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01:06In den 1970er und 80er Jahren ist Jimmy Hartwig ein erfolgreicher Fußballprofi.
01:13Das ist die Schlange, guck dir das an von der Seite, guck dir das an, hier.
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01:24I had a lot of great experiences in my life with Meisterschaften, Nationalmannschaft and
01:29Geburten.
01:31But I think the family told us, wow, that's what's going on.
01:36You're a bit of a knaller.
01:38Morning to wake up, there's someone near you, and you notice that the whole night had
01:43your hand.
01:44You didn't notice it.
01:46Or the daughter comes in and says, good morning, Papa, good knutschen.
01:51It's the only thing that I experienced, but it was a bit better than so.
01:56It took long to be able to experience it.
01:59Aieieiei.
02:01Aieieiei.
02:06Aieieiei.
02:07Aieieiei.
02:08Aieieiei.
02:09Aieieiei.
02:20Aieieiei.
02:21Stephanie, and we love you.
02:24That's a message.
02:26My daughter knows always and my wife, how they get me.
02:29And that's pure love.
02:31These two love me.
02:33And that's good.
02:34I love them too.
02:35And if they know how the way is very difficult now,
02:41in the past to go back,
02:43and visit my mother's grave.
02:45And these words or words,
02:51that's a great thing.
02:581954 comes Jimmy as William Georg Hartwig
03:01in Offenbach am Main to the world.
03:03In the Kirschenallee,
03:05in the Ammeleute-Viertel with a ruf.
03:09With his family wächst he in the worst relationships.
03:12In a barack with Plummsklo and Ölofen.
03:16Wasser gibt es nur an der Pumpe im Hof.
03:21Inzwischen ist die Kirschenallee einem Neubaugebiet gewichen.
03:25Der Ort seiner Kindheit existiert nur noch in Jimmys Erinnerung.
03:29Hier ungefähr war der Riesen...
03:32Ja, hier, da.
03:34Hier war der Riesenspielplatz.
03:35Hier.
03:38Das Haus der Hartwigs steht direkt hinter dem Spielplatz.
03:44Von diesem Gattezaun bis zu diesem Ende.
03:50Und die Zimmergröße, muss man sich vorstellen,
03:53die Zimmergröße war nur so ein Abstand von diesem.
03:55Ein Zimmer, zwei Zimmer, drei Zimmer, bis hier ungefähr.
04:06Die Tiefe waren ungefähr die Tiefe von...
04:09Auch so die Tiefe.
04:11Und dann gab es aber keine Türen.
04:15Es war alles durchgehend.
04:16Also zum Beispiel.
04:17Guten Morgen, Werner.
04:20Guten Morgen, Oma.
04:22Guten Morgen, Opa.
04:24Ach, da ist ja die Küche.
04:26Ach, hier kann ich mich waschen.
04:30Jimmy wächst dort zusammen mit seiner Mutter, den Großeltern und zwei Onkeln auf.
04:35Er teilt sich ein Zimmer mit seiner Mutter und der Großmutter.
04:40Sechs Leute in einem Raum, wo du selber keine Privat sind.
04:43Das war grausam.
04:45Ich hab alles mitgekriegt.
04:46Ich hab...
04:47Ich versone jetzt alles, ja?
04:48Ich hab alles mitgekriegt und hab...
04:51Das, was ich alles mitgekriegt habe,
04:53hab ich ganz weit hin in meinen Hirn abgelegt.
04:55Ich will deine mal zurückrufen, weil das war grausam.
04:59Das war die Wohnsituation bei uns zu Hause.
05:03Ich hab nie ein eigenes Zimmer gehabt.
05:04Wenn ich heute sehe, dass meine Tochter sagt,
05:06Papa, mein Zimmer ist zu klein, sag ich, wie bitte?
05:10Das will ich nicht mehr hören, was du gerade gesagt hast.
05:15Jimmys Mutter Luise stammt aus Offenbach.
05:18Mit 22 Jahren verliebt sie sich in einen amerikanischen GI,
05:22der in der Nähe stationiert ist.
05:23Doch Jimmys Großvater duldet keinen Schwarzen im Haus.
05:28Seine Mutter fügt sich und die Beziehung scheitert.
05:32Ein einziges Mal begegnet Jimmy seinem Vater mit 4 Jahren.
05:36Danach verschwindet er für immer aus seinem Leben.
05:41Mein Vater war kein Thema zu Hause.
05:43Gar gar nicht mehr.
05:44Der war einfach nicht da.
05:45Der war nicht mehr existent.
05:46Das war ein Samenspender, den meine Mutter geliebt hat.
05:50Aber er war kein Thema mehr gewesen.
05:58Als Kind ist Jimmy früh auf sich allein gestellt.
06:01Seine Mutter hat wenig Zeit.
06:03Sie ist die einzige bei den Hartwigs, die Geld verdient
06:06und als Hilfsarbeiterin die gesamte Familie ernährt.
06:11Meine Mutter ist morgens um 4 Uhr aufgestanden und ist nach...
06:16Entweder hat sie Arbeit gemacht mit Leder bei einer Firma.
06:20Und dann zum Schluss hat sie in Offenbach gearbeitet,
06:22in einer Maschinenfabrik von morgens bis abends ganz spät.
06:26Die hat sich totgearbeitet.
06:32Der Wald hinter der Siedlung wird Jimmys Kinderzimmer.
06:35Hier verbringt er Stunden und Tage mit Freunden.
06:39Zuhause vermisst ihn niemand.
06:42Im Grunde bin ich nur...
06:44Ich bin am Rande mitgelaufen.
06:46Ich war da, aber bin einfach mitgelaufen.
06:50Ich habe mich zu essen gekriegt.
06:51Ich habe da geschlafen.
06:55Ja, das ist wie andere Kinder.
06:56Mal in Urlaub fahren.
06:57Ich war mit meiner Mutter nie in Urlaub.
07:00Ich war mit meiner Mutter nie irgendwo hingefahren.
07:03Ich war mit meiner Mutter nie im Kino.
07:05Meine Mutter war nie mit mir auf dem Fußballplatz.
07:09Meine Mutter hat mich geliebt.
07:12Aber sie konnten das nicht zeigen.
07:14Sie konnten mich nicht in den Arm nehmen.
07:16Sie konnten mich nicht drücken.
07:17Wenn ich nicht die Nähe gesucht habe,
07:20hast du schon gemerkt, wie sie den da macht.
07:23Das habe ich nie verstanden.
07:24Ich habe mir gemeint, die liebt mich nicht.
07:27Im Gegenteil.
07:28Die hat mich geliebt.
07:29Aber auf ihre Art hat sie mich geliebt.
07:34Dem Großvater ist das farbige Enkelkind jedoch ein Dorn im Auge.
07:40Mein Großvater wollte nicht, dass ich auf die Welt komme.
07:42Sie mussten nicht mehr aufpassen, als ich klein war,
07:44dass er mir kein Kissen ins Gesicht drückt.
07:48Und das werde ich ja nie vergessen.
07:50Es war ein Tag, Hochsommer.
07:51Und ich kurze Hose und ein kurzärmliches Hemd.
07:55Und mein Großvater geht mit mir spazieren und sagt,
07:57William, geh mal da rein, hol mal da was raus.
08:01Das ist, du hast keine Angst, aber das ist nichts.
08:04Das tut nicht weh.
08:06Und ich marschiere da rein.
08:07Da waren die Brennnesseln so hochgestanden.
08:09Und ich war, glaube ich, so.
08:11Ich bin da rein gestanden und beim ersten Tag habe ich geschrien.
08:14Habt dich nicht so?
08:15Und vor der Angst fall ich hin und bin den ganzen Körper
08:20von den Brennnesseln drin.
08:22Und ich bin raus, ich habe nur so dargestellt und geschrien.
08:26La Pitara, Antwort von meinem Obern, das werde ich nie vergessen.
08:30Du bist ja ein Mädchen.
08:37Wie kann denn ein Mann einen Jungen, der nichts dafür kann,
08:41ein Kind, der auf die Welt kommt, der eine andere Hautfarbe hat,
08:45so scheiße behandeln?
08:47Und deswegen habe ich auch diesen Mensch aus meinem Gedächtnis
08:51streichen wollen.
08:53Aber es geht nicht.
08:55Das wird mein ganzes Leben, man wird mich das begleiten.
08:59Und das wird, das ist nach dieser Sachen, wo mich auch psychisch
09:04gewiss am Rande einige Sachen gebracht habe.
09:07Nicht immer Sachen, die anderen sind schuld.
09:10Aber das ist wirklich so, dass es, ja, dass es Sachen gibt.
09:22Ach, mein Gott.
09:31Die man einfach nicht weglischen kann.
09:33Geht einfach nicht.
09:42Auch in der Schule leidet Jimmy unter seiner Herkunft.
09:55Das stimmt doch nicht, William.
09:58Das heißt doch nicht William.
10:00Das heißt doch Will-li-jam.
10:04Mensch, Bub.
10:06Da kannst du nicht mal deinen Namen schreiben.
10:17Also, wir sind alle Gangster, die da drüben wohnen.
10:20Asoziales Pakt.
10:21Da ist der Kirschenallee gekommen.
10:24Wo ist denn dein Vater?
10:25Dein Vater ist ja ein Näscher.
10:27Dein Vater kommt ja aus Afrika.
10:29Wo ist denn dein Vater?
10:30Der ist ja gar nicht mehr da, Batsch.
10:33Wupp.
10:35Du kannst nicht reagieren.
10:37Du kannst ja mal abgehen, reagieren.
10:38Du kannst gar nichts machen.
10:39Du bist wie gelähmt.
10:40Sie haben ja recht.
10:41Mein Vater war ja nicht da.
10:42Mein Vater war ja ein Schwarzer gewesen.
10:44Ja.
10:49Auch die Lebensregel seiner Mutter,
10:52niemals aufzufallen, ist ihm keine Hilfe.
10:55Im Gegenteil.
10:57Meine Mutter hatte zu mir gesagt, lass die Leute einfach in Ruhe.
11:01Und wenn sie zu den Negern sagen, und beschimpfen dich,
11:04oder du dich bespucke, darfst du nichts machen.
11:06Überleg dir mal.
11:07Wenn sie dich bespucken, wie meine Mutter gewusst hat,
11:10was genau auf mich zukommen könnte.
11:11Weil sie es ja auch erlebt hat.
11:13Ist ja eine Neger-Hure gewesen.
11:14Hat ja ein Kind von einem Schwarzen im Bauch gehabt.
11:18Eine Neger-Hure.
11:19Ist ja bestimmt schon mal bespuckt worden.
11:25In der Schule kommt Jimmy nicht gut mit.
11:27Die Konzentration fällt ihm schwer.
11:30Und schnell wird er zum Klassen-Clown.
11:32Das war Aufmerksamkeit.
11:34Da habe ich von Kindern, von Jugendlichen in meinem Alter
11:36Aufmerksamkeit gekriegt.
11:38Das war sehr wichtig für mich.
11:39Aufmerksamkeit.
11:41Ich war wer?
11:43Ich war da.
11:45Und zu Hause bin ich mitgelaufen.
11:52Trost und Bestätigung findet Jimmy im Fußball.
11:55Zunächst in der Kirschenallee auf dem Bolzplatz vor der Haustür.
12:08Mit fünf Jahren habe ich angefangen gegen den Ball zu treten.
12:11Und dann hat sich das so weiterentwickelt.
12:12Dann habe ich Spaß daran gefunden.
12:15Und desto älter ich geworden bin, desto besser konnte ich gegen die Kugel treten.
12:19Erst einmal grüß dich, Kleine.
12:22Alles gut bei dir?
12:23Natürlich.
12:24Bist du wieder gewachsen oder bist du geschrumpft?
12:26Ja, ist ja gut.
12:28Jimmy hat Talent.
12:30Das verschafft ihm auch bei den älteren Nachbarjungs Respekt.
12:35Verlieren, das war nicht so sein Ding.
12:37Und den Ball verlieren war auch nicht so sein Ding.
12:39Da hat man dann schon gemerkt, da wird es stinkig, wenn mir jemand den Ball abnimmt.
12:44Das geht nicht.
12:45Da hat er so lange gekämpft, bis er ihn wieder hat.
12:47Und dadurch ist er wahrscheinlich so ein Profi, weil er schon als Kind extrem ehrgeizig war, was Fußball betraf.
12:57Mit acht Jahren wechselt Jimmy dann vom Bolzplatz auf den Biberer Berg in die Jugend von Kickers Offenbach.
13:04Fußball hat für mich viel bedeutet.
13:06Nicht bloß Ersatzfamilie, das war alles gewesen.
13:08Das war in meiner Pubertät die Frau.
13:10Das war die Anerkennung.
13:12Das war Liebe und Zärtlichkeit.
13:13Das habe ich alles bekommen in meinem Background Fußball.
13:18Jimmy hat ein klares Ziel vor Augen.
13:20Er will Fußballprofi werden.
13:23Nur seiner Mutter zuliebe macht er nach der Schule noch eine Ausbildung zum Maschinenbauschlosser.
13:28Gut, wenn ich in der Schule Gas gegeben hätte, hätte ich mein Abitur machen können und alles.
13:33Da war alles da gewesen.
13:34Aber da habe ich mich nicht gesehen.
13:36Ich habe mich nicht gesehen als Abiturient und Studierter.
13:39Ich war ein Bub von der Kirchenallee.
13:41Ich wollte Fußball spielen und war Handwerker.
13:42Der wollte es schaffen.
13:48Beim Fußballtraining erlebt Jimmy auch zum ersten Mal, dass sich jemand für ihn einsetzt.
13:53Kurt Schreiner war mein Trainer.
13:56Dem habe ich alles zu verdanken.
13:58Das werde ich auch nicht vergessen.
13:59Da geht eine Mutter hin, so eine Mittelschicht.
14:02Ich stehe neben dran.
14:04Wo sie zum Kurt Schreiner sagt, Herr Schreiner, wieso spielt denn der Schwarze da in der Mannschaft?
14:10Und mein Sohn nicht?
14:12Dann hat er gesagt, mit allem Respekt, aber Ihr Sohn spielt deswegen nicht, weil er besser ist als Ihr Sohn.
14:17Das hat mir so viel Antrieb gegeben.
14:19Boah, da ist jemand, der steht zu mir. Der steht voll hinter mir, dieser Mann.
14:25Und da bin ich ziemlich danketreten und gesagt, nein, nein, das passt schon.
14:28Und von dem Zeitpunkt, der Kurt Schreiner war mein Ding, mein Leitfragen.
14:32Und da habe ich mir gedacht, wenn jemand so wie der Mann so zu dir steht, da kann ja nicht
14:38nur einer sein, da müssen ja mehrere geben, die zu dir stehen.
14:40Und da habe ich mich immer so hingeangelt.
14:46Mit 18 Jahren hat Jimmy seinen ersten Profi-Vertrag in der Tasche.
14:51Von den Offenbacher Kickers führt ihn sein Weg zunächst zum VfL Osnabrück und von dort 1974 zum TSV 1860 München.
15:07Besser machte es Hartwig nach einer Serie von verpatzten Gelegenheiten.
15:115 zu 0. Längst war das Rennen im Schlamm des Münchner Stadions für die Münchner gelaufen.
15:17Das 6 zu 0 durch Hartwig. Ein halbes Dutzend Tore unterstrich die Überlegenheit der Löwen.
15:24Alfred, du hast dich nicht verändert.
15:25Du mit den kurzen Lederhosen. Du schaust ja super aus. Einwandfrei. Einwandfrei.
15:34Schön, dich zu sehen.
15:35Also, ich habe eine Jeans, aber du hast natürlich eine Lederhose.
15:38Guck mal, blau, blau, blau, blau. Aber du auch blau.
15:42Nein, ich bin eigentlich nur blau.
15:46Während seiner Zeit bei den Münchner Löwen ist Alfred Kohlhäufel Kapitän der Mannschaft.
15:52Was ist aus unserem Verein geworden?
15:55Ja, du, mei.
15:56Scheiße, scheiße.
15:58Wir können nichts dafür.
15:59Nein, wir haben alles gegeben. Wir haben uns in die Bundesliga reingebracht.
16:04Der Start bei den 60ern fällt Jimmy allerdings schwer.
16:07Mit seinen 20 Jahren leidet er unter dem harten Regiment von Trainer Max Merkel.
16:14Mir hat auch so leid da, das erste Jahr, wie er bei uns war, weil er da wirklich so zur
16:21Sau gemacht worden ist.
16:23Also, das hat mir nicht gefallen, muss ich ehrlich sagen.
16:27Obwohl, im Nachhinein, wenn ihn dann die nächsten Jahre kennengelernt, geschadet hat's ihm nicht.
16:35Mein Glück kam dann im Namen eines neuen Trainers und er hieß Heinz Lukas.
16:41Und Heinz Lukas hat mich geformt. Er hat immer gesagt, Jimmy ist ein Rohdiamant, den muss man schleifen.
16:48Und er hat mich hingeschliffen und deswegen mein Leben lang dankbar sein.
16:52Und 60 war einfach, ja, muss ich sagen, das war mein Sprungbrett.
16:56Erstens, die Stadt hat mir gefallen, die Fans, die Bekloppten, Anführungsstriche, die Fans.
17:02Dann, ja, Heinz Lukas, alles hat gepasst.
17:06Und da habe ich mich entwickeln können. Da habe ich mich richtig entwickeln können.
17:09Und das war mein Glücksgriff.
17:13Auch privat sucht Jimmy jetzt sein Glück.
17:171977 lernt er in München seine erste Frau kennen.
17:20Und ein Jahr später kommt Sohn Daniel zur Welt.
17:23Doch mit der Vaterrolle ist Jimmy in jeder Hinsicht überfordert.
17:29Also, in der Zeit für eine junge Familie Zeit zu haben, war schwer.
17:32Ich war ja selber noch ein Kind. Ich war ja mit 23 noch selber ein Kind.
17:36Ja, ich konnte mich nicht um meinen Sohn kümmern, ich war nur weg.
17:39Ich habe auch dann mein Leben versucht zu leben.
17:41Ich habe gesagt, ja, oh, die erste Frau, ist das jetzt alles?
17:46Nur eine Frau, hier laufen ja Millionen rum.
17:50Das war immer so, ja, das war schlimm.
17:53Das war mein größter Fehler gewesen.
17:55Aber mit 23 zu heiraten, das war schon ganz, ganz früh.
18:00Weil Karriere ging links nicht los.
18:02Es ging richtig, die Party ging los im Fußball.
18:06Die Krönung ist 1977 der hochdramatische Aufstieg der Löwen in die erste Bundesliga.
18:13Das Hinspiel in Bielefeld verlieren sie 0 zu 4.
18:17Beim Rückspiel in München muss dann ein Fußballwunder her.
18:21Wir haben gedacht, es gibt ja nur eins.
18:24Wir müssen ihnen Angst machen im Olympiastadion.
18:26Wenn die hierher kommen und denken, sie können so mal ganz einfach in die Bundesliga aufsteigen.
18:32Ja, das geht bei uns nicht.
18:34Parole hieß, hat am Mann, hat am Mann und stellt Tore schießen.
18:39Der Plan geht auf.
18:42Mit gnadenlosem Körpereinsatz und eisernem Willen gelingt den Löwen im Olympiastadion das legendäre Wunder von München.
18:55Doch nach der gelungenen Revanche folgt nun die Entscheidung auf neutralem Platz.
19:02Es musste so kommen, wie es kommt, das dritte Spiel in Frankfurt.
19:05Und das war ein absolutes Erlebnis.
19:08Das war einer meiner besten Spiele, die ich, glaube ich, allgemein im Fußball gemacht habe.
19:13Ich habe, glaube ich, zwei Mitspieler verschlissen an dem Spiel.
19:16Zwei Spieler mussten ausgewechselt werden, weil sie konditionell nicht mehr konnten.
19:20So bin ich marschiert. Einige Mal habe ich gemeint, ich habe etwas genommen.
19:22Nein, ich habe nur genommen, meine Droge bei dem Spiel war gewesen, ich will in die Bundesliga.
19:28Ich will beweisen, dass ich genauso gut bin wie Paul Breitner.
19:31Und ich will meiner Mutter beweisen, kurz vor der Haustür offenbar Frankfurt, dass ihr Sohn heute in die Bundesliga kommt.
19:44In der 77. Minute schießt Jimmy das Erlösende 1 zu 0.
19:49Die 60er gewinnen und steigen in die erste Bundesliga auf.
19:54Also das war ein Erlebnis, das war schon Wahnsinn.
19:57Da waren über 30.000 Fans.
20:00Boah, Wahnsinn, Wahnsinn.
20:02Also wie gesagt, wenn man darüber spricht, dann wird man immer noch, da läuft das Kalte in den Rücken runter.
20:09Mit dem Aufstieg spielt Jimmy jetzt auch finanziell in einer höheren Liga.
20:15Ich habe schon gut verdient und ich konnte meine Mutter unterstützen.
20:19Ich konnte meine Mutter Geld in die Kirschenallee schicken.
20:23Ich konnte mit dem Auto vorfahren in die Kirschenallee.
20:25Jimmy kommt mit dem Auto vorfahren.
20:26Nichts mit Gräsenwahnsinnig zu tun.
20:28Das war einfach zu zeigen, schau her, der kleine William hat es geschafft.
20:33Da hat mir 60 geholfen dabei.
20:35Nach vier Jahren bei den Münchner Löwen holt Günter Netzer Jimmy 1978 zum Hamburger Sportverein.
20:43Der Beginn einer großen Zeit.
20:46Wir sind dreimal Vizemeister, dreimal Deutscher Meister.
20:49Einmal im Endspiel gestanden von dem UEFA Pokal, einmal Champions League geholt, Nationalspieler geworden.
20:57Hallo?
20:59Unter den Trainern Branko Sebbets und Ernst Happel feiert er hier die größten Erfolge seiner Fußballkarriere.
21:08Im Stadion zu stehen und die Meisterschaftsschale in der Hand zu haben.
21:16Am 22. Mai 1979 geht dann auch sein Kindheitstraum in Erfüllung.
21:23Bei einem Freundschaftsspiel gegen Irland steht Jimmy im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft.
21:321966 starte ich ja vom Fernsehen im Endspiel Deutschland-England.
21:35Und da habe ich gesagt zu den allen, eine schöne Starre spiele ich mal in der Nationalmannschaft.
21:40Und alle haben gesagt, guck dir den kleinen Schwarzer davon.
21:44William, du spielst nie in der Nationalmannschaft.
21:46Und auf einmal kam der Punkt, wo ich Nationalspieler geworden bin.
21:49Dann kam alles Erinnerungen.
21:51Zwölfjähriger Junge, der dir sagt, mit 20, 23, 24 war ich Nationalspieler auf einmal.
21:57Wow!
21:58Du läufst ein im Adler auf der Brust.
22:00Meine Mutter sitzt vor dem Fernsehen und sieht, wie ihr Sohn eingewechselt wird in Irland.
22:05Ja, auf einmal kommt William Hartwig, Spieler beim HSV wird eingewechselt.
22:10Und da habe ich mir erzählt meiner Mama, die hat geflennt.
22:13Meine Mutter hat geweint, ihr Sohn spielt Nationalmannschaft.
22:16Die ganze Kirscherlei hat am Fernsehen gesessen und hat geguckt.
22:19Da ist einer von uns, der spielt Nationalmannschaft.
22:27Da Jimmy weiß, wie wichtig auch der Beistand auf dem Weg nach oben ist,
22:31engagiert er sich heute als Integrationsbotschafter für den DFB.
22:35Hier unterstützt er vor allem Kinder mit Migrationshintergrund.
22:39Alles, was du lernst und alles, was in deinem Kopf drin ist, hier oben in deinem Kopf, kann dir keiner
22:45wegnehmen.
22:46Respekt ist das Zauberwort.
22:49Und wenn der das beansprucht für euch, garantiere ich euch, habt ihr in diesem Land kein Problem.
22:59Kopf hoch, Kopf hoch!
23:01Kopf hoch, Kopf hoch!
23:03Ich weiß, wie Kinder fühlen, die jetzt aus Syrien kommen, die jetzt aus Afrika kommen, die auf dem Flüchtlingsbote, die
23:10auf den Meeren rummachen.
23:11Die kommen ins Land, wo sie glauben, sie sind frei, sie können frei leben.
23:18Und jetzt geht's erst richtig los! Mit so ein paar wahnsinnigen, nähigen Beschimpfungen.
23:23Ich weiß genau, was in diesen Menschen vorgeht. Genau!
23:28Auch als Fußballprofi schlägt Jimmy immer wieder offener Rassismus entgegen.
23:33In den Stadien sind Diffamierungen an der Tagesordnung.
23:36Das war sehr schwer. Mir hat das wehgetan.
23:39Die Bayern-Fans zum Beispiel. Die Bayern-Fans haben sich hingestellt und haben 5.000, 6.000
23:44Jimmy Hartwig, du Negerschwein, Negerschwein.
23:48Und ich hab mich ohnehin hingestellt und hab sie dirigiert.
23:51Aber ich hab fünf, so einen großen Chor hab ich schon nicht dirigiert, weil sie irgendwie blöde sind.
23:55Da steht einer im Schimpfen, der tut sie dirigieren und sie singen mit. Das war absolut hammerhart.
24:02Doch er lässt sich durch all die Anfeindungen nicht verunsichern.
24:07Ich bin noch selbstbewusster geworden. Ich hab noch gezeigt, schaut her, der Schwarte ist besser als du.
24:12Besser als ihr. Ich kann viel mehr als ihr.
24:15Ich hab's immer gezeigt, dass ich besser bin, wie die, die mich ausgeschimpft haben.
24:20Die Fans lieben Jimmy. Auch wegen seiner offenen Art und der lockeren Sprüche.
24:25Von seinen Gegnern wird er dafür als Fußballclown bezeichnet.
24:29Ich hab Leute unterhalten. Ich hab Leute zum Lachen gebracht. Ich hab Leute zur Freude gebracht.
24:35Ich hab Leute zum Wahnsinn gebracht. Wenn das ein Clown ist, bin ich gern ein Clown.
24:40Wenn heute Zuschauer auf mich zukommen in ganz Deutschland und sagen,
24:43Mensch, so Typen wie du, Jimmy, fehlen in der Bundesliga.
24:46Weil du hast deine Meinung gesagt, du hast uns zum Lachen gebracht, die gibt es nicht mehr.
24:51Nur weil ich so bin, wie ich bin, bin ich kein Clown.
24:53Und wenn es so ist, sag ich, wow, Charlie Riffel war einer der größten Clowns der Welt.
24:57Schön! Wunderbar!
25:02Beim HSV steigt Jimmys Gehalt in nie gekannte Höhen.
25:13Dann gehst du aufs Konto und siehst auf einmal, Entschuldigung, könnten Sie mal bitte kommen?
25:21Da stimmt was nicht. Hier auf meinem Kontoauszug.
25:25Da stehen 200.000, das kann nicht sein. Da müssen sie sich vertippt haben.
25:31Nö, nö. Das ist ihr Gehalt. Wie? Für einen Monat?
25:40Ja. Ich sag, alle Falle. Alle Falle.
25:44Jetzt gehen wir mal raus. Jetzt gehen wir mal hier raus aus dieser Sparkasse und machen mal ein bisschen nachwichtig.
25:51Alle. Taxi!
25:53Mach mal bitte da. So geht es auf einmal los.
25:57Fährst du mal los und sagst, ach, guten Tag, mein Name ist Hartwig, ich spiele beim HSV, ich hätte gerne
26:02einen Mercedes gekauft.
26:05Blöd, blöd und dumm. Und da hätte ich gerne jemanden gehabt, der mir sagt, Vater, Junior, huhu, sparen, weg, Fußball
26:17geht auch mal zu Ende.
26:19Aber du denkst nicht so weit, wenn du voll in diesem Tunnel drin bist.
26:24Dann denkst du nicht, was in 10 Jahren oder 50 Jahren ist, dass du aufhörst, Fußball zu spielen. Es geht
26:27ja immer so weiter, es geht immer so weiter.
26:30Doch nach sechs Jahren verlässt Jimmy mit seiner Familie Hamburg und damit auch die ganz große Fußballbühne.
26:37Nach einem Intermezzo beim 1. FC Köln landet er mit 32 Jahren bei Austria Salzburg.
26:44Aber da in Salzburg war das für mich nur noch Operettenfußball. Zweite Liga praktisch.
26:49Ich hab nie trainiert und das war dann Absturz. Wer mir dann Zucker hingibt, ein Stück Zucker, ein Stück Zucker
26:55gibt,
26:56dann will ich nicht mehr die ganze Zuckerdose haben. Hab dann mehr trainiert, bin verletzt gewesen,
27:01hab mich mit Niki Lauda getroffen, zum glissen Wein, mit dem Heurigen. Ja, so ging das dann bergab.
27:09Das Knie hat noch mitgespielt, also war Schichtimscher.
27:26Jimmys Karriere geht zu Ende. Auch seine Ehe ist längst zerrüttet und die Familie zerbricht.
27:38Nach dem Fußball, du hast ja dein Leben lang nichts anderes gemacht, also gut, ich hab Maschinenbauschlosser gelernt,
27:44aber aufgehört, Zellenbrief aufgehört, Fußballprofi geworden, hast nur noch Fußball gespielt.
27:48Und auf einmal fällst du ein tiefes Loch und keiner fängt dich auf, dann geht das ganz schlecht.
27:53Also da bist du das ärmste Schwein der Welt. Weil du hast ja nicht, wie alle jungen Leute, nicht gesagt,
27:59oh, wenn ich aufhör Fußball zu spiele, dann mach ich das und mach das und mach das.
28:02Nein, weil du sagst, naja, gut, sind ja noch zehn Jahre und immer noch neun Jahre, immer noch acht Jahre,
28:07alles wird gut.
28:08Und dann ist nichts mehr da, dann läuft die gegen die Mauer und dann wird's gefährlich.
28:15Mit 34 steht Jimmys vor dem finanziellen Ruin.
28:18Durch schlechte Berater verliert er sein gesamtes Vermögen und rutscht immer weiter ab.
28:26Der Tiefpunkt zu dieser Zeit war gewesen, dass ich mich auf gewisse Sachen eingelassen hätte, die ich am besten nicht
28:31gemacht hätte.
28:33Eine gewisse Sache zu nehmen, wo man Glückseligkeit hat, wo man denkt, ach, alles wieder gut.
28:39Himmel hoch jauchzen, stundenlang. Und auf einmal, wupp, fällst du wieder in das tiefe Loch rein.
28:47Ich hab zweimal vorgehabt, mir das Leben zu nehmen.
28:50Einmal hab ich alles gehortet, was ich gerade so zur Verfügung gestellt gekriegt habe.
28:55Und hab gesagt, wenn du das jetzt alles auf einmal nimmst, setz dein Herz aus.
28:59Das geht druck zuck. Mir war alles scheißegal. Das ist ja das Schlimme gewesen.
29:04Ich hab meinen Sohn hängen gelassen. Fehler über Fehler hab ich da gemacht.
29:09Der Gedanke an seinen zehn Jahre alten Sohn hält ihn schließlich davon ab, sich selbst zu töten.
29:17Aber was passiert, wenn du das machst? Erinnert sich irgendjemand an den großen Fußballer Jimmy Hartwig?
29:23Oder an den, der immer unterhaltsam gewesen ist? Nein!
29:26Die sagen, ha, natürlich, der Typ, der die Drohnen genommen hat, ist doch klar, kaputter Typ, hat sich das Leben
29:34genommen.
29:34Puh, nein! Gleich wieder aus dem Kopf, es hat lang gedauert.
29:42Die Zeit der Orientierungslosigkeit soll zehn Jahre dauern.
29:47Jimmy schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch und erlebt immer wieder Rückschläge.
29:52Festeren Boden bekommt er wieder unter den Füßen, als er seinen Trainerschein macht
29:57und 1990 den Oberligaklub Sachsen-Leipzig übernimmt.
30:01Die neue Aufgabe und das Ziel 2. Bundesliga geben ihm neuen Antrieb.
30:07Uwe! Uwe!
30:10Der Füße!
30:13Die Füße!
30:15Der Füße!
30:15Der Füße!
30:21Doch dann erkrankt er mit 37 Jahren an Prostatakrebs.
30:25Er wird operiert und die Ärzte geben ihm noch zwei Jahre.
30:29Jimmy nimmt den Kampf mit der Krankheit auf,
30:32durchleidet Chemotherapien und Bestrahlungen und probiert auch alternative Heilmethoden.
30:42Als der Krebs besiegt scheint, schlägt er zwei Jahre später erneut zu.
30:47Diesmal lautet die Diagnose Hodenkrebs.
30:50Mit dieser Hiobsbotschaft im Gepäck führt ihn sein Weg in die Offenbacher Marienkirche.
31:09Das ist einer der wichtigsten Orte in meinem Leben.
31:12Weil hier habe ich drin gesessen, wie ich Diagnose Krebs gekriegt habe.
31:21Und genau das ist der Platz. Das ist genau der Platz, wo ich vor vielen Jahren gesessen bin.
31:28Und so wie ich jetzt sitze, habe ich einfach nur da an das Bildnis da hingeschaut.
31:36Nur rauf geguckt und dann von einem anstrengenden, ich muss jetzt sterben, auf ein ruhig, ganz ruhig.
31:50Und das habe ich die ganze Zeit, also praktisch, als hätte jemand hier drinnen mit mir gesprochen.
31:56Gut, wenn dir jetzt jemand sagt, der hat mich, der ist ein bisschen Ballaballa, mach es rein, ich bin gern
32:03Ballaballa.
32:05Aber dieser Herrgott da, der da oben hängt, der hat mir den Mut gegeben, zu kämpfen und weiterzumachen.
32:15Diese Krankheit, ich bin ja kein Heiliger gewesen. Ich werde kein Heiliger werden.
32:21Und ich glaube, und da bin ich fest überzeugt, dass der liebe Gott mir die Prüfung auferlegt hat, wie er
32:27mir die Krankheit gegeben hat, um über mich selber nachzudenken.
32:31Und ich sage, Mensch, lieber William, denk an deine Mutter, die hat dich großgezogen, die war eine anständige Frau.
32:39Versuch nicht, besser zu sein wie die anderen. Bleib mit allen zwei Füßen auf dem Boden.
32:44Und jetzt muss ich dir leider mal einen mitgeben, dass du dann nachdenkst.
32:48Hätte ein bisschen Kerzer sein können. Also, lieber Gott, ein bisschen weniger wäre auch in Ordnung gewesen.
32:54Aber er hat's gemacht.
33:06Mit neu gewonnener innerer Stärke überwindet Jimmy den Krebs und findet zurück ins Leben.
33:12Er betreibt eine eigene Fußballschule, veranstaltet Fußballcamps für Kinder und arbeitet als Moderator beim Sportfernsehen.
33:20Mehrmals heiratet er und wird auch noch einmal Vater einer Tochter.
33:24Doch keine seiner Ehen hält.
33:30Dann trifft er 1997 Stefanie. Mit ihr und der gemeinsamen Tochter Juli findet er endlich das, wonach er immer gesucht
33:39hat.
33:40Auch wenn der Anfang alles andere als einfach ist.
33:45Ich war nie ein Familienmensch, weil ich's nicht wusste, was Familie ist.
33:48Woher solltest du denn wissen?
33:50Zuhause ist nur geschrien worden in Offenbach in der Kirchenallee.
33:53Hat's nur gegeben, bang, bang, bang, bang.
33:54Bist mitgelaufen, kein Vater, Ansprechpartner gehabt.
33:57Wie soll ich jetzt den großen Vater spielen?
34:01Den großen Rikard einer Frau zu spielen?
34:03Also es ging nicht.
34:04Also ist die Familie schon mal weg.
34:05Nächste Familie ging auch nicht.
34:07Wieder nichts gelernt.
34:09Weil ich war noch nicht.
34:10Und dann kommt einfach mal dieser Wendekreis im Leben, wo man jetzt weiß, entweder bekommst du jetzt die Kurve oder
34:18die schmeißt raus.
34:20Uhrzeit?
34:216.15 Uhr.
34:23Liegst morgens von Frankfurt nach ...
34:25Jimmy und Stefanie lernen sich im Flugzeug kennen, wo sie zufällig nebeneinander sitzen.
34:30Anderthalb Jahre bleiben sie zusammen.
34:33Ich war keine 30, Jimmy war über 40, er wollte heiraten, Kinder und so weiter.
34:40Da war ich überhaupt noch nicht bereit dazu.
34:43Ich fühlte mich gerade irgendwie dem Elternhaus entwachsen, ich fühlte mich da nicht reif.
34:49Das haben wir dann ganz klar geklärt, dass das einfach nicht funktioniert.
34:54Haben uns dann auch ganz gut getrennt, dann aber auch nicht mehr gesehen.
35:03Neun Jahre später treffen sie sich wieder und geben ihrer Beziehung eine zweite Chance.
35:09Diese Zeit war, ja es war eine sehr schöne Zeit, weil ich da ohne irgendwelche Perspektiven reingegangen bin.
35:18Und da merkte man schon, dass er jetzt eine andere Sicht aufs Leben hat und andere Prioritäten setzt.
35:25Und das hat mir gut gefallen.
35:26Also das habe ich eigentlich relativ schnell gemerkt, weil sonst wäre ich das Ganze nicht eingegangen.
35:31Obwohl er immer wieder bei jeder Gelegenheit gesäuselt hat, lass uns doch bitte heiraten und ich so fange nicht schon
35:38wieder an.
35:39Da war wirklich ein Nervensäge, weil für mich das Thema Hochzeit nicht den Stellenwert hatte.
35:51Ich habe immer gesagt, heiraten, heiraten.
35:53Und dann habe ich mir gedacht, du pass auf, wenn sie nicht will, will sie nicht.
35:55Okay, Affetot.
35:58Und dann Heiligabend sitze ich vor dem Fernseher.
36:02Da hatten wir auch schon Juli.
36:03Hatten wir die Juli schon.
36:05Sagt sie zu mir, setz dich mal vor den Fernseher.
36:07Ich sage, was willst du denn gucke jetzt, der kleine Lord, was soll ich jetzt da gucke oder irgendwas.
36:13Dann sagt sie, pass auf, setz dich.
36:14Da kam ein Film, also so kleine Fotos gezeigt immer.
36:20Das hat sich so super gemacht vom Kennenlernen.
36:23Unsere ganze Zeit, gemeinsame Zeit, hat sie alles festgehalten in Bildern.
36:28Wow, denke ich, alter Fall.
36:29Erstmal hat sie sich Mühe gegeben.
36:31Und wer sich Mühe gibt, dann will die, will ja was von dir.
36:35Ein Weihnachtsgeschenk.
36:36Das war ein tolles Weihnachtsgeschenk.
36:38Und zum Schluss stand, ja, ich will.
36:43Und ich saß hinter mir und sagte, was willst du?
36:47Ich will, und dann bin ich ausgeflippt.
36:50Stimmt nicht.
36:51Doch, ich habe gesagt, wann wir heiraten.
36:54Jetzt mal was essen.
36:55Mami, du hast zum Meinen angefangen.
36:57Was habe ich?
37:01Ah, jetzt muss ich mitfländern.
37:03Ich bin doch so ein harter Typ, ich weine doch gar nicht.
37:06Doch, du hast zum Heulen angefangen.
37:09Ich habe geweint, weil ich jetzt diese Frau, dass die Frau zu mir sagte, ich will.
37:15Und hat mir ihre Liebe gezeigt.
37:17Und dass meine Frau mich immer geliebt hat, ja, das ist das Größte für mich, was es gibt.
37:22Das ist jetzt meine Familie.
37:24Und meine Mutter im Himmel, die wird sagen, jetzt hat er es endlich geschafft.
37:27Jetzt ist er wirklich nach so langer Zeit bodenständig geworden.
37:30Jetzt hat er sein Leben im Griff.
37:38In dieser Zeit entdeckt Jimmy eine neue Leidenschaft.
37:41Denn 1997 spricht ihn in einem Berliner Restaurant Schauspieler und Regisseur Thomas Thieme an.
37:48Er hat Jimmy schon als Fußballspieler verehrt.
37:54Das ist ja bis da mal geschmeidig, geschmeidig.
38:00Thieme fragt ihn, ob er sich zutrauen würde, auf einer Bühne aufzutreten.
38:04Er möchte Jimmy in einem seiner Stücke als Schauspieler besetzen.
38:09Hartwig ist unkaputtbar als Mensch, als Seele.
38:16Der ist sauber, der ist, der ist, äh, der ist nicht korrupt.
38:24Der macht's nicht mit jedem, um vorzukommen.
38:32Hier habe ich angefangen.
38:34Hier habe ich angefangen mit Precht, mit Baal.
38:40Das war ein Hammer, das vergisst man nicht.
38:462002 spielt Jimmy unter Thiemes Regie zwei erste kleine Rollen, an der Seite von Ben Becker.
38:53Doch von den gestandenen Profis bekommt er Gegenwind.
38:57Die haben mich natürlich nicht ernst genommen als Schauspieler.
39:00Ich bin ein doofer Fußballer gewesen, der vom Thomas Thieme, äh, vom Regisseur eine Rolle kriegt.
39:06Den lassen wir mal mitlaufen, Ben Becker.
39:09Oh Mensch, da spielen ja schon die Fußballer hier mit.
39:12Was ist denn hier los, Thieme? Was ist denn hier los?
39:15Das habe ich mir alles gemerkt.
39:17Natürlich, der Ben Becker war ein Star.
39:19Ich habe ihn nur einmal zur Seite genommen und habe gesagt, Herr Becker,
39:21ich weiß, es sind ein großer Schauspieler.
39:24Und Sie haben auch moniert, dass Fußballer jetzt Theater spielen.
39:28Sehen Sie, Herr Becker, ich versuche es, das zu tun.
39:33Aber im Gegensatz versuchen Sie nie, Fußball zu spielen.
39:36Weil das kriegen Sie nicht hin.
39:37Bist du tot?
39:39Dass Sie nur mal wissen, welches Risiko ich mir einlasse.
39:42Und das hat er, glaube ich, verstanden.
39:43Deshalb macht er nichts vor Krieg.
39:47Das hab ich verstanden und ich seh's gebaut wie Sie.
39:51Theater spielen ist schön.
39:53Das liegt mir, glaube ich, an den Genen.
39:55Früher habe ich meinen Lehrer zum Weinen gebracht.
39:59Unter meiner Mutter habe ich zum Lachen gebracht.
40:02Und solange der liebe Gott auf mich aufpasst, werden sich noch viele Leute über mich amüsieren können.
40:08Im Laufe der Jahre werden die Rollen größer.
40:10Doch ganz gleich, ob Neben- oder Hauptrollen, immer sucht und findet sich Jimmy darin selbst.
40:16Wer bin ich?
40:18Die Frage, wer ich bin.
40:19Das ist gut.
40:20Er weiß nicht, wer, das ist ja super.
40:22Ja, ich weiß nicht, wer ich bin.
40:23Na, Jimmy.
40:24In seine Bühnenfiguren lässt Jimmy stets einen Teil von sich selbst einfließen.
40:30Dadurch setzt er sich beim Schauspielen intensiv mit seiner Biografie auseinander.
40:34Aber solange ich nicht weiß, wer ich selber bin.
40:41Jimmy Hartwig hat seinen eigenen Stil kreiert.
40:43Weil der macht, und das ist großartig, das versuchen die größten Schauspieler herzustellen,
40:51der macht es jedes Mal neu.
40:53Der macht es jedes Mal anders.
40:55Der schiebt keine Diskette rein und dann rollt das ab.
40:58Und du guckst auf die Uhr und sagst, jetzt müsste er ungefähr bei dem Satz sein.
41:02Ja, stimmt.
41:03Nein, der stürzt sich emotional jedes Mal wieder von dem Berg runter und fährt seine Strecke.
41:13Und jedes Mal sind die Bewegung etwas anderes.
41:16Er kreiert, er ist ein wirklicher Kreierer, ein Kreateur.
41:28Wenn Jimmy nicht gerade für eines seiner sozialen Projekte unterwegs ist,
41:32verbringt er so viel Zeit wie möglich zu Hause mit seiner Familie.
41:46Das ist das Beste, was mir im Leben passieren konnte.
41:48Das absolut Beste, dass ich diese Frau kennengelernt habe.
41:51Das Beste im Leben ist, dass es Menschen gibt, die mich so nehmen, wie ich bin.
41:57Und das ist das Schöne im Leben.
42:01Mein größter Wunsch ist, dass ich noch nach diesen ganzen Sachen,
42:04wo ich in meinem Leben schon erlebt habe, gesundheitlich alles,
42:07dass ich wirklich der liebe Gott noch gut mit mir meinte und lässt mich noch so 20 Jahre auf dieser
42:12Welt,
42:13dass ich noch sehe, wie meine Töchter groß werden, was aus ihnen wird, dieser Weg dahin.
42:19Das ist für mich der größte Wunsch.
42:21Dann kann ich sagen, lieber Gott, wenn du jetzt meinst, die Zeit ist gekommen,
42:26dann werde ich mich angenehm verabschieden und sage,
42:30alles erreicht, schönes Leben gehabt mit allen Höhen und Tiefen
42:33und jetzt können wir mal anklopfen.
42:40Tak sage ich zurück.
43:04You
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