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00:26Power-Frau.
00:27Most people have a strong feeling,
00:30when they reach their limits and reach their limits.
00:36But where are our limits?
00:38And what happens if we don't do what we want or have to do?
00:43Limits take the people then always aware,
00:45if they do what they do or do not do in the same way.
00:51Oft sagt nicht der Körper, sondern das Gehirn Stopp.
00:55Guckt man sich die Aufgaben des Gehirns an,
00:57so ist die Hauptaufgabe, den Organismus vor Schaden zu bewahren.
01:01So ein Stopp kann lebensverändernd sein.
01:03Und dann brauchen wir Strategien, damit umzugehen.
01:06Ich definiere Limits als Spiegel, die mir als Mensch zeigen,
01:10wo ich gerade körperlich, mental und emotional im Leben stehe.
01:16Jeder Mensch ist anders belastbar, leistungs- und widerstandsfähig.
01:33Ich glaube, dass die Austestung von Limits
01:37genetisch den Menschen mitgegeben ist.
01:39Dass sie eine wesentliche Voraussetzung dafür war,
01:43dass wir als Menschheit uns überhaupt weiterentwickeln konnten,
01:46dass wir uns den ständig wechselnden Umgebungsbedingungen anpassen konnten.
01:51Das haben wir nur geschafft und als Art überlebt,
01:54weil wir irgendetwas in uns mittragen, was uns in die Richtung gehen lässt,
02:00dass wir trotzdem versuchen unter widrigen Bedingungen
02:04Leistung zu erbringen, Nahrung zu finden,
02:07vielleicht doch vor dem Tiger weglaufen zu können,
02:09in eine Höhle uns zu verkriechen, eine soziale Gemeinschaft aufzubauen.
02:15Das hat die Evolution so mitgebracht und die hat uns als Menschen,
02:19so wie wir heute sind, auch entsprechend geprägt.
02:24Mein Name ist Petra Platten.
02:26Ich bin Professorin für Sportmedizin an der Ruhr-Universität in Bochum.
02:30Und los!
02:32Für mich beziehen sich Limits vor allen Dingen auf körperliche,
02:36sportliche Leistungsfähigkeit.
02:41Ich habe lange Jahre in Köln gearbeitet.
02:44Jeder Jeck ist anders.
02:45Das heißt, wenn man sich einmal umschaut,
02:47dann sind die Menschen anatomisch anders gebaut.
02:50Manche sind größer, manche kleiner.
02:52Manche haben mehr Muskeln, andere weniger.
02:54Und das sind Rahmenbedingungen,
02:57die natürlich auch dann die individuelle Leistungsfähigkeit
03:01limitieren und definieren.
03:08Mein Name ist Markus Rehm.
03:09Ich bin Paralympische Waldspringer,
03:12Weltrekordhalter, mehrfacher Medaillengewinner
03:13und ja, der Leistungssport.
03:17Es dreht sich ja immer darum, an seine Grenzen zu gehen
03:20und wirklich das Allerletzte noch aus sich herauszuholen.
03:36Ich habe mit sechs oder sieben Jahren angefangen,
03:39leichtathletig zu machen.
03:40Ja, dann gegen den Trend eher so zum Wakeboard fahren.
03:43Es war perfekt.
03:44Mein Ockle hat ein Motorboot,
03:45wir hatten ein kleines Motorboot.
03:47Und ich wollte dann an dem einen Tag
03:51unbedingt nochmal aufs Wasser.
03:52Bei allem diese Sprünge,
03:53also wirklich von einer Heckwelle
03:55zur anderen Heckwelle,
03:56habe ich das Gleichgewicht verloren.
03:57Habe dann die Zugleine losgelassen
04:00und bin ins Wasser gestürzt.
04:03Habe dann meinen Kopf zur Seite gedreht
04:05und habe gesehen, dass ein fremdes Boot
04:07direkt auf mich zugefahren ist.
04:09Und das ging alles so wahnsinnig schnell.
04:12Ich habe irgendwie noch versucht,
04:13aus dem Weg zu paddeln,
04:15aber der Sog des Motors ist dann auch zu stark.
04:21Ich wurde das Boot gesaugt
04:24und wurde dann von dem Propeller an beiden Beinen getroffen.
04:32Die Zeit nach dem Unfall war erstmal wahnsinnig hart.
04:38Ich habe das allererste Mal diesen Behindertenausweis gesehen
04:42und da steht oben ganz dick und fett Schwerbehindertenausweis.
04:47Und drunter steht noch einen kleinen Buchstaben.
04:50Der Halter dieser Karte ist körperlich schwer beeinträchtigt.
04:53Auf Englisch, das auch jeder versteht.
04:55Und ich habe dann mein Bild auf diesem Ausweis gesehen
04:57und dachte mir, das bin ich ich.
05:00Ich bin nicht dieser schwerbehinderte Mensch.
05:04Ich bin immer noch der Sportler
05:06und ich will wieder der Sportler sein.
05:08Und natürlich war der Weg wahnsinnig steinig,
05:13auch nicht immer leicht.
05:14Ich muss auch gestehen, dass das erste Mal mich selbst zu sehen
05:18im Spiegel ohne Bein, das war wahnsinnig hart.
05:25Das ist jetzt so die klassische Alltagsprothese,
05:28mit der ich mache eigentlich alles außer Laufen und Sport.
05:33Und hier nebendran haben wir noch die Blade zum Springen.
05:42Menschen, die so einen krassen Bruch erleben,
05:44weil sie körperlich nicht mehr leistungsfähig sind,
05:48sei es durch Unfälle, sei es durch Amputationen,
05:51dann sind das Menschen, die aufgrund dieser körperlichen Beeinträchtigungen
05:55ein unendlich starkes Mindset entwickeln.
05:59Jetzt kann man nicht sagen, um diese körperliche Beeinträchtigung auszugleichen,
06:03aber um darüber hinweg zu gehen.
06:05Das ist ein Überschreiten von Grenzen.
06:12Mein Name ist Barbara D. Dominicis-Ewitzberger.
06:15Ich bin Psychologin, klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin.
06:20Dass wir unsere Limits ausloten, immer wieder über unsere Grenzen
06:23und zurück und weiter vor, dann ist das ja auch ein herrliches Sein.
06:27Und wir können die Limits immer auch erweitern und austrainieren.
06:34Die Menschen betreiben ja schon seit ein paar Jahrtausend Jahren
06:39im Grunde genommen Leistungssport und versuchen sich gegenseitig in Kräften zu messen.
06:44Das kennt man ja schon von der Antike.
06:45Und das bedeutet, dass Trainingsoptimierungen schon lange durchgeführt worden sind.
06:51Und von daher ist es so, dass in allermeisten Disziplinen
06:54die rein körperlichen Leistungsoptima erreicht sind
07:01oder höchstens noch minimal verschoben werden können.
07:05Und um diese minimale Verschiebung hinzubekommen,
07:09reicht es vielleicht noch ein Quäntchen mehr von physiologischem Effekt
07:14durch die Maßnahme A oder die Massage B oder durch Nahrungsergänzungsmittel C
07:19sozusagen noch Add-on zu haben, um dann eben diese Zehntelsekunde
07:23oder diese 0,02 Prozent noch oben drauflegen zu können.
07:27Unser klarer Fokus ist dieses Jahr die Weltmeisterschaft in Neu-Delhi.
07:34Um die Grenzen zu verschieben, brauche ich natürlich Experten.
07:37Experten in ihrem Feld.
07:40Und der Lars ist natürlich ein Riesenexperte genau bei diesem Neuroathletiktraining.
07:46Mein Name ist Lars Lienhardt, ich bin Sportwissenschaftler
07:48und mein Job ist es, Limitierungen innerhalb des Nervensystems festzustellen
07:53und so die Grenzen der Leistungsfähigkeit noch mal durch den Blickwinkel des Gehirns zu verschieben.
07:59Guten Morgen, grüß dich.
08:01Jetzt werden wir uns mal kennen.
08:02Ja, auf jeden Fall. Freut mich sehr.
08:04Gibt es irgendwas Akutes, was ich bedenken muss?
08:06Also ich habe tatsächlich ein bisschen Achillessehne und ein bisschen Beuger, genau.
08:11Und ich würde sagen, damit fangen wir dann auch an.
08:14Ja, ich verspreche mir auf jeden Fall einiges davon, bin ich ganz ehrlich.
08:17Zu jeder Millisekunde scannt dein Gehirn den Körper.
08:21Und es weiß ja, was kommen wird. Es macht ja alles im Vorhen hinein.
08:25Das ist Predictive Coding, nennt wir das, ja?
08:30Hinter Predictive Coding steht die Theorie, dass das Gehirn ständig Vorhersagen trifft,
08:34um uns sicher durch die Umwelt zu steuern.
08:37Diese Vorhersagen basieren auf den Informationen, die das Gehirn aufnimmt.
08:41Also das, was man zum Beispiel sieht. Und dem, was das Gehirn bereits gelernt hat.
08:46So wird ein Bewegungsplan erstellt und an die Muskeln weitergegeben.
08:51Dabei kann das Gehirn auch Fehler machen.
08:54Wenn wir etwa eine Treppe hinaufsteigen, gibt es einen ständigen Kreislauf aus Planung,
08:59Ausführung und Abgleich von Vorhersage und Realität.
09:02Den Vorhersagefehler spüren wir dann, wenn wir am Ende der Treppe eine Stufe zu viel erwarten und ins Leere treten.
09:10Das Gehirn kann außerdem Schmerzen nicht nur als Reaktion auf tatsächliche Verletzungen wahrnehmen,
09:15sondern signalisiert sie uns auch als eine Art Vorsichtsmaßnahme, um uns zu schützen.
09:23Neuroathletik beschäftigt sich eigentlich mit der neuronalen Komponente der Bewegung.
09:28Mit der neuronalen Effizienz athletischer Leistungsfähigkeit.
09:32Ja, körperlicher Leistungsfähigkeit.
09:33Wir gehen also hin und gucken im Hintergrund uns die Software an, die hilft die athletische Performance im Körper besser
09:43auszudrücken.
09:44Du gehst jetzt mal richtig ins Hohlkreuz.
09:47Geh wieder raus.
09:48Und jetzt das Becken rein, rein, rein, rein.
09:51Gut.
09:51Und jetzt wird es langsam unangenehm hier, oder?
09:53Ja.
09:54Wieder raus.
09:56Schmerz wird induziert, wenn Schmerzrezeptoren gereizt werden, mal ganz platt gesagt.
10:01Man kann aber auch lernen, diesen Schmerz wegzudrücken und nicht wahrzunehmen, solange er eine bestimmte Schwelle nicht erreicht.
10:11Und das machen Sportler und Sportlerinnen sicherlich deutlich mehr als Menschen, die es nicht gewohnt sind.
10:17Und jetzt ganz rein, rein, rein, rein, jetzt hast du's, jetzt hast du's.
10:20Ich befreie einen Nerv. Also ein Nerv ist eventuell aufgrund der Überbelastung des linken Beines, ja, muss er das Becken
10:30hier sehr stark stabilisieren.
10:32Und dann kann es sein, dass er durch das viele Training Druck auf den Nerv macht.
10:36Und der Nerv teilt sich hierhin in alle Nerven, die den Fuß innervieren.
10:42Ja, das heißt, es kann sein, dass durch den Druck auf den Nerv hier weniger motorische Ansteuerung ist.
10:49Und deshalb, ja, natürlich sieht das aus wie eine physiotherapeutische Übung, aber ich bin der Nervendoktor.
10:56Ja, okay, gehen Sie kurz.
10:58Erfahrungen im Leben werden im Körper gespeichert.
11:01Das ist unser Zellgedächtnis und das ist alles verkörpert.
11:05Und wenn man sich so vorstellt, dass so Ereignisse ganz schwer waren im Leben,
11:09dann ist es so wie ein Druck auf den Körper und auf den Zellen.
11:12Und das manifestiert sich in unterschiedlichen körperlichen oder auch organischen Bereichen.
11:16Ja, jetzt hast du es. Jetzt hast du es. Hast du es gemerkt?
11:19Achillessehne ist für mich ein großes Thema, weil die gesunde Seite bei mir wahnsinnig viel arbeiten muss.
11:25Alles, was die Prothesenseite nicht kann, die ganze motorische Seite, die Sensorik, das kann meine Prothese alles gar nicht leisten.
11:32Und da muss mein gesundes Bein deutlich mehr Arbeit leisten. Und die Achillessehne ist immer so eine Schwachstelle bei mir.
11:38Ja, guck mich nicht so an.
11:42Ja, es ist wirklich besser.
11:46Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen, dass die Achillessehne so schnell so viel besser bekommen.
11:51Ich meine, ich drücke das gerade wie wild drauf.
11:54Ich suche gerade, ich kann es gerade nicht so richtig fassen. Es ist immer noch da.
11:59Aber du musst wieder suchen.
12:00Aber es ist deutlich besser.
12:07Aus meiner Sicht ist es in diesem Bereich, wo sich Menschen bewegen, die Limits erreichen, eine Selektion von bestimmten Persönlichkeitsstrukturen,
12:19von bestimmten Körperlichkeitsstrukturen, die dort überhaupt landen und die dann dort auch in dem Spitzenniveau sich bewegen.
12:27Das bedeutet, dass ich vermutlich in diesen Situationen, wo es darum geht, fokussiert langfristig gesehen auf etwas hin zu trainieren,
12:37eine gewisse genetisch bedingte Resilienz benötige, um das überhaupt schaffen zu können.
12:42Also eigentlich bin ich wirklich nicht dankbar für den Unfall, aber dankbar für das, was aus diesem Tag entstanden ist.
12:51Aus diesem Tag sind so viele schöne Sachen entstanden und mein Hobby habe ich zu meinem Beruf gemacht.
12:58Es klingt zwar hart, aber ich würde selbst, wenn ich könnte, die Zeit nicht zurückdrehen und uns ungeschehen machen.
13:06Ich erlebe das häufig, dass Menschen, die Beeinträchtigungen haben, von außen limitiert gesehen werden.
13:14Dass jemand dann in den Leistungssport geht, obwohl er das vorher nie dachte, weil er aufgrund einer Amputation oder körperlichen
13:20Beeinträchtigung das auf einmal wahrnimmt.
13:23Das ist ein schönes Bild, dass diese Personen sich oft gar nicht limitiert fühlen.
13:32Lars hat es geschafft, Schmerzen, die ich in dem Moment vielleicht hatte mit der Achillessehne oder auch mit meinem Beuger
13:38wirklich so in den Griff zu bekommen, dass ich viel freier springen konnte.
13:42Und das ist ein unfassbar spannender Ansatz. Alles zielt darauf ab, die Grenzen zu verschieben, bessere Leistungen zu bringen.
13:52Und das ist so auch die Spannung und die Faszination des Leistungssports.
13:59Unsere Limits zu verschieben ist also immer eine Gratwanderung zwischen Verbesserung und Verletzung.
14:04Auch für Hobbysportlerinnen und Sportler.
14:07Wenn wir an unsere körperlichen Grenzen gehen, wir Dinge tun, welche unsere mechanische Belastungsfähigkeit übersteigen,
14:13kann das beispielsweise zu einer Stressfraktur, einem Muskelfaserriss, Sehnenproblemen führen.
14:19Klare Zeichen für eine Belastung, auf die der Körper nicht vorbereitet war.
14:25Zu hohe Belastungen bei gleichzeitig zu wenig Regeneration schwächen außerdem das Immunsystem und man wird anfälliger für Infekte.
14:37Die Limits hat jeder Körper. Die sind einfach definiert durch die anatomischen und physiologischen Gegebenheiten,
14:45sowie möglicherweise auch vorliegende Erkrankungen, die einfach die körperliche Leistungsfähigkeit,
14:50wie auch immer ich Leistungsfähigkeit definiere, begrenzen.
14:53Das kann man auf jeden Menschen in jeder täglichen Situation beziehen.
15:00Also auch hier, genau, in dem Moment, wo halt Fußgänger die Straße überkreuzen, muss ich ja nochmal mehr gucken.
15:07Und da, also das sieht man ja wahrscheinlich auch, ich weiß nicht, der normale Mensch dreht sich wahrscheinlich so um.
15:12Ich nicht. Ich drehe mich ungern in meine Halswirbelsäule, weil ich einfach total bewegungseingeschränkt bin mittlerweile.
15:25Mein Name ist Claudia, ich bin 38 Jahre alt. Ich wohne in Hersching am Ammersee, habe zwei Kinder und arbeite
15:32als Mitarbeiterin im Sozialdienst in einer Klinik.
15:35Ich leide schon ganz lange an Verspannungen im Hals-Nacken-Bereich und das bringt mich oft an meine Grenzen.
15:42Traurig, wenn man morgens aufsteht und einfach schon mit Schmerzen aufwacht. Und ich finde, das ist schon eine Limitierung.
16:01Ich hoffe mir von dem Termin, dass es mir deutlich besser geht, ich mich entspannter fühle und ja, dass ich
16:10vielleicht irgendwie entspannter leben kann.
16:21Hi. Hallo Claudia. Ich bin die Claudia, hi. Na, schön, dass wir uns sehen.
16:26Ich habe ihn heute das erste Mal gesehen und fand es total sympathisch und bin auch mit einem sehr offenen
16:31Gefühl heute hingegangen und habe mir einfach gedacht, schlimmer kann es nicht werden.
16:37Am Anfang werden wir testen und dann werden wir Stück für Stück gucken, hey, was führt zu mehr Kontrolle, was
16:45führt dazu, dass du dich entspannen kannst. Setz dich erstmal hin.
16:49Ja, ja.
16:51Oh, jetzt wollte ich schon an, ne? Ja, ja.
16:53Okay, dreh mal den Kopf einfach so weit du kannst. Schmerzen?
16:58Ziehen und Druck.
16:59Das ist erstmal normal, nur dass du es weißt, weil Sachen werden gedehnt. Okay, nach links.
17:06Okay, das ist ein bisschen schwieriger, kann das sein? Ja, genau.
17:09Auch mehr Ziehen und Druck? Ja, da ist auch ein Schmerz dabei, links.
17:14Ich hatte zwei Unfälle, einmal einen Auffauunfall mit dem Auto und der zweite Unfall war ein paar Jahre später.
17:21Das war ein Sturz, da bin ich mit meinem Kopf quasi einmal überstreckt an die Brustwirbelsäule gestürzt und dann wieder
17:29nach hinten.
17:29Das heißt, das Gehirn hatte gar keine Kontrolle mehr über eine richtig heftige Bewegung der Halswirbelsäule und des Kopfes.
17:38Das Gehirn konnte keine klaren Vorhersagen mehr machen, den Kopf zu stabilisieren, weil diese ganzen Systeme wurden durch diese zwei
17:46Situationen durcheinander gebracht.
17:49Ja, und wenn es weiß, der Kopf kann nicht gesichert werden, dann muss es ihn festhalten.
17:55Okay. Ja, was wir jetzt gemacht haben, wir haben Systeme aktiviert, die zu einer Neubewertung der Situation führten.
18:05Spürst du meine Hände? Ja. Und gib Druck drauf. Ganz easy. Ist das noch okay für dich? Ja.
18:09Okay, du drückst. Drück. Ja, ich check es nicht. Ja, stimmt. Ja, da weiß das Gehirn nicht. Was meinst du
18:17mit drücken? Ja, brutal.
18:19Ich spüre zwar die Haut und die Neigung, aber ich habe keinen Befehl über die Muskulatur. Hoch. Spürst du meine
18:29Hände? Schön. Gut.
18:34Neuroathletik setzt, anders als andere Trainingsmethoden, im Kopf an.
18:38Jede Bewegung stellt präzise Anforderungen an das Gehirn und das zentrale Nervensystem.
18:43Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit sind immer Resultate neuronaler Prozesse, die im Hintergrund ablaufen und vom zentralen Nervensystem gesteuert und koordiniert
18:53werden.
18:54Diese Hintergrundprozesse treten bei neuroathletischem Training in den Vordergrund.
18:59Ziel ist es, die Bewegungssteuerung zu verbessern, sodass wir uns optimal und schmerzfrei bewegen können.
19:07Es geht immer, wo ist das Limit, was ich noch akzeptiere. Und das Limit setzt das Gehirn.
19:20Die Limits nehmen die Menschen dann immer wahr, wenn sie das, was sie gerne tun oder auch im Beruf tun,
19:26nicht mehr in dem Ausmaß machen können.
19:29Und dann ist es so, dass ich beobachte, körperliche Limits und psychische Limits gehen eigentlich immer, wenn es hier in
19:36meiner Arbeit ist, Hand in Hand,
19:38weil der Leidensdruck dann entsteht, dass die Menschen, vor allem körperlich, nicht mehr das machen können, was sie möchten.
19:51Wir sind jetzt am Ende der Zufahrtsstraße im Rittenauntal und wandern jetzt hoch zur Teplitzerhütte, wo wir hoffentlich einen sehr
20:01geilen Ausblick auf den Gletscher haben.
20:09Ich bin der Stefan Santifal aus Südtirol und bin während meinen Abenteuern und Fotoprojekten immer wieder in Situationen und an
20:16Orten unterwegs, wo ich an meine persönlichen Limits stoße.
20:29Die Frage ist, was man unter Wahrnehmung von Grenzen versteht. Ich glaube nicht, dass man Grenzen wahrnehmen kann, weil man
20:37sie erfahren muss.
20:38Das heißt, ich weiß erst dann, wo meine Grenze liegt, wenn ich versucht habe, diese Grenze zu erreichen.
20:45Ich kann zwar mental vorbereiten, an diese Grenze hinzukommen, aber bekannt ist sie mir erst, wenn ich tatsächlich wirklich dort
20:53angekommen bin.
20:58Also manchmal suchen die Menschen wirklich ihre Limits, um sich gut zu fühlen, stark zu fühlen und das provoziert dann
21:04auch ein Glücksgefühl.
21:06Aber davon können die Menschen auch abhängig werden, weil wenn das dann nicht immer erreicht wird, dann fühlen sie sich
21:12nicht ganz so gut.
21:15In meiner Jugend war es immer schon mein großer Wunsch und großer Traum, Profi-Mountainbiker zu werden.
21:23Ich war im Mountainbike-Leistungssport aktiv und habe neben der Schule mein ganzes Leben auf diesen Sport ausgerichtet.
21:32Und das war genau dieses Limit, das ich schon in dieser jungen Jugendzeit weit überschritten habe und gemerkt habe, dass
21:40mir mein Körper den Riegel vorgeschoben hat.
21:46Die Menschen, die hierher kommen, die es als Droge verwenden, nennen wir es mal so krass, deren Glücksgefühl bleibt dann
21:54aus.
21:55Ja, weil dann haben sie nicht mehr ihre 3000 Höhenmeter am Wochenende oder diese Erfolge, die sie vielleicht bei den
22:00Marathons, ob das jetzt halb oder ganz Marathon sind,
22:03und dann leiden die, weil sie sich nicht mehr so glücklich fühlen, weil sie glauben, dass das Leistungsniveau sinkt,
22:09weil sie das so ziemlich eng zoomen in eine Form des Erfolges.
22:16Ich hatte die Diagnose Pfeifersches Drüsenfieber in einer durchaus sehr starken Ausprägung.
22:22Ich konnte ganze zwei Wochen kein Glas Wasser halten, als ich im Krankenhaus gelegen bin und war völlig entkräftet, orientierungslos
22:30und habe mich das allererste Mal mental in einem Loch gefüllt.
22:37Im Leben gibt es fünf Säulen. Das ist einerseits die Gesundheit und das körperliche Wohlgefühl.
22:43Dann ist es die Säule der sozialen Beziehungen und der Kontakte im Leben, die wir leben.
22:48Es ist die Arbeit, ganz einfach gesagt, die uns auch glücklich fühlen lässt.
22:53Es ist die finanzielle Situation im Leben der Menschen und es sind Werte und ethische Einstellungen.
22:58Wenn Menschen sich hauptsächlich auf körperliche Leistung fokussieren und wenn die anderen Säulen nicht belebt werden,
23:04dann ist man ziemlich schnell am Limit, wenn diese eine Säule wackelt.
23:11Kommen wir im alltäglichen Leben an unsere mentalen Grenzen, sei es durch private Sorgen oder im Job,
23:17zeigt der Körper die Überbelastung mit Warnsignalen an.
23:22Wir fühlen uns innerlich unruhig, niedergeschlagen, müde oder kraftlos.
23:29Schlafprobleme, Schwindel, Muskelverspannungen, Angst, Denkblockaden sind möglich.
23:36Genauso wie vegetativ-hormonelle Reaktionen, beschleunigter Atmung und Herzklopfen.
23:44Das war ein durchaus längerer Prozess, der sich über mehrere Monate gezogen hat und im Rückspiegel sehr stark gemacht hat.
23:55Die Frage ist immer, was ist das Limit?
23:58Auf Abenteuer gibt es für mich keine klare Definition mehr von Limit.
24:02Daher fühle ich mich tagtäglich frei von jeglichen Leistungsgedanken
24:06und schaffe es dadurch, noch krassere körperliche Leistung abzurufen, wie in meiner Vergangenheit.
24:12Im Leistungssport sind die Limits sehr hoch gesteckt.
24:19Es geht um Rekorde und die Leistungsgrenzen zu verschieben.
24:23Und das wollen wir haben. Immer höher, schneller, weiter.
24:282023 hatten wir den besonderen Wettkampf in Rede,
24:32wo ich im letzten Sprung tatsächlich Weltrekord gesprungen bin.
24:398,72 Meter, damit ist man auf jeden Fall in den Top Ten der ewigen Bestenliste,
24:45der besten Sprünge ever.
24:49Es macht mir einfach Spaß, diese Grenzen auszuloten, zu gucken, wie weit kann es gehen.
24:55Für mich ging es immer darum, ich möchte einfach der beste Waldspringer sein.
24:59Und das ist nach wie vor mein großes Ziel.
25:10Durch regelmäßiges Training passt sich der Körper an neue Herausforderungen an.
25:15Das Gehirn lernt, mehr Muskelfasern gleichzeitig zu aktivieren
25:18und die Bewegungsabläufe zwischen verschiedenen Muskeln zu koordinieren.
25:22Durch Ausdauertraining können die Glykogenspeicher in den Muskeln vergrößert werden.
25:28Außerdem stellen die Muskeln schneller Energie bereit,
25:31da sich die Anzahl der Mitochondrien, der Kraftwerke der Zellen, erhöht
25:35und die Enzyme, die Stoffwechselvorgänge in Gang setzen, aktiver werden.
25:41Das Herz wird größer und kräftiger.
25:44Es kann also pro Herzschlag mehr Blut pumpen.
25:48Dadurch sinkt der Ruhepuls, was das Organ schont.
25:52Die Lungenkapazität kann besser genutzt werden.
25:55Je effektiver der Körper Sauerstoff aufnehmen und verwerten kann, desto leistungsfähiger ist er.
26:02Leistungsorientiertes Training zielt darauf ab, primär meine Leistung zu verbessern.
26:06Und dann muss ich immer ein bisschen mehr sozusagen an die Limits heran,
26:09um dann auch halt die positiven Adaptationen, Leistungsanpassung zu erreichen.
26:14Das heißt, da bin ich mehr so auf der Gratwanderung.
26:17Das ist etwas, was der Körper noch tolerieren kann oder vielleicht auch gerade nicht mehr.
26:20Ob ich jetzt als untrainierter Mensch irgendwie eine sportliche Aktivität mache
26:24oder als Hochleistungssportler oder Sportlerin, ist im Prinzip egal,
26:27weil man an seine oder seine eigene individuelle Grenze stößt.
26:32Herzlich willkommen, erster Versuch, Markus Rehm!
26:37Meistens entscheidet der erste Anlauf und der erste Absprung,
26:40ob es ein guter oder schlechter Wettkampf wird.
26:427,90 Meter.
26:45Natürlich wusste ich, ich muss locker anlaufen, aber so richtig locker wurde es erst beim vierten Versuch.
26:50Und genau das ist das Schwierige.
26:52Ich weiß auch genau, was ich zu tun habe, aber es dann umzusetzen.
26:578,24 Meter. Wieder sehr gut.
27:00Was auf jeden Fall klar ist, ist, dass eine maximale Fokussierung da sein muss.
27:06Alle Ablenkungen ausgeschaltet werden und sich die Athletinnen bei dem Wettkampf
27:11ganz konzentrieren auf das, was sie körperlich in Kombination mit ihrer mentalen Stärke in dem Moment abliefern sollen, wollen, können.
27:20Ganz viele Faktoren, also die Limits prasseln da auf einen ein.
27:24Also ich habe ja eine Minute Zeit, um loszulaufen.
27:27Aber der Moderator hat mich angekündigt, alle Leute klatschen.
27:30Und wenn die jetzt eine Minute lang durchklatschen müssen, bis der Rehm endlich mal losläuft,
27:33denken die sich auch, was ist denn das für ein Vogel?
27:36Warum springt er nicht?
27:37Als Athlet möchte man vielleicht noch ein paar Sekunden stehen bleiben,
27:40vielleicht die nächste gute Böe erwarten oder vielleicht sich nochmal kurz sammeln.
27:44Vielleicht passt mir auch gerade die Musik nicht, die läuft.
27:48Jetzt heißt es jeder Liebespublikum, römisches Manschen.
27:52Und umso wichtiger ist es dann einfach, den Fokus da zu lassen, wo er hingehört.
27:56Und zwar zu dem perfekten Absprung.
27:59Ein Präsentator, auf geht's, Markus Bremen!
28:08Wenn Menschen Sport betreiben, jetzt sage ich mal, viel Sport, Extremsport oder auch Leistungssport,
28:15dann haben die auch ein dementsprechendes Mindset trainiert.
28:18Also das ist so wie lernen.
28:20Und die lernen auch, welche Strategien brauchen sie, um den Körper zu ziehen, um den Körper zu pushen.
28:25Also ohne ein, sage ich mal, strukturiertes Man-Set würde das ja gar nicht tun.
28:478,25 Meter!
28:488,25 Meter ist wirklich eine schöne Weite.
28:54Aber, ja, irgendwie hat sich ganz gepasst heute.
28:57Man steckt da nicht drin.
28:58Das sind eher so körperliche Grenzen heute, vielleicht ein bisschen Metall.
29:01Sind wir Profisporten, wir wollen immer an die Grenzen gehen, wir wollen ins Limit gehen.
29:04Und im besten Fall das Limit verschieben.
29:06Und das ist mein großes Ziel.
29:07Und ich glaube, wir kriegen das hin bis Nadelhi, ja.
29:09Ach, okay, Gott, brav, gut hier!
29:11Ja, ja, ja, ja.
29:41Ja, dann bremst der Körper mal ziemlich scharf ab.
29:43Wenn dann mal die Limits aufgezeigt werden, dann ist zu reagieren.
29:47Und je früher, desto besser.
29:49Alles soll Spaß machen.
29:51Wir machen nur kleine, kleine Ja-Ja-und-Nein-Nein-Bewegungen.
29:58Claudias Gehirn sollte nicht mehr über die Kopfbewegung nachdenken.
30:02Durch das Ausrichten auf das Geräusch wird der Kopf nun reflexartig über das Metronom reguliert.
30:07Dieser Reiz und die Geschwindigkeit kontrolliert den Nacken.
30:11Lässt sie es zu oder nicht?
30:12Und sie hat es zugelassen.
30:15Ja?
30:15Wir machen noch schneller.
30:17Das Gehirn lernt hierbei, dass es nicht mehr weh tut, während sie den Kopf bewegt.
30:22Sie achtet auf den Rhythmus.
30:25Und der Nacken macht das einfach.
30:27Merkst du, wenn immer du denkst, geht's nicht?
30:29Geht's nicht, ja.
30:32Weißt du, was jetzt kommt?
30:33Testen.
30:34Okay.
30:34Ja, Kopf drehen.
30:37Wie war das?
30:38Eher nach da, hätte ich jetzt gesagt, wieder nicht mehr so freigefrühlt wie vorher.
30:44Das war jetzt ein bisschen zu viel.
30:46Wir passen es an.
30:48Wir sind ja dann wieder einen Schritt zurückgegangen.
30:50Und dann war das auch viel einfacher für mich umzusetzen.
30:54Gut.
30:55Na, kurz testen.
30:59Wie war's jetzt?
30:59Jetzt ist wieder besser.
31:00Jetzt ist wieder besser.
31:01Merkst du, dass du eine Limitierung hast, sobald dein Gehirn nicht genügend Sicherheiten hat?
31:09Ja?
31:10Ja.
31:11Gut.
31:11Kopf seitlich.
31:12Okay.
31:13Und siehe da, das Gehirn konnte auf einmal schmerzfrei in größere Bewegungsweiten gehen.
31:19Und dann lernt das Gehirn, oh, es geht doch.
31:23Ich habe keinen Schmerz.
31:26Die Vorhersagen konnten jetzt neu beschrieben werden.
31:30Und das führte dazu, dass wir nach und nach wieder an diese Systeme rankamen.
31:35Und so konnten wir ein Übungsprogramm erstellen.
31:37Jetzt kommt aber die Arbeit.
31:38Jetzt kommt die Arbeit, das stimmt.
31:39Gut.
31:39Ich bin total happy darüber, dass ich was gespürt habe, also dass ich eine Veränderung gemerkt habe und gespürt habe.
31:46Sie kriegt jetzt ihre Hausaufgaben und das muss sie jetzt ganz normal trainieren, wie ein Muskeltraining.
31:51In dem Moment, wo langfristige und anhaltende Schmerzen nachlassen, ist es so, als ob mehr Energie im Körper, aber auch
32:00im Denken frei wird.
32:02Das ist so, wie wenn der Kopf atmet, weil auch hier eine Erleichterung stattfindet, weil wir den Schmerz nicht mehr
32:08so sehr über unsere Gedanken führen müssen.
32:18Jetzt sind wir tatsächlich ja schon eineinhalb Stunden unterwegs.
32:22Wir befinden uns jetzt knapp über 2000 Meter immer noch in der Schlucht.
32:25Das heißt, der Ausblick unabhängig vom Nebel bleibt uns noch ein bisschen verwehrt.
32:30Das heißt, jetzt machen wir noch die letzten paar Meter in der Hoffnung, dass wir dann schon die ersten 3500
32:35Meter hohen Gipfel der Stubayer Alpen blicken.
32:41Ich glaube, dass sich diese leistungssportlich orientierten Breitensportaktivitäten durchaus verändert haben,
32:51weil wir zum einen diese modernen Tracking-Systeme haben, die ja permanent quasi irgendwelche Rückkopplungen geben
32:58und objektiv zurückmelden, wie ich gerade geschlafen habe, wie gerade mein Puls ist, wie mein Ruhepuls ist und so weiter
33:05und so fort.
33:06Oder mich auch daran erinnert, dass ich vielleicht noch keine 10.000 Schritte am Tag gegangen bin.
33:11Wenn ich hier hoch basse und hoch renne, bin ich natürlich viel schneller unterwegs.
33:16Es war natürlich damals ein ständiges Messen mit sich selbst, mit mir selber,
33:21weil man sich ja leistungstechnisch entwickeln will.
33:24Man will schneller, höher, weiter werden.
33:25Heute denke ich daran gar nicht mehr.
33:27Ich hatte mich endlich freigemacht von dem Leistungsgedanken, hatte den Bergsport nach dem Drüsenfieber für mich neu definiert
33:35und dann kam 2021 der ultimative Rückschlag.
33:39Ich hatte Probleme in meiner linken Schulter und als ich dann die Röntgenbilder und das CT gemacht habe,
33:47hat sich herausgestellt, dass es kein muskuläres Problem ist, sondern ein Knochentumor in meiner linken Schulter.
33:57In dieser Situation habe ich mich komplett und total zurückgezogen und versucht, mit mir selber klarzukommen,
34:07mich auf diese Situation einzulassen und zu verstehen, wie ich mich gerade fühle,
34:11wie ich mich gerade fühlen darf und wie ich mich jetzt physisch weiterentwickele, was die nächsten Schritte sind
34:17und mich auch von dieser Situation wieder in mein, unter Anführungszeichen, normales Leben zurückkämpfe.
34:24Ich komme immer wieder aus diesen mentalen Löchern, durch diese teils körperlich-mentalen Rückschläge zurück,
34:31indem ich immer wieder versuche, das Positive in diesen Situationen zu suchen und zu finden,
34:39auch wenn sie noch so negativ scheinen im ersten Moment.
34:47Wir brauchen eine Vision, wie wir innerlich den Körper mitnehmen, um das wieder in die Öffnung zu bringen, was wir
34:55gerne wollen.
34:55Wir müssen zu uns nett sein. Wir müssen den Körper auch pausen und unangenehme Zustände gönnen
35:03und ihn dann so quasi wieder ermuntern, dass er in die Heilung geht, dass er in die Leistung kommt,
35:09aber dass wir das aus einer gewährenden, toleranten Haltung machen.
35:12Und ich erlebe, viele haben ein Mindset, entweder oder sie pushen und drücken.
35:17Und das ist irgendwie nicht nett mit uns selbst.
35:21Rückschläge sind mit das Wertvollste, das einem Menschen passieren kann,
35:25weil es dir diesen Bruch schenkt, der die Möglichkeit gibt,
35:31dich mit deinen Stärken, Interessen und Erfahrungen in die Richtung zu entwickeln,
35:38die dich als Mensch ausmacht.
35:45Ich hatte das Glück, nach 13-monatiger Wartezeit die Diagnose zu halten,
35:50dass es sich um einen gutartigen Tumor handelt.
35:54Ich habe die Richtung eingeschlagen, die ich gespürt habe und habe mein nächstes Projekt geplant,
36:00um diese Erfahrung für mich zu verarbeiten.
36:03Und hatte plötzlich diese crazy Idee, einmal quer durch Europa zu rennen,
36:08um Menschen Mut zu machen, die eigenen Träume zu leben.
36:12In Summe waren es 182 Tage, also sechs Monate tägliches Marathonlaufen
36:18vom südwestlichsten Punkt in Portugal bis ans Nordkap.
36:22Es ist ja eigentlich evolutionstechnisch gesehen gar keine Besonderheit,
36:27wenn wir jeden Tag einen Marathon laufen.
36:29Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler.
36:32Wenn man auf der Jagd war nach irgendwie einer Antilope,
36:36dann musste man dieser Antilope hinterherlaufen.
36:38Und das war unter Umständen jeden Tag ein Marathon.
36:42Wir sind es vielleicht heute in unserer Zivilgesellschaft nicht mehr gewohnt.
36:46Deswegen ist so etwas schon auch durchaus außergewöhnlich.
36:48Und normalerweise sind unsere Körper ja auch nicht angepasst,
36:51um von jetzt auf gleich jeden Tag einen Marathon zu laufen.
36:54Aber prinzipiell möglich ist es als Mensch durchaus.
36:57Und dann ging es über Córdoba, Tag 14, Albacete, höllische Schmerzen, Physiopehandlung.
37:06A very long day today.
37:07Unabhängig davon war ich mental extrem stark und habe mich selbst nie limitiert gefühlt.
37:14Sierra de Teruel, unglaublich geile Ecke.
37:17Über die östlichen Pyrenäen, 46 Tage, 2000 Kilometer danach nach Perpignan.
37:23Das zweite Mal Schuhe wechseln.
37:26Köln, für mich eine unglaublich geile Erinnerung.
37:31Deutschland war das Highlight, was den menschlichen Aspekt des Projekts angeht.
37:35Ich war durch Dänemark, endloser Sandstrände, bis ich eben nach 5000 Kilometer in Göteborg war und wusste,
37:42jetzt geht es nochmal, ca. 2500 Kilometer, bin 55 Tage gefühlt durch den ein und denselben Wald gerannt,
37:50bis ich danach der einzig existierenden Straße ans Nordkap gefolgt bin.
38:00Das reine Marathonlaufen ist im Laufe der Zeit völlig in den Hintergrund geraten.
38:04Es sind immer die Menschen am Wegesrand, die dieses Projekt für mich so besonders machen.
38:14Bei den meisten Menschen führt es zu einem starken Glücksgefühl,
38:17wenn man seine Grenze erreicht hat und sein Limit ein Stückchen weit verschoben hat.
38:22Wenn mir dieser Prozess bewusst ist und ich vielleicht sogar darauf hinarbeite
38:26oder eine sportliche Belastung mache, mit dem Ziel, dort hinzukommen,
38:31also ich sag mal zum Beispiel zum ersten Mal mal drei Kilometer am Stück locker joggen zu können,
38:36dann werden dadurch Belohnungssysteme in unserem Gehirn aktiviert,
38:43die uns ein Glücksgefühl vermitteln und uns sehr zufrieden machen und positiv stimmen.
38:55Das Glückshormon Dopamin signalisiert Erfolg und Motivation und macht Lust weiterzumachen oder die Situation wiederzuerleben.
39:04Endorphine sind körpereigene Opiate, die Schmerzen dämpfen und Wohlbefinden auslösen.
39:11Die bescheren Läufern zum Beispiel das Runner's High.
39:15Das Hormon Serotonin steigt oft nach erfolgreichem Durchhalten, sorgt für Zufriedenheit und Stabilität.
39:22Evolutionär ist das alles sinnvoll.
39:24Unser Gehirn belohnt Anstrengung und Überwindung, weil das Überleben oft davon abhing, Grenzen zu überschreiten.
39:33Das sind die Glücksmomente.
39:34Früher gab es die Momente in ganz anderer Form.
39:37Da holt man sich die Momente, in denen man weiß, ich habe mich jetzt leistungstechnisch verbessert.
39:41Ich kann vielleicht noch kurz am Gipfel verweilen und die Aussicht genießen.
39:45Und aktuell genieße ich mehr den Weg dahin.
39:48Genau deswegen mache ich es, unabhängig von Zeit und Leistung.
40:08Was könnten Stefan Santifalle und Markus Rehm gemeinsam haben?
40:13Ist es sichtbar, dass sie Lust haben, ihre Grenzen auszuloten?
40:17Dass sie gelernt haben, den Körper in einer Form weiterzubringen, der wahrscheinlich davor, nachdem sie krank waren oder auch diesen
40:25Unfall hatten, nicht logisch oder nicht denkbar war?
40:29Ich vermute, dass es beiden eine Form von Befriedigung gibt, die sie auch glücklich fühlen lässt.
40:34Sonst würden sie das in diesem Ausmaß nicht machen.
40:37Markus Rehm versucht, noch ein anderes Ziel zu finden.
40:42Neunmal Weltkampion, sieben in der langen Gipfel, sieben in der langen Gipfel.
40:47Vor ein paar Wochen war die Weltmeisterschaft in Neu-Delhi und es hat aber auch am Anfang ein bisschen gedauert,
40:53um alles zu realisieren.
40:55Und Markus Rehm ist bereit, wieder zu gehen.
40:58Ja, man kommt auf jeden Fall in seine Grenzen, weil das der eine Tag ist, der eine Wettkampf und dieser
41:04eine Moment, in dem man performen muss.
41:06Markus Rehm versucht, noch ein anderes Ziel zu finden, neunmal Weltkampion.
41:14Ich durfte ja als erstes springen, was ich eigentlich nicht so gerne mag und mein Trainer hat mir dann direkt
41:19gesagt,
41:20Markus, der erste muss so gut sitzen, der muss so weit sein, dass die eigentlich alle schon geschockt sind.
41:278,72 ist das Weltkampion, von zwei Jahren vor dem Räder in Deutschland.
41:31Kann er es hier wieder pushen?
41:34Sails beyond eight meters.
41:38It's big, it's a white flag from Markus Rehm.
41:43Also der erste war 8,38, der zweite war 8,43, das war auch mein weiterster Sprung.
41:50Und ja, das war natürlich vom Mentalen her einfach super, das so aufzubauen.
41:56Und ich sehe auch einfach gerade wieder die Freude in meinem Gesicht.
42:00Und ich glaube, das hat mich auch eigentlich immer ausgezeichnet bei den guten Wettkämpfen, dass ich Spaß dabei habe.
42:05The medalist gold, though, as it usually is for Markus Rehm.
42:11Ten World, six Paralympics.
42:13Also wenn es an die Grenzen geht, muss man definitiv versuchen, locker zu bleiben.
42:18Es ist wahnsinnig schwierig, aber das ist die Kunst, wenn es darauf ankommt, zu performen.
42:24Limits zu erweitern, heißt nicht, dass wir unsere Grenzen ignorieren sollten.
42:29Eher unsere Komfortzone bewusst verlassen.
42:31Der erste Schritt ist, wohin möchte ich wirklich im Sinne von Neues zu probieren oder andere Wege zu gehen oder
42:38vielleicht andere Tools zu nutzen.
42:40Und dann merke ich oft, die Motivation steigt.
42:44Kontrollierte Herausforderungen suchen, neue Perspektiven einnehmen, am besten ohne großen Druck.
42:50Wir haben ja auch das Belohnungssystem, was uns sozusagen intrinsisch motiviert, diese Dinge zu tun, die wir dann tun,
42:56weil wir dann die Glücksgefühle haben, Zufriedenheitsgefühl haben und stolz auf uns selber sind.
43:02Motivation ist kein Ersatz für Können, aber sie entscheidet maßgeblich darüber,
43:06ob und wie wir unsere Fähigkeiten in Leistung umsetzen können, sei es im Sport oder im Alltag.
43:14Scheitern startet immer im Kopf und auf Basis der eigenen Erwartungshaltung.
43:20Kopf und Körper beeinflussen sich gegenseitig, bei jeder Anstrengung.
43:27Wenn ich mich mental zu 100 Prozent einer Idee oder einem Ziel gewachsen fühle, dann schaffe ich es physisch.
43:37Körperliche und geistige Limits zu erweitern, ist also keine Frage von Härte, sondern von kluger, nachhaltiger Entwicklung.
43:59Herzschrauschen
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