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00:01Das Gedächtnis, der große Speicher in unserem Gehirn.
00:04Wir lernen leichter, indem wir uns die Dinge vor dem inneren Auge verbildlichen.
00:10Es ist immer erschreckend, wenn die Leute dann am Bahnhof sind und siebenmal auf ihre Fahrkarte
00:14gucken, muss ich jetzt zum Gleis sieben, ja? Und dann sage ich einfach, ja, stellt euch
00:17einfach vor, da sind die sieben Zwerge am Gleis. Weil da dachte ich, ja stimmt, das waren die
00:21sieben Zwerge. Da gucke ich ja nicht, waren es jetzt acht Zwerge oder sechs, es waren sieben.
00:25Wir vergessen, wenn wir nicht wiederholen.
00:27Wenn ich den Text lange vorher nicht gemacht habe für ein Stück und ich spiele es wieder,
00:32kommt das in dem Moment automatisch, in dem ich es spiele, weil mein Körper sich das gemerkt
00:37hat.
00:37Das Gedächtnis hat sehr viel mit unserer Persönlichkeit zu tun, weil das Bewusste und Unbewusste gespeichert
00:45sozusagen beeinflusst uns in unserem tagtäglichen Leben.
00:50Ich bin noch auf der Suche nach mir selbst. Das ist manchmal wie zwei verschiedene Menschen,
00:55nur, dass man in dem selben Körper steckt.
00:59Wir erinnern uns an das, was uns berührt hat.
01:02Unser Gedächtnis ist der rote Faden unserer Existenz.
01:07Ich gehe wirklich so weit zu sagen, wir sind unser Gedächtnis. Und das definiert uns.
01:12Ein unsichtbares Netzwerk in unserem Gehirn und doch für viele Lebensfunktionen verantwortlich.
01:18Aber wie holen wir das Optimale aus unserem Gedächtnis heraus?
01:21Ich sage immer wieder, das Gehirn ist auch wie ein Muskel. Wenn du den nicht benutzt,
01:26dann wird er abgebaut. Er kann durch Training auch wieder aktiviert werden.
01:42Das Gedächtnis aus der Vergangenheit beeinflusst, wie ich mich in der Gegenwart fühle.
01:47Es ist ein großer Teil meiner Persönlichkeit. Ich bin Hannah Monnier.
01:52Ich bin Direktorin der klinischen Neurobiologie. Das ist eine Abteilung, die ist angesiedelt
01:58am Uniklinikum Heidelberg und am DKFZ, dem Deutschen Krebsforschungszentrum.
02:05Es beschäftigt mich, was in unserem Gehirn passiert, wenn wir lernen,
02:09wenn wir dieses Gelernte abrufen und wenn wir das wieder speichern.
02:15Freunde von mir sagen immer, ich habe so ein Elefantengedächtnis.
02:17Elefanten merken sich ja Sachen ewig, beziehungsweise haben ein Riesenhirn.
02:21Das ist bei mir so. Also ich erinnere mich an echt viele Sachen, die passiert sind.
02:25Ich kann Texte lange behalten. Ich bin Henriette Hölzel. Ich bin 31 Jahre alt.
02:30Ich komme aus Dresden, gerade Boll. Ich arbeite im Moment am Staatsschauspiel Dresden
02:36und habe Schauspiel studiert in Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater.
02:42Ich finde es einfach schon immer, immer besonders, mich auf unterschiedliche Arten auszudrücken,
02:48wie ich mich vielleicht in meinem Privatleben nicht ausdrücken kann.
02:52Ich hätte immer interessiert, meinen Körper irgendwie einzusetzen, in Extreme zu gehen.
02:55Und das vereint für mich Schauspiel eigentlich alles.
02:58Hallo. Hallo, habt ihr es schon? Nee. Ihr macht noch?
03:06Das war so gut. Bewegst du dich da wirklich so?
03:09Das Gedächtnis spielte in meinem Beruf eine extrem große Rolle,
03:13weil ich ja sehr, sehr, sehr viele Texte memorieren muss.
03:19Plus Bewegungsabläufe, plus Gesänge, Tänze, alles Mögliche.
03:27Ich habe im Moment, lass mich lügen, sieben bis acht Produktionen im Spielplan,
03:32die ich sowieso spiele im Monat, plus neue Proben für ein neues Stück,
03:38wo ich parallel ja auch Text lernen muss.
03:40Hallo.
03:42Und das ist dann schon erstaunlich, was für Kammern man in seinem Hirn so,
03:47was für Schubladen man so überall so hat, wo man die Texte drin hat,
03:50wo man sie wieder verstaut, wo man sie ein paar Wochen später wieder aufmacht,
03:54die Schublade für das Stück und wieder alles rausholt und dafür eine andere zumacht.
03:57Also es ist schon, es ist immer was los im Kopf, würde ich sagen.
04:03Bestimmte Menschen haben einfach diese Gabe, etwas einmal zu hören
04:07und sie merken sich das und sie merken sich das für lange Zeit.
04:11Und es gibt andere, die müssen sehr hart arbeiten daran,
04:15ein Gedicht auswendig zu lernen.
04:17Das ist nicht direkt mit der Intelligenz verbunden.
04:19Das ist mit dieser Gabe verbunden, sich besser oder schlechter zu erinnern.
04:25Unauslöschlich trage ich die Spuren dessen, der stets zur festgesetzten Stunde kommt.
04:28Aber, aber, ich habe manchmal so Rituale, dass ich in der Maske ein, zwei Lieder durchsinge
04:34oder einen Text mache.
04:35...geimpft worden zu sein, das Herz der...
04:37Eine kleine alte Frigide ohne Begabung, eine kleine alte Frigide...
04:45Eine kleine alte Frigide, aber ruiniert!
04:49Man holt das Gehirn aus diesem Zustand heraus, wo man sie im Kreis dreht.
04:55Wenn mir das nicht einfällt, man holt das heraus, denkt an etwas anderes
04:59und manchmal kommt es dann wieder, denn es ist gespeichert.
05:03Ja, ich zocke manchmal auch, also ich werfe mich dann auch manchmal rein,
05:06weil ich es irgendwie interessant finde, zu gucken, was ist alles da.
05:09Also, das würde ich nicht machen, wenn ich nicht die Erfahrung gemacht hätte,
05:12dass oft alles da ist.
05:14Aber den Monolog zum Beispiel, den gehe ich immer vorher durch.
05:17Also immer, in der Pause meistens.
05:19Wenn ich ein Gedicht auswendig lerne, wenn ich den Erlkönig auswendig lerne,
05:24muss ich das wiederholen.
05:26Ich muss diese Synapsen trainieren und wenn ich das ausreichend gemacht habe,
05:34werde ich dieses im Gedächtnis behalten.
05:38Wir haben alle Prüfungen hinter uns und wissen ganz genau,
05:41nach einem Jahr wissen wir das meiste nicht mehr.
05:45Wir brauchen es aber auch nicht mehr.
05:47Wenn wir es brauchen, werden wir es wiederholen.
05:50Wir werden leichter den Erlkönig nach einem Jahr wieder lernen,
05:56und speichern ihn auf jeden Fall nochmals länger.
06:00Auf der Straße zu singen allein und mit weniger Illusionen.
06:05Wenn wir lernen oder eine Erinnerung bilden,
06:08verändern sich die daran beteiligten Nervenzellen in unserem Gehirn.
06:11Ein Ereignis oder eine konkrete Information wirkt auf das Gehirn ein
06:16und aktiviert Nervenzellen.
06:18Es entsteht eine Gedächtnisspur, ein N-Gramm.
06:23Nervenzellen kommunizieren über Synapsen.
06:25Ein freigesetzter chemischer Botenstoff einer Zelle A bindet an spezifische Rezeptoren
06:31der nachgeschalteten Zelle B, was als elektrisches Signal messbar ist.
06:36Beim Lernen verändern sich Nervenzellen dauerhaft.
06:39Das ist die Voraussetzung für erfolgreiches und gezieltes Lernen.
06:43Die N-Gramme, also die Gedächtnisspuren, bilden die physiologische Grundlage dafür,
06:49dass Erinnerungen später wieder abgerufen werden können.
06:53Erinnern wir uns an etwas, wird eine Gedächtnisspur reaktiviert.
06:56Wenn wir sie wieder ablegen, wird sie meistens in veränderter Form neu gespeichert.
07:02Das bedeutet, Erinnerungen sind nicht statisch, sie verändern sich immer wieder aufs Neue.
07:09Wir können nichts generelles sagen, wie viele N-Gramme wir bilden können.
07:14Wir können sicher sehr viele bilden.
07:16Wir bilden sie aber nicht, weil wir sie nicht brauchen.
07:20Wenn ich das nicht brauche, hat es keinen Sinn, eine Gedächtnisspur überhaupt abzulegen.
07:25Und was ich brauche, das entscheidet der Moment.
07:28Das entscheidet meine Befindlichkeit in dem Moment, mein Interesse, mein Wachheitszustand, meine Gefühle.
07:38Das heißt, unsere Erinnerung ist eine Konstruktion dessen, was war, aus dem wir aber auch Sachen weglassen und andere hinzufügen.
07:57Wie wichtig diese Erinnerungen sind, nicht nur für mein Selbstverständnis und auch für das, was ich täglich tue, sondern auch,
08:07wie andere mich sehen.
08:08Das sehen wir am besten daran, wenn wir es mit Menschen zu tun haben, die das Gedächtnis verloren haben.
08:18Mir ist bewusst geworden, wie wichtig unser Gedächtnis ist, auch fürs Überleben.
08:24Dem schenkt man halt zu wenig Beachtung im Alltag, weil man einfach davon ausgeht, dass es funktioniert.
08:30Mein Name ist Nicole Adam, ich bin 50 Jahre alt und hatte mit 49 mehrere Hirnschläge.
08:37Und von da an hat sich mein Leben von einem Tag auf den anderen komplett geändert.
08:42Was ich nach dem Schlaganfall erlitten habe, das ist auf jeden Fall eine Gedächtnisstörung.
08:47Ich bin jetzt bei 30 Prozent von dem, was ich vielleicht vorher konnte.
08:51Wenn man ein Buch liest, dann möchte man das abrufen, die Information, die man gelesen hat, und es ist halt
08:57einfach nicht da.
08:58Also das kann man sich gar nicht vorstellen, aber das ist wie, als wenn das einfach abgeschnitten ist.
09:05Gedächtnisstörungen sind wie Kopfschmerzen.
09:07Wir alle kennen Vergesslichkeit, wir alle kennen, dass uns ein Name nicht einfällt oder uns irgendein Termin durchrutscht.
09:15Schwierig wird es eben, wenn entweder die Person selber oder die Angehörigen das Gefühl haben,
09:21dass nach einer Erkrankung sich die Leistungsfähigkeit deutlich verändert hat.
09:25Und wenn eben die Einschränkungen im Gedächtnis Auswirkungen auf die Alltagsfähigkeit haben.
09:32Mein Name ist Angelika Töhne-Otto.
09:35Ich arbeite als leitende Neuropsychologin an der Tagesklinik für kognitive Neurologie am Universitätsklinikum in Leipzig.
09:42Bei einem Schlaganfall ist es so, dass in der Regel Blutgerinnsel sich in einem Gefäß festsetzen und dann ist das
09:52Gefäß verstopft.
09:53Und dahinter liegend, die Nervenzellen können dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und sterben unter Umständen ab.
10:00Und je nachdem, wo im Gehirn das passiert, machen sich dann eben Ausfälle bemerkbar.
10:06Am bekanntesten ist, wenn Patienten eine Sprachstörung entwickeln oder wenn der Mundwinkel hängt oder wenn sie eine Lähmung auf einer
10:13Seite entwickeln.
10:16Ich habe im Prinzip die linke Seite gar nicht richtig wahrgenommen oder besser gesagt, mein Gehirn hat das halt eben
10:22nicht registriert.
10:24Also war es halt schwierig für mich, schon mal so die Position zu halten.
10:28Also einmal durch dieses Betrunkenheitsgefühl, was nach wie vor ist.
10:31Also das habe ich jetzt seit anderthalb Jahren wirklich täglich, von morgens bis abends.
10:39Dann so banale Sachen wie, wenn man die Wohnung verlässt, dass man einfach daran denkt, einen Schlüssel mitzunehmen,
10:47das Fenster zuzumachen und solche Sachen wie einen Herd ausmachen.
10:53Und dann, was ein bisschen prekär wirklich gewesen ist, das war einfach, dass man auch nicht gespült hat.
11:01Also einfach Dinge, die jeder normale Mensch tut, das war für mich halt eben tatsächlich erst mal ein Problem.
11:07Sodass dann meine Kinder mir wirklich ganz liebevoll auch einen Zettel dann so gegenüber gemacht haben von der Toilette.
11:14Dass man bitte das Spülen nicht vergessen soll, was eigentlich wirklich vielleicht total witzig klingt.
11:21Aber das war am Anfang ganz schlimm.
11:26Neuropsychologen sind für die Auswirkungen einer Hirnschädigung einerseits auf die geistige Leistungsfähigkeit,
11:33wie zum Beispiel Aufmerksamkeit oder Gedächtnis oder auch problemlösendes Denken zuständig.
11:39Und andererseits haben Erkrankungen des Gehirns immer auch Auswirkungen auf die Stimmung, auf das Selbstwertgefühl, auch auf das Verhalten.
11:48Also wenn man sich selber nochmal kennt, empfindet man sich als komisch.
11:53Das ist manchmal wie zwei verschiedene Menschen, nur dass man in demselben Körper steckt.
12:01Wir sind unser Gedächtnis.
12:04Unser Selbstverständnis, unser Selbstbild hängt eigentlich zu 100 Prozent davon ab,
12:16wie wir uns in Raum und Zeit sehen, wer wir waren, wie wir sind.
12:23Unser Gedächtnis ist der rote Faden unserer Existenz.
12:26Ich bin Andreas Papaschotirovoulos, ich bin Psychiater und Psychotherapeut
12:31und seit 2007 Professor für molekulare Neurowissenschaften an der Universität Basel in der Schweiz.
12:37Es gibt schon eine Obergrenze dessen, was das Gehirn verarbeiten kann.
12:42Sowohl im Bereich der Geschwindigkeit als auch im Bereich der Menge, die man bewusst lernt und dann auch irgendwann wieder
12:51abrufen kann.
12:53Vergessen ist ein sehr wichtiger Bestandteil eines gesunden Gedächtnisses.
12:56Man muss vergessen können, damit man das Relevante vom Irrelevanten unterscheiden kann.
13:04Also ich habe schon manchmal das Gefühl, dass bei meinem Hirn irgendwie mit so vielen Sachen,
13:09Berufsbedingungen, so voll ist, dass es mein Hirn dann so selektiert,
13:13also dass es dann Sachen aussortiert, die vermeintlich nicht so wichtig vielleicht für mich sind
13:16oder irgendwie, wo ich offenbar nicht so andocken kann, gefühlstechnisch.
13:20Und deswegen habe ich angefangen, mir alles aufzuschreiben.
13:22Morgen Eva anrufen, weil ich weiß, ich vergesse das sonst, wenn ich zum Telefonieren verabredet bin.
13:27Oder ich habe so Eselsbrücken, wie ich mir manchmal Dinge merke.
13:30Ich habe jetzt zum Beispiel eine Szene, da fängt jede meiner Abschnitte, es ist ja ein Dialog,
13:33fängt mit einem W an.
13:35Wir wollen unsere Ehre zurückhaben, jede anständige Deutsche.
13:38Was stellst du dir eigentlich, warum erregst du dich so wegen der deutschen Ehre?
13:42Was stellst du dir überhaupt darunter vor, eigentlich?
13:44Eselsbrücken sind ein hervorragendes Mittel, um ein gutes Gedächtnis zu haben.
13:52Wenn eine Information entweder wiederholt wird
13:56oder wenn ich in der Lage bin, diese Information zu verknüpfen
14:00mit anderen schon vorhandenen Informationen
14:03oder drittens, wenn diese Information Emotionen hervorruft,
14:10das ist für das Gehirn ein Signal, diese Information ist wichtig.
14:15Das heißt, ich muss sie Langzeit speichern.
14:18Also, Wiederholung, Verknüpfung mit bereits vorhandenem
14:26und emotionale Bedeutung.
14:28Das sind drei Kernfaktoren, die darüber entscheiden, ob eine Information
14:33oder eine Sinneswahrnehmung, die ich gerade habe, sich wiederfindet im Langzeitgedächtnis.
14:45Soweit ich mit dem, was ich sage, was verbinden kann oder was anknüpfen kann
14:49oder mich das bewegt auf irgendeine Art und Weise,
14:52merke ich mir das auch viel, viel schneller, viel nachhaltiger.
14:57Oder auch, wenn ich Dinge nicht verstehe, die ich sage, die merke ich mir auch nicht.
15:00Das ist wie in der Schule.
15:01Wenn ich was gelernt habe in Bio, was ich einmal nicht verstanden habe,
15:04was mich vielleicht interessiert hat, aber was ich nicht verstanden habe,
15:06habe ich es mir auch viel schwerer gemerkt, als wenn ich es gecheckt habe
15:10und ich es anwenden konnte und es Sinn ergeben hat für mich.
15:15Und ich bin immer noch so, manchmal brauche ich ganz viel Ruhe.
15:19Also, dann bin ich meistens hier auf meiner Couch oder am Tisch.
15:23Ich lerne auch schon abends nach einer Probe, aber da kann ich nicht so gut lernen.
15:27Ich mache das aber, damit ich direkt vorm Schlafengehen sozusagen im Bett
15:31mir noch was angeguckt habe, weil ich manchmal irgendwie dann das Gefühl habe,
15:34wenn es direkt in den Kopf geht, vorm Schlafengehen und man dann den Kopf sich beruhigt und schläft
15:39und alles so runterfährt, dass das dann aber wie das Letzte ist, was noch da war und dann vielleicht länger
15:44bleibt.
15:44Und ich brauche auf jeden Fall, um Sachen wirklich zu memorieren oder sich setzen zu lassen,
15:48immer eine Nacht dazwischen.
15:50Das, was ich immer meinen Studentinnen und Studenten sage, wenn ihr wirklich gut lernen wollt,
15:56lernt am Abend und dann gehen Sie bitte ins Bett und legen Sie sich schlafen.
16:01Im Schlaf wird diese letzte Information sehr gut konsolidiert, die Synapsen sind stabil oder werden stabile Synapsen gebaut und am
16:12nächsten Tag,
16:13das kann jeder für sich mal auch ausprobieren, am nächsten Tag ist die Information so frisch, dass man sich wundert,
16:20boah, ich habe wirklich so gut gelernt.
16:23Dabei, das Einzige, was man gemacht hat, ist, man hat gelernt, sich schlafen gelegt, ohne eine Distraktion dazwischen
16:32und das Gehirn hat die Chance im Schlaf diese Information zu konsolidieren.
16:42Zum Glück ist das Gehirn kein Muskel.
16:44Man sagt ja immer, man kann das Gehirn trainieren wie ein Muskel, dann sage ich immer, naja, zum Glück nicht.
16:48Man kann sein Gehirn trainieren und es funktioniert natürlich ganz anders als Muskeltraining.
16:52Da kann man eine Menge rausholen, wenn man die richtige Strategie und die richtige Motivation hat.
16:57Hallo, mein Name ist Johannes Mallow, ich lebe in Magdeburg und bin hier am Uniklinikum wissenschaftlicher Mitarbeiter
17:03und bin außerdem Gedächtnistrainer und bringe seit vielen Jahren Leuten bei, wie sie sich Sachen besser merken können.
17:10Grundlegend geht es darum, sich Dinge mit Bildern vorzustellen.
17:13Bei den Vorträgen mache ich mit den Leuten meistens ein Experiment und zwar erkläre ich ihnen,
17:19wie man sich alle zwölf Bundespräsidenten in der richtigen Reihenfolge merken kann.
17:24Und unser Körper ist jetzt unser Werkzeug, um uns etwas zu merken.
17:27Klingt erstmal sehr merkwürdig, aber daher kommt auch das Wort, dass es würdig ist, dass ich mir etwas merke, merkwürdig.
17:34Und zwar ist das erste Wort, was wir uns merken müssten, möchten das Häuschen.
17:39Jetzt stellen Sie sich vor, Sie haben auf dem Kopf ein kleines Häuschen, könnte so ein Vogelhäuschen sein.
17:43Die Schultern und da stelle ich mir ein Weizenbier vor, Weizenbier auf den Schultern.
17:48Jetzt an der Brust, da möchte ich mir merken das Herz.
17:52In dem Vortrag habe ich Folgendes gemacht, ich habe den Weg genommen an meinem Körper.
17:57Das heißt eben auf dem Kopf, an den Augen, an der Nase, am Mund, am Kinn und auf den Schultern
18:02und so weiter.
18:03Habe ich dann verschiedene Dinge abgelegt, die mich an diese Präsidenten erinnern.
18:08Wie hieß denn der Erste? Weiß das jemand?
18:11Häus.
18:12Häus hieß der, ja.
18:14Und für Häus könnte man sich ja was vorstellen, zum Beispiel ein Häuschen.
18:17Dann an der Brust.
18:20Herzog.
18:20Herzog, genau.
18:21Dann was war mit dem Bauch, der war ganz?
18:23Rau.
18:23Rau, bitteschön.
18:24Und in den Füßen, was haben wir da an den Füßen?
18:27Steine.
18:28Steine und Eier.
18:30Steinmeier.
18:31Und so haben sie sich die zwölf Bundespräsidenten gemerkt, und zwar ohne, dass sie es gemerkt haben.
18:36Also ich würde sagen, dass Gedächtnistechniken nichts mit Intelligenz zu tun haben. Gar nichts.
18:41Ich glaube, dass jeder das lernen kann, egal ob er gut in der Schule war oder nicht so gut,
18:45oder ob er eher praktischer oder eher wissenschaftlicher begabt ist.
18:50Nutzen kann diese Methode jeder.
18:54Es ist auch ein bisschen wie eine Eselsbrücke. Sie assoziieren etwas mit etwas anderem.
18:59Und dadurch fällt es ihnen leichter, dieses Gelernte abzurufen.
19:04Und wenn dieser Prozess Lust bereitet, wenn dieser Prozess mein Interesse auf Weiteres steigert,
19:11es muss eine Steigerung sein, dann bleibe ich dabei.
19:16Also das ist etwas Zirkuläres.
19:20Das Lernen führt zu verstehen.
19:22Das Verstehen ist die Motivation weiterzulernen.
19:25Das Verstehen ist die Konsequenz von Lernen.
19:30Wir können ein kleines Experiment machen. Und zwar folgendes.
19:33Wir möchten uns merken die Einwohnerzahlen von Österreich und Frankreich.
19:37Wir stellen uns als erstes vor, Österreich hat 8 Millionen Einwohner.
19:40Wenn ich mir das aber nicht einfach so merken kann oder möchte, stelle ich mir jetzt etwas vor für die
19:458 Millionen.
19:46Und zwar eine Achterbahn.
19:48Und jetzt verbinde ich Österreich mit der Achterbahn, indem ich mir vorstelle Österreich-Skipiste.
19:53Und jetzt stelle ich mir auf der Skipiste eine Achterbahn vor.
19:57Das Zweite war Frankreich. Frankreich hat 64 Millionen Einwohner.
20:02Das heißt, ich brauche erst ein Bild für Frankreich. Das wäre der Eiffelturm.
20:06Und jetzt brauche ich ein Bild für 64.
20:08Und wer von Ihnen Schach spielt, der denkt vielleicht an ein Schachbrett, das 64 Felder hat.
20:13Und ich stelle mir vor, auf dem Eiffelturm ist ein Schachbrett mit 64 Feldern 64 Millionen Einwohner.
20:29Ich habe vorher ganz viele Jahre in der Gastro gearbeitet, was natürlich sehr mit Märken verbunden gewesen ist.
20:36Und mit auch Laufen, also wirklich eigentlich fit sein.
20:42Mein Weitern noch, weil das ist schön dich zu sehen.
20:48Schön dich zu sehen.
20:50Nee, wie geht's dann?
20:52Na gut, also ja, mit Umständen entsprechend.
20:55Okay.
20:57Ich würde mal gucken, wer ist denn in der Küche da?
21:01Also als ich da reingekommen bin, das war für mich sehr emotional, weil ich wirklich zwölf Monate gar nicht da
21:07gewesen bin.
21:08Tatsächlich habe ich das auch so ein bisschen vor mir hergeschoben, weil dieses Emotionale,
21:14oder wenn man weiß, dass man, bevor man dort gegangen ist, also sein Leben völlig in Ordnung gewesen ist und
21:21man kommt zurück.
21:22Und es ist gar nicht so, wie es vorher war.
21:24Naja, und jetzt muss ich halt eben so einen Schritt vor den anderen machen und hoffen, dass das mal irgendwann
21:29besser wird.
21:30Und, ja, mal gucken.
21:34Aber schreiben geht wieder, oder?
21:35Ja, schreiben, das habe ich mit der Hand wirklich geübt.
21:39Das kriege ich Gott sei Dank hin, aber das ist halt alles nicht mehr so, wie es vorher gewesen ist.
21:45Ich gehe einmal in der Woche zur Ergotherapie, was mir ganz, ganz viel bringt.
21:52Also gerade bei der Spiegeltherapie, wo man einfach auch dieses Gehirn wieder an dieses Seitenverkehr gewöhnt.
22:06Drei Farben, hier vorne gelb, in dem dieses Aprikot hier und hier hinten grün.
22:15Die anderen interessieren nicht.
22:17Deine Aufgabe ist es, die zu sortieren.
22:21Und dann tue ich halt eben verschiedene Objekte, also das, was die Ergotherapeutin zu mir sagt, was ich greifen soll
22:28und was ich dann sortieren soll.
22:29Das mache ich dann praktisch mit der rechten Hand und soll dem Gehirn signalisieren, dass es die linke Hand ist.
22:36Acht.
22:36Ich kontrolliere.
22:37Ja.
22:39Neun.
22:41Zwanzig.
22:41Ja.
22:42Okay, dann machen wir nochmal zehn.
22:44Okay.
22:45Sehr gut.
22:46Ja.
22:47Das war super.
22:49Wir Menschen sind sehr visuell orientiert.
22:52Das Visuelle ist sehr dominant und wir glauben das, was wir sehen.
22:56Und das Gehirn soll dazu angeregt werden, dass es glaubt, das ist jetzt die betroffene Hand, die etwas durchführt.
23:01Und die kann das ja, weil die andere Hand ist ja nicht betroffen.
23:04Die macht das natürlich besser, weil die ist nicht geschädigt.
23:07Und dann versucht man das Hirn sozusagen auszutricksen.
23:09Und der Effekt soll dann quasi sein, dass die Muskulatur neu lernt.
23:13Also dass das Gehirn umlernt und die Muskulatur neu lernt.
23:16Sie kann definitiv noch Fortschritte machen.
23:19Sie hat auch eine gute Prognose, weil sie einen guten Willen hat und wirklich auch motiviert ist und was machen
23:23möchte und was verändern möchte.
23:25Und das ist natürlich Grundvoraussetzung, um dann auch was Neues zu lernen nach einem Schlaganfall.
23:29Die Motivation.
23:34Wir wissen heute, dass das Gehirn plastisch ist.
23:37Das heißt, dass sich immer wieder neue Verbindungen zwischen Nervenzellen, sogenannte Synapsen, bilden können.
23:44Und das ist auch das, was wir in der Rehabilitation versuchen zu unterstützen, dass wir eben bestimmte Bereiche trainieren,
23:52sodass eben sich neue Verknüpfungen herstellen können und dadurch hoffentlich Einschränkungen auch weniger werden oder sogar ganz weggehen.
24:02Aber die abgestorbenen Nervenzellen, die können nicht ersetzt werden.
24:13Wir haben in einem Forschungsprojekt Aufgaben entwickelt, wo die Patienten sich letztendlich eine Position von Objekten auf einem Tisch merken
24:24sollen.
24:24Die virtuelle Realität hat da viele Möglichkeiten. Wir können im Zweifelsfall genau gucken, wie hat er seinen Kopf gewendet, wie
24:33lange hat er auf ein Objekt geschaut.
24:36Und auf dieser Basis können wir dann entscheiden, mit welchen Aufgaben kann ich diese Funktion trainieren.
24:45Sehen Sie schon etwas?
24:47Ja.
24:47Okay, können Sie das beschreiben?
24:49Ein Zimmer.
24:50Ein Zimmer, okay.
24:51Genau.
24:52Sie schauen sich jetzt die Objekte für ein paar Sekunden an und merken sich die Position der Objekte auf dem
24:57Tisch.
24:58Durch die VR-Brille habe ich verschiedene Gegenstände auf dem Tisch gesehen, die eine gewisse Position hatten.
25:05Und dann sind die verschwunden und ich musste die Position dieser verschiedenen Gegenstände wieder herstellen, was für mich gar nicht
25:15so einfach gewesen ist.
25:16Gerade diese Schwierigkeit noch dazu kommt, dass das Seitenverkehr passiert.
25:22Damit konnte ich halt den Arm ganz doll trainieren.
25:25Und da sieht man ja heute, dass ich ihn wirklich wieder bewegen kann, was eigentlich schon so für mich super.
25:32Also da freue ich mich wirklich wahnsinnig drüber, dass ich den Arm so bewegen kann.
25:44Spricht man von Gedächtnis, meinen wir meistens, dass wir uns etwas Bestimmtes merken können.
25:49Doch es gibt nicht nur das eine Gedächtnis.
25:51Wissenschaftler unterscheiden etwa zwischen explizitem und implizitem Gedächtnis.
25:56Das explizite Gedächtnis, auch Wissensgedächtnis genannt, speichert Wissen, das wir erlernen und erfahren.
26:02Dazu gehören Fakten, etwa, dass Paris die Hauptstadt von Frankreich ist, aber auch persönliche Erlebnisse wie die Geburt eines Kindes
26:10oder der Autounfall vor zwei Jahren.
26:12Das implizite Gedächtnis wiederum ist verantwortlich für das Speichern von Erfahrungen und Fähigkeiten, die unbewusst abgerufen werden können.
26:21Dazu gehören Gewohnheiten oder motorische Fähigkeiten, wie etwa Fahrradfahren.
26:25Einmal gelernt, können wir es auch Jahre später noch, ohne geübt zu haben.
26:30Durch das implizite Wissen, das automatisierte Abrufen, bleibt uns viel Anstrengung und Zeit erspart.
26:37Das Gehirn hat somit die Möglichkeit, sich auf wichtigere Dinge zu konzentrieren.
26:50Wie gut oder schlecht das individuelle Gedächtnis ist, wird entschieden zu 50% von genetischen Faktoren, von den individuellen genetischen
26:59Faktoren und zu 50% durch die Umwelt.
27:02Und Umwelt bedeutet Bildung, soziodemografische Faktoren.
27:08Jeder kommt mit einem Rucksack an Genen auf die Welt.
27:12Vergessen wir aber nicht, das ist nur 50%.
27:15Die Umwelt ist genauso wichtig.
27:19Und es gibt sehr viel Spielraum für Verbesserung und auch für Verschlechterung durch die Umwelt.
27:26Alles fliegt raus.
27:27Miklas!
27:28Also ich spiele bei Mephisto Barbara Bruckner, das ist die Ehefrau von Mephisto.
27:33Das ist ein Klaus-Mann-Text, ein Roman.
27:35Wenn mein Mann sich um die Revolution kümmert, wollen wir uns nicht mal wieder einen aufsässigen Abend leisten?
27:39Ja, im Stück ist sie eigentlich so die einzige Figur, diesen Nationalsozialismus oder diese faschistischen Ideologien zu verstehen und damit
27:48zu ersticken.
27:50Weil sie immer sagt, wir können die Leute nicht einfach nur wegschieben und sagen, ach, das ist alles Quatsch, das
27:54ist alles Irrsinn, sondern woher kommt das, was ist das?
27:56Warum schwärmst du so von einer judenfreien deutschen Kultur?
28:00Ich zum Beispiel kann ganz, ganz schwer nur trocken Text lernen und den sofort bei einer szenischen Probe anwenden, weil
28:08mein Körper sich erst mal verbinden muss mit dem Text.
28:10Ich muss erst mal wissen, was ich wann, wo, wie mache und was ich dabei sage.
28:16Und dann fließt das so irgendwie, ist das eine Dynamik, weil mein Körper sich das gemerkt hat und verbunden hat
28:21miteinander.
28:23Wenn Deutschland wirklich so werden sollte, wie du und deine Freunde es sich wünschen, dann will ich lieber nichts mehr
28:29mit diesem Land zu tun haben. Dann reiß ich ab.
28:32Bei einem Theaterschauspieler, der sich Rollen und Texte merken kann, in Abhängigkeit von dem Ort, an dem er sich bewegt,
28:44was wann wo stattfindet, findet ja in Räumen statt.
28:48Und in der Zeit, wenn wir eine Erinnerung hochholen, wissen wir, wo das stattgefunden hat.
28:54Das heißt, beim Hochholen der Erinnerung an den Raum wird auch die Erinnerung hochgeholt, die damit assoziiert ist.
29:03Und dieser verdammte Liberalismus, was wird denn? Und mit dem verdammten Liberalismus wird abgerechnet.
29:12Manchmal tendiere ich auch dazu, den Text gar nicht so übergut zu lernen.
29:17Dann kriegt man auch so einen leichten Adrenalinstoß, der auf der Bühne manchmal auch gar nicht so schlecht ist, nochmal
29:24in eine ganz andere Freiheit zu kommen.
29:27Kreativität, das ist eine besondere Eigenschaft des menschlichen Gehirns, braucht eine gewisse Unschärfe.
29:35Es ist manchmal gut, wenn ich mich nicht an alles genau erinnern kann, weil dann kann ich kreativ werden,
29:42dann kann ich diese sogenannten Lücken mal füllen mit etwas Unerwartetem.
29:47Das ist Kreativität. Wenn alles fest gespeichert ist, dann ist das tatsächlich ein Computer, ein extrem speicherungsfähiger Computer,
29:59aber eigentlich stupide und kein Raum für Kreativität.
30:06Also vergessen ist ein enorm wichtiger Bestandteil eines guten Lernens.
30:11Es gibt dezidierte molekulare Mechanismen, die dazu beitragen, dass wir aktiv vergessen.
30:24Ich habe eine progressive Muskelerkrankung, heißt, schreitet immer weiter fort.
30:28Und im Laufe des Lebens baut die Skelettmuskulatur halt ab.
30:32Das heißt, seit ich ungefähr 30 bin, benutze ich jetzt dauerhaft auch einen Rollstuhl.
30:36Und neben diesen ganzen Dingen, die ich überwinden musste, auch depressive Phasen aufgrund der Erkrankung,
30:42war dieser Gedächtnissport irgendwie immer sowas, was mich hochgezogen hat, wo ich gesehen habe,
30:46boah, da bin ich richtig gut, da kann ich was reißen sozusagen.
30:53Eine Möglichkeit ist natürlich Information, nicht räumliche Information sich räumlich vorzustellen beim Absprechern.
31:00Und viele der Gedächtniskünstler, die also ganz lange Zahlenkolonnen sich merken können,
31:08die benutzen tatsächlich eine sogenannte Methode der Orte.
31:12Ich bin Christian Döller, wissenschaftlicher Direktor am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften.
31:17Mich interessieren die neurobiologischen Grundlagen von Gedächtnis und höheren kognitiven Prozessen.
31:24Ich bin auch Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft.
31:28Die stellen sich die verschiedenen Zahlen an verschiedenen Orten vor.
31:32Und die navigieren tatsächlich mental durch diese Räume, um dann die verschiedenen einzelnen Zahlen zu verketten.
31:38Also das ist ein schönes Beispiel dafür, wie räumliche Navigation und sich das Vorstellen von Raum dafür hilft,
31:47nichträumliche Information effizient abzuspeichern und zu erinnern.
31:54Dieser Bewegungsablauf ist ein bisschen wie so eine Choreografie. An jeder einzelnen Station dieser Choreografie, da sind diese Bilder abgelegt.
32:03Und ich sag mal, ich hab jetzt zum Beispiel Termine, die ich mir merken möchte.
32:07Zum Beispiel den Zahnarzttermin als erstes. Dann stell ich mir meinen Zahnarzt an dieser Ausstellung vor.
32:11Und der wartet dann mit dem Bohrer auf mich und ich komm da rein und denk mir so, was, warum
32:15steht mein Zahnarzt hier? Und der wartet auf mich.
32:19Und als nächstes habe ich zum Beispiel einen Termin bei der Post, wo ich da irgendwas abgeben muss.
32:24Denn ist in dieser Glocke ein großer Briefkasten eingebaut.
32:32Oben auf dem Sims könnte sein Autoreparatur. Jetzt stell ich mir vor, oben auf dem Sims steht mein Auto.
32:37Mein kleines Auto steht jetzt, ist verkleinert, steht jetzt oben auf dem Sims.
32:41Und als letztes könnte ich mir vorstellen, ich muss noch Geburtstagsgeschenke kaufen.
32:45Dann hätte ich also auf diesem Altar, auf diesem Tisch ganz viele Geburtstagsgeschenke.
32:49Und das wäre meine Geschichte. Das würde ich dann nochmal wiederholen und dann bleibt es auch im Kopf.
32:54Weil daran, dass mein Zahnarzt da jetzt im Dom auf mich wartet, wenn er mich da wirklich erwarten würde mit
33:00seinem Bohrer in der Hand,
33:01da müsste ich mich nicht anstrengen, um mir das zu merken. Dann vergesse ich das einfach nicht mehr.
33:07Während wir uns fortbewegen, denken wir selten darüber nach, welche Prozesse dabei in unserem Gehirn ablaufen.
33:13Wir verfügen über ein sogenanntes internes Navigationssystem in unserem Gehirn, das uns von A nach B kommen lässt.
33:21Dafür gibt es Ortszellen, die ganz bestimmte Räume in einer spezifischen Umgebung repräsentieren.
33:27Zelle A feuert zum Beispiel am Fenster, Zelle B an der Türschwelle.
33:31Von diesen Neuronen gibt es Zehntausende, die alle zusammen den Raum abbilden.
33:37Ein zweiter Zelltyp, die Gitterzellen, kodieren die Struktur der Umgebung.
33:43Verschiedene Gitterzellen erzeugen unterschiedliche, sich teils überlappende hexagonale Muster.
33:48So kann das Gehirn mit Hilfe von sehr vielen Nervenzellen dieser Art Distanzen messen und die eigene Orientierung im Raum
33:56feststellen.
33:57Das führt dazu, dass wir uns auch in uns unbekannten Räumen zurechtfinden.
34:01Zum Beispiel in einem Supermarkt oder auf einem Flughafen.
34:07Wenn wir den Raum einmal abgespeichert und erlernt haben, können wir ganz flexibel und schnell verallgemeinern.
34:13Und auch in einem Supermarkt in einer fremden Stadt bestimmte Produkte finden.
34:19Wir gehen davon aus, dass dieses System, also dieses interne Navi im Gehirn, nicht nur relevant ist, von A nach
34:27B zu kommen.
34:27Oder verschiedene Räume zu repräsentieren und uns in unserem Gebäude zurechtzufinden, einem Flughafen zurechtzufinden.
34:36Sondern eben auch, um nichträufliche Informationen abzuspeichern.
34:41Wir denken, dass ein erfolgreicher Aufbau von solchen kognitiven Karten wichtig ist für gute Gedächtnisleistung.
34:49Meistens kann ich am Nachmittag gut lernen oder morgens.
34:55Ich trinke erst mal ein Käffchen, weil ohne Käffchen kann ich erst mal nicht denken.
34:59Und vielleicht frühstücke ich auch was.
35:01Und dann nehme ich meistens meinen Text zur Hand, versuche dann einfach das wieder hochzuholen und brabbel dann so vor
35:08mich hin.
35:09Genau, so bereite ich mich vor.
35:11Manchmal auch noch ein bisschen Sport oder ich gehe spazieren, um den Körper schon mal ein bisschen in Gang zu
35:16kriegen.
35:16Das mache ich schon auch.
35:18Vielfältige Interessen, nicht nur ständiges Pauken, sondern Musik, Kunst, all das, das führt dazu, dass unsere Nervenzellen aktiv bleiben.
35:33Eine ständige Aufnahme von sinnvollen Reizen, von denen ich weiß, dass sie mich interessieren, die ist sehr wichtig, weil die
35:41Netzwerke der Nervenzellen, die wichtig sind für die Gedächtnisbildung, die bleiben aktiv und die werden immer gefüttert.
35:49Körperliche Aktivität, ich kann diesen Faktor nicht genug betonen.
35:55Es ist enorm wichtig, sich zu bewegen. Am besten aerob, also, sodass man auch gleichzeitig sehr viel Sauerstoff verbraucht.
36:06Ein schöner Spaziergang im Wald, das hört sich alles trivial an, aber ist so wichtig für die aufrechte Haltung eines
36:14guten Gedächtnisses.
36:15Warum? Weil die Nervenzellen in unserem Hippocampus, in dieser Hirnregion, die wichtig ist fürs Gedächtnis, sie bleiben aktiv.
36:29Bevor die Meisterschaften stattfinden, fange ich schon an, relativ früh zu üben. Das heißt, ich setze mich zu Hause hin
36:35und versuche einfach jeden Tag was zu machen.
36:38Es gibt viele Faktoren, die sich negativ auf das Gedächtnis auswirken. Zu viel Alkohol, nicht genügend Schlaf, Stress, Depression, abnehmende
36:48Aufmerksamkeit, das sind alles Faktoren, die auch ineinander verwoben sind, wenn man so will.
36:53Wenn ich mich hinsetze und meine Zahlen merke für ein Gedächtnissport, dann kuhle ich natürlich nicht aufs Handy.
36:58Also, da ist es dann aus und liegt in der Ecke und da gehe ich auch nicht ans Telefon, auch
37:01für drei Stunden nicht, wenn ich trainiere.
37:03Ich würde schon sagen, dass ich sehr vergesslich bin. Es liegt aber einfach daran, dass ich im Kopf irgendwie oft
37:08abgelenkt bin, dass ich viele andere Dinge im Kopf habe am Tage.
37:12Und so geht es ja den Leuten auch oft. Es ist immer erschreckend, wenn die Leute dann am Bahnhof sind
37:15und siebenmal auf ihre Fahrkarte gucken, muss ich jetzt zum Gleis 7, ja.
37:19Gleis 7? Ja, stimmt. Gleis 7. Ja, war Gleis 7.
37:22Und dann sage ich einfach, ja, stellt euch einfach vor, da sind die sieben Zwerge am Gleis. Ja, die sagen
37:26Hallo, die begrüßen euch am Gleis, sieben Zwerge. Da guckt ihr nicht nochmal nach.
37:30Die Tatsache, dass wir in einer Zeit leben, wo alles verfügbar ist, wo ich nicht unbedingt mir Sachen merken muss,
37:39weil ich kann das sofort speichern auf meinem Mobile.
37:43Oder noch mehr, ich kann sogar ZZPT oder AI fragen und sofort ist alles da.
37:49Und zwar diese ständige Verfügbarkeit von Speicherungsmöglichkeiten, die wir haben, ich halte sie persönlich für problematisch, wenn es darum geht,
38:01wie wirkt sich das auf unser Gehirn aus.
38:03Unser Gehirn braucht Übung. Unser Gehirn muss sich darin üben, die Sachen zu sehen, abzuspeichern, abzurufen.
38:12Und diese ganze Maschinerie muss am Laufen gehalten werden.
38:25Was mich überfordert hat, das waren die Geräusche von den Menschen ringsherum, wenn sie gesprochen haben, wenn ich in die
38:31Regale reingegangen bin.
38:33Diese Unmengen an Waren, die wirklich auf mich eingeprasselt sind, wo ich gar nicht mehr sortieren konnte.
38:41Heute ist es schon wirklich ein Stück normaler geworden.
38:44Einen Zettel habe ich trotzdem immer noch dabei, weil ab und zu ist es mit dem Merken wirklich, es ist
38:48so tagesformabhängig.
38:50Das Sortiment ist für mich nicht mehr so erschlagend. Also ich kann schon wieder Dinge sortieren.
38:57Also Einkaufen macht mir wieder Freude.
39:00Und dann haben wir doch noch, weil dieses Reha-Zimmer noch Regen gehabt?
39:03Ja.
39:04Also es ist auf alle Fälle schön, dass wir wieder zusammensitzen können.
39:06Und es war ja jetzt, sag ich mal, vor einem Jahr noch unabsehbar, dass man überhaupt wieder so zusammensitzen kann.
39:14Und unsere Mutti das erste Mal, glaube ich, das war das erste, was du wieder selbst gemacht hast, war ein
39:19Quark.
39:19Ja.
39:20Und hast Kartoffeln geschält.
39:24So nach anderthalb Jahren kommt ziemlich viel von dir wieder zurück.
39:28Jetzt nicht von heute auf morgen, aber es kommt.
39:30Oder?
39:30Ja, und ich finde halt das, was jetzt anders ist als früher, ist halt positiv anders.
39:35Also jetzt zu wissen, so eine Krise birgt ja auch die Möglichkeit, dass man sich weiterentwickelt.
39:41Ja.
39:41Also ich versuche wirklich alles im Prinzip nicht ganz so selbstverständlich hinzunehmen.
39:47Und Dinge, die ich so wieder kann, die muss man dann halt eben auch wirklich feiern.
39:54Wo man dann so sagt, Mensch, das ist toll, dass das wieder funktioniert.
39:57Okay.
39:57Das Belohnungssystem spielt eine wahnsinnige Rolle bei dem, was wir lernen und wie gut wir etwas behalten.
40:04Belohnung kann ein gutes Wort sein, von der Mutter an ihr Kind.
40:08Belohnung kann für den Schauspieler der Applaus sein.
40:12Belohnung kann aber auch auf höherer Ebene stattfinden, wenn ich eine neue Erkenntnis habe.
40:19Das kann an sich belohnend sein.
40:21Und das ist es auch.
40:23Weil in dem Moment habe ich etwas verstanden, was kein anderer verstanden hat.
40:27Ich fühle mich dann wirklich als ein ganz besonderer Mensch.
40:36Bei den deutschen Meisterschaften und auch bei anderen Meisterschaften gibt es immer einen Zehnkampf.
40:40Das heißt, es sind zehn Disziplinen und ich muss an allen teilnehmen, wenn ich da vorne dabei sein will.
40:46Da gibt es unter anderem Wörter merken, Namen und Gesichter merken, Zahlen merken, Spielkarten merken, Geschichtsdaten merken.
40:55Die Geschichtsdaten ist meine Lieblingsdisziplin. Dort hatte ich auch zehn Jahre lang den Weltrekord.
41:00Man bekommt eine Liste mit Jahreszahl und einem ausgedachten Ereignis.
41:06Das kann alles Mögliche sein, damit niemand, der in Geschichte gut ist, einen Vorteil hat.
41:10Und hier bei der Meisterschaft habe ich mir 108 Geschichtsdaten in fünf Minuten gemerkt.
41:16Wenn ich dann fertig bin mit der Meisterschaft, dann bin ich auch meistens froh, dass es zu Ende ist, weil
41:20es doch sehr anstrengend ist.
41:21Es ist wie ein richtiger Sport. Also wenn ich jetzt einen Marathonlauf rennen würde, dann komme ich wahrscheinlich auch an.
41:27Bin total im Eimer, aber glücklich, dass ich es geschafft habe.
41:29Ich bin schon aufgeregt, aber es ist weniger diese Angstaufregung, sondern eher diese freudige Aufregung.
41:34Es ist nicht so dieses, hoffentlich klappt alles und hoffentlich sind sie uns wohlgesonnen, sondern es ist eher so, ja
41:42cool, wie wird es heute sein.
41:43Eine kleine, alte, vergiende, ohne jegliche Begabung.
41:54Wenn ein Applaus kommt, fällt eigentlich immer alles so ab. Also dann bin ich richtig so, da löst sich was
42:00richtig in mir so auf.
42:01Und das ist aber ganz schön, das Gefühl. Super oft Standing Ovations und Leute weinen und lachen und alles.
42:08Also wenn es das mit jemandem macht, der sich diesen Abend anguckt, dann weiß ich nicht, dann hat man irgendwie
42:11alles geschafft.
42:15Nicht alle Menschen kommen mit einem gleich guten Gedächtnis auf die Welt. Aber wir sind unseren Genen nicht hilflos ausgeliefert.
42:22Wir können unsere Gedächtnisleistung verbessern, selbst nach einer schweren Erkrankung wie einem Schlaganfall.
42:28Ich wünsche mir, dass ich irgendwann wieder arbeiten gehen kann und dass man ganz normal seinen Alltag, wie man das
42:34vorher hatte, erleben kann.
42:36Dann bin ich eigentlich schon zufrieden.
42:39Gezieltes Training, viele sinnvolle und ausgewogene Reize um uns herum.
42:44Sport, Musik, ausreichend Schlaf. So aktivieren wir die Nervenzellen in unserem Gehirn.
42:50Und Deutscher Gedächtnismeister auf 2025.
42:54Johannes Mahler.
42:56Danke, danke.
42:57Ach, da zieht ihr euch.
42:58Ja, genau. Das ist gut.
42:59Es gibt die anderen Pokale später.
43:01Ja, danke sehr.
43:02Es ist jetzt meine 55. Meisterschaft gewesen und ich war bestimmt bei 45 Meisterschaften davon irgendwie mit einem Pokal nach
43:09Hause gegangen.
43:11Wenn dann alles geklappt hat, ich gute Leistung gebracht habe, dann freue ich mich darüber.
43:14Dann freue ich mich jetzt auch darüber, dass ich gewonnen habe und auch einen Pokal bekommen habe.
43:18Thank you very much.
43:20You're welcome.
43:20You're welcome.
43:23Kontinuierliches Lernen ist der Motor unseres Gedächtnisses.
43:26Wenn wir am Ball bleiben, können wir bis ins hohe Alter leistungsfähig sein.
43:31Lernen führt zu persönlichem Wachstum.
43:33Mit einem guten Gedächtnis erweitern wir unser Verständnis für die Welt.
43:38Das Neue interessiert uns. Dieses Neue führt dann auch dazu, dass wir als Gewusstes, als Geglaubtes überschreiben durch dieses Neue.
43:50Es ist ein kontinuierlicher Lernprozess, ein kontinuierliches Verstehen, was zu neuem Lernen führt.
43:57Weil das wirft neue Fragen auf. Es gibt kein, es gibt kein Ende. Es gibt kein Ende. Also unser Lernen
44:04hört mit unserem Leben auf.
44:13Und, wissen Sie noch, wie viele Einwohner Österreich und Frankreich hatten?
44:16Denken Sie an die Skipiste und denken Sie an den Eiffelturm und dann kommen Sie drauf.
44:26Musik
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