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00:09Where am I? In Bremerhaven, under water. And why? Because I'm going to show you the
00:16climate. Lust auf Südsee? Oder mal kurz in die Sahara? Ich liebe das Gefühl von Sand unter
00:35den Füßen. Das ist so ein bisschen Urlaub, oder? Und danach? Zum Abkühlen in die Arktis.
00:47Eine Weltreise All-Inclusive. Mit echten Tieren und sportlichen Herausforderungen.
00:57Jetzt kannst du beweisen, ob du Fingerspitzengefühl hast, okay? Läuft bei mir. Schraubverschluss
01:03gab's nicht in der Evolution.
01:13Herzlich willkommen in Bremerhaven, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer. Sind Sie schon mal in wenigen
01:18Stunden um die ganze Welt gereist und haben dabei fünf Kontinente hautnah erlebt? Das geht. Im
01:25Klimahaus Bremerhaven, das Popstar Bob Geldof mal einen Liebesbrief an unseren Planeten genannt hat.
01:31Eine fantastische Reise mit Risiken und Nebenwirkungen, würde unser Gast Eckart von Hirschhausen dazu sagen.
01:39Eine erwünschte Nebenwirkung ist, dass wir ins Nachdenken kommen über den Klimawandel. Kommen Sie mit!
01:53Seit 15 Jahren ist dieses futuristische Gebäude, das an ein riesiges Schlauchboot erinnert, der Publikumsmagnet in Norddeutschland.
02:05Das Thema Klima ist heute wichtiger denn je. Und der Wunsch, mehr darüber zu erfahren, scheint groß zu sein.
02:13Macht dir das Mut, dass ganz viele Leute hierher ins Klimahaus kommen, 450.000 im Jahr, um sich zu informieren?
02:20Ja, das Klimahaus ist für mich wirklich eines der interessantesten Museen in Deutschland, weil es eben nicht nur was ist
02:27für einen Kopf oder fürs Herz, sondern für alle Sinne.
02:32Eckart von Hirschhausen muss man eigentlich nicht vorstellen. Ob Kabarett- oder große Samstagabend-Quizshow, dieser Arzt verbreitet gute Laune.
02:44Nachdenklich und engagiert sind seine Medizin-Dokus und sein Bestseller zu Klimawandel und Gesundheit.
02:54Mensch Erde, wie geht's dir?
03:01Du hast ja mit deiner Kabarett-Laufbahn aufgehört, gehst nicht mehr auf Tour, um dich deiner Stiftung Gesunde Erde, gesunde
03:08Menschen zu widmen. Warum hast du das gemacht?
03:10Wir haben einen medizinischen Notfall, wir haben eine Jahrhundertaufgabe vor der Nase, für die wir weniger als zehn Jahre Zeit
03:17haben.
03:18Wir müssen nicht die Erde retten oder das Klima retten, sondern uns. Und Klimaschutz ist Gesundheitsschutz.
03:23Und wenn man das gut erklärt, dann verstehen die Leute auch, dass es jetzt wirklich auf jeden und jeder ankommt.
03:29Immer wenn sich Dinge verändern, haben Menschen erstmal Angst. Das ist ganz natürlich.
03:34Aber wenn man sagt, ey, es lohnt sich, durch diese jetzt ruckligen Jahre durchzugehen, weil das, was wir gestalten können,
03:43viel schöner und viel gesünder ist als das, was wir jetzt haben, dann darf es doch Spaß machen.
03:47Und den Spaß werden wir jetzt auch hier haben, wenn wir auf Weltreise gehen, entlang des achten Längengrads.
03:54Denn auf dem liegt Bremerhaven. Und deshalb reiste der Hamburger Architekt Axel Werner mit einem Filmteam zwei Jahre lang auf
04:03dem achten Längengrad rund um die Erde.
04:06Er besuchte neun Orte auf fünf Kontinenten und traf Menschen, die dort leben.
04:12Zum Beispiel Mariam aus Niger, Familie Moro aus Sardinien und viele andere.
04:31Unsere erste Station ist die Schweiz.
04:40Dieser Gletscher, das ist für mich ein typisches Bild. Also die Gletscher gehen wahnsinnig zurück dort.
04:45Ich habe den Kriddelwald-Kletscher über Jahrzehnte verfolgt, wie viel der zurückgegangen ist.
04:50Die verschwinden langsam, das ist unfassbar.
04:52Hast du das gerade gehört?
04:53Um die Ecke, ne?
04:54Ja.
04:55So kommt es zum Steckenschlag. Das ist für manche Regionen in den Alpen empfangen.
05:05Das ist 2023 am Fluchthorn in Tirol passiert, dass eine Million Kubikmeter Fels plötzlich abbricht.
05:14Und das hängt zusammen, weil Permafrost, diese kalten Temperaturen im Inneren eines Berges, ist so wie der Klebstoff, das gefrorene
05:24Wasser zwischen den Brocken.
05:26Wir sagen ja in der Sprache, etwas ist felsenfest. Und wenn die Felsen und die Gletscher eben nicht mehr verlässlich
05:31sind, dann haben wir doch echt einen Weckruf, Klimakrise und Gesundheit zusammenzudenken.
05:36Ja, und für die Menschen ist es auch dramatisch. Hier wird ja immer sehr schön an einzelnen Menschen erzählt, was
05:42da passiert.
05:44Und die sind Bergbauern, Hedi und Werner, und die sind auf das Gletscherwasser angewiesen.
05:48Und diese Wasserkreuzläufe, die sind natürlich für die Bauern auf der Höhe existenziell.
05:55Und gleichzeitig fällt mir auf diesen Bildern auf, das sind ja ziemlich glückliche Menschen.
06:00Hier leben Menschen ja auch im Einklang mit der Natur.
06:03Wir müssen weltweit viel weniger Fleisch erzeugen, weil es unfassbar viel Zerstörungen in der Landwirtschaft herumgibt.
06:09Aber auf den Bergen, wo wir Menschen ja kein Gras essen können, ist ja Viehhaltung super sinnvoll.
06:15Gehen wir mal hoch zum Gipfel.
06:17Zum Gipfel!
06:18Ja.
06:20Dieser dynamische Moderator macht mich fertig.
06:23Ist noch weit.
06:24Das kenne ich irgendwo her.
06:26Na komm, nicht weit.
06:27Schauen wir gleich.
06:29So, jetzt hast du es geschafft.
06:30Am Gipfel!
06:30Geht doch, oder? So schnell warst du noch nicht aufgelaufen.
06:35Ja, es ist doch.
06:35Ja, es ist doch.
06:36Ja, es ist doch.
06:36Ja, es ist doch.
06:37Ja, es ist doch.
06:37Ja, es ist doch.
06:39Und da kannst du jodeln und jauchzen.
06:42Ich mache mal den Jodler zur Sendung.
06:46Drei sein!
07:01Wenn wir notieren in Sardinia, wir kommen in Sardinien.
07:04Aber irgendwas ist anders, ne?
07:05Ja, wir sind geschrumpft auf Insektengröße und plötzlich sieht man die Welt mit anderen Augen aus.
07:11Facettenaugen sozusagen.
07:13Die neue Perspektive.
07:15Ja, diese Dose ist riesig, diese alte Getränkedose, ne?
07:18Die da einfach so im Gras rumliegt.
07:21Ja.
07:23Wir denken bei Artensterben immer an die Eisbären und Pandas, aber die Art, die am dramatischsten gerade stirbt, sind ja
07:30Insekten.
07:32Unsere ganze Nahrung beruht ja auf Bestäubung.
07:35Alles, was im Supermarkt zu kaufen gibt, nicht im Supermarkt gewachsen ist und auch auf Artenvielfalt beruht, das vergessen wir
07:42gerade in den Städten so ganz schnell.
07:46Die größte Lüge, die wir uns erzählt haben, ist, dass wir getrennt sind von der Natur.
07:51Und das sieht man auch in der Sprache.
07:53Ja, wir sagen Umwelt, als wären wir in der Mitte und alles um uns herum ist die Umwelt, die ist
07:58für mich da.
07:59Hast du zu Hause Umbewohner oder hast du Mitbewohner?
08:03Ja, wir müssen verstehen, dass wir Teil von einem großen Kreislauf sind und wir haben Natur oft als Bedrohung erlebt.
08:11Bei dieser Schlange zucke ich erstmal zusammen und wir müssen verstehen, dass wir die viel größere Gefahr für die Schlange
08:18sind als die Schlange für uns.
08:19Wir verlieren ja 50 Prozent der Arten, wenn wir so weitermachen in den nächsten Jahrzehnten.
08:24Es gibt einen Satz, der mich sehr nachdenklich gemacht hat.
08:28Wenn die Klimakrise das Fieber von Mutter Erde ist, dann ist das Artensterben ihre Demenz.
08:35In jeder Art, die es gibt, steckt Millionen Jahre Weisheit, Wissen, Versuch und Irrtum, Mutation und Selektion drin.
08:44Wie geht Überleben auf diesem Planeten?
08:46Und mit jeder Art, die wir verlieren, geht dieses Wissen unwiderruflich verloren.
08:54Viele sagen, die Klimakrise bestimmt, wie wir leben und der Verlust an Artenvielfalt, ob wir leben.
09:07Davon träumen wahrscheinlich viele. Einfach mal das Wetter machen.
09:14Kurz am Rad drehen und schon bläst ein heftiger Wind.
09:22Und natürlich können wir es auch regnen lassen, was die Menschen auf Sardinien sicher freuen wird.
09:38Wir reisen weiter übers Mittelmeer nach Afrika.
09:42Im Klimahaus steigt jetzt die Temperatur.
09:46Auch wenn es in Niger noch viel heißer ist.
10:05Das ist ja immer eine coole Begrüßung bei den Tourer.
10:08Kriegen wir das auch so hin?
10:09Ja, probier uns.
10:11Ah!
10:12Genau, es muss klacken.
10:13Es muss klacken.
10:14Ja, wir werden besser.
10:15Aber es ist eine schöne Form von Handschlag, finde ich.
10:17Ja, weil du symbolisierst ja mit dem Handschlag, ich habe nichts in den Händen, ich habe auch nichts gegen dich.
10:23Und ich finde, das hat so etwas Spielerisches, so etwas Kooperatives.
10:26Ey, komm, lass uns zwei sein.
10:30Und dann setzen wir uns nochmal wie die Touareg auf den Boden, oder?
10:33Ja!
10:36Das ist das Tolle an dieser Ausstellung, dass du immer wieder echt komplizierte Sachen so einfach erklärt kriegst.
10:43Das hier war mal Meeresgrund.
10:47Und Sven Plöger erklärt das immer so toll.
10:49Der sagte, eine drei Grad kühlere Welt als heute unser globales Klima bedeutete,
10:55dass die ganzen Alpen unter einer meterhohen Eisdecke verborgen war.
11:01Wir können uns das nicht vorstellen, drei Grad weniger.
11:04Und genauso wenig können wir uns drei Grad mehr vorstellen.
11:08Und das ist die Welt, auf die wir gerade zusteuern.
11:10Aber ich meine, gerade im Niger ist es ja schon extrem zu spüren, was diese anderthalb Grad mehr anrichten.
11:16Wir müssen 70 Meter tief bohren, um an Wasser zu kommen.
11:20Die Sahara ist um 50 Kilometer Richtung Süden angewachsen in den letzten Jahrzehnten.
11:29Diese Frage auch von Klimagerechtigkeit, die spürt man hier auch.
11:34Die Versteppung, die Verwüstung der Erde trifft ja die Menschen am härtesten,
11:40die am allerwenigsten zur Klimakrise beigetragen haben.
11:43Dass die Menschen dann von da weg müssen, weil sie keine Lebensgrundlagen mehr haben, ist völlig logisch.
11:49Bis zum Ende dieses Jahrhunderts muss ein Drittel der Weltbevölkerung ihre Heimat verlassen.
11:56Wir reden jetzt von Milliarden.
12:04Ich mag eigentlich das Wort Klimawandel gar nicht mehr.
12:07Weil Wandel ist ja erstmal was Schönes. Dinge wandeln sich.
12:11Und ich rede viel lieber über Lebensgrundlagen.
12:15Gesundheit beginnt mit fünf einfachen Dingen.
12:17Mit der Luft, die wir atmen.
12:19Mit dem Wasser, was wir trinken können.
12:21Mit Pflanzen zum Essen.
12:22Mit erträglichen Temperaturen.
12:24Und friedlichem Miteinander.
12:25Und alle fünf Grundlagen sind in Gefahr.
12:44In Kamerun gibt's wieder echte Tiere.
12:50Eine tropische Wasserlandschaft voller Leben.
12:54Musik
13:03Sogar die Fische hier sind ja tatsächlich aus Kamerun.
13:06Genau.
13:07Die sind in einer Expedition aus der Umgebung des Nationalparks hierhergebracht worden.
13:13Und das Interessante ist, die vermehren sich hier tatsächlich.
13:17Also es gibt hier immer wieder Schwärme von Jungfischen.
13:20Und die werden auch von den Elternfischen bewacht.
13:22Das sind schon mehrere Generationen.
13:24Und ich glaube, auch dem Stumpfkrokodil geht's ziemlich gut.
13:26Das sieht sehr entspannt aus.
13:28Genau.
13:28Das ist auch schon ordentlich gewachsen.
13:30Also es war deutlich kleiner, als es bei uns angekommen ist.
13:33Man kann ja hier in Kamerun dann natürlich auch in den echten Regenwald eintauchen.
13:38Sozusagen atmosphärisch.
13:40Und das auch noch bei Nacht.
13:41Da sollte man aber nicht gegen Schwüle empfindlich sein.
13:44Und auch nicht unter Platzangst leiden.
13:46Das ist ziemlich heftig.
13:49Es ist sehr dunkel und die Geräuschkulisse ist eben original dort im Korob-Nationalpark aufgenommen.
13:56Und das verstärkt natürlich diesen Eindruck, dass man sich wirklich fühlt, als wäre man dort.
14:02Warum ist Ihnen das so wichtig, dass wir hier mit allen Sinnen erfasst werden?
14:07Ja, wir wollen unsere Gäste emotional berühren.
14:11Und das versuchen wir eben mit den unterschiedlichen Temperaturen, mit Gerüchen, mit Geräuschen.
14:16Und all das zusammen gibt dann diesen Gesamteindruck.
14:20Wie lange haben Sie getüftelt, bis das alles so nebeneinander her funktioniert hat?
14:24Das sind ja ganz viele verschiedene Schrauben, an denen Sie drehen müssen.
14:28Ja, dafür wurde sogar extra ein Energiekonzept entwickelt,
14:32damit bei den unterschiedlichen Temperaturen nicht irgendwo Energie verschwendet wird.
14:45Seit 15 Jahren gibt es das Klimahaus.
14:48Seitdem sind die Folgen des Klimawandels viel sichtbarer geworden, viel dramatischer geworden.
14:54Wie gehen Sie darauf ein?
14:55Denken Sie permanent über Aktualisierungen nach?
14:59Realisieren Sie die auch?
15:00Ja, das machen wir vor allem in unseren anderen Ausstellungsbereichen,
15:04also in den Perspektiven und in den Wetterextremen, die jetzt gerade gebaut werden.
15:09Aber auch in der Reise wollen wir in Zukunft digitale Informationsterminals haben,
15:16an denen wir dann auch aktuelle Informationen immer einfliegen können.
15:21Wir nehmen Kurs auf die Antarktis.
15:24Hier arbeitet das Klimahaus mit dem renommierten Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung aus Bremerhaven zusammen.
15:33Spektakuläre Expeditionen sorgen regelmäßig für bahnbrechende Erkenntnisse.
15:40Wussten Sie, dass die Hälfte der weltweiten Süßwasserreserven in den über 4000 Meter dicken Eisschichten der Antarktis gebunden sind?
15:54Die frieren ganz schön da im Zelt und das ist auch kein Wunder.
15:58Minus 40 Grad kalt wird es in der Antarktis im Februar.
16:02Und es kann bis zu minus 93 Grad kalt werden.
16:05Die kälteste jemals gemessene Temperatur auf Erden.
16:09Da sind die minus 6 Grad, die es hier hat, ja richtig harmlos.
16:13Aber sogar mit Daunenmantel wollen sie hier ganz schnell wieder raus.
16:39Hier ist aber schön warm, das tut gut. Ich komme gerade aus der Antarktis. Da war es wirklich Hunsgemein kalt.
16:45Bei der Antarktis wird es gerade auch zu warm.
16:48Der wird es zu warm, das Eis schmilzt ab, der Meeresspiegel steigt und hier auf Samoa, wo wir jetzt sind,
16:54weiß man nicht, wie lange das noch gut geht.
16:56Die pazifischen Inselstaaten spielten auch 2015 beim Pariser Klimaabkommen eine ganz entscheidende Rolle, weil sie sagten, hey, das ist keine
17:03Theorie, sondern es betrifft unser Leben.
17:05Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt schon.
17:08Wir brauchen die Wissenschaft, aber wenn auf die Wissenschaft nicht gehört wird, nutzt sie uns auch nicht.
17:13Wir müssen uns klar machen, im Mittelalter haben die Leute geglaubt, was sie nicht wissen konnten.
17:19Und heute habe ich manchmal das Gefühl, wir wollen nicht glauben, was wir wissen.
17:23Vielleicht brauchen wir mehr Hirn, mehr Bildung, mehr Wissen, aber auch mehr Akzeptanz, das an sich ranzulassen, was da passiert.
17:29Manchmal könnte man nur schreien, Herr.
17:31Herr schmeiß Hirn rar, sagt man im Schwäbischen.
17:34Da ist es.
17:35Markus, du wurdest erhört.
17:37Denn das Gehirn ist auch ganz entscheidend, warum wir den Klimawandel nicht wirklich vertragen können auf die Dauer.
17:44Zum einen machen wir ziemlich viel Aufwand hier oben psychologisch, um da nicht hinzugucken.
17:50Im Scherz sage ich manchmal, unser Verhalten der Klimakrise gegenüber ist so ein bisschen wie, wenn man nachts wach wird
17:55mit voller Blase.
17:56Kennt jeder.
17:58Du weißt genau, was du tun musst.
18:00Du weißt auch genau, es wird von alleine nicht besser.
18:03Aber menschlich, wie wir sind, denken wir, wenn wir ganz fest die Augen zumachen, dann fällt die Natur drauf rein.
18:09Und viele denken ja, ach, wir werden uns irgendwie an Hitze anpassen können.
18:12Die Dimension ist unfassbar.
18:14In Europa sind letztes Jahr 100.000 Menschen in Hitzetod gestorben.
18:18Und wir können uns an mehr als 42 Grad Körperkerntemperatur nicht anpassen.
18:24Die Leute sagen, oh, ich bin auch in der Sauna bei 90 Grad.
18:26Ja, aber nicht den ganzen Tag, sondern 10 Minuten.
18:29Deswegen sterben wir, wenn wir 42 Fieber haben.
18:31Ja, und das ist wirklich das Ende der Belastbarkeit von unserem Organismus.
18:36Das ist für alle Säugetiere gleich.
18:40Also müssen wir was tun.
18:42Aber die Industrienationen sagen ja, gerade Deutschland sagt, hört man immer wieder,
18:47wir haben ja nicht mal zwei Prozent Anteil am CO2-Ausstoß.
18:51Und andererseits kann man doch sagen, wir sind die, die die Möglichkeiten haben.
18:56Und die armen Länder wie Samoa, da hilft kein Beten, die kriegen es ab.
19:00Total.
19:01Also müssen wir doch vorangehen, oder?
19:03Erstens waren wir auch die Ersten, die anfingen, die Atmosphäre als Müllhalde für Treibhausgase zu missbrauchen.
19:09Und wir haben auch als Erste das Gegengift entwickelt, nämlich Solarenergie, erneuerbare Energien.
19:16Da war Deutschland mal führend.
19:18Und wenn wir diesen Pfad konsequent weiter verfolgen, dann könnten wir wirklich auch zu diesem weltweit notwendigen Transformationsprozess entscheidend beitragen.
19:28Das Klimahaus Bremerhaven hatte schon vor 15 Jahren den Anspruch, möglichst klimafreundlich zu sein.
19:36Mit einem ausgetüftelten System werden unterschiedliche Temperaturen zum Heizen und Kühlen genutzt und auch Erdwärme angezapft.
19:47Ist der Klimawandel ja ein Thema, wo viele inzwischen zumachen und sagen, ich will da gar nichts mehr dazu hören,
19:52das macht mir eh nur Angst.
19:54Ist der Trick tatsächlich, dass die Leute über die Idee der Weltreise hierher kommen?
19:59Kriegen Sie die so oder haben Sie noch mehr Tricks, wie Sie an die Leute rankommen?
20:03Es ist schön, dass Sie sagen, das ist ein Trick.
20:06So ein bisschen ist es das vielleicht auch, weil wir natürlich so auch Leute erreichen, die sich erstmal gar nicht
20:10vielleicht für das Thema interessieren.
20:11Aber es sind auch ganz viele Gäste hier, die Interesse am Thema Klimawandel und Klimaschutz haben und die bewusst auch
20:17hierher kommen, um etwas zu lernen.
20:19Also ich würde sagen, wir bedienen beide Bereiche und das macht auch das Klimahaus aus.
20:25Nun haben Millionen Menschen schon die Reise entlang des achten Längengrads gesehen.
20:29Was tun Sie, um die Leute zum Wiederkommen zu bewegen oder um nochmal ein neues Publikum zu gewinnen?
20:36Ja, wir sind natürlich hier immer gefordert, auch neue Dinge wieder zu entwickeln und zu zeigen.
20:41So zum Beispiel arbeiten wir jetzt gerade an einer neuen Dauerausstellung hier im Haus, die Wetterextreme.
20:46Wir werden dort zeigen, welche Auswirkungen sozusagen der menschengemachte Klimawandel auf die Wetterlagen hat.
20:54Und dass die Extremwetterlagen halt immer stärker auftreten und werden da auch zeigen, was man sozusagen selbst dagegen tun kann,
21:02wie man die Situation verbessern kann.
21:03Wie muss ich mir das dann vorstellen? Werde ich da nass geregnet und stehe im Sturm oder was passiert dann?
21:08Unter anderem. Sie fahren über drei Etagen durch verschiedene Extremwetterlagen, unter anderem Sturm, Hagel, Feuer, Waldbrand, genau.
21:18Wenn man oben quasi aussteigt, auch von der Plattform, dann sieht man da oder gelangt in einen Bereich, der nennt
21:24sich Augenzeugen.
21:25Und wie der Name schon sagt, berichten da Menschen von ihren Erfahrungen und Erlebnissen mit Extremwetterlagen.
21:35Im World Future Lab können sie versuchen, ein paar Probleme selbst zu lösen.
21:40Bessere Städte planen, Menschen zusammenbringen, die Welt im Kleinen ein bisschen besser machen.
21:51Das Klimahaus gehört der Stadt Bremerhaven, wird aber von einem privaten Betreiber geführt.
21:56Das ist seit Januar 2024 der Bremer Windkraftunternehmer Klaus Mayer. Was ändert sich jetzt?
22:03Ja, wir haben in den letzten 15 Jahren stand hier im Vordergrund, die Besucherinnen und Besucher für den Klimawandel zu
22:10sensibilisieren.
22:11Und jetzt möchten wir in Zukunft den wissenschaftlichen Bereich noch mehr ausbauen und hier verstärkt auch Klimalösungen zeigen.
22:18Also wie kann ich sozusagen selbst handeln? Was muss in der Politik passieren? Welche Klimalösungen gibt es bereits auf dem
22:25Markt?
22:25Das ist nämlich viel, viel mehr, als wir manchmal denken. Und das möchten wir zeigen.
22:30Wir möchten Besuchern hier die Angst nehmen vor Veränderungen.
22:33Aber es wird jetzt nicht eine Werbeveranstaltung für Windparks, oder?
22:37Nein, das wird es mit Sicherheit nicht. Also erneuerbare Energien sind mit Sicherheit ein Teil der Lösung.
22:43Und das möchten wir hier auch aufzeigen, aber es ist quasi nur ein Teil.
22:48Vielleicht gibt es dann ja Antworten auf die Fragen, die man sich in der Ausstellung Perspektiven stellt.
22:55Hier wird die Geschichte des Klimawandels wissenschaftlich aufgearbeitet.
23:00Zum Beispiel, wie es zu der immensen CO2-Belastung unserer Atmosphäre in nur 170 Jahren gekommen ist.
23:10Was das Ganze so schwierig macht, Menschen können kaum in die Zukunft denken und können sich nur schwer vorstellen,
23:17was passiert, wenn die Temperaturen weiter steigen.
23:19Deshalb wird hier gezeigt, wie es in unseren Ländern im Jahr 2050 aussehen wird.
23:26In der Schweiz zum Beispiel wird es immer weniger Gletscher geben und viele Menschen werden ihre Heimat verlassen müssen.
23:33Weil die Wüsten immer größer werden und der Meeresspiegel steigt und steigt.
23:54Das ist eigentlich unglaublich, dass 70 Prozent der Erde Wasser sind und wir wissen so wenig über die Meere.
24:00Es waren mehr Menschen auf dem Mond als am tiefsten Punkt des Meeres.
24:03Ja, und je mehr man über die Meere weiß, desto klarer ist, das ist eine Schlüsselrolle für unser planetares Überleben.
24:12Im Meer löst sich ganz viel CO2, also Treibhausgas und 90 Prozent der Wärme.
24:18Aber jeder, der schon mal ein Glas Sprudel draußen im Sommer hat stehen lassen, weiß, das Gas ist ganz schnell
24:24weg.
24:25Und das gilt im Kleinen wie im Großen.
24:27Das heißt, die Meere überhitzen gerade und das ist total gefährlich für die Klimaerhitzung, aber natürlich auch für alle Lebewesen,
24:36die wir hier so bewundern.
24:45Jetzt wissen wir ja um die meisten dieser Probleme seit 50 Jahren.
24:49Ja, seit dem Club of Rome, Grenzen des Wachstums.
24:52Und eigentlich ist nichts passiert. Es ist sogar alles noch viel schlimmer geworden.
24:56Wie schaffen wir es umzusteuern? Mit dem persönlichen CO2-Fußabdruck funktioniert es nicht.
25:01Ich denke vielmehr an den Handabdruck. Was kann unser Handeln verändern und wo kann Politik und Wirtschaft zusammen Rahmenbedingungen schaffen,
25:12die es attraktiver machen, das Richtige zu tun.
25:15Wir haben in Deutschland Fehler gemacht, diese Themen so mit einer Generation oder mit einer Partei zu verbinden, aber sie
25:21gehen uns alle an und wir können sie nur gemeinsam lösen.
25:23Die großen Rahmenbedingungen müssen sein, fossile Energie sofort runter. Und das geht wirtschaftlich am besten mit einem relevanten, schmerzhaften CO2
25:32-Preis.
25:34Ich glaube aber, der erste Schritt ist auch immer wieder zu staunen, wie unfassbar schön diese Welt ist.
25:46Immer wenn ich in so einen Sternenhimmel gucke, dann denke ich, mein Gott, was sind wir klein in diesem unendlichen
25:52Weltall.
25:52Und andererseits, wie kostbar ist das, was wir hier haben? Denn wo gibt es so was noch, solche Lebensbedingungen?
26:00Alexander Gers hat mich da mal sehr inspiriert.
26:03Astronaut.
26:04Und er sagt, das Tollste, was du entdecken kannst, ist, wenn du mal aus dem Fenster guckst und die Erde
26:08siehst.
26:09Und dieses Bild, was 1972 entstanden ist, wo wir zum ersten Mal ein menschgemachtes Bild von unserem einzigen Zuhause hatten,
26:18das hat wirklich was auch bewegt bei den Menschen.
26:22Weil wir haben begriffen, wir sind auf diesem einzigartigen Raumschiff in einem kalten, leeren und total lebensfeindlichen Universum unterwegs.
26:30Und unsere Lebensversicherung ist diese hauchdünne Atmosphäre. Und wenn wir in den Himmel gucken, denken wir, ach, der ist unendlich.
26:36Aber der Raum, in dem wir leben können, der ist ganz, ganz verletzlich.
26:40Wie kriegen wir die Menschen dazu, das zu kapieren und zu handeln? Ist dann der Ansatz des Klimahauses richtig?
26:46Ja, weil ich das so bemerkenswert finde, ist es nicht ein Museum, wo du stehst und staunst und dich danach
26:52irgendwie gebildeter fühlst.
26:54Sondern es ist ein Museum, was total verschiedene sinnliche Erfahrungen beinhaltet und ganz stark auch gerade mit den Schulklassen darauf
27:03angelegt ist, erzähl es weiter.
27:06Trag es nach außen. Jeder kennt jemanden, der mehr bewegen kann als du.
27:11Und wenn wir uns ohnmächtig fühlen, ist es das Wichtigste zu denken, wem kann ich heute was erzählen, was die
27:18Welt ein bisschen besser macht.
27:19So stehe ich jeden Morgen auf. Für jede vermiedene Tonne CO2 lohnt es sich zu kämpfen, um jedes Zehntelgrad, die
27:26diese Erde in diesem Jahrhundert nicht überhitzt.
27:29Und das erzähle ich auch Menschen, die es manchmal auch nicht hören wollen.
27:33Aber dieser Ort hat eine Magie und dafür bin ich sehr dankbar, dass ich Teil davon sein durfte.
27:37Ich freue mich, dass du mit uns hier durchgedanken bist. Also kämpf weiter.
27:41Danke.
27:42Du auch.
27:42Alle.
27:48Nicht nachmachen.
27:55Die Idee, uns hier im Klimahaus auf Weltreise zu schicken, ist einfach toll.
28:00Wer kann schon in die Antarktis, die Sahara oder den Regenwald reisen?
28:05So hautnah mit den Original-Temperaturen, den Gerüchen und sogar Tieren, das schafft keine Fernsehdoku.
28:14Dass der Klimawandel direkt vor unserer Haustür passiert, merken Sie spätestens, wenn Sie hier auf der Hallig-Langeness nasse Füße
28:22bekommen.
28:25Überhaupt ist diese absolut sinnliche und mit viel Liebe fürs Detail gemachte Ausstellung was ganz Besonderes.
28:32Nichts wird verharmlost, aber eben auch nicht der Weltuntergang an die Wand gemalt.
28:36Stattdessen lernen wir die Menschen in ihren Ländern kennen und können uns selbst ein Bild machen.
28:43Das wirkt garantiert besser als Panikmacher.
28:46Dass hier in Zukunft mehr Technologien und Projekte gezeigt werden sollen, die helfen können, den Klimawandel wenigstens einzudämmen, finde ich
28:53absolut richtig.
28:55Denn wir müssen alles umbauen. Und die Lösungen gibt's ja.
28:59Und nicht vergessen, wir müssen nicht die Erde retten, sondern uns und unsere Lebensgrundlagen.
29:05Der blaue Planet dreht sich bei jedem Klima weiter. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
29:28Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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