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00:00:00The Nangaparbat, 8125 m hoch,
00:00:05is named from the Einheimischen Diyamir,
00:00:08the König of the Berge,
00:00:09or also Killermountain,
00:00:12because of the many Opfer,
00:00:13which he has afforded.
00:00:14The south flank, the Rupal Wand,
00:00:17is with 4.500 m
00:00:19the highest on the Fels- and Eiswand of the earth.
00:00:241970 will a German expedition
00:00:27erstmals über die schwierige Hupal Wand
00:00:29den Gipfel erreichen.
00:00:30Das Unternehmen gleicht einem kleinen Feldzug.
00:00:34Hunderte Träger schleppen 8 t Material ins Basislager.
00:00:39Mit dabei sind der 25-jährige Reinhold Messner
00:00:43und sein 2 Jahre jüngerer Bruder Günther.
00:00:46Beide sind zum ersten Mal im Himalaya.
00:00:50Es ist der erste 8000er, den Reinhold Messner besteigt.
00:00:54Und es ist der Beginn einer Erfolgsgeschichte.
00:00:58Messner wird schliesslich der erste Mensch sein,
00:01:01der alle 14 8000er bestiegen hat.
00:01:04Hier am Nangaparbat nimmt seine unglaubliche Himalaya-Geschichte
00:01:08also ihren Anfang.
00:01:10Und hier erlebt er auch seine größte Tragödie.
00:01:17Fast 50 Jahre nachdem er auf dem Gipfel des Nangaparbat stand,
00:01:21kehrt er hierher zurück, zum Schlüsselberg seines Lebens.
00:01:26Kein Berg hat ihm mehr genommen
00:01:27und kein Berg hat ihm mehr gegeben
00:01:30als Diamir, der König der Berge.
00:02:00Mit der Interesse
00:02:22The Nangar Parbat is the west side of the island of the Himalaya.
00:02:26He is in the north of Pakistan.
00:02:28Als kleine Expedition wollen Reinhold Messner mit seinem Sohn Simon den Berg von Süden nach Osten bis zur Märchenwiese umrunden.
00:02:441970 bei der Rupalwand-Expedition sind wir von Tarisching das Rupal-Tal hereingegangen,
00:02:50haben dann in 40 Tagen in der Wand mehr oder weniger die Rupalwand, die höchste Wand der Welt, durchstiegen, 4500
00:02:58Meter hoch.
00:02:59Mein Bruder ist mir im letzten Teil nachgestiegen, er hat sich verausgabt, ist höhenkrank geworden.
00:03:05Wir konnten nicht über die Rupalwand zurück, weil wir ohne Seil waren und sind dann in unserer Notlage nach einem
00:03:14Biwag auf 7800 Meter in der Diamir-Seite,
00:03:18über die Diamir-Seite, die weniger steil ist, allerdings sehr gefährlich, abgestiegen.
00:03:25Der Nangaparbat ist ein komplexer Berg. Drei Grate ziehen von seinem Gipfel viele Kilometer weit ins Tal.
00:03:32Dazwischen liegen die Täler Diamir im Westen, Rakjot im Norden und Rupal im Süden.
00:03:39Über dem Rupal-Tal erhebt sich die gleichnamige Rupalwand.
00:03:48Der Nangaparbat, übersetzt der nackte Berg, ist hier in Skardu ein wichtiger Arbeitgeber.
00:03:55Trecker vor allem heuern hier Träger und Führer an, wenn sie ins Hochgebirge aufbrechen.
00:04:01Von Skardu aus, wo sie ein heftiger Sturm aus dem Karakorum überfällt,
00:04:06fahren Reinhold Messner und seine Begleiter mit drei Jeeps durch enge Täler,
00:04:12steinschlaggefährdete Schluchten und Wildbäche Richtung Dosai-Plateau.
00:04:17Eine verschneite Hochebene, über die sich schon frühe Nangaparbat-Expeditionen dem Berg näherten.
00:04:43In Tarishing, am Eingang ins Rupal-Tal, ist die Welt noch grün.
00:04:49Eisstarr ragen die Gipfel des Rakjot-Peak und Nangaparbat in den Himmel.
00:04:56Das Leben mutet mittelalterlich an.
00:04:58Hier werden Kartoffeln, Mais und Getreide angebaut.
00:05:03Wasser aus den Gletschern treibt die Mühle an.
00:05:07Die Einheimischen hier leben in kleinen Gruppen, in Clans zusammen.
00:05:14Und sie haben keine Gesetze, sondern sie folgen den Gesetzen aus ihrer Menschennatur.
00:05:21Das funktioniert allerdings nur in kleinen Gruppen.
00:05:25Und das erinnert mich ein bisschen auch an meine Kindheit.
00:05:28Als in diesen Südtiroler Dörfern die Menschen in ihrer kleinräumigen Welt zusammenstanden,
00:05:38in Nachbarschaftshilfe sich geholfen haben und vor allem sich gegenseitig als gleichwertig akzeptiert haben.
00:05:49Vor mehr als tausend Jahren lebten Tibeter in den Tälern am Fuße des Nangaparbat.
00:05:56Heute sind es Muslime.
00:06:19Den Berg aber mit seiner Größe und Erhabenheit respektieren alle als den König der Berge.
00:06:29Der Nangaparbat ist der Schlüsselberg meines Lebens.
00:06:33Und deswegen wollte ich zum 75. Geburtstag hierher zum Nangaparbat zurückkehren,
00:06:39auf die Südwand schauen, die wir 1970 erstmals durchstiegen haben, mein Bruder und ich.
00:06:47April 1970. Verabschiedung der Expedition in München.
00:06:53Hans-Jochen Vogel ist dabei. Damals Bürgermeister der Stadt und Schirmherr der Herrlikoffer Expedition.
00:07:00Alle Teilnehmer und ein paar Veteranen, die bei früheren Expeditionen dabei gewesen waren.
00:07:06Dann geht es mit drei Lastwagen los. Über den Landweg nach Pakistan.
00:07:17Günther, mein jüngerer Bruder, der seinen Job bei der Bank gekündigt hatte, fährt im Lastwagen mit nach Pakistan.
00:07:24Ich darf später nachfliegen mit Dr. Karl Maria Herrlikoffer, denn ich muss in der Mittelschule, wo ich unterrichtet habe, erst
00:07:31noch ersetzt werden.
00:07:42Ich sitze hier oberhalb von Gilgit und hier bin ich 1970 mit der Nangaparbat-Expedition Rupalwand gelandet.
00:07:52Das erste Mal, ich war damals ein begeisterter Felskletterer und wurde durch den Nangaparbat, der Schlüsselberg meines Lebens, zum Höhenbergsteiger.
00:08:02Von Gilgit geht es im Jeep weiter, dem Hunza River entlang, ins Industal und weiter nach Astor.
00:08:10Diese Welt ist eine Wüste. Die Schotterstraßen sind schmal und brüchig. Die Sonne brennt gnadenlos.
00:08:25Unterwegs lernen wir uns kennen, wir Expeditionsteilnehmer, die ja nicht ein Freundeshaufen sind, sondern das ist eine Zweckgemeinschaft.
00:08:34Da ist der lebenslustige Ginegro dabei. Peter Scholz, ein sehr offenherziger Bergsteiger, exzellenter Bergsteiger.
00:08:42Mendel, Sala, Kuhn und natürlich auch Dr. Hermann Kühn, ein Intellektueller, ein Freigeist, mit dem ich mich schnell angefreundet habe.
00:09:02Fast genau vor 50 Jahren saß ich auf diesem Stein, auf diesem selben Stein und schaute zum ersten Mal zum
00:09:08Nangaparbat.
00:09:09Ich hatte die Vorstellung von Berg, weil ich die Geschichte studiert hatte.
00:09:13Und nun galt es abzugleichen zwischen der Realität und eben meiner Vorstellung.
00:09:18Ich lernte größere Dimensionen von Eisfeldern, von Lawinen, von Seracs kennen.
00:09:24Ich habe mich durchgeschlagen. Ich habe erfahren, und zwar vom Instinkt her, dass wir eine Eigenverantwortung für uns haben.
00:09:31Aber wir haben natürlich auch eine Verantwortung für unsere Familien, für unser Umfeld, für die Menschen, die in dieser Gegend
00:09:37leben.
00:09:38Und das gehört alles dazu. Aber viel wichtiger war dann die Erkenntnis, dass Vielfachwerte, die mit den Bergen verbunden sind,
00:09:45eben nicht nur gesprochene Worte sind, sondern auch Realität.
00:09:51Und all diese Erfahrungen, die ich an diesem Berg gemacht habe, konnte ich mitnehmen in mein zweites Leben und damit
00:09:58auch bestehen, das heißt, am Leben bleiben.
00:10:01Die vielen, ja, gewünschten romantischen Vorstellungen, die zum Berg gehören, habe ich hier am Nangaparbat endgültig verloren.
00:10:13Seit 1970 hat sich hier wenig verändert. Die jungen Männer sind ohne Arbeit, die Familien Selbstversorger.
00:10:23Hier in Tarisching wurden die Lasten verteilt. Die ältere Generation erinnert sich noch an die Expedition 1970.
00:10:31Dieser Mann sagt, er war dabei damals als Kind noch und hat beobachtet, wie viel Material da war.
00:10:38Das waren ja acht Tonnen Ausrüstung. Wie die Lasten verteilt wurden.
00:10:43Aber die Kinder heute, meint er, hören diese Geschichte wie ein Märchen.
00:10:53Jeder Träger bekam etwa 30 Kilogramm zu schleppen.
00:10:58Nicht eine einfache Sache für Begleitoffizier, für ein paar Polizisten.
00:11:02Die Träger prügelten sich um die Lasten.
00:11:06Der Expeditionsleiter Herr Leckhoff, der das Ganze auf die Beine gestellt hat, organisierte militärisch.
00:11:12Er hat das Unternehmen bisher gut im Griff.
00:11:15Man muss auch bedenken, es war eine günstige Möglichkeit für diese Einheimischen, Geld zu verdienen und auch dabei zu sein
00:11:23bei dieser Expedition.
00:11:28Wir Teilnehmer scharrten nur zu, fotografierten, beobachteten diesen Zauber.
00:11:33Es war das erste Mal, dass wir sowas im Himalaya sehen konnten.
00:11:37Der Expeditionsleiter Herr Leckhoffer dirigierte militärisch und es funktionierte.
00:11:42Und wir marschierten dann mit den Trägern bergwärts.
00:12:00Ein Bad im eisigen Gletscherwasser, dann ein kurzer Marsch im Bulg, die Querung eines Toteisgletschers.
00:12:08Und dann sind wir im Basislager, wo bald die deutsche und die pakistanische Fahne flattert.
00:12:18Chapati werden gemacht, Holz wird gesammelt und wir starren in die Wand.
00:12:22Mit 4500 Meter Abgrund über unseren Köpfen.
00:12:3150 Jahre später bin ich wieder unterwegs ins Basislager.
00:12:35Mit dabei sein Sohn Simon, dessen Freundin Anna und Leverkan, der Messner bereits bei mehreren Reisen zum Nanga Parbat begleitet
00:12:45hat.
00:12:47Über einen Toteisgletscher geht es nach Rupal und weiter nach Tapp, 3600 Meter hoch, unser Basislager 1970.
00:12:58Und darüber die gigantischen Fels- und Eislanken der Rupalwand.
00:13:12In Rupal besucht Reinhold Messner eine Schule.
00:13:16Eine von vier, die er rund um den Nanga Parbat erbauen ließ und unterstützt.
00:13:30Mädchen und Buben bekommen hier Unterricht.
00:13:33Das Basiswissen für ein Leben in fernen Städten, das viele von ihnen der Armut vorziehen werden.
00:13:53Lieber Kahn, ein Mann aus den engen Tälern des Nanga Parbat, hat mich beim Schulprojekt begleitet.
00:14:00Er kümmert sich heute noch um die Lehrer und Lehrerinnen und bemüht sich, diese Schulen in die staatliche Organisation zu
00:14:08überführen, auf dass sie nachhaltig bleiben.
00:14:17Im Basislager schon beginnt Herrlikhoffer, eingespielte Seilschaften wie Hans Saaler, Peter Scholz und Felix Kuhn-Werner Heim zu teilen, um
00:14:28so die Mannschaft besser zu kontrollieren.
00:14:39Gönter und ich widersetzen uns, bleiben gegen Herrlikhoffers Anweisung zusammen, und zwar bis zuletzt.
00:14:49Die Hunza-Hochträger werden mit Ehrenzeichen versehen.
00:14:53Ischar Kahn, der schon 1953 mit Hermann Buhl dabei gewesen war, wird ihr Häuptling.
00:15:00Alles wirkt so gestrig, dass es die Sahibs schon wieder fasziniert.
00:15:07Herrlikhoffer als Expeditionschef hat alles im Griff.
00:15:11Auch weil ihm alle dankbar sein müssen.
00:15:14Keiner von ihnen wäre ohne Herrlikhoffer in den Himalaya gekommen.
00:15:29Morgen für Morgen steigt eine kleine Trägerkolonne auf.
00:15:43Gönter und ich sind seit Beginn der Expedition beim Aufbau der Hochlager dabei.
00:15:49Lager 1 soll unter einer Felswand stehen.
00:15:51Es ist von den Trägern ohne Probleme zu erreichen.
00:16:12Alle Morgen wieder Lastentransport ins Lager 1, kochen, abspülen,
00:16:19Schmelzwasser sammeln, Ausrüstung sortieren.
00:16:26Die Träger steigen ab, um wiederzukommen.
00:16:31Inzwischen wird der Weg ins Lager 2 präpariert.
00:16:34Der Abstieg im weichen Schnee ist für die Berger vielen Hunzas die reinste Rutschpartie.
00:17:07Die Rupalwand bäumt sich nach oben hin auf.
00:17:10Sie wird steiler und steiler.
00:17:12Und damit ist es sehr schwierig, die letzten beiden Lager zu versorgen.
00:17:22Es waren zuletzt vier Lager vom Basecamp bis zum Gipfel.
00:17:27Ein Zwischenlager beim Lastenaufzug in Wandmitte
00:17:30und ein Biwakzelt am oberen Ende des Merkel-Eisfeldes kommen dazu.
00:17:46Bis ins zweite Hochlager können die Hunzas steigen, immer an fixen Seilen entlang.
00:18:07Nach einer Rast geht es wieder zurück ins Basislager.
00:18:16Es war sicher ein gutes Stück Naivität dabei, den Nanga Barbat anzupacken in der Konstellation, wie wir es gemacht haben.
00:18:25Günther und ich kannten keine 8000er Berge.
00:18:28Aber niemand in der Mannschaft war auf der Höhe von 8000 Meter gewesen.
00:18:52Ein kurzer Gruß.
00:18:54Gerd Mendel steigt ab.
00:18:55Günther und ich steigen ins Lager 2 auf,
00:18:57um andern Tags den Weg ins Lager 3 zu finden und auch abzusichern.
00:19:04Wir arbeiteten im Expeditionsstil.
00:19:08Mitten in der Wand gab es einen Aufzug, um Lasten hochzubringen.
00:19:11Alle im Team arbeiteten mit vollem Einsatz.
00:19:16Zum Akklimatisieren stiegen wir hoch und dann wieder zurück ins Basislager.
00:19:27Die Höhenproblematik haben wir relativ schnell im Griff gehabt und auch hinter uns gelassen.
00:19:33Wir wussten, wir können auf 5000 Meter so schnell klettern.
00:19:36Auf 6000 Meter haben wir es immer noch geschafft, 300 Höhenmeter in einer Stunde zu steigen.
00:19:41Das ist fast Altengeschwindigkeit.
00:19:44Aber wir wussten noch nicht, wie schnell wir auf 8000 Meter sein würden.
00:19:48Und trotzdem haben wir alles daran gesetzt, in diese Höhen vorzubringen.
00:19:54Vom Klettertechnischen her wusste ich von Anfang an, dass ich das alles frei klettern kann.
00:19:59Frei heißt ohne Seil, ohne Absicherung.
00:20:02Aber natürlich mussten wir die Wand bei so viel Material, das transportiert werden musste, absichern.
00:20:09Für die Träger oder für die Bergsteiger, die uns halfen,
00:20:13die letzten Lager zu bestücken und vor allem den Nachschub zu gewährleisten.
00:20:20Die Naivität steckte vor allem darin, dass wir eine nicht eingespielte Teamkonstellation hatten.
00:20:28Und das von 7500 Meter aufwärts oder 8000 Meter aufwärts.
00:20:34Das Ganze dann wirklich in eine Zone übergeht, die nicht umsonst die Todeszone genannt wird.
00:20:43Unten am Wandfuß war es inzwischen schneefrei.
00:20:47Langsam wurden die Wiesen grün.
00:21:19Untertitelung des ZDF, 2020
00:21:38Eine natürliche Höhle in einer Gletscherspalte 6000 Meter hoch ist der ideale Standort für Lager 3.
00:21:46Allerdings, sie kann nicht abgedeckt werden.
00:21:49Und bei Schneetreiben und Sturben weht es den Schnee hinein und dann ist da drinnen die Hölle.
00:22:05Peter Scholz, Felix Kuhn und die Messners schaffen den Aufstieg bis Lager 4 am unteren Rand des Merkel-Eisfeldes.
00:22:14Sahibs mit Lasten können folgen.
00:22:41Das Wetter aber schlägt um.
00:22:43Alle flüchten ins Basislager über dem Dosche-Pik.
00:22:47Da häufen sich die Wolkenpänke.
00:22:49Günther und ich bleiben oben.
00:22:51Eine lange, ungemütliche Woche lang.
00:23:04Es ist kein Vergnügen, alle zwei Stunden das Zelt auszuschaufeln.
00:23:09Tagsüber, nachts, eine ganze Woche lang.
00:23:13Solange aber jemand im Lager 3 war, war es bewohnt, blieb es aufrecht und es war sicher.
00:23:20Es zu verlassen bedeutete, es aufzugeben.
00:23:27Einen Schlechtwettereinbruch in einem Hochlager ausstehen, ist eine große Kunst, die gelernt sein will.
00:23:33Aber wer in den Alpen Biwax hinter sich gebracht hat, also Freilager in der Wand, der kann mit dem umgehen.
00:23:40Und ich glaube, dass wir beide, Günther und ich, ganz gut mit dem umgehen konnten.
00:23:43Und wir hatten das Glück, als Brüder da oben zu sitzen.
00:23:47Wir haben gedöst.
00:23:49Wir hatten beide die Fähigkeit, uns wie Murmeltiere einfach schlafen zu stellen, auch wenn wir nicht geschlafen haben.
00:23:56Und in die Zukunft zu träumen.
00:23:58Im Schlafsack war es relativ gemütlich warm.
00:24:02Umso schlimmer war es dann eben, alle zwei Stunden, abwechselnd natürlich, aus dem Schlafsack herauszukriechen,
00:24:09die Windjacke überzuziehen und dann hinauszugehen in diesen Schneesturm, der ununterbrochen draußen heulte und drückte, auf den Zeltplan drückte.
00:24:19Und dann galt es, diese Höhle wieder auszuschaffen.
00:24:22Jedes Mal eine halbe Stunde.
00:24:24Das war dann eine körperliche Arbeit.
00:24:26Hat auch müde gemacht.
00:24:28Man schlief danach wieder besser.
00:24:30Wir wussten am Ende nicht, ob wir da oben eine Woche oder einen Monat schon gehaust hatten.
00:24:34Uns war nur wichtig, dass wir noch einmal eine Schönwetterphase haben würden, um das machen zu können, wofür wir gekommen
00:24:42waren.
00:24:43Die Rotballwand bis zum Gipfel zu besteigen.
00:24:47Als im Lager 3 der Proviant alle ist, steigen die Messner Brüder ins Windenlager ab, wo Nahrungsmittel gelagert sind.
00:25:33Untertitelung des ZDF, 2020
00:25:50Sie kehren mit vollen Rucksäcken zurück und halten durch.
00:25:54Vorerst wäre ein Abstieg wegen Lawinengefahr zu gefährlich.
00:26:08Die Messner Brüder bleiben im Lager.
00:26:11Alle anderen ziehen sich ins Basislager zurück.
00:26:14Sie haben Glück.
00:26:15Das Wetter bleibt zehn Tage lang schlecht.
00:26:18Oben ist die Hölle los.
00:26:20Abstieg und Aufstieg unmöglich.
00:26:24Solange wir im Lager 4 waren, waren wir sicher.
00:26:27Nur wenn wir das Lager verlassen hätten und abgestiegen wären, wäre das Risiko, von einer Lawine mitgerissen zu werden, sehr
00:26:35hoch.
00:26:36Wir sind da oben eigentlich ganz gerne geblieben.
00:26:38Wir wussten auch, das ist gut für unsere Akklimatisation.
00:26:41Und wir hatten damit auch einen kleinen Vorteil den anderen gegenüber.
00:26:45Das war am Ende, weil wir länger als die anderen in großer Meereshöhe, in der idealen Meereshöhe gesteckt hatten, 6000
00:26:52Meter, um uns zu akklimatisieren.
00:26:55Das war zwar nicht unser Ziel gewesen.
00:26:57Aber jetzt hatten wir höchsten Sorge, dass das Wetter überhaupt nicht mehr gut wird.
00:27:01Dass so viel Schnee in der Wand liegen bleibt, dass der Gipfelgang undenkbar wird.
00:27:25Als die Verhältnisse besser werden, steigen Günther und Reinhold zur Erholung ins Basislager ab.
00:27:44Untertitelung des ZDF für funk, 2017
00:28:03Die anderen, Kuren, Scholz an der Spitze, steigen auf.
00:28:19Graben die Zelte aus und werden wieder von Schlechtwetter vertrieben.
00:28:24Stillstand. Die Expedition droht zu scheitern.
00:28:29In der Pionierzeit des Himalaya-Bergsteigens gehörte das Scheitern dazu.
00:28:34Viele Versuche blieben erfolglos. Daraus hat Reinhold Messner gelernt.
00:28:39Der erste Alpinist, der sich an den Nangababa-Taran wagte und das 1895, ist Albert Frédéric Mammerie, der beste Bergsteiger
00:28:49seiner Zeit.
00:28:53Mammmerie ist Engländer und geniesst die Unterstützung der Verwalter in Indien, das Englands Kornkolonie ist.
00:29:00Am König der Berge aber, der ungeahnte Ausmaße hat, ist Mammmerie ganz auf sich selbst angewiesen.
00:29:07Er kam unter die Ropal-Wand und hat sofort erkannt, diese Wand ist zu hoch, die ist unmöglich.
00:29:13Also wechselte er über den Mazenobass ins Diamiertal.
00:29:18Und von dort hat er den Berg angepackt, kam bis in die Wandmitte.
00:29:23Dann hat er aufgegeben und wollte mit zwei Einheimischen über den Diamapass auf die Nordseite, die Rakio-Seite des Berges,
00:29:31wechseln.
00:29:32Dabei sind die drei spurlos verschwunden.
00:29:41Wie weit Mammerie zuletzt gekommen ist, wissen wir nicht.
00:29:55Sollte er den Pass im hintersten Diamiertal erreicht haben, er wäre auf der anderen Seite nicht hinuntergekommen.
00:30:02Unmöglich in der damaligen Zeit.
00:30:23Es ist inzwischen Mitte Juni. Das Wetter ist immer noch schlecht.
00:30:28Oberhalb von Lager 4 droht Lawinengefahr.
00:30:31Im Basislager werden die Lebensmittel knapp.
00:30:33Die Genehmigung der Regierung in Islamabad läuft aus.
00:30:50Ende Juni wagt man den letzten Versuch, zum Gipfel zu kommen.
00:31:07Noch einmal setzen die Bergsteiger von vorne an.
00:31:23Das Wetter wird gut. Die Hoffnung wächst.
00:31:42Die Messners voraus wälzt sich die Expedition weiter und weiter gipfelwärts.
00:32:13Alle stehen auf ihrem Posten. Alle Lager sind besetzt.
00:32:18Hermann Kühn, Hans Sala, Gerd Mendel und Werner Heim schleppen Lasten bis ins Lager 4.
00:32:42Die Merkelrinne und die große Rechtsquerung unter dem schwarzen Zahn des Südgipfels, der den Hauptgipfel dahinter verdeckt.
00:32:53Am Morgen des 26. Juni stellen Peter Scholz und Felix Kuhn ein kleines Zelt an den rechten Rand des oberen
00:33:03Merkel-Eisfeldes auf.
00:33:04Auch 200 Meter Fixseil werden dort belassen.
00:33:09Dann steigen sie ab.
00:33:10Und am Nachmittag sehe ich, dass über den Tosche-Pix wieder die Haufenwolken aufsteigen.
00:33:15Aber Sorge, dass das Wetter wieder schlecht wird und nehme Kontakt mit dem Basislager, mit dem Expeditionsleiter auf und habe
00:33:22folgenden Vorschlag.
00:33:24Wir sollten jetzt eine endgültige Entscheidung treffen.
00:33:27Sollte am Abend der Wetterbericht speziell für die Expedition abgegeben negativ, also schlecht sein,
00:33:34dann würde ich es am nächsten Tag wagen, allein hochzusteigen, soweit es geht, eventuell bis zum Gipfel,
00:33:39und noch vor dem Einbrechen des schlechten Wetters zurück sein.
00:33:43Sollte er gut sein, hätten wir Zeit, die Merkel-Rinne abzusichern und dann zu zweit oder zu viert zum Gipfel
00:33:50zu steigen.
00:33:51Erlekoffers Antwort, du sprichst mir aus der Seele.
00:33:55Dieses Gespräch wird in den unteren Lagern auch mitgehört und ist damit ganz klar.
00:34:01Aber weil wir keine Kraft haben, auch keinen Platz haben, diese schweren Funkgeräte bis ins letzte Lager mitzunehmen,
00:34:10vereinbaren wir ein Leuchtzeichen für die Übertragung des Wetterberichts.
00:34:16Rot soll schlechtes Wetter bedeuten, also Langgang von mir.
00:34:20Blau, gutes Wetter, also abwarten.
00:34:24Zu dritt brechen wir ins Lager 5 auf.
00:34:26Gerhard Bauer, der Kameramann der Expedition, mein Bruder Günther.
00:34:31Und wir sind noch nicht ganz im Lager, es ist dunkel geworden, und wir sehen im Basislager eine rote Leuchtkugel
00:34:38aufsteigen.
00:34:39Und damit ist klar, sollte ich am nächsten Tag die Kraft und die Entscheidungsfähigkeit haben, würde ich einen Alleingang zum
00:34:46Gipfel versuchen.
00:34:47Im Zelt bitte ich Günther und Gerhard Bauer, sie mögen am nächsten Morgen die 200 Meter Seil in die Merkelrinne
00:34:54hängen, in den unteren Teil, auf das ich es beim Abstieg leichter hätte.
00:34:59Und ich bitte sie, zu warten, bis ich zurück bin bei ihnen.
00:35:0727. Juni 1970. Um drei Uhr früh verlässt Reinhold das Zelt.
00:35:13Eine Stunde später brechen Gerhard und Günther auf. Aber die Seile verheddern sich.
00:35:19Günther steigt Reinhold nach. Gerhard klettert zurück ins Lager 5.
00:35:29Der Gipfelgang am Lankabalbad ging wie in Tronze vor sich.
00:35:34Ich hatte dann und wann das Gefühl, dass ich meinen eigenen Schatten sehe, beziehungsweise mein eigener Schatten bin.
00:35:40Ich konnte nicht mehr unterscheiden zwischen Realität und dem Schattenwurf.
00:35:46Eine sehr mystische Angelegenheit.
00:35:50Erst am Ende der Querung, im leichten Gelände, sehe ich plötzlich, dass mir mein Bruder nachgestiegen kommt.
00:35:56Das konnte ich nicht wissen, weil es nicht vorgesehen war.
00:36:00Und obwohl wir für ein Biwak oder für das Steigen in Seilschaft nicht ausgerüstet sind,
00:36:06beide als Alleingänger gestartet, also kein Seil dabei, steigen wir weiter gipfelwärts.
00:36:13Diese letzte Strecke war sehr, sehr anstrengend. Wir waren ja über 8.000 Meter Meereshöhe, haben den Gipfel erreicht.
00:36:21Es war auch keine große Euphorie in uns. Wir hatten ja das große Ziel erreicht.
00:36:27Aber es lastete auf uns beiden die Sorge, wie kommen wir da wieder hinunter.
00:36:33Wir sind dann über diesen leichten Schneegrad wieder zurückgegangen in Richtung Südschulter.
00:36:38Und jetzt erst habe ich gemerkt, dass mein Bruder unsicher war.
00:36:43Er hat sich in den Schnee verhalten lassen, also ist dann da gehockt, apathisch.
00:36:47Und mir war klar, das sind erste Anzeichen von Höhenkrankheit.
00:36:50Und auf dieser kleinen Kante galt es zu entscheiden, gehen wir in die Rotballbahn zurück, ohne Seil,
00:36:58über diese schwierige Route, zum Teil senkrecht, unversichert, oder gehen wir über eine andere Route hinunter.
00:37:06Und es gab nur eine einzige Stelle, von der es eine Hoffnung gab, von oben zum Lager 5 zu rufen.
00:37:14Und das war, absteigen über den obersten Teil der Diamierseite, eine eingelassene Riesenverschneidung,
00:37:21die uns bis auf 7.800 Meter bringen würde.
00:37:24Von dort alles möglich hinunter zu schauen oder zu rufen zum Lager 5.
00:37:35Wir haben dann da oben eine Nacht verbracht, die schlimmste Nacht unseres Lebens.
00:37:39Wir waren ohne Nahrungsmittel, wir waren ohne Flüssigkeit, wir hatten kein Zelt, keine Schlafsack,
00:37:45es war mindestens 30 Grad kalt.
00:37:47Und dass wir am Morgen noch lebten, ist ein Wunder.
00:37:50Und ich bin am Morgen mit den ersten Sonnenstrahlen, die gerade über die Merkelscharte hereinkamen,
00:37:56vom Biwakplatz zu dieser Stelle gegangen, wo man hinunterrufen konnte und habe angefangen, um Hilfe zu rufen.
00:38:02Und als Kuhn und Scholz in unsere Nähe kamen, 80 bis 100 Meter unter uns vorbeisteigend,
00:38:10habe ich gehofft, dass sie zu uns hochsteigen würden.
00:38:12Und Kuhn hat ein paar Mal angesetzt, in diese Wand einzusteigen und ist dann wieder zurückgegangen.
00:38:19Das heißt, für mich wurde klar, die können da nicht hochsteigen.
00:38:23Und damit erst war ich gezwungen, denen ein Zeichen zu geben, dass sie ihren Weg gehen sollten,
00:38:29aber nicht versuchen sollten, zu uns zu kommen.
00:38:31Das wäre tödlich.
00:38:32Und wir hatten, nachdem es diesen Kontakt gegeben hatte, keine andere Wahl, als über die Dirmierwand zurückzusteigen.
00:38:42Hinauf noch einmal bis zur Südschulter von uns aus, war undenkbar.
00:38:47Das hätten wir physisch nicht geschafft.
00:38:49Die Exposition war auf dem Maximum.
00:38:53Und ich selber erfuhr ein erstes Nahtoderlebnis.
00:39:03Ich sah mich über meinem eigenen Körper, der den Berg hinunterrollte und kehrte dann mit einem Aufschrei in meinen Körper
00:39:15zurück.
00:39:16Es war, als ob meine Seele außerhalb des Körpers gewesen wäre.
00:39:24Die Reise der Messners geht weiter und führt sie durch das Rakyutt-Tal zur Nordseite des Nangaparbat.
00:39:31In seiner Verzweiflung, ohne Hoffnung auf Rettung am oberen Ende der Welt,
00:39:36die Verantwortung für den Bruder, Schlechtwetter im Anzug,
00:39:40ist Reinhold Messner damals bewusst, dass der Abstieg ins Rakyutt-Tal unmöglich gewesen wäre.
00:39:46Er hat von den Tragödien 1934 und 1937 gelesen
00:39:50und weiss, dass nur ganz unten im Industal 7000 Höhenmeter tiefer Rettung ist.
00:40:05Das Wissen um die großen Tragödien am Nangaparbat.
00:40:09Mamari 1895.
00:40:12Die besten deutschen Bergsteiger, die 1934 am Berg verstorben sind.
00:40:171937 die nächste Tragödie mit 16 Toten.
00:40:21Wir wussten, wir sind in der Summe all der Gefahren, die es am großen Berg gibt,
00:40:29eingesperrt und exponiert zugleich.
00:40:33Zurück ins Jetzt.
00:40:35Zu Fuss geht es weiter zur Märchenwiese und zum Basislager von 1932, 1934, 1937 und 1938.
00:40:45In den 30er Jahren gab es keine Jeepstrasse bis nach Tato im Rakyutt-Tal.
00:40:51Der Anmarsch von Srinagar in Kaschmir war lang und beschwerlich.
00:40:55Reinhold Messner zeigt Simon und Anna den Aufstiegsweg, den die Merkel-Expedition gefunden hat.
00:41:01Die einzelnen Lagerplätze, den Silbersattel, das Silberplateau.
00:41:06Alles Wortschöpfungen der Pioniere, die mit so viel Sehnsucht angekommen
00:41:10und in grosser Trauer wieder abgestiegen sind.
00:41:13Ihr Weg wäre auch den Messner-Brüdern zum Verhängnis geworden.
00:41:18Es ist immer noch die gleiche Landschaft, wenn auch heute etwas mit Nebeln verhangen wie 1932,
00:41:24als die ersten deutschen Bergstecker hierher kamen.
00:41:27Aber es ist ziemlich verbaut, um nicht zu sagen, es ist überbaut.
00:41:32Und es liegt leider sehr viel Müll herum.
00:41:35Also hier ist wirklich Aufklärung notwendig, um einigermaßen an dieses Flair,
00:41:41dass die Märchenwiese oder Nangaparbat haben, wieder heranzukommen.
00:42:01Willi Merkel führte die erste deutsche Expedition zum Nangaparbat.
00:42:06Es war 1932.
00:42:10Man bestieg den Rakjot Peak und glaubte, den einzigen Weg zum Gipfel gefunden zu haben.
00:42:16Heute findet man ihren Müll im Toteisgletscher im Talgrund.
00:42:331934 dann die erste große Tragödie.
00:42:36Wieder ist Merkel der Expeditionsleiter.
00:42:40Eine starke Mannschaft ist aufgeboten.
00:42:42Der Anmarsch läuft glatt.
00:42:44Dann aber stirbt Alfred Drechsel an der Höhenkrankheit.
00:42:47Wertvolle Zeit geht verloren.
00:42:49Der Angriff zum Gipfel stockt am Silbersattel.
00:42:53Schneesturm kommt auf.
00:42:55Merkel zögert.
00:42:57Aschenbrenner und Schneider, zwei Tiroler, kommen noch durch.
00:43:01Wieland, Welsenbach, der beste Bergsteiger seiner Zeit,
00:43:04und Merkel sterben beim Abstieg an Erschöpfung.
00:43:08Dazu sechs Sherpa.
00:43:11Der Nangaparbat wird in der Heimat zum Schicksalsberg der Deutschen hochstilisiert.
00:43:20Nach Tagen in der Schneehölle kommt Ang Zering zurück, wie aus dem Totenreich, und berichtet vom Sterben der Kameraden.
00:43:391937 führt Carlo Wien, die nächste deutsche Expedition, zum Nangar.
00:43:46In der Nacht, im Lager 4, unter dem Rakjot-Pik, überspült eine Eislawine das Lager.
00:43:5216 Menschen sterben.
00:43:54Nur noch die Zeltspitzen ragten aus dem Schnee.
00:44:00Eine Hilfsgruppe aus Europa angereist, grob die Zelte mit den Toten aus.
00:44:081953 führt Karl Maria Herrlikhoffer, der Halbbruder von Willy Merkel, seine erste Expedition zum Nangaparbat.
00:44:16Sie ist von militärischem Geist geprägt und zuletzt erfolgreich.
00:44:21Wir gelohnt, in dem Ringen um einen der höchsten Gipfel unserer Erde,
00:44:27ehrhafte Kämpfer zu sein,
00:44:29und uns mit ganzer Kraft für die Erreichung des hohen Zieles einzusetzen.
00:44:34Auf unserer Expedition Bergheil.
00:44:37Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil!
00:44:43Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil!
00:44:47Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil!
00:44:57Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Bergheil! Berg
00:45:13so that Buhl and Kempner should go on.
00:45:25But then Buhl goes on, he is ready,
00:45:29he goes up to the Silver Sattles,
00:45:31and as Kempner comes back there,
00:45:35he sees it near the nearer point,
00:45:37near the North, under the Vor-Gipfel.
00:45:40Buhl steigt dann von dort ab in die kleine Scharte
00:45:43zwischen einem messerscharfen Felsgrat,
00:45:46packt diesen Grat an,
00:45:48Schwierigkeit 5. Grad in fast 8.000 m Meereshöhe,
00:45:52erreicht die Schulter und schleppt sich
00:45:54gegen 7 Uhr abends zum Haupt-Gipfel,
00:45:56wo er das berühmte Bild macht,
00:45:58sein Pickel mit dem Clubwimpel
00:45:59und dahinter der Silver Sattel.
00:46:03Nun ist Buhl unendlich weit Weg von jeder Hilfestellung,
00:46:07unendlich weit Weg von der Zivilisation
00:46:10oder auch nur den Kameraden,
00:46:12die im letzten Lager auf ihn warten.
00:46:22Buhl steigt zurück zur Schulter,
00:46:24er traut sich nicht mehr zurück über diesen Felsgrat
00:46:28und steigt direkt in die Badsinnmulde ab,
00:46:30ein Stück weit, dann kommt die Nacht.
00:46:32Er bleibt stehen, er findet keinen Platz,
00:46:35wo er hocken oder liegen könnte.
00:46:37Die ganze Nacht verbringt er stehend,
00:46:39hat sich inzwischen mit Pervitin aufgeputscht,
00:46:42das ist eine Fliegerdroge aus dem 2. Weltkrieg,
00:46:45die ihm Herrlekoffer mitgegeben hat.
00:46:47Und am nächsten Tag steigt er dann über Schneerinnen herunter
00:46:51in die Badsinnmulde, steigt zurück zum Vorgipfel,
00:46:56unendlich mühsam dieser Gegenaufstieg,
00:46:59und dann schleppt er sich über das Silberplateau allizionierend
00:47:04zurück zum Silbersattel und zurück zu den Kameraden Erdl-Fraudenberger,
00:47:09die auf ihn dort warten.
00:47:12Und dort erzählt er diese Geschichte,
00:47:14eine, ja, ich würde sagen, Sternstunde der Bergsteiger-Historie.
00:47:34Um die Dramatik der Expedition von 1970 nachempfinden zu können,
00:47:39steigen Anna, Simon und sein Vater das Diamiertal hinauf.
00:47:43Über einen schmalen Pfad erreichen sie, nach vielen Stunden,
00:47:47ein erstes kleines Dorf, sehr.
00:47:50Das Tal öffnet sich.
00:47:52Der Gipfel des Nangaparbad wird sichtbar.
00:47:58Gegen Abend erreichen sie Nagaton,
00:48:01eine Alm, die nur während der Sommermonate bewohnt ist.
00:48:04Dort hat Reinhold Messner 1970
00:48:06die erste Nacht in der Obhut von Einheimischen verbracht,
00:48:09nachdem er seinen Bruder am Fuße der Wand verloren hatte.
00:48:14Über einen Toteisgletscher, der gequert wird,
00:48:17geht es zur letzten Almfläche, die sich zum Diamergletscher hochzieht,
00:48:21wo heute das Basislager steht.
00:48:24Ständig sind Geräusche zu hören,
00:48:26Steine, die in Spalten rutschen, Gletscherbäche,
00:48:29irgendwo geht eine Lawine ab.
00:48:32Und über allem ragt die Diamierwand auf.
00:48:35Eisbepackt, konkav, wie eine gigantische Staumauer.
00:48:42Von oben kommend ist es viel schwieriger,
00:48:46einen Weg auszumachen, eine Kletterroute auszumachen,
00:48:49als von unten kommend.
00:48:51Wenn ich von unten komme und eine Bergflanke,
00:48:54eine Wand aus einem bestimmten Respektsabstand sehe,
00:48:58kann ich mit meinem geschulten Auge aus dem Berg herauslesen,
00:49:02wo ich am besten steigen kann.
00:49:03Von oben kommend ist alles nur Abgrund.
00:49:06Am Beginn war es nicht so steil.
00:49:09Und am Beginn haben wir es so gemacht,
00:49:10dass ich ein Stück weit vorausging.
00:49:12Die Wand ist ja voller Seerex, also Abbrüche,
00:49:15wo wir nicht hätten hinunterkommen können.
00:49:17Und ich habe Stück für Stück einen Weg herausgelesen,
00:49:20der für Günther gangbar war.
00:49:22Und habe, nachdem ich ein Stück weit wieder voraussehen konnte
00:49:26und ahnen konnte, dass es weitergeht,
00:49:28ihn nachgelotscht.
00:49:31Der Abstieg zum Teil im Nebel.
00:49:34Die tödliche Nacht mit der Kälte, mit der Dunkelheit
00:49:38und vor allem mit einem Durst, der fast tödlich wirkte.
00:49:43Wir beide waren mit dem Sterben einverstanden,
00:49:45aber solange Energie in uns steckte,
00:49:49war der Überlebenstrieb so stark,
00:49:51dass wir uns Schritt für Schritt weiter zwangen.
00:49:55Und jetzt kamen plötzlich diese Halluzinationen.
00:50:00Es waren nicht Visionen, es waren Halluzinationen.
00:50:02Es war ein anderer da, der vorausging,
00:50:05dem ich nur Folgen brauchte.
00:50:06Und ich sagte sogar meinem Bruder,
00:50:08jetzt sind wir gerettet, da ist einer, der zeigt mir den Weg.
00:50:12Und der hat gesagt, du bist nicht ganz bei Trost.
00:50:14Und wir sind mit dieser Orientierungshilfe
00:50:18aus dieser Notlage herausgekommen
00:50:20und in eine riesige Schneefläche gekommen.
00:50:24Also nicht flach, aber auch nicht steil.
00:50:26Da konnte man ganz normal gehen.
00:50:35Es war laut am Gletscherrand, als die Eislawine abging.
00:50:39Günther am Wandfuß wartend, hinter einem Eisrücken verdeckt.
00:50:44Für Reinhold also nicht sichtbar.
00:50:48Während ich nun voraus, ziemlich weit voraus war,
00:50:52um den Weg zu suchen, muss das Unglück passiert sein.
00:50:55Und als mein Bruder nicht nachkam und nicht nachkam,
00:50:57bin ich zurückgegangen und habe nach ihm gesucht,
00:51:01habe die Eisbrocken gesehen,
00:51:03die relativ tief vom Nangababat abgebrochen waren.
00:51:07Deswegen hatte ich auch weiter nichts gehört,
00:51:09sondern in diesem Geräusch der Brunnen,
00:51:12die inzwischen da und dort auftauchten,
00:51:15verspalten, die irgendwo krachten,
00:51:16eine Lawine, die irgendwo abging.
00:51:18Es war ein einziges Gewirr von Geräuschen,
00:51:21die mich jetzt umgab.
00:51:22Ich bin wieder zurückgegangen,
00:51:24habe ihn nicht gefunden,
00:51:25bin eine Nacht lang da oben geblieben.
00:51:27In diesem Zerrissensein ist mein Bruder noch am Leben.
00:51:30Ich habe ihn reden gehört,
00:51:32es war aber nicht mein Bruder, wenn ich dort hinkam.
00:51:35Ich habe gewusst, er ist dort eine Lawine
00:51:37und habe immer wieder die Bilder gehabt,
00:51:39nein, er irrt, so wie ich irgendwo herum.
00:51:42Und erst am nächsten Tag,
00:51:44nachdem ich erkannt habe,
00:51:46ich kann mit bloßen Händen meinen Bruder nicht ausgraben,
00:51:49bin ich Talplatz gegangen.
00:51:52Gleichzeitig die rationale Erkenntnis,
00:51:54er ist dort, er ist unter eine Lawine geraten
00:51:57und in einer wagen Hoffnung, eine Vorstellung,
00:52:03der muss noch irgendwo sein.
00:52:04Und das wurde immer schlimmer.
00:52:06Mein Bruder ist irgendwo hinter mir
00:52:07und ich habe mich umgedreht und geschaut.
00:52:09Aber ich wusste, er ist dort.
00:52:12Am 29. Juni 1970 stirbt Günter Messner
00:52:17am Wandfuss der Diamir-Seite des Nanga Parbat
00:52:20durch eine Lawine.
00:52:21Er war gerade 24 Jahre alt geworden.
00:52:28Während Reinhold auf dem Gletscher herumirrt,
00:52:31den Bruder rufend irre geworden,
00:52:33kommen auf der anderen Seite des Berges
00:52:35Kuhn und dann Scholz zurück.
00:52:38Auch sie haben den Gipfel erreicht,
00:52:41berichten von der Begegnung mit den Messner-Brüdern
00:52:43und der Unmöglichkeit, ihnen im Aufstieg zu helfen.
00:52:47Die Aufregung ist groß.
00:52:50Herrlikhoffer tut alles, was in seiner Macht steht,
00:52:52muss aber das Schlimmste annehmen.
00:53:05Andern Tags lässt er den linken Teil der Rupal-Wand
00:53:08nach Zeichen oder Spuren absuchen.
00:53:10Aber nichts.
00:53:12Also muss der Expeditionsleiter annehmen,
00:53:14dass die Brüder im Gipfelbereich gestorben sind.
00:53:18Eine Rettung so hoch oben ist undenkbar.
00:53:24Im Basislager macht man sich große Sorgen.
00:53:27Hätten sie gewusst, wo die Messners abgestiegen sind,
00:53:31Herrlikhoffer hätte Helfer geschickt.
00:53:33In spätestens zwölf Stunden hätten ausgeruhte Bergsteiger
00:53:37das Diamirtal über den Mazenopass erreichen können.
00:53:41Im Basislager aber kann niemand ahnen, wo die Messners sind.
00:53:46Beide tot irgendwo hoch oben am Berg, ist die naheliegende Antwort.
00:54:07Saaler und Mendel sind die Letzten, die aus dem oberen Bereich der Rupal-Wand
00:54:11ins Basislager absteigen.
00:54:15Der Expeditionsleiter Herrlikhoffer ließ das Basislager abbauen.
00:54:20Die Fahnen wurden eingeholt und die Mannschaft ging auf den Heimweg.
00:54:26Zurück über das Astrotal nach Gilgit mit dem Plan,
00:54:30dann im Flieger zurück nach Erwalbindi zu kommen.
00:54:47Am Fuße der Diamirwand ist ein riesiges Gletschertal.
00:54:51Von allen Seiten strömen diese Gletscher in den Diamirgletscher hinein.
00:54:56Aber von oben gab es keine Übersicht.
00:55:00Es gab nur Chaos unter uns.
00:55:03Und dieses Verlorensein am Fuße des Berges
00:55:07war mindestens so schlimm wie die Verzweiflung höher oben,
00:55:11weil es keinen weiter Weg gab.
00:55:18Inzwischen war ich allein geblieben und irrte im Diamirtal auf Hilfe hoffend umher.
00:55:29Nachdem ich allein geblieben war, hörte ich Stimmen.
00:55:34Es war ein ganzes Gemisch von Stimmen, Menschenstimmen.
00:55:38Ich wusste nicht, wer das war, aber es war, als wäre ich in einem Theater,
00:55:46wo Menschen durcheinander reden würden.
00:55:52Ich irrte inzwischen durch eine wild verworfene Gletscherlandschaft,
00:55:56erwartete Hilfe, blieb aber mit meinen Halluzinationen,
00:56:01mit meiner Verzweiflung allein, tagelang.
00:56:11Während ich in die Nähe der Moränen kam, sah ich plötzlich Reiter auf mich zukommen.
00:56:17Und ich fühlte mich gerettet.
00:56:19Aber als ich näher und näher kam,
00:56:22entpuppten sich diese Reiter als Sträucher oder als Steine am Gletscherrand.
00:56:36Die Halluzinationen wurden immer mehr.
00:56:39Und ich wusste, dass ich von Stimmen und Bildern genarrt wurde.
00:56:44Trotzdem nahm ich sie weiterhin als Realität wahr.
00:56:48Ich hatte dann keine Zweifel, dass das wirklich Helfer, Retter, andere Menschen wären.
00:56:54In der Stadt der Stimme, der hat mich vorgetragen,
00:57:14in der Stadt der Stadt der Stadt der Stadt der Stadt der Stadt der Stadt der Stadt.
00:57:23Because I followed the Jack-Mist, I came to the right side of the hill, otherwise I would have gone
00:57:29into nothing, I would have found no people.
00:57:32But I needed a while from this gletschertal over the left side of the hill, on the right side of
00:57:41the hill, because I always went down.
00:57:42I got up, I got up, I got up, I got up, I got up, I got up, I got
00:57:45up, I got up again, I got up again, I got up again, I got up again.
00:57:50And then it seemed, that I would not be able to achieve that.
00:59:16Obwohl ich wusste, ich unterliege diesen Halluzinationen, sind sie immer wieder gekommen.
00:59:22Und ich bin wieder sicher gewesen, das ist Realität, da ist jemand, da hilft mir jemand.
00:59:28Wir sind vom Basislager rübergekommen oder was auch immer.
00:59:31Und ich ging talwärts aus einer reinen Instinkthandlung heraus.
00:59:39Geplagt von Halluzinationen, abgemagert, völlig am Ende, war ich bereit zu sterben.
00:59:47Sich in den Tod fallen zu lassen, wäre einfacher gewesen, als weiterzugehen.
00:59:51Aber der Selbsterhaltungstrieb zwang mich immer wieder auf die Beine und Schritt für Schritt weiter talwärts.
01:00:26Musik
01:00:43Diese Halluzinationen machten mir Hoffnung.
01:00:46Und führten mich weiter talwärts.
01:00:50Als ich endlich zu Holzfällern kam, musste ich einen dieser Männer angreifen, um mir selber zu glauben, dass ich zu
01:00:59den Menschen zurückgefunden hatte.
01:01:11Musik
01:01:18Musik
01:01:20You can't stop.
01:01:21You can't stop.
01:01:22Come on.
01:01:26Come on.
01:01:26Come on.
01:01:29Come on.
01:01:30Come on.
01:01:33Come on.
01:01:50Ich war da Wildnis ausgeliefert.
01:01:53Nicht mehr gehfähig.
01:01:55Damit auch den Einheimischen ausgeliefert.
01:01:57Hoch oben im Diamir-Tal.
01:02:00Aber das Grundvertrauen in die Menschheit hat mir geholfen,
01:02:04nicht zu verzweifeln und die Hoffnung aufrechtzuerhalten.
01:02:18Damals wusste ich nicht, wo ich war.
01:02:21Heute weiß ich, ich war in Nagaton in der oberen Alm.
01:02:26Und die Einheimischen haben mich aufgenommen.
01:02:30Ich habe mich ihnen anvertraut.
01:02:33Und sie haben mich begleitet hinunter ins Tal
01:02:36und dann am Ende zurückgetragen in die Zivilisation.
01:03:11In Nagaton legten sie mich unter einen Baum.
01:03:15Und die alten Männer von der Alm sangen mich in das Leben zurück.
01:03:20Eine ganze Nacht lang.
01:03:21Und dieden, dass sie Colombon peoplealityはい knifeegree sind,
01:03:49und wie sie sa wo Base stand.
01:03:49Und dann Gracias an unsere Aufmerksamkeit sind,
01:03:49und wie sie brauche.
01:03:51Und dann werden die Alternative Will shopping.
01:03:51Er ist in gekauft,
01:04:20Satsang with Mooji
01:04:50Satsang with Mooji
01:04:57Bald nach unserem Zusammentreffen, die Expedition war damals schon auf der Heimreise, behauptete Herlekoffer, der Expeditionsleiter, die rote Rakete hätte
01:05:07Gipfelstopp bedeutet.
01:05:09Und Günther sei an der Merkelscharte verstorben. Woher er diese Informationen nahm, ist mir unbekannt. Es war aber nicht die
01:05:19Tatsache.
01:05:20Damit begann ein unguter Streit, der sich nach und nach gesteigert hat.
01:05:26Herlekoffer blieb übrigens bis zu seinem Lebensende bei der Behauptung, Günther müsse an der Merkelscharte verstorben sein.
01:05:33Er würde dann heute noch dort oben liegen, weil dort der Gletscher keine Bewegungen hat.
01:05:39Später haben andere Kameraden von dieser Expedition die Behauptung aufgestellt, ich hätte Günther an der Merkelscharte bzw. am Südgipfel in
01:05:49die Rupalwand zurückgeschickt,
01:05:50um meinen Ehrgeiz befriedigend diese Überschreitung des Nangapavad im Alleingang machen zu können.
01:05:58Auch das war eine reine Verschwörungstheorie aus der Luft gegriffen.
01:06:03Aber die Verschwörungstheorien haben ein längeres Leben als die Tatsachen, die bewiesen wurden,
01:06:12als mein Bruder am Fuße der Diamierwand gefunden wurde, 3,5 Kilometer entfernt von der Stelle, wo er ins Eis
01:06:20geraten war, unter eine Lawine gekommen war.
01:06:24Teilnehmer der Expedition von 1970 warfen Messner noch 2003 bei einer Pressekonferenz vor, Günther dem Ehrgeiz geopfert zu haben.
01:06:35Die Version, die er beschrieben hat, kann so nicht sein. Davon bin ich überzeugt.
01:06:42Das ist meine, einfach schlicht meine Überzeugung, meine Erkenntnis aufgrund der gesamten Umstände.
01:06:47Hans Sala glaubt, dass Reinhold Messner von Anfang an die riskante Überschreitung geplant hatte und den Bruder womöglich alleine zurückließ.
01:06:55Es gibt keinen Punkt, aber auch wirklich keinen Punkt, der dafür sprechen würde, auf der anderen Seite, auf der Diamier
01:07:00-Seite abzusteigen.
01:07:01Das ist einmal der Hauptpunkt. Und dann eine Schilderung von Reinhold Messner, wie das abgelaufen wäre, da gibt es also
01:07:08einen Widerspruch nach dem anderen.
01:07:10Also, man kann mir alles unterstellen, aber den Erfolg an der Rupalwand galt es am Gipfel nur ins Tal zu
01:07:16retten.
01:07:17Weil sonst war er nichts wert. Und jetzt noch was draufsetzen, um diesen Gipfel-Erfolg zu riskieren, das wäre dumm
01:07:23gewesen.
01:07:24Vor allem von einem ehrgeizigen Bergsteiger, wie ich einer war.
01:07:302005, zwei Jahre nach der Pressekonferenz im Alpenvereinshaus in München, wurden Leichenteile von Günther im Diamier-Gletscher gefunden und eindeutig
01:07:40identifiziert.
01:07:45In 35 Jahren hat das Eis den Bruder 3,5 Kilometer talwärts getragen.
01:07:53Bis dorthin, wo die Gletscherschmelze stark genug war, um das Oberflächeneis wegzutauen.
01:07:59Und so ist er auf dem Toteisgletscher aufgetaucht.
01:08:02Oder seine Überreste sind dort aufgetaucht.
01:08:07Genetische Untersuchungen haben eindeutig gezeigt, dass es nur mein Bruder sein kann.
01:08:12Und das letzte Beweisstück für mich persönlich ist diese kleine Schnur.
01:08:17Die haben nur die hinteren Dichten Macht immer, um die Steigeisenremen da durchzufädeln,
01:08:22dass sie nicht ab und runterrutschen.
01:08:24Das ist sozusagen ein kleiner Trick gewesen von uns.
01:08:26Und das ist für mich der allerletzte Beweis.
01:08:29Die Lendenwirbel hier unten, die Bandscheiben.
01:08:32Also derjenige hatte auch keine Bandscheiben bestellt.
01:08:35Das sind alle gekackt.
01:08:38Da waren die 13, 14 Jahre.
01:08:41Das ist die Fortsetzung.
01:08:43Das schauen wir jetzt gerade an.
01:08:46Vom luxuriösen Basislager heute schaue ich hinauf in die Diamierwand bis zum Gipfel.
01:08:50Und die Bilder von 1970 kommen in meine Erinnerung.
01:08:55Die Verzweiflung oben am Südgipfel.
01:08:57Was machen wir jetzt?
01:08:58Abstieg unmöglich.
01:09:00Dann der abendliche, nächtliche Abstieg zur Merkel-Scharte.
01:09:04Das fürchterliche Piwak.
01:09:06Die Orientierungslosigkeit vielfach.
01:09:09Das Vorausgehen.
01:09:10Der Bruder wartet.
01:09:11Ich rufe ihn nach, wenn ich sah, dass es weitergeht.
01:09:15Halluzinierend.
01:09:16Immer wieder geplagt von sonderbaren Vorstellungen.
01:09:21Die Unmöglichkeit vor uns, dass uns Spalten oder auch senkrechte Felsstufen aufhalten könnten,
01:09:27weil wir ja nicht abseilen konnten ohne ein Seil.
01:09:31Es war eine zweitägige Verzweiflungssituation.
01:09:36Vor allem dann nach dem ersten Piwak, das beinahe tödlich gewesen wäre.
01:09:42Ein zweites Piwak.
01:09:43Nicht mehr so hoch, nicht mehr so kalt.
01:09:46Aber inzwischen waren wir völlig ausgedörrt.
01:09:48Hatten nicht nur nichts zu essen, sondern auch nichts zu trinken.
01:09:51Es war nicht denkbar, Eis oder Schnee zu lutschen, weil das viel zu kalt war.
01:09:57Und dann am Ende die Eisströme, über die wir hinuntergingen.
01:10:03Und ich immer wieder vorausversuchte, an Spalten vorbei für Günther einen brauchbaren Weg zu finden,
01:10:07der ja nicht doppelte und dreifache Wege gehen konnte.
01:10:11Und dann am Bahnfuß, ich war weit voraus, um zwischen einem letzten Gletscherstrom überhaupt eine Möglichkeit zu sehen, ins Grüne
01:10:20zu kommen, die Lawine.
01:10:31Die Feuerbestattung andern Tags am Fuße des Nangaparbat ist ergreifend und befreiend zugleich.
01:10:38Wollen wir doch alle unsere Toten bestattet sehen.
01:10:44Wir sind hier zusammengekommen, um dir in dieser Landschaft am Fuße des Berges, der dir dein Leben gekostet hat, die
01:10:53letzte Ruhestin bereiten.
01:11:00Wir sind hier in dieser Landschaft am Fuße des Nangaparbat.
01:11:15Musik
01:11:38Ein Jahr nach dem Leichenfund reise ich mit den Familien in die Köln.
01:11:42Meine Brüder und der Schwester, der Nangaparbat, auf das wir gemeinsam von Günther Abschied nehmen können.
01:11:49Wir Menschen haben ja ein starkes Bedürfnis, unsere Toten zu bestatten.
01:11:54Traurig bin ich nur, dass meine Eltern nicht mehr dabei sein können, die inzwischen verstorben sind.
01:11:59Denn sie haben unter diesem Verlust am meisten gelitten.
01:12:05Mehr noch unter den vielen Vorwürfen, die immer wieder wiederholt worden sind im Laufe von 50 Jahren.
01:12:20Die Familie wandert durch das Diamiertal aufwärts.
01:12:24Dann, plötzlich, sehen die Geschwister erstmals den Nangaparbat vor sich.
01:12:29Vor dem Kessel ist ein Buckel mit riesigen Spalten.
01:12:33Und du kannst links vorbeigehen zwischen zwei Eisbrüfen, kann man durchgehen, das sieht man.
01:12:38Und man konnte theoretisch, aber ohne zu wissen, ob es geht oder nicht, auch rechts vorbeigehen.
01:12:44Es war ein langer Weg, aber es war eine Befreiung für unsere Familie.
01:12:50Denn Sie können sich vorstellen, wie meine Eltern, die Brüder und auch meine Schwester darunter gelitten haben,
01:12:58dass ich über Jahrzehnte hinweg mit Anwürfen der schlimmsten Art konfrontiert war.
01:13:04Man unterstellte mir, ich hätte dem Bruder dem Ehrgeiz geopfert.
01:13:24Aus Dank für seine Rettung 1970 im Diamiertal hat Reinhold Messner eine Stiftung gegründet,
01:13:31um den Menschen rund um den Nangaparbat das Bleiben zu ermöglichen und so Hilfe zur Selbsthilfe zu finden.
01:13:38Vor allem soll die Schulbildung vor Ort besser werden.
01:13:46Vieles von dem, was ich über das Leben weiß und was mich bis heute überleben ließ,
01:13:53verdanke ich den Bergvölkern, die mich auf meinen Reisen und Expeditionen begleitet haben.
01:13:58Den Kalasch, den Hunsas, den Baltis, den Sherpas, den Gurkas, den Duareg, den Inuits, um nur einige Beispiele zu nennen.
01:14:07Die meisten von ihnen sind Selbstversorger geblieben.
01:14:11Auch Halbnomaden, wie ich es auf ganz andere Weise auch bin.
01:14:16Sie sind alle Schicksalsergebener als wir im Westen und die allermeisten von ihnen stillschweigend einverstanden mit dem Tod.
01:14:29Am Ende dieser Expedition 2019, zum 75. Geburtstag, Rückkehr zum Nangaparbat,
01:14:37wollte ich mit meinem Sohn Simon auf den Dosche-Pik steigen.
01:14:41Auf jenen Gipfel, den wir von der Rupal-Wand aus aus den höheren Lagern immer wieder gesehen hatten.
01:14:47Hinter dem sich die Wolkenbänke aufgebaut hatten, der uns sozusagen die Wetterstimmung, die Wettervoraussicht meldete.
01:14:59Und jetzt wollte ich umgekehrt von diesem Gipfel auf den Nangaparbat schauen.
01:15:10Zeitig in der Früh brechen Vater und Sohn auf, um jene Erstbesteigung zu wagen, die sich Günther und Reinhold 50
01:15:18Jahre zuvor ausgedacht hatten.
01:15:20Wollten sie doch, nach dem Nangaparbat, wieder und wieder in jenes Schneeland aufbrechen, von dem sie zuvor nur geträumt hatten.
01:15:31Aber mir waren die Verhältnisse zu schlecht. Schlimme Schneeverhältnisse, Bruchharsch, Lawinenschnee, tiefer, feuchter Schnee.
01:15:40Aber mein Sohn wagte es dann im Alleingang. Und so konnte er vom Gipfel zurück auf den Nangaparbat schauen, meinen
01:15:49Schlüsselberg.
01:16:00Und so konnte er vom Gipfel zurück auf den Nangaparbat schauen.
01:16:29Juhu! Gipfel, Tosche, Peak, Erstbesteigung.
01:16:34Nun war Simon oben gewesen und er konnte jetzt genau dorthin schauen, von wo wir hergeschaut haben.
01:16:43Das war für mich eine Art Erlösung. Er hat das getan, was Günther und ich leider nicht mehr gemeinsam tun
01:16:49konnten.
01:16:50Ich bin froh, ich bin froh, ich bin froh.
01:17:29Also heute am Tag nach der geglückten Erstbesteigung des Gashot Peak bin ich doch glücklich und auch ein bisschen stolz,
01:17:36gebe ich gern zu.
01:17:37Weil eine Erstbesteigung heute selten ist, vor allem von einem höheren Berg, gar nicht mehr so alltäglich.
01:17:43Und trotz des schwierigen Schneeverhältnisses, das heißt in der ganzen Wand lag jede Menge Schnee mit Bruchharsch, mit Pulver, mit
01:17:51unguten Verhältnissen,
01:17:52macht mich das doppelt stolz, dass es geglückt ist.
01:18:051978 bestieg ich den Nangababat meinen Schlüsselberg ein zweites Mal über eine neue Route und ganz allein.
01:18:14Sechs Tage lang in einer schier vertikalen Schneewüste.
01:18:33Günther hat seine Ruhe gefunden und der Berg von Nangababat lügt nicht.
01:18:37An seinen Flanken und Graten ist genau bis ins kleinste Detail nachlesbar, warum wir so und nicht anders handeln konnten.
01:18:48Es geht dabei nicht um richtig oder falsch, es geht nur um die Tatsachen.
01:18:53Denn alles andere als die Tatsachen ist nur Wichtigtuerei von uns Menschen gegenüber der Natur des Berges.
01:19:03Kein Berg der Welt hat mich stärker geprägt als der Nangababat.
01:19:07Keine Angst war größer als die Angst um meinen Bruder.
01:19:11Kein Gipfelglück aufregender als jenes nach dem Alleingang.
01:19:16Und so ist mir der Nangababat zum König der Berge geworden.
01:19:52Kein Gipfelglück aufregender als jenes nach dem Alleingang.
01:19:53Kein Gipfel пожre lessenpart-
01:19:58Kein Gipfel automatisch.
01:20:04Kein Gipfel erstattel.
01:20:09Kein Gipfel.
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