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00:00In this film, it's about chemicals. Some say, we are all with it.
00:07It's about PFAS.
00:10It's about thousands of everyday products like Pfannen,
00:14Cosmetic, Backpapier, Kunstrasen.
00:18An PFAS are already changed.
00:20This is Crescent.
00:21And for people, they are also dangerous.
00:27When it's done, it's done, until it's under the earth.
00:42We are on the way to a place.
00:46Altötting in Bayern.
00:49The people, who live here, do not spend any blood plasma on others.
00:53Because their blood is contaminated.
00:57Grund are chemicals, with which we are daily in touch with.
01:02And they are produced in this factory.
01:05Their name is PFAS.
01:08PFAS.
01:10PFAS.
01:11That's for Per- and Polyfluorierte Alkyl-Verbindungen.
01:18PFAS.
01:19PFAS steht nicht für eine einzelne Chemikalie, sondern eine Stoffgruppe.
01:224.000 bis 8.000 chemische Verbindungen.
01:25Durch PFAS entsteht eine fantastische Eigenschaft.
01:28Der Antihaft-Effekt.
01:30Man kennt sie unter bekannten Markennamen wie Teflon oder Gore-Tex.
01:34PFAS stecken in Outdoor-Kleidung.
01:37In Backpapier.
01:39Zahnseide.
01:41Solarzellen.
01:43Computerchips.
01:45Und in Pfannen.
01:47In Tausenden-Anwendungen.
01:51Aber aus dieser Fabrik sind sie auch in den Boden und ins Grundwasser gelangt.
01:57Sie landeten dann auch im Trinkwasser.
01:59Und kamen so wohl ins Blut der Menschen.
02:04Noch schlimmer erging es Rolf Hengel.
02:071981 hatte er in der Fabrik einen Job als Chemiker angetreten.
02:11Wie ist das denn mit PFAS?
02:14Hatten Sie direkt Kontakt?
02:16Also wie kann ich mir das vorstellen?
02:18Ich hatte ja direkt Kontakt.
02:20Ich meine, das ist, man darf es eigentlich nicht laut sagen, aber das ist ein Teil vom Betrieb.
02:26Da ist das von der Decke runter getropft.
02:30Es war letztendlich überall, also man hatte irgendwo direkten Körperkontakt damit.
02:37Seitdem hat er viel PFAS im Blut und wurde krank.
02:40Wie auch manch andere Mitarbeiter.
02:43Bei ihm Hodenkrebs.
02:48Naja, das war ein Trauma.
02:54Und damals habe ich ja auch noch über die Krankheit und Behandlung und so weiter nichts gewusst.
03:02Und ja gut, also man kommt dann gar nicht mehr viel zum Nachdenken.
03:08Weil wenn das festgestellt ist, dann ist man ein paar Tage später im Krankenhaus operiert.
03:16Hodenkrebs wird in der Forschung mit PFAS in Verbindung gebracht.
03:20Der Betreiber der Fabrik 3M Dynion antwortet auf unsere Anfrage,
03:25die Summe wissenschaftlicher Erkenntnisse liefert keinen Nachweis dafür,
03:28dass PFOA bei den Mengen, die in oder in der Nähe des Chemieparks auftreten,
03:32ein Risiko für Hodenkrebs darstellt.
03:36Außerdem habe man in eine sichere Trinkwasserversorgung investiert.
03:40Das letzte stimmt.
03:42Inzwischen ist das Trinkwasser gefiltert, also sauber.
03:45Der Boden aber nicht.
03:46Die Europäische Umweltagentur bringt PFAS mit folgenden Krankheiten in Verbindung.
03:53Nierenkrebs, erhöhter Cholesterinspiegel, Leberschäden, Schilddrüsenerkrankungen, Hodenkrebs,
04:01verringerte Reaktion auf Impfungen, geringes Geburtsgewicht bei Babys.
04:10Was wichtig ist, man wird nicht krank, wenn man eine Antihaftpfanne benutzt.
04:14Die Probleme liegen bei der Herstellung und bei der Entsorgung.
04:20Kann ich darüber auch etwas abbekommen haben?
04:23Schließlich habe ich nie neben einer Fabrik gewohnt.
04:27Für diesen Film lasse ich mein Blut auf PFAS untersuchen.
04:32Wie viel ist drin? Und ist das ein Grund zur Sorge?
04:35Das Blut wird in ein Labor geschickt.
04:39Das Ergebnis werde ich erst ein paar Tage später bekommen.
04:45Die Politik nimmt das Problem jedenfalls ernst.
04:48Auf EU-Ebene wird ein Verbot aller PFAS-Chemikalien geprüft.
04:51Wir sind auf dem Weg zu einer Firma, die mit PFAS produziert, also das Verbot unbedingt verhindern will.
04:57Die Firma Weilburger in Hessen. Sie stellt mit PFAS den Antihaftlack für Bratpfanne her.
05:04Die Chefs halten das Risiko von PFAS für beherrschbar.
05:08Das ist jetzt eine flüssige Deckschicht. Und das gibt nachher die Antihaft-Nutzschicht.
05:15Also das ist das, womit so eine Teflonpfanne beschichtet wird?
05:19Ja. Okay.
05:21Für diese Antihaftbeschichtung braucht Weilburger PFAS.
05:26Das wäre jetzt das Rohmaterial dafür.
05:29Das sind sozusagen diese PFAS, ne?
05:31Genau.
05:32Aber darum geht quasi dieser Streit gerade, ne? Soll sowas weiter erlaubt sein?
05:36Das ist meine Meinung, ja. Einfach weil es sicher im Gebrauch ist.
05:42Und auch die Probleme, die es natürlich gibt mit der Entsorgung, lösbar sind.
05:49Es gibt 4.000 bis 8.000 verschiedene PFAS. Viele davon seien sicher. Das ist das Standardargument der Hersteller.
05:57Auch Teflonproduzent Chemors argumentiert ähnlich. Aber stimmt es?
06:04In Produkten wie Pfannen wird eine Untergruppe der PFAS eingesetzt, die sogenannten Polymere.
06:10Beim Braten bleiben die in der Pfanne. Hier besteht keine Gefahr.
06:13Aber man muss sich den gesamten Lebenszyklus der Pfanne angucken.
06:17Denn bei der Herstellung der Chemikalien für die Pfanne in der Fabrik werden gefährliche PFAS eingesetzt.
06:23In der Vergangenheit sind die immer wieder ins Wasser gelangt oder haben sich durch die Luft verbreitet.
06:30Ein weiteres Problem, die Entsorgung.
06:33Studien zeigen, dass auch in Müllverbrennungsanlagen in der Asche oder Schlacke PFAS verbleiben, die schädlich sein können.
06:43Diese Gefahren seien jedoch beherrschbar, behauptet der Hersteller.
06:47Man spricht von einem nicht zu handhabenden Risiko für die Umwelt. Das gilt auf die Polymere nicht.
06:56Aber warum?
06:58Da die Polymere keine dieser gefährlichen Eigenschaften zeigen.
07:02Aber man braucht doch die anderen, die mit den negativen Eigenschaften, um die Polymere herzustellen.
07:07Zum Teil. Es gibt aber schon Entwicklungen.
07:11Aber noch nicht industriereif für die Große?
07:14Zurzeit noch nicht.
07:16Gibt es sie noch nicht?
07:17Nächstes Jahr? Es gibt die Verfahren, es gibt die Polymere.
07:24Aber sie sind noch nicht einsatzbereit?
07:26Das sind wir gerade am Prüfen.
07:29Gut, aber das heißt, Sie argumentieren mit einer Technik, die es noch nicht gibt?
07:35Marktreif?
07:35Ja.
07:36Und was ist mit dem Problem der Entsorgung?
07:39Bei diesem Thema ist der PFAS-Produzent überraschend ehrlich.
07:43Da haben die Recycling-Unternehmen und auch die Industrie und auch der Gesetzgeber bisher geschlafen,
07:54dass sie gesagt haben, da gibt es keinen Handlungsbedarf.
07:59Was wirklich unglaublich ist, in den USA sind die Gefahren seit langem bekannt.
08:04Auch hier versuchte die Industrie, sie zu verheimlichen.
08:07Inzwischen hat Hollywood das dramatisch und facettenreich verfilmt.
08:11Das sind Chemikalien, ich sag's Ihnen.
08:13Ich bin auf Dinge gestoßen, die ich nicht verstehe. Da ist irgendetwas richtig faul.
08:17Diese Chemikalie, was würde passieren, wenn man die trinkt?
08:20Es trinken? Das ist, als würde man eine Hand voll Nägel schlucken.
08:24Also woran sterben diese Kühe?
08:26Es ist das Trinkwasser.
08:32Das hier ist die Chemiefirma aus dem Film.
08:35Dupont, der US-Konzern, der Teflon patentierte und hier produziert hat.
08:40Wir sind verabredet mit dem Mann, dessen Kampf gegen Dupont verfilmt wurde.
08:45Und der aufgedeckt hat, wie schädlich PFAS sind.
08:49Rob Billet.
08:52Hello.
08:53Hello. Nice to meet you and thank you for your time.
08:56Vor gut 20 Jahren kam ein Farmer zu Rob Billet.
08:59Er brachte Videos mit.
09:02Das hier sind die Originalaufnahmen von damals.
09:04Direkt neben seiner Farm leitete der Teflonhersteller Dupont
09:08sein Abwasser in einen Bach.
09:10Die Kühe des Farmers starben auf unerklärliche Weise.
09:17Das Kalb ist elendig gestorben. Das Wasser ist schuld daran.
09:27Das ist das 107. Kalb, das hier so verendet ist.
09:31Ich habe sie alle verbrannt.
09:47Die haben mir mitgeteilt, sie hätten schon damit losgelegt,
09:49herauszufinden, was mit den Kühen los ist.
09:52Dafür haben sie ein Team mit Wissenschaftlern zusammengestellt.
09:56Dieses Team aus sechs Top-Tierärzten sollte herkommen,
09:59alles untersuchen und herausfinden, was mit diesen Kühen passiert.
10:03Damals dachte ich, das klingt großartig.
10:06Immerhin war Dupont eines der größten
10:08und fortschrittlichsten Unternehmen weltweit.
10:11Es kam also dieses Team, um herauszufinden,
10:14was mit den Kühen passiert ist.
10:15Das Team zog los, schaute sich vor Ort um,
10:18kam zurück und gab einen Bericht heraus,
10:20der im Wesentlichen besagt,
10:22wir haben keine chemischen Ursachen gefunden.
10:25Es muss daran liegen, dass Mr. Tennant und seine Familie
10:28einfach nicht wissen, wie man Kühe züchtet.
10:30Oder schlimmer, dass sie ihre Tiere misshandeln.
10:33Ich sah diesen Bericht,
10:34aber er stimmte überhaupt nicht mit dem überein,
10:37was ich auf dem Bauernhof gesehen hatte.
10:39Das war der Moment, in dem ich anfing, misstrauisch zu werden.
10:46Ab dann verbissbillet sich in den Fall
10:48und wollte alles über die Chemikalien wissen,
10:50die dort im Wasser landeten.
10:52Wie er das tat, sieht man an seinem Arbeitszimmer.
10:55Das ist der Raum, in dem alle Schlüsseldokumente sind,
10:59die wir in den letzten 22 Jahren gesammelt haben,
11:02während unseres Rechtsstreits gegen Dupont und 3M.
11:07Er forderte Dokumente von den Chemiekonzernen Dupont und 3M an
11:11und stieß darin auf den Namen einer Chemikalie.
11:15PFOA.
11:16PFOA, ein Stoff aus der PFAS-Gruppe.
11:19Der wurde in der Fabrik hergestellt.
11:21Dupont hatte die Chemikalie ins Abwasser gelassen.
11:25Den Boden, das Wasser, kontaminiert.
11:28Im ganzen Ort wurden Menschen krank.
11:33Und das hier ist die Kuhfarm heute.
11:36Verlassene und verseucht.
11:37Der Farmer und seine Frau starben an Krebs.
11:43Das ist ja das Haus, wo Wilbert Tennant gelebt hat.
11:47Das hier ist tatsächlich noch seine alte Wasserpumpe.
11:50Das Wasser, das die halt auch getrunken haben.
11:53Seine Frau und er und seine Kinder.
11:58Und was auf jeden Fall sein Teil wohl dazu beigetragen hat,
12:02dass sie krank geworden sind und gestorben.
12:08Und intern wussten die Chemiefirmen da wohl schon seit vielen Jahren,
12:13wie gefährlich PFOA ist.
12:22Viele verschiedene Tiere wurden untersucht.
12:25Mäuse, Ratten, Kaninchen, Affen, Beagles.
12:28Und man sah toxische Wirkungen bei mehreren Tierarten.
12:32Verschiedene Organsysteme waren betroffen.
12:36Aber leider waren es meist interne Studien,
12:39die von diesen Unternehmen durchgeführt wurden.
12:41Sie wurden leider nicht an die Regierungsbehörden weitergegeben,
12:44nicht an die Öffentlichkeit oder an Personen,
12:46die möglicherweise den Chemikalien ausgesetzt waren
12:49durch Verbraucherprodukte.
12:51Es kam erst Jahre später durch Gerichtsprozesse raus.
12:57Im Prozess deckte Billet auf, wie gefährlich PFOA ist.
13:01Es war wohl etwa der Grund,
13:03warum Kinder von Arbeiterinnen mit Fehlbildungen zur Welt kamen.
13:12Am Ende wurde PFOA verboten.
13:15Also alles gut?
13:16Naja.
13:18PFOA war nur einer von 4.000 bis 8.000 PFAS-Stoffen.
13:23Es hat 20 Jahre gedauert, um nur eine von ihnen zu verbieten.
13:27Die Menschen erkannten allmählich,
13:29dass das nicht die einzige da draußen war.
13:32Die Konzerne begannen,
13:33diese sicheren Ersatzchemikalien einzuführen.
13:36Einer dieser Ersatzstoffe wird in einer anderen Gegend in den USA
13:40in dieser Fabrik in North Carolina hergestellt.
13:43Man nennt dieses PFAS Gen X.
13:47Wir sind verabredet mit Mike Waters.
13:49Er wohnt zwei Kilometer von der Chemiefabrik entfernt.
13:52Und er hat Angst vor ihr.
14:01Mike ist Hundefan.
14:03Aber seine drei kleinen Hunde dürfen meistens nur drinnen sein.
14:06Drinnen spielen, drinnen essen.
14:09Wasser gibt er ihnen nur aus der Flasche.
14:11Denn das Trinkwasser ist mit Gen X verseucht.
14:15Sie gehen sogar drinnen aufs Hundeklo.
14:19Denn Mike Waters hat Angst um sie wegen der Chemiefabrik.
14:24Er hatte schon mal Hunde.
14:26Drei Huskys.
14:28Aber sie alle sind innerhalb kurzer Zeit verstorben.
14:30Sie tranken Wasser, in dem Gen X war.
14:33Hatten viele PFAS im Körper.
14:35Einer der drei namens Cesar hatte eine Marotte.
14:42Von allen Hunden mochte er es am liebsten, draußen zu sein, wenn es regnete.
14:47Cesar blieb die ganze Nacht draußen, wenn es regnete.
14:50Und legte sich hier hin.
14:54Dann sahen wir, dass er Wunden auf dem Rücken bekam.
14:58Da war eine so große Stelle, die aussah wie eine Verätzung.
15:05Das war Caesars Rücken.
15:07Dass das an Gen X lag, ist nicht zu beweisen.
15:09Es ist im Blut der Hunde nicht zu finden.
15:11Unstrittig aber, dass das ganze Grundstück mit Gen X belastet ist.
15:17Auf Anfrage schreibt die Chemiefirma Chemors,
15:20Gen X sei sicher für seine beabsichtigte industrielle Verwendung.
15:26Und durch aufwändige Verfahren reduziert Chemors 99 Prozent aller Emissionen.
15:35Immerhin, die Chemiefirma liefert ihm abgefülltes Wasser in Flaschen.
15:40Alle zwei Wochen liefern sie uns fünf solcher Pakete Wasser.
15:44Knapp 115 Liter.
15:46Sie erwarten von uns, dass wir mit 115 Litern auskommen, um zu kochen,
15:50die Hunde und Vögel mit Wasser zu versorgen und natürlich uns selbst.
15:56Das Wasser von mehr als 200.000 Menschen ist hier kontaminiert.
16:02Die Europäische Union ordnet Gen X als besonders besorgniserregenden Stoff ein.
16:08Es gebe wissenschaftliche Beweise
16:10für wahrscheinlich schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen.
16:17Prof. Detlef Knappe erforscht die Auswirkungen der Chemikalie rund um die Fabrik in North Carolina.
16:22Und untersucht, wo wie viel Gen X ist.
16:28Ist dieses Versprechen eingehalten worden, dass Gen X sicher ist?
16:33Ich würde sagen, auf keinen Fall, weil Gen X auch sehr persistent ist.
16:40Und genauso persistent wie PFOA ist es nicht ganz so bioakkumulativ.
16:47Wenn man die Studien anschaut über die Toxikologie von Gen X,
16:52dann ist es trotzdem noch eine Substanz, die sehr problematisch ist.
16:59Persistent. Die Stoffe bauen sich so gut wie nicht ab.
17:01Chemikalien für die Ewigkeit.
17:04Diese Substanzen sind sehr persistent und sehr mobil.
17:08Und damit verbreiten sie sich eigentlich auf dem ganzen Globus.
17:14Und ja, damit haben wir eigentlich schon jetzt praktisch die ganze Welt beeinträchtigt.
17:22Und das ist eigentlich eine Lektion, die wir schon vor Jahrzehnten gelernt haben,
17:29dass wir eigentlich solche Substanzen nicht produzieren sollen.
17:32Okay, was heißt das jetzt?
17:34Es hat ja mehr als 20 Jahre gedauert, das eine Teflon PFAS zu verbieten.
17:40Und der Ersatzstoff Gen X ist jetzt auch möglicherweise schon wieder nicht ganz unproblematisch.
17:46Und das sind ja nur zwei von den 4.000 bis 8.000 PFAS, die es gibt.
17:51Darunter sind bestimmt auch ein paar, die ungefährlich sind.
17:53Aber wenn man alle überprüfen wollen würde, auf die gleiche Art und Weise kann es ja Jahrzehnte dauern.
17:59Und das ist eine Gefahr für jeden von uns.
18:02Das Ergebnis von meinem Bluttest ist da.
18:04Und ich habe tatsächlich PFAS im Blut.
18:07Wie offenbar fast jeder in Deutschland.
18:09Und zwar ganz schön viele unterschiedliche.
18:13Bei PFOA liege ich sogar über dem HBM1-Wert, einem Grenzwert vom Umweltbundesamt.
18:20Was bedeuten diese Werte?
18:22Es ist sozusagen über der ersten Schwelle.
18:25Das heißt, sie sind sozusagen in einem gelben Bereich.
18:28Es ist noch nicht kritisch, aber sie haben auch einen auffällig höheren Wert.
18:33Wenn man sich jetzt meine Werte anguckt, wie ist denn das wahrscheinlich überhaupt reingekommen?
18:40Das ist sehr schwierig zu sagen.
18:43Das kann zum einen über die Nahrung sein.
18:45Der Konsum von verpackten Nahrungsmitteln oder sogenannten Fast-Food-Verpackungen sind in der Regel beschichtet mit perfluorierten Substanzen.
18:59Eine Krebsgefahr bestehe bei Fällen wie mir wahrscheinlich nicht, sagt Dr. Shetkin.
19:07Aber gerade weil PFAS schon so verbreitet sind, prüft die EU pauschal, alle PFAS-Stoffe zu verbieten.
19:16Die einzige Ausnahme, wenn PFAS wirklich relevant für die Gesellschaft sind, also wenn sie unersetzlich in bestimmten Produkten sind,
19:24zum Beispiel in der Medizin oder in der Halbleiterindustrie, dann soll die Produktion weiter erlaubt bleiben.
19:30Das heißt aber natürlich, Backpapier oder eine Bratpfanne oder bei einer Zahnseide,
19:36da wäre die Wahrscheinlichkeit schon groß, dass es sowas in Zukunft nicht mehr mit PFAS gibt.
19:42Solche Pläne findet die PFAS-Fannenindustrie natürlich gar nicht gut.
19:46Sie ist überzeugt, ein PFAS-Verbot wäre falsch.
19:49Die Industrievertreter des Verbandes laden uns ein.
19:53Ihr Verband vertritt bekannte Hersteller wie Zwilling, Fissler, Woll, Tefal, WMF und auch von Chemers, dem Chemiekonzern.
20:02Gemeinsam kämpfen sie für die PFAS-Antihaftpfanne.
20:07Was sagen sie zu den vielen Problemen, die PFAS verursachen?
20:17Der Eindruck ist ja, überall wo es produziert wird, ist es immer schiefgegangen.
20:21Die Werte, die jetzt vor allem in gewissen Fällen in den USA und auch jetzt in Berlin bekannt geworden sind,
20:28das sind Daten aus der Vergangenheit.
20:31Jetzt kann man sagen, aufgrund der Vergangenheit hört man auf mit dem Stoff und macht ihn nie mehr.
20:35Oder man sorgt dafür, dass in der Industrie korrekt damit umgegangen wird.
20:42Alles sicher machen? Geht das wirklich?
20:45Was ist zum Beispiel mit unserem Müll?
20:48Dafür bringen wir mal Dinge, in denen PFAS sind, auf einen Recyclinghof.
20:53Normalerweise würden wir die vielleicht im Hausmüll entsorgen.
20:57Alte Schuhe, Imprägnierspray oder Backpapier.
21:02Es ist ja schon interessant zu wissen, wenn man, sag ich mal, Outdoor-Sachen oder Wasserabweisend-Sachen hat,
21:09was macht man dann am Ende damit?
21:11Wenn es wirklich Schrott ist nachher und die Outdoor-Jacke ist völlig zerrissen, zerschlissen,
21:18dann müsste es das normalerweise, damit die PFAS raus sind, in die Sondermüllverbrennungsanlage.
21:28Sebastian Sotteck ist Experte für Sondermüll.
21:31Auch Hausmüllanlagen könnten PFAS filtern, sagt er.
21:34Aber in der Asche und der Schlacke seien die Chemikalien immer noch zu finden.
21:38Das Thema PFAS, das kommt jetzt ja hoch, so langsam, langsam aber sicher.
21:46Und da wurde sich noch gar nicht viel Gedanken gemacht. Es wurde produziert, produziert.
21:52Vergleichsweise, wie man sagt, früher mit dem Asbest, mit dem Ethanit.
21:56Da hat man gesagt, Mensch, ein tolles Produkt, feuerfest, das hält, alles toll.
22:00Und dann nachher kam ja erst auf, Mensch, das ist ja krebserregend und gar nicht so schön in den Entsorgen.
22:09Gore-Tex schreibt übrigens, man sei bestrebt, unser Umwelt- und Abfallmanagement kontinuierlich zu verbessern.
22:15Nike nutzt seit 2021 keine PFAS mehr. Gore-Tex plant es.
22:21Probleme über Probleme. Und gleichzeitig versucht die Industrie, ein PFAS-Verbot in Brüssel zu torpedieren. Etwa so.
22:29Das hier ist das Positionspapier vom FEC, das ist ja der Topf- und Pfannenherstellerverband.
22:34Und im ersten Moment sieht es total seriös aus, stehen sehr viele Argumente drin und vor allem ganz viele Fußnoten,
22:43also Belege, Quellen wissenschaftlicher Art.
22:46Gucken wir uns diese Quellen mal genauer an.
22:50Der erste Treffer hier, tefal.com.
22:54Und Tefal stellt ja selber PFAS-Pfannen her.
22:58Und dann ist natürlich die Frage, wenn jemand selber die herstellt, ob die Informationen von ihm so wirklich kritisch mit
23:06dem Produkt verbunden sind.
23:11Der nächste Punkt ist eine wissenschaftliche Arbeit.
23:16Und auf den ersten Blick, muss man einfach sagen, sieht die total seriös aus.
23:20Aber man kann sich natürlich angucken, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die das geschrieben haben, wer ist das eigentlich?
23:28Und wenn man dann den einen Namen googelt, findet man ziemlich schnell raus, dass der eine Autor der Studie bei
23:39Dupont arbeitet.
23:41Dupont ist ein Hersteller von PFAS. Das heißt, das ist wieder keine neutrale Studie.
23:46Auf unsere Nachfrage dazu verweist Tefal darauf, dass Antihaft-Kochgeschirr im Gebrauch ungefährlich sei.
23:54Für das Lobbypapier verantwortlich sind diese beiden Herren.
23:57Und deswegen werden andere Dinge gemessen.
24:00Wir haben dieses Positionspapier geschrieben und publiziert.
24:05Wir haben anschließend Feedback bekommen dazu.
24:09Das revidierte Positionspapier hat alle Referenzen zu diesen Quellen herausgenommen.
24:18Das heißt, Sie sehen das selber als unglücklich an?
24:19Das ist unglücklich. Und das hat intern auch zu Diskussionen geführt.
24:24Ein neues zweites Positionspapier mit quasi den gleichen Argumenten, aber ohne die zweifelhaften Quellen.
24:31Das Interessante ist aber, jetzt stehen hier fast gar keine Quellen mehr drin.
24:36Also gibt es gar keine neutralen Quellen für Ihre Behauptung, ist meine Frage.
24:40Es gibt wenig neutrales Material zu diesem Sachgebiet.
24:46Weil wer untersucht Kochgeschirr?
24:52Aber eine neue interessante Quelle gibt es hier drin dann doch.
24:56Und das ist wirklich von unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die auch noch sehr renommiert sind.
25:03Wir suchen nach diesen Forscherinnen und Forschern.
25:06Das ist Dr. Juliane Glüge von der Universität ETH Zürich, die vermeintliche Kronzeugin der Pfannenhersteller.
25:13Wir treffen sie. Sie ist ziemlich überrascht, denn ihre Forschung sagt das Gegenteil von dem Tenor des Positionspapiers, wonach viele
25:21PFAS ungefährlich seien.
25:25Sie haben halt gar keine Argumente vorgebracht, die sagen bloß, dass die Eigenschaften anders sind.
25:30Aber das sagt ja überhaupt nichts aus über die Probleme, die diese Chemikalien in der Umwelt machen und für den
25:36Menschen auch.
25:36Von daher ist es nicht überzeugend, was dort drin steht.
25:40Der Verband sagt, man hätte eben nur einen Sachverhalt zitiert.
25:44Aber hätte man die Hauptaussage der Studie nicht auch nennen müssen?
25:50Also ich kenne keine Firma, die sagt, bitte kauf mein Produkt nicht.
25:54Wirkt dieser Lobbyismus trotzdem? Eigentlich will die Bundesregierung PFAS verbieten.
25:59Doch nun wachsen in den Regierungsparteien erste Zweifel. Etwa bei Gerald Ulrich, bei der FDP zuständig für PFAS.
26:07Muss es gleich ein komplettes Verbot sein?
26:10Also ich bin generell für den risikobasierten Ansatz, dass man sagt, ein Stoff ist potenziell gefährlich in seiner Verarbeitung, aber
26:19nicht mehr im Produkt.
26:20Also muss ich mir Gedanken darüber machen, wie ich die Gefahren bei der Verwendung, bei der Produktion und bei der
26:26Verwendung des Stoffes hin zum Endprodukt sicher gestalte, sowohl für den Menschen wie auch für die Umwelt.
26:32Die zuständige SPD-Sprecherin ist zwar für ein breites Verbot von PFAS, aber sie hat auch Sorge, Arbeitsplätze zu gefährden.
26:39Wir müssen jetzt gucken, was nächstes Jahr mit BASF oder auch mit irgendwelchen Chemiekonzernen passiert, ob es die überhaupt noch
26:46gibt.
26:46Und insofern, wenn wir jetzt denen nochmal eine neue Regel wieder überhelfen, dann ist es gefährlich und wir sollten das
26:52vielleicht mit Augenmaß machen.
26:54Die FDP dagegen. Die SPD wankt. Zuständig ist die grüne Umweltministerin Steffi Lembke. Sie kämpft weiter für das Verbot.
27:03Auch in anderen Ländern wurden Stoffe verboten. Einige Substanzen sind global verboten inzwischen.
27:10Das heißt, es ist kein Problem, vor dem nur die deutsche Chemieindustrie stehen würde, die natürlich ein wichtiger Arbeitsplatzfaktor ist,
27:18auch ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor ist.
27:21Aber wir reden über einen Prozess, der auf wissenschaftlicher Basis über einen mittleren Zeitraum stattfindet, um menschliche Gesundheit, natürliche Lebensgrundlagen
27:31zu schützen.
27:32Und ich glaube, dass an dem Prozess alle mittun können und sollen.
27:37Kommt ein Verbot? Politik und Wissenschaft sind sich mehrheitlich einig. Aber die Lobby verzögert die Umsetzung auf EU-Ebene mit
27:46Erfolg.
27:47Zeit, in denen neue Zweifel wachsen. Und damit die Chance, dass am Ende sehr wenig passiert.
27:57Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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