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00:00The last PISA-Studio was a disaster.
00:04The German students and teachers have achieved their best results.
00:12I wonder why since the last study has nothing changed,
00:16although the problems are known.
00:18I will confront our minister.
00:22We have no knowledge problem, but a problem.
00:25That's not a problem.
00:27Besonders schockierend, ob Kinder das Abitur schaffen und studieren,
00:30hängt in Deutschland vom Einkommen und Bildungsgrad der Eltern ab.
00:37Am besten schneiden die Kinder ab,
00:39deren Eltern über 5.500 Euro im Monat verdienen,
00:42beide Akademiker sind und keinen Migrationshintergrund haben.
00:45Auf Vielfalt und Chancengerechtigkeit
00:47wird im deutschen Schulsystem bisher viel zu wenig Wert gelegt.
00:54Das Ziel des Schulsystems war viel zu lange,
00:56Unterschiede wegzukriegen.
00:58Am Ende sollen möglichst alle zur gleichen Zeit
00:59gleich viel Wissen sich gleich verhalten.
01:02Das hat offensichtlich nicht funktioniert.
01:04Wir brauchen neue Lösungen.
01:06Ich will ein deutsches Gymnasium besuchen,
01:08das sich Chancengerechtigkeit als oberstes Ziel gesetzt hat.
01:13Beim Thema Bildungschancen braucht Deutschland Nachhilfe.
01:16Da können wir von anderen Ländern lernen.
01:19Zum Beispiel von Kanada.
01:20Was Kanada ja schafft ist,
01:23sowohl als erfolgreiches Land in Erscheinung zu treten
01:26und zugleich Wohlfühlen als Zentrum von Pädagogik zu verstehen.
01:31Wieso ist Kanada so erfolgreich?
01:34Wie schafft es das Land bei PISA,
01:36Bildungschancen und im Glücksindex Bestnoten zu bekommen?
01:39Das will ich vor Ort rausfinden.
01:53Ich will dieses moderne Schulsystem kennenlernen,
01:57das unserem so viel voraus haben soll.
02:00Nach 24 Stunden Reise stehe ich hier,
02:02mitten in Winnipeg, einer Stadt im Süden Kanadas.
02:07Wegen der Gordon Bell High School bin ich hierher gereist.
02:20Ganz schön verbarrikadiert das Ding irgendwie.
02:22Also, ich bin mal gespannt, wie es drinnen aussieht.
02:32Ich bin mit dem Schuldirektor verabredet.
02:35Es ist kurz nach acht und auffallend ruhig hier.
02:43Guten Morgen und willkommen in der Gordon Bell.
02:45Ich bin Frank, Mr. Winn, oder?
02:47Ja, richtig.
02:49Winn war hier selbstmals Schüler
02:51und ist als Direktor an die High School zurückgekommen.
02:56Mein erster Eindruck, es sieht so aus, als gäbe es keine Fenster.
03:01Du hast recht, es gibt keine Fenster.
03:04Es sollen aber bald wieder welche geben.
03:06Die Schule wird gerade renoviert
03:08und sie erneuern die Fenster und Außenwände.
03:14Ist gerade Unterricht?
03:17Noch kein Unterricht.
03:18Aber die Schüler dürfen schon in die Schule kommen und frühstücken.
03:22Und ein paar Kurse finden schon jetzt vor dem regulären Unterricht statt,
03:26wie der Chor.
03:27Also jetzt ist der Chor? Können wir da vorbeischauen?
03:30Klar, hören wir ihn uns an.
03:32Wo?
03:33Wir sind im zweiten Stock.
03:34Okay.
03:36Der eigentliche Unterricht beginnt hier erst um 9 Uhr.
03:38Eine Uhrzeit, die besser zum Biorhythmus von Teenagern passt.
03:42Einen späteren Unterrichtsanfang wünschen sich auch viele Familien in Deutschland.
03:47Ich höre den Chor schon.
04:04Im Chor treffen sich Jugendliche aus allen Klassen.
04:26Hier lerne ich Celeste kennen.
04:31Hi.
04:32Hi.
04:32Hi.
04:32I'm Frank.
04:33I'm Celeste.
04:33Nice to meet you.
04:34Hi.
04:34Wie ist es mit dem Chor in den Tag zu starten?
04:37Großartig.
04:38Ich liebe es, morgens zu singen.
04:40Welches Fach hast du denn jetzt?
04:41Ich habe Mathe.
04:42Kann ich mitkommen?
04:43Klar.
04:46Seleste ist 17 Jahre alt und im 11. Schuljahr.
04:49Vor zwei Jahren ist sie mit ihrem Vater aus Nigeria nach Kanada geflohen.
04:54Ihre Mutter ist früh verstorben und der Vater wollte für Celeste mehr Sicherheit und eine
04:58bessere Bildung.
04:59Eine Zukunft.
05:07Oh, was passiert jetzt?
05:14Sie singen die Nationalhymne O Kanada und wir sollten so lange stehen bleiben.
05:42Und jetzt können wir weiter?
05:44Ja.
05:45Ein verbindendes Element für alle, die Nationalhymne Kanadas.
05:49Sie erklingt jeden Morgen um 9 Uhr.
05:52Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler ist in den letzten fünf Jahren nach Kanada eingewandert.
05:56Meist mit einer anderen Muttersprache als Englisch.
05:59Celeste spricht als Nigerianerin perfekt Englisch.
06:02Sie arbeitet auf ihren Highschool-Abschluss im nächsten Jahr hin.
06:06Für die Mathestunde hat sie vom Lehrer Aufgaben bekommen, die sie alleine bearbeiten soll.
06:11Wenn ich die so sehe, wundert es mich nicht, dass Kanadas Schülerinnen und Schüler beim PISA-Test
06:15in Mathe so gut abgeschnitten haben.
06:26Ich verstehe das alles nicht.
06:28Mathe war immer mein schlechtestes Fach.
06:32Wir haben alle unsere Schwachpunkte.
06:35In Mathe hat Celeste definitiv keinen Schwachpunkt.
06:42Letztes Jahr habe ich den Mathestoff für die 11. Klasse durchgearbeitet.
06:45Deswegen bin ich in Mathe jetzt in der 12. Klasse. Das ist hier sehr flexibel.
06:49In Mathe ist sie also schon ein Jahr voraus und kann sich nächstes Schuljahr auf die anderen Fächer konzentrieren.
06:56Für jedes abgeschlossene Fach bekommt sie Punkte für ihren Highschool-Abschluss nach der 12. Klasse.
07:00In dem flexiblen Kurssystem hat sie viele Freiheiten.
07:04Naturwissenschaften interessieren dich also besonders?
07:06Ja, der medizinische Bereich.
07:08Der medizinische Bereich?
07:10Ja.
07:11Möchtest du Ärztin werden?
07:12Ja, das ist mein Ziel.
07:16Mir wurde gesagt, das sei eine besondere Schule.
07:19Was ist denn für dich das Besondere hier?
07:22Egal in welchem Unterricht oder Kurs, du hast immer Leute, auf die du zählen kannst.
07:26Alle sind freundlich und geben dir das Gefühl, willkommen zu sein, dazu zu gehören und nicht ausgeschlossen zu sein.
07:37Celestes Ziel, Medizin zu studieren, ist in greifbarer Nähe.
07:40Und das, obwohl sie mit ihrer Fluchterfahrung und einem alleinerziehenden Vater mit geringem Einkommen schwierige Voraussetzungen hat.
07:48In Kanada ist diese Erfolgsgeschichte statistisch kein Einzelfall.
07:53Denn Kanada steht auf Platz zwei bei Bildungsgerechtigkeit.
07:58Deutschland hingegen auf dem 34. von 39 Plätzen.
08:03Bei Pisa steht Kanada auf Platz acht, ebenfalls weit vor Deutschland.
08:08Das hat den unrühmlichen 24. Platz.
08:15In Deutschland entscheidet der familiäre Hintergrund über das schulische Weiterkommen.
08:21Verdienen die eigenen Eltern wenig?
08:24Haben sie einen niedrigen Bildungsabschluss oder Migrationshintergrund?
08:27Oder sind sie alleinerziehend?
08:30Je mehr dieser Faktoren zusammenkommen, desto kleiner ist die Chance auf einen hohen Bildungsabschluss in Deutschland.
08:37In Kanada hängt die schulische Leistung viel weniger an diesen Faktoren.
08:42Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund erlangen dort durchschnittlich sogar höhere Bildungsabschlüsse als Kinder ohne Migrationshintergrund.
08:54Die Gordon Bell High School ist eine öffentliche Schule in einer wenig privilegierten Nachbarschaft.
09:00Sie bietet auch extra Betreuung und Förderklassen für Schwerbehinderte an.
09:09Auf den Schulgängen finde ich mich in einem echten Querschnitt der Gesellschaft wieder.
09:15Ich bin auf dem Weg zu einer Besonderheit dieser Schule, dem Homebase Learning Center.
09:20Hier wird in besonders familiärer Atmosphäre gelernt.
09:29Entschuldige die Unterbrechung.
09:31Ich bin Kemi. Schön, dich kennenzulernen.
09:34Darf ich hier mitmachen?
09:36Gerne, setz dich. Danke fürs Kommen.
09:40Die Kinder in dieser Gruppe sind zwei bis vier Jahre hinterher im Lernstoff.
09:45Manche haben den Anschluss während der Corona-Schulschließungen verpasst.
09:48Andere haben wegen familiärer oder psychischer Probleme lange Fehlzeiten.
09:56Neun plus minus zwölf.
10:00Benutz die Chips. Zeig damit die positiven und negativen Zahlen.
10:06So könnt ihr es veranschaulichen.
10:10Hier können die Siebt- und Achtklässler den fehlenden Lernstoff aufholen.
10:14Mit viel persönlicher Unterstützung.
10:16Seit Corona haben wir auch in Deutschland immer mehr Kinder,
10:19die in der sozialen Entwicklung und im Lernstand weit hinterherhinken.
10:23Doch darauf wird in unseren Regelschulen kaum Rücksicht genommen.
10:28Kimis größte Aufgabe ist nicht das Lehren, sondern die emotionale Unterstützung ihrer Schützlinge.
10:37Wenn wir am Morgen in die Klasse kommen, ist unser Fokus nicht auf dem akademischen Lernstoff.
10:42Es geht vielmehr ums soziale, emotionale Lernen, ums Ausgleichen mentaler, sozialer Lebensthemen
10:48und darum, die Kinder dazu zu bringen, an sich zu glauben, dass sie es schaffen können.
10:56Ich habe eine Schülerin, die nicht spricht. Sie kommuniziert mit mir, indem sie schreibt, und es geht ihr gut damit.
11:05Wo wären diese Schülerinnen und Schüler ohne dieses Homebase-Learning?
11:10Hm. Sie würden wahrscheinlich in der Masse untergehen und es wäre schwierig für uns, sie zu entdecken.
11:18Die Kinder sollen hier Vertrauen aufbauen in ihre Fähigkeiten, aber auch in die Institution Schule.
11:25In der Gordon Bell High School arbeiten genauso viele pädagogische Hilfskräfte wie Lehrkräfte.
11:31Hier kümmert sich auch mal ein Erwachsener nur um zwei Kinder.
11:34Ein Betreuungsschlüssel, von dem deutsche Lehrkräfte in übervollen Klassen nur träumen.
11:41Nimmst du bitte deinen Hut ab? Danke.
11:48Kannst du noch zwei Sätze schreiben?
11:52Sehr gut. Bleib dran. Ich weiß, du schaffst das.
11:57Das Extra-Personal ermutigt die Schülerinnen und Schüler dazu, fokussiert zu bleiben und geht individuell auf sie ein.
12:04Nicht zuletzt geht es hier darum, jedes Kind im Schulsystem zu halten und ihm so den Abschluss und eine Berufsausbildung
12:11zu ermöglichen.
12:13Ich habe mich gefragt, ob hier alle einen Abschluss schaffen.
12:18Wenn die Herausforderung dafür sehr hoch ist für ein Kind, bekommt es besonders viel Unterstützung.
12:24Diese Unterstützung sollte aber nicht dauerhaft sein.
12:27Die Schülerinnen und Schüler sollen nach und nach lernen, selbst die Verantwortung zu übernehmen.
12:32Wir bemühen uns, innerhalb und außerhalb der Schule Hilfe zu organisieren, um möglichst vielen den Abschluss zu ermöglichen, wenn nicht
12:40sogar allen.
12:42Ein peaceful village soll die Schule sein. Ein friedliches Dorf für die Jugendlichen und für ihre Familien.
12:48Sie bekommen hier Unterstützung auch bei außerschulischen Themen, sogar in ihrer jeweiligen Muttersprache.
13:03Nadja ist Intercultural Support Worker. Ein Beruf, den es so in Deutschland gar nicht gibt.
13:10Was machst du denn als Intercultural Support Worker?
13:15Wir übersetzen, wir geben Rechtsbeistand, wir helfen bei der Wohnungssuche.
13:19Unsere Aufgabe ist es, eine gesunde Umgebung zu schaffen für unsere Schülerinnen und Schüler und ihre Familien.
13:25Ihnen zu helfen, die Unterschiede zu verstehen zwischen dem System in Kanada und dem in ihrer Heimat.
13:32Salam, wie hat Nadja dir und deiner Familie geholfen?
13:35Wenn jemand von uns Hilfe braucht, wie meine kleine Schwester in der Schule, dann steht uns Nadja immer zur Seite.
13:42Das ist, glaube ich, wichtig, um sich in Kanada unterstützt und willkommen zu fühlen.
13:51Nadja und ihre Kolleginnen helfen den neu eingewanderten Familien beim Einleben in die neue Kultur.
13:56Die Kinder können sich so schneller auf die neue Schule und auf das Lernen einlassen.
14:01Wieder geht es hier darum, Stress von den Kindern zu nehmen.
14:04Stress der Konzentration und gutem Lernen im Weg steht.
14:15How, wie sollen sich Schülerinnen und Schüler fühlen, wenn sie an deine Schule kommen?
14:19Als Menschen brauchen wir ein Gefühl der Zugehörigkeit, dass wir an einem Ort geschätzt und respektiert werden.
14:27So können wir unser Potenzial entfalten.
14:30Jeder Mensch hat Talente und Fähigkeiten, die er in die Gemeinschaft einbringen kann.
14:34Aber erst, wenn wir uns zugehörig fühlen, können wir auch etwas von uns großzügig weitergeben.
14:41Ich bin auf die Empfehlung von Professorin Yasemin Karakasoglu zur Gordon Bell gereist.
14:46Sie war für ihre Forschungsarbeit dort.
14:49Was können wir uns hier abschauen?
14:53Diese sehr starke Perspektive auf etwas, was Wellbeing heißt.
15:00Also, dass sich Schülerinnen tatsächlich wohlfühlen, dass auf ihre seelische, körperliche Gesundheit in der Schule sehr stark geachtet wird.
15:09Das finde ich sehr beeindruckend, weil damit auch ein Schulklima verbunden ist, der Offenheit, der Freundlichkeit, der Zugewandtheit.
15:17Das Wohlbefinden als oberstes Ziel der Bildung. Das merke ich hier überall.
15:23Kanada ist eine Mischung aus vielen Kulturen. Das ist überall deutlich sichtbar.
15:28Kulturen von Neuzugewanderten, aber auch von denen, die schon immer hier leben.
15:33Die Ureinwohner Kanadas. Diese Schule steht auf dem Land des Stammes der Metis.
15:3940 Prozent der Schülerinnen und Schüler hier gehören zu den sogenannten First Nations.
15:43In einem speziellen Unterricht lernen sie und ihre Familien das alte Wissen und die Rituale der indigenen Völker kennen.
16:00Die Stunde beginnt mit einem Reinigungsritual. Sie haben mich eingeladen, daran teilzunehmen.
16:06Fünf Prozent der kanadischen Bevölkerung identifizieren sich als Nachkommen der Ureinwohner. Das sind 1,8 Millionen Menschen.
16:15Eine Bevölkerungsgruppe, die durchschnittlich niedrigere Bildungsabschlüsse hat als der Rest der Kanadierinnen und Kanadier.
16:23Das hat einen traurigen Grund. Die Eltern und Großeltern der indigenen Kinder von heute haben Schule und Bildung als wahren
16:31Horror erleben müssen.
16:36Über 150 Jahre lang, noch bis 1996, entrissen Kirche und Staat indigene Kinder ihren Familien und steckten sie in christliche
16:46Internate.
16:46In sogenannte Residential Schools, nur für Indigene.
16:50In diesen Zwangsinternaten wurden die Kinder systematisch mit Gewalt von ihrer Kultur, ihrer Sprache und ihren Familien entfremdet.
16:58Schwerste Bestrafung, Hunger, Folter und sexualisierte Gewalt waren dort Alltag.
17:03Die Folge, schwer traumatisierte Menschen, denen ihre Identität genommen wurde.
17:15Erst seit 2021 kommt ans Licht, dass hunderte Kinder dieses Martyrium nicht überlebten.
17:22Zur Aufarbeitung der grausamen Kolonialgeschichte hatte Kanada schon 2008 eine Kommission zur Wahrheitsfindung und Versöhnung gegründet.
17:31Ein Ziel des Bildungsplans ist es seitdem, das Vertrauen der Indigenen in Schule herzustellen.
17:37Ihre Kultur und ihre Werte sind jetzt Teil des Lehrplans für alle Kanadierinnen und Kanadier.
17:43Alle Kulturen sollen hier gleichwertig behandelt werden.
17:46Das Ziel ist eine gemeinsame kanadische Identität. Das können wir uns auch für unser Bildungssystem abschauen.
17:52Denn nur, wenn auch wir alle mitnehmen, sind wir für die Zukunft gewappnet.
17:57Das bedeutet auch Toleranz für jeden Lebenslauf und jede Lebensentscheidung.
18:04Hi. I'm Frank. Hi. Hello. Hi. Kann ich mitmachen?
18:09Na klar. Was kocht ihr? Wir machen Gemüseomelettes.
18:13Sehr gut. Kann ich vielleicht helfen? Du kannst bei Catherine mitmachen.
18:18Hi, Catherine. Ich bin Frank. Was ist mein Job? Schnüppeln?
18:24Klar.
18:28Ich werde mal wieder überrascht. Meine Kochpartnerin Catherine erzählt mir von ihrer besonderen Herausforderung.
18:34Die 15-jährige Schülerin ist schon Mutter eines kleinen Sohnes.
18:38Sie ist erst vor wenigen Wochen extra wegen dieser Schule nach Winnipeg gezogen.
18:44Wo ist dein Sohn jetzt?
18:46Er ist unten in der Kinderbetreuung.
18:48Unten?
18:49Ja. Ein Stockwerk tiefer. Ich gehe mittags zu ihm, esse und lege ihn zum Schlafen.
18:54Dann gehe ich zurück in den Unterricht. Und dann hole ich ihn am Ende des Tages wieder ab.
19:00Wie geht es für dich, Schule und Baby? Wann lernst du?
19:05Es ist tatsächlich gar nicht so schwer. Ich dachte, es würde anstrengender werden.
19:10Was hättest du gemacht, wenn es keine Kinderbetreuung gäbe?
19:15Keine Ahnung.
19:18Während die anderen Schülerinnen zusammen Mittag essen, begleite ich Catherine zu ihrem Baby. Ein Stockwerk tiefer.
19:25Ich komme zu euch.
19:29Vier Monate ist der kleine Darren jetzt alt. Mit 14 Jahren schwanger, das kann eine Schulbiografie sehr plötzlich beenden.
19:37Catherine kann weiter zur Schule gehen, weil es hier eine Babybetreuung gibt. Leicht ist die Situation für sie trotzdem nicht.
19:49Was ist der größte Unterschied zwischen deinem Leben und dem deiner Freunde?
19:55Ich habe mich von meinen Freunden entfernt, seit das Baby da ist. Also ich habe nicht wirklich Freunde.
20:02Was meinst du damit, entfernt?
20:03Wir waren uns sehr nahe und dann haben wir plötzlich nicht mehr miteinander geredet. Ich weiß nicht warum.
20:10Welchen Abschluss willst du hier machen?
20:14Das weiß ich noch nicht. Ich habe ja noch ein paar Jahre Zeit, um es herauszufinden.
20:19Aber hast du einen Traum?
20:23Keine Ahnung.
20:25Vermutlich eine ganz normale Antwort eines Teenagers auf diese Frage.
20:29Und vielleicht muss Catherine auch erst noch ankommen in der neuen Schule, in ihrem neuen Leben als Mutter.
20:34Das wohlwollende, unterstützende Netz hier gibt ihr die nötige Zeit dafür.
20:40Darauf ist Winn auch sehr stolz, dass er sich durchgesetzt hat gegenüber Skeptikerinnen, die eigentlich ein Problem darin sehen.
20:48Das ist ja häufig so im nordamerikanischen Raum die Sorge, dass wenn andere junge Frauen sehen,
20:54dass das sozusagen mit Kind und Schule und so alles irgendwie funktionieren kann,
20:58dass dann das eine Anregung wäre, man könnte es dem nachtun.
21:01Und das ist schon hier ganz anders. Hier geht es darum, dass alle hier zu ihrem Recht kommen.
21:07Zu diesem Zweck hat der Schulleiter Winn nicht nur die Kinderkrippe in der Schule durchgesetzt,
21:11er hat zudem Lernräume außerhalb des Schulgeländes organisiert.
21:15Mit diesem sogenannten Off-Campus will er verhindern, dass ältere Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss aus dem Bildungssystem fallen.
21:27Ich bin jetzt hier verabredet mit Chase. Der kommt im großen Schulgebäude der Gordon Bell High School nicht klar.
21:33Und deshalb durchläuft er hier ein separates und spezielles Programm. Und ich bin sehr gespannt, was er mir darüber erzählt.
21:39In diesem Teil des Off-Campus treffen sich vor allem Jugendliche mit unterschiedlichen Ängsten.
21:53Schön, dich kennenzulernen.
21:55Schön, dich kennenzulernen. Ist das deine Schule? Hast du hier Unterricht?
22:02Schüler arbeiten hier unabhängig. Wir vertrauen uns unseren Lehrkräften an, wenn wir Hilfe brauchen.
22:11Das Vertrauen hilft uns auch, wenn wir gerade psychische Probleme haben. Dann können wir hierher kommen und einfach entspannen.
22:20Wollen wir mal nach draußen gehen, für einen Spaziergang? Ja.
22:26Chase tauchte hier vor drei Jahren auf. Doch seine Lehrerin sah ihn im ersten Jahr nur selten.
22:31Es dauerte, bis der damals 17-Jährige Vertrauen fassen konnte und regelmäßig zum Lernen kam.
22:37Diese Zeit und Geduld bekommt hier jeder Schüler und jede Schülerin.
22:41Chase hat mir gesagt, dass seine Fantasieuniform ihm mehr Sicherheit geben soll. Etwas nervös ist er trotzdem.
22:52Chase, bist du aus Winnipeg?
22:54Nein, ich komme aus einer First Nations Community. Zwei Stunden nördlich von hier.
22:59Du bist also mit deiner Familie hergezogen?
23:02Nein, ich bin alleine gekommen.
23:05Warum bist du hierher gekommen?
23:09Für eine bessere Schulausbildung im Vergleich zu dort.
23:13Erklär mal, wie funktioniert er auf Campus?
23:17Manche Menschen kommen nicht mit sozialem Druck klar.
23:20Oder sie werden hierher versetzt, weil sie nicht gut mit großen Gruppen und Lärm klarkommen.
23:25Und hier ist es sehr ruhig.
23:29Gibt es neben deinen Ängsten noch andere Gründe, wieso du hier bist?
23:37Wir haben hier keine Prüfungen. Es geht nur darum, wie wir vorankommen. Und das geschieht in unserem eigenen Tempo.
23:45Und ich bin hier, weil sie jedem vertrauen, weil sie offen gegenüber jedem sind, der hier auftaucht.
23:55Chase ist 20 Jahre alt. Er hat hier, trotz seiner Angststörung, gerade seinen Highschool-Abschluss geschafft.
24:01Jetzt möchte er entweder Architektur oder Politik studieren.
24:04Er wird damit der Erste seiner Familie sein, der eine Universität besucht.
24:08Das hat diese individuelle Schule für ihn ermöglicht.
24:11Es gibt eine viel längere Lernzeit.
24:14Es wird nicht gesagt, wenn du 18 bist, dann ist Schluss, dann gibt es hier keinen Ort mehr für dich.
24:20Sondern es wird weit über das Alter hinaus möglich gemacht, auch wieder zurückzukommen in die Schule.
24:24Die Schule wird nicht zeitlich und örtlich in einen so strengen Rahmen gepresst, wie wir das hier kennen, der auch
24:32Stress erzeugt durch diese Begrenzung.
24:34Es ist ein Ort, an dem ich viele meiner Interessen gespiegelt sehen kann.
24:40Es ist schon später Nachmittag. Die Gordon Bell High School ist noch immer voller Leben.
24:46Celeste nimmt mich mit zu ihren Freundinnen. Sie will mir zeigen, wie sie Energie tankt für ihren Endspurt zum Highschool
24:52-Abschluss.
24:52Für ihren Traum, Medizin zu studieren.
24:551-ikkönen
25:15a little pop on three three on four you're gonna pop it's been scooping
25:20around four
25:53my schultag endert hier ich habe das eintauchen in diese vielfalt sehr
25:58genossen den achtsamen umgang und das wohlwollen gegenüber jeder
26:14lebensgeschichte
26:14der schuldirektor win ist wirklich ein meister darin hürden aus dem weg zu
26:19räumen egal ob verpasster lernstoff ängste sprachprobleme oder ein ungeplantes
26:24baby er findet lösungen damit wirklich alle die chance haben einen schulabschluss
26:28zu machen und das ist nicht nur in dieser schule so wohlfühlen gehört zum lernen
26:33mit dieser obersten regel hat das gesamte schulsystem kanadas die
26:37chancengerechtigkeit auf ein hohes level gebracht
26:42zurück in deutschland fahre ich direkt nach berlin
26:45ich will mit unserer bundesbildungsministerin bettina stark
26:48watzinger sprechen und von ihr wissen warum kriegen wir das nicht so hin wie
26:52kanada was macht unser land um hürden für alle besser abzubauen
26:59wer übernimmt verantwortung dafür dass nicht weiterhin einkommen und bildung
27:04der eltern über den lebensweg der kinder bestimmen
27:14ich war in kanada unterwegs ich habe gesehen wie sehr dieses system versucht
27:20es allen möglich zu machen einen guten abschluss zu machen ich habe
27:23multiprofessionelle teams gesehen warum machen wir das nicht genau wie kanada
27:28ja wir haben traditionell ein anderes bildungssystem und wir tun uns sehr
27:31schwer etwas zu verändern wir sind sehr langsam in diesen veränderungen dabei
27:36zeigen uns ja die vergleichsstudien dass eben die chancen in unserem land noch
27:40nicht gerecht verteilt sind dass immer noch die herkunft ja sogar die länge des
27:45bücherregales über den bildungsweg entscheidet es liegt an ihrer
27:48verantwortung da auch was dran zu ändern wie kann man denn da was dran ändern also bei uns in
27:52deutschland ist es sehr traditionell so dass drei verschiedene ebenen die wir haben einmal die
27:58kommunen dafür zuständig sind die gebäude zu bauen dann sind die länder ja originär für
28:03bildung zuständig und der bund unterstützt und das ist so ein hemmnis wir müssen die
28:09schnittstellen besser verzahnen damit eben bildung schneller geändert werden kann ich habe in kanada
28:14erlebt dass well being ein großes thema ist also so den schülerinnen und schülern soll es erstmal gut
28:19gehen die sollen in einem guten umfeld sein damit sie gute leistungen bringen können was wird denn
28:23in deutschland getan um dieses well being irgendwie ein bisschen zu verbessern wir sind jetzt auf der
28:28zielgerade ein programm aufzulegen weil wir uns an anderen ländern auch orientiert haben das ist
28:35das staat chancen programm 4000 schulen in denen es am schwierigsten ist dort gehen wir hin und wollen
28:41genau unterstützen dass auch schulsozialarbeit vor ort ist oder auch psychologen diese multiprofessionellen
28:48teams die eben auch das unterstützen was in der schule an zusätzlichen themen ankommt dass
28:53deutschland mehr in seine kinder investieren muss ist also endlich auch ganz oben angekommen eine
28:59milliarde euro jährlich für 4000 schulen ein anfang in kanada ist chancengerechtigkeit nicht
29:05nur ein politisches ziel mein eindruck jede lehrkraft dort sieht das als ihren persönlichen auftrag
29:11dafür setzt sich auch saskia nicht ziel ein in ihrem alltag als lehrerin in sozialen medien und als
29:21bestseller autorin was braucht es damit alle kinder die gleichen möglichkeiten haben eine gute ausbildung
29:28zu kriegen wir müssen einen ganz anderen blick auf unterschiede bekommen also kulturelle unterschiede
29:32oder überhaupt unterschiede dürfen sein das ziel des schulsystems war viel zu lange unterschiede
29:37wegzukriegen am ende soll möglichst alle zur gleichen zeit gleich viel wissen sich gleich
29:41verhalten wenn ich den anspruch habe dann brauche ich nicht mit mit bunter gesellschaft und
29:46heterogenität anfangen aber die ist ja da habe ich mal ein artikel drüber geschrieben dass wir auch
29:51sprachliche unterschiede an schulen unterschiedlich bewerten also ein kind das zum beispiel gleichzeitig
29:56englisch und deutsch spricht also da zweisprachig ist um das ist eine ganz tolle chance aber wir
30:00nicht auf die gleiche art und weise darauf schauen wenn ein kind deutsch und kurdisch spricht beispielsweise da
30:06ist es immer ganz großes hindernis für eine bestimmte lernprozesse im deutschunterricht auch
30:10da wie das ist bewertung das ist haltung es hat am ende eben doch ganz viel mit dem zu tun
30:15wie ich
30:15darauf schaue und das entscheidet wie ich dann handel oder wie ich damit umgehe ist immer haltung
30:21vorhandlung und wenn du jetzt entweder schon der kräften die schon sehr lange im beruf oder auch ganz
30:27neuen lehrkräften so was mitgeben würdest was wären das die arbeit an einem selbst auch an den
30:35eigenen schulgeschichten wir bringen so viel aus unserer eigenen schulzeit irgendwie mit rein ich
30:39weiß noch da war ich noch ganz frisch in der berufswelt unterwegs und dann haben da hinten drei
30:45mädels miteinander getuschelt und ich habe aber vorne was vorbereitet und wollte es erklären und ich
30:50habe mich so angepikst gefühlt und ich habe die reden über dich ja genau haben sie natürlich nicht
30:55aber in meinem kopf war ich eben nicht die die lehrkraft die da vorne steht sondern ich war die 13
30:59jährige
30:59saskia die halt ausgrenzungserfahrung gemacht hat und dann habe ich da aber losgepoltert im ausmaß
31:06das überhaupt nicht in irgendeinem verhältnis zu der situation stand und das war auch so ein
31:10schlüsselmoment wo ich gedacht habe gut ich muss auch auf mich selber gucken ich muss mich ganz gut
31:15kennenlernen um an vielen stellen professionell zu agieren haltung vorhandlung das erfordert von
31:22lehrkräften viel selbstreflexion neben dem ja sowieso schon anstrengenden schulalltag
31:34wie eine andere haltung gegenüber schülerinnen und schülern aussehen kann möchte ich in einer
31:39schule erleben die chancengerechtigkeit als oberstes ziel hat ein gymnasium das kinder zum
31:45abitur bringt die statistisch in deutschland diesen abschluss eher selten schaffen ich fahre nach essen
31:51genauer in den essener norden wo die hälfte der einwohnerinnen und einwohner einen migrationshintergrund
31:56hat und ein drittel sozialleistungen erhält im gymnasium essen nordost darf ich gleich mit der
32:10sechsten klasse und einer besonderen unterrichtsstunde in den schultag starten ich bin bei einem
32:15achtsamkeitstraining dabei deine hände liegen neben deinem körper oder auf dem bauch wie du das am
32:26liebsten magst leite dann die rechte fußsohle hinunter und nehmen die ferse war und die stelle
32:34an der der fuß den boden berührt beeindruckend wie die kinder hier komplett runterfahren vor zehn
32:41jahren kamen psychologinnen für eine studie an die schule und erprobten verschiedene
32:45entspannungstechniken an den damaligen schülerinnen und schülern mit dem achtsamkeitstraining können
32:50sich die kinder besser konzentrieren das fiel den lehrkräften auf lange bevor die studie ausgewertet
32:59war langsam wieder entsitzen achtsamkeit gehört seitdem zum stundenplan und ist auch einer der gründe
33:07warum das gymnasium den deutschen schulpreis für chancengerechtigkeit gewonnen hat was hat
33:16das euch gebracht bisher das achtsamkeitstraining was würdet ihr sagen am anfang da habe ich auch
33:21immer an der decke geguckt und so aber jetzt hatte ich also jetzt hat sich das halt verändert dass ich
33:27mich jetzt besser konzentrieren kann und auch wenn sie halt so mathearbeit oder deutsch oder englisch
33:32oder so arbeiten haben ich hatte halt früher immer so ein blackout und immer wenn ich jetzt
33:36so einatme ausatmen dann einmal mich so kommt dazu kommen wir zu beruhigen dann geht es machst du das
33:43dann auch außerhalb der schule ich habe eine kleine schwester und die ärgert mich manchmal und wenn ich
33:47dann sauer bin dann stehe ich so und danach zähle ich so 123 und danach atme ich was passiert dann
33:54dann kann ich mich ein bisschen mehr beruhigen und denke andere was anderes die beiden lehrerinnen sehen
34:00täglich den erfolg des achtsamkeitstrainings was ist denn das ziel des achtsamkeitskurses wir wollen
34:11eigentlich dass die kinder lernen sich zu fokussieren und das ist natürlich lernförderung
34:16wenn ich das hinbekomme bei dem zu sein bei dem ich gerade bin was auch noch mit reinspielt ist dass
34:21es im weitesten Sinne eine burnout prävention darstellen kann also auch erlernt wird mit stress
34:26umzugehen mit welchem stress kommen die kinder hier einfach ärger mit freunden oder in der
34:34familie ja und auch druck also durchaus auch ein leistungsdruck der da ist in den elternhäusern
34:41ich würde auch sagen tatsächlich auch bei geflüchteten kindern weil da wird auch artikuliert ja meine
34:48eltern sind nicht glücklich hier und wir sind jetzt hier und die sind wegen mir hier und da muss ich
34:53auch
34:53was leisten und damit ich eine gute zukunft habe genau wie nehmt ihr das war nehmt ihr selbst was
34:59mit aus diesem achtsamkeitskurs für euch selbst so ja ich versuche zumindest so in meinen alltag zu
35:04integrieren wenn ich dann vor eine klasse trete dann ist sie natürlich nicht sofort ruhig und dann kann
35:09ich natürlich irgendwie gut entwickeln und sagen heißt nicht ruhig kann mich aber auch einfach dahin
35:12stellen meine fußsohlen fühlen und warten dass es ruhig wird und das kostet mich dann nicht so viel
35:18energie mehr fokus weniger stress existenzängste fluchterfahrung und unsicherheit beim einleben
35:25alles so genannter sozioökonomischer stress der beim konzentrieren und lernen im weg stehen kann
35:33das gymnasium ist eine ganztagsschule der unterricht geht für alle bis nachmittags da ist mehr zeit auch
35:39für solche schulstunden wie das achtsamkeitstraining doch warum sind ganztagsschulen in deutschland kein
35:45standard obwohl sich das dreiviertel aller eltern für ihre kinder wünschen im 19 jahrhundert gingen
35:56die kinder vormittags und nachmittags zur schule mit einer mittagspause am heimischen herd erst als
36:02sich nach und nach bis 1919 die schulpflicht durchsetzte bekamen die kinder halbtags unterricht
36:08entweder vormittags oder nachmittags die halbtagsschule war eine notlösung es gab
36:14schlichtweg zu wenig raum und lehrkräfte für die masse an schulpflichtigen kindern
36:21die notlösung wurde zum deutschen standard fast 100 jahre lang ging die schule meistens von acht
36:27bis mittags für mittagessen hausaufgaben betreuung sport und musik war die hausfrau und mutter zuständig
36:36reform bestrebungen richtung ganztagsschule wurden in westdeutschland immer wieder politisch
36:41abgeschmettert oder von den familien nicht angenommen
37:02udo brennhold ist seit 17 jahren hier der schulleiter
37:09ich habe eben schon gesehen wie viele kulturelle einflüsse hier auch die schülerinnen und schüler
37:14mitbringen oder ja das interessante ist wir haben über 60 nationen unserer schule muss
37:19allerdings sagen die sprache die ist noch viel diverser es gibt also viel mehr sprachen
37:23als nationen und das ist eine herausforderung er hat aber ganz sicher eine herausforderung
37:27einige schülerinnen und schüler kommen hier hin und können überhaupt kein deutsch für die gibt
37:32es so genannte vorbereitungsklassen hallo ja hallo hallo wir haben einen neuen mitschüler
37:40ich bin frank hallo hallo herzlich willkommen bei uns die jugendlichen sind alle erst seit
37:47kurzem in deutschland diesen deutsch-intensiv-kurs gibt es an der schule schon seit 20 jahren jeden
37:53vormittag die nationalitäten hier spiegeln schon immer deutlich das aktuelle weltgeschehen gerade
37:58sind die meisten hier aus der ukraine thema heute eine bildergeschichte
38:06die jungen mal spielen das straße fußball aber der junge hat ein welchen so fenster schreibt
38:14an der mann war endlich weil er glaubt dieses jungen hat die fenster kaputt gemacht super gemacht toll
38:25welche bösen wörter sagt der mann zu dem kind eine minute habt ihr zeit zu formulieren was dieser
38:34mann der sauer ist auf das kind was dieser mann laut zu dem kind sagt interessante übung du knirps
38:49mann sagt eigentlich kaum noch jemand ich habe nicht benutzen böse worte ich denke das ist nicht gut
39:00ihr müsst ihr auch verstehen was andere menschen in wut zu euch sprechen damit ihr reagieren könnt ihr
39:15ich habe gesagt was ist das du bist du bist du schweine das ist der tue jetzt lass uns zu
39:23deinen
39:23eltern gehen und ich werde ihnen sagen was für ein rauber und rote du bist du musst das bezahlen das
39:31auto war
39:32neu das kostet natürlich geld ich werde dich jetzt schläge du bist ein arsch gesicht das hast du gerade
39:44noch gegoogelt ja das hast du gut okay der deutsch intensivkurs ist auf zwei jahre ausgelegt und staatlich
39:52gefördert danach sollen die jugendlichen so sprechen und schreiben dass sie in den regulären unterricht
39:57einsteigen können der richtet sich inhaltlich nach dem lehrplan für gymnasien wir wollen uns immer
40:07gerne wörter auch erschließen die kinder lernen die inhalte mit einer besonderen methode dem
40:14sprachsensiblen unterricht das heißt sie üben rechtschreib und grammatik regeln nebenbei in jedem
40:19schulfach auch in sport oder mathe oder hier in geschichte was heißt denn auferlegen lisa ich vermute
40:29dass auferlegt bedeutet dass es den so gezwungen wurde also sie wurden dazu gezwungen super darauf
40:37können wir weiter aufbauen 90 prozent der schülerinnen und schüler sprechen zu hause kein deutsch die meisten
40:44werden trotzdem das deutsche abitur bestehen das sind parallelen zu kanada das sprachförderkonzept ist
40:50sehr ähnlich und auch der schuldirektor hier nimmt jede herausforderung an
40:59gibt es schülerinnen und schüler die kommen ohne gymnasiale empfehlungen hier gibt es menschen die
41:04haben eine fluchtgeschichte hier gibt es menschen der muttersprache ist eben nicht deutsch wie schafft
41:10man es denn dieses gemeinsame lernen zu organisieren wenn die startvoraussetzungen so unterschiedlich
41:15sind wir waren unter spezialisiert darauf wenn schülerinnen und schüler zu uns kommen in der
41:21klasse fünf und sechs dann haben wir entsprechend lange zeit um die auch zum abitur zu bringen und
41:26die werden dann natürlich durch zusätzliche kurse in zum beispiel deutsch gefördert die sprache
41:30spielt eine unglaublich große rolle ich bin selber mathematiklehrer wenn ein kind nicht die
41:36textaufgabe versteht dann brauchen wir über die mathematischen kenntnisse gar nicht
41:39weiter zu reden welche besonderen biografien sind ja denn im kopf geblieben in all den jahren die
41:45du das jetzt schon machst ja was mich sehr beeindruckt dass schülerinnen und schüler
41:49hingekommen sind die überhaupt gar kein wort deutsch sprechen konnten und dann plötzlich mit einem
41:53abiturschnitt hier mit 1,0 von der schule gegangen sind und das waren nicht nur eine person das waren
41:59mehrere oft sind sie die ersten in ihrer familie mit abitur das schlichte geheimnis hinter dem erfolg so viel
42:06förderung wie möglich das kollegium hat sogar auf eine lehrkraft verzichtet und für das geld einen
42:12sozialarbeiter eingesetzt und auch das jugendzentrum auf dem schulhof kann so mitfinanziert werden
42:20bin ich ein insekt ja auch keine froh bin ich ein gemüse aber ich bin essen ja okay das ist
42:28schon mal
42:28wichtig nachhilfe museumsbesuche sport am nachmittag und musikschule für privilegierte kinder ist das
42:35selbstverständlich hier sorgt nach dem unterricht das jugendzentrum dafür dass jedes kind das machen kann
42:43vieles was ich in kanada erleben durfte habe ich auch hier in essen wieder gefunden aber immer
42:48noch hängt das alles am extra engagement einzelner und ist kein standard an deutschen schulen ich habe
42:56gelernt dass es oft der stress ist der kindern die bildungschancen verbaut stress durch finanzielle
43:02sorgen stress durch sprachprobleme ein chancengerechtes schulsystem gibt den kindern sicherheit und hilft beim
43:08stress abbau ich war auf meiner reise bei den menschen die jeden morgen aufstehen um den kindern
43:14heute schon die bestmögliche bildung zu geben und wenn wir denen zuhören und deren ideen vielleicht
43:19auch umsetzen dann schaffen wir nicht nur kleine renovierungen in unserem bildungssystem sondern
43:24vielleicht auch einen echten neubau und den haben wir dringend nötig
43:29ich hab mal nicht geträumt von einem land in dem für immer frühling ist hier gibt es karier und hummer
43:36im
43:36überfluss keiner hier der hungert und niemandem ist kalt vanille eis zum nachtisch alle sterben alt
43:53und bis ich da bin träum ich davon
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