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00:04Antonia Ackermann ist eine der stärksten Frauen Berlins.
00:10Also stark hat für mich auf jeden Fall nicht nur was mit körperlich stark zu tun, auch klar.
00:14Stark ist für mich. Ich glaube einfach eine Frau, die ihren Traum, den sie hat, verfolgt.
00:23Ich bin nicht stark für eine Frau, ich bin einfach nur stark.
00:28Wie ist es sich in einer Welt zu behaupten, in der man auffällt, nur weil man eine Frau ist?
00:33Es sind mal zwei junge Männer, die hatten einen Platten. Ich schubste einen in die andere.
00:38Oh Mist, bis wir was von einer Frau helfen lassen.
00:43Wie erleben Frauen ihren Alltag in Jobs, die auch heute noch fest in männlicher Hand sind?
00:50Klar, ich bin auch gerne Frau, ich sehe auch gerne gut aus, achte auf mein Äußeres, aber ich möchte nicht
00:55sexualisiert werden.
01:02Ach, die, was will die denn hier?
01:04Dieser Spruch, den könnte ich mir keine Ahnung ins Gesicht tätowieren, weil den kriege ich gefühlt jeden Tag zu hören.
01:10Und du machst dann einfach, nachdem du abgeschnitten hast, steckst du die Muffin hier ruf, nimmst dir einen Zolli, hier
01:16ist die Mitte.
01:19Vanessa Albrecht ist eine von sehr wenigen. Nicht einmal zwei Prozent aller Azubis für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind
01:27Frauen.
01:27Dann nehme ich dir das schon mal ab, dann krieg ich dir das ein.
01:31Ihre Ausbildung macht sie im Familienbetrieb, bei ihrem Verlobten Robert Prüssing.
01:37Eigentlich immer, wa?
01:38Ja, danke.
01:40Sie ist der Lieder meines Herzens.
01:44Als ich im Außendienst gearbeitet habe, habe ich ganz andere Sprüche noch bekommen.
01:47Also, da habe ich dann auch wirklich gesagt, es gab tatsächlich einmal den Fall, dass ich gesagt habe, wenn du
01:51noch mal so mit mir redest, komm nicht mehr auf deine Baustelle.
01:53Genau. Und da macht's eine klare Ansage. Und das merken die auch. Und dann haben die gleich, dann fällt ihnen
01:57gleich weit aus der Hose.
01:58Weißt du, ich finde, der Spruch an sich ist nicht schlimm, wenn man merkt, dass der Mensch sonst Respekt vor
02:03dir hat.
02:04Das ist so dieses Gesamtpaket, was stimmen muss. Ich weiß ja, wie ihr alle seid.
02:07Man merkt, nee, nee, nee, nee, jetzt pauschalisieren wir alle.
02:12Doch, doch, doch, ihr seid schon alle ähnlich.
02:13An meinem Job bzw. an der Branche fand ich schon immer toll, dass ich unterschätzt wurde.
02:17Hört sich jetzt vielleicht ein bisschen widersprüchlich an, aber das ist, sag ich immer, so meine Superkraft.
02:22Traditionelle Rollenbilder mögen beide nicht. Meist spielen Vanessa und Robert mit ihnen.
02:27Aber beide finden auch, ihr Handwerk ist für Frauen die deutlich größere Herausforderung.
02:33Der Umgangston ist oft rau. Und die Arbeit auch körperlich anstrengend.
02:39Du musst richtig schön zupacken. Ja, ja, ja. Da wären wir wieder beim Thema.
02:43Wir wollen ja nicht die alten Schrauben da drin lassen.
02:46Er steht dann auch manchmal so daneben und ich acker mir ihn ab und dann sagt er, pack doch mal
02:50jetzt ein bisschen zu.
02:51Und dann sage ich so zu ihm, was denkst du denn, was ich mache?
02:54Und dann sage ich so zu ihm, du verwechselst oft, dass ich nicht so eine Arme habe wie du.
02:59Weil er sagt, los komm, noch mal ein bisschen, noch ein bisschen.
03:02Wenn sie zupackt, ist das manchmal so, als wenn es wir hier loslassen.
03:09Komm, ist gut.
03:10Guck mal, sie guck mal.
03:11Ja?
03:12Ja.
03:12So hier.
03:13Ja.
03:14Du musst die Kraft der Zange nutzen.
03:16Ja, ja.
03:16So, und jetzt geht das.
03:17Danke.
03:19Ja, am Ende sage ich ja auch immer, man ist ein Team.
03:23Ich muss jetzt keinen Mann ersetzen, man muss mich nicht ersetzen.
03:26Sie wird niemals einen Mann ersetzen, weil sie keiner ist und das ist so verdammt gut so.
03:32Seit einem Jahr ist Vanessa in den sozialen Medien aktiv.
03:36Sie macht Handwerkerinnen-Content.
03:39Robert dreht die Videos, Vanessa schneidet sie.
03:43Dafür bekommt sie nicht nur positives Feedback.
03:46Sie sieht einfach nicht aus wie ein typischer Handwerker.
03:51Wisst ihr, wenn ich jetzt als Handwerker im Sommer oberkörperfrei den Asphalt draußen schiebe,
03:55sagt kein Mensch was.
03:57Da sagen die so, ey cool, dass du das machst, ey krass, dass wir euch haben, sodass ihr das
04:01Ding hier am Laufen halt.
04:02Aber macht das eine Frau im Bikini oder im BH, weil die vielleicht 40 Grad draußen sind,
04:07wird das einfach komplett anders bewertet.
04:08Eigentlich ist das bescheuert.
04:11Vanessa hat sich schon oft als Zielscheibe toxischer Männlichkeit gefühlt.
04:16Auch mir wurde mal an den Arsch gefasst, ungefragt.
04:19Auch ich wurde mal von einem Mann auf der Straße verfolgt.
04:22Also das ist leider einfach irgendwie ein Teil des Frau-Seins.
04:25Aber im Internet ist das alles noch ein bisschen krasser, weil da die Grenzen einfach verschwimmen.
04:32Bewertet mich für mein Handwerk, so für das, was ich mache.
04:35Aber es wird manchmal so abfällig, dass ich mir denke, ich muss jeden Tag dafür kämpfen,
04:40den Leuten zu zeigen, hey, ich bin nicht so eine.
04:48Das geht hier schnell.
04:50Mann, nur mit Respekt.
04:52Kathleen Andersson ist eine von vier Frauen bei der ADAC Pannenhilfe in Berlin und Brandenburg.
04:58Hat mich erst überrascht, aber macht einen super Job.
05:02Viele Frauen wünschen sich ja doch eher so mit Kindern zu tun zu haben, also jetzt so Erzieherinnen
05:07oder so was in die Richtung oder Lehrerin, Sachbearbeiterin.
05:14Das ist eventuell das Bordnetz-Steuergerät, das hier ein Problem hat.
05:19Ja.
05:20Und wir gucken gleich mal, haben Sie ein Handy dabei?
05:23Ja.
05:26Wahnsinn.
05:28Nee, nichts.
05:29Keine Reaktion.
05:32Ihre Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin ist über 30 Jahre her.
05:39Kommunikation über Low Speed.
05:41Damals war sie die einzige Frau in der Berufsschulklasse.
05:44Was bist du denn jetzt?
05:45Bist du ein Junge oder ein Mädchen?
05:47Was willst du denn hier in dem Job, dass du hier diesen Job machst?
05:50Also sowas habe ich gesagt, unter anderem gehört.
05:52Mich echt geärgert.
05:53Warum stellen die mir die Fragen?
05:54Die lernen doch auch den Job und ich lerne auch den Job.
05:57Also was macht da das Geschlecht für den Unterschied?
05:59Habe ich irgendwie ein anderes Gehirn?
06:01Oder ist der Denkprozess bei mir ein anderer?
06:03Nein, ich glaube nicht.
06:04Ich kann nicht garantieren, wenn das Display wieder ausgeht,
06:07dass der nicht auf P geht.
06:08Das ist zu riskant.
06:10Ich lasse den lieber abschleppen.
06:11Scheiße.
06:15Seit 9 Uhr morgens ist Kathleen in Brandenburg unterwegs.
06:19Ja, der ist hier.
06:21Du zwingt Pause danach oder noch eine Öffnung am Wanderfahrplatz an den Ziegeleien.
06:27Was ist das für ein Auto?
06:28Da ist ein Hund und ein T4-Kasten.
06:32Gucken wir mal.
06:33Ein Kasten.
06:34Ach du Schönen, den müssen wir machen.
06:36Beim Hund drin.
06:39Auch heute sind nur gut 6 Prozent der Azubis in Kathleen's Handwerk weiblich.
06:43Sie selbst hat ihre Entscheidung für eine Männerdomäne nie in Frage gestellt.
06:49Ich finde die Technik schön.
06:51Wie es funktioniert, dass durch eine Verbrennung ein Kolben sich nach oben, unten bewegt
06:56und dadurch Kräfte freigesetzt werden, die ein Auto fortbewegen.
07:00Und wie lange der Verbrenner eigentlich durchgehalten hat und welche Entwicklung der mitgemacht hat.
07:05Das finde ich faszinierend.
07:07Ach, die steht direkt an der 101.
07:10Ach, die wollte bestimmt mal mit dem Hund Gassi gehen.
07:13Genau so war's.
07:14Und seitdem warten Susanne Hecht und Hund Halloumi auf Rettung.
07:18Ja, ich hab die Schiebetür zugemacht, vorher den Knopf runtergedrückt und dann zugeschlagen.
07:25Und der Schlüssel liegt drin. Und das Handy und alles. Und meine Jacke und der Hund.
07:29Und der Hund, der sieht aus, als ob der keine Lust hat, sich von da hinten zu erheben, ja?
07:37Nee.
07:38Gut.
07:41In ihren 13 Jahren beim ADAC hat Kathleen schon einige Campertüren geknackt.
07:47Wie sie es diesmal probiert, bleibt aber Betriebsgeheimnis.
07:52So, machen wir das schon mal.
07:56Ja, ich versuch's jedenfalls.
08:06Auch Antonia Ackermanns Trainingstag beginnt 9 Uhr morgens.
08:09Sie ist Junioren-Europameisterin im Olympischen Gewichtheben
08:13und wird gerade von den anderen Athletinnen in der Halle hops genommen.
08:17Mit auffällig vielen Komplimenten für ihr Äußeres.
08:22Aber jetzt steht sie nicht mal am schönen Licht.
08:25Ja, das stimmt auch. Das kann ich gar nicht mehr so mitsehen.
08:27Du hast gesagt, ja, ich seh so toll aus und bla, aber darum geht's ja eben nicht.
08:31Ja, Entschuldigung.
08:33Ja.
08:34Das sehen wir gerade so.
08:36Das stimmt.
08:37Könnt ihr ja mal sagen, wie schlau und witzig ich bin.
08:41Also witzig auch, nehm ich ja.
08:44Nein.
08:53Mit 10 Jahren hat Antonia mit dem Sport begonnen.
08:57Inzwischen ist sie 23.
08:59Ihr nächstes großes Ziel, die Europameisterschaft im April.
09:04Toni Höfler war früher Selbstgewichtheber.
09:08Zusammen trainieren sie nun auch für Olympia.
09:10Anstrengend. Ja.
09:12Und noch ein bisschen über rechts war besser, aber...
09:14Antonias Trainer waren schon immer Männer.
09:16Jetzt über links schieben.
09:18Genau. So, wollen wir das sehen.
09:20Krass.
09:21Anstrengend, oder?
09:22Das fühlt sich total schief an, aber ich weiß, dass das gerade ist.
09:25Ja, ja, dann bist du gerade.
09:27Für mich kommt es jetzt nicht auf das Geschlecht drauf an, sondern einfach, wie ich mit der Person klarkomme.
09:31Und da haben wir aber halt auch, also ich sag wir, weil da trainieren eigentlich nur Mädels, den Vorteil, dass
09:37er da auch ziemlich fortschrittlich ist, würde ich sagen.
09:39Und wir eben auch mit dem Zyklus arbeiten.
09:43Gewichtheben war lange eine reine Männersportart.
09:47Erst seit dem Jahr 2000 dürfen Frauen überhaupt bei den Olympischen Spielen mitmachen.
09:52Wenn mehr Frauen diesen Sport machen würden, dann würde, ich denke, schon auch mein Selbstbewusstsein irgendwie steigen.
10:01Und ich glaube, man würde sich dann auch gegenseitig einfach hochpushen.
10:05Besonders in Berlin aber steigt die Zahl der Athletinnen im Olympischen Gewichtheben.
10:12Also das hat sich dann schön gefühlt.
10:13Ja, ne?
10:14Bei der Deutschen Meisterschaft mittlerweile ist es relativ ausgeglichen, dass da halb Frauen, halb Männer sind.
10:19Ist halt leider in der Trainerschaft noch nicht so angekommen.
10:22Auf Bundesebene bin ich da aktuell leider die einzige Frau.
10:25Würde mich natürlich freuen, Mädels.
10:28Druck halten, aufrecht bleiben.
10:32Guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck, guck,
10:38guck, guck.
10:41Also wenn ich eins weiß, weil ich eins die letzten Jahre gelernt habe, dass Frauen mindestens genauso stark sein können
10:46als die Männer.
10:47Die sind sogar belastbarer.
10:48Belastbarer sowieso, ja.
10:52Wir haben ja hier ein männliches Exemplar und da ist ein Drittel weniger Umfang drauf auf dem Trainingsplan und von
10:57der Intensität auch weniger.
11:00Und die eigentlichen Kriegerinnen sind die Frauen, also die Krieger im Sport.
11:0860 muss ich.
11:14Mit zwölf ist die Berlinerin auf eine Sportschule gewechselt.
11:19Das sind über zehn Jahre Leistungssport.
11:24Das Schönheitsideal für Frauen hat sich seitdem kaum verändert.
11:33Der Körper einer Gewichthörerin verändert sich vor allen Dingen an den Beinen sehr stark.
11:38Also man bekommt die Kirche, Oberschenkel, der Gluteus wächst auch mit.
11:42Die Schultern, der Rücken wird einfach ein bisschen breiter durch die Muskeln.
11:46Ja, und das, ja, gefällt vielleicht nicht jedem, aber es gehört mit dazu.
11:53Ich hader, ich hader auf jeden Fall damit.
11:56Umso älter ich geworden bin, umso besser ist es geworden.
11:58Aber oft ist es ja immer noch dieses, du hast einen Beauty-Standard und den möchtest du irgendwie erfüllen.
12:04Und da bin ich auch tatsächlich dadurch auch nicht so viel unterwegs auf Social Media.
12:11Ja, weil einen das, glaube ich, immer noch stark beeinflusst, wenn man dann andere Frauen mit, die sind zierlicher, die
12:15haben dünnere Beine
12:15oder sehen dann einfach in ähnlichen Klamotten, merkst du, oh, ich sehe da irgendwie ganz anders aus als die hinten
12:22hin.
12:23Ja.
12:24Aus meiner Erfahrung mit den Gewichtthemen, und ich komme ja aus der Supermänner-Szene in den 90er-Jahren,
12:28und da war das so gewesen, dass die Frau erst mal keine Rolle gespielt hat.
12:30Aber, und dass dieser Körpertyp wirklich auch, ja, negativ konnotiert,
12:34und zwar, wie sieht die noch aus, Mannsweib und so.
12:36Aber dadurch, dass dieser feminine Aspekt jetzt auch in diesen Wettkaufsport kommt,
12:39also die Mädels sind dann geschminkt, haben Glitter an den Haaren und ziehen sich auch so an,
12:45als ob sie sich zeigen, präsentieren, teilweise Bühnen-Make-up.
12:48Da ist halt die Frage auch, habe ich mich auch schon bestellt, warum machen wir das?
12:52Weil ich habe das Gefühl, dass wir Frauen dann schon öfter auch noch mal auf der Bühne
12:59wird mehr unser Aussehen noch kommentiert als bei den Männern.
13:02Jetzt war zum Beispiel, habe ich gestern erst wieder gelesen, bei den Eiskunstläuferinnen,
13:05und da wurde dann, die hat eine super Kür hinterlegt, und das erste, was der Kommentator meinte, war,
13:09ja, Männer, also die ist leider schon verknitten, oder so.
13:12Naja.
13:12Das würde bei Männern, glaube ich, kommt das halt einfach wirklich weniger häufig vor.
13:17Und vielleicht kommt das auch dadurch, dass wir das, okay, wir müssen uns femininer präsentieren,
13:22weil wir machen hier schon eine eher männerkonnotierte Sportart,
13:26und dann müssen wir unbedingt zeigen, wir sind aber auch feminin.
13:31In drei Tagen hat Antonia ihren nächsten Bundesliga-Wettkampf. Mit Männern und Gegenmänner.
13:47Na ja, so offen! Oh Gott!
13:52Ha, Glückwunsch bei euch!
13:55Danke!
13:56Das ging ja total schnell!
13:59Dankeschön.
14:00In Brandenburg hat Kathleen Anderson gerade einen Schlüssel und einen Hund aus einem Auto befreit.
14:05So ein überraschter Hund ist was Schönes.
14:08Guck mal!
14:09Hier sind wir frei! Hallo! Super!
14:20Tada!
14:21Ja!
14:23Das war super!
14:24Also so schnell, mir ist das schon öfter passiert, aber so schnell hat es noch keiner geschafft.
14:29Es waren sonst immer Männer.
14:31Auch Stift hochziehen macht Spaß.
14:36So, jetzt gleich mal noch mal kurz die Daten an.
14:40Frauen freuen sich meistens, wenn ihnen eine Frau aus der Patsche hilft, meint Kathleen.
14:44Für Männer, besonders für Ältere, scheint das schwieriger zu sein.
14:48Haben Sie das auch gelernt?
14:51Die Frage höre ich eigentlich jeden Tag mehrmals.
14:54Früher habe ich noch gehört, wann kommt denn Ihr Kollege?
15:00Das ist aber irgendwie vorbei.
15:04Wahrscheinlich kommt die Frage dann wieder.
15:07Jetzt, wo ich sage, dass das vorbei ist, kommt die Frage dann bestimmt wieder.
15:12Auf jeden Fall kommt der nächste Einsatz.
15:14Bis halb sechs wird die gebürtige Leipzigerin heute auf der Straße unterwegs sein.
15:22Ich bin der Becker.
15:24Einen schönen Tag, hier ist der ADAC, Andersson.
15:27Ja, Hallo, Hallo.
15:28Hallo.
15:29Wir sind ungefähr in zehn Minuten bei Ihnen.
15:32Ich brauche nachher die ADAC-Karte und den Fahrzeugschein bitte.
15:34Ja, klar.
15:42Zurück in Berlin.
15:43Vanessa Albrecht hat nach ihrem dualen Studium einen Baumarkt geleitet.
15:47Bis sie vor fünf Jahren Robert kennengelernt hat.
15:52Vom Baumarkt abgeworben in den Sanitärbetrieb.
15:56Ja, im Baumarkt demontiert und bei mir montiert.
15:59Ja.
16:00Ich habe dich in mein Herz montiert.
16:02Obwohl du, du hast mich ja eigentlich aufgegabelt.
16:05Ich habe dir nur Au-Vancen gesendet.
16:08Typisch Mann.
16:10Mein Stiefvater, der ist Maurermeister und der hat mich damals geprägt.
16:14Und ich fand es so cool, dass der alles konnte bei uns zu Hause.
16:17Unser Haus gebaut hat.
16:18Für mich war das so eine krasse Inspiration, weil ich Handwerk mit Freiheit verbinde.
16:22Hab aber immer gesagt, okay, auf die Baustelle, da passe ich irgendwie nicht hin.
16:26Da gehöre ich nicht hin, weil es gab halt kaum Frauen.
16:28Beziehungsweise ich habe nie Frauen im Handwerk gesehen, als ich mit ihm auf die Baustellen
16:32auch gefahren bin.
16:34Ich nehme dir mal ein Wegelchen, genau.
16:37Eine Maus.
16:39Nach ihrer Ausbildung zur Anlagenmechanikerin will Vanessa in den Familienbetrieb von Robert
16:44einsteigen.
16:45Das gute alte SNL-Rohr, wa?
16:47Ja.
16:48Meine SNL-Barbie.
16:50Abwasser-Babe haben auch manche gesagt.
16:52Ja, ja.
16:53Den Namen hast du dir auf jeden Fall verdient.
16:55Ja, weil wir immer so oft Abwasserrohre erneuern.
16:57Das ist wie im wahren Leben.
16:58Du musst immer erstmal in Scheiße wühlen, bevor es dann besser wird.
17:01Robert Prüssing ist Installateur und Heizungsbauermeister.
17:05Vanessas Verlobter und ihr Ausbilder.
17:11Ich glaube schon, dass viele Frauen davor auch Respekt haben, das zu machen, weil das
17:15halt so eine eingeschweißte Männerbranche ist.
17:17Sodass man, so wie ich damals, gar nicht denkt, okay, ich als Frau könnte da auch ein
17:20passen, weil man hat immer dieses Bild, Handwerk ist gleich Mann.
17:24Dann nehmen wir Profi-Press Muffe 18 bitte, Fräulein.
17:29Konzentration.
17:30So, und jetzt haben wir...
17:31Du brauchst nicht übertreiben.
17:32Ich dachte, der kommt mir nicht ganz gut.
17:35Auf Vanessa und Robert wartet die nächste gemeinsame Baustelle.
17:43Gewichtheberin Antonia Ackermann bei der Physiotherapie.
17:48Im Olympiastützpunkt Berlin werden seit fast 40 Jahren Spitzensportler betreut.
17:53Und Spitzensportlerinnen.
17:56Du hast ein ganz anderes Bindegewebe als Frau, als Mann.
18:00Das ist viel, viel weicher, auch je nachdem, in welcher Hormonphase wir uns gerade befinden,
18:06wenn wir die Pille vielleicht nicht benutzen.
18:07Da passieren vor allem natürlich Verletzungen wie Kreuzbandrisse etc.
18:12Da gibt's natürlich jetzt so langsam kommt es, aber viel zu wenig Forschung noch, natürlich.
18:18Also ich glaube, hätten Männer ihre Periode, hätten wir wahrscheinlich schon wesentlich mehr
18:23an Forschungseinblicke als die wir jetzt haben.
18:29Am Wochenende ist Antonias nächster Wettkampf.
18:33Da ist jetzt tatsächlich ein Thema, weil wir das gerade hatten, das Thema so ein bisschen bei mir,
18:39dass ich weiß jetzt nicht mehr eine Periode kriege.
18:41Und da schon mit so einer gewissen...
18:43Ja, also ich habe das im Hinterkopf die ganze Zeit.
18:46Und bin dann so, oh, mal gucken, ob ich dann die Spannung habe am Wochenende.
18:54Drei Tage später, Antonia auf dem Weg nach Sachsen-Anhalt.
19:01Wir fahren jetzt nach Samswegen zum Bundesliga-Wettkampf.
19:06Die erste Bundesliga. Und werden dort gegen Kiel heben.
19:13Eine ihrer Gegnerinnen sitzt sogar mit im Auto.
19:15Und ich glaube, das wird ganz spannend, weil wir beide Teams sind, die ganz gute Punkte machen können, wenn sie
19:23ein gutes Team aufgestellt haben.
19:25Und ja, mal schauen, wer da heute die Nase vorne hat, würde ich mal sagen.
19:34Seit über 50 Jahren werden in Samswegen Gewichte gehoben.
19:42Es ist Samstagabend und die Halle wird wie immer voll.
19:45Für Antonia geht es erst einmal zum Einwiegen.
19:48Genau wie für die anderen Sportlerinnen und Sportler aller Gewichtsklassen.
19:5290,1.
19:56Bei uns gibt es halt immer gemischte Teams oder die Bundesliga generell ist gemischt.
20:00Also da gibt es weder eine reine Frauen-Bundesliga noch eine reine Männer-Bundesliga.
20:0559,5.
20:08Später werden Körpergewicht und gehobenes Gewicht miteinander verrechnet, sodass es für die gemischten Teams fair bleibt.
20:15So oft wie möglich sind auch Antonias Freund Nils und seine Tochter Helena bei den Wettkämpfen dabei.
20:21Wenn du als Frau eine Familienplanung hast im Leistungssport, dann ist es teilweise sehr schwer umzusetzen,
20:28weil da vielleicht auch die Awareness und Unterstützung auch noch ein bisschen fehlt.
20:31Weil ich meine, wenn jetzt ein gewichtiger Papa wird, dann hat das jetzt klar auf den vielleicht Schlafmangel auch Auswirkungen,
20:38aber du trägst ja das Kind nicht aus.
20:39Ich hatte zum Beispiel auch schon mal darüber nachgedacht und mich informiert, Eizellen einzufrieren,
20:43weil ich eben nicht weiß, wie lange mache ich das Ganze noch.
20:47Ja, und ich möchte auf jeden Fall Kinder.
20:52Antonia ist seit fünf Jahren in einem Sportförderprogramm der Bundeswehr und damit auch Soldatin.
20:57Knapp zweieinhalbtausend Euro netto bekommt sie jeden Monat, um trainieren zu können.
21:01Männer bekommen genauso viel.
21:09Nur noch wenige Minuten, dann muss auch Antonia auf die Bühne.
21:22Ich habe mir als Ziel gesetzt, dass ich sechs gültige Versuche machen möchte.
21:25Wir haben ja sechs Versuche, die wir vorne auf die Bühne bringen und Spaß zu haben.
21:40Erste Disziplin, Reißen.
21:42Das Gewicht muss in einer Bewegung über den Kopf und dann in die Luft gehoben werden.
21:48In Berlin gibt es eine andere Herausforderung.
21:51Und jetzt prüße, ob die Anlage auch wirklich spannungsfrei ist.
21:59Vanessa Albrecht soll einen defekten Durchlauferhitzer austauschen.
22:03Robert filmt die Aktion für Social Media.
22:07Ich will mich mal an.
22:11Sehr schön.
22:12Ich soll ja auch ein bisschen was für das Auge sehen.
22:15Ursprünglich wollten die beiden so neue Mitarbeiter für den Familienbetrieb finden.
22:19Aber dann lief's besser als gedacht.
22:21Fast 400.000 Menschen folgen der 30-Jährigen auf Instagram und TikTok.
22:26Hier ist auch ein Pfeil für die Fließrichtung drauf.
22:30Dass viele Männer im Internet ihre Baustellen untypischen Outfits kommentieren,
22:34nimmt das Baubabe inzwischen gelassen.
22:38Wenn der Arbeitgeber sagt, es ist in Ordnung, Jeans zu tragen, dann go for it.
22:43Aber ich kann verstehen, dass einige hate, denn sie können die Wahrheit nicht ertragen,
22:46dass ich sogar einen Jeans wahrscheinlich mehr drauf habe als sie.
22:48Macht euch bitte keine Sorgen mehr.
22:49Unter fast jedem Video wird Vanessa schamlos sexualisiert.
22:58Ist ja schon frech, was manche schreiben, oder?
23:00Ich liebe dein Outfit erst recht deines Stringbodies.
23:03Geile, dittne, was auch immer das sein soll.
23:06Sind die echt, daraus schließe ich mal, dass er meine Oberweite meint, pralles Teil?
23:12Also das ist ja schon nicht mal mehr ein Kompliment oder nett gemeint,
23:15sondern das ist ja einfach wirklich nur noch primitiv.
23:18Jetzt würden einige sagen, ja, dann zieh dich doch nicht so an.
23:20Das ist genauso wie, wenn ich ins Fitnessstudio gehe und andere,
23:23oder Männer vor allem, sagen, zieh doch keine Leggings an,
23:26wenn du nicht willst, dass geguckt wird.
23:28Kann ich jetzt was dafür, wenn du mich sexualisierst und wenn du mich angaffst,
23:34so, nee, bin ich jetzt das Problem oder ist der Mann oder die Person denn das Problem?
23:40In Borgheide haben Kathleen Andersson und Eberhard Kiel-Tücker ein Schlüsselproblem.
23:47Schlüssel haben Sie?
23:48Ja.
23:49So, gucken wir mal, ob er zuschließt schon.
23:55Keine Reaktion.
23:56Wissen Sie, wie man die Schlüsselbatterie wechselt?
23:58Nee, muss ich nicht.
23:59Aber Sie haben doch gesagt, Sie haben das selber gemacht.
24:01Ja, ich muss immer ein Buch nehmen und dann lesen Sie das.
24:02Oh ja, los, nehmen Sie mal ein Buch, holen Sie mal.
24:05Kathleen soll das Problem lösen und hat schon einen Verdacht.
24:10Manchmal ist einfach nur die Schlüsselbatterie leer.
24:12Das hatte ich in letzter Zeit schon sehr oft.
24:17So, das ist meine Elektroabteilung hier.
24:20Mit Glühbirnen, Glühbirnen, Relais, Kabel, Kabelbinder, Lötkolben, Überbrückungskabel, Knopfzellen.
24:35Besonders ältere Kunden sind oft überrascht, wenn ihnen ausgerechnet eine Frau bei einem Kfz-Problem helfen soll.
24:42Unten war Plus, steht hier. So war die drin.
24:45Dann wird das stimmen, wenn Sie das sagen.
24:47Na, hier steht Plus, Minus.
24:52Eberhard Kiel-Tücker ist fast 80 und freut sich über den Damenbesuch.
24:57Ich zieh den Hut vor. Weil ich war zuletzt Berufsschullehrer in Ludwigsfelde und wenn die Mädels da waren, meine Frau
25:04war auch Maschinenbauerin. Hut ab von den Frauen.
25:10Das Schlüsselproblem ist jedenfalls gelöst.
25:17Ist es nicht schön? Ist es nicht total schön?
25:20Bei der Kfz-Technik, was ich unterrichtet habe, da waren immer ein, zwei da.
25:24Und die haben sich auch immer bemüht, ordentlich zu machen alles.
25:28Im Gegensatz zu den Jungs, die sind ja alle ein bisschen legerer dabei denn.
25:32Na ja, nicht alle, aber ich habe mich auch angestrengt.
25:34Ich meine, man muss ja schließlich beweisen, dass man auch als Frau das kann.
25:44In Samswegen in Sachsen-Anhalt will es sich Antonia Ackermann beweisen.
25:48Ihr erster Versuch im Reißen.
26:15Das war nicht der Plan.
26:20Eigentlich wollte Antonia heute alle sechs Versuche stehen.
26:25Da kommen auch oft so sehr irrationale Gedanken hoch.
26:28Ich habe zum Beispiel eine 90, die ich jetzt leider nicht gerissen habe, habe ich davor die Woche im Training
26:32schon gerissen.
26:33Aber es ist ja auch jeder Tag anders.
26:36Und ja, dahinter fragt man dann aber ganz schnell irgendwie alles Mögliche.
26:42Ich habe auch schon bei Männlein und Weiblein alles gesehen.
26:45Also von Tränen bis eingeschnappt, bis weggerannt.
26:48Gibt es überall.
26:49Aber auch die Tapferigkeit.
26:50Und es hängt immer auch manchmal mit der Tagesform zusammen.
26:53Ich glaube, jeder Mensch kennt das selber von sich auch.
26:54Wenn er mal so reagiert, mal so.
26:56Und das hier genauso.
27:16Antonia vor ihrem ersten Versuch im Stoßen, der zweiten Disziplin im olympischen Gewicht heben.
27:22Dabei geht die Hante in zwei Bewegungen vom Boden auf die Schultern und dann über den Kopf.
27:29103 Kilo liegen jetzt vor ihr.
27:32Ruhe rein, Kopf geht vor.
27:35Spannung halten, ruhig.
27:37Aus die Beine.
27:47Das läuft für Antonia deutlich besser.
27:54Am Ende des Abends verliert zwar ihr Team.
27:56Aber sie schafft alle drei Versuche im Stoßen.
28:09Jetzt bin ich eigentlich ganz erleichtert. Ich weiß jetzt, woran ich halt weiter arbeiten muss.
28:13Ich habe auch gemerkt, dass es nicht an der Last lag.
28:15Also es hat sich heute eigentlich ziemlich leicht und gut angefühlt.
28:18Sondern wie gesagt, dass so diese technischen Feinheiten sind.
28:22Und ich habe das Gefühl, ich bin auf einem guten Weg.
28:31Ich bin der Meinung, dass es definitiv einfacher wäre, wenn es keine Schubladen geben würde.
28:38Aber es ist auch illusorisch, das zu denken, dass es jemals aushört.
28:41Und ich habe für mich entschieden, dass ich genau das will und den Leuten einfach zeigen möchte, dass ich nicht
28:48so bin, wie sie vielleicht gedacht hätten.
28:51Wenn man sich mal in der Welt umguckt, wie die Frauen wirklich noch abhängig von Männern sind und vor allem
28:57von der Entscheidung von Männern sind.
28:59Fragen müssen, ob sie die Fahrerlaubnis machen dürfen, ob sie Fahrrad fahren dürfen, ob sie Fußball spielen gehen dürfen.
29:05Es ist ein Privileg, hier zu sitzen.
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