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00:01And on the one hand, there are the students in SanSibar.
00:05How are we going to get there?
00:07Our research started with a tip from these three here.
00:11They were in the United States.
00:14I thought, I wanted something to do with it.
00:17And not just working on my Bräune.
00:20Another culture can learn,
00:22to engage children in harmony and really something to do.
00:25That's what they want to do.
00:27But especially the commercial customers are in the criticism.
00:31I had the feeling that I was in a business office
00:34and I was prepared for the summer vacation.
00:37With the help of getting paid?
00:40We call it undercover as a member and go to SanSibar.
00:44And there is quickly clear,
00:46not only for us is a lot going on.
00:49We have been in the stick.
00:52They take the money and well.
00:53It doesn't matter if you have anything to do with it.
00:56I don't care about the kids, I don't care about the Lehrer.
00:58I don't care about the people.
01:00What are the consequences for the people?
01:02And who really benefit from the volunteer business?
01:12The story in this film could we probably not tell you,
01:14if not Stephan had to be called for us.
01:16He was with others at the end of 2024
01:18in a project of SanSibar as a member of SanSibar.
01:21All of them had the feeling that there is nothing to do with the right thing.
01:25And what exactly?
01:26That's what we hear from you themselves.
01:29Hello!
01:30Hi!
01:32Hi!
01:33Asim, Stephan und Pharah.
01:35Sie waren als Volunteers auf der Ostafrikanischen in SanSibar
01:39und haben sich für einen kommerziellen Anbieter entschieden,
01:42weil sie nicht so viel Zeit hatten.
01:43Denn staatliche Programme wie Weltwärts
01:45haben meistens eine Mindestdauer von sechs Monaten.
01:50Stephan, wenn du mal so zusammenfassen kannst,
01:53was war für dich denn das Problem an diesem Aufenthalt auf SanSibar?
01:56Wir beide waren bei dem Fußballprojekt,
01:58ein paar aber bei dem Frauenprojekt.
02:00Und wir haben eigentlich schnell gemerkt,
02:03dass unsere Hilfe nicht benötigt wird
02:07und auch das Projekt, wie es zu Beginn beschrieben wurde,
02:11so gar nicht stattfindet vor Ort.
02:13Für vier Wochen freiwilligen Arbeit zahlen sie jeweils über 1000 Euro.
02:17Hinzu kommen die Reisekosten, die sie selbst tragen.
02:22In der Internetbeschreibung des Projekts stand,
02:25dass wir jeden Tag von acht bis einschließlich eigentlich 14 Uhr sogar Schule hätten.
02:30Also schon ausgefüllten Tagesablauf eigentlich.
02:32Und zu Beginn war nur einmal pro Woche Fußballtraining.
02:36Dann irgendwie haben wir ein bisschen Druck gemacht
02:37und am Ende haben wir es dann geschafft zweimal pro Woche zu machen.
02:41Dienstag, Donnerstag sind wir dann zum Platz gefahren,
02:44haben dann dann zwei Stunden Fußball gespielt
02:45und das war quasi unser Projekt.
02:48Man hatte auch das Gefühl, nicht ich habe unterstützt,
02:50sondern ich habe denen mehr Arbeit gemacht,
02:52jetzt was für mich zu suchen, was ich machen kann,
02:56nachdem man halt Aufstand gemacht hat,
02:57als dass man halt dahin gekommen ist,
03:00wie man es sich vorgestellt hat und dann gleich helfen konnte.
03:03Farah wurde vorab versprochen, sie würde in einer Näherei eingesetzt.
03:07Doch vor Ort fand sie nichts zu tun.
03:09Am Ende haben alle drei in einer Schule mitgearbeitet.
03:13Dann startet man um 8.30 Uhr in der Schule und hat dann halt keine Aufgaben gekriegt,
03:17hat dann die Zeit ein bisschen abgesessen, aber um 10.30 Uhr dachte man sich dann auch,
03:22dann kann ich jetzt auch was anderes machen.
03:25Aber hattet ihr vor Ort gar keinen, also die vor Ort waren?
03:28Wir hatten alle einen Vermittler, brauchen wir jetzt nicht namentlich nennen,
03:31wir hatten seine WhatsApp-Nummer, er war so, der sich damit auskennt,
03:33ja er war selber noch nicht unten.
03:35Er konnte sich gar nicht auskennen.
03:36Er war zu dem Zeitpunkt in Costa Rica.
03:38So und dann habe ich tatsächlich versucht Kontakt aufzunehmen,
03:43über die WhatsApp, also unter dem WhatsApp-Kontakt, den wir hatten,
03:46ja und habe erst mal zwei Tage nichts gehört.
03:49Ja, ich habe dann halt eine E-Mail.
03:50Aber das ist sozusagen die Notfallnummer auch?
03:51Genau, also ich glaube, das ist eigentlich dieser Mainpunkt.
03:54Es wird dir einfach was anderes, man kann schon sagen, verkauft.
03:58Und man kommt sich verarscht vor.
04:01War das nur Pech oder steckt dahinter mehr?
04:04Wir wollen uns Undercover als Volontiers anmelden.
04:07Zuerst schauen wir uns aber die Social-Media-Kanäle vom Anbieter an.
04:11Das ist auch Tanzania, guck dir jetzt mal an, wie das aussieht.
04:13Das ist einfach nur Strand.
04:14Die machen aber auch nur Werbung mit Strand.
04:15Wenn man diese Bilder sieht, würde ich so denken,
04:18ach gut, das ist so ein Adventure-Urlaub und nicht irgendwie Freiwilligenarbeit.
04:23Irgendwie fehlt dem Ganzen so ein bisschen die Ernsthaftigkeit.
04:26Die Insel ist voller weißer Traubenstrände mit türkisem Wasser.
04:30Das wirkt eher wie so ein Reisekatalog.
04:32Du kannst ein Nackenkissen gewinnen.
04:35Die Website hingegen wirkt eigentlich vertrauenserweckend.
04:39Ah, der Unsinn, diese ganzen Projekte. Was kann man denn da alles machen?
04:43Sozialarbeit mit Kindern in Tansania, Women Empowerment.
04:46Und dieses Soccer-Projekt.
04:48Viele Infos und Fotos zu den Projekten.
04:51Den Anbieter gibt es offenbar schon über zehn Jahre.
04:53Wir zahlen für vier Wochen je 1070 Euro plus Flug.
04:59Wir nennen den einzelnen eher kleinen Anbietern nicht mit Namen,
05:02weil es in diesem Film um das ganze System kommerzieller Freiwilligendienste gehen soll.
05:09Also wir beide bewerben uns jetzt für vier Wochen.
05:11Madeleine für das Projekt, das Fahrer gemacht hat, das Frauenförderungsprojekt.
05:15Und ich mich für das Fußballprojekt, das Stefan da gemacht hat.
05:18Und dann wollen wir schauen, was wir für Erfahrungen da machen.
05:21Die Bestätigungs-E-Mail erhalten wir nur kurze Zeit später.
05:24Und dann meldet sich eine Mitarbeiterin telefonisch bei Madeleine.
05:27Sie klärt mich auf, dass es zu unserem Aufenthaltszeitraum kein Frauenprojekt gäbe,
05:32ich stattdessen aber in einem Schulprojekt eingesetzt werden könnte.
05:35Und auch ich werde Tage später angerufen und gefragt, ob ich auch ins Schulprojekt wechseln kann.
05:40Immerhin erfahren wir schon im Vorfeld, dass die Projekte, für die wir uns eigentlich angemeldet hatten, nicht stattfinden.
05:47Vorbereitet werden wir durch einen einstündigen Call mit dem Anbieter.
05:50Darin geht unsere Koordinatorin mit uns eine kurze Präsentation durch.
05:54Mehr gibt es nicht.
05:57Ich hatte halt das Gefühl, ich sitze in einem Reisebüro und ich werde hier auf den Sommerurlaub vorbereitet.
06:03Und nicht, ich werde vorbereitet auf ein Hilfsprojekt in einem afrikanischen Land.
06:07Also ich habe mehr über den Lichtschutzfaktor von Sonnencreme gelernt oder über Mückensprays als über das Projekt vor Ort.
06:16Und das wurde kein einziges Mal nochmal vielleicht auch nach meiner Motivation gefragt, nach meiner Qualifikation,
06:22also welche vielleicht auch Vorerfahrung ich im Umgang in dem Fall mit Kindern habe.
06:27Zwei Monate später geht es endlich los.
06:31Wie fühlen wir uns?
06:32Ich weiß nicht, ob ready.
06:34Echt gesagt, einfach unvorbereitet.
06:36Ja, maximal unvorbereitet.
06:38Es geht nach Sansibar.
06:39Die kleine Insel ist ein Teil von Tansania und wird bei vielen als Traum-Urlaubsziel.
06:44Nach 10 Stunden Flug sind wir da.
06:48Wir leben noch!
06:50Juhu!
06:51Wir drehen mit unseren Handys und versteckter Kamera, denn vor Ort darf natürlich niemand wissen, dass wir Journalisten sind.
06:57In Tansania ist unabhängiger Journalismus ohnehin nicht erwünscht und Dreharbeiten müssten offiziell angemeldet werden.
07:04Auch deshalb sind wir zu zweit unterwegs und müssen unauffällig bleiben.
07:08Nach anderthalb Stunden kommen wir in einem beliebten Touristenort an.
07:12Nur so richtig sicher, ob die Adresse stimmt, sind wir uns nicht.
07:15Maps leitet uns nämlich direkt in einer Art Slum.
07:18Ah, ich glaube aber, da sind wir.
07:21Unsere Unterkunft ist aber echt süß.
07:23Ein grüner Garten, das Zimmer teilen wir uns.
07:26Wir fühlen uns echt wohl.
07:28Dass der erste Eindruck täuscht, werden wir bald merken.
07:32Der Bungalow gehört einer jungen deutschen Auswanderin.
07:36Sie arbeitet mit unserem Anbieter zusammen, ist eigentlich hier unsere Ansprechpartnerin.
07:40Aber wegen der Geburt ihres Kindes ist sie aktuell in Deutschland.
07:44Deswegen zeigt uns ihr sansibarischer Lebenspartner am ersten Abend den Ort.
07:47Der Kontakt zu ihr via WhatsApp funktioniert aber.
07:51Und ganz ehrlich, Timmy, ich habe zwischendurch, als wir da so saßen, komplett vergessen, dass wir hier sind, um freiwillig
07:57dabei zu machen.
07:58Das ging mir auch manchmal.
07:58Ich war so krass in diesem Urlaubsmodus drin.
08:00Ja, hier könnt ihr an den Strand, da könnt ihr schnorcheln.
08:03Und man dachte so, ach ja, okay, ganz schön.
08:04Eigentlich dachte ich, wir machen was ganz anderes vor.
08:06Schon am nächsten Tag wird klar, so wie eigentlich geplant, läuft hier wenig ab.
08:12Am Morgen werden wir zur Schule gebracht.
08:14Das Gebäude liegt wie unsere Unterkunft abseits der Touristenstrände.
08:17Und wir wundern uns, denn nach Unterricht sieht es hier nicht gerade aus.
08:23Dafür lernen wir den Schuldirektor kennen und gleich die erste Ernüchterung.
08:27Die Schule startet jetzt erst nächste Woche.
08:30Und warum ist das so?
08:32Auf Sansibar sind noch Feiertage.
08:34Darum starten wir später mit dem Unterricht.
08:37De facto heißt das, unser Projekt findet erstmal gar nicht statt.
08:41Der Direktor zeigt uns noch kurz die Klassenräume.
08:44Und damit wir überhaupt was zu tun haben,
08:46verabreden wir uns für den nächsten Tag, um die Schule aufzuräumen.
08:51Ich muss sagen, ich hatte heute eigentlich erst voll das gute Gefühl,
08:54als wir so zur Schule kamen, weil wir irgendwie so mega lieb empfangen wurden.
08:57Weil wir irgendwie so nett miteinander waren.
08:59Und dann fand ich es halt ultraschnell schon voll ernüchternd,
09:02weil es halt das Projekt in dem Sinne ja gar nicht gibt.
09:05Und ich denke mir so, hä, warum hat uns das halt einfach vorher niemand gesagt?
09:09Ja, total.
09:09Also warum sagt man nicht einfach so, Leute, ihr könnt nicht vor Mitte Januar anreisen,
09:12weil bis dahin geht nichts ab.
09:13Genau, wir hätten ja einfach später kommen können.
09:15Wir haben den Anbieter gefragt, was da los war.
09:18Er sagt dazu, dass die Feiertage kurzfristig verlängert worden seien
09:22und dass dem Anbieter nicht klar war, als wir gebucht haben.
09:24Warum wir erst vor Ort davon erfahren, dazu keine Info.
09:28Am nächsten Tag fühlen wir uns zum ersten Mal nützlich.
09:32Dass wir die Schule am Ende deutlich seltener sehen, als erhofft, ahnen wir hier noch nicht.
09:37Und wir lernen auch ein paar Schulkinder kennen, die außerhalb der Unterrichtszeit in der Schule spielen.
09:42Hier merken wir auch, was uns Spaß an dem Projekt machen könnte.
09:45Weil sie uns nicht verstehen, zeigen wir ihnen den Inbegriff deutscher Musik.
09:49Sie lieben es komplett.
09:51Helene Fischer funktioniert über alle Kulturen hinweg.
10:00Die viele freie Zeit, die wir hier haben, wollen wir nutzen, um besser zu verstehen,
10:04ob wir einfach gerade Pech haben oder ob das hier immer so abläuft.
10:11Wir machen uns auf die Suche nach Hinweisen, versuchen mit vielen Leuten vor Ort zu sprechen.
10:18So erhalten wir den Kontakt zu weiteren ehemaligen Freiwilligen,
10:22die mit demselben Anbieter wie wir unterwegs waren.
10:26Zufällig sind sie gerade wieder hier, aber zum Urlaub machen.
10:30Um sie zu schützen, nennen wir sie im Film Mia und Emma.
10:34Für sie sind wir Freiwillige, die auf Sansibar helfen.
10:36Dass wir journalistisch arbeiten und sie filmen, wissen sie nicht.
10:40Wir wollen nicht riskieren, aufzufliegen.
10:47Wie war eure Freiwilligenzeit hier denn für euch?
10:50Also wir haben uns ja voll im Stich gelassen gefühlt.
10:53Es hat sich ja niemand von der Organisation um uns gekümmert.
10:56Und wir hatten zu zweit so als Mädels auch einfach Angst.
11:00Weil das ist ja alles total abgelegen und man weiß auch am Anfang nicht, wo man da ist.
11:05Jetzt kennen wir uns ja viel besser aus und so.
11:08Aber am Anfang war das echt so ein Schock.
11:11Aktuell haben wir auch noch kaum was zu tun gehabt an der Schule.
11:14Wie war das bei euch?
11:16Nö, nö, das hat man auch nicht.
11:18Die nehmen halt das Geld und gut.
11:19Das interessiert keinen, ob man nichts zu tun hat.
11:22Ganz ehrlich, wir haben uns dann einfach eine geile Zeit gemacht.
11:25Freunde kennengelernt und so.
11:26Der Anbieter reagiert verwundert, denn die beiden hätten sich über ihren Aufenthalt positiv geäußert.
11:31Ihr Eindruck ist aber, dass sie bewusst abgezockt wurden.
11:35Habt ihr auch jeder über 1000 Euro bezahlt?
11:37Ja.
11:38Ja, weil jetzt wissen wir, dass man für vier Wochen auch für ein Drittel des Preises ein Zimmer hier kriegt.
11:42Das ist da eigentlich viel zu teuer für Sansibar.
11:45Wir wollen wissen, wer hier vom Geld profitiert und schreiben unserer deutschen Kontaktperson unter einem Vorwand.
11:50Sie sagt uns offen, dass unsere Zahlung aufgeteilt wird auf die Vermittlung und Unterbringung.
11:55Nur eine ganz kleine Pauschale gehe an das Schulprojekt selbst.
11:59Das deckt sich auch mit den Angaben vom Anbieter.
12:01Auf Nachfrage teilt er mit, dass es sich bei den Gebühren nicht um Spenden handelt und das sei auch transparent
12:07genug dargestellt.
12:09Wir wollen besser verstehen, wie funktioniert das Geschäftsmodell freiwilligen Arbeit.
12:13Denn es gibt nicht nur diesen einen kleinen Anbieter, sondern einen ganzen Markt.
12:17Zurück in Köln treffen wir Sebastian Drobner.
12:20Er hat selbst mehrere Jahre für einen großen internationalen Anbieter gearbeitet und war deshalb lange in Südostasien.
12:27Dort hat er die Freiwilligen koordiniert.
12:30Irgendwann reichte es ihm.
12:32Was mich besonders frustriert hat, ist schnell, dass eine nachhaltige Entwicklung nicht möglich ist.
12:35Also ich habe versucht gegen die größeren Firmen, mit denen wir zusammengearbeitet haben, zu kämpfen.
12:40Also längere Orientierung durchzusetzen, den Fokus mehr auf Bildung für die Freiwilligen zu setzen.
12:45Aber das war ein Interessendenkonflikt, weil das ist nicht das, was die Firmen wollten.
12:50Die Firmen wollten eine spannende Erfahrung. Die Firmen wollten, dass die Freiwilligen sich gebraucht fühlen.
12:56Später ist Drobner aus der Branche ausgestiegen und hat eine Initiative für nachhaltige Freiwilligenarbeit gegründet.
13:02Wir haben ihn in unseren Schnittraum eingeladen, um ihm unser Drehmaterial zu zeigen.
13:06Wie viel System steckt in unseren Erlebnissen?
13:09Also die Firmen wissen meistens ganz genau, dass vor Ort nicht der Bedarf ist, den sie auf der Webseite verkaufen.
13:15Ich kann mich da ein paar Unterhaltungen erinnern von großen Firmen, die dann einfach gesagt haben, find einfach irgendwas.
13:20Hauptsache die fühlen sich nützlich. Das muss nicht nachhaltig sein. Hauptsache die fühlen sich nützlich.
13:24Ja, das was wir da erfahren haben, wie sich das Geld, das wir bezahlt haben, für diesen Freiwilligendienst aufteilen, ist
13:30das typisch?
13:30Ich habe es nicht ein einziges Mal erlebt, dass wirklich große Beträge in den Projekten ankamen.
13:36Ist ein Geschäftsmodell, nichts anderes. Und desto mehr Freiwillige sie in den globalen Süden schicken können, desto erfolgreicher wirtschaften sie.
13:45Es ist naiv zu glauben, dass man irgendwie die Entwicklungszusammenarbeit dabei unterstützt.
13:49Doch genau diesen Eindruck erwecken viele Firmen laut Drobner und motivieren so jedes Jahr tausende Freiwillige, an ihren Angeboten teilzunehmen.
13:57Der Markt mit Freiwilligenarbeit sei jetzt schon riesig und wachse weiter, auch in Deutschland.
14:03Exakte Teilnehmerzahlen von kommerziellen Anbietern gibt es nicht.
14:06Denn wer dort teilnimmt, reist meist als Tourist ein.
14:09Experten von Tourism Watch, einer Beobachtungsstelle für nachhaltigen Tourismus, schätzen, dass aktuell rund 20.000 Deutsche pro Jahr solche Angebote
14:17nutzen.
14:18Zum Vergleich, staatlich geförderte Programme wie Weltwärts oder internationaler Jugendfreiwilligendienst
14:24haben bei der letzten Erhebung 2024 vom Verband internationaler Dienste rund 5.000 Volunteers ins Ausland geschickt.
14:31Die Realität im kommerziellen Volunteer-Business sieht dann eher so aus.
14:35Strand, abhängen, Social-Media-Bilder machen.
14:39Sicherlich nicer als ein deutscher Winter, aber eben nicht das, wofür man eigentlich hingereist ist
14:44und so wie Stefan, Pfarrer und Maxim bezahlt hat.
14:47Was hat euch überhaupt motiviert, Freiwilligenarbeit zu machen?
14:51Bei mir war es durch ab letzten Sommer mein Master abgeschlossen
14:53und ich wollte eigentlich, bevor ich so richtig ins Berufsleben einsteig, auch nochmal wegfahren.
14:58Und dann war schon die Überlegung da, so Weltreise, klassisch.
15:01Aber irgendwie dachte ich, ich möchte was mit Sinn machen, sag ich jetzt mal.
15:05Genau dieses Bedürfnis nach Urlaub mit Sinn nutzen kommerzielle Anbieter.
15:10Und am Ende bleiben viele Freiwillige enttäuscht zurück.
15:13Es ist wirklich glaube ich viel mit Vorurteilen verbunden, dass man da hingeht und mit der Intention,
15:18ich kann hier die Welt verbessern, dabei hat es gar nicht nötig.
15:22Dort vor Ort gab es Lehrer, die ihre Aufgabe auch wirklich gut gemacht haben und auch mit Herz dabei waren.
15:27Also auch da ist dann so die Sache, okay, wie notwendig ist man und ist man nicht teilweise überflüssig.
15:33Zumal wir halt keine Qualifizierung haben.
15:36Im Nachhinein sagen alle drei, dass sie Freiwilligenarbeit in dieser Form nicht nochmal machen würden.
15:41Auf Sansibar kontaktieren wir die Afrika-Wissenschaftlerin Melan Nkunkulo.
15:46Sie sagt, viele glauben, Menschen im globalen Süden könnten sich nicht selbst helfen und dass weiße Freiwillige sie retten müssten.
15:53Kommerzielle Firmen nutzen diese Selbstüberschätzung vieler Volontiers.
15:56Ihre Herkunft und ihre Privilegien und formalen Abschlüsse werden oft überbewertet.
16:02Unabhängig davon, ob sie für die konkrete Arbeit qualifiziert sind oder nicht.
16:06Im Prinzip wäre das gleiche ja, aus einem afrikanischen Land würden irgendwelche Highschool-Abgänger an Universitäten arbeiten
16:13oder als pädagogische Fachkraft arbeiten in irgendwelchen Einrichtungen.
16:16Für sie liegt die Verantwortung ganz klar bei den Anbietern.
16:19Sie müssten dafür sorgen, dass Freiwillige bereit sind, von Menschen vor Ort zu lernen.
16:23Genau darauf achten staatliche Programme.
16:27Da sind die Freiwilligen mindestens sechs Monate im Ausland, damit ein echter Kulturaustausch stattfindet.
16:32Außerdem werden die Aufenthalte intensiv vor- und nachbereitet und die Organisationen vor Ort werden regelmäßig geprüft.
16:42Bei unserer verdeckten Recherche auf Sansibar warten wir immer noch darauf, dass wir an der Schule endlich mitarbeiten können.
16:49Als wir dort morgens für unseren Einsatz erscheinen, wird uns der Koordinator der Schule für Freiwilligenarbeit vorgestellt.
16:55Und dann kommt's.
16:57Und wie lange bleibt ihr dann hier bei uns? Nur heute oder noch einen Tag länger?
17:02Ähm nein, also eigentlich sind wir für vier Wochen hier.
17:05Bitte? Was? Wirklich?
17:08Normalerweise bekomme ich E-Mails, die das ankündigen und dann besprechen wir, ob das passt.
17:13Aber ich habe kein Schreiben mehr erhalten. Wir haben nicht damit gerechnet, dass hier kommt.
17:17Okay, wow. Seit einer Woche warten wir auf den Start des Projekts.
17:21Und dann wird klar, es wusste niemand, dass wir überhaupt kommen.
17:24Und dann passiert genau das, was Stefan, Fahrer und Maxim berichtet haben.
17:28Und dann warten wir die ganze Zeit. Bist du eigentlich der Schulterbgemeister, wenn wir nichts zu tun haben?
17:32Ne, also springen wir wirklich nichts zu tun.
17:34Es gibt mir einen funktionierenden Schulbetrieb.
17:37Jeder Lea hat seine Aufgaben und wir sind einfach komplett überflüssig.
17:41Dann fühlst du fast schon so ein bisschen wie so ein Einbrecher.
17:45Exakt, das ist mein Gefühl. Ich habe eigentlich das Gefühl, ich störe.
17:48Ich störe richtig doll. Ich störe die Kinder, weil die abgelenkt werden.
17:53Ich störe die Lehrer, weil sie sich jetzt Aufgaben aus den Ärmel ziehen sollen, die es eigentlich nicht gibt.
17:59Und dann geht es auf einmal doch ganz schnell.
18:02Wir sprechen einen der Lehrer an, ob wir uns irgendwie einbringen können.
18:05Er schickt uns in einen Klassenraum und wir sollen einfach direkt selbst unterrichten.
18:10Was genau, ist komplett egal. Hauptsache, wir langweilen uns nicht.
18:14Echt jetzt?
18:15Madi, jetzt sind wir doch Lehrer geworden innerhalb von einer Stunde.
18:19Alleine mit denen in einem Raum.
18:21Wahrscheinlich sollten wir uns jetzt darüber freuen.
18:23Aber es fühlt sich irgendwie nicht richtig an.
18:26Wir sind keine Lehrer, dafür nicht ausgebildet und angeleitet werden wir auch nicht.
18:31Den Job einfach so machen, das können wir nicht, wie man vielleicht merkt.
18:35Drei.
18:37Drei.
18:39Drei.
18:40Ja.
18:41Wir denken uns etwas aus, um die Zeit zu föhnen.
18:44Sprechen vor, wie man auf Deutsch bis 10 zählt oder wo wir in Deutschland genau wohnen.
18:48And where we live, the city is called Köln.
18:53Also Sachen, die den Kindern überhaupt nichts bringen.
18:56Außer, dass wir hier Zeit totschlagen.
18:58Und dafür wird der normale Unterricht extra unterbrochen.
19:01Denn natürlich gäbe es an dieser Schule sonst vorbereitete Stundenpläne.
19:04Uns irritiert das und es überfordert uns ehrlich gesagt auch.
19:08Allerdings haben Stefan, Pfarrer und Maxim genau das Gleiche erzählt.
19:12Auch sie haben an ihrer Schule allein unterrichtet.
19:15Lehrer spielen, das ist definitiv keine gute Idee in der freiwilligen Arbeit.
19:21Kinderrechtsorganisationen wie EGPED kritisieren das schon lange.
19:24Wir verabreden uns mit der Geschäftsführerin Antje Monshausen.
19:27Sie hat untersucht, was das alles mit den Kindern macht.
19:32Kinder müssen sich immer wieder auf neue Kontaktpersonen einstellen, auf den Charakter von Kontaktpersonen einstellen.
19:39Probieren eben ihnen zu gefallen.
19:42Das kann bei Kindern Störungen im Bindungsverhalten auslösen.
19:47Wir sehen beispielsweise, dass freiwillige Kinder sehr unterschiedlich behandeln,
19:51weil sie jetzt ja auch keine pädagogischen Fachkräfte sind.
19:55Das kann zu Wettbewerbssituationen zwischen den Kindern führen.
19:58Und last but not least sehen wir, dass eben auch reisende Sexualstraftäter ganz gezielt versuchen,
20:06sich Zugang zu Kindern über freiwillige Einsätze zu schaffen.
20:09Monshausen fordert, keine Arbeit mit Kindern ohne erweitertes Führungsteugnis.
20:14Darin wären Verurteilungen wegen sexueller Übergriffe aufgeführt.
20:17Und in Deutschland wäre das auch gesetzliche Pflicht.
20:20Danach wurden wir und auch die anderen drei nicht gefragt.
20:23Der Anbieter schreibt, er bedauere das.
20:26Eigentlich sei das interne Vorgabe.
20:27Zitat, der Schutz der Kinder hat höchste Priorität.
20:31Und die Abläufe seien angepasst worden.
20:34Bei all den Kritikpunkten.
20:36Warum macht die Schule da überhaupt mit?
20:38In den Tagen vor Ort bekommen wir eine Idee.
20:41Immer wieder werden wir darauf angesprochen,
20:43dass wir als Freiwillige ja auch zusätzlich noch Spenden einsammeln könnten.
20:47Bei unseren Familien und Freunden zu Hause.
20:50Oft übernehmen Freiwillige nach ihrem Aufenthalt dann eine Patenschaft für eins der Kinder hier.
20:54Die bezahlen dann die Ausbildung weiter.
20:56Oder sie schicken Geld für Reparaturen und Schulbücher.
20:59Das hilft uns sehr.
21:01Der Schuldirektor zeigt uns auch noch den Rohbau eines neuen Schulgebäudes.
21:05Hier wollen wir bald loslegen mit dem Unterricht.
21:08Aber wir brauchen noch viel Geld, damit die Schule fertig wird.
21:11Und auch wir bekommen das Gefühl, hier dringend helfen zu wollen.
21:15Denn unser Eindruck ist, die Lehrkräfte tun ihr Bestes, um den Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen.
21:20Dabei helfen Freiwillige, die hier rumsitzen, aber nicht, sondern vor allem Geld.
21:24Die Hoffnung scheint zu sein, wenn man freiwillige Helfer irgendwie beschäftigt, dann kommt die Schule unter Umständen an Spenden.
21:32Nur sollten die Schulkinder hier benutzt werden wie ein Streichelzoo?
21:36Ja, das Streichelzoo, das passt ganz gut.
21:39Also es ist ein Playground für uns, für Jugendliche, für Erwachsene aus Deutschland.
21:46Dann werden oft Kinder, Jugendliche in den Schulen natürlich darauf abgerichtet.
21:50Also die lernen, wie muss ich mich gegenüber den Freiwilligen verhalten, um Gelder zu generieren.
21:57Also besser gar kein privates Volontierprojekt machen?
22:01Ich würde jetzt einfach mal pauschal sagen, 99 Prozent der Produkte, da wäre es besser, das Geld zu spenden.
22:06Dann gibt es einen Lehrrahmen vor Ort, dann gibt es noch neue Schulgebäude vor Ort.
22:09Dann kann man wirklich nachhaltig mit dem Geld die Strukturen vor Ort stärken.
22:16Wir sind jetzt eine Woche auf Sansibar. Feste Aufgaben gibt es für uns nicht.
22:20Nach den Erfahrungen der anderen erwarten wir nicht, dass da noch groß was kommt.
22:25Deshalb und auch um unsere Undercover-Recherche nicht zu gefährden, reisen wir mit vielen Kritikpunkten im Gepäck zurück.
22:33Und wir bitten den Anbieter um eine Stellungnahme.
22:37Ein Interview vor der Kamera wollte uns die Geschäftsführerin nicht geben.
22:41Stattdessen haben wir eine Mail von ihrem Anwalt bekommen.
22:43Und darin steht, dass der Anbieter ganz bewusst nicht den gleichen Anspruch wie staatliche Programme habe.
22:49Man habe sich aber für eine, Zitat, praxisnahe, schlankere Vorbereitung entschieden, die projekt- und länderspezifisch sei.
22:57Aber eine Aussage dazu, warum wir keine konkreten Infos zu unserem Schulprojekt bekommen haben, gibt es nicht.
23:02Und wir haben auch gefragt, was der Anbieter dazu sagt, dass sowohl wir beide als auch Stefans Gruppe vor Ort
23:07das Gefühl hatten, dass man gar nicht gebraucht wird.
23:10Dazu schreibt der Anbieter uns, Zitat,
23:36Was der Anbieter rückblickend einräumt?
23:39Die Betreuung bei Stefans Gruppe sei nicht optimal gelaufen.
23:43Allerdings habe es laufend Gespräche mit den Beteiligten gegeben.
23:48Dass wir und Stefans Gruppe ohne entsprechende Qualifikation Kinder unterrichtet haben, bedauert der Anbieter übrigens.
23:54Es sei definitiv nicht Teil des Konzepts, dass Freiwillige alleine Unterrichtsstunden durchführen.
24:00Es heißt, man arbeite an Verbesserungen.
24:05Das ganze kommerzielle Volunteer-Business hat echte Macken.
24:08Man kann da als Freiwilligenhelfer auch nur für wenige Wochen eine gute Zeit haben.
24:13Man muss sich nur im Klaren darüber sein.
24:14Dann tut man es in erster Linie für sich selbst, um zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.
24:20Und ja, klar ist es geil, auf Sansibar am Strand zu chillen.
24:23Aber es profitieren vor allem die Anbieter, die aus der Hilfsbereitschaft junger Menschen ein lukratives Geschäftsmodell gemacht haben.
24:30Denn Menschen vor Ort aber schaden solche Kurzzeitaufenthalte oft mehr, als das sie nutzen.
24:34Am Ende bleibt, ein paar Wochen helfen wollen, das reicht leider einfach nicht aus.
24:40Wenn man unbedingt vor Ort sein möchte, dann braucht es ausreichend Zeit, eine gute Betreuung und eine Begegnung auf Augenhöhe.
24:48Auf Wiedersehen, Leute!
24:50Na, da!
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