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00:00Welcome to Michael Winterhoff.
00:03Michael Winterhoff is by us.
00:05Kinder- und Jugendpsychiater aus Bonn.
00:08Guten Abend.
00:10We Medien have made him big.
00:12Michael Winterhoff.
00:14Kinderpsychiater, Bestseller-Autor
00:16and popular Talkshow-Gast.
00:18We have more auffällige children.
00:20I'm a kinderpsychiater.
00:21Is it really so schlimm?
00:23Is it a bit of a provocation?
00:24It is so schlimm.
00:26Einfache Antworten, dramatische Zukunftsprognosen.
00:30Das kommt nicht nur in Talkshows gut an.
00:33Ob zum Thema Bildung oder Erziehung,
00:35wir hören seine Meinung als Experte.
00:38Sie sind der König in den Bestseller-Listen.
00:42Warum unsere Kinder Tyrannen werden?
00:45Hunderttausendfach verkauft.
00:46Es ist das Thema seines Lebens.
00:48Meine Aufgabe ist, einer Gesellschaft
00:50einen Spiegel vorzuhalten.
00:51Aber es gibt Menschen, die schwere Vorwürfe erheben.
00:54Ich bin ein Opfer von Dr. Winterhoffs Spielchen.
00:58Von Dr. Winterhoffs Macht, die er über die Kinder ausübt.
01:03Herr Winterhoff hat mir nie eine richtige Diagnose gegeben.
01:08Aber immer Medikamente.
01:11Meistens habe ich ein Tablett mit den Medikamenten da stehen,
01:14mit den Namensschildchen, dann geht er zack, zack, zack, zack.
01:16Dann ist das so, das Abendessen.
01:19Welche Medikamente habt ihr bekommen?
01:21Die weiße, die jeder bekommen hat.
01:23Und es war irgendwie noch so eine kleine Route.
01:46Unsere Recherche beginnt mit Samuel.
01:50Der Neunjährige kann sich stundenlang in etwas vertiefen.
01:55Aber von der ersten Klasse an gibt es Probleme.
01:59Die Eltern, Sabine und Rainer Krebs, suchen 2018 Hilfe.
02:05Vom ersten Schultag an war Samuel sehr auffällig in der Schule.
02:08Und weil wir aber sehr eng im Kontakt waren,
02:12auch mit der Lehrerin direkt von Anfang an, haben die gesagt,
02:14okay, das kann jetzt nicht sein.
02:15Das Kind ist vernachlässigt zu Hause oder sowas.
02:17Da muss irgendwie was sein.
02:19Und wir sollten das bitte mal abklären.
02:21Und da ich ja vorher dieses Buch gesehen hatte
02:24und Dr. Winterhoff ja so berühmt ist und in Bonn,
02:26habe ich halt gesagt, okay, dann gehen wir natürlich zu den Besten.
02:30Bei seinem ersten Besuch in der Bonner Praxis von Michael Winterhoff
02:34ist Samuel aufgeregt.
02:36Dem damals 6-Jährigen fällt es schwer,
02:39offen auf andere Menschen zuzugehen.
02:41Das löst bei ihm mehr Stress aus als bei anderen Kindern.
02:45So sucht er auch hier sofort Sicherheit bei seiner Mutter.
02:48Dr. Winterhoff hat wirklich darauf bestanden,
02:51dass das Kind draußen bleibt und hat da schon angefangen,
02:53mit mir zu reden und schon so das erste,
02:55ah, er sieht schon das Problem, was wir da haben.
02:59Und er fing dann an mit seinem Vortrag.
03:01Diesen Symbiose-Vortrag.
03:03Diese Menschen, die zu mir kommen, können jeden Tag mit Menschen umgehen.
03:07Nur ihre Fähigkeiten versagen ihnen ihrem Kind gegenüber,
03:10weil sie im Symbiose-System sind.
03:12Das führt dazu, dass sie unbewusst Kinder als Partner sehen,
03:16von ihnen geliebt werden wollen.
03:18Das Erkennen ist, bin ich in einer Symbiose?
03:21Ja oder nein?
03:22Nein, nur wenn diese unbewussten Blockaden deutlich werden,
03:27haben die Eltern Möglichkeiten, sich zu verändern.
03:30Wenn ein renommierter Kinderpsychiater hingeht und sagt,
03:34Mutter, du bist das Problem, dann können sie sich vorstellen,
03:37war also dieser Druck, der auf mir lastete, der war echt enorm.
03:40Ich arbeite maßgeblich mit den Eltern, nicht mit den Kindern.
03:45Die Kinder beurteile ich.
03:46Wenn Kinder Auffälligkeiten haben, liegt es immer an den Eltern
03:50oder an der Gesellschaft.
03:52Ich wusste überhaupt nicht mehr, wie ich mit meinem Kind umgehen soll.
03:55Das war ganz schlimm.
03:56Also Samuel hatte irgendwie einen Aussetzer, sag ich mal,
04:01oder irgendwie einen Wutanfall oder sonst was.
04:02Ich wusste nicht, was mache ich jetzt mit meinem Kind.
04:04Ich war dann strenger, ich habe ihn ins Zimmer geschickt.
04:07Samuel hat nun Termine in der Praxis zur Diagnostik allein.
04:12Der Kinderpsychiater berät die Mutter,
04:14wie sie die angeblich zu enge Verbindung zum Kind auflösen könne.
04:18Zu Hause spitzt sich unter dieser Anleitung die Situation zu.
04:22Nach einigen Monaten bricht die Familie die Behandlung ab
04:25und fordert von Michael Winterhoff die Diagnostik an.
04:29Diagnose?
04:31Entwicklungsritardierung mit Fixierung im frühkindlichen Narzissmus.
04:36Entwicklungsritardierung mit Fixierung in der ödipalen Phase.
04:39Strukturdiagnose, Eltern-Kind-Symbiose.
04:43Samuel wäre narzisstisch, hätte ein ödipales Problem.
04:46Und das Beste ist ja dann noch,
04:48dass wir irgendwann ja dann von der Krankenkasse
04:51die Unterlagen haben wollten.
04:53Und da steht als Diagnose eine posttraumatische Belastungsstörung drin.
04:59Und Aufmerksamkeitsstörung auch noch.
05:01Man kann keine posttraumatische Belastungsstörung diagnostizieren,
05:04ohne mit den Eltern zu sprechen.
05:06Also ich meine...
05:06Ja, wie kommt er da drauf? Das ist die Frage.
05:09Wie kommt er auf so eine Diagnose?
05:11Ohne das zu sagen.
05:13Also ich meine, er hat ja zu mir was ganz anderes gesagt.
05:18Die Klassenlehrerin rät der Familie,
05:20eine zweite Diagnostik für Samuel einzuholen.
05:24Diese verläuft anders.
05:27Denn jetzt werden alle Beteiligten vertraulich einbezogen.
05:32Bei der zweiten Diagnostik haben wir dann erfahren,
05:35dass Samuel das Asperger-Syndrom hat
05:37und ja, ins Autismus-Spektrum fällt.
05:40Ja, wir wussten dann, welche Wege wir einschlagen können,
05:43um ihm zu helfen, um adäquat zu helfen.
05:46Einerseits ein Arztbericht mit der Diagnose frühkindlicher Narzissmus.
05:50Andererseits eine Abrechnung bei der Krankenkasse
05:52wegen posttraumatischer Belastungsstörung und ADHS.
05:56Wie kann das sein?
05:57Wir fragen bei Michael Winterhoff nach.
06:00Viele Interviews hat er in der Vergangenheit gegeben.
06:03Uns möchte er keins geben.
06:04Er schaltet eine Anwaltskanzlei ein.
06:07Sie teilt uns schriftlich mit.
06:10Bedauerlicherweise liegt ein Fehler bei der Eingabe der Diagnose in den PC vor.
06:15Derartige Fehler können in der Hektik des Praxisalltags passieren.
06:19Unser Mandant und sein Team werden den Vorgang entsprechend nacharbeiten.
06:25Für Samuel und seine Eltern ist es gut ausgegangen.
06:28Er hat jetzt einen Schulbegleiter und schafft es aufs Gymnasium.
06:35Aber unsere Recherche ergibt, Michael Winterhoffs Beurteilung von Samuel scheint kein Einzelfall zu sein.
06:42Wir sammeln Arztberichte von ihm und stoßen immer wieder auf seine Beurteilung frühkindlicher Narzissmus.
06:48Und die Verschreibung eines Neuroleptikums namens Pipamperon.
06:53Auch als die Piparon auf dem Markt.
06:59Bundesweit sprechen wir mit mehr als 30 Fachleuten.
07:03Wir zeigen anonymisierte Arztberichte von Michael Winterhoff.
07:09Wir recherchieren mehr Erfahrungsberichte, als in diesem Film thematisiert werden.
07:15Seine Diagnosen entsprachen überhaupt nicht der üblichen Klassifizierung.
07:20Es war immer die gleiche Diagnose, die es so gar nicht gibt, ich kann sie mal nennen.
07:28Entwicklungsretardierung mit Fixierung auf der oralen, analen und ödipalen Phase.
07:35Also dabei handelt es sich, wie wir dann in der Praxis auch festgestellt haben, um Angststörungen, um ADHS, um Tickstörungen.
07:41Das hat mit dieser Beschreibung wenig zu tun.
07:43Es gibt eine narzisstische Persönlichkeitsstörung als Diagnose.
07:47Die würden wir im Kindes- und Jugendalter nicht stellen, weil Persönlichkeitsstörungen frühestens gestellt werden, wenn Menschen auch tatsächlich erwachsen
07:53sind.
07:53So ist die Konvention dazu.
07:55Und die Beschreibung, du bist ein Narzisst, ist überhaupt nichts Diagnostisches, sondern ausgesprochen abwertend, defizitorientiert und schädigend gegenüber Kindern.
08:06Leute, die zu uns in die Praxis gekommen sind, die vorher bei Windorf gewesen sind, die haben berichtet, das ist
08:12ein Mensch, der guckt einen an.
08:15Der hat dann innerhalb kürzester Zeit eine bestimmte Diagnose, die er schlagwortartig sagt.
08:21Und das hat etwas Guru-haftes.
08:25In der Diagnostik tauchen Begriffe auf, die sind auch den meisten Ärzten, niedergelassenen Ärzten nicht bekannt, aber sie wirken wie
08:32Mantren.
08:33Und diese stehen auch im Mittelpunkt seiner Vorträge.
08:36Wenn wir nicht rasch gegenwirken, dann wird die narzisstische Persönlichkeit, heranwachsende junge Erwachsene, die nicht in der Lage sind, arbeiten
08:46zu gehen, zu regeln.
08:48Und das gilt es abzuwenden.
08:52Wir treffen im März 2021 eine Mutter, die Michael Winterhoff lange gefolgt ist.
09:01Sabine Reis-Peters ist berufstätig und alleinerziehend mit vier Kindern.
09:08Vor allem der 15-jährige Keanu bereitet ihr Sorgen. Konflikte zu Hause und Schulprobleme.
09:15Ab 2018 suchte die Mutter deswegen Hilfe in der Bonner Praxis.
09:22Der Herr Winterhoff hat gesagt, er ist nicht erreichbar. Der muss, wenn ich so mache, stehen.
09:28Und solange der keine Medikamente nimmt, wäre er nicht erreichbar.
09:32Der würde mich nicht ernst nehmen, der würde seine ganze Welt nicht ernst nehmen, er würde steuern. Er nennt das
09:37Symbiose.
09:38Der damals 12-Jährige bekommt von Michael Winterhoff Pi Pamparon verschrieben.
09:44Ein, zwei Gespräche oder so und dann habe ich direkt ein Rezept bekommen, also meine Mutter.
09:51Im Endeffekt hieß es halt, dass ich den Entwicklungsstand von einem Dreijährigen habe.
10:02Nach außen zeigt Michael Winterhoff seltsamerweise kein Verständnis für die Verschreibung von Psychopharmaka an Kinder.
10:08Die meisten Kinder, die zu mir kommen, haben keine hirnorganische Störung, sondern haben eine Entwicklungsstörung, sind emotional auf dem Stand
10:17von Kleinkindern.
10:18Und da Medikamente zu geben, ist in meinen Augen nicht nachvollziehbar.
10:23Nicht nachvollziehbar? Michael Winterhoff verschrieb Kianu zwei Jahre lang Pi Pamparon bei einer angeblichen Entwicklungsstörung.
10:32Zwei Jahre lang lebte er mit den Nebenwirkungen.
10:35Ich habe mich so ein bisschen gelähmt gefühlt und in der Schule habe ich auch immer auf dem Tisch geschlafen,
10:43also teilweise eine Doppelschunde durchgeschlafen, dann Pause, bin ich den Klassenraum gewechselt, habe wieder eine Doppelschunde durchgeschlafen.
10:55Er hat oft vor mir gestanden und durch mich durchgeschaut und dann hat er auch immer so den Kopf zur
11:01Seite gemacht.
11:02Also er war eigentlich quasi nie wirklich ansprechbar.
11:05Das, was das Medikament eigentlich bringen sollte, ich dachte, ansprechbar heißt, der Junge nimmt mich wahr, der nimmt mich ernst,
11:12der versteht mich.
11:13Aber ansprechbar heißt eigentlich mit den Medikamenten ausgeschaltet.
11:19Haben Sie mit Michael Winterhoff diese Nebenwirkungen gesprochen?
11:22Laut Michael Winterhoff gibt es keine Nebenwirkungen, völlig unproblematisch, das Medikament.
11:27Wir fragen nach beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.
11:32P-Pamperon ist ein Arzneimittel der niederpotenten Neuroleptika.
11:37Bei diesen steht die sedierende Wirkung im Vordergrund.
11:41Das ist sozusagen ein Notfallmedikament.
11:43Wenn ein Kind tatsächlich mal in einem psychomotorischen Erregungszustand gerät, dann kann man dieses Medikament geben.
11:49Das sediert und hat natürlich auch Nebenwirkungen, also zum Beispiel Appetitsteigerung und dieses Gefühl von nicht mehr richtig in der
11:58Welt stehen,
11:59insbesondere wenn man das zu hoch dosiert. Das ist ein Medikament, was wir nie dauerhaft geben.
12:04Und P-Pamperon hat aus meiner Sicht keine Indikation für eine Langzeitbehandlung.
12:10Dieses, ich gebe euch was, damit ihr eure Kinder im Griff habt, egal warum das Kind aggressiv ist.
12:17Dann hat er halt ein Medikament eingesetzt, was ich aus der Psychiatrie kannte und sehr befremdlich fand,
12:24dass man das bei Kindern einsetzt, die eigentlich keine schwere psychiatrische Störung haben.
12:32Als wir Kiano kennenlernen, wissen wir schon, dass Michael Winterhoff häufig P-Pamperon verschreibt.
12:38Nach Sabine Reißpeters Aussage auch noch, als sie dem Kinderpsychiater von den Nebenwirkungen berichtet.
12:46Zwei Jahre lang P-Pamperon, das Neuroleptikum.
12:49Ja, keine Untersuchung, keine Blutuntersuchung, kein EEG, keine Nachsorge, irgendwas, was nirgendwo belangt.
12:56Dosierung auf Zuruf.
12:58Ja, eigenständig. Selber beobachten, selber einstellen.
13:04Michael Winterhoff behauptet, er habe unter anderem auf Wunsch der Mutter P-Pamperon verschrieben.
13:09Er habe sie darüber aufgeklärt, das Blutbild beim Hausarzt kontrollieren zu lassen.
13:15Kiano habe auch auf ihn einen sedierten Eindruck gemacht.
13:18Die Mutter habe das Medikament falsch dosiert, trotz seiner Aufklärung.
13:23Später habe er, Kiano, eine niedrigere Dosierung von P-Pamperon verordnet.
13:28Man muss davon ausgehen, dass diese Kinder ja dadurch sekundär geschädigt sind.
13:31Also, wenn der Junge beschreibt, was mit ihm angerichtet worden ist, dann ist das ja so ähnlich,
13:37als wenn man uns plötzlich eine Zwangsjacke anziehen würde.
13:40Und solche Kinder fühlen sich natürlich zu Recht beschädigt und haben auch zu Recht das Gefühl,
13:45dass etwas mit ihnen geschehen ist, was völlig ungerechtfertigt ist.
13:50Behandelt hat Michael Winterhoff die angebliche Symbiose zwischen Mutter und Sohn.
13:55Erstmals schaut Sabine Reis-Peters in ihre Krankenkassenabrechnung.
13:59Das ist merkwürdig. Dr. Winterhoff hat immer gesagt, du hast kein ADHS.
14:03Mein Sohn hat ja darum gebeten, dass er Probleme hat, sich zu konzentrieren.
14:07In seiner Klasse sind auch ADHS-Kinder, die Medikament bekommen, die damit klarkommen.
14:12Aber er hat die Piperon bekommen.
14:14Hier wird irgendwas abgerechnet, was nie diagnostiziert wurde, nie kommuniziert wurde,
14:18im Gegenteil negiert wurde. Und er wurde halt jahrelang mit einem anderen Zeug ruhig gestellt.
14:26Und mir fehlen eigentlich ein bisschen die Worte, muss ich ehrlich sagen.
14:31Der bekannte Kinderpsychiater hat nicht nur seine Praxis in Bonn.
14:35Er kooperiert mit vielen Heimen, bundesweit.
14:38Er gibt an, Kinder in 20 bis 30 Pflegefamilien und Einrichtungen der Jugendhilfe zu behandeln.
14:45Unserer Recherche nach muss er für hunderte Kinder zuständig sein.
14:49Er übernimmt die Medikation der Kinder und coacht das Team.
14:54Auch die Jugendhilfeeinrichtung HPW Dierdorf in Rheinland-Pfalz arbeitet mit ihm zusammen.
15:00Zweieinhalb Jahre hat Zoe dort gelebt.
15:02Heute habe ich immer noch schwer damit zu kämpfen, kann auch nicht richtig darüber reden.
15:09Und ich habe manchmal echt Angst, dass ich irgendwie nochmal dahin muss oder so.
15:12Und ich habe auch jeden Abend noch Albträume davon.
15:15Zoe kam in die Einrichtung mit zehn Jahren, wegen Trennungskonflikten zwischen den Eltern.
15:24Im Dezember 2017 ist Zoe in diese heilpädagogische Wohneinrichtung gekommen.
15:29Und wir hatten, ich glaube, im Februar dann einen Termin beim Dr. Winterhoff.
15:34Er hat gesagt, die Diagnose, die sie hat, die stimmt nicht.
15:38Er hat immer wieder dieses frühkindliche Narzissmus angeführt.
15:41Wir müssen was machen, sie muss emotional erreichbar sein.
15:45Dafür schlage ich so dieses Medikament vor.
15:48Ja, dem haben wir vertraut.
15:49Wir haben das natürlich auch unterschrieben, dass sie das nehmen darf.
15:52Und haben gedacht, unser Kind ist in guten Händen.
15:58Routinemäßig wurde Zoe in der Einrichtung mit Pipamperon versorgt.
16:03Morgens kommt jeder zum Essen.
16:04Und wenn Schule war, gab es immer verschiedene Gruppen, weil jeder eine andere Busfahrtzeit hatte.
16:09Und dann sind wir da hingegangen und dann mussten wir uns einen Becher voll Wasser machen.
16:14Und dann hatten die immer so Boxen für jeden.
16:16Und dann haben die die Medikamente rausgemacht.
16:18Und haben dann auch noch zugesehen, wie wir die nehmen.
16:21Und das war halt immer so. Jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend.
16:26In der Einrichtung sei ihr gesagt worden, dass das Medikament ihr helfen würde, im Alltag besser zurechtzukommen.
16:33Auch Zoe erlebt typische Nebenwirkungen von Pipamperon.
16:37Als ich da hinkam, war ich extrem dünn.
16:40Und dann wurde ich halt auch schnell dicker und habe viel zugenommen.
16:45Ich war oft müde dann auch.
16:47In der Schule war meine Motivation extrem wenig.
16:51Also ich war in der Schule meist so gar nicht aktiv da, weil ich extrem müde war.
16:57Ja, ich habe irgendwie immer ganz oft diese Mundwinkel nach unten bewegt.
17:02Also ich mache ich heute noch manchmal, aber anders.
17:04Dann mache ich eher so.
17:05Dann habe ich angefangen, immer mehr Fragen zu stellen und immer mehr zu hinterfragen.
17:10Was ist das, was mein Kind da bekommt?
17:11Kann das gefährlich sein?
17:12Warum kriegt sie das?
17:13Das ist einfach auch die Tatsache, dass mein Kind immer öfter Bauchschmerzen hatte, dass mein Kind immer krank war, dass
17:20es zugenommen hatte, dass es ihr einfach nicht gut geht.
17:23Aber die haben immer gesagt, ihr geht es gut, sie ist emotional erreichbar.
17:26Das Einzige, was war, sie war angepasst.
17:29Sie war angepasst, hat keine Widerworte gegeben.
17:31Und ich glaube, das ist einfach das, was sie damit erreichen wollten.
17:37Meine Art ist eher bei anderen Menschen lebendig, also ich rede eher viel.
17:43Und das hat denen halt nicht gepasst.
17:46Und deswegen durfte ich halt, haben die mir meine Anzahl von Sätzen und Fragen minimiert auf, ich glaube, es waren
17:53drei Stück am Tag.
17:54Drei Frage, drei Fragen und drei Sätze durfte ich zum Erwachsenen am Tag sagen.
18:00Die HPW Dierdorf stellt es in einem Schreiben an uns anders dar.
18:05Zoe selbst habe sich diese Regel der drei Fragen und Sätze für kurze Zeit auferlegt.
18:10Müdigkeit und Unwohlsein seien vorwiegend am Morgen beobachtet worden, wenn Zoe zur Schule gehen sollte.
18:16Insgesamt liege die Medikation in der Verantwortung des Arztes und nicht der Einrichtung.
18:22Soes Mutter recherchierte umfangreich zum Einsatz von Pipamperon und schrieb all ihre Befürchtungen auch dem Jugendamt.
18:29Doch die Kommunikation zwischen Kinderpsychiater, Einrichtung und Jugendamt schien einheitlich.
18:36Tanja Trees fühlte sich als Störenfried in diesem System.
18:40Alle, alle wollten, dass Zoe dieses Medikament bekommt, alle, außer ich.
18:47Und mir wurde sogar Kindeswohlgefährdung vorgeworfen, weil ich gesagt habe, ich möchte dieses Medikament nicht mehr für Zoe.
18:56Tanja Trees konnte sich gegen alle Widerstände für ihre Tochter einsetzen, sodass Pipamperon abgesetzt wurde.
19:02Heute lebt Zoe wieder mit ihrer Mutter zu Hause.
19:06Warum lag Tanja Trees kein Arztbericht mit Diagnose vor, während der Medikamentierung ihrer Tochter?
19:14Im vorliegenden Fall hat unser Mandant einen solchen nicht verfasst, da psychiatrische Diagnosen im Vergleich zu körperlichen Diagnosen deutlich schwieriger
19:23einzuordnen sind.
19:24Wir treffen eine Erzieherin, die jahrelang in verschiedenen Einrichtungen mit Michael Winterhoff zusammengearbeitet hat und noch immer in der Jugendhilfe
19:33tätig ist.
19:34Deshalb möchte sie nicht erkannt werden.
19:37Wie viele Kinder in den Einrichtungen, in denen sie gearbeitet haben, haben von Michael Winterhoff Psychopharmaka bekommen?
19:43Alle. Alle, das ist immer so. Fährst du zum Winterhoff, hast einen Narzissten und du kriegst Pipi mit nach Hause.
19:51Pipiperon?
19:51Ja, oder Pipamperon, je nachdem welcher Anbieter.
19:54Wenn die Kinder einschlafen oder so richtig müde werden, dann ist er mittlerweile so weit, dass er sagt, okay, dann
19:59geh mal ein bisschen zurück.
20:00Lass das mal dann auf dem Level, wo sie noch wach sind, ein paar Tage und dann gehst du bitte
20:04wieder auf die Enddosierung.
20:06Die Enddosierung ist so hoch, dass ich geschockt war, was die KJP, also Kinder-Jugend-Psychiatrien, an Notfallmedikamenten geben.
20:15Das ist eine Furz im Gegensatz zu dem, was der Winterhoff als regelmäßige Dosierung pro Tag gibt.
20:23Wenn man dann zu hoch ist oder zu lange das auch gibt, dann laufen die halt einfach rum wie so
20:28Roboter.
20:29Die machen das, was man will, dann ist es einfach.
20:38Im Herbst 04 wurde Benjamin zur Diagnostik bei Herrn Dr. Winterhoff von Bonn vorgestellt, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
20:45Psychotherapie.
20:47Dieser beschreibt bei Benjamin einen frühkindlichen Narzissmus.
20:50Und da habe ich schon gekriegt, drei Viertel Dippi Peron, nochmal drei Viertel Dippi Peron und eine halbe Dippi Peron,
20:57das spricht morgens, mittags, abends.
20:59Und für die weitere Woche war dann geplant, eine Dippi Peron morgens, eine mittags und eine halbe abends.
21:04Und überhaupt, was ist ein Narzissmusprogramm?
21:13Alle Kinder brauchen ein pädagogisches Programm, das nennt er auch Narzissmusprogramm.
21:20Wie grenze ich mich als Erwachsener gegenüber dem Kind ab, damit das dann diese Phase des Narzissmus endlich abschließen kann.
21:28Und wie sollten Sie sich laut Dr. Winterhoff den Kindern gegenüber verhalten?
21:32Ignorieren, ignorieren, hört das nicht auf, wortlos zum Tür rausschieben, in schlimmeren Fällen ab auf dein Zimmer oder nur noch
21:38Zimmer oder 15 Mal schreiben.
21:41Ich stelle nicht immer dieselben Fragen oder so, was man sich da ausdenken darf, das ist dann die pädagogische Freiheit.
21:48Diese Ratschläge gibt Michael Winterhoff auch in seinen Vorträgen.
21:52Man müsste sich angewöhnen, wenn das Kind etwas von mir will, zu verzögern.
21:56Das weiß ich, das Kind quatscht hier rein, 1, 2, 3, 4, kann dann sagen, Schluss jetzt oder geh auf
22:02dein Zimmer oder es ignorieren, das wäre völlig egal.
22:07An diesem Konzept, da sind schon viele dran kaputt gegangen, glaube ich, psychisch.
22:12Als 5-Jähriger wurde Benjamin aus seiner Familie genommen, weil diese sich nicht um ihn kümmern konnte.
22:18Von dieser Zeit an bis zu seinem 17. Lebensjahr behandelte ihn Michael Winterhoff.
22:24Der Kinderpsychiater begann Benjamins Medikamentierung mit Pipamperon 2004 im Alter von 7 Jahren.
22:3210 Jahre lang.
22:36Michael Winterhoff schreibt uns, dass erst der Einsatz dieses Medikaments eine heilpädagogische Behandlung möglich mache.
22:43Es würde auch als Langzeittherapie empfohlen.
22:47Wir waren mal beim Herrn Dr. Winterhoff. Ich war einmal im Halbjahr dort.
22:51Wir wurden mit einem Bus neun Kinder abgeholt und sind nach Bonn gefahren.
23:02Es ist dann so, dass man erst nach unten in die Keller geräumen muss.
23:06Da wurde ein IQ-Test durchgeführt.
23:11Dann ging es danach zu meinem Winterhoff, im Erdgeschoss, in den Raum.
23:18Ich kann mich immer gut erinnern, es wurde nach einem Namen gefragt.
23:21Er hat ein paar Fragen gestellt nach Alter.
23:24Er hatte ein relativ schnelles Bild nach 5 Minuten.
23:27Du bist ein Narzisst.
23:30Und das ist halt schade, dass man als 6- oder 7-Jähriger oder 8-Jähriger direkt sagt,
23:37du bist ein Narzisst und wir geben dir jetzt diese krassen Medikamente.
23:43Erst nach dem Einrichtungswechsel 2014 konnte Benjamin die Medikamente absetzen.
23:49Sein neuer Heimleiter hielt zu ihm.
23:57Danach ging es aufwärts.
24:00Benjamin machte eine Ausbildung und den Führerschein.
24:03Er nimmt keine Psychopharmaka mehr.
24:11Ich habe im Endeffekt gemerkt, ich bin wesentlich ausgeglichener.
24:14Ich komme wesentlich besser mit Gefühlen, mit neuen Situationen klar.
24:20Ich fühle mich nicht so künstlich aufgepumpt, aufgebläht.
24:26Nur die Müdigkeit, die ist immer noch da.
24:29Ich kriege kaum in 8 Stunden Tag durchgehalten.
24:33Ich habe manchmal abends Zuckung in den Beinen.
24:37Unkontrolliert.
24:38Und das heißt, wo die Beine halt einfach zittern.
24:42Oder die Füße.
24:50Das ist eine verlorene Kindheit.
24:52Das sind Jahre, die wir denen klauen.
24:54Die wir in Watte packen und nicht teilhaben können hier an dem Leben.
24:58So wie wir es machen.
24:59So mit Gefühlen, mit rauf und runter.
25:02Wir sind ja so ein bisschen alle auf Null.
25:07Ich treffe jetzt auf Kinder, die ich damals begleitet habe.
25:11Und auch dahin gebracht habe.
25:12Die sich bitterlich beschweren und körperliche Probleme haben.
25:17Ihr kommt zu spät, Leute.
25:18Ihr kommt Jahre zu spät.
25:21Es sind schon zu viele Kinder betroffen.
25:27Im rheinland-pfälzischen Blasweiler
25:30gibt es eine Wohngruppe des kleinen Mucks e.V.
25:33von Michael Winterhoff mitgegründet.
25:38Im Alter von 6 Jahren kam Jana Stevens.
25:41Nicht wegen psychischer Auffälligkeiten hierher.
25:44Sondern weil ihr alleinerziehender Vater krank war.
25:49Ich sehe mich als 6-jähriges Kind.
25:52Weil ich die kleinen Kinder auch gerade am Fenster gucken sehe.
25:56Und mich da tatsächlich sehe.
26:03In dem Heim selber war es dann so,
26:06dass Dr. Winterhoff alle 3 Monate gekommen ist.
26:09Das war damals bei uns im Klavierraum, wo er dann saß.
26:13Und wir mussten rein.
26:15Er hat uns gefragt, wie es uns geht.
26:17Und dann war es das.
26:19Michael Winterhoff führt seine Patientenakten handschriftlich.
26:24Sein 1. Eintrag über Jana im Januar 2008.
26:29Angepasste 6-Jährige.
26:33Einen Monat später, ohne Gründe.
26:35Der Anfang mit die Piparon.
26:37Verteilt morgens, mittags, abends.
26:4020 ml am Tag.
26:42Wirkt müde, gedämpft,
26:45hält eine Therapeutin seiner Praxis später über Jana fest.
26:48Trotzdem reduzierte Michael Winterhoff die Medikamente nicht.
26:54Uns wurde das Medikament gegeben.
26:56Ein Arzt hat das verschrieben.
26:58Und wenn ein Arzt das verschreibt,
27:00dann hinterfragt man nicht.
27:02Nach einem Wochenendbesuch
27:04schreibt Jana Stevens Großmutter
27:06einen Brief an die Einrichtung kleiner Muck.
27:10Jana war schon beim Spaziergang sehr ruhig
27:13und sagte, sie wäre müde.
27:14Sie wurde blasse und verdrehte die Augen.
27:16Soweit ich informiert bin,
27:18bekommt Jana die Piparon.
27:19Und meiner Meinung nach
27:20könnte das vielleicht eine Nebenwirkung des Medikaments sein.
27:23Es wäre für mich sehr wichtig,
27:25wenn sie den Arzt um Rat fragen.
27:29Michael Winterhoff gibt hierzu an,
27:31dass keine Auffälligkeiten festgestellt wurden.
27:35Es wird mich nie in Ruhe lassen.
27:38Das ist eben auch das Gesundheitliche.
27:41Wer weiß, was in den nächsten Jahren kommt,
27:43das weiß man nicht.
27:45Jana Stevens sammelt alle Belege.
27:47Wer wusste Bescheid,
27:48was in der Einrichtung kleiner Muck mit ihr passiert ist?
27:51Der Schock wartet noch auf sie,
27:53als sie auf ihren ehemaligen Vormund trifft.
27:56Dieser bestätigt ihr,
27:57dass Kinderpsychiater Michael Winterhoff
27:59ihn nicht darüber informiert hatte,
28:01dass Jana jahrelang Psychopharmaka bekommen hat.
28:04Das Jugendamt schreibt uns,
28:07Im Rahmen eines Termins zur Akteneinsicht
28:09erfuhr das Kreisjugendamt erstmals von Frau Stevens,
28:12dass sie während der Unterbringung in der Einrichtung
28:14regelmäßig Medikamente in Form von Neuroleptika erhalten hätte.
28:18Aus der Akte geht hervor,
28:20dass das Kreisjugendamt zum Zeitpunkt der Unterbringung
28:23hierüber nicht informiert war.
28:29Allerdings juristisch will der ehemalige Vormund
28:32Jana Stevens nicht beistehen.
28:34Sie sei ja jetzt volljährig.
28:36Ich würde wirklich sehr gerne gerichtlich gegen ihn vorgehen.
28:42Dafür fehlen mir aber die finanziellen Mittel.
28:44Ich habe keine finanziellen Mittel dafür.
28:46Ich würde sofort gegen ihn rechtlich angehen.
28:50Sofort.
28:52Fachleute halten das Vorgehen des Kinderpsychiaters für unzulässig.
28:56Jede medikamentöse Behandlung ohne Einwilligung der Betroffenen,
28:59also sowohl der Kinder als auch der Sorgeberechtigten, ist strafbar.
29:05Es muss auch in Winterhoff klar sein,
29:07dass das juristische Konsequenzen hat, das so zu machen.
29:12Michael Winterhoff teilt mit,
29:14er habe die medikamentöse Behandlung nicht wissentlich
29:17ohne Einwilligung der Sorgeberechtigten vorgenommen.
29:22Wer Michael Winterhoff Widerstand leistet,
29:25der macht Erfahrungen mit seinem Einfluss in der Jugendhilfe.
29:29Wir hören die Geschichte von zwei Kindern,
29:31die mit Einwilligung der Eltern
29:33in einer Einrichtung in Bonn-Wachtberg untergebracht sind.
29:37Meine Tochter ist neun und mein Sohn, der ist 13 jetzt geworden.
29:44Und meine Tochter ist fidel, aufgeweckt, schlagfertig.
29:52Und mein Sohn, krasse Gegenteil.
29:55Ruhig, zurückhaltend.
29:57Wenn andere kommen oder so, dann zieht er sich zurück.
30:02Als wir anfangen zu drehen, bekommen beide Kinder bereits seit mehr als drei Jahren
30:06in der Einrichtung Pipamperon, verschrieben von Michael Winterhoff.
30:11Um die Medikamentierung zu verhindern, ging Petra S. 2017 sogar juristisch vor.
30:16Ja, ich wollte das nicht. Ich wollte nicht, dass die Kinder sowas kriegen.
30:22Ich habe mit Lahn gelegt.
30:24Anfangs waren die immer müde.
30:26Also, die sind im Sitzen eingeschlafen.
30:29Meine Nachbarn haben mich gefragt, so, was mit meinen Kindern wäre.
30:34Die würden so rumlaufen wie Roboter.
30:38Diese Aussagen über die Kinder weist Michael Winterhoff zurück.
30:42Aber die Grundschule bestätigt uns, dass eines der Kinder immer wieder durch sehr starke Müdigkeit aufgefallen sei.
30:51Patrick Peters war damals der Anwalt von Petra S.
30:54Ihn verwunderte von Anfang an, dass die Kinder erst wenige Monate in der Einrichtung waren,
30:59als dort schon über das Neuroleptikum gesprochen wurde.
31:02Zu dem Zeitpunkt lagen der Mutter noch keine Diagnosen von Michael Winterhoff vor.
31:08Wirkliches Misstrauen am Zusammenspiel von der Einrichtung und Herrn Dr. Winterhoff hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht.
31:15Los ging das Ganze erst dann, als die Mutter gesagt hat, nein, ich bin mit diesem Medikament nicht einverstanden.
31:24Weil die Mutter sich gegen die Medikamentierung ihrer Kinder ausspricht,
31:28schickt Michael Winterhoff dem Jugendamt einen vertraulichen Arztbericht.
31:32Darin eine Empfehlung.
31:35Da die Mutter hiermit nicht einverstanden ist, ohne überhaupt bereit zu sein, sich hier fachärztlich beraten zu lassen,
31:42empfehle ich den Entzug der elterlichen Sorge und die Übertragung des Sorgerechts auf einen Vormund.
31:48Es kommt zu einem familiengerichtlichen Verfahren am Amtsgericht.
31:52Uns liegt das Gerichtsprotokoll vor.
31:55Auch Michael Winterhoff wird als Zeuge gehört und erklärt vor Gericht.
32:01Ohne Medikamente bzw. ohne das Pipamperon sind die Störungen beider Kinder nicht behebbar.
32:11Alternative Behandlungsmethoden kommen aus meiner fachärztlichen Sicht nicht in Frage.
32:17Das hat dann dazu geführt, dass das Familiengericht der Ansicht von Herrn Dr. Winterhoff gefolgt ist,
32:23die Gesundheitsfürsorge auf den Vater, der zu dem Zeitpunkt mit der Medikamentierung einverstanden ist, übertragen hat.
32:30Und auch das Oberlandesgericht nach einer langen mündlichen Verhandlung diese Auffassung bestätigt hat.
32:40Ja, ich finde es schon erschreckend, wie ein einzelner Arzt mit einer Auffassung,
32:45die ich nach meiner Recherche in keinem anderen Fall bestätigt gefunden habe,
32:53ein ganzes System überzeugen kann.
32:55Er konnte das Jugendamt überzeugen, er konnte das Heim überzeugen,
33:00er konnte letztlich auch das Familiengericht überzeugen.
33:03Und niemand hat sich die Mühe gemacht, das wirklich mal zu hinterfragen,
33:08warum man so ein Beruhigungsmittel, ein Neuroleptikum bei kleinen Kindern einsetzen kann.
33:15Und das über Jahre hinweg.
33:17Im Anwaltsschreiben lässt Michael Winterhoff gleich zu Anfang klarstellen.
33:22Unser Mandant weist ausdrücklich darauf hin, dass der Einsatz von Pipamperon bei Kindern unbedenklich ist,
33:28solange die Behandlung kinderpsychiatrisch kontrolliert wird.
33:32Die Einrichtung reagiert auf unsere Fragen nicht.
33:35Noch immer ist Michael Winterhoff hier ärztlich beratend tätig.
33:42Ich weise die Reisen aus ganz Deutschland an.
33:45Die Einrichtungen, die sagen, wir haben keinen Therapeuten, der bietet's an.
33:49Cool, einmal fahren, alle Kinder, ratz, ratz, ratz, ratz, ratz.
33:53Und dann macht man einen kleinen Bericht fürs Jugendamt und alle sind zufrieden, super.
34:00Es ist einfach alles so eine Schablone.
34:02Es wird drübergelegt, es wird alles gleich behandelt.
34:05Und es wird ja auch nicht wirklich mal geguckt, oh, das kriegt ja schon seit drei Jahren Dippi.
34:09Man sollte es vielleicht mal ausschleichen. Mal gucken, was ist denn noch da an Persönlichkeit.
34:14Karin Stab ist gerichtlich bestellte Vormünderin und hat die volle Gegenwehr des Arztes auch schon erlebt.
34:20Sie hat seit Jahren das Sorgerecht für ein Mädchen, das auch in einer Einrichtung des kleinen Mucks lebte.
34:27Anna, wie wir sie nennen, bekam fünf Jahre lang Pipamperon.
34:31Michael Winterhoff begründet dies mit ihren angeblichen Wutanfällen.
34:37Mein Mündel hat dieses Medikament fünf Jahre in unveränderter Dosierung bekommen.
34:43Das heißt, in fünf Jahren wurde nicht ein einziger Versuch unternommen, dieses Medikament nur mal zu reduzieren.
34:512020 erhält Karin Stab einen Hinweis.
34:54Als die Schulleitung mich dann mal ansprach, ich sollte die Dosierung mal im Auge behalten,
35:01die Schule hatte den Eindruck, dass eben mein Mündelkind schon sediert wirkte,
35:07bin ich also dann ganz mit großen Schritten an eine Einholung einer Zweitmeinung gegangen,
35:15weil ich dachte, jetzt musst du eben handeln.
35:18Den geplanten Arztwechsel lässt Michael Winterhoff nicht unkommentiert.
35:22Er schaltet eine Anwaltskanzlei ein.
35:24Und schickt über diese Meldungen an Amtsgericht und Jugendamt.
35:28Wegen Kindeswohlgefährdung durch die Vormünderin.
35:33Es wurde ja auch ganz klar geschrieben, ich sollte mit sofortiger Wirkung entpflichtet werden.
35:41Man sah Gefahr im Verzug, man sah pflichtwidriges Handeln, man sah den bisherigen Behandlungserfolg als gefährdet durch meine Intention der
35:55Einholung einer Zweitmeinung.
35:58Doch Karin Stab bekommt Rückendeckung von Amtsgericht und Jugendamt und lässt sich nicht einschüchtern.
36:04Sie stellt Anna in der DRK-Fachklinik Bad Neuenahr vor.
36:11Wir haben hier bei uns so in der kurzen Zeit eigentlich keine schwerwiegende psychiatrische Störung feststellen können.
36:20Eine Medikation über fünf Jahre zu geben, wenn keine Gründe erkennbar sind, überhaupt ein Medikament zu geben, das ist sicherlich
36:31nicht das, was ein Kinder- und Jugendpsychiater, der nach einem wissenschaftlich begründeten Standard arbeitet, tut.
36:41Doch seinen Erfolg in der Öffentlichkeit hat all dies nicht schmälern können.
36:46Der Kinderpsychiater ist gut vernetzt und füllt Vortragssäle. Offenbar trifft er einen gesellschaftlichen Nerv.
36:53Das Kind wird aufgewertet schon zum kleinen Erwachsenen.
36:58Von daher können Sie sich schon ausrechnen, dass allein bei der Verschiebung, dass Kinder nicht mehr als Kinder gesehen werden,
37:05sondern wie kleine Erwachsene der Narzissmus, die Narzissmusanteile enorm steigen müssen.
37:16Das Zeitgeistverhalten ist eher, wir brauchen ein Verständnis für unsere Kinder, wir müssen unseren Kindern liebevoll begegnen.
37:22Und wenn dann einer kommt und sagt, hey, das ist doch ganz anders, die sind doch eigentlich alle tyrannisch, dann
37:26muss sich kein Elternteil mehr anstrengen.
37:28Dann kann man das alles auf den Kindern abladen und das ist erleichternd.
37:32Bei Michael Winterhoff sind weitere ungewöhnliche Behandlungsmethoden aufgefallen.
37:38Für die betroffenen Patienten ist es schwierig, darüber zu sprechen.
37:42Zwei wagen den Schritt vor die Kamera. Sie waren damals 10 und 13 Jahre alt.
37:52Ich bin mir sehr bewusst, dass nach so einer Reportage viel auf mich zukommen kann und bin dennoch der Meinung,
38:04dass ich das tun muss für mich selbst, aber eben auch für die Kinder.
38:10Ja, letztendlich ging es um eine Sache und das ist ein ganz klares Machtgefälle, von oben nach unten.
38:21Man muss eigentlich vor dem Schlüsselmoment eben auch sagen, dass er mir dann eigentlich immer wieder vermittelt hat, dass, und
38:27diese Worte sind öfter gefallen, dass ich das schwarze Schaf wäre, dass ich mich ändern müsste.
38:33Wenn ich mich nicht ändern würde, dann müsste ich aus der Familie raus, dann müsste man dafür sorgen, dass ich
38:41da keinem mehr schaden kann in der Familie.
38:44Ich kann mich an diesen Mann lächelnd nicht erinnern. Die erste Erinnerung ist, dass ich falsch bin, so wie ich
38:51bin und das Glück meiner Familie zerstöre, wenn ich so bin, wie ich bin, weil ich nur Probleme mache.
38:59Die zweite Interaktion, die ich mit ihm hatte, war, dass ich in seinen Raum reingekommen bin und er mich anguckt
39:10und sagt, zieh die Hose aus.
39:12Und da gab es null Erklärung für und dann habe ich die Hose runtergezogen bis zu den Schienenbeinen und dann
39:22sollte ich mich auf seine Liege legen und dann hat er mein Genital in die Hand genommen und manipuliert, daran
39:31rumgezogen und mir die ganze Zeit dabei ins Gesicht geschaut, bis ich dann mal irgendwann weggeschaut habe.
39:37Und irgendwann war es dann wohl gut und ich durfte mich wieder anziehen und das waren alle Konversationen, die ich
39:44mit Michael Winterhoff jemals hatte.
39:56Dann fing es eben an, dass ich mich auf eine Liege legen musste in diesem Raum und er sich daneben
40:04die Liege eben gestellt hat und mir dann eben die Unterhose bis zu den Knien untergezogen hat.
40:12Ja, und mich dann eben angefasst hat irgendwie zu Untersuchungszwecken.
40:21Aber für mich war es eben eine sehr unangenehme, schambehaftete Situation, eine Situation, die einfach wirklich für die nächsten zehn
40:35Jahre dafür gesorgt hat, dass ich Probleme mit Körperkontakt hatte,
40:39Problem mit Nacktheit persönlich hatte, ja, es hat auf jeden Fall für eine lange Zeit da so einiges zerstört einfach.
40:55Wir bitten um eine Einordnung von Michael Winterhoff. Der Kinderpsychiater schreibt, dass eine vollständige körperliche Untersuchung der Kinder für ihn
41:03Standard war.
41:05Um gravierende Erkrankungen wie Herzfehler, Hirntumore, Hodenfehlstellungen auszuschließen.
41:11Und weiter schreibt er.
41:14Daher gehört zu einer vollständigen körperlichen Untersuchung eine kurze Inspektion des Genitals.
41:21Einschüchternd und grenzverletzend seien diese Untersuchungen nicht gewesen, so Michael Winterhoff.
41:27Christian hat sich dem Kinderpsychiater Dietmar Fernholz anvertraut.
41:31Wir sprechen mit mehreren Fachleuten über die Angemessenheit solcher Untersuchungen.
41:38Was mir berichtet wurde von Kindern, die erwarteten immer eine körperliche Untersuchung.
41:47Und erzählten dann so nebenbei, dass sie sich entkleiden mussten und dass es auch eine Inspektion und Untersuchung des Genitalbereichs
41:55gab und des analen Bereichs.
41:56Es waren nicht viele, aber es waren einige.
41:59Dazu muss ich sagen, das ist in der Kinderheilkunde üblich bei entsprechender Fragestellung, Hodenhochstand.
42:05Aber in unserem Fachbereich fand ich das mehr als befremdlich.
42:11Ich kenne Jungen, die halt eben dann berichtet haben, dass sie dann alleine in einem Untersuchungsraum gewesen sind mit ihm.
42:19Und das macht natürlich Kindern Angst. Vollkommen klar, wenn die sich dann ausziehen müssen.
42:26Ohne dass da zum Beispiel noch eine Begleitperson da war.
42:30Also mir haben die Kinder gesagt, dass sie da alleine gewesen wären auch.
42:33So geht man mit Menschen nicht um.
42:37Und gleichzeitig war halt der Kollege allüberall präsent in den Medien mit diesem Ansatz, ich weiß gar nicht, wie ich
42:51das nennen soll, Willenbrechen von Kindern.
43:05Ich bin traurig und wütend zugleich, einfach aus dem Grund, weil ich nicht verstehe,
43:11warum er immer noch deutschlandweit mittlerweile ja auch als mitbester Kinderpsychiater hingestellt wird, zu Interviews eingeladen wird.
43:21Ich habe mir das ja auch selber angeguckt.
43:23Und ich verstehe nicht, wie er mit dem Ganzen noch durchkommt.
43:28Und ich weiß nicht.
43:31I don't know.
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