06Was denkst du mal?
17:07Was?
17:08Was fühlst du hier?
17:11Ja, Mitte.
17:24Mehr als 10.000 Menschen leben in Sachsendorf.
17:27Jeder Fünfte ist Ausländer.
17:29Es gibt 1.700 Kinder und Jugendliche.
17:34Wir gehen durch das Viertel und treffen 2 Grundschüler.
17:38Auch an diesem Tag ist wieder etwas passiert.
17:42Heute hat jemand, so ein Junge, ein Mädchen aus unserer Klasse,
17:46einen Stein ins Auge geworfen.
17:48Das Mädchen hat gespielt.
17:49Fange, auf der Kletterspinne.
17:50Dann kamen Jungs, die haben Steine genommen, auf sich selber geworfen.
17:56Und dann haben sie auf das Mädchen geworfen.
17:58Ich glaube, ihr Auge ist jetzt rot.
18:00Sie ging zum, wie heißt der, der Krankenbruder.
18:03Er hat es sich angeguckt und gesagt, das sieht schlimm aus.
18:07Ich glaube, es sieht nicht gut aus.
18:15Wir hatten heute Sportunterricht.
18:17Unser Sportlehrer war nicht da.
18:19Da kam eine Vertretung.
18:20Lehrerin.
18:22Sie hat mit uns Sport gemacht.
18:24Wir haben Fußball gespielt.
18:26Und dann?
18:27Zwei-Felder-Ball. Kennen Sie es?
18:30Zwei-Felder-Ball.
18:32Wir haben es halt gespielt.
18:33Da waren 3 gegen 3.
18:35Sie hat von 12 runtergezählt.
18:38Und danach hat sie, glaube ich, die 6 vergessen.
18:42Wo sie runtergezählt hat, hat eine Schülerin gesagt,
18:45keiner hört ihnen zu.
18:47Nur ihre Mutter.
18:49Ach, stimmt ja.
18:50Sie haben gar keine.
18:57Zufällig kommt Ibo dazu.
18:59Der 18-Jährige erzählt,
19:01dass er selbst auch auf der Regine-Hildebrand-Grundschule war.
19:05Wieso es immer wieder zu Gewalt auf dem Schulhof kommt, erklärt er so.
19:10Jeder macht, was er will halt.
19:12Sie hören nicht auf den Lehrer, das ist das Ding.
19:14Jeder hat als Kind mal was Schlechtes gemacht.
19:17Das ist ja nicht so, dass jeder mal der Liebe war.
19:19Gibt es ja nicht.
19:20Jeder hat mal was Dummes gemacht.
19:23Aber die Leute, die finden es cool halt.
19:26Ich habe es noch nie cool gefunden.
19:28Also wenn ich Scheiße mal gebaut habe, dann war ich nie cool.
19:32Da hat man sich schlecht gefühlt.
19:34Weil meine Eltern haben davor noch gesagt,
19:37bleib ruhig, mach keinen Scheiß.
19:39Und dann, wenn man sich Scheiße baut,
19:41dann fühlt man sich irgendwie schlecht.
19:42In meinem Fall war es so.
19:44Seitdem er auf der Sachsendorfer Grundschule war,
19:47habe sich einiges verändert.
19:50Ich bin auch letztens von der Grundschule mal so vorbeigelaufen.
19:54Da habe ich immer auch gehört, wie die Kinder heutzutage sind.
19:57Und man ist schlimm geworden, ehrlich gesagt.
19:59Damals hat man sich gar nicht bleidigt.
20:00Aber jetzt fallen ein oder andere Bleidigungen schon.
20:04Das ist unnötig halt.
20:05Und eben eine kurze Zündschnur, wie ich es gesagt habe.
20:08Das ist nicht so gut.
20:13Ein rauer Umgangston.
20:15Konflikte, die schnell eskalieren.
20:17Nicht nur an der Grundschule.
20:19Deshalb vernetzen sich die Anlaufstellen im Stadtteil.
20:22Schulen, soziale Träger, Stadtteilmanagement.
20:27Um junge Menschen aufzufangen und überforderte Eltern zu unterstützen.
20:33Dazu gehört ein Jugendclub in der Sachsendorfer Oberschule.
20:42Oliver Lehmann und Anne Buschmann sind Sozialarbeiter in Sachsendorf.
20:47Und das wäre ja schon eine Sache, die man unter Freunden vielleicht besprechen könnte.
20:50Wenn es dir wichtig ist, das zu klären.
20:53In den Keller kommen junge Menschen zwischen 6 und 27.
20:57Zeigen dürfen wir auch sie nicht.
21:07Die meisten Kids kommen auf jeden Fall aus dem Stadtteil, würde ich sagen.
21:09Also die sind fußläufig in Sachsendorf alle zu Hause und kommen dann nach der Schule zu uns.
21:14Ich würde aber sagen, dass es eine sehr bunt durchmischte Gruppe schon ist.
21:18Die meisten Jugendlichen, die hierher kommen, gehen auf die Oberschule.
21:22Erfahrungen mit Gewalt haben auch sie gemacht.
21:26Was kriegst du denn mit? Warum wird sich denn geschlagen?
21:29Ich weiß nicht. Wegen Beleidigungen und so weiter.
21:33Wenn man auf Mutter, Vater oder Gott beleidigt.
21:36Streitigkeiten über Familie, Religion, Herkunft.
21:41Die Sozialarbeiter versuchen Konflikte zu entschärfen, lange bevor sie eskalieren.
21:47Und ich glaube, das ist ein ganz, ganz wertvoller Aspekt unserer Arbeit,
21:50dass wir die Räumlichkeiten ja den Kids zur Verfügung stellen.
21:53Und die dürfen die Räumlichkeit nutzen, um sich zu entlasten, um über Sachen zu reden.
21:57Und dadurch ist eine ganz, ganz andere Arbeit möglich.
22:00Und soziale Skills wie zuhören, Frustrationen aushalten, bei Konflikten nicht gleich gewalttätig werden,
22:06sondern das auch zu besprechen und vielleicht auch nicht runterzuschlucken.
22:08So eine Sachen lernen die Kids hier so alle im Alltag nebenbei.
22:12Ich glaube, gerade deswegen ist es ja so wichtig, dass es andere Orte gibt,
22:15wie zum Beispiel die Jugendclubs, die nochmal anders strukturiert sind,
22:19wo sich die Kinder in einem anderen Rahmen irgendwie auch selbst erleben können und merken können,
22:22oh, ich kann auch anders sein, ich muss nicht immer derjenige sein, der vielleicht ständig irgendwie Ärger bekommt,
22:26weil ich das nicht schaffe, mich in diesem starren Rahmen so zu benehmen, wie die Leute das von mir erwarten.
22:30Und das super wertvoll für die Kinder auch ist in ihrer Entwicklung.
22:35Gewalt habe nichts mit Herkunft zu tun, sagen die Sozialarbeiter.
22:39Sie entstehe dort, wo Kinder und Jugendliche sich alleingelassen fühlen.
22:44Es wird oft das Gefühl vermittelt, dass so Kinder und Jugendliche nicht betrachtet werden.
22:48Und die fühlen sich halt einfach perspektiv- und hilflos dadurch.
22:52Die einzige Form, sich dann quasi zu reiben und Orientierung zu kriegen, ist dann auch in Auseinandersetzungen zu gehen.
22:56Und wenn sie halt nicht die sozialen Kompetenzen haben, Konflikte halt verbal zu lösen oder sich Unterstützung zu holen,
23:01um diese Probleme zu lösen, dann führt das halt dazu, dass Jugendliche halt auch einfach mal körperliche Gewalt unnimmt.
23:08Mit solchen Fällen befasst sich auch die Staatsanwaltschaft in Cottbus.
23:12Allerdings nur bei Jugendlichen ab 14. Jüngere Kinder sind schuldunfähig.
23:19Das Ziel, schnelle Verfahren, oft schon nach wenigen Wochen abgeschlossen.
23:26So dass eine Reaktion auf dem Fuße folgt, also dass die Jugendlichen auch merken, da wird reagiert.
23:33Und hat sich dann entschlossen, so ein sogenanntes vereinfachtes Jugendstrafverfahren durchzuführen in geeigneten Fällen.
23:42Die Polizei ermittelt den Vorfall innerhalb einer Woche aus. Die Jugendgerichtshilfe schreibt einen Kurzbericht für die Staatsanwaltschaft.
23:49Und dann kommt es auch gleich zu einer Fallkonferenz, in der dann die Staatsanwältin, die bei uns dafür sozusagen zuständig
23:57ist,
23:57mit der Jugendgerichtshilfe sich zusammensetzt und sofort die geeignete Maßnahme entscheidet.
24:04Wie viele solcher Fälle aus Schulen tatsächlich so verhandelt werden, dazu nennt die Staatsanwaltschaft keine Zahlen.
24:11So viele Erfahrungen gibt es da nicht zu berichten bisher, weil es so viele Fälle in diesem vereinfachten Jugendstrafverfahren auch
24:22noch gar nicht gab.
24:23Aber die Idee ist, dass eben innerhalb einer Woche der Vorfall ausermittelt ist, was in der Regel nicht der Fall
24:29ist innerhalb von einer Woche.
24:30Und vor allem, dass halt sofort die Jugendgerichtshilfe auch sich mit dem Jugendlichen oder der Jugendlichen zusammensetzt und dann auch
24:38sofort der Kurzbericht an die Staatsanwaltschaft geht, sodass wir da von wenigen Wochen sprechen.
24:44Doch so weit soll es gar nicht erst kommen. Gewalttätige Kinder sollen nicht zu gewalttätigen Erwachsenen werden.
24:51Deshalb werden besonders auffällige Kinder der Grundschule seit einigen Wochen an einem anderen Ort separat unterrichtet.
24:58Die Kinder, die dort in dieser Lerngruppe sind, ich möchte sie nicht stigmatisieren, weil diese Lerngruppe dort sind Kinder, die
25:06waren dort gewaltmäßig auffällig.
25:09Aber es sind auch andere Kinder, die waren natürlich immer wieder getriggert.
25:13Genau von solchen Kindern, die waren dort immer involviert in diese Vorfälle und die haben wir rausgefiltert.
25:20Und ich habe dort im Vorfeld mit allen Eltern gesprochen, im Beisein der Kinder.
25:24Ich habe denen erklärt, diese Lerngruppe ist eine Chance, eine Chance, um dort die sozialen Kompetenzen zu erlernen, wieder zu
25:34erlernen.
25:39Gerade im Umgang der Kinder untereinander habe sich etwas verändert. Die Hemmschwelle sei gesunken.
25:48Es wird heutzutage oder gerade auch in den letzten Jahren eskalieren teilweise wirklich kleine Streitereien und aus dem Spaß wird
25:57ganz schnell ernst.
25:58Und zum Schluss wissen die Kinder gar nicht mehr, hey, was waren jetzt überhaupt gewesen?
26:01Und dort wird dann die Hand, die Faust sehr schnell benutzt.
26:07Aber das ist ja, ich denke mal, auch ein gesellschaftliches Problem, was an Schule komplett angekommen ist.
26:13Jetzt soll im Stadtteil das Projekt Ein Quadratkilometer Bildung starten.
26:19Damit Schulen und soziale Träger enger zusammenarbeiten.
26:25Jede Form von Unterstützung und Hilfe, die zusätzlich reinkommt in ein Schulgebäude, ist immer wertvoll und kann quasi nur gut
26:33sein.
26:34Der Bedarf danach ist riesig und das halt nicht nur hier in Sachsendorf, sondern meiner Erfahrung nach halt an allen
26:40Schulen sollte es quasi solche Unterstützungssysteme irgendwie geben.
26:44Der Brandbrief der Eltern hat die Grundschule in den öffentlichen Fokus gerückt.
26:50War er rückblickend vielleicht sogar hilfreich?
26:53Ich weiß gar nicht, ob wir das als Schule so drastisch hätten fordern können.
26:59Und Sie wissen selber, wenn Eltern aufstehen, hat das nochmal eine andere Präsenz.
27:05Ich hätte mir damals nur gewünscht, wäre dieser Aufschrei der Eltern mehr in Verbindung mit mir, mit uns passiert.
27:14Dass wir dort gemeinsam genau dieses Statement hier in der Stadt gegeben hätten.
27:19Das hätte ich mir sehr, sehr gewünscht.
27:22Aber es ist jetzt alles, wie es passiert ist.
27:25Wir sind jetzt, denke ich mal, auch mit der Elternschaft noch näher zusammengerückt.
27:31Wir haben genau nochmal das analysiert, was passiert ist.
27:35Und das Gute ist, wir gucken wirklich nach vorne.
27:38Wir gucken gemeinsam nach vorne.
27:40Wesentlich ruhiger.
27:41Es ist nicht, dass sich die Kinder mal streiten, dass auch mal jemand hinfällt.
27:47Das passiert.
27:48Dafür sind Kinder da, dafür ist die Schule da.
27:50Das ist Konfliktsituationen, die Kinder ja erlernen müssen, um damit ja auch umgehen zu können.
27:56Aber wir sprechen ja von diesen massiven, die wirklich Schädigungen der Kinder hinterlassen haben.
28:03Und das ist nicht mehr so in dem Maße, wie wir das hatten.
28:07Wir müssen da dranbleiben und auch regelmäßig die Finger in die Wunde legen.
28:14Die Cottbushaar-Regine-Hildebrand-Grundschule muss ihre Probleme nicht allein angehen.
28:20Und sie steht damit auch nicht allein da.
28:23In Brandenburg ist die Zahl der Straftaten an Schulen laut Kriminalstatistik zwar zuletzt leicht gesunken.
28:29Trotzdem waren es 2024 über 3.200 Fälle.
28:41Bis zum nächsten Mal.
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