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00:09Have you a place where you are happy?
00:12This is my favorite place in Helsinki.
00:15Mustikama.
00:16Blaubeerland.
00:18It's pretty close to the city.
00:24I'm Mary Gollwista.
00:25I'm a player.
00:26I grew up in Finland.
00:28In a small finnish place in the near of the Polarkreis.
00:31My second home is already over 20 years in Berlin.
00:36I always ask my German friends,
00:40do you think that you are so happy?
00:43And I say, are we so happy?
00:48Since 8 years in Folge,
00:50we are the number one in the World Happiness Report.
00:54The world's happiness report.
00:56Woran liegt das?
00:57Und warum sind die Menschen in Deutschland weniger glücklich?
01:19Ich beginne meine Suche in Helsinki und frage mich,
01:22ob wir in Deutschland von den Finnen und ihrem Glück etwas lernen können.
01:26Meine zweite Heimat ist nur auf Platz 22 des Weltglücksberichts.
01:32Und bei jungen Menschen sieht es noch düsterer aus.
01:37Was läuft in Finnland besser als anderswo?
01:40Auf den ersten Blick verwundern mich die Ergebnisse im Weltglücksbericht.
01:45Denn viele Menschen in Finnland haben ein Alkoholproblem.
01:50Die Selbstmordrate ist höher als in Deutschland.
01:53Das Klima ist hart, der Sommer kurz und in Nordfinnland gibt es selten zweistellige Temperaturen.
02:01Und die 1300 Kilometer lange Grenze mit Russland macht sicher dem einen oder anderen Angst.
02:09Das hört sich eigentlich gar nicht so toll an.
02:15Wie passt das zusammen mit dem Dauerabo auf Platz 1 im Weltglücksbericht?
02:23Es gibt ein wichtiges Wort, was die finnische Mentalität beschreibt.
02:29Sisu.
02:31Das könnte man übersetzen mit Ausdauer, Beharrlichkeit, Resilenz.
02:35Das Beste daraus machen.
02:38Zum Beispiel der lange kalte Winter.
02:40Es ist kalt.
02:41Na und?
02:42Dann zieh ich mir halt eine lange Unterhose an.
02:45Apropos lange Unterhose.
02:47Es gibt ein extra Wort dafür, wenn man sich zu Hause alleine in langen Unterhosen betrinkt.
02:53Das erzählt ein bisschen von der finnischen Selbstironie.
03:00Der hohe Alkoholkonsum wird dadurch natürlich nicht besser.
03:05Aber dass man ein bisschen über sich selbst lachen kann?
03:12Aber das alleine kann natürlich nicht der Grund für das finnische Glück sein.
03:17Und sicher auch nicht die allgegenwärtige Sauna.
03:25Morgen bin ich mit einer finnischen Familie verabredet.
03:28Vielleicht bekomme ich da erste Antworten.
03:31Davor möchte ich jedoch wissen, was dieser Weltglücksbericht überhaupt ist
03:34und welche Aussagekraft er hat.
03:36Hier an der Alte Universität bin ich mit Frank Martela verabredet.
03:40Er ist Philosoph und Glücksforscher.
03:42Und er hat auch schon am Report mitgearbeitet.
03:47Worauf basiert der Weltglücksbericht?
03:51In vielen Ländern wird dieselbe Umfrage durchgeführt.
03:54Die Teilnehmenden werden gefragt, wie platzierst du dich auf der Skala von 0 bis 10,
03:58wenn 0 das schlechteste Leben ist und 10 das bestmöglichste.
04:02Diese Frage hat man in 140 oder sogar 150 Ländern gestellt.
04:07Daraus wurde für jedes Land der Durchschnitt errechnet.
04:10Und danach wurden die Länder in eine Reihenfolge gebracht.
04:12Und danach wurde das Land der Maten jährlich.
04:16Finnland ist bei der Frage nach subjektiver Lebenszufriedenheit aktuell die Nummer eins.
04:21Mit einem Score von 7,7.
04:24Dicht gefolgt von anderen skandinavischen Ländern wie Dänemark, Island, Schweden.
04:29Das unglücklichste Land der Welt ist, wenig überraschend, Afghanistan.
04:35Deutschland ist mit einer durchschnittlichen Lebenszufriedenheit von 6,7 im oberen Mittelfeld.
04:43Worauf beruht deiner Meinung nach das finnische Glücklichsein?
04:46Was sind die Zutaten?
04:50In drei Punkten ist Finnland Spitzenreiter.
04:53Im Vertrauen zwischen den Menschen, aber auch im Vertrauen in die Institutionen und in die Gesellschaft.
04:59Es gibt hier sehr wenig Korruption.
05:02Finnland ist das Land, das am zweitwenigsten Korruption hat nach Dänemark.
05:07Und Finnland hat eine funktionierende Gesellschaft, die sich um die Bürger kümmert und sorgt.
05:13Der Staat kann die Menschen nicht glücklich machen.
05:16Aber der Staat kann gute Rahmenbedingungen setzen.
05:19In Finnland ist das sehr gut gelungen.
05:30Und was ist jetzt mit der Sauna? Hat das damit was zu tun?
05:38Man braucht Rituale, die man regelmäßig wiederholt, wo man eine Weile dem äußeren Druck entkommt und einfach in der Gegenwart
05:43präsent ist.
05:44Das ist wertvoll für das Glück. Für die Finnen ist es oft die Sauna, aber für jemand anderen kann es
05:49was ganz anderes sein.
05:52Wunderbar! Danke!
05:57Also, der Weltglücksbericht ist eigentlich ein Lebenszufriedenheitsbericht.
06:04Nichtsdestotrotz ist es erstaunlich, dass Finnland mit all seinen Problemen, Glücks- oder besser gesagt Lebenszufriedenheitsweltmeister ist.
06:12Zum achten Mal hintereinander.
06:16Aber wie schätzen das eigentlich Forscher ein, die nicht an dem Bericht beteiligt sind?
06:22Timon Renz von der Uni Freiburg ist Ökonom und Sozialwissenschaftler.
06:27Und sein Forschungsgebiet ist Lebenszufriedenheit.
06:31Wie aussagekräftig ist der World Happiness Report?
06:34Also er gilt innerhalb der Sozialwissenschaften als sehr aussagekräftig.
06:38Was die Autorinnen und Autoren sehr gut machen, ist, dass sie weltweit systematisch, regelmäßig und transparent
06:45mit Hilfe einer anerkannten Skala die Lebenszufriedenheit abfragen.
06:50Und das machen sie jetzt seit 2012.
06:52Und die Ergebnisse decken sich auch weitgehend mit den Ergebnissen innerhalb der Länder, wo noch andere Umfragen gemacht werden.
07:01Wozu ist es eigentlich gut?
07:03Es geht nicht nur darum, zu schauen, ob jetzt Kostarikaner und Finnen und Deutsche glücklicher sind im Alltag und wir
07:11freuen uns darüber,
07:12sondern sie haben schon einen gesellschaftlichen, politischen Auftrag dahinter.
07:17Der kommt ja auch von der UN selbst.
07:19Also sie möchten messen, welche Bedingungen eigentlich vorhanden sein müssen,
07:23damit Menschen in einem Land ein glückliches und zufriedenes Leben führen können.
07:28Ich schaue mir den World Happiness Report nochmal an.
07:31Finnland ist nicht bei allen Wertungen spitze.
07:34Beim Bruttoinlandsprodukt Porkopf ist Deutschland vorn.
07:37Deutlich hinter Finnland liegt Deutschland dagegen bei der Chancengleichheit, sein Leben zu gestalten.
07:43Dazu gibt es weniger Vertrauen in Staat und Gemeinschaft.
07:46Die Kluft zwischen Arm und Reich ist grösser.
07:50Und die Menschen in Deutschland haben deutlich mehr negative Emotionen.
07:54Das sind erste wichtige Hinweise. Dem gehen wir nach.
08:04Wie sehen das die Finnen selbst mit den Glücksfaktoren?
08:07Ich fahre nach Espo, ganz im Süden Finnlands, zu Familie Riskala, die ich über Freunde kenne.
08:14Maisa, Vera, Harry und Vilja.
08:18Natürlich wissen sie, dass ich mit ihnen über das finnische Glück sprechen möchte.
08:22Und sie haben sich schon ein paar Gedanken gemacht.
08:36Was macht eure Meinung nach das finnische Glücklichsein aus?
08:41Gleichberechtigung.
08:43Ich denke, Freiheit. Das bedeutet, dass man seine eigenen Entscheidungen treffen kann in Bezug auf das eigene Leben.
08:50Unabhängig davon, wo man aufgewachsen ist.
08:54Hat die Gesellschaft Einfluss auf das finnische Glück?
08:58Sie hat damit zu tun, sozioökonomisch gesehen.
09:01Auch arme Leute haben dieselbe Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen.
09:05Freiheit darf nicht vom Geld abhängig sein.
09:13Und was ist mit dem Schulsystem? Zeigt sich die Gleichberechtigung auch da?
09:19Geht ihr gerne zur Schule?
09:23Ja, in der Schule werden alle gleich behandelt.
09:30Seid ihr glücklich?
09:36Ja, ich habe über das Glücklichsein nachgedacht.
09:39Ich denke, das finnische Glück ist etwas Persönliches.
09:43Man schreit es nicht laut nach außen.
09:45Es ist eher drinnen, etwas Stilles.
09:48Ja, ich denke, ich bin glücklich.
09:51Alle erzählen mir, dass sie sich in Finnland sicher fühlen.
09:55Und dass sie sich auf die Gesellschaft und den Staat verlassen können.
09:59Auch wenn die Menschen in Finnland hohe Steuern und Abgaben zahlen.
10:03Vier Prozent mehr als in Deutschland.
10:05In beiden Ländern gibt es ähnliche Familienleistungen,
10:09wie eine bezahlte Elternzeit und Kindergeld,
10:11das in Deutschland sogar höher liegt.
10:13Einen grossen Unterschied gibt es beim Betreuungsangebot.
10:17Finnische Eltern bekommen problemlos einen Betreuungsplatz.
10:20Ab dem ersten Lebensjahr.
10:22Und es gibt eine komplette Erstaufstattung für alle Babys.
10:28Ja, beim ersten Kind war ich sogar sehr stolz,
10:31eine Finnin zu sein und das Paket zu bekommen.
10:34Es war für mich sehr wichtig.
10:41Das Gespräch mit der Familie deckt sich mit den Ergebnissen
10:45im World Happiness Report.
10:46Vera, Harrivilja und Maisa schätzen die Chancengleichheit,
10:50die soziale Fürsorge und die Freiheit, die sie haben,
10:53um ihr Leben zu gestalten.
10:55Ein paar Minuten von Espo entfernt ist der Nuxio-Nationalpark.
10:59Hier sind sie besonders glücklich, sagen die Rizkalas.
11:03In Finnland gilt das sogenannte Jedermannsrecht.
11:06Fast überall darf man wandern, campen, angeln oder Bären sammeln.
11:13Draußen sein.
11:14Die Natur ist Familie Rizkala sehr wichtig.
11:18Auch die Familienunterstützung wird sehr geschätzt,
11:20wie wir gehört haben.
11:21Ja klar, Elternzeit und Kindergeld gibt es auch in Deutschland.
11:25Aber es gibt einen wichtigen Unterschied.
11:27Die Kinderbetreuung ist problemlos.
11:30Das habe ich in Berlin mit meinen Kindern ganz anders erlebt.
11:34Ohne Stress einen Kitterplatz zu bekommen, ist schon ein Glück.
11:41Mit Familie Rizkala habe ich auch schon kurz über die finnischen Schulen gesprochen.
11:46Was läuft hier anders als in Deutschland?
11:49Meine eigene Schulzeit ist ja jetzt schon ein paar Jahre her
11:52und ich bin gespannt, wie eine finnische Schule heute aussieht.
11:56Meine Grundschule damals war ganz was Besonderes.
12:01Das war eine Dorfschule mitten im Wald direkt am See.
12:04Nur mit 25 bis 30 SchülerInnen und drei LehrerInnen.
12:09Wir hatten eine eigene Köchin und die hat auch gleichzeitig in der Schule gewohnt.
12:13Also das war sehr familiär.
12:15Ich habe ja selbst zwei Kinder in Berlin.
12:17Und ich finde das deutsche Schulsystem ganz schön kompliziert.
12:22Und in Finnland?
12:25Ich treffe Anna Hirbonen.
12:27Sie ist die Rektorin der Müllupro Gesamtschule in Helsinki.
12:31Und sie ist sehr stolz auf das finnische Bildungssystem.
12:37Ein grosser Unterschied.
12:39Alle Kinder besuchen neun Jahre lang zusammen dieselbe Schule.
12:44Sag mal, warum ist das so, dass in Finnland alle neun Jahre zusammen sind?
12:51Ich glaube, dahinter steckt die Idee der Gleichheit.
12:55In einem kleinen Land sollen alle dieselben Chancen haben,
12:58damit jeder gemäss seinem Potenzial vorankommt.
13:01Deshalb eine einheitliche, kostenlose Grundbildung, die für alle gleich ist.
13:06Und das garantiert, dass alle einbezogen werden, dass alle die gleichen Chancen haben.
13:14Denkst du, dass sich das auf das Glück der Finnen auswirkt?
13:19Nun, ich bin mir sicher, dass es das tut.
13:21Es ist ein Eckpfeiler der finnischen Gesellschaft.
13:24Die Tatsache, dass die Schule für alle gleich ist.
13:27Dort wird derselbe Lehrplan verfolgt.
13:30Das schafft eine grosse nationale Einheit.
13:33Den Schulen in Finnland wird grosses Vertrauen entgegengebracht.
13:37Die Finnen halten Bildung für eine sehr wichtige Sache.
13:44Anna führt mich durch ihre Schule.
13:54Es ist die Musikklasse.
14:03An den finnischen Schulen gibt es sogenannte multiprofessionelle Teams.
14:07Das heisst, die Lehrerinnen und Lehrer arbeiten mit Sonderpädagogen und Schulpsychologinnen zusammen.
14:13Wer zum Beispiel in Mathe ein Problem hat, der kann in einer kleinen Gruppe gemeinsam üben.
14:18So wird Schülerinnen und Schülern bei schulischen und psychischen Problemen individuell geholfen.
14:24Und an jeder finnischen Schule wird nicht nur zusammen gelernt, es wird auch zusammen gegessen.
14:32Und was toll ist, das Schulessen in der Schule ist kostenlos für alle.
14:43Ist das finnische Bildungssystem ein Glücksfaktor, von dem das Deutsche etwas lernen könnte?
14:48Mein Eindruck ist ja.
14:51Multiprofessionelle Teams, individuelle Förderung, alles kostenlos.
14:57Kann die Forschung meinen Eindruck belegen?
14:59Ich frage Samuel Greif von der TU München.
15:04Er ist Bildungsforscher und Projektmanager von PISA Deutschland.
15:09Hallo Herr Greif.
15:10Hallo, viele Grüße nach Helsinki.
15:12Ich war heute in der finnischen Schule und ich hatte schon das Gefühl, dass die Schule dort ein Glücksfaktor ist.
15:19Es freut mich, dass es Ihnen da so gut gefallen hat und das ist tatsächlich auch etwas, was wir in
15:24vielen Studien sehen, unter anderem ja in der bekannten PISA-Studie, dass das finnische Schulsystem in vielerlei Hinsicht sehr bemerkenswert
15:32ist.
15:32Und was kann Deutschland daraus lernen?
15:34Was ich wirklich spannend und bemerkenswert finde in finnischen Schulen, ist, dass individuelle Förderung etwas ganz Selbstverständliches ist.
15:45Das heißt, die meisten SchülerInnen kriegen irgendwann mal so etwas wie zusätzliche Unterstützung.
15:51Sei es im sozial-emotionalen Bereich oder sei es im fachlichen Bereich.
15:56Und der große Unterschied zu vielen anderen Ländern ist, dass das überhaupt nicht mit einer Stigmatisierung verbunden ist.
16:01Dass das überhaupt nicht komisch oder seltsam ist, sondern es wird als völlig selbstverständlich verstanden, dass jeder gelegentlich mal extra
16:09Unterstützung braucht.
16:10Das finnische Bildungssystem scheint durchaus zum Glück beizutragen.
16:14Das zeigt sich auch beim Bildungserfolg.
16:16Bei der letzten PISA-Studie war es wie beim World Happiness Report.
16:20Finnland in den Top Ten.
16:21Deutschland Mittelmaß.
16:29In unserem Gespräch hat Familie Rieskala oft von der Natur gesprochen.
16:33Und dass sie da besonders glücklich seien.
16:36Tatsächlich sagen laut einer aktuellen Umfrage 97 Prozent der Menschen in Finnland, dass die Natur sie glücklich macht.
16:43Meine eigene Kindheit im Norden hat mich sehr geprägt.
16:48Aber um ehrlich zu sein, weiß ich noch, wie ich als Kind manchmal sogar genervt war, dass es um mich
16:53herum nur Wälder gab.
16:55Aber heute weiß ich das sehr zu schätzen und ich denke sogar, dass die Naturverbundenheit meiner Kindheit wie eine innere
17:04Quelle für mich ist, die mir Halt gibt.
17:08Tatsache ist, in Finnland gibt es viel Natur.
17:11Hier leben im Schnitt 16 Menschen pro Quadratkilometer.
17:14In Deutschland sind es 15 mal so viele.
17:1870 Prozent der Landfläche Finnlands besteht aus Wald.
17:22Dazu gibt es 188.000 Seen.
17:25Etwa ein Viertel der Menschen besitzt ein Möcki, ein Häuschen im Grünen, wo man sich mit Familie und Freunden trifft.
17:35Aber lässt sich dieser Glücksfaktor Natur wissenschaftlich beweisen?
17:41In diesem wunderschönen Ort in Utela, in der Nähe von Helsinki, treffe ich Lisa Türbeinen.
17:48Sie ist Professorin des Instituts für Naturforschung und beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Thema Natur und Gesundheit.
18:00Was sagen Ihre Studien zur Wirkung der Natur auf Körper und Geist?
18:07Finnland und andere nordische Länder sind da an der Spitze der Forschung.
18:11Vor 20 Jahren wurde untersucht, wie oft Menschen in der Natur sind und wie ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist.
18:18Man konnte beobachten, dass Menschen, die regelmäßig in der Natur sind, weniger unter psychischen Problemen leiden.
18:25Das war der Ausgangspunkt für weitere Forschungen.
18:28Welchen Anteil hat die Natur am finnischen Glück?
18:35Vor ein paar Jahren haben wir hier in Helsinki erforscht, wie sich regelmäßige Naturbesucher auf das Risiko von Depressionen, Diabetes
18:44oder Asthma auswirken.
18:47Die Ergebnisse zeigen, dass der Aufenthalt in der Natur vor Depressionen schützt und vor Bluthochdruck und ebenso vor Atemwegserkrankungen.
19:04Die Natur ist uns Finn wahnsinnig wichtig. Sie ist ein Teil unserer Identität und ein Teil unserer Lebenszufriedenheit.
19:17Meine Glückssuche in Finnland geht zu Ende. Bevor es morgen wieder nach Berlin geht, habe ich noch Lust auf Karaoke.
19:25Finnland ist, überraschenderweise, das Land mit den meisten Karaoke-Bars pro Einwohner.
19:32Und man sagt ja, die Finnen sind beim Reden über Gefühle eher zurückhaltend.
19:37Beim Karaoke kann man seine Gefühle teilen, ohne ein einziges Wort erklären zu müssen.
19:43Macht dich das glücklich?
19:45Ja, Karaoke macht sehr glücklich.
19:48Warum?
19:50Das Singen ist wichtig im Leben.
19:54Du wärst glücklicher, wenn du singen würdest.
19:57Sicher, aber ich höre lieber zu, wenn andere singen.
20:01Soll ich dich für einen Song anmelden?
20:04Bitte nicht.
20:10Danke.
20:12Finnland ist keine Insel der Seligen.
20:14Hier gibt es genauso viele Probleme und dunkle Seiten wie in Deutschland.
20:18Doch es scheint einige Punkte zu geben, die die negativen Seiten mehr als ausgleichen.
20:23Das Vertrauen in die Gemeinschaft, die soziale Unterstützung, das Bildungssystem mit größerer Chancengleichheit
20:30und die Verbindung mit der Natur.
20:35Mit diesen Eindrücken geht es zurück nach Deutschland.
20:39Ich will herausfinden, was den Menschen in Deutschland beim Glück im Weg steht.
20:43Dazu werde ich auch dort eine Schule besuchen.
20:57Bei meinen Recherchen bin ich auf eine besorgniserregende Entwicklung gestossen.
21:02Immer mehr Kinder und Jugendliche sind unglücklich.
21:07Während die Gesamtbevölkerung in Deutschland im World Happiness Index auf dem 22. Platz liegt,
21:13ordnen sich junge Menschen deutlich weiter unten ein.
21:17Platz 47.
21:20Über ein Fünftel klagt über psychische Belastungen und Ängste.
21:24Warum ist das so? Und was könnte das ändern?
21:31Ich fahre an die Albrecht von Krefe Schule in Kreuzberg.
21:35Heute findet hier ein Mental Health Workshop statt. Mit Leiterin Milena Wolski. Sie nimmt mich mit zur Klasse 9a.
21:46Also wir reden über Ressourcen, wir reden über Bewältigungsstrategien, was sie belastet. Das ist alles, was wir so heute machen.
21:55Okay, schön. Ich bin gespannt.
21:59Die 9a ist eine bilinguale spanisch-deutsche Klasse. Am Anfang des Workshops geht es um das schönste Erlebnis der Woche.
22:08Ein Highlight meiner letzten Woche war, dass ich mit Freunden im Kino war.
22:15Mein Highlight der letzten Woche war Fußballspieler.
22:19Ich bin Kevin. Mein Highlight war, ich habe Tacos gegessen.
22:22Was hast du gegessen?
22:24Ja, Tacos.
22:26Die Schülerinnen und Schüler sollen sich bewusst werden, was ihnen gut tut.
22:30Und im Workshop Wege finden, mit psychischen Belastungen umzugehen.
22:37Was macht die Jugendlichen unglücklich?
22:40Sie berichten über Schulstress, Streit der Eltern, Mobbing und Diskriminierung.
22:47Weil wir aus Ländern sind, aus Amerika, Spanien.
22:53Die Spanischritte.
22:54Mit den Coaches reden die Schülerinnen und Schüler offen über ihre Ängste und Sorgen.
22:59Und was macht ihr denn anders als LehrerInnen zum Beispiel?
23:03Also erstmal vergeben wir keine Noten.
23:06Und wir geben auch nichts weiter an die Lehrkräfte.
23:09Es ist auch lebensbedrohlich.
23:13Und hast du das Gefühl, dass die Kinder und Jugendliche offen darüber sprechen wollen?
23:17Sie haben manchmal Sachen gehört im Internet oder so.
23:20Aber tatsächlich so auch in der Gruppe über das Thema zu sprechen, alles fragen zu können, das ist dann auch
23:27nochmal neu.
23:28Und da nutzen die auch dann die Gelegenheit, auch wirklich mal Fragen zu stellen über auch sehr tabuisierte Themen.
23:36Also so über Suizid oder auch Selbstverletzung.
23:39Welche Rolle spielt dann Social Media beim Unglück der Jugendlichen?
23:43Also der Zusammenhang ist ja schon klar erforscht sozusagen.
23:47Das ist wirklich, ja, je mehr Social Media Nutzung, desto mehr mentale Erkrankungen tauchen auf.
23:54Ein übermäßiger Konsum von sozialen Medien kann krank machen, so eine Studie des University College London.
24:01Die Forschenden nutzten Daten einer Langzeitbefragung mit 20.000 britischen Jugendlichen
24:07und fanden heraus, eine Nutzungsdauer von über drei Stunden steigerte depressive Symptome wie Antriebsmangel und Schlaflossigkeit um etwa 20 Prozent.
24:18Und was kann ich als Eltern dafür tun, dass meine Kinder glücklicher werden?
24:23Sie weniger belasten und vielleicht da auch ein Vorbild sein, was eben man selbst für seine mentale Gesundheit tut.
24:29Auch vielleicht, was die Mediennutzung selbst angeht.
24:32Genau, und auch mit den Jugendlichen zu besprechen, dass man eben auch ähnlich Belastungen kennt, also dass sie sich nicht
24:39so isoliert fühlen.
24:41Ich habe den Eindruck, solche Hilfsangebote, von denen es in Finnland deutlich mehr gibt, könnten Kinder und Jugendliche ein Stück
24:49glücklicher machen.
24:51Die staatliche Förderung dafür wurde aber vor kurzem stark gekürzt.
24:56Ein großer Fehler, sagt der Leipziger Psychologe Julian Schmitz, denn offenbar steht es ja nicht gut um das Glück der
25:03Jugendlichen in Deutschland.
25:04Es gibt eine sehr bekannte Theorie, die U-Theorie des Glücks. Und zwar geht man davon aus, dass das Glück
25:12über die Lebensspannung und die Zuversicht in U-Form verläuft.
25:15Dass wir also gerade im Jugendalter eine hohe Zufriedenheit, hohen Optimismus und ein hohes Glücksgefühl haben, dass das Ganze dann
25:23abnimmt.
25:24Sogenannte Midlife-Crisis, die kennt man ja. Und dass es dann im Lebensalter wieder zunimmt, dass also ältere Menschen auch
25:32besonders glücklich und zuversichtlich sind.
25:36Das, was wir im Moment sehen in Forschungsstudien, dass dieser Teil, dass Jugendliche eher optimistisch und glücklich sind, dass das
25:42ein Stück weit abgenommen hat.
25:44Dass also hier das Glücksgefühl der Jugendlichen absinkt.
25:49Die Zahl der diagnostizierten Depressionen bei Jugendlichen ist in den letzten sechs Jahren um 30 Prozent gestiegen.
25:57Das heißt, die Jugendlichen, die heute unglücklicher sind und psychisch belasteter sind, die werden auch in Zukunft mit höherer Wahrscheinlichkeit
26:04eher unglücklich sein und psychisch belastet und werden also auch im höheren Lebensalter vielleicht weniger glücklich sein.
26:10Ich war gerade in Finnland und habe mitbekommen, dass es dort sehr viele Hilfsangebote in den Schulen gibt. Und wie
26:16ist es hier in Deutschland?
26:17Also in Deutschland haben wir ein Verhältnis von 1 zu 5000 SchulpsychologInnen auf SchülerInnen.
26:24Und wir sehen, dass wir in skandinavischen Ländern teilweise das Fünffache dort haben und dass auch mentale Gesundheit und auch
26:32Glück auch beispielsweise in Schulen viel größeren Stellenwert hat.
26:35Dass wir also sagen, Schule und Bildung hat nicht nur das Ziel, Bildung zu vermitteln, sondern auch Wohlbefinden.
26:46Also, wir brauchen, ähnlich wie in Finnland, mehr Hilfsangebote für Jugendliche. Das scheint klar.
26:54Aber können wir auch selbst etwas tun, um glücklicher zu werden?
27:03Ich treffe die Neurowissenschaftlerin Michaela Brum-Batry. Sie lehrt an der Universität Trier positive Psychologie.
27:14Von ihr möchte ich wissen, was in meinem Gehirn passiert, wenn ich glücklich bin und ob ich das Glücksgefühl selbst
27:20beeinflussen kann.
27:22Dafür werden gleich meine Gehirnströme gemessen.
27:25Zunächst möchte ich aber klären, was ist denn überhaupt Glück?
27:29Ja, Glück. Also, aus psychologischer Perspektive, wenn wir viele positive Gefühle haben im Alltag, Hoffnung, Dankbarkeit, Freude, Liebe, Zuwendung,
27:40dann sprechen wir davon, dass derjenige ein hohes Glücksgefühl hat.
27:45Biochemisch kommt das ganz klar durch verschiedene Neurotransmitter und Hormone.
27:49Die wichtigsten sind Serotonin, Dopamin, Oxytocin, Endorphine.
27:55Jeder Bodenstoff hat eine bestimmte Aufgabe.
27:59Serotonin ist für das Wohlbefinden zuständig.
28:02Es regelt das Ruhebedürfnis, die Lipido, den Appetit, das Schmerzempfinden und fördert die Gedächtnisleistung.
28:10Oxytocin ist das sogenannte Kuschelhormon.
28:12Es wird in der Hirnanhangströse gebildet und wird freigesetzt bei Nähe und Vertrauen.
28:18Dopamin ist Teil des Belohnungssystems.
28:21Dopamin motiviert, treibt uns an.
28:24Endorphine sind körpereigene Schmerzmittel, die wie Opium zu einem Rausch führen können.
28:30Und dann gibt es eben ein längerfristiges, eine Zufriedenheit, ein Wohlbefinden.
28:37Das nennen wir Eudämonie, Eudämonia.
28:41Eudämonia ist das Gute und Dämonia ist der Geist.
28:45Also das kommt von Aristoteles, der gute Geist.
28:48Das ist, wenn wir in unserem Leben das Gefühl haben, wir leben stimmig.
28:51Und kann man das sehen, ob man glücklich ist?
28:54Ja, natürlich.
28:55Ja, sicher.
28:55Wir können es sehen.
28:56Wir können es neurowissenschaftlich zeigen und sehen.
28:59Das ist ja das Faszinierende.
29:00Und das Interessante ist natürlich das, was wir zeigen, dass sich diese Strukturen verfestigen können, wenn wir die Situation häufiger
29:07aufsuchen.
29:09Jetzt ist es soweit.
29:11Ich bekomme ein EEG angelegt.
29:13Das misst meine Gehirnströme.
29:15Die Forscherinnen in Trier suchen nach Alpha-Wellen in meinem Gehirn.
29:20Diese signalisieren Entspannung, Zufriedenheit, Glück.
29:25Wenn Sie jetzt sich erinnern an eine Situation, in der Sie sehr, sehr glücklich waren,
29:30Was haben Sie in dieser Situation gesehen?
29:33Stellen Sie sich genau noch mal das Bild vor von damals.
29:37Was haben Sie in der Situation gehört?
29:40Hat jemand was gesagt oder gab es vielleicht Geräusche von damals?
29:46Schon nach kurzer Zeit fühle ich mich glücklich.
29:50In meinem rechten Vorderhinn gibt es ein Feuerwerk von Glückswellen.
29:54Mary, vielen Dank.
29:56Was wir jetzt vorhin gesehen haben, ist ganz klar.
29:58Sie waren sehr glücklich und dann haben sich sofort die Alpha-Wellen gezeigt.
30:02Also das Glück bildet sich immer im präfrontalen Kortex rechts ab.
30:06Wir sehen es aber links. Es muss andersrum gelesen werden.
30:09Und wenn wir so eine Asymmetrie haben, das heißt eine Gehirnhälfte, nämlich die rechte, besonders starke Wellenaktivierung hat,
30:16ist ein ganz deutlicher Indikator für das Glücksempfinden.
30:19Also wir können hier eindeutig sehen, dass Sie in dieser Situation wesentlich glücklicher waren als im Moment davor.
30:26Wenn wir uns jetzt vorstellen, wenn wir jetzt positive Sachen in unser Leben holen, solche positiven Erinnerungen, positive Gedanken,
30:33dann wird das neuronal, neuroplastisch, das Gehirn immer weiter in diese Richtung verändert.
30:39Man kann das Glück echt trainieren.
30:40Ja, man kann das Glück trainieren, natürlich.
30:42Im Grunde geh in Resonanz mit allem.
30:44Geh in Resonanz mit den Menschen, die dich umgeben.
30:48Sei warmherzig, liebevoll, zugewandt.
30:50Geh in Resonanz mit den Dingen, die du lernen willst.
30:53In Resonanz mit dem Instrument, was du spielst.
30:55Sei in Verbundenheit mit der Welt.
30:59Das ist eigentlich der größte Schlüssel.
31:01Und in dieser tiefen Verbundenheit haben wir ja auch den Flow.
31:04Also den Flow, also das Aufgehen in einer Tätigkeit.
31:07Ich bekomme auch Flow tatsächlich bei der Arbeit, wenn ich merke, dass es mir Spaß bringt und dass ich auch
31:12gut daran bin.
31:13Und auch tatsächlich beim Joggen, wenn ich merke, oh ja, jetzt läuft es und ich sogar an meinen Bestseiten laufen
31:20kann.
31:21Und natürlich auch, wenn ich sehe, dass es meinen Kindern gut geht.
31:29Glück ist lernbar.
31:31Ein schöner Gedanke, den ich gerne aus Trier mitnehme.
31:35Wir können die Produktion von Glückshormonen ankurbeln.
31:39Durch ganz einfache Dinge.
31:41Flow im Leben.
31:43Sport machen, Freunde treffen, gemeinsam lachen, anderen Menschen helfen.
31:49Das alles können Glücksgefühle auslösen.
31:53Als Kind war das mit dem Flow noch ganz einfach.
31:56Beim Spielen draussen, beim Entdecken der Natur oder einfach, wenn ich mit meiner Familie zusammen war.
32:03Da habe ich jetzt nicht groß darüber nachgedacht, ob ich glücklich bin.
32:09Aber als Erwachsener ist das nicht mehr so einfach mit dem Glücklichsein.
32:13In Finnland habe ich gelernt, dass das Glück gute Rahmenbedingungen braucht.
32:17Etwa die Chancengleichheit oder das Vertrauen in die Gemeinschaft.
32:20Wie ist das in Deutschland?
32:23Wir sind jetzt unterwegs zu einem der glücklichsten Orte Deutschlands.
32:32Waldkirch ist Teil der Region Emmendingen im Baden-Württemberg,
32:36die laut deutschem Glücksatlas zu den glücklichsten Regionen Deutschlands gehört.
32:40Hoch oben auf der Burg werde ich gleich eine Waldkircher Familie treffen.
32:45Vorher möchte ich noch mehr über den deutschen Glücksatlas erfahren.
32:49Die Waldkircher bewerten ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 1 bis 10 mit 8,0.
32:56Ziemlich hoch.
32:57Das liegt weit über den Werten in anderen deutschen Bundesländern.
33:01Im Vergleich leben in Hamburg die glücklichsten Menschen, gefolgt von Bayern und Rheinland-Pfalz.
33:07Am unglücklichsten sind die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern.
33:12Vielleicht kann mir der Freiburger Forscher Timon Renz bei der Suche nach den Glücksursachen weiterhelfen.
33:18Er ist Mitherausgeber des deutschen Glücksatlases.
33:23Und was sind dann die wichtigsten Glücksfaktoren?
33:26Also ein gewisser Wohlstand muss da sein.
33:28Aber was eben auch vorhanden sein sollte, ist eine soziale Eingebundenheit in der Gemeinschaft.
33:34Natürlich auch ein zufriedenstellendes Familienleben, zufriedenstellendes Arbeitsleben.
33:39Dann natürlich auch Zufriedenheit mit einem selbst.
33:41Also auch wie geht man mit sich selbst um, kann man sich selbst Fehler verzeihen.
33:44Also es muss schon beides passen. Die Rahmenbedingungen müssen passen, dass es mir gut geht.
33:49Und dann kann man noch ein optimistisches Lebensgefühl obendrauf packen.
33:55Einen einzelnen Faktor, der glücklich macht, gibt es nicht.
33:59Es ist die Summe verschiedener Einflussgrößen.
34:02Der Soziologe Jan Delhaie prägte dafür die Formel, haben, leben, sein.
34:08Das Haben, Materielles wie Geld, Essen, Dach über dem Kopf.
34:13Lieben, soziale Kontakte, etwa mit der Familie und Freunden.
34:18Und zu sein, eine erfüllende Arbeit, Hobbys, Gesundheit.
34:23Timon Renz erzählt mir, welche Daten ihm bei Waldkirch besonders aufgefallen sind.
34:29Es gibt ein starkes Vereinsleben, wenige Wegzüge, viele Familien, kurze Pendelwege und viel Natur in der Nähe.
34:38Und einmal hat Waldkirch das Glück der Lage, wenn man in Waldkirch wohnt, hat man auf der einen Seite die
34:44Vorteile vom Land.
34:46Es ist etwas ruhiger, die Luft ist besser, die Lärmbelastung ist geringer.
34:51Aber auf der anderen Seite kann man eben hier mit dem Zug oder mit dem Auto in 20 Minuten in
34:55Freiburg sein und hat sozusagen eine große Welt.
34:58Und man vereinigt sozusagen das Beste aus beiden Welten von Stadt und Land.
35:05Das will ich mit einer Waldkircher Familie besprechen.
35:09Hoch über der Stadt, auf der Kasselburg.
35:16Familie Kern hat mich zur Burgführung eingeladen.
35:21Thomas und Barbara organisieren seit drei Jahrzehnten ehrenamtlich Stadtführungen.
35:28Auch Tochter Annika und Schwägersohn Daniel sind in mehreren Waldkircher Vereinen aktiv.
35:34Familie Kern, ich habe euch gefunden.
35:38Hallo, schön.
35:40Waldkirch gehört zu den glücklichsten Orten Deutschlands.
35:44Und warum, eurer Meinung nach?
35:47Die Waldkircher, die sich ganz stark mit ihrem Städtli identifizieren und sagen, jawohl, ich bringe mich hier ein.
35:54Und das ist toll.
35:55Es gibt viele Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort, dadurch, dass es viele große Betriebe gibt.
35:59In Freiburg gibt es ganz viele Studienmöglichkeiten.
36:01Wir haben eigentlich alle Schularten hier vor Ort.
36:03Das heißt, man muss nicht groß irgendwo hinfahren.
36:06Ich glaube, das sind auch Sachen, die auch dazu beitragen, zu diesem Glück auch, dass man einfach viel machen kann.
36:14Sehr viele Waldkircher engagieren sich ehrenamtlich.
36:18Es gibt über 100 Vereine hier.
36:21Bürgerverein, Fastnachtverein, kirchliche Vereine, Jugendclubs, Orchester.
36:29Warum ist das für euch so wichtig?
36:32Weil es Spaß macht.
36:33Und bei mir tatsächlich auch, oder ich glaube, bei uns allen auch, weil wir auch als Familie das machen.
36:38Ja, und auch die Gemeinschaft.
36:40Also wir haben einfach bei diesen Führungen immer ganz viel Spaß miteinander.
36:45Das Miteinander, das gemeinsame Tun.
36:48Und ja.
36:50Gemeinschaft spielt hier also auch eine wichtige Rolle.
36:52Jeder kennt jeden und viele sind in Vereinen aktiv.
36:57Und die Natur ist natürlich ein großer Glücksfaktor.
37:02Das Glück trifft hier auf ähnliche Bedingungen wie in Finnland.
37:06Waldkirch ist glücklich, aber nicht reich.
37:11Das Einkommen liegt im Baden-Württemberger Durchschnitt.
37:14Wie viel Geld braucht es fürs Glück?
37:16Macht mehr Geld noch glücklicher?
37:19Ja, mit dieser Frage hat sich der US-Forscher Matt Killingsworth von der Uni Pennsylvania beschäftigt.
37:27Hallo Matt.
37:27Hallo Matt.
37:28Wie viel Geld braucht man, um glücklich zu sein?
37:35Mit der Frage habe ich mich lange beschäftigt.
37:38In den Vereinigten Staaten, wo ich meine Daten erhoben habe, sieht es so aus, dass das Glück im Durchschnitt ein
37:42klein wenig ansteigt, je mehr Geld man hat.
37:45Aber gibt es eine Grenze?
37:49Dafür gibt es keinen Beweis.
37:51Sogar mit einem Jahreseinkommen von einer halben Million Dollar und darüber sind die Menschen noch etwas glücklicher.
37:57Wenn es eine Grenze gibt, dann ist die ziemlich hoch.
38:02Warum sind die Finnen glücklicher als die Deutschen oder die Amerikaner, obwohl sie weniger Geld verdienen?
38:11Das reichste Land muss nicht das glücklichste sein.
38:14Es ist zwar so, dass die reicheren Länder als Gruppe glücklicher sind als ärmere, aber es gibt so viele andere
38:20wichtige Faktoren.
38:22Soziale Faktoren, Vertrauen, Beziehungen, soziale Kontakte, auch sichere Jobs oder eine stabile Gesellschaft.
38:29Das ist nicht so mysteriös, meiner Meinung nach.
38:37Also, Geld ist ein wichtiger Faktor unter vielen, aber es braucht auch andere.
38:43Wie zum Beispiel eine möglichst gerechte Gesellschaft.
38:47Eine Sache ist mir beim World Happiness Report wie auch beim Glücksatlas aufgefallen.
38:51Die ersten Plätze belegen Finnland, Schweden, Norwegen, Island und in Deutschland Hamburg.
38:59Kann es sein, dass Menschen im Norden glücklicher sind?
39:05Gibt es so etwas wie eine geografische Verteilung?
39:13Tatsächlich gab es vor etwa zehn Jahren einige Studien, die das skandinavische Glück mit bestimmten Genvarianten in Verbindung brachten.
39:22Habe ich als Finnling Glücksgene?
39:28Das will ich von der Amsterdamer Professorin Maike Badels wissen.
39:33Sie ist in puncto Glücksgenforschung weltweit führend.
39:39Let's talk.
39:44Gibt es Glücksgene?
39:47Ja, ganz sicher.
39:49Ich denke, alles, was einen Menschen ausmacht, hat eine genetische und eine Umweltkomponente.
39:55Also ja, auch die genetische Ausstattung ist wichtig für das Wohlbefinden.
40:01Und wie kann man solche Glücksgene finden?
40:05Wenn man eine Frage hat, die die Genetik betrifft, startet man oft mit Zwillingsstudien.
40:12Der US-Forscher David Licken hat in den 1980er Jahren die Lebenszufriedenheit von eineigen und zweieigen Zwillingen untersucht.
40:21Und herausgefunden, dass das Glücksniveau der eineigen, sprich genetisch gleichen Zwillinge fast identisch ist, auch wenn sie getrennt aufwachsen.
40:31Das spricht dafür, dass die Gene eine Rolle spielen.
40:35Wenn wir über Unterschiede im Glücksempfinden sprechen, etwa zwischen uns und anderen Menschen in unserem Umfeld,
40:42dann sind 40 Prozent dieser Unterschiede auf genetische Veranlagung zurückzuführen.
40:48Maige Bartels hat eine einfache Faustformel.
40:5140 Prozent des Glücksempfindens hängen von unseren Genen ab.
40:5660 Prozent sind veränderbare Umweltfaktoren, wie Wohlstand, Gesundheit, Freundschaften, ein erfülltes Leben.
41:05Für manche Menschen ist es leichter, glücklich zu sein als für andere.
41:10Wer eine hohe genetische Veranlagung dazu hat, dem fällt es leichter, glücklich zu sein.
41:14Wer eine geringe Glücksveranlagung hat, dem fällt es entsprechend schwerer.
41:19Das ist ähnlich beim Laufen.
41:20Wer eine große genetische Veranlagung zum schnellen Laufen hat, dem fällt das leicht.
41:26Genauso verhält es sich mit dem Glücklichsein.
41:28Unabhängig von der Veranlagung ist jedoch alles trainierbar.
41:32Jeder und jeder kann glücklicher werden, wenn sie oder er Glück und Wohlbefinden trainiert.
41:38Und wie?
41:43Diese Frage wird mir oft gestellt.
41:45Viele hoffen, ich könnte ihnen den heiligen Gral zum Glück zeigen.
41:49Das kann ich leider nicht.
41:51Da jeder Mensch anders ist, sollte auch jeder sein individuelles Trainingsprogramm haben.
41:57Für manche ist es beispielsweise sehr effektiv, Sport zu treiben.
42:01Für andere, sich mit Freunden zu treffen.
42:04Es gibt auch Methoden der positiven Psychologie, wie zum Beispiel ein Dankbarkeitstagebuch oder uneigennützig anderen helfen.
42:14All das kann man ausprobieren.
42:16Manche Dinge funktionieren für einen selbst, andere vielleicht nicht.
42:25Habe ich als Finnin vielleicht spezielle Glücksgene?
42:31Ich würde dir wünschen, dass es so ist.
42:33Es gibt zwar winzige genetische Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen,
42:38aber wir haben bis jetzt in keiner Bevölkerungsgruppe spezifische Glücksgene gefunden.
42:43Und ich gehe auch nicht davon aus, dass es welche gibt,
42:46denn es gibt so viele winzige genetische Bausteine, die für das Glück wichtig sind.
42:52Von wegen finnische Glücksgehen.
42:55Die Glückslotterie ist sehr individuell.
42:59In Deutschland gibt es dasselbe Glückspotenzial wie in Finnland.
43:08Es gibt nicht den einen Weg zum Glück.
43:11Aber ich habe gelernt, was das Glück begünstigt.
43:13Und was können wir uns von Finnland abschauen?
43:16Sicherlich, dass das Glück oft im Einfachen liegt.
43:19In der Fähigkeit, das Leben so anzunehmen, wie es ist.
43:23Mit all seinen Widrigkeiten.
43:25Genieße, was du hast und vertraue darauf, dass es reicht.
43:31Dazu kommt das Grundvertrauen in den Staat und die Gesellschaft.
43:35Mehr Chancengleichheit.
43:36Ein Schlüssel scheint ein Bildungssystem zu sein,
43:39das mehr auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen eingeht.
43:43Auch in Deutschland braucht es hier mehr Hilfsangebote.
43:47Und einer der wichtigsten Glücksbringer ist die Gemeinschaft.
43:51Deshalb ist jeder Verein, jede Karaoke-Bar, jede Sauna ein potenzieller Glücksort.
43:57An den Genen können wir nichts ändern.
44:00Aber wir können mit positiven Gedanken unser Hirn auf Glück trainieren.
44:06Glück ist nicht die Abwesenheit von Problemen.
44:08Es ist die Art, mit ihnen umzugehen.
44:10Das Beste daraus zu machen.
44:12Heippa!
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